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RL Rückblick 2001

 

Nun, da sich das Jahr dem Ende zuneigt und auch die RL-Nord-Saison 2001/2002 in die Winterpause gegangen ist, dachte ich, es wäre an der Zeit für einen kleinen Rück- und Ausblick nebst einigen statistischen Angaben für den Liebhaber.
Hierbei möchte ich zunächst auf die 17 übrigen Vereine eingehen, die sich so in dieser Liga tummeln und dann überschwenken zur Einzelbetrachtung meines Vereins, der es, wann immer man denkt, es geht nicht mehr, trotzdem wieder schafft, noch eins drauf zu setzen: Fortuna Düsseldorf. In diesem Artikel geht es jedoch nur um die rein sportliche Seite. Wenn ich auch noch dieses lustige Ringelreihen analysieren wollte, dass sich seit mehreren Wochen im Vorstand abspielt, könnte ich gleich ein Buch herausgeben. Und dazu habe ich weder Zeit noch Lust, zumal da dem "gemeinen Fan" so langsam der Durchblick fehlt.
Die Fans der anderen 17 Vereine mögen mir im Voraus verzeihen, sollte ich das ein oder andere falsch gesehen, falsch verstanden oder vielleicht sogar überhaupt nicht kapiert haben. Ist schließlich alles nur meine rein persönliche Meinung, der sich niemand anschließen braucht.
Zur jetzigen Lage: es ist spannend in der RL. Zum Jahreswechsel können noch einige Teams davon träumen, nächstes Jahr montags im DSF-Topspiel gegen LR Ahlen oder SpVgg Greuther Fürth auflaufen zu dürfen. Wobei sich mit Ausnahme des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück eigentlich die Teams an der Spitze befinden, auf die die Experten und Laien vor Saisonbeginn auch gesetzt hatten: Eintracht Braunschweig, VfB Lübeck, Chemnitzer FC, RW Essen, dazu noch der KFC Uerdingen und Wattenscheid. Ein richtiger Überflieger, den wirklich gar keiner auf der Rechnung hatte, wie im letzten Jahr Babelsberg, ist momentan nicht in Sicht.
Gucken wir uns doch mal die einzelnen Vereine kurz an, zur besseren Orientierung nach geographischen Gesichtspunkten getrennt. Die Nordvereine: Wilhelmshaven stieg aufgrund technischer Mängel im Spielaufbau ab, die Tragödie ist bekannt, unsere Fortuna war der Nutznießer. Dafür kam aus dem Norden a) Holstein Kiel, ein Traditionsverein. Ach nee, stimmt gar nicht: weder stieg Wilhelmshaven sportlich ab (die scheiterten an Anschluss und Betrieb eines Faxgerätes), noch stieg Kiel sportlich auf. Die scheiterten in der Relegation nämlich 2:0 und 0:3 an Göttingen 05. Die wiederum konnten zwar Fußball spielen, aber nicht wirtschaften, waren pünktlich zum Aufstieg pleite und stiegen somit (bildlich gesehen) im selben Moment wieder ab. Da half auch die Bitte an Kanzler Schröder, der vor Lichtjahren mal in Göttingen gesoffen und gefeiert (äh, studiert) hatte, nix. Bei Göttingen spielte schließlich keiner, der Holzmann heißt. Und genauso ruckzuck wie Wilhelmshaven abgestiegen war, war Kiel plötzlich aufgestiegen. – Was höre ich da jemanden rufen? Entscheidend is auf’m Platz? Kann eigentlich nur mein Opa gewesen sein... heutzutage zählt nur die gut frisierte Bilanz, da kannst du auf dem Platz Mist bauen bis zum Geht-nicht-mehr, irgendein Depp springt eh immer über die Klinge. Aber ich schweife ab.
