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Rückblick
2002
Schulz
is! Gestern ging auch die zweite Saison der neu
geschaffenen Regionalliga Nord mit dem 34. und
letzten Spieltag zu Ende. Es darf also an einem
sportlichen Rückblick gezimmert werden. Dieser
bietet sich umso mehr an, als er nur insgesamt
13 Spieltage für das Jahr 2002 umfasst, da die
Rückrunde ja bereits im Jahr 2001 eingeleitet
wurde, über das an anderer Stelle bereits ausführlich
berichtet wurde („Jahresrückblick“).
Schauen wir doch mal, was sich im Jahr 2002 in
der RL Nord so getan hat.
Die
Ausgangslage Ende Februar war klar: an der
Spitze standen Lübeck, zur allgemeinen Überraschung
der KFC Uerdingen auf Rang 2, dann Braunschweig,
der RWE (mit einem Nachholspiel) und die SG
Wattenscheid. In der Abstiegszone sah es wie
folgt aus: Rang 13 für den Dresdner SC nach
drei Siegen in den letzten drei Spielen des
Jahres 2001, dann Magdeburg, auf dem
„ersten“ Abstiegsplatz die Fortuna mit drei
Punkten Rückstand, dann schon etwas weiter zurück
Preußen Münster (ebenfalls mit einem
Nachholspiel), Paderborn sowie, abgeschlagen mit
ganzen 9 Punkten, Fortuna Köln. All diese
Vereine im Abstiegskampf unterschieden sich von
Fortuna in einem entscheidenden Punkt: alle
wechselten den Trainer aus, Fortuna hielt an Tim
Kamp fest, obwohl sich die Mannschaft im
Dezember 2001 mit zwei wahrlich beeindruckend
schlechten Spielen in die Winterpause
verabschiedet hatte (1:3 in Dresden, 0:3 in der
Tiefkühltruhe RS gegen Bayer Leverkusen
„U21“). Alle Teams hatten auch auf dem
Transfermarkt nochmals zugeschlagen, es konnte
losgehen.
Fortuna
begann das Jahr 2002 ordentlich, sie begann nämlich
überhaupt nicht. Das erste Spiel bei der
Namensvetterin aus Köln Ende Februar fiel nämlich
zwei Stunden vor dem Anpfiff dem tagelangen
Dauerregen zum Opfer. Wobei die Hausherren laut
eigener Aussage durchaus hätten spielen können,
dem Schiri war es aber zu nass. Und zwar
insgesamt sechsmal, so dass der Start ins neue
Jahr in der RL Nord aus kümmerlichen drei
Partien bestand. Leider schien im Osten der
Republik die Sonne, so dass an diesem Spieltag
kurzfristig noch eine Torwartlegende demontiert
wurde: da den Werder-Amateuren anscheinend
jegliche Torleute bis hinunter zum zweiten
Platzwart und Ballholer der C-Jugend ausgegangen
waren, opferte sich der 51-jährigen
Ex-Bundesliga und –Nationaltorwart Dieter
Burdenski, eigentlich Torwarttrainer, und
stellte sich in Chemnitz ins Tor. Werder verlor
1:3 und mindestens zwei Tore gingen auf Dieters
Kappe, wobei er sich besonders den ersten selbst
reinfaustete. Da hätten die Bremer doch mal überlegen
sollen, das Spiel gleich ganz abzuschenken, um
dem Dieter diese Schmach zu ersparen. Aber für
mich bleibt er trotz dieser Lachnummer ein ganz
Großer.
