Es ist vorbei! Die
erste Zweitliga-Saison der Fortuna nach zehn
Jahren ist Geschichte. Sie endete mit einem
herausragenden vierten Platz und diversen
Superlativen, vornehmlich die Heimspiele
betreffend. Und während sich jetzt alles geistig
auf die anstehende WM vorbereitet, lasse ich
nochmal schnell die letzten vier Spiele der
Fortuna Revue passieren. Auch wenn es nicht mehr
um ganz so viel ging, weil man an die
Aufstiegsplätze nicht mehr so richtig heran
kommen konnte, die Jungs hängten sich bis zum
Schluss rein und boten noch einen schönen
Abschluss.
Irgendwie farblos
Am 18.04.2010
erschienen die Münchner Löwen mit ihrem
Zettel-Dompteur Ewald Lienen in der esprit-Arena,
ließen brav die Punkte da und verschwanden
wieder. Ein Spiel, über das man wirklich nicht
viel schreiben kann. Ich will gar nicht mal
sagen, dass es schlecht war, aber es passierte
halt viel im Mittelfeld, und die Aufreger konnte
man an einer Hand abzählen. Und das bei 12:7
Ecken! Aber es war halt zumeist alles harmlos.
Wobei direkt der erste Eckball schon eine Art
Vorentscheidung brachte. Bereits nach 3 Minuten
hat Thorsten Oehrl den Eckstoß herausgeholt.
Heidinger bringt den Ball von links in die
Mitte, der wird geklärt, aber nur bis kurz
hinter dem Sechzehner. Dort versucht sich
Christian Weber mit einem Nachschuss, trifft die
Kugel allerdings nicht voll. Somit wird es ein
Volleyball in den Strafraum hinein, genau auf
Innenverteidiger Langeneke, der wie bei jedem
Eckball vorne mitmischt. Der verlängert die
Kugel nun geistesgegenwärtig auf das Tor,
scheiterte zunächst noch an einer Blitzreaktion
von Löwen-Keeper Kiraly – aber der Abpraller
landet wieder bei Langeneke und kann von ihm per
Kopf verwandelt werden. 1:0 für Fortuna nach
noch nicht einmal vier Minuten.
Und da Fortuna in
der Anfangsviertelstunde mehr vom Spiel hatte,
hätte man schon nach einer Viertelstunde den
Deckel drauf machen können, aber Thorsten Oehrl,
toll freigespielt von Martin Harnik, brachte
dann das Kunststück fertig, völlig frei stehend
aus fünf Metern Entfernung an Kiraly zu
scheitern. Danach plätscherte die Partie so vor
sich hin, bis auch die Löwen kurz vor der Pause
ihre einzige gefährliche Situation hatten. Diese
entstand nach einem Freistoß für Fortuna am
gegnerischen Strafraum. Der Ball wurde geblockt,
die Löwen spielten binnen zehn Sekunden einen
Riesen-Konter aus, der seinen krönenden
Abschluss darin fand, dass Sascha Rösler aus
zwölf Metern, halblinks im Strafraum, frei zum
Schuss kam. Er böllerte die Pille halbhoch
Richtung langes Eck, und der hätte gepasst, wenn
Ratajczak nicht mit einer tollen Flugeinlage
hätte retten können. Das war es dann auch schon
bis zur Pause. Und da es danach nicht unbedingt
spannender wurde, lassen wir die kleineren
Chancen, die die Fortuna noch hatte, einfach aus
und kommen zum Wesentlichen: in der
Nachspielzeit wurde der eingewechselte Gaus im
Münchner Strafraum festgehalten, der
Abwehrspieler hatte wohl keine Lust mehr,
hinterher zu laufen. Schiri Knut Kircher, bei
dem einige Leute noch zur Pause gemutmaßt
hatten, dass der wohl seine Pfeife zuhause
vergessen habe, weil er sie so selten benutzte,
er hatte sein Spielgerät mittlerweile wieder
gefunden und blies einmal kräftig rein. Elfmeter
Fortuna, keine Proteste der Gäste, und ein
Doppelpack für Jens Langeneke, der auch vom
Punkt gegen Kiraly Sieger blieb. Kurz darauf
Abpfiff, 26.500 Zuschauer waren zufrieden,
Fortuna gewann 2:0 gegen die Münchner Löwen.
Eigentlich schade, dass jetzt zwei
Auswärtsspiele folgten.
Sinnloskick
Am Sonntag, den
25.04.2010, trat Fortuna bei Arminia Bielefeld
an. Das hätte natürlich ein schönes Spitzenspiel
werden können. Dass es das nicht wurde, lag
allerdings eher an den Gastgebern, die nach der
Winterpause alles daran gesetzt hatten, von
einem Aufstiegsfavoriten zur Ulknudel der 2.
Liga zu verkommen. Zunächst schwache sportliche
Leistungen, dann flog der lustige Trainer
Gerstner, der nunmehr wohl nie mehr ein Team auf
deutschem Boden trainieren darf. Der aus dem
Hinspiel bei uns als etwas homophob bekannt
gewordene Co-Trainer Frank Eulberg übernahm bis
Saisonende, eigentlich ein guter Tausch, wenn
man bedenkt, dass die Bielefelder, genau wie
wir, in der letzten Sommerpause noch mit Lothar
Matthäus in Zusammenhang gebracht worden waren.
Dann schlug die Stunde der Buchprüfer. Dieser
Beruf muss doch kreativer sein als wir alle
vermutet haben, denn je mehr dieser Leute bei
der Arminia die Unterlagen durchsehen, desto
höher wird der Schuldenberg. Wenn das so weiter
geht, hat Bielefeld in der Sommerpause Real
Madrid überholt. Aus zunächst 2,5 Mio. Euro
Verbindlichkeiten wurden bald 6 Millionen,
aktuell deren 12! Besonders beim Stadionumbau
muss sich der Verein völlig übernommen haben,
aber Hauptsache, eine schicke Arena rumstehen
haben. Der DFB hatte schon das erste Aufkommen
von Verbindlichkeiten mit dem Abzug von vier
Punkten bestraft, weil Bielefeld diese Schulden
bei der Lizenzvergabe zur neuen Saison
verschwiegen hatte. Damit war der Traum vom
Aufstieg ausgeträumt, und die Arminia dümpelte
dem Saisonende entgegen.
Allerdings war für
das Spiel gegen uns noch ordentlich Feuer drin,
eingedenk des netten Zusammentreffens in der
Hinrunde. Es war klar, Bielefeld würde die
Partie nicht abschenken. Und es war ebenso klar,
dass sie immer noch eine gute Mannschaft haben.
Die Kaderflucht wird erst nach der Saison
einsetzen, wenn das Finanzielle nicht geklärt
wird. Ein harter Brocken also, zumal bei unserer
bekannten Auswärtsstärke.
Fortuna spielte in
Bielefeld 1:1. Ein gutes Ergebnis, eigentlich.
Aber wer noch aufsteigen wollte, für den war es
natürlich zu wenig. Zumal ein Sieg auch drin
gewesen wäre. Heidinger hatte die Fortuna vor
14.000 Besuchern bereits in der 15. Minute in
Führung gebracht, als er, am langen Pfosten
lauernd, eine Flanke von der rechten Seite, die
an Freund und Feind vorbei geflogen kam, im Netz
unterbringen konnte. Anschließend hatte Fortuna
mehr vom Spiel, versäumte es aber, den Sack
zuzumachen. Zunächst vergab Oehrl eine große
Chance, kurz darauf konnte er Feierabend machen.
Und zwar für den Rest der Saison. Er wurde an
der Seitenlinie von Bollmann schön umgegrätscht,
natürlich von hinten, macht ja mehr Spaß. Der
Schiedsrichter stand gut postiert in der Nähe,
der Assistent gar nur knapp einen Meter vom
Geschehen entfernt. Ihre Entscheidung: Einwurf
für Fortuna. Kein Freistoß, keine Ermahnung,
keine Karte für Bollmann, nichts! Der durfte
sich auf seinem Weg zurück in die Abwehr sogar
noch von einem Mitspieler für diese glorreiche
Tat abklatschen lassen. Oehrl durfte mit
Bänderanriss vom Feld, Saison beendet. Aber es
wird schon alles mit rechten Dingen zugegangen
sein, schließlich gab es ja noch nicht einmal
Freistoß. An Oehrls Stelle würde ich mir
überlegen, den Schiri wegen Beihilfe zur
Körperverletzung zu verklagen. Natürlich käme
dabei nix rum, aber vielleicht würde dann
endlich mal jemand beim DFB aufwachen. Es kommt
immer wieder vor, dass die Schiris üble Fouls
anscheinend als „internationale Härte“ bewerten
und völlig ungerührt durchgehen lassen, aber
ganz schnell mit der Kartenvergabe dabei sind,
wenn mal ein Ball weggeschossen oder ein Trikot
ausgezogen wird. So ein Bänderanriss bei Oehrl
entsteht ja wohl kaum, weil der Bollmann den
Ball gespielt hat. Aber Schiri Leicher hatte
sowieso seinen großen Tag und ließ in der
zweiten Halbzeit auch Fortuna-Einwechselspieler
Gaus auf dem Feld, obwohl der in einer Szene
ebenfalls dermaßen einstieg, dass Rot
gerechtfertigt gewesen wäre. Und als er zehn
Minuten vor Schluss Bielefelds Stürmer Pavel
Fort nach rüdem Einsteigen endlich vom Feld
schickte, da war es dann zu spät, da hatten
beide Teams das Spiel schon zertreten.
