Ja, es tat
sich viel in den letzten drei Wochen, sowohl
Positives wie auch Negatives. Sportlich
überwiegt jedoch das Plus. Trotzdem ist dies
keine wirklich heitere Zusammenfassung der
letzten vier Spiele. Von Leuchtspur,
Krabbenbrötchen, Boykott, selektiver Wahrnehmung
und schlechten Verlierern. Und natürlich von
einem roten Licht, das nie verglüht...
Mal wieder ein
Punkt im Tal
Business as usual:
ebenso, wie Fortuna mit schöner Regelmäßigkeit
im Niederrhein-Pokal in der 3. Runde in
Wuppertal ausscheidet, genauso regelmäßig spielt
man bei den Meisterschaftsspielen am Zoo
unentschieden. Das 1:1 im Spiel vom 08.09.2006
war im dritten Aufeinandertreffen der beiden
Teams in Wuppertal nach Fortunas Wiederaufstieg
auch das dritte Remis. Auch scheint man sich auf
dieses spezielle Unentschieden eingeschworen zu
haben, beide Partien gegen den WSV in der
letzten Saison endeten ebenfalls 1:1. Während
man allerdings beim letzten Heimspiel gegen die
Bergischen über diesen Punkt noch froh sein
konnte, wurde er doch noch kurz vor Schluss in
Unterzahl eingefahren, so war dieses erneute
Unentschieden aus Fortuna-Sicht eher ärgerlich.
Vor der stattlichen Freitagabend-Kulisse von
11.100 Zuschauern (das Spiel wurde aufgrund des
Zuschauerandrangs mit 15 Minuten Verspätung
angepfiffen) war Fortuna in der ersten Halbzeit
die klar bessere Mannschaft und ging verdient
durch einen Flachschuss aus 12 Metern von Ahmet
Cebe kurz vor der Pause in Führung. Den Wuppis
fiel in der ersten Halbzeit außer langen Bällen
nach vorne überhaupt nichts ein, sie spielten
keine Torchance heraus, man konnte mit der
Leistung der Fortuna absolut zufrieden sein. Und
so ging es in der 2. Halbzeit auch zunächst
weiter. Die Wuppertaler erspielten sich zwar ein
Übergewicht, ohne jedoch zu nennenswerten
Torchancen zu kommen. Fortuna hingegen versäumte
es, den entscheidenden Konter zu setzen und gab
das Spiel quasi schleichend aus der Hand, weil
man nur noch versuchte, den knappen Vorsprung
über die Zeit zu schaukeln. Und dass wir gerade
das nicht können, ist dem Kenner der Materie ja
schon hinlänglich bekannt. Natürlich ging es
schief, und Fortuna wäre nicht Fortuna, wenn man
nicht nur den Ausgleich kassiert hätte, sondern
dabei wieder zwei alte „Traditionen“ gepflegt
hätte: als die Zuschauer des Gastgebers schon
scharenweise die Haupttribüne verließen, weil
die 90 Minuten rum waren, spielte Siberie am
Strafraum auf Policella, der drehte sich um
Gegenspieler und eigene Achse und zimmerte die
Kugel links oben ins Eck: Ausgleich mal wieder
in der „letzten Sekunde“ und mal wieder durch
einen Ex-Fortunen. Torwart Deuß schaute dem Ball
äußerst interessiert, aber völlig regungslos
hinterher, und auch wenn ich der Ansicht bin,
dass er den selbst mit einer Flugeinlage à la
Higuita nicht mehr bekommen hätte, es war nicht
das erste Mal in dieser Saison, dass er durch
das gänzliche Fehlen jedweder Reaktion
beeindruckte. Damit muss man leben, aber ich
stelle mir immer wieder gerne vor, wie das
Fan-Echo auf dieses Gegentor ausgefallen wäre,
hätte es zu Beginn der letzten bzw. vorletzten
Saison eingeschlagen, als der Torwart noch
Carsten Nulle hieß. Insgesamt natürlich ein
hochverdienter Punkt für die Landeshauptstädter
beim damaligen Tabellen-2., ärgerlich nur, dass
der Sieg kurz vor Schluss noch verspielt wurde.
Und doppelt
ärgerlich, dass es auch im Umfeld mal wieder
einen Aussetzer gab: da kommen über 4.000
Fortuna-Fans nach Wuppertal, haben das Stadion
stimmungstechnisch voll in der Hand, was selbst
die Heim-Fans nach dem Spiel neidlos
anerkannten, und dann schießt ein Idiot kurz vor
Ende des Spiels Leuchtspur in einen anderen
Fan-Block (in dem überwiegend Wuppertaler
standen, aber auch ein paar Fortuna-Fans saßen).
Verletzt wurde glücklicherweise niemand,
ermittelt wurde der Kriminelle aber natürlich
bislang auch wieder nicht. Und wer im letzten
Bericht noch wortreich (und wie ich immer noch
finde, zurecht) über das Kroppzeuch hergezogen
ist, was sich in Dresden im Stadion und davor so
rumtreibt, der darf vor dem eigenen Pack
natürlich nicht die Augen verschließen: diese
Aktion war das Allerletzte, und es ist
mittlerweile auch schon mehr als eine Mail an
den WSV gegangen, in der sich die Fans und auch
der Verein für diesen Anschlag entschuldigt
haben. Ich persönlich wünsche diesem Deppen
neben einem lebenslangen Stadionverbot etwas,
das ich hier nicht unbedingt explizit ausführen
möchte. Nur soviel: es hätte unmittelbar etwas
mit dem von ihm verwendeten Signalmittel und
seinem eigenen Gesäß zu tun...
Blamage im
voraus
Am 13.09.2006
spielte Fortuna bei Kickers Emden. Dies war ein
vorgezogenes Spiel des 15. Spieltags. Dieser
findet unter der Woche am 08.11.2006 statt,
einer derjenigen zusätzlichen Spieltage, die ins
Rahmenprogramm eingepuzzelt werden müssen, weil
die Regionalliga Nord eine Mannschaft mehr hat
als die Konkurrenz im Süden oder die 1. und 2.