Fortuna
startete also direkt mit einem dicken Brocken,
mit dem in Düsseldorf immer gern gesehenen
Rivalen und Aufstiegsfavoriten Rot-Weiß Essen,
ins neue Jahr. Zusätzlich war dies das letzte
Heimspiel im Rheinstadion vor dem Umzug in den
Flinger Broich. Einige Leute, darunter durchaus
auch Personal des FiFA-Boardes, nahmen die
Organisation dieses „Abschiedsspiels“ in die
Hand, telefonierten sich Blutblasen an den
Fingern, um ein Rahmenprogramm auf die Beine zu
stellen, konstruierten Plakate und Flyer und
druckten diese, nur um 2 Wochen vor dem Spiel,
als eifrige Fans halb Düsseldorf und Umgebung
mit den entsprechenden Hinweisen bereits
zugeklebt hatten, festzustellen, dass das Spiel
von Samstag, den 02. März, auf Sonntag verlegt
wurde, wegen der Sicherheitsbedenken der
Polizei. Na riesig, der Spieltermin stand ja
auch erst Monate vorher schon fest. Da kann man
sich mit so einer Verlegung ja schon mal ein
bisschen Zeit lassen...
Am
Ende ging aber doch noch alles klar, es wurde
ein rauschendes Fest, man holte ein
hochverdientes 1:1 gegen den klaren Favoriten
und war, sportlich gesehen, guter Dinge für die
kommenden Aufgaben. Kleiner Wermutstropfen: aus
unerfindlichen Gründen wurde die offizielle
Besucherzahl auf 21.000 nach unten korrigiert,
was nicht nur den anwesenden Journalisten die
Lachtränen in die Augen trieb (unter der Hand
war von diesbezüglich „geschulten Augen“
von „mindestens 25.000“ die Rede) sondern
seit gestern auch kein Regionalligarekord mehr
ist, da in Braunschweig am letzten Spieltag
23.500 Zuschauer zum Aufstiegskrimi gegen
Wattenscheid eintrudelten. Fortuna also
offiziell wieder mal nur zweiter Sieger, vielen
Dank dafür, ich hoffe, dieses
„Understatement“ hat wenigstens gegenüber
dem Finanzamt etwas gebracht.
Am
Mittwoch nach dem großen Event stand dann das
Nachholspiel beim Tabellenletzten Fortuna Köln
an, ein Klacks, wie wohl einige dachten. Tja, da
hatten die zwar in der gesamten Saison bis dahin
noch kein einziges Heimspiel gewonnen, aber man
musste ja nur warten, bis die Glücksgöttin aus
der schöneren Stadt zum Spiel eintrudelte, und
schon klappte es. Stellt euch mal vor, wir wären
am ersten Spieltag der Saison dort aufgelaufen!
Das hätte den Kölnern ja einen richtigen Schub
für den Rest der Saison geben können! Aber in
puncto Nachbarschaftshilfe kennen wir kein
Pardon, wir kamen erst, als es für die Kölner
schon zu spät war. Diese rächten sich mit
einem 3:2-Sieg in strömendem Regen unter gütiger
Mithilfe des gesamten Schiedsrichtergespanns,
dessen Entscheidungen selbst Kölner Fans auf
der Tribüne laut auflachen ließ, was aber
keine Entschuldigung für die desolate
Vorstellung unserer Mannschaft auf dem umgepflügten
Rasen sein konnte. Ein ähnlich begeisterndes
Spiel folgte einige Tage später auf dem Land
beim damaligen Tabellenvorletzten SC Paderborn,
bei dem Fortuna die gütige Mithilfe des Gegners
(Eigentor) benötigte, um ein 1:1 und somit
wenigstens einen Punkt zu holen. Nach diesen
beiden Spielen war eigentlich jedem klar, dass
die Reise nur nach unten gehen konnte.
In
der Liga marschierten Lübeck, Braunschweig und
RWE vorneweg, Wattenscheid hielt noch mit,
sackte nach einem Zwischentief aber ab, während
Chemnitz und Uerdingen sich schon relativ früh
aus der Spitzengruppe verabschiedeten. Im
Tabellenkeller gewannen Paderborn und Münster
ein Spiel nach dem anderen, holte Magdeburg
trotz schlechter Leistungen immer mal den einen
oder anderen Punkt, während Dresden völlig
absackte, auch ein erneuter Trainerwechsel half
da nichts. Erstaunlich Fortuna Köln, schon längst
abgestiegen, angetreten mit neuem Trainer, 18
(!) neuen Spielern und der Devise, sich jetzt
schon für die Oberliga einspielen zu wollen,
sorgten sie für manche Überraschung und
waren bis zum vorletzten Spieltag sogar drauf
und dran, unsere Fortuna und Dresden noch zu überholen.
