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Lang, lang ist’s
her: vor über drei Monaten hatte ich zuletzt
etwas über die Fortuna geschrieben. Dann kam die
WM, und während man sich schon auf die neue
Saison vorbereitete, machten mir einige
persönliche Verwirrungen einen Strich durch die
Rechnung, schon eher von der besten Mannschaft
der Welt zu berichten. Nunmehr aber, nach
durchgeführtem privaten Umzug, erfolgreichen,
wenn auch ziemlich unglaublichen Scharmützeln
mit der Telekom, mich wieder ans Netz
anzuschließen sowie dem ersten
wochenübergreifenden Urlaub in diesem Jahr vor
der Brust, kann es endlich mit Volldampf an die
erste Berichterstattung gehen. Es gibt viel zu
tun – packen wir’s an!
Sommerpausen-Possen
Die Sommerpause
war eigentlich erstaunlich ruhig bei Fortuna.
Mit der abgelaufenen Rückrunde, die am Ende in
Platz 5 gipfelte, konnte man zufrieden sein.
Kein einziger Leistungsträger verließ den
Verein. Die Transferpolitik beschränkte sich
daher auf ein Mindestmaß. Die Neuzugänge
Palikuca (St. Pauli), Costa (VfL Bochum II) und
Langeneke (LR Ahlen) standen schon bald nach
Saisonschluss fest, ebenso die Verpflichtung von
drei (!) neuen Torleuten, von denen zwei
allerdings für die Zweite Mannschaft in der
Verbandsliga bestimmt sind, und nur Kenneth
Kronholm (Wormatia Worms) den Sprung auf die
Reservebank der Ersten schaffte. Also musste
jemand anders in die Bresche springen, um es am
Flinger Broich wenigstens ansatzweise rund gehen
zu lassen. Dieser andere war der lustige Herr
Kaenzig, Manager einer Lachnummer namens
Hannover 96. Es ging natürlich um Denis Wolf.
Unser Flügelflitzer war ja lediglich für die
letzte Saison ausgeliehen. Aus Hannover hatte
man allerdings schon seit einem Jahr vernommen,
man wolle ihn nicht zurückhaben, da er dort
keine Perspektive habe und nur im dortigen
Oberliga-Kader zum Einsatz käme. Wolf selbst
erklärte, in Düsseldorf bleiben und einen
Vertrag über ein Jahr unterschreiben zu wollen.
Das ist allein deshalb bemerkenswert, weil es
eine Reduzierung seiner Bezüge bedeutete, in
Hannover hätte er einiges mehr bekommen – auch
in der Oberliga! Also, Hannover wollte den
Spieler nicht mehr, Fortuna wollte ihn, der
Spieler wollte auch – alles klar. Frohgemut
meldete man die Kunde der Presse und nahm mal
kurz Tuchfühlung mit den Niedersachsen auf, um
die Auflösung von Wolfs Vertrag dort zu
initiieren.
Mit reichlich
belämmertem Gesicht kehrte man zurück. 96 war
nämlich jetzt – nach einem Jahr! – plötzlich auf
die Idee gekommen, eine Ablöse zu fordern! Und
zwar eine ordentliche. Jaja, den Spieler will
man nicht mehr, hat ihn auch schon längst nicht
mehr im Budget, aber wenn der dann wechseln
will, holt man noch so viel Kohle wie möglich
für ihn raus. Und wenn das nicht klappt, lässt
man ihn eben in der Oberliga versauern. Und das,
nachdem man ein Jahr lang verkündet hatte,
keinen Wert mehr auf seine Mitarbeit zu legen.
Ein völlig normaler Vorgang im heutigen Geschäft
„Fußball“, den ich zwar erbärmlich finde, aber
ich hab ja mit dem Geschäft auch nichts zu tun,
nur mit der Sportart.
Das war aber fast
gar nix gegen das, was man anderntags in der
Zeitung lesen konnte. Da erklärte der gefühlte
Bundesliga-Top-Manager Ilja Kaenzig mal, was er
von Fortuna so hielt. Milde ausgedrückt: es war
nicht viel. Er echauffierte sich unglaublich
über die Verhandlungen, schreckte auch vor der
ein oder anderen Beleidigung bezüglich der von
Fortuna gebotenen Ablösesumme nicht zurück und
verkündete, sein Verein werde nie mehr Geschäfte
mit Fortuna machen. Diese Amateure hatten
wirklich geglaubt, wenn man einen Spieler nicht
mehr will, gibt man den einfach so sehr! Diese
Komiker vom Rhein!
Ganz besonders
prickelnd wurden die Schmähungen des
Managerleins, als Fortuna-Geschäftsführer Jäger
einen Tag später erklärte, Kaenzig sei bei den
Verhandlungen gar nicht dabei gewesen. Diese
wurden mit dessen Adlatus, Ex-Profi Carsten
Linke, geführt, dem Jäger ausdrücklich ein
vorbildliches Verhalten und eine angenehme
Gesprächsführung bescheinigte. Somit war es also
erst recht eine Frechheit, dass Kaenzig
plötzlich wetterte wie ein Pariser Marktweib.
Ah, Bundesliga! Schön, wenn man mal sehen kann,
wie professionell dort hinter den Kulissen
gearbeitet wird...
