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Feiertagsansichten aus der Bundesliga

Halloween am 31.10., Allerheiligen am 01.11....ist doch egal, wie das Kind heutzutage heißt, bedeuten tut es nur eins: einen freien Tag zum Rumgammeln, ein verlängertes Wochenende, von allen heiß ersehnt und gleichzeitig gefürchtet, denn spätestens nach einigen Stunden merkt man, dass es nicht ganz so prickelnd ist, wenn man wirklich gar nix zu tun hat. Andererseits kann man sich da mal ein bisschen mit den Dingen beschäftigen, für die sonst nicht so viel Zeit bleibt: entweder die Ablage machen oder über die letzte Woche der Bundesligaclubs nachdenken. Nach langem Nachdenken habe ich mich für Letzteres entschieden, denn unter der Woche war ja auch viel gebacken in puncto internationale Wettbewerbe, und die Clubs, die nicht als letztjähriger Tabellen-3. in der „Champions“ League aktiv waren oder als Pokalsieger im UEFA-Cup mitmischten, sorgten mit ein paar Meldungen auch wieder für einiges Grübeln oder Lachen meinerseits.

Beginnen wir mit dem Highlight der Woche: natürlich der Dienstag, als die Bayern es mal wieder allen richtig zeigen wollten. „Wir wollen es wissen“, sagte Ottmar Hitzfeld vor dem Spiel trotzig – und sie erfuhren es sofort: dass die beste weiße Mannschaft der Welt, nee, das schönste Ballett aller Zeiten, auch falsch, also auf jeden Fall, dass die gemeinsam von Kalle Rummenigge und der BILD mühsam erarbeitete Darstellung dieser Ansammlung von egomanen Großverdienern in dieser Saison wirklich zuzutreffen scheint: wie die Traumtänzer rutschten sie übers nasse Parkett in Galizien und schieden folgerichtig aus der CL aus. War ja auch klar: da der Gegner nur La Coruna und nicht Real Madrid oder Barcelona war, hatte Olli Kahn wieder Schwierigkeiten mit der Motivation (hat eigentlich schon jemand nachgeprüft, ob am Dienstag in Karlsruhe irgendeine Ü30-Party lief?), Elber darf ja auswärts nicht treffen (geheime Zusatzvereinbarung in seinem Vertrag?) und Ballack zog sich geschickt mit einem kleinen Wehwehchen aus der Affäre, als er merkte, dass nix mehr lief. Und so darf man jetzt endlich mal den Beckenbauer-Spruch aus dem Jahr 1996 wieder rausholen: der UEFA-Cup sei der Cup der Verlierer, sagte der Franz damals. Was habe ich mit ihm gelitten, als er das Ding anschließend gegen Girondins Bordeaux auch noch gewinnen musste! Steht bestimmt nicht im Trophäenschrank an der Säbener Straße. Nur: aufgrund der 1:2-Niederlage am letzten Dienstag in La Coruna dürfen die Bayern noch nicht mal als Gruppendritter im Cup der Verlierer weiterspielen, sondern stehen schon vor dem letzten Spieltag als „Absteiger“ fest. Dass ich das noch erleben darf! Manchmal hat auch so eine Europa-Geldvermehrungs-Liga ja so seine Vorteile. Und den Franz darf man jetzt ungestraft fragen: wenn der UEFA-Cup der Cup der Verlierer ist, und Bayern sich noch nicht mal dafür qualifizieren kann, was sind dann die Bayern? Hach, das könnte ich stundenlang...

Ich fand’s übrigens traurig, dass Roy Makaay in der 90. Minute noch das 2:1 erzielte. Bei einem Unentschieden und einer gleichzeitigen Niederlage bzw. Unentschieden von RC Lens gegen den AC Mailand hätte es nächste Woche noch ein echtes Endspiel um den UEFA-Cup-Platz gegen Lens geben können. Das wäre aber eh Makulatur gewesen, denn Milan trat (wie Bayern ja auch oft im DFB-Pokal) mit einer besseren B-Elf in Frankreich an, verlor 1:2, und so hätte den Bayern auch der Punktgewinn in La Coruna nichts mehr genützt. Und da hätte ich doch gerne mal die Kommentare des fairen Sportsmanns Uli Hoeneß in Richtung Mailand gehört, das hätte richtig Spaß gemacht. Schade eigentlich.