Als Fort noch auf
dem Spielfeld weilen durfte, hatte er in der 65.
Minute per Kopf das 1:1 erzielt, verdient, weil
Bielefeld in der zweiten Hälfte wirklich
aufdrehte, noch einmal etwas von ihren Stärken
aus der Hinrunde aufblitzen ließ. Wie das Spiel
allerdings verlaufen wäre, hätte Harnik in der
50. Minute das 2:0 gemacht, kann man nur
erahnen. Nach missratener Bielefelder
Abseitsfalle stürmte er alleine auf Eilhoff zu
und lupfte den Ball dann neben das Tor. Im
Nachhinein sah es so aus, als ob er sich selbst
den Abseitspfiff gewünscht hätte, um aus der
Verantwortung heraus zu kommen. Man hat halt
solche Phasen, auch als Stürmer.
Und da man solche
Phasen auch als Schiri hat, verweigerte der
Unparteiische hüben wie drüben beiden Teams noch
je einen regulären Treffer, wovon in der
Zusammenfassung bei sport1 dankenswerterweise
jedoch nur die nichtexistente Abseitsstellung
des Bielefelders Federico gezeigt wurde, nicht
dass man sich noch mehr aufregen würde. Oder
weil es im Grunde niemanden so richtig
interessierte.
Und so endete die
Partie schließlich 1:1. Dem Gastgeber war`s
egal, für den ging es um nichts mehr, für den
Gast war es eigentlich eine gute Leistung, aber
zu wenig – einer der wenigen Sinnloskicks in
dieser Saison.
Oberhausen –
braucht kein Mensch
Irgendwann geht
alles mal zu Ende. Und so fand am 02.05.2010
denn auch das letzte Auswärtsspiel unserer
ersten Zweitliga-Saison statt. Der Gegner hieß
RW Oberhausen, noch nicht gerettet, theoretisch
benötigten sie noch einen Punkt zum sicheren
Klassenerhalt. Ein irgendwie merkwürdiges Spiel,
unsere Reise in die Nachbarschaft.
Es begann damit,
dass die DFL den Anstoß aller neun Spiele an
diesem Tag auf 17.30 Uhr legte. Damit hatte die
Institution allerdings wenig zu tun, dies kam
von der Polizei. Grund hierfür war natürlich die
Tradition, die in Deutschland alles ist. Diesmal
allerdings nicht wegen Karneval, Schützenfest
oder ähnlich gehaltvoller Veranstaltung, sondern
weil der Tag vor dem 2. Mai auch ohne viel
Nachdenken als 1. Mai identifiziert werden kann.
Und an diesem Datum randaliert man in
Deutschland ja gerne mal in preußischer
Korrektheit, während es an den 364 weiteren
Tagen im Jahr eher friedlich bleibt. Weil man
deshalb mit gesteigerten Polizeieinsätzen in der
Nacht rechnete, sahen sich die Ordnungshüter
nicht in der Lage, alle neun Spiele, soweit
erforderlich, zum üblichen sonntäglichen
Spieltermin, also 13.30 Uhr, zu begleiten, und
drückten eine Verlegung auf 17.30 Uhr durch. Ich
überlege noch, ob ich das umsichtig finden oder
für ein Armutszeugnis halten soll. Immerhin, der
gewiefte Einbrecher, der diese Information schon
vor Wochen überall lesen konnte, wird dann wohl
seine geplante Vermögensumverteilung beim
einheimischen Juwelier auf den Sonntag Morgen
verlegt haben, weil er darauf hoffen konnte,
dass zu diesem Zeitpunkt möglichst viele
Polizisten in der Ruhephase dahin dämmern
würden. Exakte Planung ist schließlich das halbe
Leben. War wohl eher doch ein Armutszeugnis.
Dem wollte man in
Oberhausen natürlich nicht nachstehen. Das
Stadion Niederrhein liegt dortselbst so ziemlich
genau in der Mitte zwischen zwei
Autobahnabfahrten der A 42, nämlich Buschhausen
und Zentrum. Von der Entfernung her ist es
wirklich relativ egal, welchen der beiden Wege
man wählt. Da aber hier nicht jeder so kann wie
er will, pflegt man in Oberhausen schon seit
Jahr und Tag die Zufahrt über die Abfahrt
Zentrum zu sperren, damit sich der Besucherstrom
per Auto nur über die Abfahrt Buschhausen
ergießen möge. Bei den üblichen 4.000
Zuschauern, die zu RWO-Heimspielen kommen,
sicherlich vertretbar. Bei Spielen gegen
Mannschaften, die auch was an Fans mitbringen,
eher grenzwertig. So sorgte man mit dieser etwas
einseitigen Verkehrsführung bereits im Jahr 2007
beim Spiel gegen die Fortuna in der Regionalliga
Nord für ellenlange Rückstaus bis auf die
Autobahn, was dort auch von
nichtfußballbesessenen Autofahrer not amused zur
Kenntnis genommen wurde, denn das Spiel fand
damals am frühen Mittwoch Abend statt, und das
Stauende mündete somit durchaus noch in den
Feierabendverkehr. Aber diesmal war ja Sonntag.
Irgendjemandem – und ich schreibe dies bewusst
so, denn ich weiß wirklich nicht, wer dafür
verantwortlich ist – war dies offenkundig zu
langweilig. Und deshalb wurde einfach mal an
jenem Wochenende die Autobahnabfahrt Buschhausen
komplett gesperrt, wie die Polizei doch schon am
Freitag vor dem Spiel mitteilte. Wegen
Asphaltierungsarbeiten. Natürlich habe ich
Verständnis für Asphaltierungsarbeiten, wer
hätte dies nicht. Dass diese aber zwingend an
jenem Wochenende durchzuführen waren, an dem in
unmittelbarer Nähe eine Großveranstaltung mit
mehr als 10.000 Besuchern stattfand, dass das
auf gar keinen keinen keinen Fall vorher oder
nachher hätte erledigt werden können, das glaubt
noch nicht einmal der Heilige St. Christophorus.
Natürlich kann der Verein RW Oberhausen hierfür
nichts, aber wie gesagt: würde mich schon mal
sehr interessieren, wer dafür verantwortlich
war. Und ich wette, es wird jemand gewesen sein,
der an jenem Wochenende noch nicht einmal in der
Nähe dieser Autobahnabfahrt war. Dann
entscheidet sich so etwas naturgemäß leichter.
Nun war der Umweg
nicht gar so groß wie zunächst befürchtet,
einfach schon auf der A 3 in Oberhausen-Lirich
runter und dann um drei Ecken durch vier
Wohngebiete, kam man auch am Stadion raus. Alles
kein Problem. Außer vielleicht für diejenigen,
die da wohnen, aber mein Gott, bissken Schwund
ist halt überall.