Die Kieler Störche galten aufgrund dieser Vorgeschichte eigentlich als sicherer Abstiegskandidat, legten aber Mitte der Hinrunde eine schöne Serie hin, putzten alles weg, was ihnen vor die Flinte kam (inklusive Fortuna) und belegen derzeit einen guten Mittelfeldplatz. Und das bei dem Stadion, Spitzname "Feuchtbiotop". Schön für den WWF, aber uralt, etwas ungeeignet zum Fußballspielen und besonders zum Zuschauen. Aber vielleicht grad deswegen Kult? Ziemliche Ähnlichkeit mit dem Stadion hat auch der Kieler Stürmer Jurgeleit, ein alter Bekannter in unseren Breiten, schlappe 37 Jahre alt und zur Zeit ebenso im siebten Frühling wie das Unkraut auf der Stadion-Gegengerade. Zusammen mit Sturmpartner Guscinas, der ebenfalls richtig aufdrehte, lässt der "Opa" die Störche vom Klassenerhalt und vielleicht sogar von Höherem in der nächsten Saison träumen.
Respekt! b) VfB Lübeck: Who the fuck is Kaiserslautern? Sagten sich die Marzipan-Boys und gewannen nicht nur, wie das Team des kompetenzfreien Schwätzers Brehme, die ersten sieben Spiele der Saison in Folge, sondern ließen noch zwei Unentschieden folgen und verloren somit ihr erstes Spiel erst am 10. Spieltag (0:3 gegen RW Essen). Dann fielen sie etwas ab, fingen sich aber wieder und stehen momentan erneut an der Spitze. Wenn die nicht wieder die Rückrunde vergeigen wie in der letzten Saison, könnte es diesmal fast was werden... aber nur fast. c) Eintracht Braunschweig: der klare Favorit. Ist auch kein Wunder, bei dieser Kaderzusammensetzung. Der neue Trainer Vollmann, angereist vom Ex-Fast-Aufsteiger Fortuna Köln, tat das, was er bekanntlich bei jedem Verein macht, den er vorzeitig verlässt: Leichenfleddern. Fünf Spieler brachte er aus Köln direkt mit, das Präsidium spendierte den Uerdinger Teixeira noch obendrauf (hatte ich nicht vor der Saison gelesen, dass Braunschweig auch fast pleite ist? Egal, wer macht sich darüber vor dem 34. Spieltag schon Gedanken?), spielte nach lauwarmem Start beständig oben mit. Komisch nur, dass das permanente Siegen den eigenen Fans langsam schon keinen richtigen Spaß mehr macht. Liegt wohl daran, dass Vollmann nach der Devise "Ein 1:0 ist schöner als ein 5:4" auch in Heimspielen gegen Abstiegskandidaten gerne mal nur mit einer Spitze anfangen lässt und den zweiten erst einwechselt, wenn’s schon 3:0 für die eigene Mannschaft steht. Aber seitdem das gegen unsere Fortuna glücklicherweise gründlich in die Hose ging (1:2-Heimniederlage), dürfen Teixeira und Weetendorf jetzt sogar ab und zu mal von Beginn an ran. Im Größenwahn lässt er dann auch schon mal Sümnich als dritten Stürmer offensiv spielen! Mein Fazit: der Mann ist lernfähig und die Eintracht sehen wir nächste Saison nicht mehr in der RL. Es sei denn, sie vergeigen es tatsächlich noch in den letzten 13 Spielen. Kleiner Hoffnungsschimmer für Herrn Vollmann: schlimmer als die Arbeitsverweigerungs-Rückrunde in der letzten Saison kann es für Braunschweig eigentlich wirklich nicht werden.