Liga. Der DFB setzte diese Partie allen Ernstes
für den 08.11. (Mittwoch), 14.00 Uhr an, weil
Emden nicht über fernsehtaugliches Flutlicht
verfügt! Eins von vielen Beispielen, die immer
wieder sehr schön zeigen, wer beim Fußball bei
der Spielplanerstellung am meisten
berücksichtigt wird. Die jeweiligen Vereine sind
es auf alle Fälle nicht. Da dieser Spieltermin
auch für die Gastgeber eher ein Schlag ins
Gesicht denn eine vernünftige Ansetzung war,
wurden unmittelbar nach der Spielplanerstellung
die Verhandlungen aufgenommen, und der DFB
stimmte einer Vorverlegung auf den 13.09.06
(ebenfalls Mittwoch), 17.30 Uhr, zu. Nicht viel
besser, aber immerhin war mit besserem Wetter zu
rechnen. Und so kam es auch, es wurde ein
strahlend schöner und warmer Spätsommertag, wie
geschaffen für einen Ausflug an die Nordsee.
Wetter toll, Gastgeber wieder gut drauf, wie
schon bei unserem ersten Spiel dort im März, die
Krabbenbrötchen zu 2,60 Euro, direkt aus dem
Emder Hafen ans Stadion gekarrt, wieder mal
unvergleichlich – ein perfekter Tag also.
Vielleicht hätte man noch kurzfristig dieses
Fußballspiel absagen sollen, dann wäre es
wirklich perfekt gewesen. Fortuna unterlag beim
BSV Kickers Emden mit 0:1 und bot die mit
Abstand schlechteste Saisonleistung. Am frühen
Abend auf irgendwelchen Dorfplätzen anzutreten,
scheint nicht unser Ding zu sein, Bremen II oder
Lüneburg sind noch gut bekannte Beispiele aus
der jüngeren Historie. Wie man sich allerdings
als Spieler hinterher an den Zaun stellen und
genau diese Erklärung für den zuvor 90 Minuten
lang zelebrierten Anti-Fußball bieten kann, ist
wirklich schon ein starkes Stück. Das war fast
so peinlich wie das Spiel zuvor.
Das Tor des Tages
erzielte mit Rudi Zedi in der 31. Minute
natürlich wieder mal ein ehemaliger
Fortuna-Spieler. Ich schwöre, in den sechs
Jahren, in denen er für uns gespielt hat (bis
2002), hat der kein Scheunentor getroffen, noch
nicht mal, wenn man ihn in einem Meter
Entfernung davor mit Fußrichtung nach vorne
festgekettet hätte. Hier wummste er die Kugel
aus 9 Metern unter die Latte, nachdem die
Fortuna-Abwehr den Ball nach einem Freistoß
nicht wegbekam. Man kennt es ja langsam und
ärgert sich trotzdem. Noch mehr konnte man sich
über das Spiel ärgern, das über weite Strecken
ein lauer Sommerkick bei ebensolchem Wetter war,
und zwar durchaus von beiden Mannschaften. Da
Emden wenigstens kämpferisch alles in die
Waagschale warf, war der Sieg nicht unverdient,
obwohl sie in der gesamten 2. Halbzeit nur eine
einzige Torchance hatten. Die vergab zum Glück
Falk Schindler, dessen unerlaubter
Haarwuchsmitteleinsatz uns im letzten Jahr in
der Hinrunde noch drei Punkte bescherte. Ich
schätze mal, diesmal hatte er besser aufgepasst.
Ca. 400 mitgereiste Fortunen sahen eine
enttäuschende Fortuna, die zwar besonders in
Hälfte 2 ständig feldüberlegen war, allerdings
nur Gefahr vor dem Kickers-Tor verbreitete, wenn
Markus Anfang mal zum Freistoß antrat. Somit war
vor 2.500 Zuschauern das kleine Zwischenhoch
nach den beiden Auftaktniederlagen bereits
wieder endgültig beendet.
Und um mal eins
klarzustellen: natürlich kann man in Emden
verlieren. Deren ständiges Understatement sollte
man durchaus auch mal kritisch hinterfragen. Vom
„Dorfklub-Image“ bleibt da höchstens noch der
Name. Zum Beispiel steht im Emder Kader ein Herr
namens Sebastian Schoof. Schon mal gehört?
Richtig, der hat vor noch nicht allzu vielen
Jahren unter anderem mal für Bayer Leverkusen in
der Champions League gespielt und getroffen. So
jemanden setzt man in Emden beim Spiel gegen
Fortuna Düsseldorf auf die Bank Wie überhaupt
die Emder Reservisten mehr Zweit- und
Regionalliga-Spiele aufzuweisen hatte als ein
Großteil des Fortuna-Kaders. Für die Namen in
ihrer Mannschaft stehen die auch erstaunlich
schlecht in der Tabelle. Aber wir hatten
natürlich auch einen Anfang oder einen Feinbier
oder einen Podszus dabei. Deshalb darf man auch
bei einer Niederlage eine einigermaßen
engagierte Leistung erwarten. War aber nicht.
Für das, was da auf beiden Seiten auf dem Platz
stand (der übrigens in einem grauenvollen
Zustand war, da stimmt das Klischee vom
Dorfbolzplatz wieder), war dieses uninspirierte
Gebolze am Mittwochnachmittag eine Beleidigung
für’s Auge. Aber wie gesagt, die Emder mühten
sich wenigstens, das reichte dann schon. Das war
das, was besonders weh tat. Und natürlich die
Tatsache, dass man jetzt am 15. Spieltag frei,
aber keine Punkte hat.
PS. Ich musste
auch eine persönliche Niederlage einstecken: ich
verlor gegen den Fortuna-Pressesprecher 3:4 im
Verzehr von Fischbrötchen. Das muss am Urlaub
liegen, den ich zu diesem Zeitpunkt immer noch
genoss, der macht einen so träge...
Das
schlechteste 4:0 aller Zeiten
Okay, eine
reißerische Überschrift, Marke Zeitung mit den
vier großen Buchstaben. Hauptsache, einen
Superlativ drin unterbringen, einen
Augenfänger...das reicht dann schon.