Das Ende vom Lied:
Denis Wolf bleibt in der Tat für ein weiteres
Jahr in Düsseldorf. Nachdem 96-Managerchen
Kaenzig lauthals seinen Geschäftsboykott über
Fortuna verhängt hatte, reichte ein einziger
Anruf auf der 96-Geschäftsstelle wahrscheinlich,
als Kaenzig grad mal auf dem Klo war, um den
Deal klarzumachen. Wolf kostete 30.000 € Ablöse,
nein, da fehlt keine Null, Herr Kaenzig. Ich
freute mich, dass er bleibt und hoffe, dass er
in dieser Saison an seine guten Leistungen aus
der letzten Rückrunde anknüpfen kann.
Ilja Kaenzig - ein
schönes Beispiel dafür, was so passieren kann,
wenn sich Deutschlands „Top-Manager“ in der
Sommerpause unterrepräsentiert fühlen...
Dafür verkündete
Fortuna-Kapitän Dirk Böcker nahezu zeitgleich,
dass er ab sofort nur noch in der 2. Mannschaft
antreten wollte. Grund war sein Wunsch, sein
Studium der BWL in Münster möglichst zügig
abzuschließen, er ist wohl auch schon im 17.
Semester oder so, und das wird heutzutage ja
langsam teuer. Der Verein entsprach diesem
Wunsch, und Böcker ist seitdem nur noch
Verbandsligist. Schade drum, aber man muss es
respektieren. Immerhin hätte er ja auch ganz
aufhören können.
Dann pfiffen es
die Spatzen von den Dächern, dass Markus Anfang
vom MSV Duisburg einen Vertrag bei Fortuna
unterschreiben sollte. Wieder so ein „verlorener
Sohn“ wie Ali Albertz, 1995-97 schon bei Fortuna
in der 1. und 2. Liga gespielt, in Tirol dreimal
Meister geworden, bei Schalke, Kaiserslautern,
Cottbus und Duisburg gespielt. Dort zuletzt
nicht mehr berücksichtigt, fand er es zu
langweilig, sich mit 32 Jahren dauerhaft auf der
Tribüne einzurichten. Der MSV Duisburg hatte
offensichtlich einen intelligenteren Manager als
Hannover 96 und legte Anfang keine Steine in den
Weg. Der Wechsel kam zustande, Anfang hatte
allerdings erst noch eine Menge
Trainingsrückstand aufzuarbeiten.
Kurz vor
Saisonbeginn wurde dann wenigstens noch ein
Stürmer verpflichtet, vom HSV II kam der
Nigerianer Yusuf „Jupp“ Adewunmi, der in den
letzten Jahren Stammspieler in der
Regionalliga-Truppe des HSV gewesen war,
allerdings den Sprung in die Profi-Mannschaft
nie geschafft hatte und in diesem Jahr aus der U
23-Regelung der Zweitvertretungen herausgefallen
wäre. Beim HSV wollte man die erlaubten vier
Plätze „Ü 23“ wohl anderweitig vergeben und
hatte deshalb gegen einen Transfer nichts
einzuwenden.
Tja, und wenn dann
„spochtlich“, d.h. bei der Zusammensetzung des
Kaders und auch durchaus bei den Testspielen (u.a
2:2 gegen Koblenz, 1:1 gegen Roda Kerkrade, 1:1
gegen die kubanische Nationalmannschaft), alles
recht zufriedenstellend verläuft, muss es halt
hinter den Kulissen krachen. Dem größten
Oberbürgermeister aller Zeiten und
Weltrekordhalter im Besitz von
Aufsichtsratsmandaten fiel mal wieder etwas ein.
Er hätte nach dem von ihm zu verantwortenden
Berthold-Desaster nun gern wieder einen
sportlichen Direktor bei Fortuna. Der Moment,
diesen Einfall kundzutun, war dann auch gut
gewählt: auf der Rheinwiesen-Kirmes im Zelt, bei
einer Talkrunde eines ortsansässigen
Boulevard-Blatts hatte Joachim Erwin wieder mal
seinen großen Auftritt, der dem von Ilja Kaenzig
in nichts nachstand. Professioneller müsse alles
werden, ließ er hören. Insbesondere
Geschäftsführer Paul Jäger bekam sein Fett weg,
hatte der es doch gewagt, zu dieser Zeit in
Urlaub zu fahren, ein entscheidender Zeitpunkt,
so kurz vor Saisonbeginn. Dies schien dem OB nun
wirklich unerträglich, wahrscheinlich, weil sich
Jäger nicht bei ihm abgemeldet hatte. Das konnte
man ja mal durchaus professionell in einem
Kirmeszelt klären. Aber zurück zum Sportlichen
Direktor: dass so etwas eine Woche vor
Saisonbeginn eigentlich ein ziemlicher Lacher
ist, und dass so ein Mensch ja auch noch bezahlt
werden sollte, sind nur zwei Aspekte. Allerdings
ist der OB ja gewohnt, seine Meinung
durchzusetzen, und so wurde bereits ein Name ins
Spiel gebracht, bei dem mir das Lachen dann
verging: Christian Hochstätter wurde ins
Gespräch gebracht, allen voran vom Erwin-Spezi
im Vorstand, Hermann Tecklenburg. Dabei hat der
noch einen Vertrag in Gladbach bis 2007, dürfte
also etwas teurer sein, außerdem würde er es in
Düsseldorf auch äußerst ungemütlich finden, denn
im Gegensatz zu Mönchengladbach, wo er das Geld
mit vollen Händen für irgendwelche Spieler aus
dem Fenster werfen konnte, die dann nach einigen
Monaten wieder flugs verscherbelt wurden, weil
sie es nicht brachten, gibt es bei Fortuna
leider kein Geld zum Verbrennen, das haben seine
Vorgänger schon äußerst gründlich besorgt.
