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Die Woche - Rückblick und Voschau

 

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns, sowohl provinziell als auch global. Da war zunächst das Abschiedsspiel gegen RWE. Sehr gelungen, sag ich da nur. Kinders, was hatten wir für einen Spaß! Da fiel Organisationstalent D. Bierbaum, der gerade aktiven Künstlern hemmungslos ins (Vollplayback-)Lied quatschte und aus unerfindlichen Gründen die Zuschauerzahl unter den Regionalligarekord von 21500 korrigierte (darüber lachten nicht nur erfahrene Journalisten, sondern bestimmt auch das Finanzamt), ebenso wenig auf wie ein paar abgefackelte Sitzschalen im Essener Block oder ein kleines Scharmützel am Freiligrathplatz. So ist halt Fußball! Ich war dermaßen überwältigt von diesem Großereignis, dass ich eigentlich nur noch Lob verteilen kann: Tim Kamp für die tolle taktische Einstellung der Mannschaft, die er unmittelbar vor Spielbeginn ausgiebigst am Spielfeldrand mit Motivator Nemesis besprach, den Fortuna-Fans für die prima Bengalen-Show, ja auch den Essenern für ihr Transparent „Wir sind die Abrisskolonne“ – da haben wir in den letzten Jahren schon ganz andere Dinge zu lesen bekommen und nicht zuletzt Goran Vucic für den ergreifendsten Sträfling aller Zeiten. Wie der nach seinem Platzverweis hinter dem Zaun stand und kläglich das Treiben seiner Mannschaft verfolgte, innerlich wahrscheinlich darum betend, dass dieser Feldverweis nicht noch zu einer Niederlage führen möge – das alles war großes Kino. Ein schöner Tag, der auch nicht mehr durch das organisatorische Talent mir unbekannter Leute zu toppen war, die dafür sorgten, dass es bereits unmittelbar nach Abpfiff des Spiels keinerlei antialkoholische Getränke mehr im VIP-Raum gab. Taktisch gut ausgeklügelt, denn wer wollte bei dieser Tabellensituation der Fortuna nüchtern bleiben, auch wenn es ein gutes Spiel war? Und überhaupt: zum ersten (und wahrscheinlich letzten) Mal im VIP-Raum, und dann auch noch Rummosern! Das ist nicht fair, weswegen ich jetzt auch darauf verzichte und mich an den Gedanken gewöhne, in Zukunft wieder auf der Tribüne zu sitzen. Da bin ich jedenfalls vor Paul Jägers Zigarren-Intoxikation sicher. Wenn mir je ein Rauchwerk Lunge und Augen verätzt hat, dann am letzten Sonntag dieses Monica-Lewinsky-Gedächtnis-Rohr. Aber ich habs ja überlebt.

Ebenso überlebt hab ich das grausame DFB-Pokal-Spiel am Dienstag. Leverkusen gegen Köln, Tabellenerster gegen Tabellenletzten. Aber da die normale Gesetzgebung ja im DFB-Pokal aufgehoben ist, wollte sich Bayer wohl an dieses jahrhundertealte Credo halten und spielte mal so richtig schön Scheiße, während sich die Kölner sagten: Guck an, kein Meisterschaftsspiel! Da können wir keine Rekorde für die Ewigkeit aufstellen, also laufen wir mal ein bisschen. Und ich muss sagen, bis zur 91. Minute taten sie mir auch ein bisschen Leid. Bis Song mit tatkräftiger Unterstützung von Bayers Torwart Butt den Ausgleich erzielte. Der Mann entpuppt sich für mich immer mehr als ein Fliegenfänger. Bei dem habe ich immer den Eindruck, der ist zu faul, mal eine Parade zu zeigen, ein bisschen zu fliegen. Der hat schon in der letzten Saison beim HSV einige Bälle durch bloßes Hinterherstarren reingeguckt. Am Dienstag taucht der gegnerische Spieler in seinem 5-m-Raum auf und was macht der Butt? Wedelt ein bisschen mit seinen Ärmchen und guckt dem Ball hinterher. Also dagegen hätte sogar der Dieter Burdenski letzte Woche besser ausgesehen.

