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Zwischenbilanz
und Ausblick
Kurz
vor den Halbfinal- und Finalspielen bietet sich
nun doch eine kleine Bilanz dieser WM an. Und
mein Fazit lautet: Ich bin erschüttert! Erschüttert
über soviel Unwissen, das ich in meinem
WM-Check produziert habe! Da habe ich mich
Voraussagen extra zurückgehalten, nur hier und
da ein paar vorsichtige Andeutungen über das
Abschneiden diverser Mannschaften gemacht –
und was passiert? Alles falsch! Ebenso locker,
wie ich England, Japan, Südkorea, die Türkei,
die USA und Mexiko in der Vorrunde ausscheiden
ließ, habe ich Frankreich, Portugal und
Argentinien den Freifahrtschein für’s
Halbfinale erteilt. Und was machen die? Fahren
brav nach Hause, während die erstgenannten
Teams für die ein oder andere kleine und große
Überraschung sorgten.
In
Wahrheit freut mich das natürlich. Es zeigt,
dass ich auch nicht mehr Ahnung vom Fußball
habe wie die Millionen anderer (bzw. bei dieser
WM vielleicht sogar Milliarden?) selbsternannter
Heimtrainer und Manager, die vor der WM schon
genau wussten, wie das Fazit nach dem 30.06.
aussehen würde. Und das – ja, ich sage es –
ist halt Fußball. Erstens kommt es anders, und
zweitens als man denkt. Oder so ähnlich.
Schon
das erste Spiel machte da keine Ausnahme, obwohl
ich dem 0:1 der Franzosen gegen den Senegal
keine besondere Bedeutung beigemessen habe. Es
war nicht die erste Überraschung eines WM-Eröffnungsspiels
(1982: Argentinien-Belgien 0:1, 1990:
Argentinien-Kamerun 0:1), so toll fand ich die
Senegalesen auch nicht, und schließlich hatten
die Franzosen noch dreimal Latte oder Pfosten
getroffen, da kann man auch ein bisschen von
Pech reden. Aber als sich das in den kommenden
Tagen fortsetzte, wurde ich doch ein wenig
stutzig. Spätestens als die Amis, von denen ich
immer geglaubt habe, die kicken einfach nur so
ein bisschen rum, bis es Zeit zur nächsten Übertragung
eines Basketball- oder Football-Spiels im
Fernsehen ist, den Portugiesen in der ersten
halben Stunde des Spiels drei Bälle ins Netz
legten, wusste ich, dass ich mit meinem herkömmlichen
Fußballfachverstand bei dieser WM nicht viel
reißen kann. Zumal die Amis mich sowieso
verwirren: als Deutscher würde ich doch nie auf
den Gedanken kommen, dass ein Baseballschläger
dazu dienen könnte, dass man damit eine
Sportart betreiben könnte! Und jetzt können
sie auf einmal auch noch Fußball spielen, und
das gar nicht so schlecht. Seltsame Welt...
Die
Vorrunde, in der ich jedes Spiel sehen konnte,
sowie die Achtel- und Viertelfinalspiele
hatten natürlich einiges an aufregenden
Ereignissen und tragischen Helden.
Ganz
oben steht das für mich beste WM-Spiel:
Uruguay-Senegal. Die Urus mussten gewinnen, um
weiter zu kommen, lagen aber dummerweise zur
Halbzeit 0:3 zurück. Während sich an der
Heimatfront wahrscheinlich schon die ersten
Unzufriedenen auf die Straße begaben, um den
Staatsstreich zu planen (Fußball in Südamerika!),
wechselte Urus Trainer einen gewissen Herrn
Morales ein. Der schoss 50 Sekunden nach
Wiederanpfiff das 1:3, die Urus kamen wieder ins
Spiel, in der 93. Minute stand es 3:3 und Herr
Morales stieg zum Kopfball hoch. Aus ca. 4 m,
der Torwart irrte irgendwo im Strafraum umher,
ein einsamer Abwehrspieler stand auf der Linie,
und Herr Morales schaffte es, diesen Kopfball am
Tor vorbeizusetzen. Mich persönlich machte er
damit glücklich, er selbst wird diese WM wohl
lange nicht vergessen.
