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Die erste
Zweitliga-Hinrunde der Fortuna seit zehn Jahren
ist Geschichte. Sie verlief, gelinde gesagt,
sensationell, auch wenn das Happy End fehlte.
Dies gilt aber nicht für mich, denn das letzte
Spiel des Jahres 2009 konnte ich nicht sehen.
Ich war schon vor Monaten davon ausgegangen,
dass die DFL unsere Freitags-Orgie ungerührt
fortsetzen würde, deshalb erschien mir Samstag,
der 19.12. als ein guter Zeitpunkt, um mal
wieder ein Konzert zu besuchen. Und dann setzen
die ausgerechnet dieses Spiel plötzlich an einem
Samstag an! Getreu meines Grundsatzes, dass ich
nicht ausschweifend über etwas berichte, was ich
nicht selbst gesehen habe, ist somit die
Berichterstattung des Spiels in Rostock auf
einen flotten Dreizeiler beschränkt. Bleibt halt
mehr Raum für ein Fazit. Und da es sowieso nur
noch drei Spiele waren, ist alles ein wenig
kürzer. Aber nur ein wenig.
Vorab ein wenig
Bürokratie
Bekanntermaßen hatte ich
zum Schluss des letzten Artikels geschrieben,
dass ich mit einer Sperre für Kapitän Andy
Lambertz rechnete, weil Ewald Lienen ihn zum
Kotzen fand. Wer nicht mehr weiß, worum es ging,
darf gerne nachschlagen, das spart mir Zeit. Und
deswegen veröffentliche ich hier auch gleich das
anschließende Schreiben des
DFB-Kontrollausschusses, welches mich sehr
überraschte, weil es logisch war:
„Pressemitteilung 176/2009
vom 02.12.09
Ermittlungsverfahren gegen
Andreas Lambertz eingestellt
DFB-Sportgerichtsbarkeit verzichtet auf
Sanktionen gegen den Kapitän
Der Kontrollausschuss des
Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat das
Ermittlungsverfahren gegen Fortunas Kapitän
Andreas Lambertz eingestellt. Dazu äußert Dr.
Anton Nachreiner, der Vorsitzende des
DFB-Kontrollausschusses: ‚Da der Schiedsrichter
das Einsteigen des Münchner Spielers José
Holebas gegen Lambertz als gefährliche
Spielweise bewertet und aus diesem Grund auf
Freistoß für Fortuna Düsseldorf entschieden
hatte, kam es nicht darauf an, ob beim Spieler
Lambertz eine Täuschungsabsicht gegenüber dem
Schiedsrichter, die er bestreitet, vorgelegen
hat.’
Nach Auswertung der
vorliegenden Fernsehbilder des Auswärtsspiels
beim TSV 1860 München am vergangenen Sonntag war
Andreas Lambertz verdächtigt worden, sich in der
70. Spielminute absichtlich fallen gelassen zu
haben (‚Schwalbe’), ohne dass ein Körperkontakt
mit Gegenspieler José Holebas, der in dieser
Situation den Ball gespielt hatte, vorgelegen
hatte. Schiedsrichter Daniel Siebert hatte nach
dieser Szene auf direkten Freistoß für
Düsseldorf entschieden, wodurch Fortunas Treffer
zum 1:2-Anschluss fiel. Lambertz hatte auch im
DSF-Interview nach dem Spiel gesagt, dass es
kein Foulspiel gewesen sei und er sich habe
fallen lassen. Diese Aussage relativierte der
Publikumsliebling jedoch in einer anschließenden
schriftlichen Befragung.“
Ewald Lienen hinterließ in
dieser Sache noch etwas Erstaunliches in der
Zeitung mit den großen Buchstaben: Für ihn sei
die Einleitung dieses Verfahrens „überzogen“,
für ihn sei „die Angelegenheit abgehakt“. Jaja,
erst vor einem Millionenpublikum schön die Lunte
legen und hinterher sagen, so wild sei es dann
doch nicht gewesen. Und das alles, weil er
keinen Bock hatte, sich wenigstens über die
Regeln des Berufs zu informieren, den er ab und
zu mal ausübt. Der Fairplay-Preis 2009 dürfte
also schon vergeben sein, da kommt kein Anderer
mehr mit.
Hätte ich doch diesen
letzten Satz nicht geschrieben. Die Tinte war
kaum trocken, da erschienen sofort zwei neue
Kandidaten auf der Bildfläche. Und die waren nun
wirklich vom Allerfeinsten.
Sekundenbruchteile auf
deutschem Boden
Am 04.12.2009 kam mit
Arminia Bielefeld der dritte Erstliga-Absteiger
nach Karlsruhe und Cottbus in die esprit-Arena,
allerdings von erheblich anderem Kaliber als die
beiden Letztgenannten. Eine echte
Spitzenmannschaft, die allerdings zuletzt ein
wenig schwächelte und vor der Partie drei Spiele
in Folge sieglos war. Anschließend waren es
vier, was allerdings mal wieder nicht ohne
Protest abging.
Zunächst gab es einen neuen
Vereinsrekord bezüglich der Zweitliga-Zuschauer.
30.300 Besucher wollten das Spiel sehen, soviel
gab`s noch nie, wenn Fortuna mal im Unterhaus
antrat. Und die werden ihr Kommen wohl auch
nicht bereut haben. Es sei denn natürlich, sie
waren aus Bielefeld angereist.
Ihre Lieblinge auf dem
Platz bekamen in der ersten Halbzeit nämlich
nicht annähernd ein Bein auf die Erde.
Bielefelds Trainer Gerstner sprach nachher
völlig zu Recht von einer „unterirdischen ersten
Halbzeit“, und dies war noch sehr diplomatisch
ausgedrückt. Was deren Abwehr und Mittelfeld
sich zusammen spielten, hatte Hand und Fuß,
allerdings nur, soweit es die Angriffe der
Fortuna begünstigte. Zunächst ein Warnschuss von
Martin Harnik, den Bielefelds Keeper Dennis
Eilhoff sicher parieren konnte. Fast hätte der
sich auch noch von der schlechten Leistung
seiner Vorderleute anstecken lassen, wurde er
doch Hauptfigur in der unglaublichsten Szene in
Halbzeit 1. Nach einem Rückpass wollte er den
Ball am Fünfmeterraum wegschlagen. Leider
versprang die Kugel kurz vor seinem Fuß, sodass
er eine saubere Kerze produzierte. Anschließend
gewannen sowohl Harnik in der Luft als auch
Jovanovic am Boden ihre Duelle mit dem Keeper,
sodass Jovanovic aus drei Metern eigentlich nur
ins relativ leere Tor hätte einnetzen müssen.