Richtig lustig wurde es allerdings Mittwoch morgen, bei einem Blick in die ausgeliehene BILD. Da stand doch tatsächlich nach der größten Blamage einer deutschen Vereinsmannschaft in der CL (selbst mein HSV ist ja 2000 wenigstens noch in den UEFA-Cup gekommen – und hatte damals übrigens auch unter anderem 1:2 in La Coruna durch einen Gegentreffer in der 90. Minute verloren) nur ein knapper Spielbericht, sonst nix. Ist schon verständlich: das Blättchen, das seine Leser seit Jahrzehnten tagtäglich mit den Worten „Unabhängig“ und „Überparteilich“ im hauseigenen Logo auf der Titelseite belügt, musste erst mal die Genehmigung des „Kaisers“ einholen. Der ist nämlich dummerweise Kolumnist dieses Lokuspapiers. Und als am Mittwoch alles, inklusive Rotbäckchen Rummenigge, auf der Mannschaft herumritt, da wusste auch die BILD, dass man, wenn auch mit 24 Stunden Verspätung, am Donnerstag gefahrlos „Die Nacht der Schande“ titeln durfte, nicht ohne Hinweis darauf, dass Golflegende Kahn den Freistoß zum 0:1 wahrscheinlich mit einem Eisen Drei gehalten hätte und somit den Schwarzen Peter auf den Unschuldigsten von allen, Ersatztorwart Wessels, der bei ihnen natürlich keine Lobby hat, abschieben konnte. Gott (bzw. der „Kaiser“) erhalte uns unseren objektiven, unabhängigen Journalismus!

Zeitgleich schaffte übrigens Bayer Leverkusen den Sprung in die Zwischenrunde der CL, durch ein 2:0 gegen Olympiakos Piräus. Ich schreibe „übrigens“, denn in der Presse-Öffentlichkeit hat das am nächsten Tag kaum jemand bemerkt. Immerhin ist das die Mannschaft, die die ersten beiden Spiele in diesem Wettbewerb 2:6 und 1:2 verloren hat. Die konnten sich wieder aufrappeln, aber das interessierte natürlich keinen. Und ja, ich höre den gemeinen Bayern-Fan schon sagen: drei Siege gegen Haifa und Piräus, toll, das hätten wir auch noch geschafft, wir hatten 2x Milan und La Coruna! So ähnlich wurde es auch in der BILD zwischen den Zeilen kolportiert. Is scho Recht, liebe Verblendeten. Schönen Gruß aus Hannover...

Am Mittwoch zog Brasilia, sorry: Borussia Dortmund nach, man siegte gegen Arsenal London mit 2:1. Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber Jens Lehmann sagte hinterher: „Wir sind so gut wie nie zuvor.“ Der Gegner war anscheinend auch so gut zu ihnen wie schon lange keiner mehr zuvor. Ein abgefälschtes Freistoßtor, das ausdrücklich als Eigentor bezeichnet werden muss, da es ansonsten irregulär gewesen wäre (indirekter Freistoß von Rosicky direkt aufs Tor geschossen), Opa Seaman ebenso langsam im Herauslaufen wie bei der WM im Zurücklaufen, ein daraus resultierender, zumindest zweifelhafter Elfer für Koller – wenn das bedeutet, dass der BVB so gut wie nie zuvor ist, dann frage ich mich echt, wie die in der letzten Saison Deutscher Meister werden konnten, denn ab und zu muss man einen Treffer auch selbst herausspielen. Aber vielleicht spielen sie ja am Wochenende wieder schlechter, dann klappts auch mit den Toren aus dem Spiel heraus, hat man ja gegen Werder gesehen. Und Jens Lehmann sollte auch besser Golfspiele analysieren, da kann man nicht ganz so seine Unfähigkeit zeigen.