Umwelteinflüsse, you know. Aber mal ehrlich:
wenn es jemals ein schlechteres 4:0 gegeben
haben sollte, dann bin ich froh, dass ich das
nicht sehen musste. Was Fortuna am 16.09.2006
gegen Borussia Dortmund II bot, war über weite
Strecken nur wenig besser als die
Arbeitsverweigerung in Emden. Immerhin, diesmal
war es die Fortuna, die sich wenigstens
bemühte, die Scharte wieder auszuwetzen. Und da
der Gegner zwar flott mitspielte, aber so was
von harmlos vor dem Düsseldorfer Kasten war, gab
es diesen deutlichen Erfolg, der erst in der
Schlussphase herausgespielt wurde.
Positiv war, dass
in den letzten 10 Minuten alle Stürmer trafen,
nachdem ein Verteidiger mal wieder vorgemacht
hatte, wie es geht: Jens Langeneke verlängerte
kurz vor der Pause einen Freistoß mit dem
Hinterkopf ins lange Eck, vom Innenpfosten
trudelte die Kugel ins Tor, ein schöner Treffer.
Dann plätscherte das Spiel weiter vor sich hin,
kaum Chancen auf beiden Seiten, bis die
Dortmunder, die laut Aussage ihres Trainer ohne
sieben Stammspieler angereist waren (was ich bei
diesen Truppen immer etwas misstrauisch sehe,
denn wenn sie die entsprechende Anzahl von
Profis für ein Spiel geschenkt bekommen, sitzen
diese „Stamm“kräfte ja auch draußen), in den
letzten zehn Minuten zusammenbrachen. Feinbier
mit hübschem Heber aus 16 Metern, Adewunmi mit
Kopfball nach Ecke, und Podszus, ebenfalls mit
dem Kopf nach Flanke von Wolf, schraubten das
Ergebnis noch in ungeahnte und unverdiente
Höhen. Andererseits setzte die Mannschaft auch
endlich mal nach und machte die Tore, anstatt zu
versuchen, das 1:0 mal wieder über die Zeit zu
schaukeln, als man merkte, dass die Gäste nicht
mehr konnten. Somit ein kleiner
Hoffnungsschimmer und eine wenigstens dem
Ergebnis nach eine gelungene Wiedergutmachung
für das Emden-Gekicke.
Aber eigentlich
interessierte dies nur noch am Rande. Denn in
der Woche zuvor hatte es etwas noch nie
Dagewesenes gegeben, das die Fan-Szene
nachhaltig erschütterte: da die „Selbstreinigung
der Kurve“ mal wieder aus Solidarität ausfiel,
sprich, der Heckenschütze vom Wuppertal-Spiel
mal wieder nicht gemeldet wurde, reagierte der
Verein und setzte erstmals in der Geschichte
eine Belohnung von 500 Euro für sachdienliche
Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters
führen würden. Dies geschah wohl auch, um dem
DFB mal zu demonstrieren, dass man zumindest
versucht, solche Leute aus dem Verkehr zu
ziehen. Und es kam, wie es kommen musste,
unmittelbar vor dem Dortmund-Spiel wurde ein Fan
von einem Ordner als möglicher Täter gemeldet.
Natürlich stammte dieser Fan aus der „Ultra“-Szene.
„Natürlich“ deswegen, weil diese Fans stets
sofort im Fokus stehen, wenn es um den Einsatz
von Leuchtmitteln geht, da es für sie ja wohl
einen Teil ihrer „Fan-Kultur“ darstellt, Strafen
für den Verein inklusive. Da vor dem Abschuss
der Leuchtspur im Fan-Block auch Pyro abgebrannt
worden war, lag der Verdacht nahe, dass einer
der Herrschaften es dort mit seiner persönlichen
„Pyro-Show“ etwas übertrieben hatte, zumindest
jedoch, dass der ein oder andere aus der Szene
den Täter gesehen hatte, allerdings bis heute
schweigt, aus den bekannten Gründen: weil man
gegen das „große, böse System“ zusammenstehen
müsse, weil man nicht als „Denunziant“ gelten
will, und überhaupt, es war ja wieder mal nichts
passiert. Ich erinnere mich ungern an eine
ähnliche Szene aus dem ARAG-Pokal-Endspiel 2004
gegen RW Essen, als in der Krefelder Grotenburg
eine Leuchtkugel quer über den Platz auf die
Haupttribüne gefeuert worden war, was
anschließend von einem Mitglied der Ultra-Szene
(wohlgemerkt, von einem!) im offiziellen
Fortuna-Forum als „Kollateralschaden“ bezeichnet
wurde. Anderer Leute Gesundheit scheint für
einige wirklich Nebensache zu sein, egal ob aus
dem Ultra-Dunstkreis oder nicht.
Der Knackpunkt an
der Erklärung des Vereins war aber sicherlich
auch, dass die Belohnung für sachdienliche
Hinweise nicht nur den Vorfall beim
Wuppertal-Spiel betraf, sondern auf sämtliche
Verstöße gegen die Stadionordnung ausgeweitet
wurde, was ja nun auch den Einsatz von Pyro und
Rauch im Block betrifft. Als dann „natürlich“
ein Ultra als erste Person von dieser Maßnahme
getroffen wurde, der „natürlich“ unschuldig ist
(das wiederum haben natürlich alle gesehen, die
sonst nichts sehen), gab dies den Ausschlag: die
Ultras Düsseldorf verhängten noch während des
Spiels gegen Dortmund einen Stimmungsboykott und
veröffentlichten anschließend eine offizielle
Erklärung, in der sie gegen die Maßnahmen des
Vereins protestierten und schrieben, man werde
“Gestapo-Methoden“ in der Kurve nicht dulden.