Genau
wie ein gewisser Winston Parks, der sein Geld
bei Udinese Calcio in Italien verdient, jedoch
die Staatsangehörigkeit Costa Ricas besitzt. Da
dachte ich, so ein Außenseiter-Tipp kommt doch
ganz gut, Costa Rica auf Platz 2 vor den Türken
und China. Und tatsächlich, das erste Spiel
verlor die Türkei gegen Brasilien, während
Costa Rica China schlug. Im schon entscheidenden
Spiel zwischen den Jungs von der reichen Küste
und den Döner-Spezialisten führten die Türken,
da wurde Herr Parks eingewechselt, schoss das
1:1 und machte mit dem 2:1 in letzter Minute
meinen Überraschungstipp wahr...halt, leider
nicht! Denn auch Herr Parks, 10 Minuten zuvor
noch der Nachweis für das goldene Händchen des
Trainers bei der Einwechslung, schoss in der 90.
Minute den Ball über das leere Tor. Ja, so schön
kann Fußball sein, denn im letzten Gruppenspiel
verlor Costa Rica, die Türkei gewann, und Herr
Parks kann den Sommer in Italien genießen. Nach
Hause gefahren wäre ich an seiner Stelle auch
nicht unbedingt...
Die
Argentinier: ein Sieg gegen Nigeria, und schon
waren sie wieder Weltmeister. Und sie wären es
vielleicht immer noch, wenn ihr Torwart beim
typischen einfallslosen englischen
Beckham-Haudrauf-Elfer einfach mal stehen
geblieben wäre und die Kugel mittels rechter
Klebe dem Spice Boy zurück an die Birne
geschossen hätte! Selten einen so schwachen
Elfer gesehen. Der wiederum genügte den Engländern,
um das Wachsfigur-Ebenbild des Mannes, für den
Frisuren wichtiger sind als sein Beruf, aus der
Ecke bei Madame Tussauds rauszuholen und damit
eine Woche lang den Trafalgar Square zu
verunstalten. Aber zum Glück haben sie ja noch
den Seaman. Der ist schon etwas älter, was sich
auch durch den schicken Zopf nicht kaschieren lässt,
und wahrscheinlich schon etwas seniler, sonst hätte
er sich im Viertelfinale gegen Brasilien
vielleicht daran erinnert, dass er sich in den
Neunziger Jahren mit Arsenal London im Endspiel
des EC der Pokalsieger gegen Real Saragossa
schon mal eine Kirsche aus 45m Entfernung
einfing. Tja, man begegnet sich immer zweimal im
Leben! Diesmal waren es zwar „nur“ 30m, die
ein gewisser Herr Ronaldinho, bei dessen Frisur
ich mich unwillkürlich immer frage, wie viel Mädels
der denn wohl laufen hat, zu überwinden hatte,
aber auch das klappte und Herr Seaman sollte
wenigstens noch ein Dankesschreiben der
Vereinigten Britischen Boulevardpresse erhalten,
dass er, wie vor 4 Jahren Beckham beim
Ausscheiden gegen die Argentinier, den
Klatschjournalisten jetzt wenigstens als Sündenbock
zur Verfügung steht. Nicht auszudenken, was da
sonst für Schlagzeilen gekommen wären! Am Ende
wäre es noch die Queen Schuld gewesen, weil man
sich bei den Feierlichkeiten zu ihrer 50jährigen
Thronbesetzung zu sehr verausgabt hatte! Dass
die Engländer völlig verdient ausschieden,
weil sie in keinem einzigen Spiel mal über 90
Minuten gut spielten und sogar für den
Langeweiler des Turniers, das ängstliche
Ballgeschiebe beim 0:0 gegen die bereits
ausgeschiedenen Nigerianer verantwortlich waren,
habe ich auf jeden Fall noch nirgendwo gelesen.
