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Zwei
Loser im Dönerland
Hätte
ich das geahnt, dass ich gestern die
untenstehende Meldung im Sportteil von t-online
finden würde, ich hätte mit dem letzten
Artikel niemals um Gunst und Zuneigung gebeten.
Aber seit Lorenz-Günter Köstner Trainer des
Karlsruher SC ist, warte ich auf eine ähnliche
Meldung zum Thema Werner Lorant, und nun ist sie
da. Grund genug für mich, noch mal einen
uralten Artikel vom Beginn des Jahres hier
einfließen zu lassen. Warum? Weil ich wie
Millionen anderer Heimtrainer mit meinen fußballerischen
Prognosen regelmäßig daneben liege. Leser des
FiFA-Boards mögen sich in diesem Zusammenhang
an meinen schändlichen WM-Check erinnern. Wen
ich da alles in der Vorrunde ausscheiden bzw.
weiterkommen ließ... – quasi umgekehrt zur
nachher eintreffenden Realität. Und da ich in
Bezug auf Köstner/Lorant jetzt ein einziges Mal
Recht gehabt habe (außer, dass beide in der 2.
Liga anheuern, das hätte ich wirklich nicht
gedacht), stelle ich zur Erinnerung diesen
Artikel (ebenfalls aus dem FiFA-Board) hier
nochmals ein. Mit dem großen Beamten-Ehrenwort,
mich zukünftig nicht mehr selbst zu beweihräuchern
sowie der Versicherung, für dieses Jahr in
diesem Forum wirklich „die Klappe zu
halten“. Aber seht selbst. Hier die gestrige
Meldung von t-online:
„Werner
Lorant als "Retter" nach Ahlen
Der
deutsche Fußball bekommt Werner Lorant wieder.
Nur 14 Monate nach seiner Entlassung beim TSV
1860 München wurde der 54-jährige Lorant am
Donnerstag als "Retter" zum
abstiegsbedrohten Zweitligisten LR Ahlen geholt.
Erst am 9. Dezember hatte er selbst das
Intermezzo beim türkischen Spitzenclub
Fenerbahce Istanbul beendet, wo er auf der
Abschussliste stand. In Ahlen tritt der Coach
die Nachfolge des am 25. November wegen
Erfolglosigkeit entlassenen Uwe Rapolder an. Der
ehemalige Erstliga-Profi Lorant soll nach
Angaben des Clubs einen Vertrag bis Saisonende
bekommen.
Klassenerhalt
als Ziel
"Der Klassenerhalt ist das Ziel",
sagte der Ahlener Club-Präsident Helmut Spikker,
der sich im spanischen Ferienort Marbella mit
Lorant traf und einig wurde. "Wir streben
eine langfristige Zusammenarbeit mit Herrn
Lorant mit dem Ziel 1. Liga an", meinte
Spikker. Auch Lorant erklärte den Verbleib im
"Unterhaus" zur kurzfristigen Priorität:
"Das Ziel heißt Nicht-Abstieg", sagte
Lorant. Ahlen ist mit 13 Punkten aus 17 Spielen
Tabellen-16. der 2. Liga.
Vertrag
wird bald unterzeichnet
Der langjährige "Löwen"-Trainer, der
im westfälischen Welver unweit von Ahlen
geboren wurde und dessen Vater aus Ahlen stammt,
will wie Spikker an diesem Freitag nach
Deutschland fliegen und dann die weiteren
Details klären. Dass Lorant nach eigenen
Angaben ohne Bezahlung arbeiten wird,
dementierte Spikker: "Das stimmt so natürlich
nicht." Ein schriftlicher Vertrag soll
offenbar kurzfristig geschlossen werden.
Innerhalb der kommenden zwei Wochen will der
Verein seinen neuen Coach den Spielern und der
Öffentlichkeit vorstellen. Einen genauen Termin
hierfür gibt es noch nicht.
Acht
Jahre bei 1860
Lorant bestritt in der Bundesliga für Borussia
Dortmund, Rot-Weiß Essen, den 1. FC Saarbrücken,
Eintracht Frankfurt und den FC Schalke 04 325
Begegnungen, in denen er 46 Tore erzielte. Als
Trainer war er vor seiner Zeit bei 1860 München
(1. Juli 1992 bis 18. Oktober 2001) in
Schweinfurt und Aschaffenburg tätig. Mit
Eintracht Frankfurt war er als Spieler im Jahr
1980 Uefa-Cup-Sieger.(dpa)“
Und
hier mein Artikel vom Beginn des Jahres. Viel
Spaß damit.