Ja, wir haben echte Kenner in der Szene, die
auch nicht davor zurückschrecken, dem Verein
Folter und Erschießung in vereinseigenen Kellern
vorzuwerfen, oder wie darf ich das mit den
Gestapo-Methoden jetzt verstehen? Ich warte
seitdem auf die ersten Vermisstenlisten
plötzlich verschwundener UD-Mitglieder. Da war
man dermaßen weit über das Ziel
hinausgeschossen, dass zumindest ich persönlich
bis heute in solchen Äußerungen nur erkennen
kann, wie gut es doch manchen Leuten im „großen,
bösen System“ zu gehen scheint. Und wenn man auf
der einen Seite überzieht, kann man auf der
anderen ja ein bisschen einsparen: es erfolgte
keinerlei Abgrenzung der Ultras zum Täter von
Wuppertal, sodass nun erst recht bei dem ein
oder anderen der Verdacht hochkam, in
Ultra-Kreisen könne zumindest der Täter nicht
ganz unbekannt sein, wenn es von ihnen selbst
schon keiner gewesen sei. Ein ziemliches
Eigentor. Man beschwerte sich, vielleicht nicht
zu Unrecht, darüber, dass hier nach dem „ersten
Anschein“ ein bestimmter Kreis von Fans
verdächtigt wird, weil diese dafür bekannt sind,
pyrotechnischen Mitteln nicht ablehnend
gegenüber zu stehen. Okay. Dann muss man aber um
der Glaubwürdigkeit willen im selben Atemzug
erklären, damit auch nichts zu tun zu haben.
Unschuldsvermutung hin oder her, ansonsten sagt
man mit solch einer Erklärung nur eines: es ist
eine Frechheit, uns zu verdächtigen – selbst
wenn wir es gewesen wären. Und genau so wurde es
auch von einigen verstanden.
Über die Maßnahme
des Vereins, eine Belohnung für jeden Verstoß
gegen die Stadionordnung auszusetzen, ohne eine
Differenzierung der Delikte vorzunehmen, und
somit eventuell einer anonymen Massenmeldung all
derjenigen Vorschub zu leisten, die sich mal
schnell 500 Euro verdienen wollen, kann man in
der Tat geteilter Meinung sein. Auch über das
Verbot der Choreo, welches wohl vor dem Spiel
gegen Dortmund erfolgte. Leider wurde bis heute
nicht gesagt, warum die Choreo verboten wurde.
Aber wie gesagt, man muss sich wahrlich nicht
alles bieten lassen. Wenn man dann allerdings
der Paranoia erliegt, der Verein nutze die
Gelegenheit aus dem WSV-Spiel, die ganze
„aktive“ Fan-Szene platt zu machen, dann nimmt
man sich selbst zwangsläufig etwas zu wichtig
und schießt über das Ziel hinaus. Wer im
Internet dagegen sprach, wurde teilweise übelst
abgebügelt, sodass mal wieder klar wurde, dass
sich Selbstkritik bei den „aktiven“ Fans nicht
gerade großer Beliebtheit erfreut und dass sich
einige (einige!) Ultras stimmungs- und
fantechnisch mal wieder für den Nabel der Welt
hielten.
In der Woche nach
dem Dortmund-Spiel schoben die Ultras einen
weiteren offiziellen Aufruf nach:
Stimmungsboykott in der ersten Halbzeit des
anstehenden Spiels in Lübeck aufgrund der vom
Verein verhängten Maßnahmen. Weiter bürgte man
für die Unschuld des unter Verdacht stehenden
Mitglieds, eine sehr schöne und keineswegs
selbstverständliche Äußerung, wie ich finde, und
distanzierte sich endlich von der Blitzbirne,
die im Wuppertal-Spiel in den gegnerischen Block
geballert hatte. Das ist somit hinzunehmen, bis
etwas anderes bewiesen ist. Für mich heißt dies,
dass von UD niemand für diese Attacke (denn was
anderes sollte es ja wohl nicht sein)
verantwortlich ist. Ob der ein oder andere nicht
doch weiß, wer es gewesen ist, und weiter
schweigt, oder ob der ein oder andere das Ganze
nicht doch gar nicht mal so uncool fand, steht
auf einem anderen Blatt, und trifft sicherlich
nicht nur bei den Ultras zu.
Leider vergaß man
in dieser Erklärung, sich auch für den
unglaublichen Gestapo-Vergleich aus dem
vorherigen Memorandum zu entschuldigen, und ja,
ich reite darauf herum, weil es sich extra um
eine offizielle Erklärung der
Fan-Vereinigung gehandelt hatte, und nicht um
irgendein Geschmiere eines Einzelnen, der es dem
Verein mal so richtig geben wollte. Außerdem bat
man erst um Solidarität der anderen Fans beim
Stimmungsboykott, verkündete aber vollmundig am
Ende der Erklärung, die Kurve (d.h., die gesamte
Kurve) werde in Lübeck in der ersten Halbzeit
schweigen. Was der Rest der Kurve davon hielt,
konnte man in den folgenden Tagen ausführlich
nachlesen, ich beschränke es auf zwei Worte:
nicht viel.
Wir wollen hoffen,
dass sich diese Konflikte innerhalb der
Fan-Szene und von Teilen der Fan-Szene mit dem
Verein in nächster Zeit entschärfen. Natürlich
ist eine Belohnung für die Meldung von Delikten
gleich welcher Art eine heikle Sache.
Andererseits: was soll der Verein noch machen?
Seit Jahren muss man ohnmächtig zusehen, wie
Teile der Kurve eine Geldstrafe nach der anderen
produzieren (und damit sind beileibe nicht nur
die Ultras gemeint), in der letzten Saison waren
es wieder gepflegte 35.000 Euro, für Wuppertal
steht die Rechnung noch aus. Die von den Fans
immer wieder gern propagierte „Selbstbestimmung
der Kurve“ verhindert eine Täterermittlung, weil
solche Sachen für diese Leute zum Fußball
gehören, oder sie nicht in der Lage sind, anders
Stimmung zu machen oder aus welchen Gründen auch
sonst. Also werden die Täter stets gedeckt, weil
man ja gemeinsam gegen das System und den bösen
Fußball-Kommerz zusammensteht. Der Verein wird
hier von seinen Fans im Stich gelassen, muss
aber gegenüber den Instanzen deutlich machen,
dass er gewillt ist, dagegen vorzugehen, denn
soll der Verein beim DFB vielleicht bei der
nächsten Verhandlung „Strafaussetzung“
beantragen, weil Fans halt nur das zelebrieren,
was sie unter „Fan-Kultur“ verstehen? Ich habe
irgendwie Verständnis dafür, wenn beim Verein
jetzt reagiert wurde. Ob das teilweise nicht
doch etwas von „Mit Kanonen auf Spatzen
schießen“ hat, sollte aber auch dort möglichst
schnell überprüft werden. Nur: verstehen kann
ich es. Das Maß ist voll.
