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RL
Rückblick 2001
Nun,
da sich das Jahr dem Ende zuneigt und auch die
RL-Nord-Saison 2001/2002 in die Winterpause
gegangen ist, dachte ich, es wäre an der Zeit für
einen kleinen Rück- und Ausblick nebst einigen
statistischen Angaben für den Liebhaber.
Hierbei möchte ich zunächst auf die 17 übrigen
Vereine eingehen, die sich so in dieser Liga
tummeln und dann überschwenken zur
Einzelbetrachtung meines Vereins, der es, wann
immer man denkt, es geht nicht mehr, trotzdem
wieder schafft, noch eins drauf zu setzen:
Fortuna Düsseldorf. In diesem Artikel geht es
jedoch nur um die rein sportliche Seite. Wenn
ich auch noch dieses lustige Ringelreihen
analysieren wollte, dass sich seit mehreren
Wochen im Vorstand abspielt, könnte ich gleich
ein Buch herausgeben. Und dazu habe ich weder
Zeit noch Lust, zumal da dem "gemeinen
Fan" so langsam der Durchblick fehlt.
Die Fans der anderen 17 Vereine mögen mir im
Voraus verzeihen, sollte ich das ein oder andere
falsch gesehen, falsch verstanden oder
vielleicht sogar überhaupt nicht kapiert haben.
Ist schließlich alles nur meine rein persönliche
Meinung, der sich niemand anschließen braucht.
Zur jetzigen Lage: es ist spannend in der RL.
Zum Jahreswechsel können noch einige Teams
davon träumen, nächstes Jahr montags im
DSF-Topspiel gegen LR Ahlen oder SpVgg Greuther
Fürth auflaufen zu dürfen. Wobei sich mit
Ausnahme des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück
eigentlich die Teams an der Spitze befinden, auf
die die Experten und Laien vor Saisonbeginn auch
gesetzt hatten: Eintracht Braunschweig, VfB Lübeck,
Chemnitzer FC, RW Essen, dazu noch der KFC
Uerdingen und Wattenscheid. Ein richtiger Überflieger,
den wirklich gar keiner auf der Rechnung hatte,
wie im letzten Jahr Babelsberg, ist momentan
nicht in Sicht.
Gucken wir uns doch mal die einzelnen Vereine
kurz an, zur besseren Orientierung nach
geographischen Gesichtspunkten getrennt. Die
Nordvereine: Wilhelmshaven stieg aufgrund
technischer Mängel im Spielaufbau ab, die Tragödie
ist bekannt, unsere Fortuna war der Nutznießer.
Dafür kam aus dem Norden a) Holstein Kiel, ein
Traditionsverein. Ach nee, stimmt gar nicht:
weder stieg Wilhelmshaven sportlich ab (die
scheiterten an Anschluss und Betrieb eines
Faxgerätes), noch stieg Kiel sportlich auf. Die
scheiterten in der Relegation nämlich 2:0 und
0:3 an Göttingen 05. Die wiederum konnten zwar
Fußball spielen, aber nicht wirtschaften, waren
pünktlich zum Aufstieg pleite und stiegen somit
(bildlich gesehen) im selben Moment wieder ab.
Da half auch die Bitte an Kanzler Schröder, der
vor Lichtjahren mal in Göttingen gesoffen und
gefeiert (äh, studiert) hatte, nix. Bei Göttingen
spielte schließlich keiner, der Holzmann heißt.
Und genauso ruckzuck wie Wilhelmshaven
abgestiegen war, war Kiel plötzlich
aufgestiegen. – Was höre ich da jemanden
rufen? Entscheidend is auf’m Platz? Kann
eigentlich nur mein Opa gewesen sein...
heutzutage zählt nur die gut frisierte Bilanz,
da kannst du auf dem Platz Mist bauen bis zum
Geht-nicht-mehr, irgendein Depp springt eh immer
über die Klinge. Aber ich schweife ab.