Leider konnte den Ball nicht mehr kontrollieren
und stolperte ihn Richtung Bielefelder Kasten –
genau auf Abwehrspieler Arne Feick, der zurück
geeilt war und auf der Linie klären konnte.
Wahrscheinlich hatte eh alles nur auf den Pfiff
des Schiris gewartet, aber es war zu keiner Zeit
ein Foulspiel vorhanden, der Treffer hätte
gezählt. Sah schon leicht skurril aus.
Allzu lange ließ Fortuna
die Fans aber nicht warten, zu überlegen war man
in der ersten Halbzeit. Nach 16 Minuten
klingelte es im Kasten des Aufstiegsfavoriten,
und es war natürlich Martin Harnik. Nach
Freistoß Weber von der linken Seite wuchtete er
die Kugel per Kopf gegen die Laufrichtung von
Eilhoff zum 1:0 in die Maschen. Da seine
Körperhaltung dabei eher der eines Stiers
ähnelte, der grad den Torero auf die Hörner
nimmt, rätselten wir zunächst, mit welchem
Körperteil er den Ball eigentlich getroffen
hatte, Kopf, Schulter, Rücken, alles zusammen.
Aber nein, es war tatsächlich nur der Kopf,
lediglich die merkwürdige Körperhaltung hatte
ein wenig verwirrt.
Noch verwirrter als wir
waren augenscheinlich die Bielefelder. Denn
bevor sie sich wieder richtig sortiert hatten,
stand es schon 2:0. Nur sechs Minuten nach dem
ersten Treffer spielt van den Bergh auf links
einen Pass nach vorne, ein weiterer Fortune
verlängert den Ball, der sich eindeutig auf und
nicht hinter der Seitenauslinie befindet, im
Direktspiel nach vorne, in den Lauf von
Jovanovic, der nicht im Abseits steht. Der kurvt
von links in den Strafraum ein und in spitzem
Winkel auf Eilhoff zu. Und als dieser aus seinem
Tor muss und jeder mit einem Rückpass in die
Mitte rechnet, da wemmst Jovanovic die Kugel mit
links und voller Wucht an Eilhoff vorbei rechts
oben in den Winkel. Meine Herren! 2:0 nach 22
Minuten, und das auch noch vollkommen verdient
und eigentlich um ein Tor zu niedrig.
Mindestens.
Von Bielefeld in der ersten
Halbzeit nix zu sehen, bis auf eine Szene kurz
vor der Pause, die ein wenig ahnen ließ, dass
der Schiri an jenem Abend nicht so ganz den
Durchblick hatte. Auf rechts wird Lamey
freigespielt, nimmt den Ball mit dem Kopf mit,
anschließend kann Kozo aber klären, weil Lamey
sich den Ball viel zu weit vorgelegt hat.
Insoweit nichts Ungewöhnliches. Allerdings
pfeift der Schiri und zeigt Lamey anschließend
die Gelbe Karte wegen absichtlichen Handspiels.
Natürlich ein Witz, allerdings nahm Lamey den
Ball zwar mit dem Kopf mit, riss dabei aber auch
den rechten Arm hoch, und je nach Blickwinkel
konnte man das wirklich für ein Handspiel
halten. Jedoch hätte dies zumindest der
Assistent sehen müssen. Eine Fehlentscheidung,
über die zumindest Lamey nicht besonders lachen
konnte, denn es war seine fünfte Gelbe, damit
ein Spiel Sperre. Wurde vom DSF und von den
Bielefeldern nach dem Spiel natürlich und auch
zu Recht moniert. Dass der Freistoß für
Bielefeld, der diese Szene überhaupt erst
einleitete, ein ebensolcher Witz war, für den
Costa auch noch mit Gelb bedacht wurde, und dass
es ebenfalls dessen fünfte Gelbe war – egal, war
nicht so deutlich zu sehen, also uninteressant.
Abgesehen von dieser Situation setzte sich nun
wirklich kein Bielefelder in der ersten Halbzeit
auch nur irgendwie ins Szene, sodass deren
Anhang schon Mitte der ersten Hälfte lautstark
„Wir wollen euch kämpfen seh`n!“ intonierte.
Könnte aber auch an Fortuna gelegen haben, die
eine der besten Halbzeiten der Saison
ablieferte.
Nun, in Hälfte Zwei war
dies relativ schnell vorbei. Denn schon mit dem
ersten Angriff gelang Bielefeld der
Anschlusstreffer, resultierend aus einem
falschen Einwurf der Fortuna. Bielefeld bekommt
den Ball zugesprochen, und dann ging es ruckzuck
über rechts, Flanke hinter den langen Pfosten,
Guela legt per Kopf in die Mitte und Pavel Fort
wuchtet die Kugel am Fünfmeterraum artistisch
mit dem Rücken zum Tor in Selbiges. Ein klasse
Tor, wenn auch zu diesem Zeitpunkt natürlich
völlig unverdient, es handelte sich um den
ersten Torschuss der Gäste.
Das mit dem „unverdient“
war aber schon bald Geschichte, denn in der
Folgezeit zeigte die Arminia recht schnell genau
das, was man eigentlich von Anfang an erwartet
hätte, und weshalb sie für mich vor wie nach dem
Spiel auch Top-Aufstiegsfavorit bleiben. Fortuna
kam gar nicht mehr hinten raus, die Bielefelder
zogen ein Powerplay auf, gewannen plötzlich die
Zweikämpfe, und das Bällchen lief zeitweise
dermaßen flott in ihren Reihen, dass der ein
oder andere Fortune nur mit Hilfe eines
Kompanden (ich wette, „Kompasses“ geht
mittlerweile auch) wieder auf Kurs gebracht
werden konnte. Nachdem wiederum Pavel Fort noch
zweimal gescheitert war, einmal per Hacke an
Ratajczak, einmal aus spitzem Winkel per
Vollspann an sich selbst, weil er den Ball knapp
über das Tor setzte, klingelte es in der 62.
