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Schöne neue Winterpause

 

Liebe pro-fortuninnen und pro-fortunen,

auch von dieser Stelle, wenngleich ein wenig spät, die besten Wünsche für ein gutes und erfolgreiches Jahr 2003. Mögen all eure Wünsche in Erfüllung gehen und alle guten Vorsätze auch durchgehalten werden. Ich persönlich nehme mir ja eh nichts mehr vor, ich halte es doch nie durch. Und was Fortuna angeht – nun ja, es wäre ein schöner Vorsatz gewesen, ein wenig Ruhe in allem zu haben, was den Verein angeht, aber für die Ruhe ist schließlich der Spielbetrieb da, eine mittelmäßige Oberliga-Mannschaft ist da sicher eher von Vorteil, als wenn es z.B. in der Bundesliga für uns noch um etwas gehen würde. Da guckt man die Spiele doch gleich entspannter, weil mit geringerer Erwartungshaltung. Um richtig auf die Sahne zu hauen, dafür haben wir schließlich Sommer- wie Winterpause. Letztere steht soeben im deutschen Fußball insgesamt an und wird folgerichtig auch von allen eifrig benutzt, um die Ware Fußball ordentlich im Gespräch zu halten. Entscheidend is aufm Platz, aber was hinter den Kulissen abgeht, war schon immer viel schöner. Da wollen wir doch gleich mal sehen, was denn so läuft, wenn sich irgendwelche Krawattenträger, Spieler oder Fans langweilen, weil der Spielbetrieb ruht.

Fangen wir doch gleich beim Spitzenfußball an, bei der besten Mannschaft der Welt, Fortuna Düsseldorf, Bundesliga-Meister 2010 und derzeit nur lächerliche 2 Plätze vom gesteckten Saisonziel einstelliger Tabellenplatz in der Oberliga Nordrhein entfernt, somit voller Hoffnung und guten Mutes für das neue Jahr.

Und ich glaube auch, dass das noch was werden wird, denn schließlich hat der Vorstand der Mannschaft in den letzten Tagen vorexerziert, was in puncto „Angriffslust“ in der Winterpause in Flingern so alles geht. Sie haben tatsächlich jemanden verpflichtet! Nein, keinen Spieler, wie auch, bei der anscheinend gegebenen derzeitigen Finanzlage der Fortuna könnte man sich höchstens jemanden leisten, der das ganze als geringfügige Beschäftigung ansieht und auch dementsprechend entlohnt wird. (Es kommt doch jetzt hoffentlich keiner auf Idee, den aktuellen Kader mal unter diesen Gesichtspunkten zu überprüfen???)

Nein, sie haben Thomas Allofs verpflichtet! Aber nicht zum Spielen, obwohl ich nach einer kurzen Rückblende meines Gedächtnisses zum Abschiedsspiel im Rheinstadion letztes Jahr im März durchaus der Meinung bin, dass der Thommy bei dem ein oder anderen Oberligaspiel noch gut mithalten könnte. Sven Demandt ist ja schließlich auch noch nicht in Rente.
Aber okay, der Thomas soll nicht spielen, das ist ja vom Vorstand genauestens ausgeklügelt und, wie sich das für Fortuna gehört, ordentlich geplant worden, bevor der Abschluss verkündet wurde. Der soll...ja, hm...was soll er denn jetzt eigentlich? Da herrscht noch eine gewissen Unsicherheit hinsichtlich der genauen Funktionsbezeichnung. Eine kleine Auswahl gefällig? Thomas Allofs soll wahlweise Sportleiter (NRZ), Manager (EXPRESS) oder gar Team-Manager (kicker, WZ, ja sogar SAT.1-Videotext) werden. Wenn man Sport-Journalist bei der RP ist und Anfang Januar so richtig Langeweile hat, dann gibt man auch schon mal mehrere Möglichkeiten in ein und denselbem Blatt vor: Sportleiter, Sportdirektor, sportlicher Leiter – oder gar alles zusammen? Ordentlich auf Fortuna-Art geplant, wie schon gesagt.