Lustigerweise
steht genau dieser Satz auch in der Erklärung
der Ultras Düsseldorf. Vielleicht wäre es mal an
der Zeit, dass beide Seiten ein wenig
abschöpfen, bevor das Maß überläuft...
Ein großer
Abend
Am 22.09.2006
reiste der Fortuna-Tross gen Schleswig-Holstein,
zum Auswärtsspiel beim VfB Lübeck. Ein
ziemlicher Streifen, gewiss, aber Lübeck ist
immer eine Reise wert. Und auch die Mannschaft
bemüht sich stets, dort ein spektakuläres Spiel
abzuliefern. Beim vorletzten Mal (Mai 2005)
gewann man 1:0 und verdarb dem Gastgeber bei
deren letztem Heimspiel der Saison den Aufstieg
Beim letzten Mal, fast auf den Tag genau ein
Jahr vor dem diesjährigen Spiel, verlor man erst
in der 93. Minute mit 0:1. Das Spiel des 9.
Spieltages der Saison 2006/07 sollte alles
übertreffen.
Dies begann
bereits mit der Anfahrt. Mittags um 12 machte
man sich aus Düsseldorf auf in Richtung
Marzipan. Ich war Beifahrer, mein Fahrer war
allerdings auch nicht der Wagenbesitzer, er
hatte ihn sich nur geliehen. Wir fuhren grad auf
der Autobahn nach Wuppertal hinein, da schien am
Armaturenbrett ein rotes Lichtlein auf, welches
ein Symbol, bestehend aus einem Auto und einem
Schraubenschlüssel, beleuchtete. Dann ging es
wieder weg, ging wieder an, ging wieder
weg...spätestens in Höhe Münster blieb es
dauerhaft an. Beim tapferen Nachblättern in der
im Handschuhfach beheimateten
Bedienungsanleitung fand ich nicht nur eine
Erklärung für das Lämpchen, nämlich eine
schadhafte Motorenelektronik sowie die Tatsache,
dass beim Leuchten der Lampe ein
Elektronik-Notprogramm liefe, sondern auch den
sicherlich gut gemeinten Hinweis: bitte
möglichst sofort die nächste
xxx-Vertragswerkstatt ansteuern. Na, großartig,
und das mit noch ca. 1.000 km hin und zurück vor
der Brust. Egal, einmal in die Brieftasche
geschaut, jawohl, Kundenkarte des ADAC mit
entsprechender Telefonnummer am Mann, also:
weiterfahren, bis die Kiste den Geist aufgibt.
An einem Freitagnachmittag in eine
Service-Werkstatt und dann die Elektronik
checken lassen, haha. Da hätten wir auch gleich
wieder nach Hause fahren können. So nicht!
Nun, der Wagen
brachte uns brav und sicher (nur allzu schnell
fahren war nicht angesagt, ab Tempo 130 begannen
die Ventile zu klappern) bis nach Hamburg. Hier
wiederum hatte man rechtzeitig zur Fußball-WM
sämtliche Baustellen vom Erdboden getilgt, denn
die Welt war ja zu Gast bei Freunden. Und wenn
die Welt wieder weg ist, muss man ja auch
geheuchelte Freundschaft nicht länger
aufrechterhalten. Alle Baustellen wurden wieder
ausgebuddelt, noch ein paar dazu erfunden –
sämtliche Hamburger Kreuze und Dreiecke
verschwinden derzeit unter rot-weißen
Absperrbaken, Fahrbahnverengungen und Sperrungen
kompletter Autobahnabschnitte. Und damit auch
wirklich jeder etwas davon hat, war dem Radio zu
entnehmen, dass an einem Hamburger Kreuz gar ein
Fahrstreifen über mehrere Kilometer Länge
gesperrt war, weil – der Standstreifen neu
bemalt wurde! An einem Freitagnachmittag! Es ist
natürlich sonnenklar, bei wem diese Planer einst
in die Lehre gegangen sein müssen: bei der
Deutschen Bahn. Andererseits musste man den
Standstreifenmalern schon fast ein Lob
aussprechen, da wurde wenigstens noch
gearbeitet. Bei sämtlichen anderen Baustellen,
an denen wir vorbeikrochen, war natürlich nicht
mal ansatzweise jemand zu sehen.
Rund um Hamburg
herrschten an jenem Nachmittag 40 km Stau, drei
davon verursacht durch einen Unfall, der Rest
einzig und allein auf Baustellen zurückzuführen.
Sollte noch irgendjemand einen Beweis benötigen,
dass Deutschland bei der Verkehrsplanung völlig
überfordert ist (was ja bei der Deutschen Bahn
unter Hand schon hier und da zugegeben wird),
der sollte in den nächsten Woche mal einen
kleinen Abstecher auf der Autobahn nach Hamburg
machen. Möglichst freitags nachmittags. Ich kann
auch dafür bürgen, dass etwas geboten wird,
gleichgültig, welche Strecke man nimmt.
Wenn man die A1
weiter nach Lübeck fährt, bekommt man sogar noch
richtig etwas geboten. Nämlich einen 14 km
langen Stau zwischen Bargteheide und Reinfeld
(die letzte Ausfahrt vor dem Stadtgebiet
Lübeck!), verursacht von einer ungelogen 10 km
langen Baustelle. Mein persönlicher Rekord, aber
vielleicht kennt ja jemand noch etwas Längeres.