Genau dies dachten
sich wohl die RWO-Verantwortlichen auch beim
Kartenverkauf. Im Jahr 2007 hatte man sämtliche
Gästetickets im Vorverkauf abgeben wollen, mit
der pfiffigen Begründung, man könne nicht
gewährleisten, an der Abendkasse Tickets für
4.000 erwartete Gästefans zu verkaufen. Diesmal
waren sie fortschrittlicher: da schon im Vorfeld
über 7.000 Tickets an die Gäste gegangen waren,
versuchte man erst gar nicht, irgendetwas zu
organisieren. Die Leute wurden in die
Gästeblöcke gepfercht, bis sie voll waren, dann
wurde einfach ca. 12 Mal die Durchsage getätigt,
man möge doch bis nach unten zum Zaun
durchgehen, da vor dem Eingang noch weitere
Fortuna-Fans auf Einlass warteten. Dass man da
unten hinter Werbebanden und Zaunfahnen kaum
noch etwas sehen konnte, zumal der Gästeblock
durch die Laufbahn eh schon gefühlt 100 Meter
vom Spielfeld entfernt liegt – egal. So nach dem
Prinzip Deutsche Bahn, denen ja zumeist auch
reichlich egal ist, wann die Reisenden ihr Ziel
erreichen: die Leute haben eh bezahlt, wen
interessierts, ob die für ihr Geld auch noch was
sehen. Wenn die Infrastruktur rund ums und im
Stadion Niederrhein allgemein so schlecht ist,
dann sollte RWO vor der nächsten Saison mal
erklären, wie sie Spiele mit mehr als 10.000
Zuschauern durchzuführen gedenken. An jenem
Sonntag konnte man nämlich wieder einmal
ziemlich klar sehen, dass sie davon keinerlei
Ahnung haben. Nur sollte man dies dann nicht an
den Gästen auslassen.
Aber sie sind ja
eh gute Gastgeber. Wenn Düsseldorf kommt, muss
natürlich die Moralkeule geschwungen werden, und
so versuchte man, im Vorfeld und auch im
Stadionheft mit der herzzerreißenden Attitüde
„Malocher vs. Kö“ Pluspunkte zu sammeln. Ganz
was Neues, zumindest was das aktuelle
Kalenderjahr betrifft. War nämlich bei unserem
Gastspiel 2007 exakt dasselbe, die PR-Abteilung
hatte seitdem wohl genauso Pause wie die
Organisatoren. Und wenn die eigenen Fans schon
keinen Bock haben, ihre Mannschaft anzufeuern,
vielleicht weil die wirklich grottenschlecht
spielt, dann gibt es auch hierfür eine helfende
Hand von offizieller Seite: es wurden während
des Spiels keinerlei Zwischenergebnisse von
anderen Plätzen eingeblendet – mit einer
einzigen Ausnahme: das 1:0 des FC Augsburg gegen
den TSV 1860 München, welches endgültig
klarstellte, dass wir nicht mehr an
Tabellenplatz 3 herankommen würden – dieser
Treffer erschien ca. 20 Sekunden, nachdem er in
Augsburg gefallen war, auf der Anzeigetafel in
Oberhausen. Die Einheimischen freuten sich und
skandierten „Niemals 1. Liga“, was das Einzige
war, das von diesem versprengten Häuflein
während des Spiels überhaupt zu hören war. Da
es allerdings derart offenkundig war, wie die
Stadionregie hier die Massen pushen wollte, dass
es sogar dem Schiri negativ auffiel, wurde diese
Aktion tatsächlich als „Unsportlichkeit“ im
Spielbericht vermerkt. Schafft auch nicht jeder,
Glückwunsch, Oberhausen. Tja, wenn einem schon
nix Anderes einfällt...
Kurz vor
Spielbeginn ließ man im strömenden Regen einen
kleinen Jungen auf der Tartanbahn antreten, um
sich von ihm einen Tipp für das Spiel abzuholen.
Der hieß natürlich Justin, 11 Jahre alt. Mutig
tippte er auf ein 2:1 für Oberhausen. Vom
Stadionsprecher nach seinen Lieblingsspielern im
RWO-Trikot befragt, sagte der kleine Justin dann
laut und deutlich „Heinrich Schmidtgal und Mike
Terranova!“ Das war ebenso gut akustisch zu
verstehen wie man optisch sehen konnte, dass der
„Mini-Malocher“ (deren Diktion, nicht die meine)
ein Trikot mit dem Namen „Dimitrios Pappas“
trug. Da waren die beiden Lieblingshelden wohl
gerade in der Wäsche. Das passte irgendwie zu
jenem Nachmittag.
Und damit uns das
Spiel auch richtig im Gedächtnis bleiben sollte,
hatte man sich noch etwas einfallen lassen.
Wurde ein Teil der Gästekurve schon vor dem
Spiel und während der ersten Hälfte von dermaßen
vielen Ordnern angestaunt, dass man die Laufbahn
vor lauter neongelben Jacken nicht mehr sehen
konnte, so zog die Staatsmacht im Verlaufe der
zweiten Hälfte dann auch alle Register. Gegen
Ende des Spiels marschierten nämlich auf einmal
gefühlt hundert Hundertschaften auf und
riegelten den Gästeblock ab, zusätzlich kamen
noch Hunde auf die Laufbahn sowie zwei
Einsatzwagen. Man hätte meinen können, ein
Bürgerkrieg läge in der Luft. Aber tapfer, dass
die Jungs sich sofort wieder in die Schlacht
stürzen wollten, nachdem sie sich ausgeruht
hatten (remember Verlegung der Anstoßzeit). Ein
völlig unverhältnismäßiger Aufmarsch, der
zunächst belustigte, dann aber, als er kein Ende
nehmen wollte, spürbar die Laune im Block
verschlechterte und die Stimmung beinahe kippen
ließ.
Nun muss man dazu
sagen, dass einige Strategen bei uns zu Beginn
des Spiels Pyro abgebrannt und einen kleinen
Rauchteppich gelegt hatten, dass es nur so
qualmte. Wahrscheinlich frei nach dem Motto
„Alles muss raus!“ Vielleicht dachte man auch,
da man sich in dieser Saison überraschend gut
benommen habe, stünde einem beim letzten
Auswärtsspiel endlich wieder das Recht zu, den
Verein zur Kasse zu bitten, denn die Aktion wird
ja unter Garantie nicht spur- und straflos an
Fortuna vorbei gehen. Wahrscheinlich wollten sie
aber nur mal wieder in die Verlosung zur besten
Stadion-Atmosphäre bei stadionwelt.de.
Nur: diese Aktion
war gar nicht der Grund für das
Ordner/Hunde/Polizei/Einsatzwagen-Aufgebot.
Begründet wurde dies nämlich damit, dass die
RWO-Fans nach dem Spiel den zu erwartenden
Klassenerhalt mit einem zünftigen Platzsturm
feiern wollten. Und da wollte man verhindern,
dass sich beide Fanlager zu nahe kämen. Ja nee,
is klar. Da hätte ich mal nen Tipp: Wenn irgend
jemand eine solche Begründung glauben soll, dann
sollte man aber wenigstens ein einziges Männeken
auch vor die RWO-Kurve stellen, sonst wirkt es
etwas billig.
Im Endeffekt blieb
alles ruhig. Als der Einmarsch der Gladiatoren
kein Ende nehmen wollte, wurden die tapferen
Recken schließlich trotzig mit „Wir wolln die
Panzer sehn!“ begrüßt, was anschließend in ein
humorvolles „Wir wolln euch tanzen sehn!“
mündete. Verstanden hat die Aktion bis heute
niemand, aber es gibt bestimmt irgendwo ein
Büro, in dem jemand einen Haken auf den
Einsatzbericht macht und sich selbst für diese
tolle Idee lobt.
Ach ja, Fußball
wurde auch noch gespielt. Fortuna gewann 1:0,
konnte aber dennoch Platz 3 endgültig abhaken,
weil Augsburg mit demselben Ergebnis gegen 1860
München gewann. Oberhausen verlor somit 0:1 und
bekam dennoch den Klassenerhalt geschenkt, weil
Hansa Rostock sein Spiel gegen Cottbus nicht
gewinnen konnte.
Viel mehr muss man
auch zu diesem Spiel nicht sagen, es war
ziemlich schlecht, mit nur wenigen Torchancen.
Da verwundert es nicht, dass der
spielentscheidende Treffer aus einem Eigentor
resultierte. Ex-Fortune Marinko Miletic hatte in
der 35. Minute an der Seitenlinie direkt vor der
Fortuna-Trainerbank Oliver Fink weggegrätscht,
so ca. 30 Meter vor dem Tor, dafür gabs Gelb und
Freistoß Fortuna. Marco Christ brachte den Ball
in den Strafraum, RWO-Kapitän Kaya wollte mit
einem ziemlich gestreckten Bein klären, aber
dies war eine Nummer zu akrobatisch für einen
„Malocher“. Prompt traf er zwar die Kugel,
verlängerte sie allerdings sehr schön nach
hinten, an seinem Keeper vorbei zur Düsseldorfer
Führung ins eigene Netz. Hübsch anzusehen, gute
Haltungsnoten.