Respekt – so verabschiedet man sich mit
Anstand!
Was
man zunächst von unserer Truppe nicht behaupten
konnte. Der Lachnummer auf dem Land folgte das
erste Spiel im FB gegen den SC Verl. Volle Hütte,
ein schöner Tag und dann noch 3:2 gewonnen.
Aber wie...Ausgleichstor durch einen abgefälschten
Verzweiflungsschuss in der 89. Minute,
Siegtreffer durch einen Elfmeter in der 90., bei
dem bis heute keiner so richtig weiß, warum der
Schiri ihn gab. Auch Guido Jörres war während
der Ausführung wohl noch so mit diesen Gedanken
beschäftigt („Warum nur? Warum? Und warum
ich?“), dass er die Kugel erst im Nachschuss
versenken konnte. Wenn der auch nicht
reingegangen wäre, hätte ein evt. Platzsturm
schon um zwei Wochen vorverlegt werden können,
die „spielerische“ Leistung war
dementsprechend.
Leicht
geblendet von diesem Erfolg fuhr man eine Woche
später nach Bremen und blamierte sich bei den
dortigen Amateuren mit einem 0:2 bis auf die
Knochen. Da nutzte es auch nix, dass sich unter
der gigantischen Zuschauerzahl von 900 auf dem
ebenso gigantischen Nebenplatz 11 des
Weserstadions über 500 Fortunen befanden, teils
mit den eigenen Autos angereist, teils in Bussen
in den Norden gekarrt. Ich vermisse noch heute
einen offiziellen Dankesbrief der Mannschaft an
die Herren Mamoum und Tjikuzu von Werder, die
unseren Spielern besonders in der 2. Halbzeit
Knoten in die Beine spielten, aber keine Lust
mehr zum Toreschießen hatten. Ebenfalls sollte
der Dank der Mannschaft an die zahlreichen
Sonntagsfahrer gehen, die an diesem Sonntag eben
nicht auf der Autobahn unterwegs waren, und
somit auf der Rückfahrt ein zügiges Überholen
von zwei Fanbussen durch den Mannschaftsbus ermöglichten.
Wenn grad an dieser Stelle ein Stau gewesen wäre
und alle drei Busse in Sichtweite voneinander
entfernt hätten halten müssen...nicht
auszudenken.
Eine
Woche später war es dann soweit: nach einem
grottenschlechten 0:2 daheim gegen Magdeburg,
die keinen Deut besser spielten, zeigte der
gemeine Fan mal, was er von seiner Mannschaft so
hielt, in dem der Platz gestürmt wurde. Da bei
den Magdeburger „Fans“ auch so einige
Schlaumeier dabei waren, denen der Sieg der
eigenen Mannschaft als Unterhaltungswert nicht
hoch genug erschien, wurde es ein
abwechselungsreicher Nachmittag. Am Ende standen
die schlechtesten Schlagzeilen für Fortuna seit
Jahren (und das will etwas heißen!), Verlust
des zwei Wochen zuvor so hoch gepriesenen
Heimnimbus des FB schon im zweiten Spiel, eine
ordentliche Geldstrafe für den Verein, an die
er sich jetzt schon mal gewöhnen kann, sowie
die Entlassung von Trainer Kamp. Nachfolger
wurde Spieler Stefan Emmerling, seit einem
Kreuzbandriss im Hinspiel gegen RWE außer
Gefecht gesetzt und zwischenzeitlich Trainer der
Oberliga-Mannschaft der Fortuna, die er souverän
vom letzten auf den vorletzten Tabellenplatz geführt
hatte. Emmerling machte gleich Nägel mit Köpfen,
warf fünf Leute aus dem Kader (Torwart Bitzer,
Breda, Cupr, Vucic und Strelec) und lief beim nächsten
Auswärtsspiel in Münster mit der halben
Oberliga- bzw. A-Jugend-Mannschaft auf, verlor
auch das letzte „Endspiel“ mit 0:2 und wird
sich angesichts der Jubelstürme der
Fortuna-Fans für den ausgewechselten Preußen-Stürmer
Marek Lesniak wohl mal kurz gefragt haben, warum
er sich das antut.