Minute erneut im Fortuna-Kasten, zu diesem
Zeitpunkt hochverdient und schon längst
überfällig. Besonders ärgerlich allerdings, dass
wir das Ding wieder vorbereiteten. Wieder mal
nach eigenem Einwurf auf der linken Seite im
Abwehrbereich bekamen wir den Ball nicht weg,
ein Fortune rutschte beim Klärungsversuch sogar
noch aus, die Kugel kam in den Strafraum, und
dann ging es auf einmal viel zu schnell: mit
zwei übel fixen Kurzpässen im Strafraum wurde
die Abwehr ausgespielt, der entscheidende Ball
kam von Federico auf Risgard, und der Däne
zimmerte die Pille aus sieben Metern ins kurze
Eck unter die Latte. Spiel gedreht in nur
fünfzehn Minuten. Okay, in der Woche zuvor in
München waren wir schneller gewesen, aber wir
waren ja auch ein anderes Kaliber für Bielefeld
als München für uns. Nun drohte ernsthaft etwas,
an das man seit dem Augsburg-Spiel nicht mehr
gedacht hatte, nämlich die erste Heimniederlage
der Saison, zumal Bielefeld weiter Druck machte.
Aber so ab und zu konnten sich die Fortunen nun
befreien und auch mal wieder angreifen. Einer
dieser Angriffe hätte das Traumtor eines jeden
Trainers werden können, weil es nämlich wirklich
aussah wie im Training: nach einer
Kopfballstafette im Mittelfeld kam der Ball zu
Fink, der ebenfalls aus der Luft, aber mit dem
Fuß einen Traumpass auf Jovanovic schlug, den
dieser mitnehmen und mit Ball alleine aufs Tor
zu rennen konnte. Jedoch verstolperte er mit dem
zweiten Ballkontakt die Kugel, legte sie sich
viel zu weit vor, und Eilhoff war deutlich vor
Jovanovic am Ball. Nun ging es für einige
Minuten wirklich hin und her, mittlerweile ein
echtes Spitzenspiel.
Und dann kam die 80.
Minute. Auf der rechten Seite, Höhe
Strafraumeck, senst Bielefelds Rüdiger Kauf
unseren Patrick Zoundi weg. der spielte übrigens
zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an,
und das ohne Rastalocken, die waren schon vor
dem Spiel in München der Schere zum Opfer
gefallen. Wahrscheinlich hatte die
Kopfball-Vorlage gegen Cottbus dem Haupthaar
doch zu sehr geschadet. Uns kann es Recht sein,
denn nachdem er in der Woche zuvor in München
nach seiner Einwechslung schon für reichlich
Dampf und seinen ersten Saisontreffer gesorgt
hatte. machte er diesmal von Anfang an ein gutes
Spiel. Er scheint nach seinen monatelangen
Irrflügen durch die Welt wegen der WM-Quali für
Burkina Faso tatsächlich endlich in Düsseldorf
angekommen zu sein. In der 80. Minute verlor er
dann mal kurz Bodenhaftung, weil Kauf seinen Fuß
inklusive Ball mit gestrecktem Bein
weggrätschte. Endlich Gelb für Kauf, der bis
dahin schon auf alles getreten hatte, was ihm zu
nahe gekommen war, außerdem bei jeder
Entscheidung des Schiris, selbst bei Freistößen
für die eigene Mannschaft, gemotzt hatte wie ein
Großer. Warum der Schiri den 80 Minuten lang
wüten ließ, ohne ihn zu verwarnen, bleibt auch
sein Geheimnis. Trainer Gerstner wird sich nach
dem Spiel beeilen zu sagen, dass dies natürlich
kein Freistoß war. Schließlich hat der ja auch
unter anderem den Ball getroffen. Ja nee, is
klar, wieder so ein gewiefter Regelkundler am
Start. So langsam liebe ich sie alle.
Weber bringt den Freistoß
von rechts in den Strafraum, der Ball kommt
genau auf Harnik, der springt zum Kopfball und
wird von seinem Gegenspieler Risgard
griechisch-römisch gehindert. Bis unters
Tribünendach zu sehen, deshalb bin ich auch
nicht überrascht, als Schiri Schalk Elfmeter
pfeift. Überrascht bin ich auch nicht, dass
sämtliche Bielefelder sofort auf den Mann
zustürmen und ihm die Hölle heiß machen, das
würden unsere sicherlich ebenso tun. Sämtliche
Bielefelder? Nein, einer bleibt am Boden liegen,
zwar im Fünfmeterraum, aber nicht annähernd in
Reichweite von Harnik und Risgard, sondern eher
am kurzen Pfosten. Mijatovic hat es erwischt.
Keiner hat etwas gesehen, aber das interessiert
die Bielefelder natürlich auch nicht, meckern
kann man ja immer mal.
Nun, das Fernsehen zeigt,
dass sie damit nicht ganz Unrecht haben. Denn
als der Freistoß in den Strafraum segelt,
klammert und hält Mijatovic seinen Gegenspieler
Jovanovic, wie es gute Sitte in deutschen
Strafräumen ist und von den Bielefeldern
anscheinend als selbstverständlich angesehen
wird. Jovanovic reißt sich los und gibt dabei
Mijatovic mit dem rechten Arm ohne nach hinten
zu sehen eine mit. Im selben Moment reißt
Risgard Harnik um, und es gibt Elfmeter.
Aber haaalt, natürlich
nicht „im selben Moment“. Das DSF findet heraus,
dass sich die Tätlichkeit von Jovanovic (und als
solche muss man dies auslegen, auch wenn er sich
nur losgerissen haben sollte, das war einfach zu
ungestüm), ich zitiere: „Sekundenbruchteile“ vor
dem Foul an Harnik ereignete. Um dies
investigativ festzustellen, benötigt man
allerdings eine Superzeitlupe und ein Standbild.