Leverkusen gewann 3:1 nach Verlängerung und fährt zum Finale nach Berlin, was der Kölner Anhang mit höhnischen Gesängen: „Ihr werdet nie Deutscher Meister!“ kommentierte. Woran man sehen kann, dass der gemeine Kölner langsam wirklich in die Demenz abgleitet. Liebe kölsche Klüngler: Das war ein [B]DFB-Pokal-Spiel[/B]! Wen interessiert das da, dass Bayer nie Deutscher Meister wird? Aber vielleicht seid ihr von eurer Spendenaffäre doch etwas mitgenommen? Seitdem diese Woche bekannt geworden ist, dass die Firma Trienekens die neue Müllverbrennungsanlage in Köln-Niehl auf der Grundlage von Schwarz-, Schmier- und was-weiß-ich-noch-für-Geld bauen ließ, und genaueste Untersuchungen angekündigt bzw. bereits durchgeführt worden sind, sinkt natürlich die Chance, den Kölner Schuldenberg in der nächsten 2.Liga-Saison durch kostensparendes Endlagern abgebrannter Elemente, nämlich einiger Spieler, auf eben dieser Müllhalde zu senken. Ja, da greift die große Politik wieder mal in den Sport ein! Oder habt ihr auch bei Trienekens mitgemischt, etwa durch unauffälliges Unterschieben von Sponsor-Eintrittskarten im Tausenderpack? Manch ehrlicher Müllwerker wird sich dann aber im Stadion ob der Darbietungen eurer Truppe nach seinen geliebten gelben, blauen und roten Tonnen zurückgesehnt haben, denn da weiß man wenigstens, dass auch „Müll“ draufsteht, wenn Müll drin ist. Fazit: Köln ist raus aus dem Pokal und wenn in Berlin 30000 Schalker auch noch völlig bewusstlos „Ihr werdet nie Deutscher Meister“ brüllen, dann gewinnt Bayer auch das Finale!

Großen Fußball gab es am Mittwoch. Zunächst das eher unbedeutende Spiel zweier Regionalliga-Absteiger, deren Vereinsname diesbezüglich wie Hohn wirkt, ebenfalls in Köln. Da gewinnt die dort heimische Fortuna in dieser Saison zwar bisher kein einziges Heimspiel, aber man muss ja nur warten, bis die aus Düsseldorf hinkommt, dann klappt es schon. Stellt euch mal vor, wir wären am ersten Spieltag dort aufgelaufen, dann hätten die Kölner nach dem Spiel vielleicht auf einem Aufstiegsplatz gestanden! Das hätte einen mächtigen Schub für den Rest der Saison gegeben! Aber nein, in puncto Nachbarschaftshilfe kennen wir kein Pardon, deshalb kamen wir erst ins Südstadion, als die Kölner schon weg vom Fenster waren. Das wiederum wollten die sich nicht bieten lassen und ersannen eine völlig neue Veranstaltung: die Betäubung der gegnerischen Mannschaft und deren Fans mittels grauenvoller Live-Musik vor dem Spiel und in der Halbzeit sowie die Darbietung eines absoluten Novums in der Geschichte des Fußballs: die Erfindung des Spiels 14 gegen 11! Also, ich bin niemand, der leichtfertig Schiedsrichter kritisiert, aber was das komplette Gespann sich am Mittwoch Abend zusammenpfiff und -winkte, trieb sogar den Kölner Fans neben uns auf der Tribüne die Lachtränen in die Augen. Was die Leistung der Mannschaft, die nach dem Elfmeter-Witz, Verzeihung –Pfiff für Köln völlig auseinanderbrach, in keinster Weise entschuldigen soll. Gegen solche Gurkentruppen muss man auch gewinnen, wenn 14 Mann von denen auf dem Platz stehen.