d) Bremen (A): wie immer: ärgerlich, lustlos, Beton anmischen, Zuschauerkiller, aber manchmal auch flott, ansehnlich und den Großen ein Dorn im Auge. Typische Bundesliga-Amateur-Mannschaft eben, deren Platzierung wirklich keinen interessiert, nicht mal sie selbst. Von Klaus Allofs munkelt man, er habe, als die Werder-Bubis, eigentlich ebenso abgestiegen wie Fortuna, durch den Lizenzentzug für Sachsen Leipzig wieder in die RL rutschten, erst mal genervt gesagt: "Schon wieder diese langen Auswärtsfahrten!" und sich dann erst gefreut. Werder sorgte auch für das "Highlight am Grünen Tisch" in dieser Saison: am 12. Spieltag spielte man 1:1 gegen Braunschweig. Im Sturm ein gewisser Herr Di Iorio. Und obwohl dieser Mann bereits seit 1998 bei Werder spielt und seinem Verein somit hinlänglich bekannt sein dürfte, vergaß man, ihn auf dem Spielberichtsbogen zu melden, was zur Folge hatte, dass die Partie 2:0 für Braunschweig gewertet wurde. Das ist Amateurfußball! Trotzdem: Mittelfeldplatz.
e) Osnabrück: für mich die Enttäuschung. Da haben sie schon einen Trainer, der sich jeden offensiven Spielzug fünfmal überlegt und beim Stande von 1:0 schon mal vor der Halbzeit den besten Stürmer auswechselt, um das Ergebnis zu halten oder bei einem seiner früheren Arbeitgeber ein 1:1 gegen Weltmannschaften wie Salmrohr oder Idar-Oberstein als Teilerfolg bezeichnete (der Fortuna-Kundige weiß Bescheid!) – trotzdem muss die Mannschaft gedacht haben, hier im Schongang durchmarschieren zu können. Anders kann ich mir Leistung und Platzierung nicht erklären. Für mich heißer Anwärter auf die Blamage des Jahres: 0:2-Heimniederlage am 17.11.2001 gegen die Lachnummer aus Köln, die zuvor am 18.08.2001 zuletzt gewonnen hatte (1:0 in Dresden) und mit der Empfehlung von 9 Niederlagen in Folge an die Bremer Brücke gereist kam. Besser geht’s wirklich nicht. Irgendwie traue ich den Osnabrückern im neuen Jahr auch nicht wirklich einen Durchmarsch à la Union Berlin zu. Saison abhaken.
Osten: a) Chemnitz: als Topfavorit gehandelt und mit einem 4:0 bei uns im Rheinstadion am 1. Spieltag auch entsprechend gestartet, dachte auch dieser Zweitliga-Absteiger anscheinend, es geht von selbst. Der erste, der ging, war Trainer Karkuth, denn der Sieg gegen unsere Fortuna war auch nach dem 5. Spieltag der einzige, der zu Buche stand. Seitdem startet der CFC durch, von einigen peinlichen Pannen mal abgesehen (1:3 in Leverkusen, 0:1 in Dresden) und wird aufgrund seiner erfahrenen Mannschaft ein gewichtiges Wörtchen im Aufstiegskampf mitreden.
b) Dresdner SC: für mich eigentlich bisher die Lachnummer schlechthin, vergleichbar mit unserer Fortuna oder Sachsen Leipzig in der letzten Saison. Auch der DSC war vor dieser Saison bei Presse und Präsidium bereits aufgestiegen. Nun stehen sie unten drin, haben Trainer Kreische rausgeschmissen, den hochbezahlten Spielern die Gehälter gekürzt, sind so gut wie pleite und haben neben einem maroden Stadion auch einen Zuschauerschnitt, der sich bei lockeren 900 einpendelt – eine Anzahl, über die sogar der diesbezüglich leidgeprüfte Fortuna-Fan noch lachen kann. Und auch wenn sie die letzten drei Spiele hintereinander gewonnen habe (zumindest gegen die beiden Fortunas aus Düsseldorf und Köln in deren "Form" kurz vor der Winterpause war das ja auch nicht