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Adventsfazit
Kolumne Fortuna Aktuell
15.12.2002
Für
all diejenigen, die heute nicht im Stadion
waren, sowie für all diejenigen, die sich zwar
eine Fortuna Aktuell gekauft, diese aber mehr
zum Wärmen diverser Körperteile als zum Lesen
verwendet haben, hier der Text der Kolumne
"Durch die Vereinsbrille gesehen" in
der heutigen Ausgabe.
Gleichzeitig wohl das kürzeste
Beitragseröffnungsposting meiner Wenigkeit.
Alle Jahre wieder...
Wir Fortunen sind großherzige Menschen. Zur
Adventszeit beschenken wir traditionell, also
auch in diesem Jahr, unsere Gegner. Dies macht
uns beliebt und gibt uns ein gutes Gefühl. Und
außerdem geschieht dies ja in der Hoffnung,
dass der liebe Gott noch jede gute Tat vergolten
hat. Dabei wissen wir, dass es einfach sein
kann, z.B. den Vereinen in den Nachbarstädten
Wuppertal und Duisburg eine große Freude zu
machen. Es sind diese kleinen Aufmerksamkeiten,
die das Herz erfreuen. Man nehme eine Abwehr,
die, traditionell und zur Adventszeit passend,
so leicht zu durchbrechen ist, wie ein
Butter-Spekulatius. Man kombiniere diese mit
einem Sturm, der, traditionell und ebenso zur
Adventszeit passend, eher den Weihnachtsmann mit
gezieltem Blattschuss vom Himmel holt, als das
gegnerische Tor zu treffen. Und man garniere
diesen schon viel versprechenden Mix mit einem
Mittelfeld, in dem der Ball, traditionell und,
na was wohl, zur Adventszeit passend, so ruhig
und sicher läuft wie meine Wenigkeit einen Tag
vor Heiligabend in der Stadt, um noch ein paar
vergessene Geschenke zu besorgen – schon ist
man der Punkte entledigt und man kann ein
verstohlen gehauchtes „Danke, Fortuna!“
vernehmen, nachdem der Gegner sich die Tränen
der Rührung aus den Augenwinkeln gewischt hat.
So war es und so soll es sein.
Wobei wir es meiner Meinung nach mit der
Nächstenliebe in diesem Jahr ein kleines
Bisschen übertrieben haben, wurden unsere
Gegner zur Adventszeit doch vom „echten“
Nikolaus auch ohne unser Zutun schon reichlich
bedacht: Dem Wuppertaler SV kredenzte er die
Fähigkeit, plötzlich Bälle ansatzlos aus 30
Metern Entfernung im Netz zu versenken, so wie
die Gabe, dass auch verunglückteste
Fernschüsse plötzlich in des Gegners Strafraum
noch beim eigenen Mitspieler landen, was weitere
freudige Erregung hervorruft. Beim MSV Duisburg
gar schüttete er sein ganzes Füllhorn aus:
Nicht nur, dass die dortige Profimannschaft
derzeit von Sieg zu Sieg eilt, nein, sie
warteten auch noch mit acht rekonvaleszenten
Berufskickern aus den Sphären der 2. Liga auf,
um sie an den Gabentisch bei den Amateuren zu
entsenden! Wahrlich, gesegnet sei, wer so viel
Glück hat. Da hätten wir gar nicht mehr groß
nachhelfen müssen. Aber in puncto
Nächstenliebe lassen wir auf unseren Ruf nichts
kommen, alle Jahre wieder...
Apropos Wiederholung: Haben Sie derzeit auch ein
Déjà-vu? Wird Ihnen momentan auch in aller
Öffentlichkeit durch Ihre Freunde, Bekannte,
Ehegatten, Hunde und andere Familienmitglieder
pünktlich zur Weihnachtszeit und sportlichen
Schaffenskrise der Mannschaft wieder der
glorreiche, aber immer wieder gern angebrachte
Kalauer serviert, wie sehr die derzeitige
Leistung des Teams doch an den Namen des
Trikotsponsors erinnere? Doch gähnen Sie nicht
einfach ob dieser Wiederholung, kontern Sie
vielmehr mit der großen weiten Fußballwelt.
Nehmen Sie zum Beispiel den 1. FC
Kaiserslautern. Der muss aufgrund finanzieller
Unregelmäßigkeiten wahrscheinlich Haus, Hof
und Betzenberg, sowie gleich den dazu gehörigen
Knecht Klose verkaufen. Schon hört man böse
Stimmen, die so gar nicht vorweihnachtlich
unbesinnlich poltern, die „Roten Teufel“
seien pleite. Welch Peches Geschick! Doch wer,
bitte schön, ist noch mal deren Trikotsponsor?!
Genau: die „Deutsche Vermögensberatung“!
Das nenn ich aber mal so richtig daneben
gelegen. Dagegen geht es uns doch noch gut.
Zumal sich bei unserem Team der unpassende
Vergleich ja schon mit dem nächsten Spiel
erledigt haben kann...
Alle Jahre wieder kommt auch die Zeit, ein Fazit
des bisherigen Saisonverlaufs zu ziehen. Ich
werde es mir verkneifen. Nur soviel: Ich bin
nicht knapp 2.700 km in dieser Saison zu
insgesamt 15 von 19 Spielen gefahren (Heimspiele
gegen Rheydt und heute eingeschlossen), um jetzt
zu sagen, alles ist schlecht. Dann müsste ich
ja gleichzeitig zugeben, mental nicht in
allerbester Verfassung, vulgo: bescheuert, zu
sein. Deshalb lassen mich Kleinigkeiten
optimistisch nach vorne blicken. Denn zumindest
unser Team wird nicht auf einem Abstiegsplatz
überwintern. Dafür haben wir andere. Wie zum
Beispiel den 1.FC Kaiserslautern. Das macht doch
Mut. Hallelujah und frohe Weihnachten, sagt
janus
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