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Bayern Wolfsburg und ein Berti - Die Woche

   

In der letzten Woche war ja endlich mal wieder einiges los in Sachen Fußball. Daher hier der kurze Rückblick.

Dienstag & Mittwoch: DFB-Pokal. Und ja, jetzt auch mal ein Riesen-Dankeschön an das ZDF! Da hat man doch instinktsicher wieder das richtige Live-Spiel ausgesucht. Danke für die 90-Minuten-Folter Bayern-Wolfsburg. Da kam so richtig Stimmung auf! 4.000 Zuschauer im Olympiastadion. Das war doch Fußball „zum Anfassen“. Da konnte man über Außenmikro endlich mal hören, wie ein Herr Effenberg sich lautstark beim Linienrichter beschwert, nachdem er grad selbst gefoult hatte. Oder was Herr Jancker zu der derselben Person zu sagen hatte, als dieser Abseits gewunken hatte: „Was ist das? Was ist das? Was ist das?“ wenn ich richtig mitgezählt habe. Und der böse Linienrichter hat ihm auf diese Frage noch nicht mal ein Regelbuch in die Hand gedrückt, um ihm mal zu demonstrieren, dass auch ein deutscher Kleiderschrank immer noch dazulernen kann. Mein Gott, wir haben früher auf dem Platz auch rumgeschrieen, aber wir waren jung und wollten das Geld. Grad bei Jancker sagt die Ehefrau ja zu jedem Boulevard-Blättchen, was für ein lieber Kerl er zu Hause doch sei. Jedenfalls solange er mit seinen Kindern nicht im Garten Fußball spielt...

Diese erbarmungswürdigen Zitate aus dem weitreichenden Wortschatz eines Fußballprofis sind mir auch nur aufgefallen, weil es sonst so gut wie gar nix gab, was einen hätte vom Hocker reißen können. Man konnte bequem ein gutes Buch lesen, hin und wieder mal zum Fernseher schauen und bekam die vier Szenen, aus denen das Spiel bestand, locker mit: das hochverdiente 1:0 für die Wolfsburger, dann die eben schon erwähnte „deutsche Gründlichkeit“, diesmal von Tarnat, bei dessen Schuss Reitmaier wohl Angst hatte, mit ins Tor zu fliegen und schließlich das Stolper-Tor von Elber, das natürlich von gutem Einsatz des Stürmers zeugt, aber meiner Meinung nach aufgrund des Anblicks eine sofortige Alkoholkontrolle zur Folge hätte haben müssen – so, wie Elber, Karhan und selbst der Ball im Strafraum rumtorkelten, lies es den Verdacht aufkommen, der Verein habe vor dem Spiel die Restbestände des gut durchgezogenen Weihnachtsglühweins freigegeben, damit die hochbezahlten Profis überhaupt den Anblick von 4.000 Zuschauern ertragen konnten.

In der 2. Halbzeit passierte dann gar nix mehr, abgesehen davon, dass sich, nach langer Schmollzeit, ein alter Bekannter vorsichtig wieder zurückmeldete und mit seinem Kurzaufritt signalisierte, dass auch in Zukunft wieder mit ihm gerechnet werden kann: der Bayern-Dusel ist pünktlich zum neuen Jahr wieder da, verhinderte beim einzigen Torschuss in der 2. Hälfte den Wolfsburger Ausgleich (Latte) und mischte die Karten im Rennen um die Meisterschaft gänzlich neu. Was sind 5 Punkte Rückstand auf Leverkusen, wenn dieser wichtige Leistungsträger nach zweimonatigem Ausfall langsam wieder zu alter Stärke zurückfindet? Man darf gespannt sein.

Etwas unter Form auch Reporter Delling, dem man deutlich anhörte, dass ihm bei so einer Livereportage sein Fußballlebenspartner Günther „der Ewige Scheitel“ Netzer fehlte. Außerdem war Herr Delling wahrscheinlich auch schon vor Beginn des Spiels ob der Zuschauerkulisse so frustriert, dass er sehnlichst dessen Ende herbeisehnte. „Etwas Vorentscheidendes hat sich bislang nicht ereignet!“ fasste er daher kurz und bündig zusammen – und zwar nach exakt fünf gespielten Minuten. Mein Fazit: Erbärmliche Veranstaltung.

