Fußball im Dorf(f) oder
Als Olli mental noch im Bett war
Neues von
der Bahn, von Reisen in die Provinz, von einem unglaublichen Sportplatz und von
unterklassigem Fußball – und das, obwohl es nicht um Fortuna Düsseldorf geht.
Ist übrigens etwas länger, weshalb ich dem mutigen Leser jetzt schon zurufen
möchte: ich wünsche einen schönen 3. Advent!
Zunächst
mal die in Zeiten neuer schockierender PISA-Meldungen erforderliche
Bildungsbürger-Frage: kennt jemand „Kreisklasse – Die Fußballshow“? Falls nicht,
einmal schämen, den mangelnden Bildungsstand in diesem Land anprangern und
Folgendes dazu lernen: das ist diese nette Sendung, die bereits einige Male
donnerstags auf dem DSF lief und bei der Moderator Ulli Potofski immer wieder
eindrucksvoll demonstriert, dass es auch nach Jahren der Sportmoderation,
mittlerweile wirklich quer durch alle Ligen, möglich ist, als Ur-Schalker von
Fußball keine Ahnung zu haben. Nun, für diese Sendung braucht er auch keine,
denn es geht um die Niederungen des Fußballs, ab Oberliga abwärts, also um
Ligen, die noch nie ein menschliches Auge auf dem Bildschirm beleidigt haben.
Eine schöne Idee, wie ich finde, zumal es Stoff für unzählige lustige oder
interessante Geschichten gibt, und auch so manch Prominenter in den unteren
Ligen mitmischt (z.B. Maurizio Gaudino in Mannheim oder Stefan Kuntz in
Neunkirchen). Ergänzt durch von den Zuschauern eingesandte Videos der schönsten,
meist doch eher mehr aus Versehen aufgenommenen Tore, Fouls oder technischen
Kabinettstückchen der unteren Klassen, verspricht die Sendung ein
Dreiviertelstündchen Kurzweil und Ablenkung vom harten Profisport – wenn nicht
die relativ häufig auftretende Werbung zwischendrin wäre. Aber man kann ja nicht
alles haben.
Also,
eine harmlose kleine Sendung, in der man das ein oder andere Interessante
aufschnappen kann. So auch in der allerersten Show vor einigen Wochen. Da gab es
einen Bericht über den kleinsten Fußballplatz Deutschlands in einem Dorf mit dem
schönen Namen Dorff. Okay, es wird auch kleinere geben, aber dies ist der
kleinste, auf dem mit Ausnahmegenehmigung auch Meisterschaftsspiele ausgetragen
werden dürfen. Das Feld, auf dem Fußballerträume wahr werden, misst nämlich nur
87,5 x 56 Meter. Dabei schreibt der DFB allein für die Länge bereits 90 bis 120
Meter vor. Es ist ein Aschenplatz, auf dem, so der interviewte
Vereinsangehörige, „natürlich besonders Techniker“ gefragt seien. Klar, wenn’s
auf so einem Platz nur Befreiungsschläge geben würde, müssten die ja auch auf
Fußball-Tennis umrüsten. Da muss also schon der ein oder andere etwas vom
Fußball verstehen. Wenigstens teilweise. Und wenigstens manchmal.
Nun wäre
das eine nette Geschichte ohne weiteren Nährwert für mich gewesen, wenn ich
nicht bei einem Begriff in diesem Bericht gestutzt hätte. Da war nämlich die
Rede von einer „Ausnahmegenehmigung des Fußballverbandes Mittelrhein“. Und
Letzteres ließ darauf schließen, dass dieser legendäre Sportplatz zumindest in
erreichbarer Nähe meines Wohnortes zu finden sein müsste. Aber der
Fußballverband Mittelrhein ist groß. Eine Bekannte aus Aachen fand durch
heftiges Googeln am selben Abend noch etwas heraus, das ihr gänzlich neu war –
nämlich, dass dieser Platz quasi bei ihr um die Ecke zu finden ist. Dorff ist
der kleinste Stadtteil von Stolberg (Rheinland), und das wiederum liegt in
nachbarschaftlicher Nähe zu Aachen.
Heimatkunde at
its best!

Der Rest
war ein Kinderspiel. Flugs mal rausgefunden, was dort gespielt wird, nämlich
Kreisliga B, und dann mal schauen, wann dort gespielt wird. Am Sonntag,
05.12.2004, war es so weit: die DJK Sportfreunde Dorff empfingen den SC GW
Lichtenbusch II zum gnadenlosen Kampf um die Punkte. Und ein Blick auf die
entsprechende Tabelle offenbarte nicht nur so interessante Vereinsnamen wie
Adler Büsbach, Falke Bergrath oder GW Mausbach, nein, er zeigte uns, dass wir
aus purem Zufall nicht nur zur Kreisliga B wollten, sondern auch gleich dahin,
wo es richtig weh tut: zum Spiel des Tabellenletzten gegen den
Tabellenvorletzten. Dorff hatte nämlich vor dem Spiel die Rote Laterne inne,
sieglos nach 10 Spieltagen mit nur vier Unentschieden, Lichtenbusch II belegte
den zweiten und letzten Abstiegsplatz aus dieser 14er-Liga, immerhin mit zwei
Siegen, aber ohne Unentschieden und mit 9 Niederlagen und einem Spiel mehr als
die Heimmannschaft.
Abstiegskampf pur somit auf Deutschlands kleinstem Sportplatz. Wen das nicht
fasziniert, der hat vom Fußball keine Ahnung! Den letzten Satz mühsam drei
Stunden lang eingehämmert, glaubten wir schließlich selbst daran und waren live
dabei. Und was soll man sagen – es war ein großes Erlebnis! Hier der Bericht:
Nun,
womit beginnt so ein Reisebericht? Zumal bei mir? Natürlich, mit meinen guten
Freunden von der Deutschen Bahn. Von denen hab ich ja auch lange nichts mehr
berichtet. Mittlerweile habe ich den Verdacht, dass die hier heimlich mitlesen
und sich irgendwie daran gestört haben, so lange nicht mehr thematisiert worden
zu sein. Denn diesmal ziehen sie wirklich alle Register, um wieder die Nummer 1
auf meiner Liste der schönsten Service-Wüsten Deutschlands zu werden.
Es
beginnt im Bonner Hauptbahnhof. Es ist Sonntag Vormittag, kurz nach 10 Uhr. Eine
Schlange von etwa fünf Menschen begehrt Auskunft und Tickets. Es sind zwei
Schalter im „Service“-Center geöffnet. An dem einen sucht eine Bedienstete
hektisch mit der Maus im PC nach einer Verbindung für den Herrn am Schalter. Sie
sagt kein Wort, klickt nur immer hier und da und macht gleich darauf ein
enttäuschtes Gesicht, während ihr so langsam die Schweißperlen auf die Stirn
treten. Ich weiß nicht, wohin der Herr möchte, aber es schient kompliziert zu
sein. In der Tat, von den 20 Minuten, die ich im „Service“-Center verbringe,
wird sie 18 Minuten lang allein mit diesem Herrn beschäftigt sein. Dieser
Schalter fällt damit schon mal aus, es bleibt ein weiterer, alle anderen sind
geschlossen.
Dass ich
mich hier anstellen muss, hat übrigens folgende Bewandtnis: ich verfüge über ein
Job-Ticket für den Verkehrsverbund VRS, das in Richtung Aachen bis Düren gültig
ist. Somit muss ich ein Zusatzticket für die Strecke Düren-Aachen lösen. Mache
ich dies im Zug, kostet es zwei Euro mehr. Da stell ich mich doch lieber in die
Schlange, wenn die Zeit reicht.