Zu
den Suspendierungen kann kurz gesagt werden, sie
erfolgten offiziell aufgrund der Tatsache, dass
diese Spieler dem Verein nicht weiterhelfen könnten.
Wie man das bei einem Milan Strelec beurteilen möchte,
der in der Winterpause kam und lediglich fünfmal
ein- oder ausgewechselt wurde, somit kein Spiel
über 90 Minuten absolvieren durfte, ist mir ein
Rätsel. Und einen Goran Vucic, der zwar gerne
mal in das ein oder andere spielerische Fettnäpfchen
tritt (Rote Karte gegen RWE, Gelb-Rot gegen
Werder nach zwei Allerweltsfouls) mit dieser
Begründung auszubooten, finde ich schon mehr
als merkwürdig. Vucic zeigte in seinen Spielen
immer großen Einsatz, war sich auch schon in
der Hinrunde nicht zu schade, auch für die
Zwote aufzulaufen, fuhr nach seiner
Suspendierung auf eigene Kosten nach Münster,
um die Mannschaft zu unterstützen und ist der
einzige der „Du bist raus aus der
Herde“-Spieler, der jetzt auch weiterhin in
der Zwoten spielt und den Kampf angenommen hat.
Aber klar, der hat keinerlei Identifikation mit
dem Verein...mir scheint es eher, da sollten
noch einige angebliche alte Seilschaften
zerschlagen werden.
Nach
dem Münster-Spiel war die Saison sportlich
praktisch gelaufen, in den Spielen gegen die
direkten Konkurrenten Dresden, Leverkusen, Köln,
Paderborn, Magdeburg und Münster war exakt ein
einziger Punkt gemacht worden, so hält kein
Team irgendeiner Liga die Klasse. Entsprechend
befreit konnte man im nächsten Heimspiel gegen
Osnabrück auflaufen, wieder mit vielen
„Nobodys“ im Kader. Osnabrück lief mit
einer Mannschaft auf, in deren Anfangsformation
9 Spieler standen, die in der letzten Saison
noch 2. Liga gespielt hatten, allerdings hatten
diejenigen, denen bei diesen Aufstellungen angst
und bange wurde (mir zum Beispiel) vergessen,
dass es für Osnabrück nach enttäuschendem
Saisonverlauf bereits nur noch um die goldene
Ananas ging. Da unsere Jugend an diesem
Freitagabend aber richtig Lust zum Fußballspielen
hatte, wurden die Herren lustlosen Profis aus
Niedersachsen ordentlich in ihre Bestandteile
zerlegt und mit 4:1 nach Hause geschickt. Das
schlug dort so hohe Wellen, dass Osna-Trainer
Gelsdorf in der anschließenden Pressekonferenz
volle fünf Minuten nur die Fortunen lobte und
über seine eigene Mannschaft kein Wort verlor;
weiter kündigte der Präsident des VfL bereits
Freitagabend, also nur wenige Stunden nach dem
Spiel, an, dass den mitgereisten Anhängern das
Geld für die Eintrittskarten erstattet würde.
Da haben wir wohl einigen Leuten das Wochenende
verdorben.
Die
Fans haben nach diesen beiden Spielen quasi den
Frieden von Münster und Osnabrück mit der
Mannschaft geschlossen. In Münster schon bemüht,
aber noch überfordert, gegen Osna klappte
einfach alles, im Abstiegskampf chancenlos, aber
Spaß dabei – so lautete jetzt gemeinhin die
Devise.