Wie dies der Schiri hätte feststellen sollen,
wird natürlich nicht gefragt. Muss auch nicht,
die Antwort liegt auf der Hand: gar nicht.
Sekundenbruchteile kann der Mensch visuell nicht
unterscheiden, schon gar nicht, wenn man auf die
eine Szene voll drauf guckt (der Schiri muss ja
den Ball verfolgen), und die andere sich dann im
Augenwinkel abspielt. Geht einfach nicht, weiß
jeder, das DSF, der Gerstner, alle Bielefelder
Mitspieler. Sagen tut es von diesen Vorbildern
natürlich niemand, dann jammert es sich ja nicht
so richtig entspannt. Same procedure as
Zettel-Ewald.
Also, die Entscheidung ist
insgesamt falsch, da die Tätlichkeit von
Jovanovic vor dem Foul an Harnik lag, hätte es
Freistoß Bielefeld und Rot für Jovanovic geben
müssen. Da dies aber mit bloßem Auge nicht
wahrnehmbar ist – was hätte der Schiri machen
sollen, wenn er die Tätlichkeit gesehen hätte?
Wären dann ja zwei Fouls zur gleichen Zeit
gewesen? Nun, auch in diesem Fall muss er den
Elfmeter geben, denn bei gleichzeitigen Fouls
wiegt das schwerere, und das ist in diesem Fall
das von Risgard, weil der ja die klare Torchance
verhindert. Also auch unter diesen Umständen
hätte die Entscheidung nicht anders ausfallen
dürfen. Dass der Bielefelder Trainer so etwas
nicht weiß, überrascht mich nicht, spätestens
seit Ewald Lienen weiß ich, dass die meisten
Trainer anscheinend nur etwas von Regelkunde
verstehen, wenn es ihnen in den Kram passt, und
meistens noch nicht mal dann. Aber vielleicht
bekommt der Gerstner ja mal Lust, es nachzulesen
und zu staunen, welche Regeln es denn so gibt.
Nur ein Vorschlag.
Also: wie der Schiri diese
Sekundenbruchteile unterscheiden soll, sagt der
Gerstner nicht. Und warum gleich zweien seiner
Abwehrspieler bei einem gegnerischen Freistoß
nichts weiter einfällt, als Klammern,
Trikotziehen, Zerren und Halten, und das alles
noch gut sichtbar, das sagt er
selbstverständlich auch nicht. Hat ihn ja auch
keiner danach gefragt. Warum er sich dann
allerdings wundert, dass es Elfmeter gibt, das
erklärt er leider auch nicht. Er hätte halt
gern, dass schmutziger Fußball auch noch mit
Freistoß belohnt wird. Tja, und so gesehen find
ich es ganz okay, dass der Schiri die
Tätlichkeit nicht gesehen hat (noch mal: die
trotz all ihrer Verwerflichkeit an der
Entscheidung Elfmeter nichts geändert hätte).
Weil sich dann direkt das nächste Trainervorbild
nach Wollitz und Lienen bundesweit vor der
Kamera lächerlich machen kann, was er punktgenau
nach dem Spiel auch tun wird. Allesamt
Sprücheklopfer ohne Ahnung bzw. die Ahnung, wenn
vorhanden, mit voller Absicht ausblendend, damit
es sich besser jammert. Und sollte sich unser
Trainer demnächst ebenfalls mal so idiotisch
äußern, nehme ich ihn gerne auch in diese Riege
auf, soviel Fairplay muss sein. Zumindest von
meiner Seite aus.
Nachdem die Bielefelder die
Ausführung des Elfers minutenlang hinausgezögert
haben, darf Langeneke endlich antreten. Und da
Zweitliga-Torhüter anscheinend keine Zeit für
das Studium potentieller Elfmeterschützen haben,
ist der Ball auch drin. Es ist Langenekes
dritter Elfer, zum dritten Mal drischt er genau
in die Tormitte, und zum dritten Mal hat der
gegnerische Keeper das nicht auf dem Schirm und
fliegt vorab schon mal in eine Ecke – 3:2. Ich
bin natürlich froh darüber, rate Herrn Langeneke
aber dringend ein Elfmeter-Training an. Lange
geht das nicht mehr gut.
Nun ging es bis zum Schluss
natürlich richtig rund, die Arminia warf alles
nach vorne, Fortuna konterte. Erst verpasste
Jovanovic die Entscheidung, als er die Vorlage
des eingewechselten Caillas mit dem falschen Fuß
an Torwart und Tor vorbei grätschte, auf der
Gegenseite schoss Fort aus vielleicht sechs,
sieben Metern freistehend in die Wolken, erhöhte
Herzschlagfrequenz beim staunenden Beobachter,
anschließend fällt Feick ein wenig zu deutlich
im Strafraum, nachdem Weber ihn an der Schulter
berührt hat, im direkten Gegenzug wird Lambertz
auf die Reise geschickt, eigentlich gefühlte
zwanzig Meter im Abseits, aber eben aus der
eigenen Hälfte heraus, daher alles in Ordnung,
er läuft und läuft, über das halbe Spielfeld auf
Torwart Eilhoff zu, zögert und zaudert zu lange,
kann Eilhoff an der Strafraumgrenze dann noch
umkurven, aber es dauert zu lange, ein
Gegenspieler ist mitgelaufen und kann ihn so
weit abdrängen, dass der Ball neben das Tor
geht. Unsere berühmte Konterstärke halt...Dann
pfeift der Schiri ab, und die Bielefelder haben
wieder etwas zu motzen, weil sie der Meinung
sind, dass das zu früh sei, drei Minuten
Nachspielzeit wurden angesagt, er ließ angeblich
nur zwei spielen. Ich kann das nicht bestätigen,
weil ich nicht weiß, ab wann die Nachspielzeit
zu laufen begann. Ist also gut möglich, dass er
zu früh abgepfiffen hat. Und natürlich weise ich
nicht darauf hin, dass die Nachspielzeit im
Ermessen des Schiris liegt und somit in dieser
Angelegenheit niemand auf irgendeine Durchsage
oder Anzeige bestehen kann, die vorher erfolgt.