Jetzt
wird der erfahrene Bahnreisende sich an die Stirn tippen und lauthals rufen:
„Der Jung weiß aber auch gar nix! Warum zieht der das Ticket denn nicht am
Automaten? Geht doch viel schneller, die nutzt doch kaum jemand!“ Und in der
Tat, ich habe das ausprobiert, einige Tage zuvor. Leider rückt der Automat diese
Fahrkarten nicht raus, da es sich um Strecken eines Verkehrsverbundes handelt,
die muss die Deutsche Bahn an ihren Automaten nicht ausgeben. Dies erfährt man
jedoch erst, nachdem man sich an dem Automaten durch die gesamte Bestellung
gedrückt hat (TouchScreen) und zur Bezahlung schreiten möchte. In der
Zwischenzeit ist die Schlange am „Service“-Center wieder um mindestens fünf
Leute angewachsen und man hat die Zeit für nix und wieder nix verloren. Ein
diesbezüglicher Hinweis direkt zu Anfang der Bestellung oder eine entsprechende
Aufschrift auf dem Automaten hätte vielleicht ja was, aber das wäre
kundenfreundlich, und dafür bezahlt man ja nicht, sondern nur für die
Beförderung. Also direkt ab in die Schlange.
Obwohl,
hier muss ich auch mal eine kleine Lanze für die Bahn brechen. Bei so manchem
Kunden würde ich auch in die Knie gehen. Frei nach dem Motto: „Wenn ich schon
mal dran bin, dann will ich auch bis zum Letzten bedient werden“, belagern sie
quasi stundenlang den Schalter. Dieser Herr am einen Tresen ist keine Ausnahme,
mit einer Engelsgeduld fordert er die Dame auf, doch noch mal hier und da
nachzusehen, er habe ja Zeit. Die Leute, die in der Schlange stehen, leider
nicht, aber das juckt ihn nicht die Bohne. Auch nicht, dass es auch so etwas wie
eine telefonische Auskunft gibt, die er nutzen könnte, denn er will, im
Gegensatz zur restlichen Schlange, erkennbar nicht gleich auf die Piste, sondern
irgendeine Fahrt reservieren.
Aber
egal, ein Schalter bleibt ja noch, und nur noch zwei Damen vor mir. Das muss
doch zu schaffen zu sein. Die eine tritt nunmehr den freien Schalter und hat
auch schon das Portemonnaie in der Hand. Ha, weiß sie etwa, was sie will, so
dass es zügig weiter gehen kann? Mitnichten, denn jetzt ordert sie gut hörbar
eine BahnCard. Na super. Daraufhin erhält sie ein sechsseitiges Formular zum
Ausfüllen, was sie auch in aller Ruhe macht, von einigen Zwischenfragen
abgesehen. Die Minuten verrinnen, so langsam wird es eng. Nun hält sie ihre
vorläufige BahnCard in den Händen. Wurde aber auch Zeit. Die Dame vor mir macht
sich bereit zum Sprung, jetzt bloß keine überflüssige Sekunde verlieren. Aber
was ist das? Neeeein, der freundliche Mann hinter dem Schalter hat den bösen
Satz gesagt: „Möchten Sie vielleicht auch gleich eine Fahrkarte kaufen?“ Das
lässt die Kundin zunächst die Stirn runzeln, sodann angestrengt nachdenken.
Schließlich zeichnet sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht ab. Na, und
ob sie möchte! Sie weiß nur noch nicht, wann und wie und wohin. Aber wozu steht
man denn am Schalter? Eine erregte Diskussion beginnt, ich schnappe immer nur
die Wortfetzen „Nürnberg“ und „Erfurt“ auf. Der Schalterbeamte beginnt, ihr die
einzelnen Verbindungen auseinander zu klamüsern. Es gibt anscheinend mehrere
Hundert (sie will ja auch nicht sofort fahren, sondern irgendwann demnächst),
und keine einzige davon passt ihr. Die Dame vor mir in der Reihe schaut mich
sprachlos an. Ich schaue sprachlos zurück. In mir steigen die ersten Bilder auf,
in denen Teer und ein paar Federn vorkommen...
Aber
dann! Der Schalter mit dem Herrn, der anscheinend per Bahn nach Timbuktu reisen
will, wird frei. Er ist tatsächlich nach 18 Minuten zu seiner Zufriedenheit
bedient worden. So sieht die Kundenberaterin auch aus, sie ist völlig geschafft.
Die Dame vor mir stürmt an diesen Schalter vor, aber sie war nicht schnell genug
– die Service-Tante hat blitzschnell das Schild „Schalter geschlossen“ auf den
Tresen geknallt. Die braucht wohl erst mal ne Kaffeepause nach diesem Kunden. So
langsam glaub ich’s nicht mehr.
Nun,
natürlich gibt es noch ein Happy End, denn fast zeitgleich entschließt sich die
Kundenberaterin, nicht doch in Streik zu treten und macht den Schalter nach
kurzer Pause wieder auf und die junge Dame am anderen Schalter beschließt, dass
die Fahrt nach Nürnberg am 29.01.2005 (!) vielleicht doch das Richtige für sie
wäre, inklusive drei Reservierungen. Ich bekomme meine Fahrkarte binnen 30
Sekunden und habe dafür 20 Minuten angestanden. Die Schlange hinter mir ist in
der Zwischenzeit von fünf auf 15 Leute angewachsen, deren Gesichtsausdrücken
nach alle mit blanker Mordlust im Herzen. Wenn man schon so quengelige Kunden
hat, dann könnte man ja wirklich noch einen zusätzlichen Schalter öffnen, es
gibt ja deren 12 im Bonner Hauptbahnhof. Aber warum auch? Die Leute bleiben ja
trotzdem stehen, weil sie die Fahrkarten brauchen. Und wenn es so lange dauert,
bis ihre Züge kommen, verringert sich die Schlange ja von ganz alleine.
Natürliche Selektion. Ja, die Bahn ist pfiffig.
Übrigens
war tatsächlich während meines gesamten Aufenthaltes ein weiterer Schalter
geöffnet: und zwar derjenige für Bahn Comfort (Vielfahrer) und 1.Klasse-Reisen.
Die Dame dort blockte aber hemmungslos sämtliche Anfragen der kleinen
2.-Klasse-Passagiere ab. Dafür war sie nicht zuständig, ihr oblag lediglich die
Betreuung der zahlungskräftigeren Kundschaft. Sollte ich in meinem Beruf jemals
wieder daran erinnert werden, dass ich „flexibel“ zu sein habe, hätte ich da
einen wirklich guten Gegenbeweis, dass es auch anders funktioniert. Hier die
15-Meter-Schlange, dort, zwei Meter weiter, die gelangweilte Dame hinter dem
Tresen, die sich die Fingernägel feilt, weil sie grad keine Kundschaft hat. Und
die Kunden kaufen trotzdem Fahrkarten. Funktioniert also.
Aber
genug von Bonn. Ich erreiche so gerade eben noch meine Regionalbahn nach Köln,
und die Fahrt verläuft störungsfrei. Jetzt bin ich also in Köln. Köln.