Des Weiteren gab
es in Halbzeit 1 bei strömendem Regen vor
insgesamt 15.000 Zuschauern noch eine schöne
Einzelleistung von Lambertz zu bewundern, der
mit einem seiner berüchtigten „Slow feet“-Soli
drei Oberhausener stehen ließ, anschließend
allerdings aus sechzehn Metern nur das Außennetz
traf. Die dickste Chance des gesamten Spiels
hatte kurz vor der Pause Martin Harnik, als
mittels toller, schneller Kombination die
aufgerückte Oberhausener Abwehr kurz hinter der
Mittellinie ausgehebelt wurde. Harnik strebte so
ziemlich allein Richtung generisches Tor,
schüttelte auch noch den letzten Bewacher ab,
wurde dabei allerdings zu weit nach links
abgedrängt und spitzelte den Ball anschließend
mit der rechten Pieke am Torwart, aber auch
Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Schade,
diese Aktion hätte ein Tor verdient gehabt, aber
Harnik hat halt ausgerechnet zu Saisonende die
Seuche. Seit seinem legendären „Irgendwie“-Treffer
in Aachen am 1. März hat er nicht mehr
getroffen.
RWO fand in der
ersten Halbzeit so gut wie gar nicht statt.
Ausnahme war ein Kopfball von Terranova,
sichtbar weit übers Tor, sowie ein weiterer
Kopfstoß von Pappas, der wiederum gepasst hätte,
aber von Torwart Ratajczak entschärft werden
konnte. In den zweiten 45 Minuten schien die
Sonne, gleich wurde RWO etwas druckvoller,
während unsere sich auf Konter beschränkten,
aber auch nichts wirklich Nennenswertes hervor
brachten, außer einem Distanzschuss von Christ,
ein strammes Ding aus 20 Metern, welches aber
von Keeper Semmler gut gehalten wurde. RWO
wiederum hinterließ auch nichts Berichtenswertes
für die Nachwelt, mit einer Ausnahme, die es
allerdings in sich hatte: Moritz Stoppelkamp, in
der 2. Halbzeit eingewechselter Ex-Fortune,
hätte fast das Tor des Monats erzielt. Nach
weiter Flanke von links in den Strafraum klärte
Ratajczak per Faustabwehr, kollidierte dabei
aber mit unserem Abwehrrecken Anderson, sodass
er den Ball nicht weit genug weg bekam.
Stoppelkamp holte in 20 Meter Entfernung einmal
aus und nagelte den Ball volley aus der Luft an
die Querlatte. Es war Stoppelkamps erste
Ballberührung im Spiel nach seiner Einwechslung!
Da hatte die Fortuna viel Glück, anschließend
grätschte und malochte RWO brav weiter vor sich,
sodass der Sieg nicht mehr in Gefahr geriet. Und
als sie nach dem Spiel dann auch noch den
Klassenerhalt geschenkt bekamen, waren alle
Eingeborenen glücklich und zufrieden. So soll es
doch sein.
Somit beendeten
wir die Auswärtssaison mit einem Unentschieden
und einem Sieg, darauf lässt sich doch aufbauen.
Und natürlich war auch nicht alles schlecht in
Oberhausen. Die Nackensteaks zum Beispiel waren
mal wieder vorzüglich. Was mich allerdings zu
meiner größten Sorge bezüglich dieser
angeblichen Malocher bringt: wie an den
jeweiligen Verkaufsständen auf entsprechenden
Zetteln nachzulesen stand, gab der Caterer nach
18 Jahren an jenem Sonntag seinen Ausstand. Wenn
ich mir die übrigen Begleitumstände des Spiels
anschaue und dazu noch die Befürchtung nehme, in
der nächsten Saison dort noch nicht einmal ein
Nackensteak serviert zu bekommen, dann kann mein
Urteil nur lauten: Oberhausen – braucht kein
Mensch.
Trotzdem sind sie
nächste Saison wieder da. Es ist halt nicht
immer Sonnenschein im Leben.
Kaderspielereien
In den Wochen nach
dem Heimspiel und zwischen den Auswärtspartien
wurde mal ein wenig das Transferkarussell
angeworfen. Martin Harnik erklärte öffentlich,
in der nächsten Saison nicht mehr bei der
Fortuna aufzulaufen. Wessen Trikot er ab August
überstreifen würde, sagte er jedoch nicht. Erst
nach dem Saisonende kam heraus: es wird der VfB
Stuttgart. Der hatte jedoch am vorletzten
Spieltag doch noch mit Cacau verlängert, sodass
die ihn nicht unbedingt benötigen würden. Man
darf also gespannt sein, ob der Martin sich dort
durchsetzen kann.
Der Weggang von
Anderson nach Mönchengladbach war ja bereits
zuvor bekannt. Nun kam die Streichliste so
langsam ans Licht: Lawaree, Kadah, Bulykin,
Caillas, alle erhalten keinen neuen Vertrag.
Palikuca hatte seine Karriere ja bereits in der
Winterpause beendet und nur noch als Stand-by
für die Zwote zur Verfügung gestanden. Bei
Fortuna-Urgestein Hamza Cakir ist auch nach 10
Jahren Rot-Weiß der Vorhang gefallen, man
unterbreitete ihm nochmal ein Angebot, welches
er allerdings nicht annahm. Ohne irgendwelche
Interna zu kennen, sag ich mal: man kann
verdiente Spieler auch würdevoller
verabschieden. Alles Gute, Hamza!
Bei den ersten
Neuzugängen wurde wohl darauf geachtet, dem
Platzwart oder wer auch immer für die Beflockung
der Trikots zuständig ist, ein bisschen Feuer
unterm Hintern zu machen: man holte Assime
Lukyima-Mulungoti (Carl Zeiss Jena) und Thiago
Rockenbach da Silva (Rot-Weiß Erfurt). Der „Luki“
ist Verteidiger und hat in der Regionalliga Nord
schon mit Hertha BSC II gegen uns gespielt,
insoweit also ein Bekannter. Noch bekannter
allerdings der kleine „Rocker“, der zu den
vielen Spielern gehört, die der Fortuna mit
Werder II schon die Hammelbeine lang gezogen
habe. Sein großes Spiel in diesem Zusammenhang
war 2007, als er beim 2:1 gegen uns einen
Treffer selbst erzielte und einen weiteren
vorbereitete. Wir wollten ihn damals schon
haben, aber Erfurt war schneller. Jetzt kommt
der Mittelfeldstratege also mit dreijähriger
Verspätung und hat zumindest seinen Ruf als
fortunistischer Alptraum (wegen seiner
Zugehörigkeit zu Werder II) in letzter Zeit
schon gut aufpoliert, als er nämlich in der
laufenden Drittliga-Saison mit seinen Toren
nacheinander erst Holstein Kiel und anschließend
ausgerechnet den Wuppertaler SV in die
Regionalliga schickte. Ein Riesen-Spieler,
dessen Abgang in Erfurt sehr bedauert wird. Man
darf gespannt sein, was er in der Zweiten Liga
zu zeigen imstande ist.
Bevor unser
zuständiger Trikotbeflocker angesichts dieser
Namen bei weiteren Neuverpflichtungen in den
Streik treten würde, holte man vorsichtshalber
Sascha Dum von Energie Cottbus. Der
Mittelfeldspieler hat im Trikot von Bayer
Leverkusen und Alemannia Aachen bereits 65
Erstligaspiele hingelegt, dazu noch über zwei
Dutzend Partien in der Zweiten Liga mit Aachen
und Cottbus. Der sollte wirklich sofort
weiterhelfen können.
Für den Angriff
kommen für den Angriff Thomas Bröker von
Zweitliga-Absteiger Rot Weiss Ahlen sowie Sandor
Torghelle vom verhinderten Erstliga-Aufsteiger
FC Augsburg. Auch Bröker hat mit dem 1.FC
Bahnhofskapellendorf formerly known as 1. FC
Köln, mit Paderborn und eben Ahlen schon mehr
als 80 Zweitliga-Spiele auf dem Buckel, war
außerdem zwei Jahre absoluter Stammspieler bei
Drittligist Dynamo Dresden. Und ein bisschen
Dynamik im Sturm könnten wir auch gut
gebrauchen. Sandor Torghelle ist ungarischer
Nationalspieler, der bei Augsburg wenig
Einsatzzeit bekam, weil er an Thurk, Nando
Rafael und Traore nicht vorbei kam. Für seine
Kurzzeiteinsätze hat er allerdings eine recht
gute Tor-Statistik. Im Sturm müsste allerdings
auch nach Bröker und Torghelle noch etwas
passieren, schließlich geht mit Harnik nicht nur
der erfolgreichste Stürmer, mit Lawaree, Bulykin
und Kadah bricht auch noch die komplette
Ersatzbank für den Angriff weg. Aber die
Sommerpause ist in diesem Jahr lang, mal sehen,
wer Trainer und Manager noch über den Weg läuft…
Ein Feuerwerk zum
Abschluss
Am Sonntag, den 9.