Der könnte aus purem Jux auch zehn Minuten
anzeigen lassen und nach 30 Sekunden abpfeifen.
Nicht dass es uns nicht auch schon so gegangen
wäre. Aber ich sage das deshalb nicht, weil
diese Regel unter Spielern und Trainern
allgemein bekannt sein muss. Aber auch diese
Situation wird schon zuungunsten von Bielefeld
mit voller Absicht verschoben worden sein. So
regen sie sich zumindest auf.
Nach dem Spiel gibt es
wieder ein paar Feinheiten von der
Verliererseite, Trainer Gerstner versteigt sich
dazu, direkt mal völkisch zu analysieren und
befindet: „Dieses
Schiedsrichtergespann hätte es
verdient, auf deutschem Boden kein Spiel mehr
pfeifen zu dürfen!“, er scheint ein Freund der
schnellen Abschiebung zu sein. Naja, aufm Dorf
in Bielefeld gehen die Uhren halt noch anders,
was dann auch der Co-Trainer verdeutlicht, der
auch mal den Schiri beleidigen will und dies mit
dem wahrscheinlich schlimmsten Schimpfwort tut,
welches er als Bauer vom Land kennt: er
bezeichnet Schalk im Innenraum unüberhörbar als
„schwule Sau“, und was der Rest der Bielefelder
Kombo noch so zum Besten gibt, auch gut zu
vernehmen für
Presseohren, macht mal
wieder deutlich, warum Fußball ein Männersport
ist, besonders leider für Typen ohne Hirn. Jaja,
die Emotionen, die raus müssen...ist ja sehr
bequem, wenn man immer eine Ausrede für alles
hat, was man so verzapft. Tja, wenn die
Mannschaft in der ersten Halbzeit so gespielt
hätte wie ihre Seitenmännchen nach dem Spiel
rhetorischen Einsatz zeigten, dann wäre Fortuna
chancenlos gewesen. So aber gewinnt die Heimmannschaft nicht ganz
unverdient, wenn auch glücklich, durch einen
Elfmeter, den es unter dem
Rasterelektronenmiskrop nicht hätte geben
dürfen, den es aber geben musste, weil in dem
Sport immer noch die Menschen das Sagen haben.
Platz 4 aktuell ist natürlich sensationell, aber
wir konnten uns auch schon mal darauf
einstellen, dass zumindest für Jovanovic die
Winterpause schon begonnen hatte.
Und fünf Tage später
konnten wir die Hälfte dessen, was ich oben
geschrieben habe, mal wieder flugs revidieren.
Grund dafür ist der stets faire, unbestechliche
und gerechte DFB, der am Mittwoch nach dem Spiel
mal Folgendes entschied:
„Das Sportgericht des
Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Ranisav
Jovanovic vom Zweitbundesligisten Fortuna
Düsseldorf im Einzelrichter-Verfahren nach
Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss
wegen eines krass sportwidrigen Verhaltens in
der Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner nach
zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung
mit einer Sperre von vier Meisterschaftsspielen
der Lizenzligen belegt. Darüber hinaus ist
Jovanovic bis zum Ablauf der Sperre auch für
alle anderen Meisterschaftsspiele seines Vereins
gesperrt.
Die Auswertung der
vorliegenden Fernsehbilder hatte ergeben, dass
Ranisav Jovanovic seinem Gegenspieler Andre
Mijatovic in der 80. Spielminute mit der rechten
Hand ins Gesicht geschlagen hatte.
Schiedsrichter Georg Schalk hatte gegenüber dem
DFB-Kontrollausschuss erklärt, diesen Vorgang
nicht gesehen zu haben, weshalb der
Kontrollausschuss nachträglich ermitteln und
Anklage erheben konnte.
Gegen das Urteil kann
binnen 24 Stunden mündliche Verhandlung vor dem
DFB-Sportgericht beantragt werden“
Vier Spiele Sperre –
dieselbe Strafe, wie sie Raphael Schäfer vom
1.FC Nürnberg erhalten hatte, als er einem
Wolfsburger Angreifer vorsätzlich von hinten in
die Weichteile trat, als kein Ball mehr in der
Nähe war. So etwas nennt man beim DFB
wahrscheinlich „Augenmaß“. Ich nenne das
Unverschämtheit oder aber: es roch danach, dass
in diesen vier Spielen unterbewusst eine Sperre
für Lambertz mit eingeflossen war, den man in
der Woche zuvor noch hatte laufen lassen müssen.
Getreu dem Motto: zwei Fortunen binnen einer
Woche, da schlagen wir beim Zweiten mal richtig
zu. Vier Spiele Sperre ist eindeutig zu hoch.
Aber wir wollen doch einen
Teil des Textes noch einmal ausgiebig studieren.
Denn da heißt es: „…wegen eines krass
sportwidrigen Verhaltens in der Form einer
Tätlichkeit gegen den Gegner nach zuvor an ihm
begangenen sportwidrigen Handlung…“
Ja da sag ich doch mal: olé!
Der DFB sagt damit eindeutig, dass Mijatovic
zuvor gefoult hat. Da sind die vier Spiele
Sperre natürlich noch bemerkenswerter, weil das
zuvor begangene Foul nicht berücksichtigt wurde,
obwohl es ausdrücklich erwähnt wird. Aber ich
möchte noch auf etwas Anderes hinaus. Wenn
Mijatovic vorher nachweislich gefoult hat, dann
hätte es dafür schon Elfer geben müssen, und
anschließend Rot für Jovanovic wegen der
Tätlichkeit, was sich aber nicht auf die
Elfmeter-Entscheidung auswirkt, da diese
Tätlichkeit ja zeitlich eindeutig nach dem Foul
lag. Ja guck an! Somit haben die
„Chef-Aufklärer“ des DSF durch ihre
Superzeitlupen und Standbilder für den DFB
nachweisbar bewiesen, dass der Elfmeter aber
sowas von berechtigt war, er war halt nur für
das „falsche“ Foul verhängt worden, weil der
Schiri die vorangegangene Szene nicht gesehen
hatte. Somit können die Bielefelder ihr Gejammer
wegen des Elfmeters einstellen, was sie
selbstverständlich nicht tun. Und jetzt wäre es
für Herrn Gerstner mal an der Zeit, darüber
nachzudenken, ob er auf deutschem Boden noch ein
Spiel an der Seitenlinie begleiten sollte.