Und
so gab es eine Woche später ein 0:2 in Kiel,
bei dem die Mannschaft wieder toll kämpfte,
aber doch chancenlos war, zumal ausgerechnet
unser ehemaliger „Wenn ich mal Lust habe, dann
schieß ich auch ein Tor, ansonsten bin ich nur
zum Abkassieren hier“-Stürmer Marin einen
Sahnetag erwischte und beide Tore vorbereitete.
Ja, wenn bei Fortuna schon nicht viel läuft,
dann schüttet die Glücksgöttin auch gleich
ihr volles Füllhorn aus...Marin übrigens wurde
noch letzte Woche aus dem Kieler Kader entfernt,
weil ihm der Trainer mangelnde
Einsatzbereitschaft vorwarf. Herr Schock, das
war kein Vorwurf, sondern eine permanente
Leistungsbeschreibung dieses Mannes, die
eigentlich regelmäßig in seinen Bewerbungen
auftauchen müsste! Aber ich wette, die
Auflaufprämie für das letzte Spiel der
Holsteiner gegen Leverkusen gestern wird er auch
schon irgendwie wieder einklagen (remember
Babelsberg?).
Danach
folgten noch zwei Heimspiele gegen die
Aufstiegsaspiranten aus Lübeck und
Braunschweig. Gegen Lübeck (0:3) war die
Mannschaft chancenlos, wurde teilweise vorgeführt,
und es wurde deutlich, warum die Ostseestädter
als Meister am vorletzten Spieltag bereits als
Aufsteiger in die 2. Liga feststanden. Dies
wiederum erzürnte einige Spinner, die den
sportlichen Abstieg der Fortuna anscheinend
regelmäßig mit ihrem eigenen sozialen in
kausalen Zusammenhang bringen, dermaßen, dass
sogar Flaschen (!) gesichtet wurden, die auf
Spieler bzw. Spielfeld geworfen wurden. Neben
allgemeinem Kopfschütteln blieb nur mal wieder
eine Geldstrafe und die Aussicht, in der nächsten
Saison wohl um eine Platzsperre nicht
herumzukommen, da der „Affenkäfig“ FB
anscheinend den Nachteil hat, dass einige Leute
zu nah am Spielfeld stehen/sitzen dürfen. Es
sollte mich in keinster Weise wundern, wenn es
sich teilweise um dieselben Leute handeln würde,
die in der Winterpause einen großen Zirkus um
die neuen Zäune am FB gemacht haben. Da wollten
sie dann wohl mal kurz beweisen, dass nichts,
aber auch gar nichts den „wahren Fan“
aufhalten kann – schon gar nicht so etwas
Altmodisches wie die Anhängerschaft zu einem
Verein und die damit verbundene Einstellung,
diesem nicht regelmäßig schaden zu wollen.
Eine
Steigerung erfuhr das ganze dann noch im
Heimspiel gegen Braunschweig, als man
unglaublicherweise nach 7 Minuten 2:0 gegen den
Top-Aufstiegskandidaten in Führung lag, aber in
der zweiten Halbzeit platt war und sich noch
geschlagen geben musste – nicht der
Braunschweiger Mannschaft, die war gar nicht so
stark, sondern Stürmer Teixeira, der das Spiel
mit einem lupenreinen Hattrick noch drehte. Wenn
man bedenkt, dass derselbe Spieler in der
letzten Saison im RS schon beide Tore beim 2:0
seines damaligen Arbeitgebers Union Berlin
erzielte, kommt einem der Verdacht, dieser Mann
muss Düsseldorf doch mögen. Vielleicht sollte
man dem mal ein Angebot machen, das er nicht
ablehnen kann...