Mai 2010 war dann endgültig aus und fini. Im
letzten Saisonspiel hatte die Fortuna Heimrecht.
Leider kam nicht irgendjemand, mit dem man zum
Abschluss einen schicken Frühlingskick hinlegen
konnte, sondern ein Verein, für den es
eigentlich noch um alles ging: Hansa Rostock,
auf dem Relegationsplatz 16 befindlich, einen
Punkt hinter dem FSV Frankfurt. Da alle weiteren
Entscheidungen bereits gefallen waren, gab es
nur noch zwei Partien, die am letzten Spieltag
von Belang waren: Fortuna – Rostock und
Frankfurt – Koblenz. Somit standen die Unsrigen
doch noch im Fokus, obwohl es für sie selbst um
nichts mehr ging. Aber da war ja auch für uns
noch etwas: die unglaubliche Heimserie ausbauen
und als einziges Team im Profibereich über die
gesamte Saison zuhause ungeschlagen bleiben.
Außerdem konnte man Torwart Michael Ratajczak
einen reichlich kuriosen, weil noch nie
beachteten Rekord schenken, der dennoch
eindrucksvoll sein würde: der Rata hatte bis zum
Spiel gegen Rostock in der gesamten Rückrunde
bei Heimspielen keinen einzigen Gegentreffer
zugelassen. Sollte dies auch gegen die Hanseaten
gelingen, wäre er der erste Torwart im
Profibereich gewesen, der in einer Halbserie
zuhause keinen Gegentreffer hätte hinnehmen
müssen. Interessiert keine Sau, ist aber
trotzdem eine tolle Leistung.
‚Toll’ war nicht
ganz das Adjektiv, das einem beim Bestaunen der
Vorspiel-Aktivitäten zu diesem Match über die
Lippen gekommen wäre. Zunächst setzte die
Polizei fest, dass die Hansa-Fans, immer gern
gesehene Gäste, zumindest, wenn man die
Abwechslung liebt, lediglich 2.500 Karten
bekommen sollten, also nicht die 10 %, die einem
Gastverein üblicherweise zustehen. Und auch
diese Karten sollten nur personalisiert
abgegeben werden. Sicherheitsbedenken. Da das
Ganze schon Wochen im Voraus verkündet wurde,
deckten sich die Hansa-Fans einfach über das
Internet mit Karten für Fortuna-Blöcke ein.
Darauf hätte man auch kommen können, schließlich
hatten wir selbst dieses Prozedere am letzten
Spieltag der Saison 2007/08 durchgezogen, als es
in Erfurt noch um den Aufstieg ging. Um die zu
erwartenden Unruhen zu vermeiden oder zumindest
in Grenzen zu halten, schaltete sich Fortuna ein
und bewog die Polizei, das volle
Kartenkontingent für Gäste nach Rostock
abzugeben. Die von den Rostsockern erworbenen
Karten für den Heimbereich wurden elektronisch
gesperrt und konnten am Gästeeingang gegen
Karten für den Gästebereich umgetauscht werden.
Gleichzeitig durfte Fortuna aber nicht mehr als
41.000 Karten verkaufen, da die Polizei bei den
Massen von anreisenden Hansa-Fans genügend
Pufferblöcke zwischen Heim- und Gästefans
benötigte. Diese 41.000 Tickets wurden auch an
den Mann gebracht, die Arena war somit
„technisch ausverkauft“.
Die „Gäste“ aus
MeckPom deuteten am Tag vor dem Spiel bereits
ihr Potential an. Etliche Hundert von ihnen
waren nämlich einen Tag früher angereist, und
hatten sich abends in der Altstadt vergnügt, was
für einen gewissen Prozentsatz natürlich hieß,
mal randalemäßig ein wenig auf sich aufmerksam
zu machen. Über einhundert Festnahmen in jener
Nacht sprechen wohl eine deutliche Sprache. Da
war kaum zu erwarten, dass es beim Spiel
friedlich bleiben würde.
Dabei hatten sie
doch sogar Unterstützung von der Heimseite
erhalten. Die Ultras Düsseldorf (UD) beschlossen
nämlich aufgrund der zunächst bestehenden
Kartenbeschränkung einen 5minütigen
Support-Boykott zu Beginn des Spiels, um auf die
Problematik hinzuweisen, die – wie man sich
unschwer vorstellen kann – nicht nur die
Rostocker, sondern ziemlich leicht jeden
Auswärtsfahrer irgendwann mal erwischen kann.
Ähnliches gilt für die Personalisierung beim
Kartenverkauf, der „gläserne Fan“ lässt grüßen.
Wie gesagt, betrifft alle, in diesem Spiel war
es aber natürlich zunächst eine solidarische
Aktion für die Rostocker. Dieser Boykottaufruf
wurde auch aufrecht erhalten, als die Polizei
das komplette Kartenkontingent für die Gäste
frei gab, denn allein dieser Sachverhalt löst
natürlich das allgemeine Problem nicht. UD und
Gleichgesinnte würden also in den ersten fünf
Minuten dem eigenen Block fern bleiben und
diesen erst in der sechsten Spielminute wieder
betreten. Und zwar mal so richtig solidarisch,
wie sich herausstellen sollte.
Somit Vorhang auf
zum letzten Saisonspiel der Fortuna, das durch
die prekäre Tabellensituation der Gäste und
deren bekannt prekäre Fan-Gemeinde plötzlich zu
einem Hochsicherheitsspiel wurde, bei dem es um
alles ging, allerdings nicht für den Gastgeber,
der aber wiederum in der Pflicht stand, alles zu
geben, um sich nicht dem Verdacht einer
Wettbewerbsverzerrung auszusetzen. Die Spannung
war quasi mit den Händen zu greifen.
Es ging genau fünf
Minuten und eine Großchance gut. Nachdem Harnik
an der Mittellinie mit feinem Pass die Rostocker
Abseitsfalle ausgehebelt hatte, stürmte
Youngster Marcel Gaus – erstmals von Beginn an
in der Startelf – ganz alleine über zwanzig,
dreißig Meter auf den gegnerischen Keeper zu.
Exakt dieselbe Situation wie in der Woche zuvor
in Oberhausen. Und exakt auf dieselbe Art und
Weise verdaddelte er sie auch, zögerte viel zu
lange, sodass der zurück geeilte Pannewitz mit
Riesen-Einsatz und völlig korrekter Grätsche in
dem Moment retten konnte, als Gaus sich endlich
zum Torschuss entschlossen hatte. Mit dieser Art
Torchancen hat Gaus wohl noch ein Problem,
vielleicht weil er dabei zu lange nachdenken
muss.
Den Hansa-Fans,
die in der ersten Halbzeit unmittelbar hinter
dem eigenen Torwart postiert waren, reichte wohl
diese Kostprobe fortunistischer Spielweise
schon. Denn keine Minute nach dieser Chance
drehten sie mal richtig groß auf. Zunächst nur
ein einzelner Kanonenschlag, dann ein bisschen
Rauch, dann wurden Bengalen gezündet, ein
bisschen mehr Rauch, und zwischendurch wurden
Kanonenschläge wahllos Richtung Spielfeld
geworfen. Es traf einen Kameramann, der mit
Knalltrauma ins Krankenhaus eingeliefert werden
musste, ein Ordner bekam auch noch etwas ab, und
auch der eigene Torwart Alexander Walke kam
nicht ungeschoren davon und musste auf der
Ersatzbank behandelt werden. Früher hätte ich es
für selten dämlich gehalten, den eigenen Torwart
mit voller Absicht verletzen zu wollen, seitdem
an exakt der gleichen Stelle die Wuppertaler
Fan-Gemeinde dies jedoch in der letzten Saison
an ihrem Torwart Christian Maly ebenfalls
versucht hatte, denke ich da fortschrittlicher.
Ich halte es selbstverständlich immer noch für
selten dämlich, da es sich hierbei allerdings
nicht mehr um eine Einzeltat handelt, muss wohl
ein gewisser Sinn dahinter stecken, Vielleicht
verrät mir den ja irgendwann mal jemand. Muss
wohl was mit „modernem Fußball“ zu tun haben,
denn ich kann mich nicht daran erinnern, so
etwas früher schon einmal erlebt zu haben.
Somit war die
Hoffnung, dass die mecklenburgische Abordnung
wenigstens während des Spiels Ruhe geben und
sich auf den Support der eigenen Mannschaft
konzentrieren würde, bereits nach fünf Minuten
dahin. Schiri Stark unterbrach das Spiel sofort,
als sich die Rauchwolken hinter dem Tor in der
Beschreibung ihrer Eigenschaft doch sehr seinem
Nachnamen annäherten. Und plötzlich war auf der
anderen Seite die Hölle los. Was war geschehen?