Achja, UEFA-Cup gab’s auch noch, und da kann man ja nur sagen: diese sentimentalen Ausländer! Dafür haben unsere Vereine euch aber nicht geholt! Schlacke legt in Warschau zwei Hütten vor, wer sorgt mit einem dicken Schnitzer für den polnischen Anschlusstreffer? Der Pole Hajto! Naja, bei Königsblau ging mit einem 3:2-Sieg das noch mal gut, was gestern bei Grün-Weiß so richtig in die Hose ging: Spiel gegen Vitesse Arnheim, das liegt bekanntlich in Holland (ja, ich weiß, es muss „in den Niederlanden“ heißen, denn „Holland“ heißt eigentlich nur eine der niederländischen Provinzen, aber das Wort ist mir, wie jedem guten deutschen Journalisten, natürlich viel zu lang), und wer läuft bei Werder Bremen auf? Der Holländer Frank Verlaat! War ja klar, was passieren würde: beim ersten Gegentreffer lässt er sich tunneln, den zweiten besorgt er gleich selbst. Dass er zwischendurch auch noch das Bremer Ausgleichstor erzielt, zeigt die Verwirrung eines Heimatlosen während so eines internationalen Vergleichs. Andererseits kann man dieses Spiel ausnahmsweise wirklich mit dem viel missbrauchten Begriff der „One-Man-Show“ auf den Punkt bringen. Großes Kino.

Hertha gewann 1:0 auf Zypern durch ein Tor in der 90. Minute und Stuttgart spielte 0:0 bei Ferencvaros Budapest. Mehr muss man über diese beiden Spiele nicht wissen. Aber halt: beim VfB Stuttgart, da war doch noch was in dieser Woche! Richtig, bei der Hauptversammlung zog der scheidende Aufsichtsrat-Vorsitzende Heinz Bandke ordentlich gegen den Ex-Präsidenten Mayer-Vorfelder vom Leder. Höhepunkt seiner Rede: M-V hatte das Augenmaß verloren und war nicht teamfähig. Er betrieb eine falsche Transferpolitik und das Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedern des Aufsichtsrats ging durch ihn in die Brüche. Aha. Mayer-Amselfelder hatte „das Augenmaß“ verloren und „war nicht teamfähig“. Schöne Umschreibung. Das Wort „Führer“ ist in diesem Zusammenhang ja heutzutage auch verboten. Erinnert mich ein bisschen an das, was Heiner Geißler vor ca. 3 Jahren über einen gewissen Ex-Bimbes-Bundeskanzler sagte: „Helmut Kohl hat ein vordemokratisches Politikverständnis“ Auch schön. Ach, die Kunst der hohen Diplomatie! Wäre schön, wenn ich die auch mal beherrschen würde. Zumindest kann man prima darüber lachen.
Und überhaupt: was macht Helmut Kohl heute? Sitz wahrscheinlich noch in 26 Aufsichtsräten und sammelt vielleicht noch ein bisschen Geld für seine Essenzuschüsse, hält sich aber ansonsten ziemlich im Hintergrund. Und Augenmaßverlierer, Intrigant und Alleinherrscher (Gegenteil von „nicht teamfähig“, ich hoffe, auch juristisch haltbar) M-V? Der ist Präsident des DFB. Naja, wenigstens eine Besserung gegenüber den Vorwürfen aus Stuttgart ist klar erkennbar: was die Transferpolitik angeht, braucht er sich wirklich nur noch um den Transfer diverser Getränke in seinen schwäbischen Astralkörper zu kümmern. Aber auch das muss man im Auge behalten, nicht dass er irgendwann im Suff auf einem Bierdeckel in der Ehrenloge von Bayern München Paul Breitner zu nächsten Nationaltrainer macht...