besonders schwer), mein Urteil: total verzockt – Absteiger. c) Aue: Katastrophenstart im Erzgebirge, am 1. Spieltag vor heimischem Publikum von Wattenscheid nach allen Regeln der Kunst 2:5 auseinandergenommen, am 2. Spieltag 1:2-Blamage bei den Bayer-Bubis. Aber im Erzgebirge ist es immer so angenehm ruhig, von denen hört und sieht man nix und trotzdem spielen sie wieder munter im Mittelfeld mit. Keine Abstiegsgefahr. Und mittlerweile unsere Lieblings-Auswärtsfahrt aufgrund der freundlichen Behandlung durch die heimischen Fans. d) 1.FC Magdeburg: die Mannschaft, die mich vor Saisonbeginn endgültig an der Notwendigkeit, einen Solidaritätszuschlag zahlen zu müssen, zweifeln ließ: wozu brauchen die Ossis mein Geld, wenn die Fans des 1.FCM innerhalb einer Woche eine Million Mark für ihren Klub sammeln können? Da kommt mir das "40 Jahre nur belogen und betrogen"-Gejammer von einigen Herrschaften im Fernsehen doch wie ein schlechter Witz vor! Aber Spaß beiseite, eine tolle Leistung der Fans, die die Mannschaft wohl dermaßen überraschte, dass sie im Großteil dieser Saison nur Käse spielte, und das bei der Besetzung, die manchen Zweitligisten neidisch machen würde (Bodo Schmidt, Golombek, Papic usw.)! Mittlerweile haben sie sich etwas gefangen und ich glaube eigentlich auch, dass sich die Routine gegen Ende der Saison durchsetzen wird. Kein Absteiger, nächste Saison zu beachten.
Westen: a) SC Verl/Bayer Leverkusen (A)/SC Paderborn: siehe Werder (A), mit dem Unterschied, dass nur Verl wieder den vertraglich gesicherten Mittelfeldplatz einnehmen wird. Die Bayer-Bubis werden noch Ärger mit dem Klassenerhalt bekommen und Paderborn ist für mich ein Absteiger. Da rettet auch Opa Dotchev nix, mittlerweile in Ehren ergraut und nach langer Verletzungspause wieder dabei. Am 19. Spieltag spielte bei Paderborn Ersatztorwart Malte Schulze-Happe, weil Stammkeeper Kellermann verletzt war. Was daran so Besonderes war? Nix, außer, dass der gute Mann vor einiger Zeit noch Stürmer bei der SpVgg Beckum war. Bei aller Sympathie für "Exoten" – was wollen die in der Regionalliga? b) Wattenscheid: das übliche. Bongartz lässt die jungen Talente ran, Wattenscheid spielt gut, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, lässt aber seine immer noch (wieder mal) hervorragende Currywurst immer noch (wieder mal) von schlagkräftigen Polizei-Bataillonen schützen, so dass der Erwerb dieses Fleischabfallprodukts schon mal mit Haft- oder Geldstrafen, ersatzweise auch mit Gehirnerschütterung oder tränenden Augen bezahlt werden muss. Aber was tut man nicht alles für gute Ernährung! c) KFC Uerdingen: auch wieder ne prima Leistung. Aber, liebe KFCler, die ihr uns in sämtlichen Regionalliga-Foren regelmäßig mit euren Gunstbezeugungen überschüttet: solange ihr diesen Tecklenburg da oben habt, wird das nix mit Liga 2. Im letzten Jahr standet ihr auch nicht schlecht nach Hinrunde, worauf Herr Tecklenburg sogleich in panischer Angst, ihr könntet noch mehr Spiele gewinnen, euren besten Torjäger (Teixeira) an die Eisernen nach Berlin auslieh. Mal sehen, was er dieses Jahr im Gepäck hat, dieser Fußballfachmann. Demnächst