Freiheitsberaubung
im Borussen-Park!
Am
14.05.2005 war es so weit: Fortuna Düsseldorf
hatte in der Regionalliga Nord spielfrei. Und
wer jetzt gedacht hat, der Artikel wäre damit
beendet, dem muss ich leider sagen: Pech gehabt!
Für so einen Dreizeiler setz ich mich doch
nicht vor die Tastatur! Da dieser Termin nämlich
schon etwas länger feststand, dachte ich
bereits zu Jahresbeginn, ich könnte mir mal
etwas Neues gönnen:
Zum
Beispiel einen Besuch im Borussia-Park, der
neuen Heimat von Borussia Mönchengladbach. Wie
ich der Borussia-Park-eigenen Website entnehmen
konnte, ist „Borussia-Park“ nicht nur der
Name des neuen Stadions der Ostholländer,
sondern des gesamten Geländes, welches das
Stadion, die Trainingsplätze und die
vereinseigenen Parkmöglichkeiten umfasst.
Es
standen noch weitere interessante Dinge auf
dieser Website. Endlich mal Zeit genug, diese
einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Ganz
nebenbei gab es natürlich noch Bundesliga-Fußball,
Mönchengladbach gegen Hertha BSC Berlin. Leider
entging mir da schon etwas, ich will ehrlich
sein, ich hätte mich schlapp gelacht, wenn die
Mönchengladbacher mit diesem Spiel abgestiegen
wären. Nicht, weil ich übermäßig etwas gegen
die Borussia hätte, nein, sie ist mir so
ziemlich egal. Aber diese Arroganz, mit der man
in der Winterpause als „Kaufhaus des
Westens“ auftrat und alles verpflichtete, was
nicht bei Drei auf dem Baum war, fand ich schon
beachtlich. Als ich das Sprüchlein des Präsidenten
las, wonach er gar nicht verstehe, warum sich
andere Vereine öffentlich „Sorgen“ um den
seinen machen würde, er könne sie alle
beruhigen, allein die Sponsoreneinnahmen der
Saison würden die Spielerverpflichtungen bei
weitem decken, da wusste ich: da musst du hin!
Da, wo der Erfolg mal wieder planbar ist. Ich
ließ mich auch durch den kleinen Misston, der
kurze Zeit später auftrat, nicht schrecken, als
es hieß, dass es mit dem Geld nun doch nicht so
weit her sei, und man deshalb einen Teil des
Etats der nächsten Saison und damit auch diese
Spielerverpflichtungen halt einfach vorweg
genommen habe. Mein Gott, was fällt einem nicht
alles im Nachhinein auf! Anschließend konnte
ich mir monatelang das Grinsen nicht verkneifen,
als ein Spiel nach dem anderen in die Hose ging,
immer begleitet von beruhigenden Worten, dass
die nächste Saison viel besser werden würde.
Erst als man akut Gefahr lief, die nächste
Saison mit einem zünftigen Auswärtsspiel bei
Wacker Burghausen eröffnen zu dürfen, zog der
Trainer die Reißleine und trat zurück – und
der Verein sorgte sogleich bei mir persönlich für
weitere Lachanfälle, ausgelöst durch die
Gestalt des tapferen Retters Horst Köppel, über
den ich mittlerweile ziemlich gut lachen kann,
auch wenn er maßgeblich an Fortunas grandiosem
Durchmarsch von der Ersten in die Oberliga
(damals noch 3. Liga) Anfang der Neunziger Jahre
beteiligt war. Aber das ist ja lange her. Der
Horst rettete die Gladbacher mal eben kurz mit
einem einzigen guten Spiel sowie drei überragenden
0:0 und drückte sich als Cheftrainer hoch.
Darauf freu ich mich nächste Saison schon, aber
das nur am Rande. Fakt war, dass die Gladbacher
vor dem letzten Heimspiel gegen Berlin noch
einen einzigen Punkt brauchten (und den
eigentlich auch nicht so richtig), um sich zu
retten, trotz grottenschlechter Rückrunde, weil
es eben drei Teams gab, die in den
entscheidenden Momenten tatsächlich noch
schlechter waren. Ich würde also keinen
Abstieg, sondern im Gegenteil eine
Klassenerhalt-Party miterleben. Nicht gerade das
Nonplusultra für mich, aber da musste ich jetzt
durch. Schließlich hatte ich die Karten bereits
im Januar gekauft. So ein Besuch will ja gut
vorbereitet sein, der Borussia-Park ist schließlich
regelmäßig ausverkauft, so auch diesmal.