Außerdem, wenn der kommt, ist auch über kurz
oder lang sein Spezi Holgi „Ich bin doch immer
Fortuna-Fan geblieben“ Fach wieder da, und das
wäre wirklich der Super-GAU. Nach meiner selbst
durchgeführten Meinungsanalyse von jenem
Wochenende (Fortuna-Forum und Presseschau) kenne
ich eigentlich absolut niemanden, der
Hochstätter haben will. Aber genau das könnte
Onkel Erwin natürlich reizen, ihn
durchzudrücken.
Da lief es
sportlich einigermaßen rund, Fortuna war auch in
der Stadt vor Saisonbeginn so angesagt wie schon
lange nicht mehr, was man bei einigen
PR-Terminen beobachten konnte, man hätte fast
von einer positiven Aufbruchsstimmung in die
Saison reden können - dann kam der Strahlemann
mit seinen Lakaien und mühte sich nach Kräften,
alles wieder durch sinnlose öffentliche
Diskussionen kaputt zu machen. Man kann schon
nicht mal mehr mit dem Kopf schütteln...
Wenn es wirklich
unbedingt jetzt noch ein Sportdirektor sein
soll, böte sich übrigens Ex-Fortune Michael
Zeyer an. Im Gegensatz zu Hochstätter hat der
BWL studiert, auch schon die entsprechenden
Praktika absolviert (u.a. bei Spartak Moskau),
wohnt immer noch in Düsseldorf, hat schon seit
langem Interesse an einer weiterführenden
Tätigkeit im Verein bekundet und wäre als
Berufsanfänger wohl auch für kleines Geld zu
haben. Aber der wird wohl zu unwichtig sein.
Soviel also zu
einer „ruhigen“ Sommerpause bei Fortuna
*sing* Und
schon wieder keine Punkte, Fortuna...Part I
Am 05.08.2006
schraubte Fortuna weiter an dem ihr eigenen
Mythos und gewann auch zum 13. Mal in Folge (!)
nicht das Auftaktspiel. Und da der Gegner RW
Ahlen es in der 2. Halbzeit dann frecherweise
mit Fußball versuchten, gewannen die sogar noch
3:0. Gemein!
Bei Fortuna
fehlten Markus Anfang mit Trainingsrückstand,
Adewunmi, der sich im Testspiel gegen Kuba eine
Oberschenkelverletzung zugezogen hatte, sowie
Robert Palikuca, der mal sofort am Meniskus
operiert werden musste, bis zum heutigen Tag
kein Spiel für Fortuna bestreiten konnte und
sich somit in die lange Ahnengalerie von
Fortuna-Spielern einreihte, die direkt nach der
Verpflichtung erst einmal für einen längeren
Zeitraum ausfielen. Schon erstaunlich, wie wir
so etwas immer hinbekommen.
Die Parallelen
besonders zum letztjährigen Start gegen
Osnabrück waren derart frappierend, dass man
sich wirklich fragte, warum das Spiel überhaupt
angepfiffen wurde. In der ersten halben Stunde
war Fortuna klar überlegen, Zweitliga-Absteiger
Ahlen, seit 01.07.2006 in „Rot-Weiß“ umbenannt
(was bei einer Fusionstruppe namens „LR“, die
einst aus den zwei Vereinen „TuS“ und
„Blau-Weiß“ entstanden war, eigentlich nur
bedingt logisch ist, aber wer weiß schon, wie
diese Münsterländer ticken?), RW Ahlen also,
fand überhaupt nicht statt. Als Costa per Kopf
nur die Latte traf, schwante einigen schon
Böses, kurz darauf Albertz per Fuß nur an den
Pfosten, da war den Berufspessimisten schon
alles klar. Obwohl Ahlen es spannend machte, und
ihre einzige klare Tormöglichkeit in der 1.
Halbzeit, eine sogenannte "Millionenprozentige",
dergestalt vergaben, dass Torjäger Toborg das
Kunststück fertig brachte, die Kugel nach feiner
Vorarbeit von Laumann aus 10 Metern am leeren
(!) Tor vorbei zu schieben. Dafür hätte ihm
eigentlich sofort das Goldene Fortuna-Trikot
verliehen werden sollen.
Auch in der 2.
Halbzeit ging es nahezu exakt so weiter wie
letztes Jahr (damals 0:1 54. Minute, 0:2 62.
Minute), nur noch ein bisschen schneller, der
erste Ahlener Torschuss war auch gleich drin
(Kaminski,51.), der zweite auch (Laumann, 55.),
damit war das Spiel durch, zumal Fortuna
keinerlei Aufbäumen zeigte und richtig schlecht
spielte. Im letzten Jahr gegen Osnabrück gelang
ja wenigstens noch das Ehrentor. Da man diesmal
aber nach vorne in der 2. Halbzeit überhaupt
nichts zustande brachte, wollte man sich
wenigstens noch einen Scorerpunkt sichern, mit
einer sehenswerten Vorarbeit: Pino Canale,
hinten links an der Außenlinie gegen drei
Gegenspieler von seinen Mitspielern völlig im
Stich gelassen, versuchte einen raffinierten
Rückpass mit dem Außenrist auf Torwart Deuß,
übersah aber leider, dass der ihm schon entgegen
gekommen war und spielte den Ball raffiniert an
ihm vorbei auf Ahlens Stürmer Laumann, der
lässig ins leere Tor vollendete...Saisonauftakt
bei Fortuna – wie üblich nur noch zum
Kopfschütteln...