Ja,
und die Portugiesen: Figo spielte zwar mit, aber
mehr auch nicht. Man konnte sich des Eindrucks
nicht erwehren, dass der Mega-Star systematisch
von seinen Kollegen geschnitten wurde. Die haben
wohl gedacht, diese Vorrunde machen wir mit
links. Nur: „links raus“ ging’s
anscheinend Richtung Flughafen, wie auch die
Franzosen, Polen, Russen, Kroaten und die Löwen
aus Kamerun merken mussten. „Erster Gang
links, jeder bitte nur ein Kreuz!“ Und das völlig
verdient, denn was die erwähnten Mannschaften
zum Teil in der Vorrunde ablieferten, war schon
erstaunlich schlecht. Höhepunkt war mal wieder
der kollektive portugiesische Amoklauf im
letzten Gruppenspiel: erst zwei Spieler durch
Platzverweise verlieren, sich dann noch wundern,
dass man gegen 11 Gegner kurz vor Schluss noch
verliert und ausscheidet, und anschließend
lauert einer der Treter (Joao Pinto) anscheinend
noch dem Schiri auf, um ihm mal die
portugiesische Art der Spielanalyse zu
demonstrieren. Wer denkt da nicht sofort an die
EM 2000, als die Portugiesen zwar auch unglücklich,
aber ebenfalls völlig zu Recht durch einen
Golden-Goal-Elfmeter gegen Frankreich
ausschieden, was diverse Körperkontakte
diverser portugiesischer Spieler zum Schiri
nebst entsprechender Sperren nach sich zog. Ich
hoffe, den Joao Pinto legen sie nun auch mal
einige Zeit auf Eis. Von wegen Vorbildfunktion
und so. Ich weiß, ist nur Träumerei...schließlich
hat Rivaldo für seine schauspielerische
Glanzleistung gegen die Türkei, mit der er eine
Rote Karte für einen Türken provozierte, auch
nur ein paar Euro Geldstrafe bekommen. Findige Köpfe
haben ausgerechnet, dass Herr Rivaldo für diese
„Strafe“ exakt sechs Minuten spielen musste.
Ja, die FIFA ist sehr streng bei der Umsetzung
des Fair play-Gedankens...
Abgesehen
davon redet ja, was das Verlieren angeht, eh
keiner mehr über Portugal. Da kann es bei
dieser WM nur einen wahren Champion geben:
Italien! Was haben sie sich aufgeregt, nach dem
Ausscheiden gegen Südkorea! Fünf Tore seien
ihnen aberkannt worden! Wobei man erst mal darüber
streiten könnte, ob alle fünf zu Unrecht
abgepfiffenen Situationen auch wirklich zu Toren
geführt hätten, bei einigen stellten die
gegnerischen Torhüter nach den Pfiffen ja
augenblicklich die Arbeit ein. Und auch mal
abgesehen davon, dass die Italiener unter den
schwachen Schiri-Leistungen wirklich besonders
zu leiden hatten: war der Schiri Schuld, als
91-Mio-Ablöse-Mann Vieri gegen Südkorea in der
90. Minute aus 2m Entfernung das leere Tor nicht
traf? War der Schiri Schuld, als die
italienische Abwehr gegen Kroatien in nur drei
Minuten zwei Gegentreffer dieser Altherrenriege
zuließ? Und hatten die Schiris Trapattoni
gezwungen, ein 1:0 gegen die Fußballweltmacht Südkorea
70 Minuten über die Zeit zu mauern? Nein, nein
und nochmals nein, wer mit voller Absicht so
destruktiv spielt, der hats nicht anders
verdient. Schönen Gruß auch in diesem
Zusammenhang nach Spanien, wobei es dort heute
noch ruhig ist, mal sehen, wen die ab morgen für
ihr Ausscheiden verantwortlich machen werden.
Sich selbst wahrscheinlich nicht.