Die Kieler Störche galten aufgrund dieser
Vorgeschichte eigentlich als sicherer
Abstiegskandidat, legten aber Mitte der Hinrunde
eine schöne Serie hin, putzten alles weg, was
ihnen vor die Flinte kam (inklusive Fortuna) und
belegen derzeit einen guten Mittelfeldplatz. Und
das bei dem Stadion, Spitzname
"Feuchtbiotop". Schön für den WWF,
aber uralt, etwas ungeeignet zum Fußballspielen
und besonders zum Zuschauen. Aber vielleicht
grad deswegen Kult? Ziemliche Ähnlichkeit mit
dem Stadion hat auch der Kieler Stürmer
Jurgeleit, ein alter Bekannter in unseren
Breiten, schlappe 37 Jahre alt und zur Zeit
ebenso im siebten Frühling wie das Unkraut auf
der Stadion-Gegengerade. Zusammen mit
Sturmpartner Guscinas, der ebenfalls richtig
aufdrehte, lässt der "Opa" die Störche
vom Klassenerhalt und vielleicht sogar von Höherem
in der nächsten Saison träumen. Respekt!
b) VfB Lübeck: Who the fuck is Kaiserslautern? Sagten
sich die Marzipan-Boys und gewannen nicht nur,
wie das Team des kompetenzfreien Schwätzers
Brehme, die ersten sieben Spiele der Saison in
Folge, sondern ließen noch zwei Unentschieden
folgen und verloren somit ihr erstes Spiel erst
am 10. Spieltag (0:3 gegen RW Essen). Dann
fielen sie etwas ab, fingen sich aber wieder und
stehen momentan erneut an der Spitze. Wenn die
nicht wieder die Rückrunde vergeigen wie in der
letzten Saison, könnte es diesmal fast was
werden... aber nur fast. c) Eintracht
Braunschweig: der klare Favorit. Ist auch kein
Wunder, bei dieser Kaderzusammensetzung. Der
neue Trainer Vollmann, angereist vom
Ex-Fast-Aufsteiger Fortuna Köln, tat das, was
er bekanntlich bei jedem Verein macht, den er
vorzeitig verlässt: Leichenfleddern. Fünf
Spieler brachte er aus Köln direkt mit, das Präsidium
spendierte den Uerdinger Teixeira noch obendrauf
(hatte ich nicht vor der Saison gelesen, dass
Braunschweig auch fast pleite ist? Egal, wer
macht sich darüber vor dem 34. Spieltag schon
Gedanken?), spielte nach lauwarmem Start beständig
oben mit. Komisch nur, dass das permanente
Siegen den eigenen Fans langsam schon keinen
richtigen Spaß mehr macht. Liegt wohl daran,
dass Vollmann nach der Devise "Ein 1:0 ist
schöner als ein 5:4" auch in Heimspielen
gegen Abstiegskandidaten gerne mal nur mit einer
Spitze anfangen lässt und den zweiten erst
einwechselt, wenn’s schon 3:0 für die eigene
Mannschaft steht. Aber seitdem das gegen unsere
Fortuna glücklicherweise gründlich in die Hose
ging (1:2-Heimniederlage), dürfen Teixeira und
Weetendorf jetzt sogar ab und zu mal von Beginn
an ran. Im Größenwahn lässt er dann auch
schon mal Sümnich als dritten Stürmer offensiv
spielen! Mein Fazit: der Mann ist lernfähig und
die Eintracht sehen wir nächste Saison nicht
mehr in der RL. Es sei denn, sie vergeigen es
tatsächlich noch in den letzten 13 Spielen.
Kleiner Hoffnungsschimmer für Herrn Vollmann:
schlimmer als die Arbeitsverweigerungs-Rückrunde
in der letzten Saison kann es für Braunschweig
eigentlich wirklich nicht werden.