Wie alle Jahre
wieder versemmelte Fortuna den Auftakt, spielt
erst gut, aber unglücklich, dann schlecht, zum
Schluss blamabel, und deshalb ging die
Niederlage auch in Ordnung, weil in der zweiten
Halbzeit nach dem Rückstand nicht der Ansatz
eines Aufbäumens zu erkennen war. Obligatorische
Auftaktpleite vor 12.087 Zuschauern (letztes
Jahr gegen Osnabrück waren 12.100 und ein paar
Kleine, wie gesagt, es war alles dasselbe). Und
wieder mal verspielte eine Fortuna-Mannschaft
die Chance, die in der Sommerpause geweckte
vorsichtige Euphorie im Umfeld zu steigern und
die Menschen vielleicht wieder neugierig auf den
Verein zu machen. Man könnte fast schon Absicht
vermuten. Aber es ist halt nur Fortuna, und
deswegen warten wir weiter auf den ersten
Auftaktsieg seit 1994. Auch bei uns wird er
kommen – irgendwann einmal...
Übrigens: Ahlens
Doppeltorschütze Laumann, auch ansonsten bester
Mann auf dem Platz, ist nicht etwa, wie es ja
öfters vorkommt, ein Ex-Fortune. Nein, der war
nur einigen Wochen zuvor bei Fortuna im
Probetraining, wurde aber von Trainer Weidemann
abgelehnt, weil er „noch nicht so weit“ sei. Er
wechselte dann vom FC Schalke II nach Ahlen.
Da bin ich aber
froh, dass der noch nicht so weit ist. Wer weiß,
was der sonst noch so angestellt hätte...
*sing* Und
schon wieder keine Punkte, Fortuna...Part II
Das nächstes Spiel
stand bereits drei Tage später an, beim VfL
Osnabrück. Nicht nur, dass es dort traditionell
ziemlich wenig zu holen gibt, der DFB hatte auch
Sinn für Humor und besorgte für diese Partie den
besten Schiri, den man für Geld und gute Worte
bekommen kann: Manuel Gräfe,
Fortuna-all-time-darling aufgrund einer
unfassbaren (und meiner Meinung bis heute nach:
absichtlichen) Fehlleistung am Ostersamstag 2005
im Spiel...Fortuna gegen VfL Osnabrück. Da muss
beim DFB wirklich ein Nostalgiker sitzen, der
über die Schiedsrichter-Ansetzungen entscheidet.
Der wollte mal ein bisschen unterhalten werden,
anders ist das wirklich nicht zu erklären. Wenn
man so etwas mit den großen Bayern macht, läuft
Uli Hoeneß einmal rot an, und beim DFB kuschen
sie sofort. Aber bei uns Amateuren...ja,
manchmal ist es nicht leicht.
Fortuna verlor
0:1, hatte somit 0 Punkte und 0 Tore
aufzuweisen, sowie den souveränen letzten
Tabellenplatz, genau wie letztes Jahr, genau wie
2002 - warum wir im August überhaupt noch in der
Regionalliga antreten, weiß schon längst niemand
mehr. Die Niederlage vor 12.500 Zuschauern war
überflüssig wie ein Kropf, zumal Osnabrück bei
weitem nicht so stark war wie erwartet. Die
hatten ihr allererstes Saisonspiel, weil sie am
1. Spieltag spielfrei gewesen waren, und da
hakte wohl noch einiges bei ihnen. Bei Fortuna
fehlte unter anderem Markus Anfang, weil er noch
Trainingsrückstand aufwies. Die erste Halbzeit
ging noch ganz klar an die Hausherren, Fortuna
war richtig schwach. Viele Chancen spielte
Osnabrück allerdings auch nicht heraus, und so
war es ein Standard, der in der 31. Minute das
Goldene Tor brachte: Foul von Langeneke kurz vor
dem Strafraum, Osnabrücks Neuzugang Aziz (vom FC
Schalke II – die scheinen Fortuna in dieser
Saison nicht sonderlich zu mögen...) schaufelte
die Kugel im Zeitlupentempo über die Mauer ins
Eck, Torwart Deuß guckte mal interessiert
hinterher, reagierte aber ansonsten kein Stück.
Wenn der Nulle letzte Saison so einen gekriegt
hätte...nicht auszudenken...
In der 2. Halbzeit
war Fortuna ganz klar am Drücker, von den
Hausherren kam so gut wie gar nix mehr, aber
wenn man solche Chancen vergibt (Lambertz allein
vor Gößling - abgewehrt, Podszus allein vor
Gößling - daneben, Kruse völlig frei beim
Kopfball - daneben, Cebe völlig frei aus 12
Metern - drüber) und noch ein bisschen Pech hat
(Heber von Wolf über Gößling - von Ndjeng auf
der Linie geklärt), dann verliert man halt und
steht zurecht am Tabellenende. Gegen Ahlen war
die erste Halbzeit okay, gegen Osnabrück die
zweite. Wenn man es jetzt irgendwie schaffen
könnte, so etwas in ein einziges Spiel zu legen
und nebenbei auch mal ins Tor zu treffen, könnte
das glatt was werden. Zeit zum Üben hatten sie
anch dem Spiel genug, Fortuna hatte am 3.
Spieltag spielfrei und trat erst am 19.08.2006
zuhause gegen RW Erfurt wieder. Die Chancen
standen aber gut, dass sie bis dahin wieder
alles vergessen haben würden.