Fünf Minuten, remember? Genau fünf Minuten nach
Spielbeginn wollten UD und Gleichgesinnte ihren
Fan-Block wieder betreten. Genau in dem Moment,
in dem sie es taten, ging auf Rostocker Seite
die Böllerei los. Und keine 30 Sekunden später
leuchtete es auch im Fan-Block, der unter
Selbstverwaltung von UD steht, schön weiß auf –
auch hier war eine Bengale gezündet worden. In
diesem zeitlichen Zusammenhang einen reinen
Zufall zu sehen, fällt da wirklich schwer. In
Sekundenschnelle wandte sich die Stimmung der
Südtribüne gegen die „Boykotteure“ des
Fan-Blocks, die sich „Und ihr wollt Fortunen
sein?“ anhören durften. Und da half es auch
nichts, dass noch während dieser Einlage
durchgesagt wurde, dass UD sich von dieser
Aktion distanzierten. Ich glaube ja gerne, dass
die Organisation zuvor verabredet hatte, nichts
zu zünden. Dann wird es wohl einer ihrer
Sympathisanten gewesen sein, der am nächsten Tag
in der Schule auch mal angeben wollte. Aber wenn
UD die Selbstverwaltung für „ihren“ Fan-Block
haben (und auch haben wollen), dann müssen sie
auch zu ihrer Verantwortung stehen, wenn sich in
ihrem Block Leute tummeln, die ihre
Solidaritätskundgebung mit voller Absicht
unterminieren. Pech gehabt, würde ich sagen. Da
kann man sich distanzieren wie man will. Der
Verein distanziert sich ja auch stets von den
paar Blitzbirnen, die gerne mal für Ärger
sorgen, und sagt: „Das sind keine Fortuna-Fans!“
Nutzt ihm auch nix, zahlen muss er trotzdem. Da
können die Ultras mal sehen, wie das so ist mit
der Verantwortung. Beinhaltet eben mehr als nur
die Hand auf die Kartenverteilung für den Block
zu bekommen. Somit war das Klima in der
Fan-Szene an jenem Nachmittag mit „gereizt“ noch
sehr wohlwollend umschrieben. Die sicherlich gut
gemeinte Aktion der Ultras, um auf bestehende
Probleme hinzuweisen, wurde erst durch die
Gästeseite torpediert, um derentwillen sie
überhaupt angedacht worden war, und anschließend
von den eigenen Leuten versenkt. Ein klassisches
Eigentor, welches sich beide Fan-Szenen an jenem
Nachmittag schossen.
Es wurde übrigens
ernsthaft in Erwägung gezogen, ein (meiner
Meinung nach dann irgendwie lebensmüder)
Rostocker habe sich in den Fan-Block
geschlichen, um zeitlich koordiniert mit der
Gästeseite zündeln zu können. Als Indiz für
diese gewagte These gilt die weiße Bengale im
Fan-Block, die in der Tat den gezündeten
Bengalen im Gästeblock verdächtig ähnelte. Dies
aber als Unschuldsbeweis aufzuführen, unter der
Anführung, dass UD normalerweise, wenn
überhaupt, nur rote Bengalos abbrenne (wie in
der Woche zuvor in Oberhausen, aber ich glaube,
das war bis heute auch niemand, kleine Anmerkung
meinerseits), also das ist schon ein wenig
abenteuerlich. Die Arschkarte bleibt bei UD, die
die Zündelei in „ihrem“ Block nicht verhindern
konnten.
Das Spiel war
zwanzig Minuten unterbrochen, und als beide
Mannschaft wieder aufs Feld zurück kamen, war
Rostock gerettet. Koblenz war nämlich während
unserer erzwungenen Pause in Frankfurt
überraschend mit 1:0 in Führung gegangen. Da es
bei uns natürlich noch 0:0 stand, hatte Rostock
zu diesem Zeitpunkt den einen Punkt Rückstand
auf Frankfurt aufgeholt und war dank des
besseren Torverhältnisses auf Platz 15
vorgestoßen. Vielleicht macht das einige
Schlauberger auf Rostocker Seite im Nachhinein
noch glücklich – dank ihrer „tollen Aktion“
durfte der Verein wenigstens für ein paar
Minuten am Klassenerhalt schnuppern.
Kurz danach war
auch das erledigt. Als Schiri Stark die Partie
fortsetzte, spielte nämlich nur eine Mannschaft,
und das war die Unsrige. Natürlich nahmen sie
die Partie Ernst, dennoch wette ich, wenn es
hart auf hart gekommen wäre, hätten sie sofort
einen Gang runtergeschaltet, wer will sich noch
verletzen, am letzten Spieltag, wenn es um
nichts mehr geht? Aber das war gar nicht
erforderlich. Ohne großartig aufzutrumpfen,
spielte man Chance um Chance heraus, weil der
Gegner in der Abwehr dermaßen schlecht war, so
etwas habe ich in dieser Saison kaum gesehen.
Oder vielleicht waren sie nur übernervös, keine
Ahnung. Auf jeden Fall kombinierten die Fortunen
wie sie wollten, und wenn sie mal nicht wollten,
spielte ihnen der Gegner einfach die Bälle
wieder zurück. So musste es fast zwangsläufig im
Rostocker Gehäuse scheppern. Nach einer
Viertelstunde war es Marcel Gaus, der einen
Eckball, der orientierungslos durch den
Strafraum eierte und nicht geklärt werden
konnte, einfach humorlos aus zehn Metern über
die Linie drosch, wobei zwar ein Rostocker Bein
noch im Weg war, aber auch nicht mehr
entscheidend klären konnte. Dies zur
Untermauerung der These, dass der junge Mann
solche Bälle, bei denen er nicht lange überlegen
muss, ansatzlos sicher versenken kann. Bestätigt
wurde dies einige Minuten später, als er seinen
ersten Zweitliga-Doppelpack selbst verhinderte,
weil er nach Zuspiel von Harnik wiederum völlig
frei vor Walke auftauchte, wieder zuviel Zeit
zum Überlegen hatte und diesmal am Keeper
scheiterte. In punkto Kaltschnäuzigkeit dürften
Oberhausen und Rostock somit bewiesen haben,
dass er noch lernfähig ist, ansonsten waren es
sehr ansprechende Auftritte von ihm in dieser
Saison, die Lust und Hoffnung auf mehr in der
neuen Spielzeit machen.
Nach einer halben
Stunde Spielzeit hatte Fortuna drei weitere
Hochkaräter vergeben, die Abwehr der Gäste war
vogelwild, dass es nur 1:0 stand, war ein
besserer Witz. Zeit für einen Gala-Auftritt:
Anderson „Bamba“ Soares de Oliveira gedachte in
seinem letzten Spiel für uns, zum Abschied mal
den Lucio zu geben. Er schnappte sich die Kugel
an der Mittellinie und marschierte los. Dann
spielte er Christ an, wurde von diesem wieder
perfekt ins Szene gesetzt, wurstelte sich im
Strafraum gegen drei Rostocker durch und
spitzelte die Kugel zu guter Letzt mit dem
rechten Außenrist an Walke vorbei gegen den
Innenpfosten und ins Netz. Was für ein Tor, und
was für ein Ausstand des 21jährigen
Brasilianers!
Zwischen dem
ersten und zweiten Tor lagen nicht nur weitere
Großchancen der Fortuna, auch Rostock zeigte,
dass man durchaus flott nach vorne kombinieren
konnte. Zum Glück war meist an der
Strafraumgrenze Feierabend, aber das
Offensivspiel der Gäste war mit ihrer
Defensiv-Nichtleistung überhaupt nicht zu
vergleichen. Und wer weiß, wie das Spiel
gelaufen wäre, hätte Pannewitz mit einem tollen
Schuss aus der rechten Strafraumhälfte in die
linke Ecke getroffen. Fortuna-Keeper Ratajczak
setzte dem erstklassigen Schuss jedoch eine
erstklassige Flugparade entgegen und konnte den
Ball um den Pfosten drehen. Zu diesem Zeitpunkt
wäre das der Ausgleich gewesen. Da er es nicht
war, ging es gleich wieder wie gewohnt in die
andere Richtung. Und auch nach dem 2:0 spielte
Fortuna munter nach vorne. Kapitän Andreas
Lambertz traf mit einem Schuss aus 16 Metern
noch das Lattenkreuz, den hatten wir eigentlich
schon drin gesehen. Auch Martin Harnik durfte
noch demonstrieren, dass er in seinen letzten
Spielen für Fortuna leider eins gelernt hat, was
wir zuvor an ihm nicht kannten, nämlich das
serienweise Versieben von Großchancen. Dann war
mal wieder Pause, diesmal sogar regulär, weil 45
Minuten gespielt waren. Ich zähle zwar nicht zu
den Lautsprechern der Liga, aber in diesem Fall
klarer und klarster Torchancen will ich mal eine
Ausnahme machen – Fortuna musste zur Pause
einfach 4:0 führen, und selbst dieses Ergebnis
hätte den Gästen, die völlig durch den Wind
waren, noch geschmeichelt.