KÖLN! Die Stadt, die für den gemeinen Reisenden immer etwas bereit hält, egal,
ob auf der Autobahn oder am Hauptbahnhof. Nicht nur als Fortuna-Fan, sondern
auch als ganz normaler Reisender bin ich dieser Stadt gegenüber zutiefst
misstrauisch. Ist noch nicht mal angeborene Abneigung, sondern pure Erfahrung.
Ich wette, in dieser Stadt sind schon Ehen am Bahnhof in die Brüche gegangen,
weil „der Zug aufgrund eines Signalfehlers 60 Minuten Verspätung hat, aber für
alle Abholer: unsere Altstadt ist ja nicht weit, machen Sie sich dort doch ein
gemütliches Stündchen“, hier sind schon wichtige Geschäftsabschlüsse nicht
zustande gekommen, weil „der Anschlusszug aufgrund unserer Verspätung nicht
warten konnte, wir bitten um Ihr Verständnis“ und hier sind Fußball-Fans zu spät
zu den Spielen ihrer Mannschaft gekommen, weil am Heumarer Dreieck auf der A3
mal eben von sechs Spuren vier gesperrt sind, ohne dass es irgendjemand für
nötig hält, dies mal der Verkehrswacht mitzuteilen, so dass natürlich keinerlei
Durchsage im Radio zu hören ist (letzteres Szenario bitte bis zu meinem nächsten
Bericht im Gedächtnis behalten – ja, das kann man durchaus als Drohung
interpretieren).
Im
geliebten Kölner Hauptbahnhof also geht der Regionalexpress nach Aachen um 11.41
Uhr. Um 11.36 Uhr stehe ich auf dem Gleis, und der Zug ist bereits auf der
Anschlagtafel ausgewiesen! Ohne Verspätung, nicht zu fassen. Obwohl, ich bin
nach der Episode im Bonner „Service“-Center noch so glücklich, überhaupt bis
hierher vorgedrungen zu sein, da jucken mich 5 Minuten Verspätung auch nicht
mehr. Ich hab ja Zeit.
Warum
habe ich das gedacht? Wie kann man nur so naiv sein und denken, die Bahn belässt
es bei so einer läppischen Kleinigkeit wie zwanzigminütigen Anstehen für den
30-Sekunden-Genuss? Schließlich hat das was mit der Kundenberatung zu tun und
nicht mit den Zügen! Da hat die Bahn an diesem Tag doch noch keinen Trumpf
ausgespielt! Ich hätte es wissen müssen. Ich erfahre es sofort anhand einer
netten kleinen Durchsage. Und die lautet wie folgt: „Aufgrund einer
Stellwerkstörung hier im Hauptbahnhof Köln verspäten sich alle Züge auf
unbestimmte Zeit. Bitte achten Sie auf weitere Lautsprecherdurchsagen.“
Jetzt
haben sie es geschafft. Das ist der Hammer. Selbst ich habe eine solche
Durchsage noch nie gehört. Sie ist aber auch kein Scherz, die Züge, die auf den
Gleisen stehen, bleiben auch stehen, sie dürfen nicht ausfahren, diejenigen, die
vor der Einfahrt auf der berühmten Eisenbahnbrücke stehen (die die meisten
Verspätungen in Köln produziert, weil für die 11 Gleise nur 5 Einfahrtsgleise
zur Verfügung stehen, was die Bahn jedoch nicht davon abhält, regelmäßig zehn
Züge gleichzeitig ankommen zu lassen), dürfen nicht einfahren, darunter auch
mein RE nach Aachen.
Binnen
Minuten bricht nun das große Chaos aus, das die Bahn souverän bewältigt, nämlich
gar nicht. Bei ICE-Reisenden geht es noch. Die S-Bahnen auf Gleis 10 und 11 sind
nämlich nicht von der Stellwerkstörung betroffen, die fahren weiter. Also werden
die ICE-Fahrer einfach in die S-Bahnen nach Köln-Deutz umgeleitet, wo auch der
ein oder andere ICE hält. Für uns simple Nahverkehrsfahrer gibt es nix, wir
haben erst mal keine Priorität. Aber halt, da, eine Durchsage: „Reisende
Richtung Aachen nehmen bitte die S-Bahn auf Gleis 11 nach Düren um 12 Uhr.“ Na
ja, wenigstens etwas, ist ja der halbe Weg. Düren liegt jetzt nicht wirklich in
der Nähe von Aachen, aber auch nicht so weit entfernt, dass die Strecke mit dem
Auto nicht in einer halben Stunde zu schaffen wäre. Also eile ich auf das
angegebene Gleis und rufe meine Begleiterin an. Das arme Mädel kommt grad aus
der Dusche, ist wahrscheinlich frisch wie ein Frühlingsmorgen und darf sich
jetzt erst mal eine fünfminütige Hasstirade meinerseits gegen Köln im
allgemeinen und dem Kölner Hauptbahnhof im besonderen anhören. Sorry dafür, aber
irgendjemand muss ja bluten. Und ein Bahnangestellter lässt sich in weiser
Voraussicht auf dem Bahnsteig nicht blicken.
Wir
vereinbaren, dass ich die Bahn nach Düren nehme, und sie mich dort abholt.
Gleichzeitig freue ich mich darauf, dort am Schalter mein Zusatzticket für die
Strecke Düren-Aachen wieder umzutauschen, weil ich es dann ja nicht mehr
benötige; und ich schwöre, wenn die es wagen, darauf hinzuweisen, dass das
Ticket ja weniger wert sei als die 15 Euro Bearbeitungspauschale, die sie leider
bei jedem Umtausch erheben müssen, dann wird der Dürener Bahnhof einige Minuten
später nur noch eine verschwommene Erinnerung in den Köpfen der Anwohner sein.
Auch meine Geduld hat Grenzen.
Und
letztere lotet die Bahn jetzt dermaßen aus, dass man meinen könnte, die bieten
auch Selbstfindungsseminare an. Um Punkt 12 erscheint die angegebene S-Bahn am
angegebenen Gleis. Leider steht als Ziel „Sindorf“ auf dem Zugschild. Ich habe
keine Ahnung, wo das liegt, dem erregten Gemurmel der Umstehenden entnehme ich
jedoch, dass es nicht mal bis nach Düren gehen würde. Also wird von einer, hm
sagen wir mal, etwas empörten Menge jetzt der Fahrer der S-Bahn durchs offenen
Fenster befragt. Ob er nach Düren fahre? Aber im Leben nicht. Das sei soeben
durchgesagt worden? Nein, davon weiß er nichts. In der Zentrale anrufen und
nachfragen? Nöööö. Er muss nach Sindorf, und nur nach Sindorf soll die Reise
gehen, er fährt doch nicht weiter bis nach Düren. Flugs schließt er das Fenster,
was auch besser ist, denn ich meine, bei dem ein oder anderen Fahrgast auf dem
Bahnsteig jetzt doch langsam die Vorfreude auf Lynchjustiz in deren Augen zu
erkennen. Eilig bringt er sich in seine S-Bahn in Sicherheit und lässt ein
knappes Hundert Fahrgäste wutschnaubend und ratlos zurück.
Übrigens,
des Rätsels Lösung ergibt sich beim Blick auf den Fahrplan: diese S-Bahn um 12
Uhr fährt nur samstags und sonntags. Samstags bis Düren, sonntags bis Sindorf.
Jeder, der des Lesens kundig ist, kann das erkennen, die Bahn konnte es leider
nicht.