Beim VfB Stuttgart spielt ja übrigens auch Kevin Kuranyi, derzeitiger Shootingstar in der Bundesliga und everybodys darling, weil niemand so recht begreifen kann, wie jemand mit derart verzwickten Verwandtschafts- und Nationalitätenverhältnissen vor lauter Nachforschungen über seine Abstammung überhaupt noch Zeit hat, Fußball zu spielen und dabei auch das Tor zu treffen. Schon werden Stimmen laut, die den Spieler in der Nationalmannschaft sehen wollen. Ich kann davor nur warnen: was passiert, wenn jemand mit drei verschiedenen Reisepässen mal einen guten Saisonstart hinlegt und sofort in die Nationalelf aufrücken soll, hat man vor einigen Jahren eindrucksvoll am Beispiel Sean Dundee gesehen. Kleines Quiz: wer weiß noch, welche Nationalitäten dieser Mann hat, welcher Nationalität seine damalige Freundin war, die er schwanger sitzen ließ, um die Jugendfreundin welcher Nationalität zu heiraten, die ihn dann wiederum sitzen ließ? Von „Fußball“ oder gar „spielen“ war damals bei dem doch wochenlang nicht mehr die Rede, als Höchststrafe tauchte er sogar (als Bösewicht natürlich) im „Goldenen Blatt“ auf, das nenne ich einen ordentlich Absturz. So wird auch der Kuranyi enden, wenn man ihn nicht mal ein bisschen in Ruhe lässt. Aber der Felix Magath macht das schon. Kann ich mir so richtig nett vorstellen: „Schönes Tor geschossen, Kevin, aber jetzt lauf erst mal zehn Runden.“ Ist bei Felix ja auch einfach, der muss sich nur einige Zeit zurückerinnern, als er noch Trainer von Eintracht Frankfurt war und im DFB-Pokal knapp mit 1:6 bei den Stuttgarter Amateuren verlor. Einer der überragenden Spieler im damaligen Stuttgarter Kader: Kevin Kuranyi. Wenn der Felix sich das immer wieder ins Gedächtnis ruft und sein Training dementsprechend ausrichtet, habe ich keine Besorgnis, dass der Kuranyi mal abhebt. Höchstens wenn er unter Magaths Training zum derartigen Fliegengewicht mutiert, dass es ihn bei einem Stürmchen wie letzten Sonntag aus den Schuhen fegt.

Neben den Bayern habe ich ja noch einen Lieblingsverein, das ist der 1. FC Kotzbrockenlautern, oder so ähnlich. Bei denen ist ja schon seit Saisonbeginn richtig Feuer unterm Dach, eine endlose Soap Opera von machtgeilen Funktionären, Intrigen, Rufmorden, alles schön in der Öffentlichkeit ausgetragen und deshalb auch so unterhaltsam, da es auch dem kleinen Mann zeigt, was für falsche Fuffziger in Schlips und Kragen rumlaufen können, auch wenn sie nicht in der Politik tätig, sondern der angeblich schönsten Nebensache der Welt zugetan sind.

So fühlt sich jetzt der Aufsichtsrat des Vereins vom Vorstand veräppelt. Ich zitiere:
„Diesen Vorwurf erhoben die Aufsichtsräte Hubert Keßler, Annemarie Becker, Arnold Neu und Wolfgang Fritz am Donnerstag in einer Pressekonferenz. "Der Vorstand hat uns in den vergangenen fünf Monaten hinters Licht geführt", brachte Neu die Vorwürfe auf den Punkt. Der damalige und inzwischen zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Robert Wieschemann sei möglicherweise in die strittigen Geschäfte in Millionenhöhe eingeweiht gewesen, habe seine Kenntnisse aber nicht an die anderen Aufsichtsräte weiter gegeben. Aufsichtsrat und Vorstand hätten jahrelang vertrauensvoll kooperiert - doch seit dem Frühsommer seien vom Vorstand zahlreiche Alleingänge gestartet worden.“