Streng nach seinen eigenen Kriterien natürlich,
da ja nunmehr nachgewiesen ist, dass er noch
mehr beleidigenden Unfug in die Kamera posaunt
hatte als der Schiri (angebliche und echte)
Fehlentscheidungen gefällt hatte. Das hatte das
DSF sicher nicht gewollt.
Den homophoben
Verbalschlächter an seiner Seite kann er gleich
mitnehmen. Am Dienstag nach dem Spiel, einen Tag
nach Einleitung des Verfahrens gegen Jovanovic,
eröffnete der DFB dann tatsächlich Selbiges
gegen Gerstner und seinen Co-Trainer Eulberg,
weil sie sich „unsportlich“ gegenüber dem
Schiedsrichter-Gespann geäußert haben sollten.
„Sollten“ ist gut – der Eine blökte es direkt in
die Kamera, bei den Äußerungen des Anderen waren
mindestens 25 Zeugen zugegen.
Co-Trainer Eulberg bekam
dann noch richtig Spaß an die Backen und weiß
seit diesem Spiel auch, dass man sich als Schiri
nicht alles anhören muss. Denn nur einen tag
nach Eröffnung des DFB-verfahrens gegen die
beiden Trainer flatterte noch folgende Meldung
ins Haus:
„Strafanzeige gegen
Bielefelds Co-Trainer
München/Bielefeld (dpa) -
Schiedsrichter Georg Schalk will Strafanzeige
gegen Co-Trainer Frank Eulberg vom
Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld stellen.
Dies kündigte sein Anwalt in München an.
Die Anzeige solle in den
nächsten Tagen wegen ‚grob beleidigender
Äußerung’ bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf
gestellt werden. Zudem würden zivilrechtliche
Schritte wie die Androhung eines
Schmerzensgeldes eingeleitet.
Im Nachklapp auf das
Zweitliga-Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und
dem Bundesliga-Absteiger ermittelt bereits der
Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes
(DFB) wegen unsportlicher Äußerungen gegen
Eulberg und Cheftrainer Thomas Gerstner.“
Tja, und wie reagiert man
auf sowas, wenn man vom Land kommt? Der
Pressesprecher der Arminia zeigte sich
„irritiert“, schließlich habe Eulberg diese
Äußerung doch schon bedauert und sich
entschuldigt. Vollends zur Posse verkommt dies,
weil Eulberg selbst von einer Entschuldigung zum
selben Zeitpunkt nichts wusste. Der behauptete
dann nämlich plötzlich, er habe mit dieser
Äußerung gar nicht den Schiedsrichter gemeint!
Also nicht nur ein Dampfplauderer, sondern auch
noch ein…naja, kann man sich ja aussuchen, wie
man so jemanden nennen möchte. Und dazu noch
unfähig, sich mit seinem Pressesprecher
abzustimmen. Wäre lustig, wenn es nicht so
traurig wäre, was unsere „Vorbilder“ so
verzapfen.
Heim-Finish 2009
Am 13.12.2009,
unfassbarerweise kein Freitag, sondern ein
Sonntag, erschien RW Oberhausen in der esprit
Arena, zum letzten Heimspiel des Jahres 2009.
Mit der Aufstellung wurde es nun langsam eng, da
ja jetzt auch die gesperrten Jovanovic und Costa
ausfielen. Trainer Norbert Meier hatte mal
wieder die Qual der Wahl, welche Startformation
er kreieren durfte, es würde auf jeden Fall eine
sein, die in dieser Form in der laufenden Saison
noch nicht begonnen hatte. Und zum Glück passt
im Moment so ziemlich alles, was der Meister
anpackt. Okay, dass Sieger für Costa von Anfang
an spielen würde, hätte man sich denken können.
Nicht allerdings, dass der mal eben seine beste
Saisonleistung abliefern würde. Und für
Jovanovic bot der Trainer dann – doch zur
allgemeinen Überraschung – Sebastian Heidinger
auf. Dessen bisheriger Arbeitsnachweis in der 2.
Liga: eine Einwechslung im Spiel beim TSV 1860
München. Der war natürlich heiß wie Frittenfett,
dennoch kam die Berufung in die Startelf
überraschend, viele hatten mit dem jungen Hüpfer
Marcel Gaus oder mit dem alten Haudegen Axel
Lawaree gerechnet. Ja denkste.
Zunächst gab es schon
wieder einen neuen Vereinsrekord für ein
Zweitliga-Spiel – 32.500 Zuschauer wollten das
Nachbarschaftsduell sehen. Aus Oberhausen waren
vielleicht 1.500 Leute mitgekommen – nicht
schlecht für das, was die normalerweise auswärts
mitbringen, aber doch ziemlich enttäuschend
dafür, dass es sich angeblich um ein Derby
handelt und dieses Oberhausen angeblich bei
Düsseldorf um die Ecke liegt. Na wenn’s bei euch
halt keinen interessiert, dann könnt ihr ja auch
wieder brav ohne Punkte nach Hause fahren. Und
das taten sie dann auch.
Fortuna mit den oben
genannten Veränderungen in der Startelf, dazu
allerdings auch noch eine positive Neuerung.
Innenverteidiger Anderson kehrte nach seiner
Muskelquetschung wieder in die Mannschaft
zurück, überraschend früh, zumindest für mich,
er war nämlich erst am Mittwoch zuvor ins
Mannschaftstraining eingestiegen. Aber das
merkte man nicht, Anderson spielte gewohnt
souverän und nahezu fehlerlos, als ob er nie weg
gewesen wäre.