Ich habe
zum Glück meine Handy-Verbindung nicht gekappt, so können wir den ganzen Plan
direkt wieder umwerfen. Es kommt eine weitere Lautsprecherdurchsage. Der RE soll
nun auf das S-Bahn-Gleis umgeleitet werden und um 12.16 Uhr abfahren. Na also,
das ist doch ein Wort. Leider bleibt es auch nur ein Wort, es kommt eine S-Bahn,
es kommt die nächste, die übernächste, aber kein RE. Da, eine neue
Lautsprecherdurchsage. Nein, deren zwei. In der Tat, es sind zwei Durchsagen, so
übereinander gelegt, dass man keine von beiden verstehen kann. Ich beobachte
aufmerksam die Umgebung, denn ich suche den besten Standort für den
Molotow-Cocktail, den ich mir gleich zu besorgen gedenke. Und während der ganzen
Zeit bleibt die Handy-Verbindung aufrecht, damit wir alle zwei Minuten umplanen
können.
Ich
möchte hier abkürzen, irgendwann soll es in diesem Bericht auch noch mal um
Fußball gehen. Um 12.32 Uhr, nach nur 51 Minuten, kommt der RE. Er ist es jedoch
nicht, wie eine Durchsage im Zug später aufklärt. Es ist ein Ersatzzug, der
direkt nach der Stellwerkstörung auf die Schiene geschickt wurde und um 12.16
Uhr los fahren sollte. Leider hatte man bei der Bahn vergessen, dass das Depot,
aus dem er kam, auch der Störung unterworfen war und somit durfte auch er nicht
einfahren. Ganz schlechtes Kino. Mein Mitgefühl gilt übrigens den Passagieren im
regulären Regionalexpress, der am Sonntag, 05.12.2004, um 11.39 Uhr in den
Kölner Hauptbahnhof einfahren sollte. Die stehen wahrscheinlich immer noch auf
irgendeinem Abstellgleis und dürfen nicht einfahren.
Langer
Rede kurzer Sinn: mit einer lockeren Stunde Verspätung erreiche ich Aachen und
die beste und vor allem geduldigste Fahrerin von allen. Was die sich in der
halben Stunde Handy-Verbindung auf dem Bahnsteig alles anhören musste...ich darf
gar nicht darüber nachdenken. Und das alles für Kreisliga B...
Aber gut,
nun sind wir also in Aachen. Es wäre natürlich von Vorteil gewesen, in Stolberg
Hbf auszusteigen, einer unglaublichen Bruchbude mit penetrantem Schwefelgestank,
da wird wohl irgendetwas verhüttet oder so, denn Dorff ist ja ein Stadtteil von
Stolberg. Aber von Aachen Hbf ist es auch nicht schwer, und wer die Tour mal
machen möchte – bittschön: vom Aachener Hbf rechts in die Römerstraße, dann an
der 2. Ampel links in die Wilhelm-Straße. Dort wird an der 4. Ampel auf den
Adalbertsteinweg abgebogen, der in den Aachener Ortsteil Brand führt. Dort auf
die Freunder Landstraße (L 220) und hinter Freund (also Gegenden, in denen es
Ortsteile wie „Freund“ oder „Dorff“ gibt, müssen einem doch irgendwie
sympathisch sein, oder?) rechts auf die Obersteinstraße Richtung Büsbach (K 22).
Sodann in Stolberg-Büsbach rechts abbiegen auf die Straße „Tiefental“ (K 13),
die direkt ins Gelobte Land führt, und in Dorff an der zweiten Straße „Im
Dorfweiher“ links abbiegen und auf den Parkplatz fahren, der ca. 5 Autos Platz
bietet. Fertig. Es wird im übrigen schon ziemlich bald ländliche Idylle geboten,
die an meine Heimat erinnert, immer bergauf, bergab, Wiesen und Felder,
zwischendurch mal ein Dorf oder ein einsamer Bauernhof. Doch, an solchen Tagen
besänftigt dies ein wenig.
Bedankt
euch nicht bei mir für diese Wegbeschreibung. Bedankt euch bei der Bahn, die
mich an diesem Tag so geschafft hat, dass ich für die sensationell kurze
Reststrecke so dankbar bin, dass ich sie hier zum Besten geben wollte.
Übrigens
stellen wir bei der Ankunft fest, dass der gewiefte Groundhopper, der sich für
keine Tour zu schade ist, die Strecke auch komplett mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zurücklegen kann. Direkt vor der Einfahrt zum Dorfweiher liegt
nämlich eine Bushaltestelle („Am Hahnenkreuz“), an der die Buslinie 42 hält, die
als Endstation tatsächlich Stolberg Hbf ausweist. Falls jemand die Strecke mal
fahren möchte, empfehle ich zwei Dinge: zum einen ein Taschentuch, um den
Schwefelgeruch am Stolberger Hbf ein wenig zu mildern. Zum andern die
Service-Hotline der Bahn, um sich vor Fahrtbeginn nach dem Zustand der
Stellwerke im Kölner Hauptbahnhof zu erkundigen. Viel Spaß.
Somit
erreichen wir eine Viertelstunde vor dem Spiel das Stadion der Herzen, völlig
unbedrängt von irgendwelchen Blechlawinen, die nicht vorhandene Parkplätze
umkurven, oder von Menschenschlangen, die an einem natürlich viel zu kleinen Tor
Einlass begehren. Man könnte auch sagen: es tut sich nichts. Aber das ist nur
die halbe Wahrheit. Die Gästemannschaft aus Lichtenbusch (das ist übrigens ein
Stadtteil von Aachen in unmittelbarer Nähe zu Belgien; ja, ich weiß, ganz Aachen
ist in unmittelbarer Nähe zu Belgien, aber Lichtenbusch halt am „nächsten“) ist
nämlich bereits auf der Asche und schießt sich warm. So sieht auch deren Torwart
aus, der schon so manche Parade in diverse Pfützen vor seinem Tor hingelegt hat.
Gut so, da gewöhnt sich der Körper schneller an dieses klamme Gefühl der
durchweichten Klamotten.
Wir
entsteigen dem Auto und begeben uns auf einen Rundgang um den Platz zwecks
Erforschung der Stadionatmosphäre. Doch, sehr nettes Ambiente. Hinter dem einen
Tor, an dessen Seite wir geparkt haben, befindet sich ein Kinderspielplatz.
Hinter dem anderen Tor schnauben fünf Pferde auf ihrer Koppel, ebenfalls in
Kernschussweite. Hinter der einen Gerade, die auf einem gewalzten Feldweg hinter
der Umzäunung begangen werden kann, glänzt der Gemüsegarten des Bauern, dessen
Haus sich ein Stück weiter vorn zur Straße hin befindet. Ganz erstaunlich die
andere Gerade: direkt an der Seitenlinie beginnt ein Grashügel, der sich in
sanfter Steigung etwa fünf Meter nach oben zieht. Am oberen Ende hat man einen
betonierten Platz geschaffen, an dem sich der Verkaufsstand befindet, davor
Tische mit Aschenbechern – alles überdacht mit Holz und Wellblech! Das scheint
die VIP-Lounge zu sein, da zieht es uns hin. Von diesem betonierten Vorplatz,
der sich in Höhe der rechten Seite des Spielfeldes befindet, führt ein Matschweg
schräg nach links hinunter zum Spielfeld, wo zwei wacklige Ersatzbänke
aufgestellt sind. An diesem Matschweg glänzen noch drei oder vier gezimmerte
Holzbänke – aha, Sitzplatztribüne! Dort wird sich also der einheimische Mob
versammeln. Nix wie hin!