Und was da jetzt alles zum Vorschein kommt! So habe der Vorstand einen Teil der Transfererlöse für die FCK- Profis an ein Banden-, äh, Bankenkonsortium zur Sicherung eines Kredits in Höhe von 4,8 Millionen Euro für den WM-gerechten Ausbau der Osttribüne abgetreten. Wie hoch dieser Prozentsatz war, wollte Keßler nicht sagen. Also sind jetzt 15 % von Mario Basler wohl finanztechnisch genau an der Stelle im Einsatz, wo er sonst seine Bälle immer hin drischt. Auch über den Vertrag mit dem inzwischen ausgeschiedenen Nigerianer Taribo West, dessen "Persönlichkeitsrechte" für drei Raten in Höhe von jeweils 1,5 Millionen Mark von einer Mailänder Firma gekauft worden seien, sei der Aufsichtsrat nicht informiert gewesen. Na und? Der Aufsichtsrat hat doch auch zugestimmt, dass die Persönlichkeitsrechte von Schwalbenkönig Klose demnächst jeden Samstag beim deutschen Zahlenlotto ausgespielt werden. Jetzt, wo der West weg, und das ganze ein Verlustgeschäft ist, weil seine Mailänder Firma es wohl lieber sah, dass der seine Persönlichkeitsrechte mittels Predigt auf einer Kirchenkanzel als auf dem Fußballplatz auslebte, da wollte man auf einmal von Dingen informiert werden, die man vorher gar nicht wissen wollte. Und muss das ganze dann natürlich auch via Presse an den Mann bringen.

Das gilt auch für den umstrittenen Zusatzvertrag des Schweizers Ciriaco Sforza, der nach Ablauf seiner Profilaufbahn Sportdirektor werden soll. Aufsichtsrätin Annemarie Becker: "Der Aufsichtsrat hatte sich schon zuvor eindeutig gegen die Installierung eines Sportdirektors ausgesprochen und hatte von dieser Zusatzvereinbarung keine Kenntnis". Erst zehn Tage nach der Vertragsunterzeichnung habe Friedrich dieses Detail erstmals erwähnt. Bei den Kontrakten mit West und Sforza sei der Aufsichtsrat nur über Gehalt und Punkteprämien informiert worden. Die "geheimen" Zusatzvereinbarungen seien jeweils zum Teil erst Wochen später bekannt geworden.
Ja, und der Aufsichtsrat, der vorher schon wochenlang mit dem Vorstand im Clinch lag, hat natürlich nicht daran gedacht, damals, als er „nur über Gehalt und Punktprämien informiert“ wurde, mal nachzufragen, ob es da nicht noch was gäbe und somit seiner eigentlichen Tätigkeit („Aufsichtsrat“ kommt immer noch von „Aufsicht“) nachzukommen. Vielleicht war gerade schönes Wetter? Vielleicht wollte es niemand wissen? Gerade bei Sforza, gerade weil sich der Aufsichtsrat doch angeblich „ZUVOR eindeutig gegen die Installierung eines Sportdirektors ausgesprochen“ hatte. Mit dem Nachdenken hat man es in der Pfalz nicht so, aber das ist wohl nix Neues. Fakt ist, dass Friedrich in den letzten Jahren in Kaiserslautern genauso herrschte wie Mayer-Prostfelder in Stuttgart. Jeder hat’s gewusst, keinen hat’s interessiert, und jetzt, wo alles zusammenbricht, versucht man sich getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ über die Presse reinzuwaschen. Lieber FCK-Aufsichtsrat: bei soviel Selbstdarstellertum in euren Reihen schlage ich ein neues Mitglied vor: ich empfehle Jürgen WWW. Möllemann, den Fallschirmspringer, der über ein Flugblatt stolperte (gibt es eine schönere Metapher?), noch dazu ein antiisraelisches, dessen Finanzierung nicht ganz koscher war, den Mann, der der deutschen medizinischen Wissenschaft Forschungsaufträge und –gelder in Millionenhöhe für die nächsten Jahre beschert, weil er diese rätselhafte Krankheit hat, die nur und ausschließlich auf Gran Canaria kuriert werden konnte – der würde doch gut zu euch passen.
So unernst ist das gar nicht gemeint: Mölli sitzt zwar noch im Aufsichtsrat von Schlacke, doch hat er, wie ich vorgestern Abend im Radio vernahm, bereits seine Ehrenloge in der Arena an einen Sponsor verkauft. Kostenpunkt: 50.000 €. Von ehrenvollen Rückzügen hält der also auch nix, daher ist er der geeignete Kandidat für euch.