Noch ein Wort zu
meinem Lieblingsschiri Herrn Gräfe: der und
Fortuna werden wirklich nie mehr Freunde, auch
bei diesem Spiel gab es wieder die ein oder
andere Merkwürdigkeit, allerdings sollte man die
Niederlage nicht an ihm festmachen. Aber: das
Foul von Langeneke, das zum Freistoß und damit
zum Tor führte, war ein leichter Rempler. Den
kann man geben, muss man aber nicht. Wenn man
den allerdings gibt, dann musste man in der 80.
Minute auch zwingend Elfmeter für Fortuna
pfeifen, als Cebe im Strafraum von gleich zwei
Osnabrückern weggerempelt wurde. Besonders, wenn
man sich erinnert, wofür dieser Vogel
Ostersamstag 2005 in der 95. Minute Elfer für
Osnabrück gepfiffen hat... Aber was solls, den
Elfmeter hätten sie an jenem Abend
wahrscheinlich auch noch verschossen.
Noch mehr
Parallelen
Am 19.08.2006 gab
es den erster Saisonsieg für Fortuna mit einem
3:2 gegen Erfurt. Ganz Fußball-Düsseldorf konnte
sich allerdings beim Schiri dafür bedanken, dass
er alle kniffligen Situation gegen Erfurt
auslegte, ansonsten hätte es wohl ordentlich auf
die Mütze gegeben. Björn Brunnemann, den Fortuna
noch immer Sommer haben wollte, und den ich
damals schon persönlich mit der Schubkarre aus
Erfurt nach Düsseldorf gekarrt hätte, wenn er
sein Ja-Wort gegeben hätte, netzte bereits nach
zwei Minuten aus 12 Metern ein, nach
sensationellem 60-Meter-Pass von Görke und dem
ebenso sensationellen Versuch der
Fortuna-Abwehr, ein lustiges Abseits zu spielen,
was grandios daneben ging. Nach 17 Minuten mähte
Torwart Deuß den quirligen Erfurter Stürmer
Kumbela kurz vor dem Strafraum um und hatte
Glück, dass er nur Gelb sah. Die Entscheidung
ist vertretbar, denn Kumbela war zwar vorbei,
zog aber nach außen, also nicht direkt zum Tor,
außerdem war in der Mitte noch Lambertz
mitgelaufen, Deuß somit nicht letzter Mann.
Trotzdem hätten die meisten Schiris wohl Rot
gegeben.
Zur Leistung der
Fortuna in der 1. Halbzeit sag ich nur: Gott,
war das schlecht. Das war so schlecht, dass ich
direkt mit der zweiten weitermache. Und hier
liegt auch meines Erachtens der Knackpunkt. Denn
Erfurt legte nach der frühen Führung gegen
desolate Fortunen nicht nach. Wieder einmal.
Dreimal haben wir in den letzten 12 Monaten
gegen die gespielt, dreimal führten sie in der
ersten Halbzeit 1:0, dreimal brachten sie es
nicht über die Runden. Selbst Schuld.
Zu Beginn der 2.
Halbzeit die nächste strittige Situation,
Feinbier und Holst im Zweikampf in der linken
Erfurter Strafraumecke, der Schiri gab Elfmeter.
Ich stand auf gleicher Höhe am Spielfeldrand mit
bester Sicht und sag mal: prima abgehoben von
Feinbier. Aber auch dumm reingegrätscht von
Holst, er traf Feinbier auch, als der schon im
Flug war, für den Schiri, der die Szenerie von
hinten sah, musste es nach Foul aussehen, zumal
Feinbier zuvor noch den Ball spielte. Jens
Langeneke machte den Elfmeter rein – 1:1 in der
49. Minute, das erste Fortuna-Tor der Saison
2006/07! Jetzt bekam der Schiri reichlich
Arbeit, binnen kurzer Zeit fiel erst Erfurts
Kapitän Hebestreit im Strafraum, aber Barth
hatte eindeutig den Ball gespielt, dann wurde
Lambertz im Erfurter Strafraum umgestoßen, das
war eher ein Elfer als der an Feinbier, aber der
Schiri wollte auch hier nicht mehr. Nachdem
beide Teams dies gemerkt hatten, besannen sie
sich endlich aufs Fußballspielen, und es wurde
ein offener Schlagabtausch. Bei Erfurt war
besonders Kumbela nie auszuschalten, und
Brunnemann spielte Jojo mit der Fortuna-Abwehr,
traf einmal das Lattenkreuz, zielte ein anderes
Mal Zentimeter am Tor vorbei, beim dritten Mal
klärte ein Fortune per Kopf seinen Schuss von
der Strafraumgrenze, der Deuß schon passiert
hatte, zusätzlich bereitete er immer wieder über
rechts vor – unseren Erstliga-Fans sei hier die
Gelegenheit zu fassungslosem Gelächter gegeben:
die Verpflichtung dieses Brunnemann scheiterte
an 100.000 €, die Fortuna im Sommer nicht hatte.
Schlussendlich war
es Fortuna, die das Spiel für sich entscheid,
weil die Mannschaft ihre Chancen im Gegensatz zu
Erfurt nutzte und zwei prima herausgespielte
Tore machte. Zunächst das 2:1 in der 74. Minute
mit überragender Vorarbeit von Feinbier, der am
Torwart vorbeizog, dann die Übersicht behielt
und von der Torauslinie in die Mitte flankte, wo
der zweitschlechteste Mann auf dem Platz,
Stehgeiger Marcel Podszus, zur Führung
einnickte. In der 84. Minute das 3:1 durch Ahmet
Cebe, nachdem Claus Costa allein aufs Erfurter
Tor zulief und am 5-m-Raum noch mal quer
spielte. Wenn das nix gegeben hätte, wären wohl
beide gelyncht worden, so sah es aber natürlich
toll aus.