Aber wie hätte das ZDF das auch ahnen sollen? Immerhin kamen, wenn die Bayern in letzter Zeit mal wieder in der CL gegen Real Madrid spielten, unter der Woche ja locker 30.000 Zuschauer ins Olympiastadion. Gegen Real Madrid wohlgemerkt. Dass die Bayern das Problem haben, über sehr großes auswärtiges Fanpotential zu verfügen, das eben an einem Wochentag nicht ins Stadion strömt, schon gar nicht gegen so eine Granatentruppe wie Wolfsburg, dürfte doch auch dem ZDF seit ca. 30 Jahren bekannt sein. Aber bei denen dauerts halt immer etwas länger. Daher: Danke, ZDF, für diese Liveübertragung eines Spiels mit Regionalliga-Niveau und ebensolchem Zuschauerbesuch. Weise gewählt.

Denn was wäre das andere Halbfinale für ein Langweiler gewesen! Hannover gegen Leverkusen, bäh, Hannover, 2. Liga! Spitzenreiter gegen Spitzenreiter vor 48.000 Zuschauern! Das ist ja doof, das interessiert wirklich gar keinen. Obwohl: da darf man dem ZDF keinen Vorwurf machen: denn als die Partien ausgelost und die Termine gleich verlegt wurden – da war Hannover noch Zweiter in der 2. Liga und ungeschlagen. Und da konnten die Sportkoryphäen des Zweiten nun wirklich nicht ahnen, dass die „Roten“ zu einem echten Höhenflug ansetzen und, weiter ungeschlagen, den Olymp der Niederungen des Fußballs würden erklimmen können! Ist also verzeihlich. Denn das ZDF folgte eben nur seiner Beamtenmentalität: was einmal gut war, kann nicht auf einmal schlecht sein. Also nach Paderborn-Bayern live und Osnabrück-Bayern live, jetzt Bayern-Wolfsburg live. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich nicht. Denn das ist halt ZDF: auf einem Auge blind (aber mit dem Zweiten sieht man ja auch besser) und immer mit Volldampf zurück in alte Zeiten.

A propos: der letzte Satz passte ja auch eigentlich auf einen Mann, von dem wir glaubten, ihn erfolgreich als Maskottchen an irgendeinen Ölscheich losgeworden zu sein. Aber man trifft sich immer zweimal im Leben: ebenfalls Dienstag & Mittwoch erschütterte einer meiner besonderen Fußball-Lieblinge mein Zwerchfell: Berti Vogts soll Trainer von Schottland werden! Für mich ein Grund, in diesem wunderbaren Land sofort die Prohibition einzuführen. Denn ich kann mir nur einen schönen Abend im Pub mit erhöhtem Alkoholgenuss der schottischen Fußballfunktionäre als Grund für diese (kicher!) Schnapsidee vorstellen. Da haben die Schotten wohl was falsch verstanden – klar gilt der Berti als sparsam, allerdings nicht in puncto wirtschaftlicher Haushaltsführung sondern was das fußballerische Niveau der Mannschaften betraf, die er trainieren durfte. Aber bis es soweit ist, muss der Fan noch bangen, denn die Lage in Kuwait spitzte sich dramatisch zu. Oder wie darf man die Meldungen der letzten Tage interpretieren? Am Dienstag gibt der Scheich, der durch Einlösen der Pfandflaschen hinter seinem Haus den kuwaitischen Fußballverband kaufte (oder wie heißt der da? Etwa auch Präsident?), bekannt, dass der Vertrag mit Berti auf dessen ausdrücklichen Wunsch aufgelöst werde, damit er Nationaltrainer in Schottland werden könne. Am Mittwoch dementierte Berti das mit den Worten: „Das ist alles eine Ente!“ Wie „alles“, also mehrere Sachen, eine einzige Ente ergeben kann, ließ er offen. Und am gestrigen Donnerstag lese ich folgende kleine Notiz in der Zeitung: „Berlin – Abmarsch Richtung Golf: Die Bundeswehr hat damit begonnen, 250 Soldaten eines ABC-Abwehrbataillons aus Höxter auf die arabische Halbinsel zu verlegen...Verteidigungsminister Scharping: ‚Die Übung findet im Rahmen des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus statt.’ Die Bundeswehr und ihre Spürpanzer ‚Fuchs’ sollen bis Anfang März wieder zurück sein.“ Tja, da hatte der Scheich bei seiner Verkündung wohl das Wichtigste vergessen: die Abfindung für den Berti gleich mit bekanntzugeben. Und da versteht unser Berti keinen Spaß, das ist Terror gegen einen verdienten Trainer, der immerhin ein historisches 0:0 im GolfCup gegen Bahrein geholt hat! Schließlich hat der Wadenbeißer ja auch in Leverkusen noch 1,5 Mio.Abfindung kassiert für seinen Versuch, eine meisterschaftstaugliche Mannschaft in den UI-Cup zu trainieren. Und als erzkonservativer Spießer weiß er natürlich auch, wie man deutschen Ansprüchen im Ausland Nachdruck verleiht. Für die Bundeswehr ist das auch nicht schlecht, schließlich muss man nach Wegfallen des Feindbildes ständig neue Betätigungsfelder suchen. Und überrascht war auch keiner. Als die ersten 200 Soldaten des Vorauskommandos für Afghanistan in Trabzon/Türkei zwischenlandeten, hielt man sie dort auch erst für die Bewährungshelfer von Christoph Daum. Also warum jetzt nicht mal für den Bundesverdienstkreuz-Berti die Kohle eintreiben? Ich glaubs langsam wirklich. Würde auch die Spürpanzer erklären. Diesen abgebrochenen Meter aus Korschenbroich in der Wüste wiederzufinden bzw. aufzuspüren, war bestimmt nicht leicht...