Kein geeigneter Kandidat mehr ist Vasile Miriuta bei Energie Cottbus. Der Verein hat gestern einen Auflösungsvertrag mit dem Mittelfeldspieler geschlossen, Miriuta wird nicht mehr für Energie auflaufen. Da haben sie also endlich erkannt, dass es ziemlich peinlich ist, jemanden als Stammspieler haben zu müssen, der außer Ecken und Freistößen wirklich nix anderes kann - eben weil sie keinen anderen haben, der das kann. Fragt sich, wer das jetzt bei Energie machen soll. Ich würde ja den Piplica bevorzugen, ins Tor kommt der eh nicht mehr, und wenn einer schon die krummsten Dinger kassiert, vielleicht gelingt ihm selbst dann auch mal eins? Vielleicht reaktiviert sich Trainer Geyer auch endlich mal selbst, wer die eigenen Fans schon mal flugs in den nächsten Braunkohletagebau abtransportieren wollte, der kann doch zumindest als ordentlicher Rechts- oder auch Linksaußen (je nach Geschmack) für Unterhaltung sorgen. Viel werden sie davon nämlich in Cottbus nicht mehr haben, nachdem sie jetzt den einzigen Mann weggeschickt haben, der wenigstens einigermaßen ein Freund des Balles war.

Zum Schluss kann ich aufatmen: der HSV ist wieder im Kommen. Zumindest was Rodolfo Cardoso angeht. Der steigt nämlich wieder ins Geschehen ein. Und zwar in der Amateurmannschaft am kommenden Wochenende im RL-Spiel gegen Leverkusens U23. Als Gegenspieler erhoffe ich mir Ulf Kirsten oder vielleicht auch Franca, der ist ja nun wirklich momentan rekonvaleszent, zumindest vom Kopf her, und würde daher gut in die Amateurtruppe passen, wie zuvor schon Bierofka oder auch Sforza bei den Kaiserslauterner Amateuren im RL-Spiel gegen Schweinfurt. Und getreu dem Motto: Chancengleichheit für alle praktiziert das auch der HSV mit seiner Regionalligatruppe. Viel trauriger als das finde ich, dass Kurt Jara anscheinend wirklich die Rückkehr dieses „Hoffnungsträgers“ herbei sehnt. Der Mann ist 34 Jahre alt, war in den letzten drei Jahren ständig verletzt und hat in dieser Zeit ca. ebenso viele Bundesligaspiele bestritten. So einer als Hoffnungsträger – da kann ich ja nur noch verzweifelt sagen: lieber Kurt – wann holst du endlich den von Heesen zurück? Oder noch besser: wann gehst du endlich und machst Platz für jemanden, der vielleicht eine realistischere Idee hat, wie man den HSV wieder auf Kurs bringen kann? Da spielt die Mannschaft in dieser Saison absoluten Müll, hat aber bei Heimspielen einen Zuschauerschnitt von 45.000. Das sollte man nicht auch noch leichtfertig aufs Spiel setzen, durch Festhalten an einem Trainer, dem nun wirklich gar nix mehr einfällt.
Aber am Wochenende geht’s ja nach Dortmund. Da ist bei der bisherigen Auswärtsbilanz des HSV in dieser Saison das 0:4 eigentlich schon vorprogrammiert.
Und wenn’s nur 0:2 ausgeht, wird der Jara das schon wieder als Aufwärtstrend verkaufen. Zumal im übernächsten Spiel Barbarez ja wieder dabei ist, um die erforderlichen Tore zum erforderlichen Heimsieg zu schießen, wenn er nicht dummerweise vorher wieder vom Platz fliegt. Und so geht’s dann immer weiter und weiter und am Ende steht Platz 11. Sind doch bodenständige Aussichten, immerhin.

Und was bleibt mir nach dieser Nachbetrachtung? Eigentlich nur zwei Dinge: die Hoffnung, nicht gelangweilt zu haben. Und: schön, dass am Sonntag wieder Oberliga ist.
Schönen Feiertag und schönes (Fußball-)Wochenende wünscht,

janus

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