Aber
lassen wir die Fakten doch selbst sprechen: laut
Website des Vereins kostet ein Sitzplatz-Ticket
für die Südtribüne Unterrang 24,50 €. Nicht
gerade billig, aber das hatte ich von Mönchengladbach
auch nicht erwartet, auf der Abrisshalde Bökelberg
war es zum Teil auch schon heftig teuer. Die
wissen halt, dass ihr Mythos zieht, und die Bude
immer voll ist. Aber okay, für einen einmaligen
Besuch, da wollte ich mal nicht so sein...also
flugs die Karten bestellt, und noch nicht einmal
eine Woche später trafen sie ein. Prima
Service!
Tja,
und jetzt befindet sich meine Karte in meinem
Ticket-Fundus aus der Saison 2004/05. „Block 4
rechts“ steht drauf, „Reihe 2, Platz 7, Tor
Süd“. Wohl unzweifelhaft eine Karte für den
Unterrang der Südtribüne. Und hier der Preis:
29,50 €. Inklusive „Amateur Rahmen
Veranstaltung“ und inklusive Mehrwertsteuer.
Allerdings zuzüglich System-Verkaufsgebühr,
nicht dass hier jemand auf dumme Gedanken kommt.
Die Rechnung liegt mir schließlich noch vor.
Also noch mal 2 Euro Gebühr plus – natürlich
0,55 Euro Porto. Da war ich schon Monate vor dem
Spiel begeistert vom Gladbacher Optimismus. Denn
da weder auf der Website noch auf der Rechnung
selbst ein Hinweis darauf zu finden war, woher
diese 5 zusätzlichen Euro kommen könnten,
konnte es natürlich nur so sein, dass man
angesichts der Winterpausenaufrüstung schon mal
vorsorglich für dieses Spiel einen Top-Zuschlag
draufgesattelt hatte, konnte es doch nur das
„Endspiel“ zur
Champions-League-Qualifikation sein. Gesunder
Optimismus auf anderer Leute Kosten – das ist
das, was unser Land derzeit braucht.
Also
die Anfahrt kann man getrost als bequem
bezeichnen, wenn man aus Bonn kommt und früh
genug dran ist. Wir fuhren in Rheinbach auf die
A 61 und eine Dreiviertelstunde später in Mönchengladbach-Nordpark
wieder herunter. Die Strecke ist sogar kürzer,
als wenn ich mich zur LTU-Arena nach Düsseldorf
aufmache. Die Parkplätze sind direkt nach der
Autobahnabfahrt ausgeschildert, man wird recht
flink dort hin geleitet.
Ich
wollte ja besonders clever sein. Angesichts der
Berichte über ein gewisses Verkehrschaos bei
An- und Abreise sowie aufgrund der Tatsache,
dass es doch recht früh war, wählte ich den
Parkplatz, der am weitesten vom Stadion entfernt
war, nämlich P6, in der geistreichen Annahme,
dass es weiter vorne, insbesondere auf P4, wohl
am vollsten werden würde. Das Parken kostet
dort zwar unfassbare 4 Euro, aber mein Gott, was
will man machen, ist ja alles neu. Viertelstunde
Fußmarsch zum Stadion bei bedecktem Himmel,
aber es war trocken und halbwegs warm. Dann
standen wir vor dem Eingang.
Und
zwar vor dem Eingang Nord. Das hatte man leider
vergessen mitzuteilen. Tagesparkern werden ausdrücklich
die Parkplätze P4 bis P6 empfohlen, über die
man zwangsläufig zum Eingang Nord kommt. Nun
ist es aber so, dass man Tageskarten fast nur für
die Südtribüne bekommt, insbesondere die
Nordtribüne, auf der sich die Stehplätze
befinden, ist eigentlich schon durch die
Dauerkarten ausverkauft. Schade eigentlich,
darauf hätte man vielleicht hinweisen können.
Also einmal ums komplette Stadion rum.
Dies
entpuppte sich als nicht so einfach, denn wenn
man an der Osttribüne um die Ecke biegt und den
Eingang Süd erblicken möchte, sieht man erst
einmal einen großen eingezäunten Käfig, nämlich
einen weiteren Parkplatz. Da die Tore in diesen
Zäunen leider nicht geöffnet waren, mussten
wir entlang dieses Parkplatzes weiterwandern,
bis wir auf die Hauptstraße stießen, an der
sich auch die Parkplätze für die Reisebusse
befinden. Erst dort konnte man über den
Parkplatz auf den Südeingang losmarschieren. Da
war es schon nicht mehr ganz so früh.