Es
war ein sehr gutes, spannendes Spiel mit
unverdientem Ausgang, das wieder mal einige
Leutchen dazu animierte, der Partie den eigenen
Stempel aufdrücken zu wollen: da wurde von der
Westtribüne aus versucht, aufs Spielfeld zu
gelangen, was nicht ohne ein kleines Scharmützel
abging, da wurde auf der Zufahrtsstraße zum
Stadion eine Rauchbombe gezündet, die das
Spielfeld einnebelte (nix gegen ein bisschen
Rauch – aber welcher „Fußball-Fan“ rennt
einen Viertelstunde vor Ende eines
superspannenden Spiels auf die Straße, um einen
Rauchkörper zu zünden???), es flogen wieder
Gegenstände und es wurde auch eifrig auf alles
und jeden gespuckt, der sich vor dem Zaun in
Kernschussweite befand. Nach Spielende kam es
dann noch zu einigen kleineren
Auseinandersetzungen mit der aufmarschierten
Ordnungsmacht, was mit der Festnahme von ca. 150
Personen endete, wobei ich wetten möchte, dass
130 davon wenig bis nichts mit den
Ausschreitungen zu tun hatten. Tja, wenn man
schon absteigt, dann auch ordentlich – nicht
nur sportlich, sondern auch im Niveau.
In
Uerdingen letzte Woche gab es dann eine
0:1-Niederlage in der 90. Minute, wiederum nach
gutem Spiel der Mannschaft, die zum Zeitpunkt
des Gegentors schon 3:0 hätte führen müssen.
Gestern zum Saisonabschluss noch ein versöhnliches
3:0 gegen Aue mit einigen Szenen auf den Tribünen
und im Vereinsheim nach Spielende, die
hoffnungsvoll stimmen und zeigen, warum der
„Reiz“ und die „Faszination“ Fortuna
trotz aller unangenehmer Begleiterscheinungen
irgendwie nicht totzukriegen ist. Das war schon
teilweise großes Kino, das Hoffnung macht für
die nächste Spielzeit. Mehr davon! Bei allem
verständlichen Frust über einen erneuten
Abstieg – mit Reaktionen wie am gestrigen Tag
werden all die Schönwetterfans widerlegt, die
schon seit Jahren sagen, mit dem Verein wäre
nichts mehr los und es würde sich niemand für
ihn interessieren.
A
propos Interesse: Kleiner Überblick über die
RL Nord nach dem 34. Spieltag: Aufsteiger neben
Lübeck ist Braunschweig. In einem „Herzschlag“-Finale
schoss (bzw. köpfte) der eingewechselte
Piorunek die Löwen in der 90. Minute mit seinem
2:1 gegen Wattenscheid 09 in die 2. Liga. In die
Röhre guckte RW Essen, das in einer hektischen
Partie in Münster (zwei verschossene Elfmeter,
zwei Platzverweise) 3:1 gewann, aber mit 64 (63)
Punkten nur Dritter wurde. Gratulation RWE –
Mainz 05 ist in der 2. Liga mit derselben
Punktzahl sogar nur Vierter geworden! Kaufen
konnten sich die Anhänger dafür natürlich
nix, weswegen sie sich gestern im
Preussenstadion anderweitig bedienten, indem sie
unmittelbar nach der Durchsage des
Stadionsprechers, der den Aufstieg Braunschweigs
verkündete (dem Mann bitte ein paar
Nachhilfestunden in Psychologie), den Rasen stürmten
und einiges
demolierten und mitnahmen, was ihnen so in die
Finger kam. Und bevor wir uns darüber aufregen,
sollten wir mal überlegen, was einige „wahre
Fortuna-Fans“ denn gestern so gemacht hätten,
wenn der bis zur 90. Minute sicher geglaubte
Aufstiegstraum in der 91. Minute noch zerplatzt
wäre.
Auf
den Abstiegsplätzen (bisher): Münster,
Dresden, Fortuna, Fortuna Köln. Glückwunsch
nach Paderborn für eine Rettung, an die nach
dem Jahr 2001 wohl niemand mehr geglaubt hätte.