Wie das im Fußball
so ist, rächte sich dies natürlich in der
zweiten Halbzeit, und zwar nach nur fünf
Minuten. Elfmeter für Rostock nach Handspiel im
Strafraum von Kai Schwertfeger. Ganz
unglückliche Aktion unseres zweiten Youngsters
auf dem Feld, einfach ein blöder Reflex bei der
Abwehr eines Flankenballs, leider unübersehbar.
Kann vorkommen. Leider mit unschönen Folgen für
Torwart Ratajczak, denn Hansa-Kapitän Tim
Sebastian zielte beim Elfer in die rechte Ecke,
Rata flog in die linke, folglich war der Ball
drin, und Ratajczak beim Kampf um diesen
kuriosen Heimspiel-zu-Null-Rekord draußen. Es
blieben immerhin über 700 Minuten, die der
Keeper in Heimspielen nacheinander ohne Gegentor
geblieben war, auch eine stolze Bilanz. Der
Treffer des Bielefelders Risgard war somit das
vorletzte Gegentor, das Ratajczak in der
heimischen Arena hinnehmen musste – am
04.12.2009!
Nach diesem
Anschlusstreffer wachte Rostock noch einmal auf,
und die Fortuna begann zu schwimmen. Hansa
drückte den Gastgeber für fünf Minuten hinten
rein, hatte auch noch eine weitere Schusschance,
die nur am Außennetz endete, und wurde klassisch
ausgekontert. Marco Christ erhielt den Ball in
der eigenen Hälfte, schaute einmal kurz hoch und
schlug sein letztes 40-m-Zuckerpässchen der
Saison auf Martin Harnik. Der gewann das
Laufduell gegen seinen Gegenspieler Grossert und
traf dann endlich, endlich mal wieder im
1:1-Duell gegen Hansa-Keeper Walke. Doch noch
sein 13. Saisontor, und somit auch für ihn ein
würdiger Ausstand.
Anschließend
plätscherte das Spiel dem Ende der Saison
entgegen. Anderson setzte in seinem letzten
Spiel für Fortuna noch einen drauf und krönte
seine mal wieder überragende Leistung mit einem
schönen Gimmick: nachdem sein zweiter Alleingang
im Spiel in Höhe der Strafraumgrenze am vierten
Rostocker gescheitert war, sprintete er über das
halbe Feld zurück, um sich dann am Mittelkreis
arglistig von hinten an den ballführenden
Rostocker heranzuschleichen und ihm die Kugel
wieder abzunehmen. Die Arena tobte, größtenteils
vor Begeisterung.
Zum guten Schluss
zeigte der Rostocker Anhang, dass er
wortwörtlich sein Pulver noch nicht verschossen
hatte und ließ es noch mal ordentlich krachen.
Auch flogen diverse Gegenstände aufs Feld, einer
davon traf den Assistenten an der Gegengeraden,
sodass Schiri Stark in der 82. Minute das Spiel
erneut für einige Minuten unterbrach. Um es nach
Wiederaufnahme sodann pünktlich nach 90 Minuten
zu beenden, indem er die Behandlungszeit für den
Assistenten einfach nicht nachspielen ließ.
Während seines Schlusspfiffs lag auch wieder
eine noch qualmende Bengale auf dem Spielfeld,
man hatte das Spiel also mit Hängen und Würgen
durchgebracht. Leider ging in diesem unwürdigen
Ende der letzte Auftritt von Axel Lawarée unter,
der minutenlang vom Publikum gefordert und eine
Viertelstunde vor Schluss unter frenetischem
Beifall eingewechselt worden war. Ein großer und
vorbildlicher Sportsmann spielte seine letzten
Minuten im Fortuna-Trikot. Publikumsliebling
wird er eh immer bleiben, so was können auch
Rostocker Deppen nicht kaputt machen.
Fortuna siegte
völlig verdient mit 3:1 gegen Hansa Rostock, und
da der FSV Frankfurt nach drei Pfosten- und
Lattentreffern in der 90. Minute sogar noch den
Ausgleich gegen Koblenz schaffte, war das Thema
„Rettung“ für Hansa eh obsolet, man blieb auf
Platz 16 und musste in die Relegation gegen den
Dritten der 3. Liga, den FC Ingolstadt. Dieser
war während der zweiten Spielunterbrechung
zeitweise in lauten Sprechchören vom
Düsseldorfer Anhang angefeuert worden, nicht
weil wir auch nur irgendwas an diesem doch eher
plastikbehafteten Club gut finden würden, der in
diesem Jahr doch schon stolz sechs Jahre alt
wird, sondern weil uns die Hansa-Betonköppe nun
wirklich für mindestens ein Jahr reichten. Ich
glaube, Ingolstadt ist noch nie aus so vielen
Kehlen angefeuert worden. Und es half, sie
siegten in der Relegation mit 1:0 und 2:0 und
versenkten die Hansa-Kogge endgültig. Erstmals
wird Rostock drittklassig, bleibt damit
allerdings noch locker über dem Niveau einiger,
leider nicht gerade weniger ihrer Fans. Man darf
gespannt sein, wie es dort weitergeht.
Epilog
Fortuna beendete
die Saison mit sensationellen Werten. Platz 4
als Aufsteiger, 59 Punkte. Als einzige
Profimannschaft über die gesamte Saison zuhause
ungeschlagen (13 Siege, 4 Unentschieden).
Zuschauerschnitt bei Heimspielen unfassbare
28.007. Damit knackte man nicht nur den uralten
Vereinsrekord aus der Saison 1966/67 (!), man
hatte insgesamt sogar mehr Zuschauer als Bayer
Leverkusen in dieser Saison! Fortuna stellte die
zweitbeste Abwehr der Liga, nur Kaiserslautern
kassierte weniger Gegentore. Es wird sehr
schwer, eine solche Saison zu wiederholen oder
gar noch zu toppen. Zumal eine alte
Fußball-Weisheit ja besagt, dass das zweite Jahr
für einen Aufsteiger viel gefährlicher ist als
das erste, welches noch von der
Aufstiegs-Euphorie getragen wird. Ich hoffe,
dass sich diese Weisheit in bezug auf Fortuna
und die Saison 2010/11 als unwichtige Phrase
erweisen wird.
Aus der 1. Liga
kommen Hertha BSC Berlin und der VfL Bochum,
nicht jedoch der 1. FC Nürnberg, der den FC
Augsburg in der Relegation 1:0 und 2:0 schlug
und in Liga Eins verbleiben darf. Und auch wenn
man angesichts 2.500 Tickets, die die Augsburger
unverkauft vor dem Spiel in Nürnberg an die
Noris zurück schickten (keine 150 km von
Augsburg entfernt!), schon mal fragen darf, was
die eigentlich in der 1.Liga wollten bzw. wer
dies in Augsburg eigentlich bemerkt hätte, so
muss man doch auch sagen, dass es ein schlechter
Scherz ist, dass Nürnberg mit jämmerlichen 31
Punkten aus 34 Spielen die Klasse halten darf.
Genau wie Mönchengladbach im letzten Jahr, die
damals sogar als Fünfzehnter. Das Niveau der
Ersten Liga war mal wieder überragend, gleich
sieben Mannschaften schafften es noch nicht mal,
die „magischen“ 40 Punkte zu holen, aber das
muss man ja heutzutage auch nicht mehr. Und wenn
diese Vereine im Sommer von der DFL mal wieder
ihren Millionenscheck für die Fernsehgelder
kassieren, könnten die Clubs sich mal im Fair
Play üben, indem sie der DFL zurück schreiben:
„Danke für nichts!“ Das wäre wenigstens eine
ehrliche Einschätzung. Die Wirtschaft hat im
Wirtschaftsunternehmen Bundesliga endgültig
Einzug gehalten. Je weiter oben du bist, umso
weniger musst du tun, um trotzdem noch die große
Kohle einzusacken. Und wo die deutsche Regierung
gerne mal aushilft, wenn die Banker plötzlich
jammern, man möge sie retten, da erfindet der
DFB flugs mal die Relegation neu, um wenigstens
einem eigentlich abgestürzten Club noch eine
Chance zu geben. Putzig, aber traurig.