Für
irgendwelche Anhänger von Lichtenbusch II bleibt da nicht mehr viel Platz, es
sei denn, sie möchten das Spiel von der Gegengerade oder hinter einem der Tore
verfolgen, aber dann natürlich auch hinter dem Zaun. Aber dies ist gar nicht
nötig, die paar, die mitgekommen sind, passen nämlich problemlos zu den
Ersatzspielern auf die Bank. Fußball - wirklich hautnah.
Der Platz
selbst ist so eine wandelnde Katastrophe, auf der ich früher in der Jugend immer
gerne gespielt habe: Asche, die unter Wasser steht, herrlich, so richtig was für
große Kinder. Immerhin hat er Flutlicht, schönen Gruß nach Velbert. Und er ist
wirklich verdammt klein. Auf Außen sind es von der Strafraummarkierung bis zur
Eckfahne nur wenige kurze Schritte. Das heißt, Moment, Eckfahnen gibt es hier
nicht, die Markierungen bestehen lediglich aus diesen Stangen, die man in jedem
Verein der Welt zum Dribbel-Training immer aus dem stets abseits liegenden,
stets muffig riechenden Schuppen des Platzwarts holen muss. Fahnen zum
Aufstecken gibt es nicht. Wozu auch?
Eingespart wird auch bei den übrigen Platzmarkierungen, wohl damit die fehlende
Größe des Feldes nicht sofort ins Auge springt. So ist der Strafraum zwar
eingezeichnet, der davor liegende Halbkreis fehlt jedoch ebenso wie die
Viertelkreise an den Ecken. Auch den Mittelkreis sucht man vergeblich, eine
Mittellinie mit einem liebevoll gekalkten Anstoßpunkt in der Mitte tut’s auch.
Beide Elfmeterpunkte schwimmen in Pfützen, sind aber mit bloßem Auge bei genauem
Hinschauen durchaus noch schemenhaft zu erkennen. Na also, da haben wir doch
alles, was man zum Fußball spielen braucht!

Grober Blick
übers Spielfeld

Eckfahne
ohne Fahne, aber mit tierischen Zaungästen
Außer
Platz. Besonders drastisch wird dies an der Ecke unterhalb des
Verpflegungsstandes deutlich. Direkt hinter der Torauslinie ist die Ecke mit
einer soliden Holzwand vermauert, von der Linie bis zum Holz verbleibt
vielleicht ein Meter. Das heißt, wenn jemand von hier eine Ecke mit dem linken
Fuß treten will und daher von rechts „anlaufen“ will, hat er genau diesen Meter
Platz. Noch lustiger ist es bei Einwürfen. Auf der Gegengerade verbleibt dem
Spieler ebenfalls ca. ein Meter Platz, dann bohrt sich ihm der Maschendraht des
Zauns in den Rücken. Bei uns auf der Gerade beginnt, wie schon geschildert,
direkt hinter der Seitenlinie der Grashügel. Wer also mit Anlauf werfen will,
muss zunächst ein Stück den Hügel hinauf und anschließend wieder hinunter
laufen. Das garantiert zusätzlichen Schwung und weite Einwürfe, sofern man den
Schwung unten halten kann, wenn der schräge Boden urplötzlich ins gerade
Spielfeld übergeht. Das ist nicht unpfiffig.
Nun will
die Verpflegung begutachtet sein. Wir schreiten also zur fest installierten
Holzbude und studieren das Angebot, welches auf einem mit WordArt liebevoll
gestalteten Zettel aushängt. Und liebe Caterer in sämtlichen Stadien der ersten,
zweiten und dritten Liga: so hat ein Angebot auszusehen: Cola, Wasser,
Fanta, Kaffee, Schnaps: 80 Cent. Eine Zeile tiefer: Bier, Würstchen,
Nüsse: 1 €. Aus die Maus. Kurz, klar und prägnant, kein Gedudel mit Pfand oder
Wurst für 3 €, für die man eine Viertelstunde anstehen muss, nur um dann
festzustellen, dass sie doch noch halb roh aus dem Wasserbad gefischt wurde.
Hier ist der Zuschauer König!
Wie sehr
dies zutrifft, kann sogleich bei der Bestellung beobachtet werden. Das
Bockwürstchen wird – mein Gott! – auf Porzellan serviert, die 0,3-Cola gibt’s im
Glas und der von der weiblichen Begleitung georderte Kaffee kommt in der Tasse,
wenn es auch damit etwas länger dauert, denn die Kaffeemaschine streikt ein
wenig. Zudem habe ich die Ehre, ein noch jungfräuliches Glas Senf zur
hemmungslosen Benutzung zu erhalten, das schafft man zum Beispiel in Bonn noch
nicht mal, wenn man vor dem Spiel am Stand übernachtet. Und für den Gesamtpreis
von 2,60 € krieg ich in so manchem Stadion noch nicht mal ne Bratwurst. So soll
es sein!
Neben der
Preisliste hängt übrigens ein weiterer Zettel, dem zu entnehmen ist, dass der
heutige Spielball von Erich Kloubert gespendet wurde. Danke, Erich! Die DJK SF
Dorff ist immer an Spielballspenden interessiert, die Bälle werden anschließend
im Training der Jugendmannschaften weiter verwendet. Spenden ab 20 Euro sind
willkommen. Es darf auch gern reichhaltig gespendet werden, denn wenn ich das
anschließend richtig beobachte, stehen während der Partie nur zwei Bälle zur
Verfügung. Da muss doch was gehen!
Jetzt
kommen die Mannschaften! Sie schreiten den Weg vom Klubheim oberhalb des
Verpflegungsstandes hinunter, um dann auf dem Matschweg nach unten zu den
Ersatzbänken zu gelangen. Es verblüffen die Trikotsponsoren. Die DJK SF Dorff
läuft für einen Gourmettempel auf, das ist nicht zu übersehen: „Athen-Grill
Breinig“ prangt samt Telefonnummer stolz auf ihrer Brust. Ehrlich verblüfft bin
ich allerdings, bei den Lichtenbuschern das Logo von Müller-Milch zu entdecken.
Ich drücke den Jungs ernsthaft die Daumen, dass nicht eines Tages Dieter Bohlen
für gemeinsame Werbeaufnahmen auf der Matte steht.
Mittendrin der Schiri. Auch etwas in die Jahre gekommen, vom Körperbau her
gemütliche Tropfenform, erinnert er mich an so manchen Oberliga-Linienrichter
aus den letzten zwei Jahren. Auch ansonsten sieht er etwas merkwürdig aus, er
trägt nämlich zu seinem schwarzen Dress wahrhaftig ein neongelbes Leibchen. Dies
rührt daher, dass die Trikots der Gyros-Buden-Repräsentanten auch schwarz sind
(es sind die gleichen Trikots, die Alemannia Aachen in der letzten Saison
getragen hat – vielleicht eine Spende?). Um nicht mit einem der Spieler
verwechselt zu werden, ordnet der Schiri nicht den kollektiven Umstieg auf
Ausweichtrikots an, nein, er weicht selbst aus! Ja, hier geht’s noch flexibel
zu.