d) Bremen (A): wie immer: ärgerlich, lustlos,
Beton anmischen, Zuschauerkiller, aber manchmal
auch flott, ansehnlich und den Großen ein Dorn
im Auge. Typische Bundesliga-Amateur-Mannschaft
eben, deren Platzierung wirklich keinen
interessiert, nicht mal sie selbst. Von Klaus
Allofs munkelt man, er habe, als die
Werder-Bubis, eigentlich ebenso abgestiegen wie
Fortuna, durch den Lizenzentzug für Sachsen
Leipzig wieder in die RL rutschten, erst mal
genervt gesagt: "Schon wieder diese langen
Auswärtsfahrten!" und sich dann erst
gefreut. Werder sorgte auch für das
"Highlight am Grünen Tisch" in dieser
Saison: am 12. Spieltag spielte man 1:1 gegen
Braunschweig. Im Sturm ein gewisser Herr Di
Iorio. Und obwohl dieser Mann bereits seit 1998
bei Werder spielt und seinem Verein somit hinlänglich
bekannt sein dürfte, vergaß man, ihn auf dem
Spielberichtsbogen zu melden, was zur Folge
hatte, dass die Partie 2:0 für Braunschweig
gewertet wurde. Das ist Amateurfußball!
Trotzdem: Mittelfeldplatz.
e) Osnabrück: für mich die Enttäuschung. Da
haben sie schon einen Trainer, der sich jeden
offensiven Spielzug fünfmal überlegt und beim
Stande von 1:0 schon mal vor der Halbzeit den
besten Stürmer auswechselt, um das Ergebnis zu
halten oder bei einem seiner früheren
Arbeitgeber ein 1:1 gegen Weltmannschaften wie
Salmrohr oder Idar-Oberstein als Teilerfolg
bezeichnete (der Fortuna-Kundige weiß
Bescheid!) – trotzdem muss die Mannschaft
gedacht haben, hier im Schongang
durchmarschieren zu können. Anders kann ich mir
Leistung und Platzierung nicht erklären. Für
mich heißer Anwärter auf die Blamage des
Jahres: 0:2-Heimniederlage am 17.11.2001 gegen
die Lachnummer aus Köln, die zuvor am
18.08.2001 zuletzt gewonnen hatte (1:0 in
Dresden) und mit der Empfehlung von 9
Niederlagen in Folge an die Bremer Brücke
gereist kam. Besser geht’s wirklich nicht.
Irgendwie traue ich den Osnabrückern im neuen
Jahr auch nicht wirklich einen Durchmarsch à la
Union Berlin zu. Saison abhaken.
Osten: a) Chemnitz: als Topfavorit gehandelt und
mit einem 4:0 bei uns im Rheinstadion am 1.
Spieltag auch entsprechend gestartet, dachte
auch dieser Zweitliga-Absteiger anscheinend, es
geht von selbst. Der erste, der ging, war
Trainer Karkuth, denn der Sieg gegen unsere
Fortuna war auch nach dem 5. Spieltag der
einzige, der zu Buche stand. Seitdem startet der
CFC durch, von einigen peinlichen Pannen mal
abgesehen (1:3 in Leverkusen, 0:1 in Dresden)
und wird aufgrund seiner erfahrenen Mannschaft
ein gewichtiges Wörtchen im Aufstiegskampf
mitreden.
b) Dresdner SC: für mich eigentlich bisher die
Lachnummer schlechthin, vergleichbar mit unserer
Fortuna oder Sachsen Leipzig in der letzten
Saison. Auch der DSC war vor dieser Saison bei
Presse und Präsidium bereits aufgestiegen. Nun
stehen sie unten drin, haben Trainer Kreische
rausgeschmissen, den hochbezahlten Spielern die
Gehälter gekürzt, sind so gut wie pleite und
haben neben einem maroden Stadion auch einen
Zuschauerschnitt, der sich bei lockeren 900
einpendelt – eine Anzahl, über die sogar der
diesbezüglich leidgeprüfte Fortuna-Fan noch
lachen kann. Und auch wenn sie die letzten drei
Spiele hintereinander gewonnen habe (zumindest
gegen die beiden Fortunas aus Düsseldorf und Köln
in deren "Form" kurz vor der
Winterpause war das ja auch nicht besonders
schwer), mein Urteil: total verzockt –
Absteiger. c) Aue: Katastrophenstart im
Erzgebirge, am 1. Spieltag vor heimischem
Publikum von Wattenscheid nach allen Regeln der
Kunst 2:5 auseinandergenommen, am 2. Spieltag
1:2-Blamage bei den Bayer-Bubis. Aber im
Erzgebirge ist es immer so angenehm ruhig, von
denen hört und sieht man nix und trotzdem
spielen sie wieder munter im Mittelfeld mit.