kriegt wahrscheinlich Fiore ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, Rodriguez setzt sich auf die Tribüne unter Weiterzahlung der Auflaufprämie und Vriesde holt sich einen Bänderriss beim Schneeschippen vor der Präsidenten-Villa. Und ihr guckt mal wieder in die Röhre. Denn mit dem Aufstieg wird’s erneut nix und ihr habt nächstes Jahr wieder ein Auswärtsspiel in Düsseldorf, bei dem ihr mit der U-Bahn anreisen könnt. Ist doch auch was, oder nicht? d) Preußen Münster: was war denn das, liebe Preußen? Wobei mittlerweile die Frage ist, welche Saison ich meine. War die letzte die große Ausnahme oder ist es die jetzige? Ein Przondziono allein, der nach Lübeck wechselte, kann es doch wohl nicht gewesen sein, oder? Legt noch mal ne Schippe drauf und erklärt dem Marek Lesniak, dass er nicht nur im Rheinstadion gegen seine alten Kumpels Tore schießen darf. Dann wird’s auch was mit dem Klassenerhalt. Mal sehen, wie der neue Trainer Neale Marmon (ex-SV 07 Elversberg) einschlägt, der kurz vor Weihnachten für den nach dem letzten Spieltag doch noch gefeuerten Stephan Grädler verpflichtet wurde. e) RW Essen: der typische RWE-Größenwahn, diesmal scheint er Erfolg zu haben. Um 1 Minute am sportlichen Abstieg vorbeigeschliddert (3:2 durch Wolf in Braunschweig am letzten Spieltag in der 90. Minute), dann pleite und um Haaresbreite dem finanziellen Abstieg entronnen, dann sofort den halben Norden leergekauft (Bonan, Wojcik, Fischer, Trainer Pleß) – und hol’s der Kuckuck, plötzlich können sie Fußball spielen. Und obwohl ich sie vorher nicht auf der Rechnung hatte, RWE auch nicht sonderlich leiden kann und sie am Ende der Saison auch noch einen Punkt wegen Lizenzverstößen abgezogen bekommen, sage ich: die steigen auf! Wenn nicht, kann man bei dieser Besetzung auch nur sagen: Selbst Schuld. Solche Peinlichkeiten wie das 0:5 in Chemnitz solltet ihr euch aber im neuen Jahr tunlichst verkneifen. f) Fortuna Köln: habe ich weiter oben schon als Lachnummer bezeichnet, ist aber eigentlich ein Trauerspiel, vielmehr ein gutes Beispiel, was heutzutage mit Vereinen passiert, die jahrzentelang einem Mann gehörten und der nun keine Lust und/oder kein Geld mehr hat. Ich hoffe, man hat in Wattenscheid gut aufgepasst. Macht's gut und viel Spaß beim Lokalderby im nächsten Jahr gegen den SCB Preußen Köln... Auch sensationell: kein Heimsieg in der neuen Saison bis jetzt und beim letzten Heimspiel gegen Dresden noch ganze 300 Zuschauer! Dagegen ist unsere Fortuna ja extrem heimstark und kann sich vor dem Ansturm der Fans kaum retten...
Und unsere Fortuna: na ja, das ist bei uns schon alles endlos durchdiskutiert worden. Viel schlimmer als im Sommer gegen den CFC konnte es ja nicht beginnen. Da suchte ich mir noch ein Plätzchen auf der Vortribüne (nicht, weil es da so voll, sondern weil die Auswahl so groß war), da war das Spiel auch schon verloren. Nach 90 Sekunden hätte man eigentlich nach Hause gehen können. So sollte eine Saison tunlichst nicht anfangen. Die Chemnitzer Mähdrescher pflügten alles um, unsere Spieler und der Schiri ließen alles mit sich machen und so waren wir am Ende mit dem 0:4 noch gut