Und
jetzt endgültig: schöne Weihnachten und einen
guten Rutsch,
Carsten
03.01.2002
„Nach
Werner Lorant wird ein weiterer
Ex-Bundesligatrainer in Zukunft in der Türkei
arbeiten. Und zwar gemeinsam mit ‚Werner
Beinhart’.
Wie Sport1 erfuhr, nimmt Lorant seinen Freund
Lorenz-Günther Köstner als Assistent mit zu
seinem neuen Arbeitgeber Fenerbahce Istanbul.
’Ja. Ich habe mit Werner darüber
gesprochen’, rückte Köstner erst nach
mehrmaligen Nachfragen gegenüber Sport1 heraus.
Und verriet dann: ‚Die Türkei würde mich
reizen. Noch dazu als Partner an der Seite von
einem Freund, wie es Werner ist!’“
Auweia!
hab ich da nur gedacht. Da haben sich ja die
zwei richtigen gefunden. Der Theoretiker Köstner
und der Schleifer Lorant. Beide sollen jetzt den
türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul
wieder nach ganz vorn bringen. Zur Zeit steht
Fenerbahce auf Platz 3 der Tabelle mit zwei
Punkten Rückstand (34) auf das Führungsduo
Besiktas und Galatasaray (jeweils 36). Wobei
Galatasaray noch ein Nachholspiel auszutragen
hat, Werner Lorant also im schlimmsten Fall von
fünf Punkten Rückstand auszugehen hat.
Das
ist kein Rückstand, vor dem man kapitulieren
muss. Wenn’s so wäre, bräuchte unsere
Fortuna schließlich Ende Februar auch nicht
mehr anzutreten. Also machbar für Fenerbahce.
Und dieses Erfolgs-Duo ist ja auch bestens
geeignet. Was haben die nicht alles erreicht in
den letzten Jahren!
Lorant
war seit 01.07.1992 Trainer bei 1860 München.
Damals noch in der Bayernliga (3. Liga). Dann
stieg die Mannschaft in die 2. Liga auf. Schöner
Erfolg. In einer der schlechtesten 2.
Liga-Saisons aller Zeiten wurde 93/94 auch
direkt der Durchmarsch in die 1. Liga perfekt
gemacht. Obwohl die Mannschaft damals zu Beginn
der Rückrunde sechs Spiele in Folge verlor, war
der Aufstieg nicht zu vermeiden. So eine Liga
war das. Aber ein toller Erfolg, dieser
Durchmarsch... Und dann? Hm, tja, also seitdem
spielen sie in der 1. Liga. Weitestgehend
unbeachtet und (für Münchner Verhältnisse)
auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Nicht mehr als eine „graue Maus“. Das
einzige, was seitdem raussprang, waren eine
verdaddelte CL-Teilnahme und zwei
UEFA-Cup-Teilnahmen, bei denen so glorreiche
Mannschaften wie der FC Jazz Pori, Spartak
Drnovice und Halmstad BK gnadenlos aus dem Weg
geräumt wurden, jedoch sofort Feierabend war,
wenn eine etwas unbekanntere Mannschaft den Weg
der „Löwen“ kreuzte (Rapid Wien, AC Parma).
Alle Achtung. Im Herbst
letzten Jahres wurde Lorant bei den „Löwen“
entlassen, weil sie mal wieder einen rekordverdächtigen
Fehlstart hingelegt hatten und in der Tabelle
ziemlich weit unten standen. Seitdem sitzt
Lorant in seiner Finca auf Marbella und hat
wahrscheinlich den Besitzern der Fresslokale in
der City ausrichten lassen, man möge ihm nicht
mehr mit der kostenlosen Lieferung von gewissen
Grillhähnchen kommen.