Nach
Betreten des Stadiongeländes muss man sagen:
doch, sehr gut gelungen. Mir gefällt es. Nun
aber die Verpflegung. An einem kleinen Stand Würstchen
für 2 Euro, an etwas größeren Ständen, bei
denen versucht wird, durch Absperrungen den Käuferandrang
zu regulieren, gab es dann auch einige Dinge
mehr, darunter auch den Klassiker aller mir
bekannten Bundeswehrkantinen: Schnipo – also
Schnitzel mit Pommes. Warum das allerdings 5
Euro kosten muss, war mir ein Rätsel.
Genial
die Lösung bei den Getränken. Hier tritt man
zunächst an einen ebensolchen Stand, bei denen
der Kunde durch ein Absperrsystem geleitet wird,
kauft sich sein Bier oder was auch immer, im
Plastikbecher mit einem Euro Pfand. Und dieses
Pfand kann man an wahllos vor dem Block
verteilten Palettenbehältern wieder
einkassieren. Genau dort wird auch die
Stadionzeitschrift, das „Fohlenecho“
verkauft, welches pfiffigerweise ebenfalls einen
Euro kostet und somit sogleich gegen den leeren
Becher eingetauscht werden kann. Vor soviel
Geschäftssinn zog ich den Hut und erwarb eine
Zeitschrift zum Gegenwert eines Bechers. Gute
Idee!
Nun
aber flugs das Stadion geentert und den
gebuchten Platz belegt! Doch, es sieht gut aus
von innen, natürlich ein reines Fußballstadion
ohne irgendwelche Laufbahnen oder
Hochsprung-Installationen. Unsere Plätze waren
in der zweiten Reihe, direkt hinter dem Tor. Das
Fangnetz erschwerte zwar zunächst den
Durchblick, aber man hatte sich schnell daran
gewöhnt. Dafür war man auf dieser Seite
wirklich hautnah dran, es waren keine fünf
Meter bis zur Torlinie. Zufrieden über die
Platzwahl schaute ich dankbar gen Himmel. Dabei
traf mich fast der Schlag. Die vorderen Reihen
sind nicht überdacht! Doch, doch, ich habe
mehrfach ungläubig nach oben geschaut, es
stimmt! Wenn es regnet, wird man hübsch nass,
das ist wohl der Preis, wenn man ganz nah dabei
sein will. Für mich eine ziemliche Unverschämtheit.
Dazu
sind ein paar klärende Worte fällig. Ich habe
nix dagegen, beim Fußball ein wenig nass zu
werden. Mein Gott, ich habe zwei Jahre Oberliga
hinter mir, da bin ich oft genug etwas
angefeuchtet nach Hause gekommen. Auch brauche
ich nicht unbedingt einen Sitzplatz, aber es
ging ja nicht anders, da ich nicht unbedingt in
die Fan-Blöcke wollte. Ich kann mich noch gut
an das Jahr des Herrn 1993 erinnern, als ich ein
Spiel des HSV im Wedau-Stadion im Duisburger
Fan-Block verfolgte. Als der HSV den
1:0-Siegtreffer erzielte, wäre mir meine
spontane Reaktion beinahe zum Verhängnis
geworden. Also bei solchen Spielen lieber
Sitzplatz.
Und
was diesen betraf, konnte ich mich auch noch an
etwas erinnern, was bei weitem nicht so lange
her war wie die eben geschilderte Episode. Nämlich
an den Eintrag auf der stadioneigenen Website:
„Die Zuschauerränge sind komplett überdacht.“
Ach ja? Also derjenige, der das auf der Südtribüne
getestet hat, muss wohl ne Parallaxe im Auge
haben, anders ist das nicht zu erklären. Aber
gut, kann passieren. Wenn da nicht dieser
Eintrittspreis gewesen wäre. Wenn ich schon
fette 29,50 Euro für eine
Karte für ein
Spiel hinlegen muss (oder für Nostalgiker: fast
sechzig D-Mark...) – ich finde, dann kann ich
auch verlangen, dass ich bei Regen nicht
pitschnass werde! Oder erwarte ich da etwa
zuviel von der Servicewüste Deutschland?