Apropos
„Relegation“, ein fader Beigeschmack bleibt am
Ende der Saison. Drei Punkte und drei Tore
fehlten der Fortuna am Ende auf Augsburg und den
dritten Platz. Natürlich ist es völlig müßig, zu
diskutieren, wo man diese drei Punkte verloren
hat, Gelegenheiten gab es genug, Auswärtsspiele
in Koblenz, Frankfurt oder Rostock, um nur drei
zu nennen. Aber eben auch das Auswärtsspiel in
Fürth in der Hinrunde, bei dem man dermaßen
offenkundig verpfiffen wurde, dass beim DFB
aufgrund seiner Ermittlungen gegen Linienrichter
Sevinc auch dieses Spiel unter
Manipulationsverdacht steht. Natürlich wird
dabei nie etwas rauskommen, auch der DFB will ja
lieber Ruhe im Laden haben. Aber wenn sich eines
Tages doch herausstellen sollte, dass diese
Partie manipuliert war, dann fände ich das ganz
bitter. Weil eben nur drei Punkte gefehlt haben,
nicht vier, sieben oder achtzehn.
Absteigen müssen
neben Hansa Rostock die TuS Koblenz und Rot
Weiss Ahlen, was Freunden der Dritten Liga
aufgrund des Aufstiegs eines gewissen Klubs von
der Schwäbischen Alb aus der Regionalliga Süd in
der nächsten Saison tatsächlich den Knaller
Ahlen vs. Aalen bescheren wird. Aus der 3. Liga
kommen Erzgebirge Aue, der VfL Osnabrück und der
bereits erwähnte FC Ingolstadt. Ja, auch ich
hätte lieber Braunschweig gehabt, aber die sind
dummerweise nur Vierter geworden. Und wenn es
dann schon Ingolstadt sein soll...zumindest kenn
ich deren Stadion noch nicht, somit steht in der
neuen Saison wieder eine Premiere an. Ist doch
auch etwas.
Fortuna befindet
sich derzeit auf Sommertour durch Deutschland,
es wurde noch einige Testspiele vereinbart, die
auch samt und sonders gewonnen wurden, sei es in
Salem am Bodensee, in Triberg im Schwarzwald,
oder bei Preußen Hameln, die ganz ohne
Rattenfänger aufliefen. Bemerkenswert vielleicht
noch das 10:0 beim MTV Egestorf in der
Lüneburger Heide, weil tatsächlich zehn
verschiedene Spieler die Tore erzielten. Man
sieht, für solch kuriose Rekorde sind wir auch
in der Sommerpause gut.
Bald geht es für
die Spieler in de wohlverdiente Sommerpause. Und
ich bin sicher, dass die sportliche Leitung noch
den ein oder anderen Transfer bis Ende August
tätigen wird. Hoffentlich passt es wieder so gut
wie in der abgelaufenen Saison. Aber wie gesagt,
es wird schwer werden, so etwas zu wiederholen,
deshalb schwelge in lieber noch ein wenig in
Erinnerungen. Und präsentiere euch zum Abschied
noch etwas aus meiner Andenkenschatulle. Ich
entrümple die große Kiste meiner gesammelten
Auswärtsspiel-Schätzchen und biete hiermit an:
Einen Flyer mit 20
Euro Preisnachlass für eine Tänzerin meiner Wahl
in einem Duisburger Table-Dance-Schuppen.
Gefunden nach dem Spiel beim MSV Duisburg an
meinem Auto - auf einem offiziellen Parkplatz.
Da man mir die Dame „Fortuna“ nicht bieten
konnte, ist das Teil immer noch in meinem
Besitz.
Drei Paar
Kontaktlinsen, die dem Schiedsrichter-Gespann
vor dem Spiel in Fürth entwendet wurden, über
dunkle Kanäle in meinen Besitz gelangt.
Todesmutig entschloss sich das Trio, die Partie
trotzdem anzupfeifen. Wären nicht ausgerechnet
wir die Leidtragenden gewesen, hätte man prima
darüber lachen können.
Einen rechtzeitig
gesicherten Screenshot einer Fan-Seite des 1.FC
Kaiserslautern mit den Tipps vor dem Spiel gegen
Fortuna. Die vorsichtigste Prognose auf dieser
Seite liegt bei 3:0 für die Gastgeber. Kommentar
von FCK-Manager Stefan Kuntz nach der
0:2-Niederlage: „Das war nicht gut für die
gesamte Region!“ Selbst Ministerpräsident Beck
soll routinemäßig geweint haben.
Einen Merkzettel
von Ewald L., Übungsleiter eines kleinen Vereins
in einem kleinen Bundesland südlich von
Deutschland. Darauf steht modernstes Wissen der
Trainer-Innung geschrieben: „Wenn die
gegnerische Mannschaft bei 2:0-Führung meines
Teams einen meiner Meinung nach unberechtigten
Freistoß zugesprochen bekommt, dann ist allein
diese Entscheidung (unabhängig, was bei diesem
Freistoß herauskommt) bereits die
spielbestimmende Wendung und das
selbstverständlich darauf folgende ungerechte
Unentschieden dem Schiri oder einem gegnerischen
Spieler anzuhängen.“ Darunter, ganz klein
geschrieben: „Dies bei der Pressekonferenz auch
ruhig sagen!“
Ein Stück brauner
Klumpen, von unten hart gefroren, von oben
pitschnass, dort auch mit vereinzelten
Grashalmen verziert. Wird in Koblenz
lustigerweise unter dem Stichwort „Rasen“
gehandelt.
Ein Gemälde
„Augsburg. Ein Wintermärchen.“ Von Caspar David
Seinsch. Mausgraue Bundesstraße vor betongrauem
Stadion mit steingrauer Lagerhalle im
Hintergrund, umgeben von grau-weißen
Schneemassen, soweit das Auge reicht. Das ideale
Geschenk für die lieben Freunde, die einen zum
geselligen Abend „Papis schönste Urlaubsdias aus
den 70ern“ einladen. Idyllisches Antwortgemälde
beim nächsten Versuch erwünscht, gerne im
Spätsommer oder Frühling.
Acht
Beruhigungskippen, allesamt geraucht am
01.03.2010, in der Zeit zwischen 22.15 Uhr und
23.30 Uhr. Weitere Tätigkeiten im genannten
Zeitraum: Einkuppeln, Gas geben, bremsen,
auskuppeln und alles wieder von vorn. Grund:
Versuch, mit einem Auto von einem offiziellen
Parkplatz am neuen Tivoli in Aachen auszufahren.
Durchschnittsgeschwindigkeit im genannten
Zeitraum: 1,8 km/h. Gute Organisation ist echt
alles.
Undefinierbares
Utensil, ein Mittelding zwischen Harke und
Spaten, mit dem unmittelbar vor der Partie beim
FSV Frankfurt das Spielfeld malträtiert wurde.
Ich weiß bis heute nicht, was diese
Torfstecherbrigade auf dem Rasen zu suchen
hatte. Die Frankfurter bestimmt auch nicht, aber
wie würden sie sagen? „Na und – hat uns doch was
gebracht.“
Zeichnung eines
Labyrinths, schwarz auf weiß, alle Richtungen
werden genutzt, auch gerne mal Kreise
geschlagen. Authentischer Kurs durch die
Karlsruher Innenstadt, welche uns das Navi als
Abkürzung verkaufte, ehe es aufgrund der leider
unbekannten Großbaustelle den Geist aufgab. Auch
für Oberhausen verwendbar!
Das sind neun
meines Erachtens vorzeigbare Souvenirs aus der
Spielzeit 2009/2010. Eine tolle
Zweitliga-Saison, für die ich der eigenen
Mannschaft herzlich danke. Ich danke aber auch
den „neuen“ Gegnern für spannende und
unterhaltsame Auswärtsfahrten, egal, was sich
unsere Recken anschließend in der Fremde so
zusammen spielten. Ich komm gerne wieder. Und
das sicher nicht alleine!
Ein Ausblick auf
die neue Saison sei erlaubt. Eine Partie in der
3. Liga wird lauten: Ahlen gegen Aalen. Hätten
Sie`s gewusst? Schön, dass uns dies auch in der
nächsten Saison nur am Rande interessieren muss.
Eine unterhaltsame
WM und eine ruhige Sommerpause wünscht:
janus. Aufregend wird’s schon wieder früh genug. |