Da diese Art von Tätigkeitsbezeichnung(en) nun mal dehnbar ist wie das sprichwörtliche Gummi, würde mich brennend interessieren, welcher Art von Tätigkeit Herr Allofs denn nun unter fünf verschiedenen Funktionsbezeichnungen nachgehen soll. Nun, dazu wurde auch etwas gesagt: ein Fortuna-Team auf die Beine stellen, das 2003/2004 den Aufstieg in die Regionalliga schafft. Bessere Spieler, besseres Marketing. Erst einmal zum Nulltarif. Allofs soll dafür einen Vorstandsposten bekleiden. Entweder den vierten von fünf möglichen. Oder die dritte Position, die bisher Jugend-Leiter Helmut Pöstges als Mann für die sportlichen Belange inne hat. Oder so ähnlich. Vielleicht können wir das bei Uneinigkeit ja auch noch mit dem großen Schaumstoffwürfel auswürfeln.

Ein Fortuna-Team auf die Beine stellen, das klingt nach Sport. Demnach soll sich Allofs mit dem Trainer mal zusammenzusetzen und zusehen, was man aus dem aktuellen Kader und den (nicht vorhandenen) Finanzen der Fortuna für eine Mannschaft für die nächste Saison zusammenstellen kann, die dann lässig den Aufstieg schafft. Da wäre also eine enge Zusammenarbeit zwischen Trainer und sportlichem Direktor gefragt. Ob man nicht dann der Meinung sein müsste, dass der Trainer hiervon auch etwas wissen dürfte, da mit der Installation solch eines Postens unter Umständen massiv in seine tägliche Arbeit eingegriffen wird? Aber nicht bei Fortuna, denn wir sind Fortuna – alles andere ist nur Fußball! Denn der Trainer wusste bis zu dem Zeitpunkt, als dieser Plan bekannt gegeben wurde, noch gar nichts von seinem Glück.

Was der Vorstand völlig in Ordnung findet. Dass der Trainer in die Suche nach seinem neuen Partner nicht eingebunden wurde, war Präsident Meyer diesen Satz wert: „Ich frage doch keinen Angestellten, wen ich einstellen soll.“ Natürlich nicht, der soll ja nur mit ihm zusammen arbeiten, da wäre so was wie Information ja nur schädlich, wenn ich die Worte des Herrn Meyer richtig deute. Es sei denn, die Halbwertzeit des Trainers Petrovic bei Fortuna würde sich aufgrund unvorhergesehener Zerfallszeiten im Kern schlagartig in nächster Zeit auf Null reduzieren. Dann macht dieser Satz auch Sinn. Das sah auch Charly Meyer ein, unmittelbar, nachdem er dieses Statement von sich gegeben hatte (und warum nicht vorher?) und setzte deshalb hastig hinzu: „Das will ich nicht als Misstrauen gegen den Trainer verstanden wissen. Wir machen uns aber auch Gedanken darüber, warum die Mannschaft nicht funktioniert. Oder warum der Trainer schon früh in der Saison Verstärkungen verlangt hat.“ Das wiederum ist extrem dummes Zeug, schließlich war der Trainer für die Zusammenstellung eines Großteils des Kaders nicht verantwortlich. Immerhin wurde ihm im Sommer noch gesagt: „Sieh mal zu, dass du damit was anfangen kannst, du hast auch zwei Jahre Zeit.“ Nun hat er gesehen, dass er mit der Hälfte des Kaders eben nicht viel anfangen kann, was das gesteckte Ziel angeht (Aufstieg in der nächsten Saison) und hat das pflichtgemäß nach oben weitergemeldet. Für Herrn Meyer heißt das „schon früh“, für mich „rechtzeitig“, denn wann soll er das denn bitteschön melden? In der Sommerpause, in der er sich doch, dem Vorstand zufolge, schon auf die ultimative Aufstiegssaison vorbereiten soll? Oder anders ausgedrückt: Petrovic soll ein Team basteln, das den Aufstieg schafft. Er meldet, was oder wen er zum Basteln braucht – und bekommt als Belohnung einen Aufpasser an die Seite gestellt, und zwar ohne, dass ihm das mal jemand vorher sagt, da er ja nur ein kleiner Angestellter ist, den man nicht fragen muss, wenn jemand für seinen Arbeitsbereich eingestellt wird. Aha. Aber das soll ja nicht als Misstrauen gegen den Trainer verstanden werden. Ne is klar. Denn immerhin haben sie ihn ja nicht ganz links liegen lassen:

“Hinterher setzen wir uns mit dem Trainer zusammen, dann lernt er Allofs auch mal kennen“. (Fortunas sportlicher Leiter Helmut Poestges bei der Präsentation des Team-Managers, der eng mit Petrovic zusammen arbeiten soll) Diese Äußerung bedarf eigentlich keines weiteren Kommentares.

Aber warum habe ich mittlerweile dieses Bild im Kopf, dass, wenn jemand aus dem Vorstand dem Petrovic mal anerkennend auf den Rücken klopft, dieser dort nur die beste Stelle für sein Messer sucht? Übertrieben? Paranoia? Oder nur Fortuna?

Thomas Allofs soll übrigens noch etwas anderes machen: . „Sportlich und wirtschaftlich kann uns Thomas doch Türen öffnen, bei denen ich nicht einmal an die Klinke reiche“, betont Meyer. Klingt nach Sponsorensuche. Oder auch nur danach, dass Meyer ein Komplex wegen seiner Körpergröße hat? Wohl kaum, denn Thomas Allofs hat nun auch nicht gerade Gardemaß. Was hier als Lobhudelei auf den neuen Sportdirektor/Teammanager/Sportleiter/Manager gedacht war (übrigens bräuchten wir auch noch einen neuen Platzwart, hat sich schon mal jemand angeguckt, wie die Linien am FB gezogen sind? Könnte er doch nebenbei auch noch machen), kann man auch anders herum lesen, nämlich als Zugeständnis, dass die bisher mit der Sponsorensuche beauftragten Leute nur mäßigen bis keinen Erfolg hatten. Inklusive des Vorstands, der ja immerhin auch den Verein nach außen, also auch was potentielle Sponsoren angeht, repräsentiert.
Das erinnert mich an diese lustige Werbung der Deutschen Bahn AG zum Tarifwechsel am 15.12.02 Wochenlang vorher hingen überall diese Plakate mit durchaus unterhaltsamen Sprüchen, warum denn das neue Tarifsystem nunmehr das beste der Welt sei. Einer ist mir besonders aufgefallen: „Früher hat noch nicht mal Einstein unsere Tarife verstanden. Heute ist alles einfacher.“ Danke für das Eingeständnis! Abgesehen von der Tatsache, dass Einstein auch heute lieber über seine Relativitätstheorie diskutieren würde, als zu versuchen, den Preis für eine Bahnfahrt zu ermitteln, die mit Frau und vier Kindern, davon zwei unter 14 Jahren, in einem nicht Plan & Spar-kontingentierten Zug unter Vorlage einer Bahncard für sich und einer für ein Kind und mit dem Kauf dreier Fahrscheine sieben Tage vor Antritt der Fahrt und zweier unmittelbar am Reisetag durchgeführt werden soll: damit wird doch zugegeben, dass das System, das jahrzehntelang beibehalten und immer wieder verteidigt wurde, absolut kundenfeindlich war. Diese Art der Selbstironie hätte ich sowohl der Bahn als auch Charly Meyer gar nicht zugetraut. Abgesehen davon, dass die Züge dadurch auch kein Stück pünktlicher geworden sind. Wobei der Bahn-Slogan übrigens von einer Satire-Zeitschrift trefflich ergänzt wurde: „Früher hat noch nicht mal Einstein unsere Tarife verstanden. Heute ist er tot.“ Daran sollte Herr Meyer ab und zu mal denken und nicht allzu viel erwarten.