Wobei, wir wollen nicht meckern: die ganzen
Staus hinderten uns am schnellen Fahren, was ja
wiederum unserem leicht angeschlagenen Fahrzeug
zu Gute kam. So erreichte man mit permanent
leuchtender Signallampe und reichlich genervt
doch noch Lübeck und die Lohmühle. Wir hatten
auch noch reichlich Zeit, das schöne Wetter zu
genießen, und die Fan-Fete, die ein Sponsor
angekündigt hatte, und die vor dem Spiel dem
Aufwärmen dienen, aber erst richtig nach der
Partie losgehen sollte. Fan-Fete – war da nicht
mal was? Ja, genau, bei unserem vorletzten Spiel
an der Lohmühle stand das Freibier und lagen die
Aufstiegs-T-Shirts vor dem Spiel auch schon
bereit. Da wollten wir doch mal sehen, ob wir
diesmal nicht auch einen bescheidenen Anteil zu
den Fan-Feierlichkeiten liefern konnten.
Und wir konnten.
In der ersten halben Stunde war Fortuna klar die
bessere Elf, Lübeck fand bis auf einen Kopfball
von Heun, den Deuß großartig parierte, überhaupt
nicht statt. Fortuna ging dann auch folgerichtig
durch eine schöne Einzelleistung von Lambertz
völlig verdient in Führung. In der 25 Minute
schoss Kullig an der Mittellinie versehentlich
Andy Lambertz an. Der Ball prallte weit in die
Lübecker Hälfte, Lambertz setzte nach, überlief
auch noch den letzten Mann der aufgerückten
Lübecker und schlenzte die Kugel über Frech
unter die Latte. Ein prima Tor.
Bis dahin war auch noch alles gut. In den
20 Minuten vor der Pause eskalierte die Partie
allerdings, und Schiri Thomas Frank, der
Collina-Verschnitt, verlor mal wieder den
Überblick. Das ist der Mann, der vor zwei Jahren
in Münster ein glasklares Handspiel eines
Münsteraners auf der Torlinie übersah und statt
Elfmeter einfach das Spiel abpfiff. Das ist auch
der Mann, der im letzten Jahr (aber noch
vorletzte Saison) beim Spiel in Köln beide
Mannschaften 20 Minuten in die Kabine schickte,
weil Rauch und Bengalen im Kölner Block gezündet
worden waren. Ich will damit wirklich nicht
sagen, dass der Mann Fortuna benachteiligt, nur,
dass er wirklich des Öfteren den Überblick
verliert, genau wie ein Herr Gräfe. Da beim DFB
aber nicht sein kann, was nicht sein darf,
pfeift er mittlerweile 2. Liga. Wahrscheinlich
geht’s bei Koblenz gegen Unterhaching wirklich
friedlicher zu. Fakt ist, dass das Spiel härter
wurde, und zwar von beiden Seiten. Für die
Lübecker war die Sache klar: die Fortunen liefen
Amok, und wenn sie selbst gefoult wurden, war
das Schauspielerei. Der Journalist neben mir auf
der Pressetribüne ereiferte sich, das sei ja
genau wie letztes Jahr eine einzige
Schauspiel-Truppe. Nun, zum letzten Jahr habe
ich damals auch schon Entsprechendes
geschrieben: damals war in den Lübecker
Nachrichten von üblen Schauspieleinlagen der
Fortunen die Rede. Das ging anscheinend damals
so weit, dass sich Cebe selbst das Nasenbein
gebrochen und Barth sich ebenfalls selbst einen
Augenbrauen.Cut zugefügt hatte, um glaubwürdiger
zu wirken. Wir haben aber auch ein paar
Masochisten im Team. Und dieses Jahr schon
wieder! Wurde hingegen ein Lübecker gefoult und
blieb liegen, waren das Düsseldorfer, die „Amok
liefen“, wie es der offizielle Live-Ticker des
VfB tatsächlich verkündete. Vereinsbrille, schön
und gut. Aber so weit darf es meiner Meinung
nach nicht führen. Obwohl, es wurde ja noch
besser.
In der 36. Minute
das 1:1 durch Dustin Heun, ebenso wie Benny
Baltes ein Ex-Uerdinger im Team, und ein großer
Freund des ungestraften Ellenbogeneinsatzes
gegen seine schauspielernden Gegenspieler. Bei
einem Freistoß von Lübecks Routinier Dietmar
Hirsch war Torwart Deuß nicht aus dem Tor
gekommen, und in der Spielertraube am 5-m-Raum
war es Heun, der die Kugel über die Linie
drückte. Deuß schlug den Ball zwar noch weg,
aber eindeutig hinter der Linie, es gab auch
keine Proteste von Düsseldorfer Seite.
Interessanter war da schon, dass der Schiri
wieder mal nicht Herr der Lage war, er ließ
nämlich zunächst einige Sekunden weiterspielen,
bis der Assistent „Tor“ anzeigte. Aber der Ball
war drin, keine Frage. Der Ausgleich hatte sich
abgezeichnet, denn wenn beide Teams sich nicht
grad gegenseitig beharkten, dann war Lübeck nach
dem Rückstand deutlich offensiver geworden und
hatte Fortuna hinten rein gedrängt.
In der 44. Minute
wieder eine Flanke von rechts in den
Fortuna-Strafraum, und Krecidlo drückte den
einköpfbereiten Heun von hinten weg -
Foulelfmeter, berechtigt, keine Frage, auch
keine Proteste. Kullig verwandelte links unten,
2:1, Deuß wäre fast dran gewesen. So richtig
verdient war das jetzt nicht, ein Unentschieden
wäre okay gewesen. Das war aber nichts im
Vergleich zu dem, was dann folgte.
Nachspielzeit der
ersten Hälfte: links neben dem Fortuna-Strafraum
Zweikampf Langeneke/Heun, beide gehen zu Boden.