Keine Abstiegsgefahr. Und mittlerweile unsere
Lieblings-Auswärtsfahrt aufgrund der
freundlichen Behandlung durch die heimischen
Fans. d) 1.FC Magdeburg: die Mannschaft, die
mich vor Saisonbeginn endgültig an der
Notwendigkeit, einen Solidaritätszuschlag
zahlen zu müssen, zweifeln ließ: wozu brauchen
die Ossis mein Geld, wenn die Fans des 1.FCM
innerhalb einer Woche eine Million Mark für
ihren Klub sammeln können? Da kommt mir das
"40 Jahre nur belogen und
betrogen"-Gejammer von einigen Herrschaften
im Fernsehen doch wie ein schlechter Witz vor!
Aber Spaß beiseite, eine tolle Leistung der
Fans, die die Mannschaft wohl dermaßen überraschte,
dass sie im Großteil dieser Saison nur Käse
spielte, und das bei der Besetzung, die manchen
Zweitligisten neidisch machen würde (Bodo
Schmidt, Golombek, Papic usw.)! Mittlerweile
haben sie sich etwas gefangen und ich glaube
eigentlich auch, dass sich die Routine gegen
Ende der Saison durchsetzen wird. Kein
Absteiger, nächste Saison zu beachten.
Westen: a) SC Verl/Bayer Leverkusen (A)/SC
Paderborn: siehe Werder (A), mit dem
Unterschied, dass nur Verl wieder den
vertraglich gesicherten Mittelfeldplatz
einnehmen wird. Die Bayer-Bubis werden noch Ärger
mit dem Klassenerhalt bekommen und Paderborn ist
für mich ein Absteiger. Da rettet auch Opa
Dotchev nix, mittlerweile in Ehren ergraut und
nach langer Verletzungspause wieder dabei. Am
19. Spieltag spielte bei Paderborn Ersatztorwart
Malte Schulze-Happe, weil Stammkeeper Kellermann
verletzt war. Was daran so Besonderes war? Nix,
außer, dass der gute Mann vor einiger Zeit noch
Stürmer bei der SpVgg Beckum war. Bei aller
Sympathie für "Exoten" – was wollen
die in der Regionalliga? b) Wattenscheid: das übliche.
Bongartz lässt die jungen Talente ran,
Wattenscheid spielt gut, fast unter Ausschluss
der Öffentlichkeit, lässt aber seine immer
noch (wieder mal) hervorragende Currywurst immer
noch (wieder mal) von schlagkräftigen
Polizei-Bataillonen schützen, so dass der
Erwerb dieses Fleischabfallprodukts schon mal
mit Haft- oder Geldstrafen, ersatzweise auch mit
Gehirnerschütterung oder tränenden Augen
bezahlt werden muss. Aber was tut man nicht
alles für gute Ernährung! c) KFC Uerdingen:
auch wieder ne prima Leistung. Aber, liebe
KFCler, die ihr uns in sämtlichen
Regionalliga-Foren regelmäßig mit euren
Gunstbezeugungen überschüttet: solange ihr
diesen Tecklenburg da oben habt, wird das nix
mit Liga 2. Im letzten Jahr standet ihr auch
nicht schlecht nach Hinrunde, worauf Herr
Tecklenburg sogleich in panischer Angst, ihr könntet
noch mehr Spiele gewinnen, euren besten Torjäger
(Teixeira) an die Eisernen nach Berlin auslieh.