In der 89. Minute
noch die Lachnummer des Tages, als der
schlechteste Mann auf de Platz, Fortuna-Torwart
Deuß, sich ein Schüsschen von Holst eher
versehentlich ins eigene Netz faustete. Der
sollte so langsam mal auf die Suche seiner Form
der letzten Rückrunde gehen, derzeit schießt er
mehr Böcke als er gute Aktionen hat.
Insgesamt ein
glücklicher Sieg der Fortuna, die wohl
auseinander gefallen wäre, wenn Erfurt in der
ersten Halbzeit das 2:0 nachgelegt hätte. So
aber fing man sich und bot wenigstens in der
zweiten Halbzeit einen offenen Schlagabtausch.
Nachdem man in Osnabrück für die gute zweite
Halbzeit nicht belohnt wurde, reichte es diesmal
zum ersten Dreier.
Aber einen Tipp
hatte ich noch an die Mannschaft: wenn sie in
der Woche darauf beim Aufstiegsfavoriten Dresden
gedachte, eine ähnliche erste Halbzeit
hinzulegen, wäre ich an ihrer Stelle gar nicht
erst hingefahren. Dann wäre das Spiel nur 0:3
gewertet worden, und vielleicht wird das
Torverhältnis ja noch mal wichtig...
Ach ja, die
Parallelen: zuletzt spielte Erfurt im März
diesen Jahres in Düsseldorf. Das Ergebnis: 3:2
für Fortuna. Für Erfurt traf Brunnemann, für
Fortuna unter anderem Podszus. Einen
umstrittenen Elfer für Fortuna gab es auch,
damals allerdings in der 95. Minute zum
Siegtreffer. Ich wage aber mal, zu behaupten,
dass der jetzige wichtiger war, weil er die
Mannschaft überhaupt erst ins Spiel brachte.
Abhaken, drei Punkte einstecken, nach vorne
schauen.
Ein ganz
normaler Tag in Dresden
Fortuna erkämpfte
sich am 26.08.2006 vor 15.000 Zuschauern ein 0:0
beim Aufstiegsfavoriten Dynamo Dresden. Es war
nicht unverdient, da man in der Abwehr
größtenteils gut stand und nach vorne nicht
ungefährlich war, allerdings auch ein wenig
glücklich, da in der Dresdner Sturmphase Mitte
der 2. Halbzeit deren Stürmer Vorbeck und Ludwig
binnen weniger Minuten nur Pfosten und Latte
trafen. Auch hätte man sich in der ersten
Halbzeit über einen Elfmeterpfiff nicht
beschweren können, als Langeneke im Strafraum
mit dem langen Bein gegen Ludwig stocherte und
dabei den Ball nicht traf, Ludwig allerdings
fädelte so offenkundig ein und drehte ein solch
schöne Pirouette, dass der Schiri sofort
abwinkte. So etwas sollte dann doch eher spontan
erfolgen und nicht im Training geübt werden, so
mein Eindruck...Außerdem forderten die Dresdner
noch einen zweiten Strafstoß, als Barth am Boden
liegend an die Hand geschossen wurde, aber das
wäre wirklich lächerlich gewesen.
Dynamo fiel in der
ersten Halbzeit nicht viel ein, um Fortuna unter
Druck zu setzen. Selbst als die Dresdner im
Verbund mit dem Schiri dafür sorgten, dass sie
einige Minuten 11 gegen 9 spielen konnten.
Zunächst wurde Podszus weggecheckt und musste
mit Kopfplatzwunde am Spielfeldrand behandelt
werden. Als er aufs Feld zurückkam, wurde er von
Langeneke abgelöst, der ebenfalls nach
ungeahndetem Ellbogencheck ebenfalls wegen
Kopfplatzwunde behandelt werden musste.
Anschließend gefiel dem Schiri die Verarztung
von Podszus' Verletzung nicht, und er schickte
ihn wieder vom Feld, sodass Dynamo kurzfristig
zwei Mann mehr auf dem Platz hatte. Aber auch
das konnten sie nicht nutzen. Beide Spieler
wurden übrigens in der Kabine vom Dresdner
Mannschaftsarzt genäht.
In der zweiten
Halbzeit war Dynamo klar tonangebend, aber außer
den erwähnten Aluminium-Treffern gab es nicht
viele Chancen. Was aufs Tor kam, konnte von Deuß
gefischt werden, der einen seiner besseren Tage
hatte. Bei Kontern blieb Fortuna stets
gefährlich, sodass das Unentschieden alles in
allem in Ordnung geht.
Traurig nur, dass
Abwehrspieler Oliver Barth ausgewechselt werden
musste, nachdem Koziak im Fortuna-Strafraum den
Schlappen draufgehalten hatte (hierfür gab es
wenigstens Gelb). Die Verletzung stellte sich
als Außenbandriss im rechten Knie heraus, sechs
bis acht Wochen Pause, bei Fortuna also eher
zehn. Schade um den eminent wichtigen
Abwehrspieler, der in der Vorsaison exzellente
Leistungen gebracht hatte. Hoffentlich kommt er
schnell wieder.
In Dresden
übrigens wieder nicht am Start: Markus Anfang.