Langeneke steht auf und will Heun wohl noch ein
paar nette Worte sagen. Aber da kommt die
Uerdingen-Connection: Baltes kommt von hinten,
hält Langeneke mehrere Sekunden fest und
beschwert sich nach dem Spiel allen Ernstes, der
habe ihm dann noch mehrmals auf den Fuß
getreten. Was für ein guter Samariter, der
Baltes! Er wartet bis Heun sich auf
Kernschussweite genähert hat, schubst Langeneke
dann gegen diesen, und der kleine Dustin macht
einen auf Tätlichkeit, während Herr Baltes sich
geschwind vom Acker macht. Eigentlich schon
großer Sport. Noch größer allerdings, dass der
Schiri drauf reinfällt und Langeneke die Rote
Karte wegen Tätlichkeit zeigt. Beide
Provinz-Provokateure kommen ohne auch nur eine
Ermahnung davon, im Gegenteil, Baltes gelingt
es, zehn Sekunden später am Mittelkreis noch
eine weitere Rudelbildung anzuzetteln, an der
sich dann fast alle Spieler beteiligen, sodass
der Schiri nun wirklich niemanden mehr bestrafen
kann, ohne gleich das Spiel wegen 10
Feldverweisen abzubrechen. Pause.
Natürlich ist es
blöd von Langeneke, sich so provozieren zu
lassen. Eine Mitschuld trägt auch der Assistent,
der keine fünf Meter von der Szene entfernt
stand und alles gesehen haben muss, es
ist physikalisch unmöglich, dass dies nicht der
Fall war, es sei denn, er habe unter einer
Spontan-Erblindung gelitten, er aber dem Schiri
kein Wort sagte. Und Herr Frank fällte mal
wieder routiniert die falsche Entscheidung. Vor
allem, dass die beiden Schmierenkomödianten, aus
Uerdinger Zeiten schon diesbezüglich bestens
bekannt, ungeschoren davon kamen, kann
eigentlich nicht sein. Und Fakt ist, was auch
die Fernsehbilder belegen, dass Langeneke in
keinster Weise eine Tätlichkeit begangen hat.
Schon unglaublich, wie Herr Frank darauf
hereinfallen konnte.
Die beiden
Schnuckelchen Baltes und Heun gaben übrigens dem
NDR nach dem Spiel ein Interview zu diesem
Vorfall. Das muss man eigentlich gesehen haben,
um es zu glauben. Inhalt, Sprachstil,
Ausdrucksweise – beide zusammen ergeben
IQ-technisch etwa einen halben Podolski.
Außerdem waren ihre Aussagen, so sie denn zu
verstehen waren, dermaßen daneben, dass der
berichterstattende NDR, eigentlich von Haus aus
mit einem Herz für Nordvereine ausgestattet,
besonders wenn es gegen Teams aus
nichtnordischen Bundesländern geht, die
Darstellung dieser Schmierenkomödianten
ausdrücklich und wortwörtlich als „Die
Lübeck-Lüge des Abends“ würdigte. Mehr ist dazu
wohl nicht zu sagen. Traurig, wenn solche Bengel
derart ein Fußballspiel beeinflussen
dürfen...Langeneke erhielt natürlich ein Spiel
Sperre, weil es so sein muss, aber dieses
Strafmaß bei einer „Tätlichkeit“ zeigt recht
deutlich, wie sehr der Schiri sich verarschen
ließ. Schade, dass man sich beim DFB die
Aussagen der beiden Schaumschläger nicht mal
beeiden ließ. Die sind auf jeden Fall ein
warnendes Beispiel dafür, dass manche Spieler
nach dem Spiel einem Mikrofon tunlichst aus dem
Weg gehen sollten.
Aber es war ja
noch mehr los mit dem Pausenpfiff. Der Lübecker
Journalist neben mir belegte mich angesichts
dieser Szene mit einigen Schimpfwörtern, die ich
hier nicht wiedergeben werde, um diesen Herrn
nicht noch aufzuwerten. Sagen wir mal so: wenn
ich dem einen reinwürgen will, schenke ich ihm
demnächst mal ein Wochenende in Düsseldorf, das
scheint seinen Äußerungen nach für ihn die
Höchststrafe zu sein. Die Lübecker Spieler,
soeben 2:1 in Führung gegangen und mit einem
Mann mehr auf de Platz, stürmten im Kabinengang
wahrhaftig zum Schiri und beklagten sich über
die Düsseldorfer Amokläufer! So lächerlich muss
man sich auch erst mal machen, das gelingt nicht
jedem! Allerdings wurde es locker übertrumpft
vom Lübecker Publikum, die die Fortunen, die
soeben nachweislich vom Schiri benachteiligt
worden waren, mit höhnischen „Scheiß-Verlierer!“-Rufen
verabschiedeten – zur Pause! Dies finde ich,
auch wenn es bei den eigenen Fans vorkommt,
derart arrogant, dass es einfach bestraft werden
muss. Meistens passiert dies leider nicht.
Als jedoch nach
Wiederanpfiff eigentlich jeder die Fortuna schon
abgeschrieben hatte, kam diese noch einmal
zurück, weil Lübeck das Spiel anscheinend locker
nach Hause schaukeln wollte und so gut wie
nichts mehr tat. Die hatten wohl die Rufe ihres
eigenen Publikums gehört und sich gesagt: Ach,
ist ja schön, dass die Sache entschieden ist,
dann können wir uns in der zweiten Halbzeit
schön ausruhen. So spielten sie jedenfalls. Und
die Fortunen merkten, dass hier noch was ging,
weil der Gegner trotz Überzahl keine Chance
herausspielte und erschreckend harmlos blieb.
Also griff man halt selbst an, bevor es ganz
langweilig wurde. Nach Foul von Schröder an
Lambertz verwandelte Henri Heeren den fälligen
Elfmeter zum Ausgleich in der 62. Minute. Der
Elfer war ebenso berechtigt wie der für Lübeck,
es gab auch hier keinerlei Proteste. Torwart
Frech war noch dran, konnte den Treffer aber
nicht verhindern. Und als Heeren -
wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner
Fußballkarriere – in der 69. Minute gleich vier
Mann auf der linken Seite stehen ließ (begonnen
hatte er dieses Solo eigentlich nur deswegen,
weil es keine Anspielstation gab), und Pusic
seine Hereingabe zum 3:2 verwertete, war der
Sieg perfekt, denn Lübeck spielte nur noch eine
Chance heraus, die Deuß großartig parieren
konnte. Erfreulich auch das Saisondebüt von
Robert Palikuca, der in der Pause nach seiner
Meniskus-OP erstmals eingewechselt wurde und den
kleinen Giftzwerg Heun zum Statisten
degradierte. Insgesamt ging es in der 2.