Anscheinend.
Die
auf der Eintrittskarte wahrscheinlich nur
prophylaktisch angekündigte
Amateur-Rahmen-Veranstaltung bekam ich natürlich
ebenfalls nicht zu sehen. Es sei denn, die Damen
und Herren Schornsteinfeger, die vor dem Spiel
einmal die Runde ums Spielfeld machen, wobei sie
tapfer ihre Gladbach-Schals schwenken, werden
als solche eingeordnet. Oder die
Animationsveranstaltung von Stadionsprecher
Matthias Opdenhövel, bekannt aus Funk und
Fernsehen, der nach gefühlt dreistündiger
Werbung sowie dem Verlesen der
Mannschaftsaufstellungen mal eben die
eingesprungene La Olà zelebrieren
ließ. Spontane Stimmung, hier bist du zuhause!
Naja,
das mit der Stimmung verging mir bald, denn das
Spiel war ziemlich mau. Erste Halbzeit noch in
Ordnung, in der zweiten wurde es dann ziemlich
schlimm. Besonders als ein psychologisch bestens
geschulter Bediener der Anzeigetafel (oder wer
auch immer dafür zuständig war) Mitte der
zweiten Halbzeit die 1:0-Führung des VfL Bochum
gegen den VfB Stuttgart über die Mattscheibe
flimmern ließ. Da wurden den Gladbachern doch
trotz all ihres Vorsprungs auf Bochum sichtbar
die Beine schwer. Fortan versuchte man nur noch,
das 0:0 zu halten und glänzte im Spiel nach
vorne lediglich mit einigen der unglaublichsten
Fernschüsse, die ich je gesehen habe. Wenn die
alle im Fernsehen gelaufen wären, mein Gott,
was für eine Werbung für den deutschen Fußball!
Keine Ahnung, was die in den letzten Monaten
trainiert haben, platzierte Torschüsse aus mehr
als 16 Metern Entfernung können es definitiv
nicht gewesen sein. Wahrscheinlich waren sie
alle so nervös, dass sie die Kugel auch aus
diesen Positionen einfach nur wegdreschen
wollten, aktive Verteidigung beginnt ja
bekanntlich am gegnerischen Strafraum. Ich
glaub, einmal sprang sogar ein Einwurf für
Hertha dabei heraus.
Da die
Berliner auch nicht mehr konnten oder wollten,
trennte man sich mit dem Horst-Köppel-Standardergebnis,
und Gladbach war endgültig gerettet. Dies führte
natürlich zu diversen Freudenausbrüchen nach
Spielschluss, die in eine schöne Fan-Party mündeten.
Mir war’s egal, ich hatte eh Zeit. Eingedenk
eindringlicher Warnungen hatten wir es nämlich
nicht eilig, zum Fahrzeug zurückzukehren.
Lieber eine halbe Stunde warten, dann hat sich
das Ganze ein wenig entzerrt, war uns zuvor
geraten worden.
Also
versuchte ich zunächst, noch so ein Krabbenbrötchen
von dem draußen vor dem Block befindlichen
Transporter zu erhaschen – vergebens! Alles,
was dort vor dem Spiel nach Fisch ausgesehen
hatte, war ausverkauft, der komplette Wagen
ratzekahl leergefegt. Schade! Aber behaupte noch
einer, nur Norddeutsche seien Fischköppe...
Wir
befolgten die uns erteilten Ratschläge und ließen
uns beim Rückmarsch zum Parkplatz P6 viel Zeit.
Auf dem Weg dorthin staunten wir noch über ein
Dixie-Klo, das auf P5 aufgestellt war. Wozu
braucht man hier, in unmittelbarer Nähe des
Stadions, ein Dixie-Klo? Es hätte uns
misstrauisch machen sollen...
Wir
erreichten den Wagen genau eine
Dreiviertelstunde nach Spielschluss, stiegen ein
– und das war’s dann! Nichts ging, man
konnte nicht mal ausparken, den auf der Straße
standen bereits die Wagen anderer Besucher, die
früher als wir ihr Gefährt erreicht hatten.
Standen, wohlgemerkt. Der ganze Parkplatz stand.