bedient. Eine Woche später in Wattenscheid schon ein wenig besser, aber wenn ein Shittu vorne die Bälle schon von der Torlinie schlägt anstatt sie über dieselbe zu befördern, dann muss man ja verlieren. Die Leistungen in den ersten beiden Saisonspielen animierten Manni Breuckmann, das nächste Spiel der Fortuna gegen Dresden in der Sendung "Sport im Westen" (WDR) wie folgt anzukündigen: "Holt die Antidepressiva raus, Fortuna Düsseldorf spielt!" Wobei wir natürlich wissen, dass das alte Schlitzohr Manni (immerhin Fortuna-Fan) nur den ersten Halbsatz ernst gemeint hatte. Und der bezog sich auch nicht auf Fortuna, sondern auf die Berichterstattung des WDR, der das Kunststück fertig brachte, von diesem ebenso spannenden wie skandalösen Spiel ganze zweieinhalb Minuten zu zeigen und dabei locker einige Großchancen, einen von zwei Dresdner Platzverweisen, eine klare Tätlichkeit sowie eine Dresdner Blutgrätsche der Marke "Versuchte Körperverletzung" zu unterschlagen. Wiewohl sich der WDR die gesamte Spielzeit über durch eine Berichterstattung auszeichnet, die von keinerlei Fachkompetenz getrübt ist. Aber mal ehrlich: sind die Hanschs, Dahlmanns, Wontorras und Fassbenders wirklich besser und neutraler – nur weil sie 1. Liga oder die Nationalmannschaft kommentieren? Wohl kaum. Und gegen die genannten Herren sieht die blonde Stottermaus vom WDR doch wenigstens noch ganz putzig aus...
Nach dem ersten Sieg von Fortuna kristallisierte sich Erstaunliches heraus: die Mannschaft kann ab und zu tatsächlich richtigen Fußball spielen und auch ordentlich kämpfen. Und zwar auswärts. Zuhause lief es teilweise so mies, dass einige schon vom Fluch des Rheinstadions sprachen. Sollte irgendjemand das wirklich ernst meinen, empfehle ich eine Übersiedlung in südlichere Gefilde, etwa in irgendein hochalpines bayrisches Bergdorf, wo heutzutage ein ordentlicher Exorzismus noch zu Großmütterchens bewährtem Hausmittel gegen alles Mögliche zählt. Zuhause läuft's einfach nicht, weil die Mannschaft da das Spiel machen muss, was sie nicht beherrscht, wobei man unterscheiden muss zwischen solchen Spielen gegen Münster oder Uerdingen, die man durch eigene Dummheit verlor, und solchen Spielen gegen Kiel, als man schlichtweg chancenlos war und der Schiri schon nach 25 Minuten hätte abpfeifen können. Aber vielleicht pusht der Flinger Broich, in dem die Fortuna ab 16.03.02 spielen wird, ja tatsächlich ein bisschen mehr als die alte Schüssel.
Auswärts gab's einige gute bis sehr gute Spiele (1:1 in Essen, 1:1 in Osnabrück, 2:1 in Braunschweig, 4:1 in Leverkusen, um nur die besten zu nennen) und mir persönlich ist völlig egal, wo die Punkte zum Klassenerhalt herkommen. Auch wenn’s für jemanden wie mich, der meist nur Heimspiele frequentiert, ja eher ärgerlich ist. Aber man muss halt das Ganze sehen, und der gemeine Fortuna-Fan war schon immer als außerordentlich genügsam und leidensfähig bekannt und geschätzt.
Obwohl es nach den letzten beiden Spielen ja eher düster aussieht, wobei ich mich nach dem "live" erlebten Heimspiel gegen Leverkusen frage, wie die Mannschaft in einer solchen "Form" den Klassenerhalt schaffen will.