Ach übrigens: bei der großen Umstrukturierung der Fortuna im letzten Jahr – war da nicht auch des öfteren Mal die Rede davon, alte Seilschaften zu kappen? Und könnte man nicht einen ehemaligen Fortuna-Spieler samt seiner Kontakte als alte Seilschaft bezeichnen, besonders wenn er zuviel Macht im Verein bekommt? Ja? Nein? Ich will bloß zum Nachdenken anregen. In der Not vergessen wir schon mal die Grundsätze? Da haben wir ja große Vorbilder. Den aktuellen Kanzler zum Beispiel: „Die Frage, ob ein einmal gefasster, prinzipieller Beschluss in jeder konkreten Situation durchgehalten werden kann, muss differenziert betrachtet werden.“ Ein Uralt-Kanzler drückte es etwas anders aus: „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an?“

Oder ist es doch der Mut, eingetretene Pfade zu verlassen und etwas Neues zu versuchen, um das Schiff wieder einigermaßen flott zu kriegen? Ich persönlich möchte lieber an Letzteres glauben. Und ich freue mich, dass jemand wie Thomas Allofs seinem „alten“ Verein helfen will, denn wir dürfen nie vergessen, für die „da draußen“ (gemeint sind diejenigen, die unbegreiflicherweise nicht Anhänger dieses Vereins sind) sind wir sind nur einer von irgendwelchen über hundert Oberligavereinen in Deutschland, nicht mehr. Deshalb freue ich mich, dass er da ist und drücke ihm die Daumen. Leider wurde meiner Meinung nach schon bei seiner Inthronisation wieder viel dessen verspielt, was ich gemeinhin unter dem Begriff „Seriösität“ verstehe. Aber das kennen wir ja. Und ich bin gespannt, wie lange ich Herrn Meyer missverstanden habe, was sein Vertrauen in den aktuellen Trainer angeht. Und da gibt’s ja auch direkt wieder Munition für ihn: Trainingsauftakt inklusive Feldstufentest, früher mal als Laktattest bekannt. Und was war das Ergebnis? Zweidrittel der Spieler kamen mit Übergewicht aus dem Urlaub, einer sogar mit 3,7 kg. Und das in der kurzen Zeit vom 15.12. bis 02.01. Fressen die jetzt schon gegen den Trainer, oder was?
Auch das gestrige 3:0 im Freundschaftsspiel gegen Lintorf kann da nicht blenden, da hat der Trainer wohl auch nicht die richtige Ein- bzw. Aufstellung gefunden, schließlich habe ich in meiner „Karriere“ als aktiver Fußballer mit dem 1. FC Wülfrath da schon mal 6:0 gewonnen. Da sind drei Tore für den besten Club der Welt doch ziemlich mäßig. Warten wir doch mal ab, was nach der üblichen Drei-Tore-Abstand-Klatsche auf dem Dorf beim Auftaktspiel in Freialdenhoven passiert...Ich jedenfalls würde Petrovic schon mal bei Intertops anmelden...wenn die nicht nur Wetten auf die Entlassungen bei Erstligatrainern annehmen würden...

Also: herzlich willkommen, Herr Allofs, und alles Gute! Und um zu zeigen, dass ich mich bemühe, die Sache einigermaßen neutral zu sehen, spare ich mir jetzt auch jeglichen Kalauer mit Ihrer Firma „Entsorgung Lück & Allofs“. Das wäre nun wirklich zu offensichtlich...