Kein Abfluss von Fahrzeugen, gar nichts. Die
Herrschaften im Wagen, der vor uns auf der Straße
stand, waren wohl nicht zum ersten Mal hier. Sie
waren mit einem kleinen Transporter unterwegs,
der Fahrer saß mal vorsichtshalber am Steuer,
falls es irgendwann weitergehen sollte, die
restliche Meute stand an der geöffneten
Heckklappe und bediente sich aus dem im
Kofferraum untergebrachten Bierkasten.
Anscheinend macht Borussia Mönchengladbach das
Feierabendbier, bei dem man gerne mal versackt,
wieder modern. Auch beim Wagen rechts von uns
war der Kofferraum geöffnet und eine ganze
Familie labte sich an eigens mitgebrachten
Frikadellen. Bei deren Anblick wurde mir flau.
Wenn die alteingesessenen Fans sich schon
komplette Lebensmittelrationen mitbringen, wie
lange sollte das hier noch dauern?
Ziemlich
lange. Nach einer halben Stunden ging es mal
vorwärts, aber die Jungs vom Transporter hatten
natürlich den Durchblick, sie machten die
Heckklappe gar nicht erst zu. Und in der Tat,
der Wagen rollte ca. 5 Meter, dann stand wieder
alles und konnte den Motor erneut abstellen.
Vielleicht hätte man an diesen Stellen ein
leichtes Gefälle einbauen können, das würde
enorm Sprit sparen. Immerhin gelang es mir, die
Lücke zu nutzen und wenigstens schon mal
auszuparken. Jetzt stand ich also auf der Straße,
die von den Parkbuchten auf die Ringstraße führt,
die um die Parkplätze läuft und irgendwann
wieder auf die Hauptstraße mündet. Zentimeter
für Zentimeter ging es vorwärts, bis ich
schließlich aus reinem Zufall genau auf der
Kreuzung mit der Ringstraße zum Stehen kam, und
sich abermals nichts mehr tat. Und das alles in
Sichtweite der Autobahn, man guckt ja genau auf
den Zubringer drauf!
Zwischenzeitlich
waren einige Fahrer dazu übergegangen, von der
Ringstraße quer über den Rasen und einige
Sandflächen auf die parallel zur Ringstraße
verlaufenden Straße überzusetzen, die
allerdings nicht zur A 61 führte. Egal, als
links von mir auch niemand mehr auf der Ringstraße
erschien, zog ich in diese Richtung und fuhr in
den nächsten Parallelweg mit Parkbuchten den
Weg wieder zurück, fröhlich ignorierend, dass
für diese Richtung ein
Durchfahrt-verboten-Schild am Beginn des Weges
stand, und tatsächlich eingewunken von so einem
Männeken in orange, der hoffte, mit dieser
zweiten Ausfahrt und der hierfür angeordneten
Verkehrsregelübertretung das Chaos ein wenig zu
entzerren, denn er und seine Kollegen hatten
schon längst den Überblick verloren. Ich wurde
also auf die Parallelstraße zur Ringstraße
geleitet und musste in die andere Richtung,
welche von der Autobahn wegführte, abbiegen.
Egal, bloß weg von hier! Um 19.15 Uhr, satte 2
Stunden nach Spielschluss, verließ ich den
Parkplatz. Wir riskierten noch einen Blick zurück
und sahen die endlose Schlange der Wagen, die
auf der Ringstraße und den Parkplätzen immer
noch bewegungslos standen, bis zum Horizont, bis
zur Autobahnauffahrt. Ich glaube, die stehen
immer noch da. Wir hatten Glück, dass wir genau
auf der Kreuzung standen und Manövrierspielraum
hatten.
Das
Ganze ist schon nicht mehr unverschämt, das ist
Freiheitsberaubung. Ein Spiel dauert neunzig
Minuten, aber vom Parkplatz runterzukommen zwei
Stunden??? Und ich darf nochmals daran erinnern,
dass es sich laut Website um vereinseigene Parkplätze handelt. Das kommt einem wirklich so vor,
als hätten die Planer gesagt: Okay, wir bauen
ein Stadion für 53.000 Zuschauer. Wir sorgen
auch für die entsprechenden Parkmöglichkeiten
(es gibt insgesamt über 9.000 Parkplätze).
Aber, mein Gott, bei unserer Krampentruppe
werden doch niemals so viele Zuschauer kommen!
Also kann uns doch auch egal sein, wie die Leute
wieder wegkommen. Und überhaupt, was
interessieren die uns denn nach dem Spiel? Da
haben sie ja schließlich schon bezahlt!