Auch die eigentliche Nr. 1
im Tor, Michael Melka, nahm erstmals seit seiner
Fußverletzung am 1. Spieltag (!) wieder auf der
Ersatzbank Platz. Seinen ersten Einsatz nach
dieser langen Pause hatte er in der Woche zuvor
beim Spiel der Zwoten gegen den Bonner SC. Dort
zeigte er sofort, dass mit ihm wieder zu rechnen
sein wird, denn er hielt wieder mal einen
Elfmeter. Es nutzte allerdings nichts, die Zwote
verlor trotzdem 0:2. Immerhin, er ist wieder da,
und auch wenn es derzeit natürlich überhaupt
keinen Grund gibt, Torwart Michael Ratajczak
auszutauschen, so wird Melka natürlich in der
Winterpause den Konkurrenzkampf wieder anheizen.
Kann nur gut für uns sein.
Auf dem Rasen tat sich bei
eisigen Temperaturen erst einmal nichts, es war
ein Spiel, dass der qualifizierte
Sportjournalist wohl mit dem Begriff „abwartend“
umschreiben würde. RWO stand sehr kompakt, wie
nicht anders zu erwarten, Fortuna spielte ein
bisschen nach vorne und wartete auf Fehler. Den
ersten machten sie selbst, sodass RWO das
Privileg des ersten Torschusses gebührte, aber
die Volleyabnahme von Terranova aus ca. 12
Metern war kein großes Problem für Ratajczak,
der Ball kam genau auf Mann. Nach einigen
kleineren Gelegenheiten dann die 27. Minute: ein
weiter Pass von Langeneke ins Nirwana. Der ist
wohl für Heidinger gedacht, und der ist zwar
auch ein Sprinter, aber diesen Ball kann noch
nicht mal Usain Bolt erreichen. Dennoch läuft
Heidi mal durch und irritert damit wohl
RWO-Keeper Pirson, der sich halbrechts im
Strafraum völlig verschätzt. Er will den Ball
mit dem staatlich anerkannten Torhüter-Move
„Reinrutschen“ aufnehmen, die Kugel springt
jedoch noch mal und wird ein wenig zu schnell
für ihn. Pirson kann den Ball nur abklatschen,
das Leder rollt nach hinten Richtung Torauslinie
– und hinter Heidinger her, der zuvor fair über
Pirson hinweg gesprungen ist und niemals damit
gerechnet hat, den Ball noch mal zu sehen. Um so
beeindruckender, was er daraufhin damit anfängt:
aus der Drehung, quasi mit dem Rücken zum Tor,
setzt die Pille aus spitzem Winkel ins lange Eck
des leeren Tores. 1:0 für Fortuna durch diesen
Riesen-Bock von Pirson, aber auch die
unglaublich schnelle und gute Reaktion von
Heidi!
Und die Bude war nicht nur
aufgrund ihrer Entstehung spektakulär, sondern
auch noch aus einem anderen Grund: bei Sören
Pirson handelt es sich nämlich um einen von
insgesamt sechs Ex-Fortunen bei Oberhausen,
ebenso wie bei Moritz Stoppelkamp und Tim Kruse
auf dem Feld sowie dem verletzten Marinko
Miletic, RWO-Coach Jürgen Luginger und Manager
Hans-Günther Bruns! Und zum ersten Mal seit
Menschengedenken schießt so ein Ex-Fortune nicht
nur kein Tor gegen uns, nein, der
bereitet auch noch eines für uns vor!
Dass ich das noch erleben darf! Da konnten einem
schon die Tränen kommen, in dieser Saison wird
wirklich alles geboten, was vorher noch nicht da
war...
Zum Beispiel auch, dass wie
gegen Bielefeld sofort nachgelegt wird. Nur
sieben Minuten später macht Zoundi auf der
rechten Seite mal einen kleinen Spaziergang,
schlägt dann eine weite Flanke hinter den langen
Pfosten. Dort steigt schon wieder Heidinger zum
Kopfball hoch und drückt die Kugel ins kurze
Eck. Der ist eigentlich schon drin, aber mit
einem tollen Reflex lenkt Pirson den Ball noch
an den Pfosten. Den Abpraller versenkt Martin
Harnik zu Saisontreffer Nummer 7, allerdings mit
ein bisschen Glück, er trifft den Ball nicht
voll und erwischt eben deshalb seinen auf der
Torlinie postierten Gegenspieler auf dem
falschen Fuß, an dem das Spielgerät anschließend
vorbei in die rechte Ecke hoppelt. 2:0 durch
Harnik – wie gesagt, sein siebter Treffer im
erst zwölften Spiel für Fortuna, die ersten vier
Spiele konnte er ja nicht für Fortuna auflaufen,
da er erst am letzten Tag der Wechselfrist Ende
August ausgeliehen worden war. Außerdem hat er
damit in den letzten fünf Heimspielen jeweils
getroffen. Und den wollten sie in Bremen zum
Verteidiger umfunktionieren...
Tja, und damit war das
Spiel auch schon durch, denn in der 2. Halbzeit
gab es business as usual, will heißen: Fortuna
vergab leichtfertig gute Konterchancen, ließ
sich anschließend hinten rein drängen, vergab
leichtfertig gute Konterchancen, hatte bei zwei
Situationen Glück, als ein RWO-Kopfball knapp am
Tor vorbei ging und ein Schuss von Ratajczak
sicher gehalten werden konnte, vergab
leichtfertig gute Konterchancen, ließ in der
letzten Viertelstunde nicht viel zu und vergab
leichtfertig gute Konterchancen. Allein Patrick
Zoundi hatte viermal die Chance, alles klar zu
machen, zweimal als Vorbereiter und zweimal als
Vollstrecker, aber der letzte Ball, sei es
Abspiel oder Torschuss, kam immer zu unpräzise.
Da ist sicherlich noch Steigerungspotential,
aber mittlerweile ist auch Zoundi ein echter
Gewinn für die Mannschaft. Schade, dass er im
Januar erst einmal wieder weg ist, beim
Afrika-Cup. Denn wie zu erwarten bzw. zu
befürchten war, wurde er für die Nationalelf von
Burkina Faso nominiert, und zwar für den
Zeitraum 10.01 bis 31.01.10. Aufgrund der drei
Vorrundenpartien von Burkina Faso am 11., 15.
und 19.01.10 fällt er damit zumindest für den
Rückrunden-Auftakt in Paderborn aus. Und ich
habe ja nix gegen Burkina Faso, aber in der
aktuellen Form von Zoundi wäre es für uns
besser, wenn nach diesen drei Spielen deren
Afrika-Cup 2010 beendet wäre...