Mal sehen, was er dieses Jahr im Gepäck hat,
dieser Fußballfachmann. Demnächst kriegt
wahrscheinlich Fiore ein Angebot, das er nicht
ablehnen kann, Rodriguez setzt sich auf die Tribüne
unter Weiterzahlung der Auflaufprämie und
Vriesde holt sich einen Bänderriss beim
Schneeschippen vor der Präsidenten-Villa. Und
ihr guckt mal wieder in die Röhre. Denn mit dem
Aufstieg wird’s erneut nix und ihr habt nächstes
Jahr wieder ein Auswärtsspiel in Düsseldorf,
bei dem ihr mit der U-Bahn anreisen könnt. Ist
doch auch was, oder nicht? d) Preußen Münster:
was war denn das, liebe Preußen? Wobei
mittlerweile die Frage ist, welche Saison ich
meine. War die letzte die große Ausnahme oder
ist es die jetzige? Ein Przondziono allein, der
nach Lübeck wechselte, kann es doch wohl nicht
gewesen sein, oder? Legt noch mal ne Schippe
drauf und erklärt dem Marek Lesniak, dass er
nicht nur im Rheinstadion gegen seine alten
Kumpels Tore schießen darf. Dann wird’s auch
was mit dem Klassenerhalt. Mal sehen, wie der
neue Trainer Neale Marmon (ex-SV 07 Elversberg)
einschlägt, der kurz vor Weihnachten für den
nach dem letzten Spieltag doch noch gefeuerten
Stephan Grädler verpflichtet wurde. e) RW
Essen: der typische RWE-Größenwahn, diesmal
scheint er Erfolg zu haben. Um 1 Minute am
sportlichen Abstieg vorbeigeschliddert (3:2
durch Wolf in Braunschweig am letzten Spieltag
in der 90. Minute), dann pleite und um
Haaresbreite dem finanziellen Abstieg entronnen,
dann sofort den halben Norden leergekauft (Bonan,
Wojcik, Fischer, Trainer Pleß) – und hol’s
der Kuckuck, plötzlich können sie Fußball
spielen. Und obwohl ich sie vorher nicht auf der
Rechnung hatte, RWE auch nicht sonderlich leiden
kann und sie am Ende der Saison auch noch einen
Punkt wegen Lizenzverstößen abgezogen
bekommen, sage ich: die steigen auf! Wenn nicht,
kann man bei dieser Besetzung auch nur sagen:
Selbst Schuld. Solche Peinlichkeiten wie das 0:5
in Chemnitz solltet ihr euch aber im neuen Jahr
tunlichst verkneifen. f) Fortuna Köln: habe ich
weiter oben schon als Lachnummer bezeichnet, ist
aber eigentlich ein Trauerspiel, vielmehr ein
gutes Beispiel, was heutzutage mit Vereinen
passiert, die jahrzentelang einem Mann gehörten
und der nun keine Lust und/oder kein Geld mehr
hat. Ich hoffe, man hat in Wattenscheid gut
aufgepasst. Macht's gut und viel Spaß beim
Lokalderby im nächsten Jahr gegen den SCB Preußen
Köln... Auch sensationell: kein Heimsieg in der
neuen Saison bis jetzt und beim letzten
Heimspiel gegen Dresden noch ganze 300
Zuschauer! Dagegen ist unsere Fortuna ja extrem
heimstark und kann sich vor dem Ansturm der Fans
kaum retten...
Und unsere Fortuna: na ja, das ist bei uns schon
alles endlos durchdiskutiert worden. Viel
schlimmer als im Sommer gegen den CFC konnte es
ja nicht beginnen. Da suchte ich mir noch ein Plätzchen
auf der Vortribüne (nicht, weil es da so voll,
sondern weil die Auswahl so groß war), da war
das Spiel auch schon verloren. Nach 90 Sekunden
hätte man eigentlich nach Hause gehen können.
So sollte eine Saison tunlichst nicht anfangen.