Also,
ich habe schon wirklich viel erlebt. Am kleinen
Stadion in Düsseldorf gibt es kaum Parkplätze,
wenn man da mal einen findet, ist es auch
ziemlich schwierig, wieder wegzukommen. Die großen
Parkflächen an der LTU-Arena sind auch nicht
sehr gelungen, aber es sind die ehemaligen
Rheinstadion-Parkplätze, die vor einigen
Jahrzehnten gebaut wurden, außerdem ist dort
halt ringsum aufgrund der Messegebäude und des
Rheins nicht mehr Platz. Hier konnte eine solide
Infrastruktur in einem brachliegenden
Industriegebiet (bzw. einem ehemaligen
Flieger-Gelände) in aller Seelenruhe geplant
werden. Und was kommt dabei heraus? Zwei Stunden
Wartezeit nach einem Spiel!
Vielleicht
hätte ich es noch verstanden, wenn ausgerechnet
an diesem Spieltag der Zuschauerandrang
besonders groß gewesen wäre. Aber nein, auf
der stadion-eigenen Website wird ja noch locker
damit geprotzt, dass fast jedes Heimspiel in
dieser Saison ausverkauft war. Geändert oder
gar verbessert hat sich nur wenig. Und ich lasse
mir von einem Verein nicht so gerne
vorschreiben, wieviel Zeit ich noch auf seinem
Parkplatz zu verbringen habe. Ein Armutszeugnis
für die momentan modernste Arena in
Deutschland!
Der
Rest ist schnell erzählt: nun ging es also in
die verkehrte Richtung, immerhin war die A 52
ausgeschildert. Im Schneckentempo, denn wir
waren ja nicht die einzigen, die über diese
Nebenstrecke abgeleitet wurden, kroch man durch
Mönchengladbach-Hehn (glaube ich zumindest) und
Mönchengladbach-Hardt. Dazwischen viel Bäume,
schöne Stücke Landstraße, aber auch immer
wieder kleine Ortskerne mit lustigen Ampeln, die
natürlich alle eingeschaltet waren. Am Ende
erreichten wir die A 52 Richtung Düsseldorf,
fuhren auf, und stießen bei der nächsten
Abfahrt auf das Autobahnkreuz Mönchengladbach
Nord, von welchem die A 61 abging, also die
Auffahrt, die man vom Parkplatz sehen konnte und
die trotzdem so unerreichbar für uns war. Wir
waren vom Parkplatz aus also erst in die
entgegengesetzte Richtung gefahren, um dann
„von hinten durch die Brust ins Auge“ wieder
auf die richtige Strecke zu stoßen. Und danach
war es dann auch ein Kinderspiel, binnen einer
Dreiviertelstunde wieder nach Hause zu finden.
Mein
Fazit: ein wirklich schönes Stadion, hat mir
gut gefallen. Das Drumherum eigentlich weniger.
Nirgendwo ausgewiesene Kartenpreiserhöhungen,
nicht überdachte Plätze, obwohl dies ausdrücklich
anders verlautbart wird, ellenlange Fußmärsche
aufgrund schlichter Nichtinformation sowie ein
Parkleitsystem, dessen Erfinder im Knast sitzen
müsste aufgrund zigtausendfacher
Freiheitsberaubung alle zwei Wochen, können dem
anscheinend unwürdigen Tageskarten-Besitzer die
Freude an diesem schönen Stadion wirklich gründlich
vergällen. Bei mir haben sie es jedenfalls
eindrucksvoll geschafft. Es war, als wollte
Borussia Mönchengladbach mir sagen: Wir
brauchen dich nicht. Wir sind der Mythos, und
wir haben genug Leute, die sich das alle 14 Tage
antun und sogar noch gutes Geld dafür bezahlen.
Wir wollen dich nicht. Also bleib weg, wenn du
dich nicht ärgern möchtest. Aber wenn du doch
unbedingt kommen möchtest – vergiss nicht,
den Videorekorder zu programmieren, wenn du eine
Sendung um 20.15 Uhr sehen willst...
Immerhin
ist ein Besuch in diesem Stadion prächtig für
Beziehungskisten geeignet. Man kann viel
miteinander sprechen. Sehr viel. Und wenn man
dann nach ganzen 80 Kilometern Wegstrecke
irgendwann nach Hause gelangt, weiß man
vielleicht sogar noch, wie das Spiel ausgegangen
ist, welches drei Stunden zuvor abgepfiffen
wurde.
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