Ich begann schon zu glauben, den habe man nur
geholt, um ihn von der Steuer abzusetzen...
Zum Dresdner
Publikum fällt mir nur ein: über „Ihr habt
bezahlt, ihr kriegt aufs Maul“ kann ich ja noch
schmunzeln. Wer seine Gäste allerdings
anschließend mit „Dönerverkäufer - ihr seid nur
Dönerverkäufer“ würdigt und schlussendlich noch
ein gut vernehmbares „Fortuna - Juden, Juden,
Juden“ aus den K- und L-Blöcken erklingen lässt,
wer farbige Ersatzspieler, die sich vor dem
Block warmlaufen müssen (Adewunmi) bespuckt und
beleidigt, wer gegnerische Spieler bei der
Ausführung von Eckstößen mit Gegenständen
bewirft, was vom Verein Dynamo Dresden übrigens
dergestalt zur Kenntnis genommen wird, dass dort
bereits vor dem Spiel große Sonnenschirme bereit
gelegt werden, mit denen die Ordner dann die
Spieler bei der Ausübung ihres Berufes schützen,
und wer dann von einer „Minderheit“ spricht oder
sich wundert, dass man so oft in der
Öffentlichkeit auftaucht, der hat wirklich nicht
mehr alle Latten am Zaun. Von einigen Jagdszenen
vor dem Stadion, als der Mob an der Ecke
Schwimmhalle auf die abfahrenden Gäste wartete,
mal ganz abgesehen. Gibt auch nette Fotos von
Dresdner Securities, die vor Anlegen der
Handschuhe den Schlagring nicht vergaßen.
Außerdem wurden mindestens zwei Dresdner Ordner
dabei gesehen, wie sie eine Fortuna-Zaunfahne
zockten. Das ist solch ein armes Volk, dazu
fällt einem nichts mehr ein. Schade um die
schöne Stadt.
Aber es gibt
Hoffnung: eins der Unschuldslämmer, die
natürlich im Stadion waren, aber von alledem
nichts bemerkt hatten, schrieb sich in einem
arbeitgeberinternen Forum meinerseits mal so
richtig den Frust von der Seele, weil er es mal
wieder satt hatte, dass es immer die bösen
Dresdner seien. Hierzu erkläre ich ihm gerne,
dass wir auch bei Fortuna Leute dabei haben,
denen Fußball allein zu langweilig ist,
allerdings nicht in solcher Anzahl und schon gar
nicht in solcher Häufigkeit. Die „Jude, Jude,
Jude“-Rufe wurden allen Ernstes mit dem genauso
abartigen „Juden“-Plakat erklärt, das lustige
Spaßmacher von Energie Cottbus vor einigen
Monaten gegen Dynamo enthüllt hatten. Was
Düsseldorfer Juden mit dieser Aktion zu tun
hatten, konnte nicht so richtig, sprich: gar
nicht, erklärt werden, ebenso wenig die
Osnabrück-Schals, die im Fan-Block vom Zaun
hingen (Dynamo hatte eine Woche zuvor in
Osnabrück gespielt), und die Transparente von
Erzgebirge Aue, die man vor dem Spiel
„irgendwie“ bekommen und an den Zaun gehängt
hatte (einige Auer pflegen eine Fan-Freundschaft
zu einigen Fortunen). Aber es sei trotzdem eine
Sauerei, dass immer wieder Dynamo genannt
werde... Summa summarum kam bei dieser
Rechtfertigung nur eins klar zum Ausdruck: so
etwas gehört in Dresden zu einem ganz normalen
Fußballspiel. Ich wünsche gute Besserung und bin
froh, dass man nur einmal im Jahr dort antreten
muss. Abschließend schrieb er dann den Satz, der
Hoffnung machen muss: „Es gibt auch Spieltage,
an denen nichts passiert.“ Da gratulier ich
recht herzlich. Dass er und seine Kollegen nicht
kapieren wollen, dass dies die Regel, und nicht
die Ausnahme sein sollte, ist das eigentlich
Traurige an der ganzen Angelegenheit.
Magdeburger
Jungs
Das letzte Spiel
für diese Zusammenfassung fand am 02.09.2006
statt, wieder mal im Flinger Broich, weil in der
Arena die Oper „Aida“ aufgeführt wurde. Gegner
war Aufsteiger 1. FC Magdeburg, der eigentlich
noch nicht viel gerissen hatte, aber
ausgerechnet eine Woche vor seinem Gastspiel in
Düsseldorf durch ein 2:0 über Osnabrück
aufhorchen ließ. Von wegen „aufhorchen“, man
hätte direkt wieder weghören können. Oder wie es
Magdeburgs Trainer Dirk Heyne nach dem Spiel
enttäuscht formulierte: „Ich kann mir nicht
erklären, wie eine Mannschaft in einer Woche so
nachlassen kann.“ Zum Glück meinte er seine
eigene damit, sodass Fortuna verdient 3:1
gewann.
Zunächst einmal
gab es Ungewohntes auf dem Rasen zu bestaunen:
Markus Anfang spielte, und zwar (Achtung: Nummer
1 der wahrscheinlich unendlichen Anzahl von
Kalauern mit seinem Namen) von Anfang an. Und
ich sag mal: mein Gott, muss der trainiert haben
in den letzten Wochen! Von Trainingsrückstand
keine Spur, war er sofort Dreh- und Angelpunkt
des Spiels, immer anspielbar, immer mit Ideen,
wohin der Ball nun fliegen könnte, und vor allen
Dingen mit einem guten Auge für den Nebenmann.