Wenigstens wir Fans gaben alles. Unsere Fortuna hatte ein Heimspiel (3200 Zuschauer, ca. 2000 aus Düsseldorf), das hätte uns ob der Heimleistungen unserer Truppe in dieser Saison von Anfang an zu denken geben sollen. Verzweifelt versuchten die Fans, die Mannschaft zu unterstützen, alle Register wurden gezogen. Da wurde der ca. 8jährige Balljunge vor der Tribüne übelst angepöbelt, weil er das Spiel verzögerte (jaja, war wahrscheinlich nur Spaß, so ein Wicht kennt sich beim Thema Ironie ja wahrscheinlich schon gut aus) und ein Kölner Spieler, der schwer verletzt mit der Trage vom Platz transportiert werden musste, wurde mit den aufmunternden Rufen „Verreck, verreck, Kölner Dreck“ verabschiedet. Was bleibt: ein ultramieses Spiel, das mich hinterher vor lauter Verzweiflung zum Lachen brachte, Fans, die sich wahrscheinlich immer noch wundern, warum sie zu den unbeliebtesten der Liga gehören, mir die Erkenntnis, dass ich wohl doch ein Weichei sein muss, wenn ich so einen Quatsch überhaupt erwähne (gehört halt dazu) und die unbestreitbare Tatsache, dass die schlechteste Mannschaft der Liga über 25 % ihrer derzeitigen Punktausbeute gegen Fortuna Düsseldorf geholt hat. Über sich selbst zu lachen ist ja manchmal ganz gesund – aber muss es denn gleich die Lachnummer des ganzen Rheinlandes sein? Come and join Fortuna Düsseldorf – extreme blaming in highest quality! Könnte schon mal ein Werbespruch für die “Big Brother”-Idioten sein, wenn die tatsächlich irgendwann am Flinger Broich auflaufen.

Die Darbietung der Mannschaft, das sei am Rande angemerkt, weckte in mir übrigens den Verdacht, die Regionalliga-Truppe von Fortuna sei in den Statistik-Skandal der Bundesanstalt für Arbeit verwickelt. Da sind wohl auch einige Spieler als „erfolgreich vermittelt“ verbucht worden, die alles tun, nur nicht arbeiten.

Weiter gings am Mittwoch mit der 2. Halbzeit des Pokalspiels Schalke-Bayern, die nicht weiter erwähnenswert ist, außer dem „wirtschaftlichen“ Einsatz von Sammy Kuffour in der Nachspielzeit: zwei Roten Karten in einer, das nenne ich ökonomisch. Okay, der Böhme fiel erst schnell um, war dann schnell wieder auf den Beinen nur um noch mal noch schneller umzufallen – hätte zumindest für die schauspielerische Einlage nach der Kopfnuss ruhig auch Gelb sehen können. Aber kein Grund für Uli H. aus M., nach dem Spiel dem Böhme an den Kragen gehen zu wollen. Auch für den Weltmann Hoeneß hier gerne noch mal die Erläuterung, dass auch der [B]Versuch[/B] einer Tätlichkeit bereits mit Rot zu ahnden ist, egal ob der Gegenspieler den sterbenden Schwan markiert oder fröhlich pfeifend seines Weges zieht. Und da auch die Grätsche von Kuffour von hinten erfolgte, war Rot allemal berechtigt. Warum der Schiri allerdings den Sammy vom Platz stellte und den Effe weiterspielen ließ, als der seinem Gegenspieler mal kurz (ohne dass ein Ball auch nur in der Nähe war) demonstrierte, wie er damals die Schicki-Micki-Tussi vom Spielfeld entfernte, die sich in einer Münchner Disko auf seinen Stammplatz gesetzt hatte, das frage ich mich schon gar nicht mehr. Gegen Kahns Ellbogenschwinger im Viertelfinale gegen Miroslav Klose war das ja auch wirklich harmlos. Und die Strafe folgte zudem auf dem Fuß: Bayern verlor in der Verlängerung 0:2 und ausgerechnet Effe vergab zwischenzeitlich die Ausgleichsmöglichkeit.