Wie
flexibel es hier zugeht, erlebe ich einige Augenblicke später. Der Schiri trägt
nämlich auch zwei Fähnchen in seinen Händen. Richtige Linienrichterfahnen sind
das nicht, sondern so rote Baustellenfahnen, die irgendwelche Arbeiter auf der
Autobahn schon mal hektisch schwenken, bevor sie sich mit einem Hechtsprung in
Sicherheit bringen müssen, weil eh niemand so wirklich darauf achtet. Der Schiri
schaut sich kurz um und bestimmt seine Assis: der Betreuer von Dorff (bei dem
ich anschließend herausfinde, dass es sich um Ballspender Erich handelt) erhält
ein Fähnchen und trollt sich missmutig Richtung Gegengerade, gefolgt vom Trainer
der Heimmannschaft, der die gesamte erste Halbzeit drüben verbringen wird,
wahrscheinlich, weil der Überblick von dort besser ist.
Das
Fähnchen auf unserer Seite erhält der einzig Offizielle von Lichtenbusch II, der
anwesend ist, nämlich deren Trainer. Und dieser Mann, dessen Namen ich leider
nicht kenne, steht für ganz großes Kino, soviel mal vorab.
Nun
trudelt auch der Ersatzspieler der Heimmannschaft ein. Olli, so wird er gerufen,
stellt sich neben uns und ordert am Verpflegungsstand erst mal einen Kaffee.
Dann fragt er: „Wo ist der Trainer?“ und stellt mit zufriedenem Seitenblick
fest, dass der Übungsleiter auf der anderen Seite an der Ecke unter einem Baum
steht und ihn nicht sehen kann. Zack, steckt sich Olli erst mal ne Kippe an und
raucht genüsslich. So richtig wach sieht er auch nach Zigarette und Kaffee nicht
aus, gibt es aber schonungslos zu. Von einem der umstehenden Zuschauer befragt,
ob er denn fit sei, antwortet Olli kurz und knackig: „Mental bin ich noch im
Bett!“ Aber das soll ihn nicht davon abhalten, bereit zu sein, wenn es darauf
ankommt! Daher ruft er den Mannschaftskameraden auf dem Platz noch aufbauend zu:
„Sacht Bescheid, wenn ihr mich braucht!“ und widmet sich wieder seinem Kaffee.
Er scheint also wirklich der Joker zu sein...das klingt vielversprechend.
Da Olli
der einzige Ersatzspieler der Heimmannschaft zu sein scheint, der Betreuer zum
Fahnenschwenken abkommandiert ist und der Trainer ebenfalls auf der Gegengerade
herumgeistert, bleibt die Ersatzbank der Dorffer völlig leer. Beim Gegner
tummeln sich alle 8 Mitgereisten – Ersatzspieler und Zuschauer. Gute Auslastung
also.
Aber was
soll’s? Der Platz ist bespielbar, die wichtigsten Linien und Punkte kann man
sehen, das Wetter ist diesig und kühl, aber trocken – beste Voraussetzungen für
Fußball!
Now let the game begin!
Der
Schiri pfeift das Spiel dann auch an. Es hat alles, was ein Fußballspiel
braucht. Damit meine ich nicht Rasse, Klasse und Dynamik, sondern 22 Spieler, 1
Schiri sowie einen güldenen Spielball, der so verblüffend schlecht in die
gesamte Umgebung passt, dass es fast schon wieder kultig ist. Das Spiel selbst
ist in den ersten 10 Minuten von zögerlichem Abtasten geprägt, was hier
bedeutet, dass uns die Befreiungsschläge nur so um die Ohren fliegen. Klar,
überragende Technik darf nicht erwartet werden, und der Platz ist mit Pfützen
übersät – jeder gelungene Flachpass bleibt nach spätestens zehn Metern im Wasser
liegen.
10
Minuten lang passiert also nichts, abgesehen davon, dass der zweite
Einwechselspieler der Heimmannschaft erscheint. Wer weiß, wo der noch gewesen
ist. Olli macht sich noch eine Kippe an und kippt noch einen Kaffee. Ich glaube,
das ist seine spezielle Art des Aufwärmens.
Eine
spezielle Art der Spielleitung hat auch der Schiri. Er bewegt sich bevorzugt im
und um den gedachten Mittelkreis herum und trägt dadurch zur Regelkunde bei den
Zuschauern bei. Als auf Außen zum Beispiel mal kurz geschoben wird, pfeift er ab
und brüllt quer über den ganzen Platz: „Hände weg!“ Die Zuschauer nicken
verstehend und anerkennend. Der Mann ist lässig und hat alles im Griff.
Dann
tritt der Lichtenbuscher Trainer-Linienrichter auf den Plan. Als einer seiner
Spieler gefoult wird, betritt er samt Fähnchen das Spielfeld und brüllt: „Der
Zehner tritt dem zweimal in die Hacken, Schiri!“ Und was für eine Stimme der
hat! Ich glaube, der hat schon einen Vorvertrag bei einer x-beliebigen Death
Metal-Band in der Tasche und muss sich nur noch die Haare wachsen lassen, ehe er
den Job antritt, denn er sieht eigentlich aus wie Schwiegermutters Liebling.
Aber die Stimme rockt. Sie würde wohl auch Tote aufwecken. Nur der Schiri winkt
lässig ab, und der Trainer mutiert gutwillig wieder zum Fahnenschwenker.
In der
Zwischenzeit hat sich ein älterer Mann mit Herren-Täschchen zu uns vorgeschoben
und fordert den Obolus. Ich bin mit 2 Euro dabei, leider gibt es keine
Eintrittskarten, schade. Meine weibliche Begleitung hingegen guckt umsonst!
Jawohl, so geht das, so wirbt man Fans. Eine schöne Einrichtung, das muss man
neidlos anerkennen.
Auf dem
Spielfeld kann man jetzt erste Unterschiede erkennen, Spieler, die dem Spiel
ihren Stempel aufdrücken werden, kristallisieren sich heraus. Zum Beispiel die
Nummer 9 der Dorffer, ein Schwergewicht, das gleichzeitig Mannschaftskapitän
ist. Er wirkt keinen Tag unter 35, von der Statur her möchte ich mal den
Vergleich mit Günther Delzepich wagen, falls den noch jemand kennt. Falls nicht,
das war einst in den 80ern ein Spieler in Diensten der Alemannia und des
Wuppertaler SV, dessen rohe Kräfte sich am besten so umschreiben lassen: er
wettete einst im Training, dass er einen Medizinball von der 16-Meter-Linie aus
ins leere Tor würde schießen können, ohne dass der Ball vor dem Überschreiten
der Torlinie den Boden berühren würde. Er verlor die Wette – aber nur, weil er
nicht ins Tor traf, sondern den Medizinball drüber schoss. Nur mal so, damit man
eine Vorstellung bekommt.
Die
Nummer 9 der Dorffer ist ein ähnlicher Brecher, der sich in jede Flanke wuchtet,
aber bislang noch keine trifft. Außerdem sieht man an ihm den erfahrenen alten
Hasen, der schon alles gesehen hat. Also in der Kreisliga B, meine ich. Er ist
nämlich der einzige Spieler seiner Mannschaft, der mit Handschuhen aufläuft.
Ebenso wie auf der anderen Seite der Fels in der Brandung, die Lichtenbuscher
Nr. 6, auch schon etwas älter. Die beiden wollen natürlich erst langsam auf
Betriebstemperatur kommen, um hinterher den Jungspunden ein Schnippchen zu
schlagen.
Nach 10
Minuten dann die ersten Chancen für Lichtenbusch. Der Dorffer Torwart ist ein
gemütlicher Schnauzbart, der keinen Tag jünger als 40 aussieht. Fast
teilnahmslos folgt er der Flanke der Gäste und dem schönen Kopfball des
Mittelstürmers. Dann aber taucht er blitzschnell ab, liegt mit dem Gesicht im
Dreck, aber er hat die Kugel aus dem Eck geholt. Die Katze hat zugeschlagen!