Statistik:

Höchster Auswärtssieg:

  1. Spieltag:

Fortuna-Chemnitzer FC 0:4

 

14. Spieltag:

Holstein Kiel-Eintracht Braunschweig 0:4

Höchster Heimsieg:

10. Spieltag:

Chemnitzer FC-Wattenscheid 5:0

 

12. Spieltag:

Chemnitzer FC-RW Essen 5:0

 

20. Spieltag:

KFC Uerdingen-SC Paderborn 5:0

Die meisten Tore in einem Spiel:

11. Spieltag:

Wattenscheid 09-Dresdener SC 5:4

(Stellt euch mal vor, eure Mannschaft würde 4 Auswärtstore in einem Spiel erzielen – und noch nicht mal einen Punkt mitnehmen; also ich würde eine Sinnkrise bekommen...)
Um den Spielplan bis zum 21. Spieltag auszugleichen, fehlen noch 2 Begegnungen:
Wattenscheid-RW Essen (Nachholspiel 21. Spieltag)
Münster-Magdeburg (Nachholspiel 19. Spieltag)
Tore insgesamt: 522 in 187 Spielen (2,8 Tore pro Spiel)
Heimsiege/Unentschieden/Auswärtssiege: 90/39/58
Die aktuellen Torjäger:

11 Treffer

Dirk de Wit (Braunschweig)
Markus Daun (Bayer 04 Leverkusen U21)
Hendryk Lau (Dresdener SC)

10 Treffer

Vesselin Gerov (SC Paderborn)
Daniel Teixeira (Braunschweig)

  9 Treffer

Sascha Wolf (RW Essen)

Mein Lieblingsspiel (nicht "live erlebt", sondern insgesamt in dieser Saison): 11.08.2001, 3. Spieltag, Werder (A)-VfB Lübeck im Weserstadion (aufgrund des "Zuschauerandrangs" von knapp 3.000 Besuchern): in den ersten 40 Minuten spielt Werder den Aufstiegsfavoriten an die Wand, führt 3:0. Nach 89 Minuten steht es immerhin noch 3:2, auch eine kleine Sensation in der noch jungen Saison. Fünf Minuten später beendet der Schiri die Partie, Werder hat 3:5 verloren und weiß nunmehr auch, dass ein Spiel eben nicht mehr 90 Minuten dauert, sondern so lange, bis der Schiri abpfeift. Tolle Sache.
Fortuna-Heimbilanz: 10 Spiele, 8 Punkte, 7:19 Tore, 2/2/6, Platz 16 in der Heimtabelle
Fortuna-Auswärtsbilanz: 11 Spiele, 13 Punkte, 13:15 Tore, 3/4/4, Platz 6 in der Auswärtstabelle (das lässt hoffen!)
Meine Sätze des Jahres:
(1) "Ich bin wegen Umstrukturierungsmaßnahmen vom Dienst freigestellt." (Der Präsident eines Regionalliga-Clubs, nach seiner Kündigung durch seinen Arbeitgeber Deutsche Post, Eingeweihte schütteln wahrscheinlich jetzt schon mit dem Kopf – geht’s noch dümmer?)
(2) "Ich bin von einer Vertragsverlängerung ausgegangen" (Peter Neururer, nach seiner Kündigung durch LR Ahlen – ja, es geht noch dümmer!)
(3) "Ich bin kein Christ und auch kein Katholik" (Naddel, nach ihrer Kündigung von Schlager-Opa Ralf Siegel)

So, alle diejenigen, die tapfer bis hierher durchgehalten haben, sollen jetzt auch belohnt werden: nämlich mit dem Ende! Hab ja auch genug "gequatscht". Bleibt noch zu sagen, dass ich trotz der fußballerischen Offenbarungseide der Fortuna in Dresden und beim Heimspiel gegen Leverkusen weiterhin hoffe, dass unsere "Rumpftruppe" den Klassenerhalt schaffen wird. Ich hoffe, und damit möchte ich schließen, dass wir nächstes Jahr gut aus den Startlöchern kommen und vielleicht Anfang April auf die Tabelle gucken, ungläubig über die Vielzahl von Punkten staunen und zu dieser Punktzahl dann den berühmten Satz der Sozialhilfefamilie sagen können, die über Nacht 6 Millionen im Lotto gewinnt: "Wir können gar nicht glauben, dass das alles uns gehört. Aber wir können uns verdammt schnell daran gewöhnen." Auch wenn’s mir momentan wirklich schwer fällt, daran zu glauben.

In diesem Sinne,

bis neulich, janus

 

copyright by janus 2003