Und
zu Italien könnte man noch eine Menge
schreiben, aber zu Leuten wie dem Manager des
italienischen Klubs (AC Perugia), bei dem der südkoreanische
Torschütze (noch) unter Vertrag steht, und der
öffentlich sagt: „Wer Italien eliminiert, den
will ich hier nicht mehr sehen“, Leuten, denen
nix Besseres einfällt, als die Produktion von
panini-Sammelbildchen einzustellen (was mich
persönlich jetzt nicht besonders hart trifft,
aber wie war das mit der „Vorbildfunktion“
bzw. dem „fairen Verlierer“?), Leuten, die
die FIFA auf 7 Mio. € Schadenersatz verklagen
wollen (sollen doch besser zu Herrn Vieri gehen,
der zahlt das aus der Portokasse), oder
Ministerpräsidenten, die ganz offiziell von
Betrug sprechen...also zu solchen Leuten fällt
mir nix mehr ein. Mein Wunsch: ersauft in eurem
Selbstmitleid, wittert Verschwörungen überall,
aber verschont mich mit eurer Anwesenheit auf
der internationalen Fußball-Bühne für die nächsten
Jahre! Und schenkt dem Trapattoni mal ne
ordentliche Maurerkelle, dann klappts demnächst
auch mit den sieben 1:0-Siegen bis zum WM-Titel.
Das eine wie das andere ist natürlich utopisch,
aber man wird sich ja mal was wünschen dürfen...
Tja,
bleibt wieder mal nur der einzige Tipp, bei dem
ich richtig gelegen habe: unsere deutschen
Recken kann nix, aber auch gar nix erschüttern.
Es geht von Sieg zu Sieg, egal wie schlecht die
Mannschaftsleistung ist, und man muss wirklich
befürchten, dass wir Weltmeister werden! Nicht
dass es mich nicht freuen würde, es bestätigt
eindrucksvoll die gern gelallte Phrase von
Deutschland als Turnier-Mannschaft, aber langsam
geht das mit dem Glück doch ein bisschen zu
weit. Wie sagte schon ZDF-Ikone J. Baptist K.
nach dem 1:0 gegen die USA? „Wieviel Franz
steckt in Rudi?“ Abgesehen von der durchaus
gegebenen Zweideutigkeit dieses Satzes scheint
es doch eine ganze Menge zu sein, denn über den
Franz wird ja allgemein gesagt, wenn der aus dem
Fenster fällt, fällt er nach oben, soviel Glück
hat der. Und dieses Glück wird wohl auch nicht
vor 11 Südkoreanern, die „man totschlagen
muss, damit sie nicht weiter laufen“
(sportliche Analyse, danke, Herr Calmund),
50.000 fanatischen Fans im Stadion sowie einem
Schiri-Gespann, das vielleicht bei den Koreanern
wieder mal das ein oder andere Auge zudrücken
wird, halt machen. Schließlich haben wir den
besten Torwart der Welt, und der Rest biggelt
die Kugel schon irgendwann vorne ins Tor,
vorzugsweise ein Herr Klose, der in der
abgelaufenen Saison bei seinem Stammverein
Kaiserslautern, wenn er denn mal spielen durfte,
höchstens durch talentierte Fallsucht auffiel,
jetzt aber schon den Rohbau seines Eigenheims in
der BILD am Sonntag und demnächst wohl seinen
Starschnitt in der BRAVO bewundern kann.
Wobei...jetzt
muss ich mal ehrlich sein: was habe ich mir gewünscht,
dass der Chilavert im Achtelfinale dem Kahn
diesen Freistoß reinhaut! Nicht, weil ich die
Paraguayos gewinnen sehen wollte, sondern weil
Großmaul Chilavert vor dem Spiel angekündigt
hatte: „Dem tu ich mindestens einen rein!“
(bitte nicht wieder zweideutig auslegen), worauf
der auch nicht grad schmallippige Kahn
erwiderte: „Dann hör ich mich dem Fußballspielen
auf!“ Das wäre mal ne Aussicht gewesen! Und
die WM hätte er ja sowieso noch zu Ende
gespielt. Und auch wenn er bislang absolut
fantastisch gehalten hat, was ich gerne zugebe
– ich kann dieses kaugummikauende Monstrum
langsam nicht mehr sehen. Besonders diese schöne
Nahaufnahme bei der Fritz-Walter-Gedenkminute
vor dem Spiel gegen die USA, in der ein
sichtlich gelangweilter Kahn kaugummikauend, wie
er es wahrscheinlich auch auf jedem Friedhof
machen würde, auf das Ende wartete, um endlich
wieder ordentlich losbrüllen zu gehen, hat mich
endgültig in meiner Überzeugung bestärkt,
dass Kahn, wenn es um den Titel „Arrogantester
Schnösel“ geht, langsam aber sicher vor
Lehmann auf die Zielgerade einbiegt. Aber
Chilavert schoss ja in die Wolken und somit
bleibt mir der Olli auch nach dem Turnier
erhalten. Ja, man kann nicht alles haben.