Nun aber vom zukünftigen Meister (welcher Liga auch immer) in die tiefsten Niederungen hessischer Fußball-Landschaften. Rolf-Christel Guié-Mien von Eintracht Frankfurt unterschrieb am Freitag bis 2005 beim SC Freiburg. Der Mittelfeldspieler, der mit neun Treffern der torgerfährlichste Eintracht-Spieler der Vorrunde war, macht von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, die ihm für 250.000 Euro Ablöse den sofortigen Wechsel ermöglicht. Morgens noch bei dem Waldlauf, nachmittags schon in Freiburg. Dies veranlasste einen „Fan“ im Frankfurter Forum zu folgender „Meinung“ (Dank an wi-ps, der dies ins DiFo gestellt hat – ich käme im Leben nicht auf den Gedanken, mir das Forum von Eintracht Frankfurt anzusehen):

„Autor: isostar11 (---.dip.t-dialin.net)
Datum: 03.01.03 16:15

Hängt ihn an seinen schwarzen Eiern auf, den Wichser! Echt wahr....
Ich wünsch dir die Seuche an die Füsse du verdammter Verräter! Niemehr sollst du
lebend den Rasen des Waldstadions verlassen!

Ich hasse so ignorante Arschlöcher wie dich! Aber wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich
am besten! Ich lach mich schlapp, wenn Freiburg net aufsteigt! Du Pisser!

Und wenn hier freie Meinungsäusserung im Forum herrscht, dann wird nix zensiert!
Damn it!“

Ja, die schöne neue Fußball-Welt. In der Abstiegssaison der Eintracht gab es mal eine Szene, in der gezeigt wurde, wie Guie-Mien nach Spielschluss sein Trikot in die Fankurve warf, von wo aus es postwendend wieder zurückflog. Auch aufgrund dieser Tatsache, nämlich dass man Guie-Mien sportlich nicht mehr viel zutraute und seine Unbeliebtheit bei den Fans sehr wohl bemerkte, bekam der Spieler einen Vertrag mit dieser praktischen Ausstiegsklausel, bei dem man sich nur fragen kann, ob die Verantwortlichen dort (aber wer ist das bei Eintracht Frankfurt? An manchen Tagen wechselt das ja stündlich...) schon vor einem Vertragsabschluss saufen. Und nun kann Herr Guie-Mien etwas, was ihm so mancher Eintracht-Vorstand und auch -Fan aufgrund seiner Herkunft wohl gar nicht zugetraut hat, nämlich lesen, und nimmt dieses Angebot des Vereins wahr (denn um ein solches handelt es sich bei jedem Vertrag, den ein Verein einem Spieler vorlegt). Prompt qualifiziert er sich als erste Opfer für Lynchjustiz im Jahre 2003. Und ich würde mich noch viel mehr über die Wortwahl dieses Idioten aus dem Eintracht-Forum aufregen, wenn mir das nicht irgendwie bekannt vorkommen würde...Und es erzähle mir keiner, dass der Knabe das nicht so ernst meinen würde! Aber ich hab’s auch mal als exzellentes Beispiel hier eingestellt, dass sehr viele Leute das mit der freien Meinungsäußerung in diesem Lande anscheinend missverstehen. Die Rechte kennt man, mit den Pflichten hapert es ein bisschen. Nix Neues, aber doch bemerkenswert, denn es ist nun mal Winterpause, Guie-Mien konnte noch gar kein Spiel vergeigen, den entscheidenden Elfer zum Aufstieg verballern oder sich viermal vom Platz stellen lassen. Trotzdem wird er hier schon mit exquisiten Foltermethoden und mehr bedroht. Ich habe den Eindruck, manche Leute nehmen sich selbst und ihren Verein ein bisschen zu wichtig...

Zum Abschluss aber noch was zum Schmunzeln. Ihr kennt doch sicherlich alle diese nette Geschichte aus dem Oktober letzten Jahres: da kam es bei einem Erstligaspiel in Madagaskar zu einem folgen- und torreichen Streit zwischen dem Schiedsrichter und dem Trainer des Teams Stade Olympique l´Emyrne. Aus Protest gegen den Referee begannen die Spieler von Stade Olympique Eigentore in Serie zu fabrizieren, und die Partie endete mit 149:0 für den Gastgeber AS Adema. Diese Anekdote machte auch in deutschen Zeitungen die Runde, obwohl ihr Wahrheitsgehalt nicht abschließend geklärt werden konnte.