Die Rettung hat zwei Namen: zum einen Trainer
Erkenbrecher, aus der 2. Liga von Greuther Fürth
zur Winterpause geholt, zum anderen Vesselin
Gerov, in der vorletzten Saison aus Ahlen zurückgeholt,
Garant des Klassenerhalts mit 19 Treffern und
damit gleichzeitig Torschützenkönig zusammen
mit Braunschweigs Teixeira. Ein Abstiegskandidat
mit Torschützenkönig – wann gabs das
zuletzt?
Allgemeine
Daten:
Tore:
906 in 306 Spielen (im Schnitt 2,96 Tore pro
Spiel – recht ordentlich, wie ich finde)
Heimsiege:
148
Unentschieden:
73
Auswärtssiege:
85
Höchster
Heimsieg: 33. Spieltag, Magdeburg-Fortuna Köln
7:1
Höchster
Auswärtssieg: 34. Spieltag, Paderborn-Magdeburg
1:6
(Da
waren wohl noch mal potentielle Sponsoren
anwesend, oder wie erklärt man sich das?)
Torreichstes
Unentschieden: 34. Spieltag, Chemnitz-KFC
Uerdingen 4:4 (nach 1:4-Rückstand übrigens)
So,
das wars, die Saison ist gelaufen, Auf- und
Absteiger stehen fest – Stopp! Das dachte ich
Naivling ja eigentlich. Aber, genau wie nach der
letzten Saison – jetzt geht der Spaß erst
richtig los! Denn wenn alle Spiele gelaufen
sind, wenn die Spieler eigentlich mit einer
gewissen Planungssicherheit in den verdienten
oder nicht verdienten Urlaub fahren könnten,
weil ja alles geregelt ist – dann entscheidet
in dieser Liga tatsächlich ein Möbelstück darüber,
wie es weitergeht! Jawohl, ein Möbelstück, bei
dem ich nur darauf warte, dass es irgendwann mal
im Katalog von IKEA auftaucht. Vielleicht etwa
so: „Du hast die Ziele, die Du Dir gesteckt
hast, verfehlt? Du willst aber trotzdem weiter
hoch hinaus? Versuch Dein Glück, denn bei uns
ist alles drin. Entdecke die Möglichkeiten. Der
Grüne Tisch.“ Oder so ähnlich.
Denn
jetzt entscheidet man am Grünen Tisch darüber,
wer im nächsten Jahr RL spielen darf und wer in
die OL muss. Wobei der Grüne Tisch schön fair
ist und die Ab- bzw. Aufstiegsfrage gleichermaßen
abwechselnd mit seiner Tätigkeit bedenkt.
Im
letzten Jahr wurde die Abstiegsfrage am Grünen
Tisch geklärt, Bremen und Fortuna, eigentlich
abgestiegen, durften drin bleiben, weil Leipzig
und Wilhelmshaven keine Lizenz erhielten. In
dieser Saison erklärte der Grüne Tisch zunächst
den Aufstieg zur Chefsache: erst wurde RWE ein
Punkt wegen Lizenzverstößen abgezogen, dann
erhielt Braunschweig zwei Zähler dazu, weil bei
deren Unentschieden in Bremen ein beim Gegner
eingesetzter Spieler nicht auf dem
Spielberichtsbogen auftauchte, wodurch das Spiel
als Sieg für Braunschweig gewertet wurde.
Addiert die entsprechenden Punkte mal auf bzw.
zieht sie ab und es wird ein bisschen verständlich,
warum die Essener sich eigentlich als Aufsteiger
fühlen dürften. Allerdings darf man sich an
der Hafenstraße auch mal an die eigene Nase
fassen: zwei Unentschieden gegen den
Tabellenvorletzten aus Düsseldorf, ein
Unentschieden gegen Schlusslicht Köln, in dem
das 1:0 für RWE in der 90. Minute fiel, der
Ausgleich dann aber dummerweise in der 91., ein
peinliches 1:2 in der Hinrunde gegen den
damaligen Tabellenvorletzten Münster – das
sind die Punkte, die am Ende gefehlt haben.