Die Chemnitzer Mähdrescher pflügten alles um,
unsere Spieler und der Schiri ließen alles mit
sich machen und so waren wir am Ende mit dem 0:4
noch gut bedient. Eine Woche später in
Wattenscheid schon ein wenig besser, aber wenn
ein Shittu vorne die Bälle schon von der
Torlinie schlägt anstatt sie über dieselbe zu
befördern, dann muss man ja verlieren. Die
Leistungen in den ersten beiden Saisonspielen
animierten Manni Breuckmann, das nächste Spiel
der Fortuna gegen Dresden in der Sendung
"Sport im Westen" (WDR) wie folgt
anzukündigen: "Holt die Antidepressiva
raus, Fortuna Düsseldorf spielt!" Wobei
wir natürlich wissen, dass das alte Schlitzohr
Manni (immerhin Fortuna-Fan) nur den ersten
Halbsatz ernst gemeint hatte. Und der bezog sich
auch nicht auf Fortuna, sondern auf die
Berichterstattung des WDR, der das Kunststück
fertig brachte, von diesem ebenso spannenden wie
skandalösen Spiel ganze zweieinhalb Minuten zu
zeigen und dabei locker einige Großchancen,
einen von zwei Dresdner Platzverweisen, eine
klare Tätlichkeit sowie eine Dresdner Blutgrätsche
der Marke "Versuchte Körperverletzung"
zu unterschlagen. Wiewohl sich der WDR die
gesamte Spielzeit über durch eine
Berichterstattung auszeichnet, die von keinerlei
Fachkompetenz getrübt ist. Aber mal ehrlich:
sind die Hanschs, Dahlmanns, Wontorras und
Fassbenders wirklich besser und neutraler –
nur weil sie 1. Liga oder die Nationalmannschaft
kommentieren? Wohl kaum. Und gegen die genannten
Herren sieht die blonde Stottermaus vom WDR doch
wenigstens noch ganz putzig aus...
Nach dem ersten Sieg von Fortuna kristallisierte
sich Erstaunliches heraus: die Mannschaft kann
ab und zu tatsächlich richtigen Fußball
spielen und auch ordentlich kämpfen. Und zwar
auswärts. Zuhause lief es teilweise so mies,
dass einige schon vom Fluch des Rheinstadions
sprachen. Sollte irgendjemand das wirklich ernst
meinen, empfehle ich eine Übersiedlung in südlichere
Gefilde, etwa in irgendein hochalpines
bayrisches Bergdorf, wo heutzutage ein
ordentlicher Exorzismus noch zu Großmütterchens
bewährtem Hausmittel gegen alles Mögliche zählt.
Zuhause läuft's einfach nicht, weil die
Mannschaft da das Spiel machen muss, was sie
nicht beherrscht, wobei man unterscheiden muss
zwischen solchen Spielen gegen Münster oder
Uerdingen, die man durch eigene Dummheit verlor,
und solchen Spielen gegen Kiel, als man
schlichtweg chancenlos war und der Schiri schon
nach 25 Minuten hätte abpfeifen können. Aber
vielleicht pusht der Flinger Broich, in dem die
Fortuna ab 16.03.02 spielen wird, ja tatsächlich
ein bisschen mehr als die alte Schüssel.
Auswärts gab's einige gute bis sehr gute Spiele
(1:1 in Essen, 1:1 in Osnabrück, 2:1 in
Braunschweig, 4:1 in Leverkusen, um nur die
besten zu nennen) und mir persönlich ist völlig
egal, wo die Punkte zum Klassenerhalt herkommen.
Auch wenn’s für jemanden wie mich, der meist
nur Heimspiele frequentiert, ja eher ärgerlich
ist. Aber man muss halt das Ganze sehen, und der
gemeine Fortuna-Fan war schon immer als außerordentlich
genügsam und leidensfähig bekannt und geschätzt.
Obwohl es nach den letzten beiden Spielen ja
eher düster aussieht, wobei ich mich nach dem
"live" erlebten Heimspiel gegen
Leverkusen frage, wie die Mannschaft in einer
solchen "Form" den Klassenerhalt
schaffen will.
Statistik:
|
Höchster
Auswärtssieg:
|
1.
Spieltag:
|
Fortuna-Chemnitzer
FC 0:4
|
|
|
14.
Spieltag:
|
Holstein
Kiel-Eintracht Braunschweig 0:4
|
|
Höchster
Heimsieg:
|
10.
Spieltag:
|
Chemnitzer
FC-Wattenscheid 5:0
|
|
|
12.
Spieltag:
|
Chemnitzer
FC-RW Essen 5:0
|
|
|
20.
Spieltag:
|
KFC
Uerdingen-SC Paderborn 5:0
|
|
Die
meisten Tore in einem Spiel:
|
11.