Jetzt darf er also wohl bald bei der schottischen Nationalmannschaft dilettieren, äh debütieren. Und da möchte ich dem Berti doch noch einen Spruch mit auf den Weg geben, den er beachten sollte, will er im fremden Land nicht sofort anecken: „Ich habe schon vor zwei Jahren deutliche Worte gefunden. Jetzt liegt die Wirklichkeit schon vor uns! 40 Prozent mehr als im Vorjahr..., vor allem in zentralen Positionen. Die schießen schon die Standards, so weit sind wir schon. Es ist sehr, sehr brutal, was da auf uns einschlägt.“ Dieses Zitat stammt aus dem Jahr 1996. Es ist vom Ex-Bundestrainer Berti Vogts, als er zur Ausländer-Problematik in der Bundesliga befragt wurde. Da kann man mal sehen, wie schnell das Blatt sich wendet. Denn eine zentralere Position, um den schottischen Fußball zu schädigen, als die des Nationaltrainers, kann sich Herr Vogts als Ausländer dort ja wohl nicht aussuchen. Bertis Rache – irgendwann trifft sie anscheinend jeden. Uns auch, da ja seit heute feststeht, dass die deutsche Nationalmannschaft in zwei EM-Quali-Spielen gegen die neuen Berti-Boys auflaufen darf. Nach alter Berti-Spielkunst-Tradition tippe ich auf ein 0:0 in Hin- und Rückspiel.

Nur bei einer Sache wird der Berti bei den Schotten sympathietechnisch so richtig abräumen: als bekennender Fan von Alt-Bimbes-/Bundeskanzler Kohl wird der saumagen-gestählte Fußballvernichter kein Problem mit dem schottischen Nationalgericht Haggis haben.

Echte Nehmerqualitäten hatte der Berti schon immer. Und die nächste Abfindung steht bestimmt auch schon im Vertrag. Just do it -  Bördi!

Übrigens: am Rande noch etwas Interessantes zum Thema Ausländer: wenn ihr mal sehen wollt, wie offen und unbefangen der amtierende DFB-Präsident mit diesem Thema umgeht, versucht mal diesen Link: http://www.aktive-fans.de/, folgt dem Link „Presserklärung zur Ausstellung vom 08.01.02/10.01.02“ und scrollt auf der dann erscheinenden Page bis zum Beginn des Artikels „Tatzeugen Vorbilder“. Es lohnt sich, es wird einem schon nach nur einmaligem Lesen schlecht. Wobei mich, genau wie die Organisatoren von B.A.F.F. (Bündnis aktiver Fußballfans), wirklich interessieren würde, aus welchem Zusammenhang diese Zitate gerissen sein sollen. Oder ist das diplomatische Hinweis aus der DFB-Zentrale, dass ihr Chef Mayer-Amselfelder eh seit Jahrzehnten lattenstramm ist, man seine Äußerungen also bloß nicht mehr ernst nehmen soll? Traurig, traurig.

 

Es wünscht ein schönes (Fußball-)Wochenende: janus

 

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