Davon profitierte auch Ali Albertz neben ihm,
der sich zu eine der besten Leistungen
aufschwang, seitdem er wieder bei der Fortuna
ist. Anfang zauberte, Albertz bekam die 6. Luft
und rannte alles in Grund und Boden, beide
spielten die volle Partie durch und mussten
hinterher wahrscheinlich heimlich unters
Sauerstoffzelt. Das machte richtig Spaß, und
Anfang setzte noch eins drauf, indem er im
Interview nach dem Spiel erklärte, er könne es
sicherlich noch besser. Nur zu!
Dafür fehlte
diesmal Marcus Feinbier wegen einer Grippe,
erstmals seit der Partie gegen Köln II im
Februar diesen Jahres musste Fortuna ohne ihre
Kapitän auflaufen, Marcel Podszus übernahm die
Binde.
Der Sieg der
Fortuna war hochverdient, weil Magdeburg nur
aufs Torverhindern aus war. In der ersten
Halbzeit gelang ihnen dies noch recht gut, sie
hatten mit ihrem einzigen Torschuss der ersten
45 Minuten sogar die dickste Chance, als Müller
nach einem Missverständnis in der Fortuna-Abwehr
nach 40 Minuten an Torwart Deuß vorbeizog, aber
aus spitzem Winkel nur den Außenpfosten traf.
Aber das wäre auch wirklich ein ganz großer Witz
gewesen.
In der 50. Minute
packte dann Albertz mal den Hammer aus, Freistoß
aus gut 25 Metern, noch leicht abgefälscht,
links unten ins Eck, 1:0. Vier Minuten später
legte Cebe das 2:0 nach, ein herrliches Tor, mit
drei Spielzügen von hinten heraus gespielt, fein
vorbereitet von Kruse über links, mit ein
bisschen Glück im Abschluss, denn Magdeburgs
Bester, Torwart Beer, war an Cebes Schuss aus 12
Metern noch dran, aber die Kugel trudelte
trotzdem über die Linie.
Da es nun schien,
als würde man den Gegner demontieren können, was
man dem erfolgsverwöhnten Düsseldorfer Publikum
(haha) selbstverständlich nicht zumuten wollte,
bockte die Fortuna-Abwehr vier Minuten später
kurz, und der eingewechselte Magdeburger Stürmer
von der Weth schaffte den Anschlusstreffer. Kurz
darauf war auch der Ausgleich möglich, aber
Torwart Deuß, ansonsten wieder mit
beeindruckenden Fehlabschlägen im Repertoire,
konnte einen Kopfball von Kukulies parieren. Das
war dann genug der Spannung, fanden die Spieler,
drehten noch einmal auf und konterten Magdeburg
mustergültig aus. Allerdings musste man bis zur
95. Minute warten, ehe das erlösende 3:1 fiel.
Sekunden zuvor hatte der eingewechselte Adewunmi
noch das Kunststück fertig gebracht, die Kugel
aus 3 Metern (!) über das Tor zu grätschen, da
verloren die Magdeburger beim Spielaufbau den
Ball, Anfang ging dazwischen, umkurvte Torwart
Beer und flankte nach innen, anstatt selbst
abzuschließen. Dort stand Marcel Podszus, der
zuvor mit allen möglichen Schussversuchen rechts
wie links Großchancen versemmelt hatte, und
gebrauchte endlich mal seinen Kopf. 3:1 und
gleichzeitiger Abpfiff des Schiris, verdientes
Happy-End vor 6.500 Zuschauern. Aber was für
einen Aufwand das Team betreiben musste, um
diesen eher harmlosen Gegner in die Knie zu
zwingen, stimmt schon bedenklich. Zumal die
Abwehr nahezu beschäftigungslos war. Das muss
besser werden.
Noch ein Wort zu
den Gäste-Fans. An deren letztes Auftreten im
Flinger Broich im Jahr 2002 erinnerte man sich
nicht so gerne, damals waren so einige Verwirrte
beider Fan-Lager nach dem Spiel aufeinander
getroffen. Deshalb war diese Partie auch als
Sicherheitsspiel eingestuft worden. Magdeburg
kam mit 500 Mann, im Stadion blieb es absolut
friedlich, und sie boten einen durchgehenden
Support. Dafür gibt’s großen Respekt von mir,
aber auch die Bitte, sich für das nächste Spiel
ein neues Lied auszudenken. Dieses „Magdeburger
Jungs“, so ca. 75 der 90 Minuten lang
dargeboten, klingelt mir heute noch im Ohr. Ein
wenig Kreativität wäre wünschenswert, zumindest
für meine Ohren...
Und so steht
Fortuna nach de 6. Spieltag mit 7 Punkten auf
Platz 10. Nach dem erneuten Fehlstart fast schon
eine gute Platzierung, zumal der Abstand nach
oben noch nicht allzu groß ist. Und wie es da
oben so aussieht, kann man nächsten Freitag
(08.09.2006) gleich mal aus der Nähe
begutachten, da geht es nämlich zum derzeitigen
Tabellen-2. Wuppertaler SV. Mehr als ein Punkt
war für Fortuna selten drin beim WSV, nebst der
bekannt unhöflichen Art des Gastgebers, Selbigen
zu spielen. Aber vielleicht wird in diesem Jahr
ja doch alles anders? Schließlich haben wir
nicht vier Spiele am Stück zu Saisonbeginn
verloren, sondern nur zwei. Das lässt doch
hoffen. Oder?
Ganz gespannt:
janus |