Halbzeit fairer zu, wenn es auch Ausnahmen gab,
sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen.
Ein schönes Beispiel gab es in folgender Szene:
Marcus Feinbier checkte Lübecks Kapitän Rouven
Schröder beim Kopfball weg und erhielt Gelb.
Dies las sich im offiziellen Spielbericht auf
der Lübecker Homepage anschließend so:
„Höhepunkt war ein
Foul von Marcus Feinbier in Höhe der
Mittellinie, als er in brutalster Art und Weise
Rouven Schröder niederstreckte, mit „dunkelgelb“
war der Übeltäter hierbei noch sehr gut
bedient.“
Und jetzt kommt
das, was mich bei solchen Berichten immer so
anekelt. Wie gesagt, Vereinsbrille, schön und
gut, aber es muss trotzdem möglich sein, Fakten
auch als solche darzustellen. Denn was dieser
Schmierfink bei Schilderung dieser Szene
routiniert „vergaß“, war Folgendes: der auf
„brutalste Art und Weise niedergestreckte“
Rouven Schröder wälzte sich zehn Sekunden lang
am Boden, sprang dann wundergeheilt (ohne
behandelt worden zu sein!) auf und wollte auf
Feinbier los, der sich glücklicherweise schon
entfernt hatte! Wahrscheinlich nur, um ihm zu
sagen: „Du, das war nicht nett, darüber müssen
wir mal reden, du!“ Und dann fällt so was bei
der Berichterstattung natürlich schon mal unter
den Tisch. Drei Mitspieler mussten ihn
zurückhalten, den brutalstmöglich
Niedergestreckten, der so richtig, richtig
schwer verletzt war. Sanktion vom
Schiedsrichter: natürlich gar keine, noch nicht
mal eine Ermahnung. Einfach traurig, was
hierzulande manchmal unter „Berichterstattung“
läuft, aber das wird natürlich jeder anders
sehen.
Ein
unvergesslicher Abend an der Ostsee bei
Gastgebern, die zur Pause schon „Scheiß
Verlierer!“ brüllten, und sich anschließend
zumindest verbal als genau solche erwiesen.
Eigentlich mag ich sie ganz gerne, hätte ihnen
auch schon des Öfteren den Aufstieg gegönnt,
aber durch ihre Jammerei disqualifizieren sie
sich selbst. Übrigens, als die Lübecker beim
letzten Spiel in der LTU-Arena alles wegtraten,
was nicht niet- und nagelfest war, eine
Tatsache, die damals auch von den eigenen
Journalisten kopfschüttelnd bewertet wurde und
die selbst der damalige Trainer in der
Pressekonferenz nicht so ganz verstand, da haben
sie uns noch als „Jammerlappen“ bezeichnet,
obwohl sie damals gleich zwei Fortuna-Spieler
aus dem Spiel traten, was uns bis heute bei
ihnen noch nicht gelungen ist (nein, ich
schreibe nicht „leider“). Vielleicht sollte man
wirklich erst vor der eigenen Haustür kehren,
bevor man mit voller Absicht Fakten ignoriert,
denn das fällt dummerweise auf und macht es dann
noch etwas lächerlicher.
Aber zum Trost
hatten sie bestimmt noch eine schöne Fan-Fete
nach dem Spiel, auch wenn das vom
Stadionsprecher in der Pause lässig getippte 4:1
für sein Team nicht ganz hinkam. Ein verdienter
Erfolg der Fortuna, die schon vor dem 1:1 die
bessere Mannschaft war und sich auch in
Unterzahl nie aufgab. Und da es auch unser Auto
mit roter Dauerbeleuchtung und klappernden
Ventilen bis nach Hause schaffte, waren wir
eigentlich alle Sieger.
Dieser denkwürdige
Abend hievte uns auf Platz sechs der Tabelle mit
14 Punkten, also mit Kontakt nach oben, aber nur
4 Punkte vom ersten Abstiegsplatz entfernt. Die
Liga ist also immer noch sehr ausgeglichen. Wäre
schön, wenn man sich jetzt so langsam oben
festbeißen könnte.
Davor hat der
liebe Gott allerdings den Spielplan gestellt.
Denn ausgerechnet jetzt kommt am kommenden
Samstag, 30.09.2006, der fleischgewordenen
Fortuna-Alptraum in die LTU-Arena: Werder Bremen
II, das Team, gegen das Fortuna noch nie
gewonnen hat. Also auf zum nächsten,
mittlerweile neunten Versuch! Erschwerend kommt
hinzu, dass die derzeit einen Lauf haben und auf
Platz 2 stehen, was für die Tabelle natürlich
völlig uninteressant ist, aufsteigen dürfen sie
eh nicht, aber doch zeigt, dass ihre Spielkultur
derzeit funktioniert. Aber das interessiert mich
nicht. Mich interessiert nur, ob Björn
Schierenbeck spielt, der Mann, der bei allen
acht Versuchen, die kleinen Werderaner zu
putzen, auf dem Platz stand und dies
verhinderte. Drei Spiele hat er diese Saison
erst gemacht. Ich werde Thomas Schaaf noch
schnell faxen und den Mann als „unersetzlich“
für das zeitgleich stattfindende Erstligaspiel
der Bremer gegen Mönchengladbach anpreisen. Ich
will den nicht mehr sehen! Aber einen Sieg der
Fortuna, den will ich sehen. Damit diese alberne
Serie zu Ende ist, und wir uns oben festsetzen
können. Das wäre dann mal ein ganz neues Gefühl
in einer Hinrunde. Aber man muss ja immer offen
sein für Neues im Leben. In diesem Sinne:
Keiner lässt den
Schierenbeck ran! fordert: janus
|