In
der Abstiegsfrage wird es aber jetzt so
kompliziert, dass man ohne Mathe-Diplom
eigentlich kaum noch Chancen hat, ordentlich
durchzusteigen.
Zunächst
steigt aus der 2. Liga nur der SV Babelsberg in
die RL Nord ab, die anderen Absteiger müssen in
die RL Süd. Damit die RL Nord auf einem Stand
von 18 Vereinen bleibt, und allen sportlich
qualifizierten OL-Aufsteigern auch ein Platz in
der RL gesichert bleibt, bedeutet dies, dass
Rang 15 (Preußen Münster) zum Klassenerhalt
ausreicht. Auch wenn gestern WDR-Stottermaus
Heike Marx diese simple Tatsache dem Münsteraner
Trainer Neale Marmon beharrlich ausreden wollte.
Der WDR hat sich halt nie durch besondere
Regelkunde ausgezeichnet.
Um
das ganze zu komplizieren, sieht es auch bei
Alemannia Aachen in der 2. Liga nicht gut aus,
die Insolvenz droht. Wenn die jetzt
zwangsabsteigen, aber eine Regionalliga-Lizenz
erhalten, ist Münster auch weg. Marschieren sie
direkt in die Oberliga durch (oder, wie der SSV
Ulm in der letzten Saison, in die Verbandsliga),
bleibt nicht nur Münster sondern auch Dresden
drin.
Außerdem
ist die Lizenzierung für die neue RL-Saison
auch für Vereine, die den sportlichen
Klassenerhalt geschafft haben, noch längst
nicht in trockenen Tüchern. Erhält einer
dieser Vereine die Lizenz nicht, rückt der
Tabellen-16. Dresden nach. Erhalten zwei die
Lizenz nicht, wären auch wir wieder drin. Bei
dreien kann sich sogar Fortuna Köln freuen,
dann steigt nämlich keiner der „nominellen“
Absteiger wirklich ab. Alles klar?
Die
Varianten, dass sowohl Aachen aus der 2. Liga
entweder in die RL oder die OL verbannt wird als
auch mehrere RL-Klubs keine Lizenz erhalten,
will ich hier gar nicht durchspielen, dies
bedarf wahrscheinlich einer mehrstündigen
Vorbereitung unter Benutzung diverser FlipCharts
und Proki-Folien.
Und
während der sportlich Interessierte sich schon
mal die Routenplaner nach Freialdenhoven und
Osterfeld ausdruckt und bei der Rheinbahn nach
Mengenrabatt für die Fahrt nach Ratingen
anfragt, kann der interessierte IKEA-Kunde
weiter hoffen.
Bei
alldem stellt sich nur noch die Frage: alle
Spiele in dieser Saison, alle schönen und nicht
so schönen Auswärtsfahrten, alle guten und
weniger guten Heimspiele – war das alles
umsonst, da anscheinend ein Möbelstück über
Wohl und Wehen der einzelnen Vereine
entscheidet? Dementsprechend wären auch meine
beiden Rückblicke für die Katz, da sie immer
davon ausgingen: Entscheidend is aufm Platz.
Dann kann ich ja auch aufhören und bis zum
05.06. (Ende des Lizenzierungsverfahrens) die
Klappe halten.
Und
somit verabschiede ich mich aus dieser Saison
mit dem Reporter-Zitat des Jahres, das gestern
in der WDR-Sendung beim Kommentar des Spiels
Braunschweig-Wattenscheid zu vernehmen war. Als
Wattenscheids Altintop nämlich in 34. Minute
das überraschende 1:0 für die Gäste erzielte,
was natürlich auf den Rängen lähmendes
Entsetzen zur Folge hatte, da hörte ich den
Satz, den wirklich nur jemand mit der fundierten
journalistischen Ausbildung des WDR zu Stande
bringen kann und dem ich jetzt schon für dieses
Highlight danken möchte:
„Im
Stadion herrschte gellende Stille.“
Wird
gemacht, Chef. Bei mir jetzt auch.
janus
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