Und so freu ich mich auf ein Finale, in dem die Bayern ausnahmsweise mal nicht mitspielen.

Ach ja, ich muss noch kurz zu unseren amerikanischen Freunden abweichen. Die eröffneten ihre Offensive (mit deutscher Unterstützung, wie besonders die BILD (vaterlands-)stolz verkündete) gegen versprengte El-Kaida-Kämpfer in Afghanistan unter dem Namen „Operation Anaconda“. Da hat der Texaner Bush ja instinktsicher den richtigen Namen ausgewählt. Für alle, die in Amerikanischer Geschichte nicht so bewandert sind, wie der Pistolero aus den USA: „Anaconda“ war im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) die Bezeichnung für eine Operation der (später siegreichen) Nordsaaten, in der sie der Südstaatenarmee hinterherzogen, sich nicht zum Kampf stellten, sondern das Hinterland inklusive Farmhäusern und Plantagen verwüsteten und den Südstaatlern somit die Basis für die Fortführung der Kämpfe entzogen. Da dieser Krieg dummerweise schon lange beendet ist, trifft die Rache des Südstaatlers Bush jetzt nicht die Nordstaaten, sondern die Afghanen. Wenn den Afghanen dieser geschichtliche Hintergrund bekannt wäre, würden sie wahrscheinlich gar nicht erst versuchen, ihre Häuser wieder aufzubauen. Ist ja in einigen Wochen eh wieder alles für den Arsch. Was das mit Fußball zu tun hat? Nun, in knapp einer Stunde können sich die Besucher der BayArena eventuell an der ostdeutschen Variante der Anaconda erfreuen. Dann ist dort nämlich Energie Cottbus zu Gast, dessen Vereinsnamen deren Anhänger in Gestalt von Wärmeenergie auf den Rängen immer wieder brillant umsetzen. Dafür hat der Verein (genau wie Hertha BSC) diese Woche vom DFB eine Geldstrafe aufgebrummt bekommen. Na, das wird die aber jucken! Da hätte ich doch zumindest Energie-Präsident Krein und Trainer Geyer, wie nach dem Spiel gegen Hertha von beiden gefordert, erst mal in den Block gelassen. Da hätte sich das Problem dieser beiden Stalinisten, die die Übeltäter nach eigener Aussage am liebsten wieder ins Arbeitslager transportiert hätten, gleich miterledigt. Geldstrafe! Platzverbot, Geisterspiel, Zwangsabstieg – mir fielen ne Menge Sachen zu Energie Cottbus und deren Anhängern ein, ne Geldstrafe gehört eindeutig nicht dazu. Aber auch hier bin ich wahrscheinlich nicht hart genug, um einzusehen, dass das alles nicht so schlimm ist.

Dann gibt’s gleich noch das Derby im von uns annektierten norditalienischen Teil dieser Republik, Bayern gegen 1860. Wer den Folterfußball der 60er in den letzten Wochen gesehen hat (trotz guter Ergebnisse) und das Gejammer von Ottmar Hitzfeld nach dem Pokalspiel vernommen hat, der weiß wies ausgeht: todlangweilig und 1:0 für Bayern. Dann verliert Leverkusen im Nebel Cottbuser Rauchbomben den Durchblick und spielt nur 0:0, zumal nach 35 Minuten schon dreimal gewechselt sein muss, weil die Cottbuser auf alles treten, was sich bewegt, Dortmund wird gegen Gladbach ausgekontert und Kaiserslautern geht im angekündigten Orkan an der Ostseeküste unter – und dann, ja dann, ist die Fußballwelt erst wieder richtig in Ordnung, weil Bayern wieder ganz oben dran ist.

Ich hoffe nicht, dass es so kommt – aber seit einem lauschigen Mittwoch-Abend im Kölner Südstadion kann ich mir so ziemlich alle Worst-Case-Szenarien im Fußball lebhaft vorstellen.

 

In diesem Sinne, etwas spät, aber immerhin:

 

Schönes (Fußball-)Wochenende,

 

janus

 

 

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