A
propos: alles haben konnte ich fernsehtechnisch
in der Vorrunde beim belgischen Sender RTBF 1,
der sich in meinem Kabelnetz tummelt, vor der WM
wahrscheinlich von niemandem in meiner Umgebung
näher beachtet, aber seit dem 31.05. mit
Einschaltquoten ungeahnten Ausmaßes versehen.
Da kam ich allerdings kaum in den Genuss der so
hervorragenden SAT.1-WM-Sendung. Obwohl, ich
habe mich bemüht: wenn ich wirklich nix anderes
zu tun, habe ich abends SAT.1 eingeschaltet.
Wenn ich also keine Lust hatte, zu lesen, Musik
zu hören, mich zu unterhalten, zu essen, zu
trinken, zu telefonieren, zu surfen, zu bügeln,
zu putzen, aus dem Dienst mitgebrachte Arbeit zu
erledigen oder Wäsche aufzuhängen, um nur
einige Tätigkeiten zu nennen, die ich SAT.1
vorziehe – dann habe ich in der Vorrunde
„Ran“ eingeschaltet. War exakt dreimal der
Fall. Die ersten beiden Male lief leider
Werbung. Tja, sorry, SAT.1, ich habs probiert.
Beim dritten Mal gabs sogar Fußball, da bin ich
drei Minuten dran geblieben: es spielte Kamerun
gegen Saudi-Arabien, der Stürmer Eto’o
erzielte das Siegtor und eilte danach in die
Arme von Trainer Winnie Schäfer, weil das für
die Spieler wahrscheinlich die einzige Möglichkeit
ist, dessen prächtigen Haarschopf mal
ordentlich durchzukneten. Kommentiert wurde das
von dem allseits bekannten Herrn Dahlmann so:
„In seinem Jubel lässt er alle
Mannschaftskollegen stehen – er will zum weißen
Mann!“ Danach hab ich abgeschaltet und
Kolonialkrieger Dahlmann viel Spaß bei der
Aufarbeitung seiner Kisuaheli-Kenntnisse gewünscht,
die er sicherlich in seinem verstaubten
treudeutschen Kellerloch fleißig üben wird.
Schließlich war Kamerun ja schon mal deutsch,
und wenn da jetzt schon der Winnie eine so
wichtige Position bekleidet, wer weiß,
vielleicht gibt’s da bald auch ein nettes Pöstchen
für Herrn Dahlmann. Ich jedenfalls würde es
ihm gönnen...
Nachdem
jedoch der hervorragende Kabelnetzbetreiber ish
sich dem Druck der Kirchgruppe gebeugt und RTBF
1 aus dem hiesigen Kabelnetz entfernt hat, muss
ich ja wirklich ab und zu diese lustige
Werbesendung mit Fußball zwischendurch, mit
wahrscheinlich extra für diesen Zweck
eingekauften „Jubelfans“ als Zuschauern und
mit den beiden unglaublich brillanten
Analytikern Welke und Breitner ansehen. Wobei
der Welke ja noch halbwegs erträglich ist, da
er, wahrscheinlich als einziger bei SAT.1, auch
ganz gerne mal über sich selbst lacht. Was
Pavian-Paule dagegen manchmal ablässt, verletzt
bei mir schon die Grenzen der Dümmlichkeit.