Spieltag:
|
Wattenscheid
09-Dresdener SC 5:4
|
|
(Stellt
euch mal vor, eure Mannschaft würde 4
Auswärtstore in einem Spiel erzielen –
und noch nicht mal einen Punkt mitnehmen;
also ich würde eine Sinnkrise
bekommen...)
Um den Spielplan bis zum 21. Spieltag
auszugleichen, fehlen noch 2 Begegnungen:
Wattenscheid-RW Essen (Nachholspiel 21.
Spieltag)
Münster-Magdeburg (Nachholspiel 19.
Spieltag)
Tore insgesamt: 522 in 187 Spielen (2,8
Tore pro Spiel)
Heimsiege/Unentschieden/Auswärtssiege:
90/39/58
Die aktuellen Torjäger:
|
|
11
Treffer
|
Dirk
de Wit (Braunschweig)
Markus Daun (Bayer 04 Leverkusen U21)
Hendryk Lau (Dresdener SC)
|
|
10
Treffer
|
Vesselin
Gerov (SC Paderborn)
Daniel Teixeira (Braunschweig)
|
|
9
Treffer
|
Sascha
Wolf (RW Essen)
|
|
Mein
Lieblingsspiel (nicht "live
erlebt", sondern insgesamt in dieser
Saison): 11.08.2001, 3. Spieltag, Werder (A)-VfB
Lübeck im Weserstadion (aufgrund des
"Zuschauerandrangs" von knapp
3.000 Besuchern): in den ersten 40 Minuten
spielt Werder den Aufstiegsfavoriten an
die Wand, führt 3:0. Nach 89 Minuten
steht es immerhin noch 3:2, auch eine
kleine Sensation in der noch jungen
Saison. Fünf Minuten später beendet der
Schiri die Partie, Werder hat 3:5 verloren
und weiß nunmehr auch, dass ein Spiel
eben nicht mehr 90 Minuten dauert, sondern
so lange, bis der Schiri abpfeift. Tolle
Sache.
Fortuna-Heimbilanz: 10 Spiele, 8 Punkte,
7:19 Tore, 2/2/6, Platz 16 in der
Heimtabelle
Fortuna-Auswärtsbilanz: 11 Spiele, 13
Punkte, 13:15 Tore, 3/4/4, Platz 6 in der
Auswärtstabelle (das lässt hoffen!)
Meine Sätze des Jahres:
(1) "Ich bin wegen
Umstrukturierungsmaßnahmen vom Dienst
freigestellt." (Der Präsident eines
Regionalliga-Clubs, nach seiner Kündigung
durch seinen Arbeitgeber Deutsche Post,
Eingeweihte schütteln wahrscheinlich
jetzt schon mit dem Kopf – geht’s noch
dümmer?)
(2) "Ich bin von einer Vertragsverlängerung
ausgegangen" (Peter Neururer, nach
seiner Kündigung durch LR Ahlen – ja,
es geht noch dümmer!)
(3) "Ich bin kein Christ und auch
kein Katholik" (Naddel, nach ihrer Kündigung
von Schlager-Opa Ralf Siegel)
|
So,
alle diejenigen, die tapfer bis hierher
durchgehalten haben, sollen jetzt auch belohnt
werden: nämlich mit dem Ende! Hab ja auch genug
"gequatscht". Bleibt noch zu sagen,
dass ich trotz der fußballerischen
Offenbarungseide der Fortuna in Dresden und beim
Heimspiel gegen Leverkusen weiterhin hoffe, dass
unsere "Rumpftruppe" den Klassenerhalt
schaffen wird. Ich hoffe, und damit möchte ich
schließen, dass wir nächstes Jahr gut aus den
Startlöchern kommen und vielleicht Anfang April
auf die Tabelle gucken, ungläubig über die
Vielzahl von Punkten staunen und zu dieser
Punktzahl dann den berühmten Satz der
Sozialhilfefamilie sagen können, die über
Nacht 6 Millionen im Lotto gewinnt: "Wir können
gar nicht glauben, dass das alles uns gehört.
Aber wir können uns verdammt schnell daran gewöhnen."
Auch wenn’s mir momentan wirklich schwer fällt,
daran zu glauben.
In
diesem Sinne,
bis
neulich, janus
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