Nur eine
Minute später ist er wieder mitten im Geschehen und legt eine weitere
Glanzparade bei einem ganz erstaunlichen Hammer eines Gästespielers hin. Der
hätte genau unter die Latte gepasst. Es wird interessant, man sieht, die Nummer
7 der Gäste, ein echter Spargeltarzan, allein beim Anblick seiner dürren
Beinchen friert es mich schon, hat einen sehr guten Schuss, die Nummer 8 ist
technisch erstaunlich beschlagen und holt auch auf diesem Boden das ein oder
andere Kabinettstückchen aus der Trickkiste.
Jetzt
allerdings hat es die Nummer 7 zu gut gemeint, mit der rechten Klebe abgezogen,
der Ball fliegt weit übers Tor und über den Zaun auf die Koppel inmitten der
Pferde. Die sind nur mäßig erstaunt. Ich nehme mal an, dass sie dies nicht zum
ersten Mal in ihrem Dasein erleben. Genau wie das Nachfolgende, nämlich dass der
Torwart ungerührt den Zaun zur Koppel überklettert und die Kugel zwischen ihnen
wieder herausfischt. Fußball und Natur – das muss sich nicht ausschließen!
Eine
Minute später fliegt die Kugel an der hinteren Ecke ins Aus zum Eckball für
Lichtenbusch. Zu deren Pech ist dort in der Ecke der Zaun unterbrochen und das
Leder saust zwischen Bäumen ins Nirwana. Die Nummer 8 eilt hinterher, hat jedoch
Glück: er bekommt den Ball von einem Spaziergänger zugeworfen, der zufällig mit
seinem Hund vorbei kommt. Kein Mensch braucht hier Balljungen.
Denn
jetzt ist auch der Erich fällig. Der hat bislang relativ regungslos an dem
Mülleimer gelehnt, der sich im Seitenaus auf der Gegengerade in Höhe der
Mittellinie befindet, und hat nur ab und zu sein Fähnchen mal nach links oder
rechts gehoben. Jetzt pöhlt ein Lichtenbuscher die Kugel mit Schmackes dort über
den Zaun in den angrenzenden Gemüsegarten. Für Erich reine Routine: gelassen
taucht er durch die kleine Öffnung, die man dort wohl aus gutem Grund im Zaun
gelassen hat, schleicht sich durch ein dahinter liegendes Gartentor auf die
Wiese und holt den Ball wieder. Die Schnelligkeit lässt jahrelange Übung
vermuten.
Und jetzt
fallen auch Tore. Wäre auch verwunderlich gewesen, wenn nicht, denn beide Teams
haben ein Katastrophen-Torverhältnis und noch nicht einmal in dieser Saison zu
Null oder gar Null zu Null gespielt. Die Gastgeber machen den Anfang, Kopfball
zum 1:0, der Lichtenbuscher Torwart sieht ganz schlecht aus, weil der Ball in
eine Pfütze titscht und dann unter seinem Körper hinter die Linie trudelt.
Postwendend macht Lichtenbusch II den Ausgleich, ein schön heraus gespielter
Treffer. Beide Tore passen zur Spielwertung: die Gäste haben technisch ab und zu
was drauf, die Gastgeber hingegen bärenstark bei Standards, das scheint Trainer
Herzog verstärkt geübt zu haben: hinten dicht machen und vorne auf Freistöße,
Ecken und den lieben Gott hoffen. Kein Wunder, denn als der neue Trainer in der
Lokalpresse vorgestellt wurde, antwortete er auf die Frage, was er denn
erreichen wolle: „Die Anzahl der Gegentore reduzieren.“ Mehr nicht.
Aber
dann: nachdem es einige Minuten relativ plan- und sinnlos hin und her gegangen
ist, explodieren beide Mannschaften kurz vor der Halbzeit. Oder beide
Abwehrreihen sind schon in der Kabine. Auf jeden Fall zähle ich fünf 100%ige
Chancen in ebenso vielen Minuten. Unfassbar, was die freistehend alles
verballern, auch die Katze von Dorff kann nicht alles abgreifen, bleibt aber im
Glück. Dann ist Halbzeit, und die Spieler, deren Rückennummern man zum Teil gar
nicht mehr erkennen kann, schlurfen ins Vereinsheim. Olli hingegen ist nach drei
Kippen und zwei Kaffee endlich wach und geht auf den Platz zum Warmlaufen. Sein
verspätet eingetroffener Kompagnon folgt ihm und ist auch tatsächlich der erste,
der direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt wird, Olli muss sich
noch etwas gedulden, er kommt erst in der 55. Minute. Als er einläuft, winkt der
Schiri ihm einmal vom Anstoßpunkt aus zu und Olli läuft rückwärts auf, damit der
Schiri seine Rückennummer lesen und notieren kann und nicht zu ihm hingehen
muss. Die Nummer 9 von Dorff macht Ernst und zieht die Handschuhe aus, die
Nummer 6 von Lichtenbusch II trägt schon lange keine mehr. Denn jetzt geht’s
rund. Erst verballert Olli die todsichere Chance, frei vor dem am Boden
liegenden Torwart, da ist er grad mal zwei Minuten auf dem Platz. War wohl ne
Fluppe zu wenig vor dem Einsatz, da mangelt es an Konzentration. Ansonsten
beackert er die linke Außenbahn auf einer Strecke von geschätzt zehn Metern hin
und zurück und wirkt nach ebenso vielen Minuten bereits relativ müde, was einen
Zuschauer dazu veranlasst, anfeuernd „Olli, du bist noch frisch!“ quer über den
ganzen Platz zu rufen. Ich bin sicher, ich würde in Olli einen bedingungslosen
Fürsprecher finden, denn ich fordere ja auch schon seit längerem, beim Fußball
die Zigarettenpause einzuführen, damit auch ich endlich selbst mal wieder
spielen kann.
Aber
lassen wir Olli ruhig weiterhin auf der linken Außenbahn verhungern, denn jetzt
nimmt das Spiel wieder Fahrt auf: Eckball Dorff von der linken Seite,
Kopfballverlängerung am kurzen Pfosten, und in der Mitte fliegt die Nummer 9
heran und wuchtet die Kugel zum Günther-Delzepich-Gedächtnis-Treffer in die
Maschen. Na also, es geht doch, 2:1, die Zuschauer jubeln. Es sind meiner
Schätzung nach übrigens so ca. 30-40. Auf der Lichtenbuscher Bank verlässt ein
junger Mann mit seiner kleinen Tochter den Spielfeldrand und bestellt eine
Waffel. Ja, gibt es heute auch, die beiden netten Damen in dem Büdchen haben
Waffelteig mitgebracht, aber kaum jemand möchte eine. Flaschenpils hingegen wird
relativ zügig geordert.
Und
während der Trainer-Linienrichter der Gastmannschaft noch mit seiner
unverwechselbaren Stimme schimpft und dabei gern auch ein wirklich lustiges
Zwiegespräch mit den übrigen Zuschauern sucht, kommt der Angriff der Gäste,
knackig vorgetragen über links, halbhohe Flanke in die Mitte, abgeblockt,
Nachschussversuch, niemand kommt dran, dann ein Pfiff und – Elfmeter. Kein
Mensch weiß, warum. Handspiel? Foul? Keine Ahnung, ist auch ziemlich schlecht
hier mit der Zeitlupe. Aber der Schiri besteht drauf – Elfer.