Tausendmal gehörte Phrasen, schale Witzchen und
immer mal wieder der kleine Hinweis, dass er ja
mal drei Minuten deutscher Bundestrainer gewesen
ist, lassen in mir den Verdacht aufkommen, es
handele sich hierbei um einen persönlichen
Rachefeldzug Breitners an der breiten Masse, die
sich nicht dagegen wehren kann, wie er meint.
Ich kann, denn ich schalte nach den „Fußabll-Berichterstattungen“,
wenn man die fünfminütigen Schnippsel bis zum
nächsten Werbeblock so nennen kann, konsequent
um, damit dieser Herr mir die Laune nicht noch
mehr verdirbt. Das war nämlich auch so ein
Vorteil von RTBF: vielleicht saßen da ähnliche
Hohlschwätzer vor den Mikrophonen – aber ich
habe kein Wort verstanden! Und das fand ich
wesentlich unterhaltsamer als die Herren
Breitner, Fassbender und – ganz besonders –
Wilfried Mohren, bei denen ich allesamt den
Verdacht habe, sie seien von premiere bestochen
worden, um dem Zuschauer bei ihren Kommentaren
mal so richtig Lust auf Pay-TV zu machen. Und
dem Kerner würde ich die ehrliche Leidenschaft,
mit der er immer kommentiert und die ordentlich
aufs Ohr geht, ja nur zu gerne abnehmen, aber
wer klaglos in seiner sonstigen
Dumpflaber-Sendung eine Stunde einstudiertes
Geheule von Verona Feldbusch erträgt, ohne
irgendwann mal mit der Faust auf den Tisch zu
hauen und zu sagen: „Ich lass mich nicht
verarschen“, bei dem hab ich mit ehrlichen Gefühlen
so meine Probleme.
Nun
wollen wir uns mal überraschen lassen, wer
Weltmeister wird. Wie gesagt: eigentlich muss es
Deutschland sein, denn wer will uns schlagen? Südkorea:
siehe meine Ausführungen zum Thema Baseballschläger,
offiziell unterstützt von der ebenfalls bereits
genannten Aussage des Herrn Calmund, da sollte
also nix schief gehen.. Brasilien? Die haben
keine Chance, schließlich haben sie ihre schön
herausgespielten Tore bislang immer gegen
Mannschaften geschossen, die versucht haben,
mitzuspielen, und das wird uns bestimmt nicht
passieren! Außerdem müssen die Brasilianer
nicht Weltmeister werden, einen Oscar für die
beste schauspielerische Leistung in diesem
Turnier, bereits am 4. Turniertag lässig von
Superstar Rivaldo eingefahren, reicht wohl auch,
man muss ja nicht gleich gierig werden. Die Türkei?
Das wird’s natürlich eng, normal hätte ich
gesagt, die haben auch keine Chance, schließlich
spielt der Bastürk da mit, von Bayer
Leverkusen, insoweit brauchen die gar nicht
antreten. Etwas irritiert bin ich nur, dass im
deutschen Kader auch mehrere Leverkusener kicken
und sogar der Teamchef, Deutschländer Rudi Völler,
der die Iren so gerne als „Ir(r)länder“
bezeichnet, steht, wenn ich richtig informiert
bin, dort noch in Lohn und Brot, und ist bislang
nur gegen ein Frühstückspils an die fidele
Funktionärstruppe von Mayer-Vorfelder
ausgeliehen. Aber irgendwie mache ich mir da
auch keine Sorgen: von den 23 Spielern im türkischen
Aufgebot spielen 15 in der Türkei, also dem
Land, das taktisch klug vor der WM noch
monatelang von solchen Trainer-Gurus wie
Christoph Daum, Werner Lorant und Lorenz-Günther
Köstner traktiert wurde. Also: die deutsche Gründlichkeit
wird’s schon richten.
Und
so sage ich mit jedem Couchpotatoe in diesem
Land: es ist mir egal, wer Weltmeister
wird...solange es Deutschland ist!
Und
komm mir keiner mit dem Spruch: Weltmeister soll
die beste Mannschaft werden. Holland war nämlich
gar nicht erst dabei...
Eine
schöne letzte WM-Woche wünscht
janus
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