Wahr und explizit nachgewiesen ist hingegen ein Vorfall, über den ich neulich zufällig gestolpert bin.

Im Jahre 1994 galten für die Meisterschaft der Karibik (damals „Shell Cup“ genannt) einige ungewöhnliche Regeln, die unter anderem daher rührten, dass die FIFA mit dem „Golden Goal“ experimentierte. So wurden bei Unentschieden auch die Gruppenspiele verlängert und im „Sudden Death“ entschieden. Nun ergibt sich bei dieser Praxis natürlich die Frage nach dem Torverhältnis, denn es kann ja für ein Team von Nachteil sein, dass es in der Verlängerung nicht mehr als einen Treffer erzielen kann. Um einen solchen Fall auszuschließen, wurde festgelegt, dass ein „Golden Goal“ doppelt zählen würde. Und das führte prompt zum vielleicht witzigsten Spiel der Fußballgeschichte. In der Vorrundengruppe A spielten Barbados, Grenada und Puerto Rico. Am 23. Januar gewannen die Puerto Ricaner mit 1:0 gegen Barbados. Zwei Tage später unterlagen sie Grenada, ebenfalls mit 1:0. Hier kommen schon die Regeln ins Spiel, denn dieses Tor fiel in der Verlängerung, zählte also doppelt, womit Puerto Rico ein Torverhältnis von 1:2, Grenada eines von 2:0 aufwies.

Am 27. Januar (also durchaus noch zur hiesigen Winterpausenzeit) trafen nun Barbados und Grenada im abschließenden Spiel aufeinander. Barbados konnte noch Erster werden, wenn man mit zwei Toren Unterschied siegte; Grenada reichte eine knappe Niederlage zum Weiterkommen. Barbados ging rasch 2:0 in Führung, aber sieben Minuten vor dem Ende gelang Grenada das wichtige Anschlusstor. In den Reihen der Akteure aus Barbados machte sich nun nicht nur Verzweiflung breit sondern vor allem große Verwirrung. Würde man in nur sieben Minuten noch das 3:1 schaffen? Oder wäre es nicht besser, per Eigentor das 2:2 zu schießen, das Spiel in eine 30-minütige Verlängerung zu schicken und auf ein „Golden Goal“ zu hoffen, das dann ja, weil es doppelt zählen würde, zum Endstand von 4:2 führen würde?

Als Grenada nun mitbekam, was das Team von Barbados plante, war man in der misslichen Lage, gleich beide Tore verteidigen zu müssen! Das gelang allerdings nur wenige Minuten lang, dann schoss Barbados ein absichtliches Eigentor zum 2:2. Damit aber noch nicht genug...

Als die Spieler nun zum Anstoss am Mittelkreis standen, ging Grenada auf, dass man nun selbst ein Eigentor schießen musste, denn eine 2:3-Niederlage reichte dem Team ja zum Weiterkommen. Was zu dem Szenario führte, dass es nun die Fußballer aus Barbados waren, die in den letzten Sekunden beide Tore - auch das von Grenada - gegen die Fußballer aus Grenada verteidigten. Sie taten das mit großem Erfolg, denn Barbados rettete das Spiel nicht bloß in die Verlängerung, sondern schoss in der 94. Minute auch das entscheidende „Golden Goal“ (diesmal ins richtige Tor) und gewann 3:2, also 4:2. (In der Zwischenrunde hielt sich Barbados achtbar, schied aber nach zwei Unentschieden aus, weil man die dritte Partie gegen den späteren Turniersieger Trinidad/Tobago 0:2 verlor.)

Man sieht: egal, ob 1994 oder 2003, egal, ob auf dem Platz oder in der Winterpause: Fußball ist etwas Wunderbares. Man kann sich manchmal wirklich nur wundern.

So long,

janus


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