Köstner
hingegen war am 12. September 2001 beim
Zweitligisten und Münchner Vorstadt-Klub SpVgg
Unterhaching beurlaubt worden, den er zuvor von
1994 bis 1997 und wieder ab 1998 betreut und
u.a. in die Zweite und Erste Liga geführt
hatte. Also identisch mit den Erfolgen Lorants,
nur über einen längeren Zeitraum. Der Kenner
weiß natürlich, dass es ihm in der oben erwähnten
Pause 97/98 gelang, auch den 1. FC K***
erfolgreich in die 2. Liga zu führen. Zwar von
der 1. Liga aus, aber immerhin. Köstner, der im
Laufe der letzten Saison gerne schon mal seine
Spieler als „zu schlecht“ für den
Klassenerhalt bezeichnete und rumjammerte, er
wisse wirklich nicht, ob er seinen Vertrag verlängern
solle, weil der damalige Präsident und
Hauptsponsor „nicht nett“ zu ihm sei, wurde
eigentlich nur mit einem einzigen Spiel bekannt,
dem 2:0 am letzten Spieltag der Saison 99/00
gegen Leverkusen, mit dem man dem Gegner in
letzter Sekunde die Meisterschaft verdarb. Im
Herbst letzten Jahres wurde auch er gefeuert, da
seine SpVgg auch in der 2. Liga an dem Ort
stand, an den sich die Spieler in den zwei
Jahren in der 1. Liga anscheinend so schön gewöhnt
hatten: am Tabellenende. „Lorenz-Günther Köstner
übt keine Standardsituationen, er ist eine!“
konnte man hören. Wenn er den Mannschaftsbus
verpasste, riefen alle: „Wir haben den Faden
verloren!“ Ukrainische Gurus sollen übrigens
bei Köstner schon wegen einer Seelenwanderung
nach dem Hinscheiden Valeri Lobanowskis
angefragt haben, damit dieser große Geist in
einem repräsentativen Körper weiter wirken könne.
Natürlich
alles leicht übertrieben, gefeuert wurde er
trotzdem. Seitdem sitzt Köstner in seiner Finca
auf Marbella und hat wahrscheinlich den
Besitzern der Fresslokale in der City ausrichten
lassen, man möge ihm nicht mehr mit kostenlosen
Ständchen durch gewisse
Blaskapellen vor seinem Haus kommen.
Und
da liegt die große Gemeinsamkeit dieser beiden
Spitzentrainer: beide wohnen an ihrem Zweit-
(oder Dritt-?)wohnsitz tatsächlich nur knapp 50
Meter voneinander entfernt, haben regelmäßig
Kontakt und, so entnehme ich der Presse, auch
gemeinsam mit ihren Ehefrauen das Weihnachtsfest
miteinander verbracht.
Anders
kann ich mir die Verquickung dieses Traumduos
auch nicht erklären, als dass sie zu
vorweihnachtlicher Stunde beide gemeinschaftlich
in einen 10-l-Bottich Sangria gefallen sind.
Eine echte Schnapsidee halt.
Der
Fußball in der Türkei bewegt sich auf einem
etwas anderen Level als hier. Die Fans und auch
die Zeitungen dort sind wesentlich fanatischer,
ungeduldiger und mit Bezeichnungen wie „Verräter!“
oder „Hängt ihn auf!“ wesentlich schneller
bei der Hand. Gerne wird dort den Forderungen
der Fans nach mehr Spielkultur ihres Vereins
durch eine kleine Massenschlägerei beim
Training oder den Flug eines verirrten
Molotow-Cocktails auf die Veranda des
Trainer-Domizils Nachdruck verliehen. Und auch
wenn man dort manchmal die Spieler des
jeweiligen Vereins kritisiert, sind diese doch
zumeist die absoluten Götter der Fans und alles
bleibt beim Trainer hängen. „Werner Lorant
soll den faulen Stars wieder Beine machen!“
wurde in der türkischen Presse gerne
geschrieben, als die Verpflichtung bekannt
wurde. Endlich wieder deutsche Tugenden in alle
Welt hinaustragen! Was die Bundeswehr in
Afghanistan ist, soll der Werner jetzt in
Istanbul sein. Fragt sich nur, wie lange. Ich
stelle mir gerne vor, wie es ist, wenn Lorant
und Köstner einen der überbezahlten
Fenerbahce-Stars mal, sagen wir, in die
Reservemannschaft abschiebt. Auf Nachfrage wird
der Köstner ihm gerne unter Beifügung der
entsprechenden Ausbildungsunterlagen der
Sporthochschule nachweisen, warum er jetzt grad
nicht in die erste Mannschaft passt, er aber ein
ganz wichtiger Spieler für die Zwote sein kann.