Und dann
kommt das, was ich schon in der Jugend geliebt habe, schön, dass es so was noch
gibt: der Schiri stellt sich auf die Torlinie und schreitet die 11 Meter ab,
natürlich begleitet von je einem Spieler beider Mannschaften, die je nach
Trikotfarbe mosern, dass der Schiri zu große oder zu kleine Schritte mache. Aber
er lässt sich wieder nicht beirren. Der Schütze läuft an und schickt die Katze
ins falsche Eck – 2:2. Der Trainer-Linienrichter brüllt über den Platz, als sei
soeben die Bundesliga-Meisterschaft klar gemacht worden.
Jetzt
wogt es hin und her, weil die Kräfte nachlassen, es wird ein munteres Spielchen,
und natürlich gibt es auch die obligatorische Kreisliga-Grätsche: Laufduell im
Lichtenbuscher Strafraum, der Abwehrspieler ist ganz knapp vor dem Stürmer am
Ball, dieser hat allerdings schon die Grätsche angesetzt und katapultiert den
Abwehrrecken einen flotten Meter durch die Luft und in den Schlamm. Er
entschuldigt sich aber sofort, es gibt Gelb und gut ist.
Der
Trainer-Linienrichter mischt derartig an der Außenlinie mit, dass meine
Begleitung mutmaßt, er werde kurz vor Schluss, falls ein Dorffer Stürmer frei
durchbrechen sollte, auf den Platz rennen und den Spieler weggrätschen. Ich
glaube es ihr unbesehen, der sieht wirklich so aus. Aber noch hält er sich
zurück und überrascht statt dessen mit präziser Spielanalyse: als einer seiner
Abwehrspieler einen Dorffer Stürmer am eigenen Strafraum foult und der Schiri
Freistoß pfeift, da motzt der Trainer ausnahmsweise nicht, sondern dreht sich
zum Publikum um und sagt: „Dat war’n taktisches Foul!“ Am eigenen Strafraum!
Damit hat er die Lacher auf seiner Seite, und der Freistoß bringt auch nichts
ein.
In der
Zwischenzeit möchte meine fußballkundige Gefährtin wissen, wie es denn bei der
Alemannia steht, die haben ein Heimspiel gegen Wacker Burghausen, mittlerweile
ist da auch Halbzeit. Da es hier wohl eher weniger Durchsagen oder Anzeigetafeln
gibt, simse ich einen Fortuna-Kollegen in Düsseldorf an und frage nach. Es
dauert zwei Minuten, bis er mir antwortet, er ist noch unterwegs und weiß es
auch nicht, er meldet sich aber, sobald er zuhause ist. Er fragt, wo wir uns
denn aufhalten würden. Ich schreibe es ihm. Als Antwort kommt zurück: „Kreisliga
B, jaja, is klar *g*“. Irgendwie fühle ich mich nicht Ernst genommen.
Und dann
schlägt es doch noch ein bei Lichtenbusch II, der Treffer, der uns bei einem
historischen Spiel dabei sein lässt, nämlich beim ersten Saisonsieg für Dorff,
der gleichzeitig die Rote Laterne für Lichtenbusch II bedeutet. Weiter Abschlag
der Katze (na ja...was auf diesem Sportplatz eben „weit“ bedeutet), die Kugel
fliegt in den gegnerischen 16er, ein Abwehrspieler will klären, trifft aber den
Rücken seines eigenen Mitspielers, die Kugel kullert weiter in den Strafraum und
wird aus kurzer Distanz versenkt, der Trainer-Linienrichter erleidet einen
verbalen Herzkasper, es steht 3:2, ein begeisterter Zuschauer ruft
enthusiastisch „Nur noch 7!“ (Das bin ich). Ein Siegtor, passend zum Spiel.
Zum
Schluss wird es noch mal eng, Lichtenbusch II wirft alles nach vorne, selbst die
Pferde treten interessiert an den Koppelzaun, weil es so laut wird, und Sekunden
vor dem Abpfiff haben sie auch den Ausgleich auf dem Schlappen, aber die Katze
riskiert Kopf und Kragen und kann retten. Dann ist das Spiel aus, Dorff siegt
und steht, was sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen, mit diesem einen
Sieg plötzlich auf einem Nichtabstiegsplatz, denn sie haben auch den SV
Gressenich überholt, der 0:1 bei GW Mausbach einging. Fußball kann so spannend
sein!
Nach dem
Spiel müssen die Spieler, die man aufgrund des Drecks und der einbrechenden
Dämmerung eh kaum noch voneinander unterscheiden kann, die Ersatzbänke
wegräumen, und Olli bekommt noch einen Sonderauftrag: er muss die zwei
Eckstangen am an der Verpflegungsbude gelegenen Tor einsammeln. Das klappt auch
unfallfrei, als er allerdings damit den Grashügel hochstolpern will, um den Weg
abzukürzen, macht er sich lang und beschädigt eine Dribbelstange, der halbrunde
Pümpel, an dem die Stange befestigt ist und aufgestellt wird, rollt den Hügel
wieder hinab. Vielleicht hätten es doch noch einige Kaffee mehr vor der
Einwechslung sein dürfen.
Der
zweite Einwechselspieler von Dorff verblüfft mich dann noch, weil er am Büdchen
partout eine Flasche Cola haben will. Ja darf das denn sein? Aber das war
natürlich nur ein taktisches Manöver, der Rest der Truppe, der sich mit letztem
Einsatz an den Tresen schleppt, erhält Pils. Sonst hätte ich auch die Welt nicht
mehr verstanden.
Anschließend wollen wir natürlich noch beim Hauptsponsor essen gehen und fahren
nach Breinig, zumal dies das Nachbardorf von Dorff ist. Wir finden ohne Mühe die
Tzaziki-Stube (in der Corneliastraße), aber der Schuppen hat zu. Klar, sonntags
nachmittags um zehn vor fünf muss man mit so etwas rechnen, aber schade ist es
doch. Und vielleicht war Vassilli auch auf dem Platz und hat „seine“ Truppe
beobachtet. Da muss man schon mal Abstriche machen.
Fazit:
ein interessanter, sehr kleiner Sportplatz, ein Spiel mit viel Drumherum. Als
Abwechslung wirklich mal ganz nett. Aber Woche für Woche, Jahr für Jahr? Ich
glaube nicht. Bei aller Liebe zum Fußball und zu den Verrückten, die sich hier
in ihrer Freizeit noch schinden – ein bisschen mehr darf’s für mich als
Zuschauer dann doch sein. Aber trotzdem, mein Gesamturteil lautet:
Der
kleinste Sportplatz Deutschlands - ist eigentlich ganz cool. Und auf jeden Fall
eine Reise wert. Wenn auch nicht unbedingt mit der Bahn.
Es grüßt
den Athen-Grill in Breinig: janus
PS. Meine
Begleiterin telefonierte am Abend noch mit einem weiteren gemeinsamen
Fortuna-Bekannten. Freimütig schilderte sie, wo und wie wir den Nachmittag
verbracht hatten. Seine Reaktion: „Ihr seid bescheuert!“ Ich versteh’s irgendwie
nicht...
PPS. Auf
www.djk-dorff.de findet ihr nicht nur alles rund um diesen kleinen Verein,
sondern auch den Beitrag des DSF zum Download.
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