Diese Erklärung wird Köstner mit so vielen
Fremdwörtern inklusive bayerischem Dialekt
spicken, dass der Spieler natürlich kein Wort
verstehen wird. Dieser wird daraufhin zu Lorant
gehen und ihn fragen, warum er nur in der 2.
Mannschaft spielt. Der wird ihm auf seine
bekannt fürsorgliche Art antworten: „Weil wir
keine Dritte haben.“ Die Medien, die Fans, sie
werden toben. Ob allerdings vor Begeisterung,
wage ich zu bezweifeln.
Neenee,
dieses Traumduo wäre mal lieber zuhause
geblieben. Nach einer gewissen Zeit wären beide
eh wieder zu ihren alten Arbeitgebern zurückgekehrt,
die gehören da schließlich schon zum Inventar.
Und die Herren Wildmoser und Kupka bleiben ja
auch nicht ewig im Amt. Aber Lorant und Köstner
in die Türkei – das klingt nach Bayerns Rache
für 5 Millionen Gastarbeiter. Und dann ist ja
auch noch der Daum da, der auch noch nie was
gewonnen hat, er trainiert jetzt Besiktas, den
Klub, der ihm wahrscheinlich bei seiner Rückkehr
nicht grad einen roten Teppich, aber vielleicht
ne weiße Straße ausgelegt hat, nur um endlich
mal wieder Meister zu werden.
Unglaublich,
wer alles die deutsche Nation in der Türkei
repräsentiert: neben ca. 10.000 dauerbreiten
Club-Urlaubern im Jahr nun auch ein Kokser, ein
Brüllaffe und ein analytisch-technischer
Assistent, der so richtig Herz und Feuer des Fußballspiels
verkörpert! Da kann man nur sagen: gut, dass
die auch in der NATO sind, sonst hätten wird
bald einen Rachefeldzug zu fürchten. Die türkischen
Fans zumindest haben jetzt schon die Nase voll.
Eine Organisation, in der die größten
Fan-Clubs des Vereins Fenerbahce
zusammengeschlossen sind, bezeichnete Lorant
schon vor dem ersten Training als Fehleinkauf.
Weil der die geliebten Stars wahrscheinlich zu
Tode hetzen und ihren verwöhnten Lieblingen den
Spaß am Fußball nehmen würde. Tja, da soll
der Sprecher dieser Gruppierung mal schön
aufpassen, dass er dem Werner nicht in einer
dunklen Nacht am Bosporus über den Weg läuft...sonst
lernt er mal deutsche Gründlichkeit kennen.
Mein
Fazit: in der Türkei bist du als Trainer von
vorne herein völlig chancenlos. Selbst drei
Meistertitel in Folge retten dich nicht, wenn du
nächste Woche irgendein unwichtiges Lokalderby
verlierst. Dort bekommt die Redewendung
„Gehalt als Schmerzensgeld“ eine ganz neue,
nämlich reale Bedeutung. Okay: Irgend jemand
muss es ja tun. Aber ausgerechnet solche
Granaten wie Scherbenläufer Daum, „Das kann
ja wohl nicht mein Ernst sein“-Lorant und der
farblose Köstner...also da merkt man, dass die
Türkei anscheinend fußballerisch noch immer
ein Entwicklungsland ist.
Wobei
Köstner ja noch Glück hat. Nach letzten
Meldungen wird sein Vertrag bei Unterhaching nämlich
nicht wie der von Lorant bei 1860 vorzeitig
aufgelöst. Das bedeutet (im Moment jedenfalls),
dass Köstner erst zu Beginn der neuen Saison
nach Istanbul wechseln könnte. Und bis dahin könnte
der Lorant schon gar nicht mehr da sein. Dann
kann der Köstner wiederum das machen, was er am
besten kann: ein Team in die 2. Liga führen.
Egal von welcher Seite.
Und
am Ende dieses Jahres, wenn sich die
diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland
und der Türkei nach dem Abgang der beiden
wieder normalisiert haben, sitzen sie dann
wieder einträchtig auf Marbella unterm
Weihnachtsbaum und überlegen sich, welchen
Verein sie als nächsten foltern können. Ich
hoffe, sie kommen auf den FC Bayern München...
Willkommen
zurück! Sagt schon jetzt: janus
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