Fortuna siegte also
verdient 2:0 gegen RW Oberhausen und stand
plötzlich auf Relegationsplatz 3 in der Tabelle!
Was natürlich den Reporter des DSF dazu
veranlasste, das Gequatsche von der „Gefahr des
Durchmarsches“ anzukurbeln. Trainer Norbert
Meier fiel dazu nur ein, dass er bei
„Durchmarsch“ Kohletabletten benötigen würde.
Auf die Korrektur des Reporters, hierbei handele
es sich um „Durchfall“, erklärte er, dass man
dies in Hamburg, von wo er bekanntermaßen
stammt, landsmannschaftlich „Durchmarsch“ nenne.
Ende der Diskussion. Und das ist auch gut so.
Sollten wir an Spieltag 30 noch da oben in der
Tabelle rumstehen, kann er ja gerne nochmal
nachfragen. Vorher ist das purer Nonsens.
Schuld daran ist allerdings
eine Verschwörung des DFB. Denn Arminia
Bielefeld, die wir an jenem Sonntag überholten,
spielte nur 1:1 gegen Union Berlin, und wer das
mal wieder Schuld war, danach braucht man
Arminen-Trainer Gerstner ja nicht zweimal zu
fragen. Er sprach in die Mikros, ihm dränge sich
mittlerweile ein Verdacht auf, den er aber nicht
öffentlich kundtun dürfe, sonst müsse er mit
weiteren Strafen rechnen. Ich glaube, in der
Rückrunde wird der jeweilige sky-Reporter
vorsichtshalber ein Taschentuch einstecken, um
es dem Bielefelder Coach bei Bedarf reichen zu
können. Ja, Fußball-Mafia-DFB, der einen solchen
Zuschauergiganten wie Bielefeld gerne in der 2.
Liga halten will...oder wie darf man das sonst
verstehen?
Auch Co-Trainer Eulberg
hatte nix zu lachen. Nachdem seine Äußerungen
gegenüber dem Schiri nach dem Düsseldorf-Spieler
publik wurden, bekam er vor dem Spiel gegen
Union von einer Abordnung schwuler Arminia-Fans
(!) den offiziellen DFB-Flyer zum Thema
Anti-Diskriminierung überreicht. Er schaute auch
etwas verkniffen, wahrscheinlich hat er das Teil
zum ersten Mal in seinem Leben gesehen. Und
vielleicht animiert dies einige seiner Kollegen,
beim nächsten Mal nach dem Spiel einfach erst
einmal fünf Minuten die Klappe zu halten oder
bei aller Emotion vor Betätigung des
Vorbild-Mundwerks das Gehirn einzuschalten.
Dass das dynamische Duo
völlig ungerührt seinen Dienst an der
Seitenlinie versehen konnte, liegt übrigens
daran, dass der DFB natürlich erheblich länger
braucht, um solche Sachen wie die „schwule Sau“
vor 25 Zeugen oder die Forderung nach
Berufsverbot auf deutschem Boden für den Schiri
vor der Kamera und somit vor einem
Millionen-Publikum auch entsprechend zu
würdigen. Das Verfahren gegen die beiden läuft
nämlich immer noch...
Und wenn es am schönsten
ist, dann soll man aufhören. Deshalb endete
diese für Fortuna unglaubliche Hinrunde mit
einem Auswärtsspiel bei Hansa Rostock am
19.12.2009, überraschenderweise ein Samstag. Und
egal, wie das ausgehen würde, man konnte schon
jetzt sagen – eine überragende Hinrunde, bei
weitem mehr, als man sich vor Beginn der Saison
auch nur erträumt hatte.
Verkühlt
Zum Abschluss des Jahres
wollen wir es kurz machen, so toll war es dann
auch nicht. Fortuna verlor das letzte Spiel des
Jahres 2009 bei Hansa Rostock mit 1:2. Nicht
unverdient, weil Hansa in kämpferischer Hinsicht
einfach eine Schippe mehr drauf hatte. Aber so
richtig böse konnte auch niemand sein, zum einen
natürlich aufgrund der tollen Hinrunde, zum
anderen, weil es sich bei dieser Partie nicht um
Fußball, sondern eher um Glücksspiel handelte.
Natürlich verfügt Rostock als langjähriger
ehemaliger Erstligist über eine Rasenheizung.
Und natürlich funktionierte diese zufällig
nicht. Das sind so Zufälle im Leben, da könnte
man glatt an eine höhere Macht glauben, ich sage
nur: zufällig geplatzter Wasserschlauch in
Emden, der Kenner weiß Bescheid. Diesmal folgte
leider die Strafe nicht auf dem Fuß wie damals
in Ostfriesland.
Vor 13.000 Zuschauern kamen
kaum richtige Spielzüge zustande, höchstens
durch Standards gab es mal Gefahr. Zwei davon
nutzte Hansa, zunächst das 1:0 durch Bülow in
der 13. Minute, technisch durchaus hochwertig,
wie er den Ball nach einer abgeblockten Ecke im
Netz unterbringen konnte. Und auch das 2:1 der
Rostocker war mehr ein Zufallsprodukt, Schlitte
war derjenige, der in der 78. Minute die Kugel
ins Tor böllerte, nachdem sie zuvor wiederum
nach einer Ecke wie eine Flipperkugel im
Strafraum herum gesprungen war, und kein Fortune
richtig klären konnte. Natürlich kann man auch
auf diesem Boden mal die Feinheit
„Befreiungsschlag“ zur Anwendung bringen, aber
es bleibt halt ein Glücksspiel. Diesmal hatten
wir keins und durften uns über die Niederlage
daher auch nicht beschweren, weil wir in der
Schlussoffensive so gut wie nichts mehr nach
vorne, die Rostocker jedoch das Spiel mit großem
kämpferischen Einsatz nach Hause brachten.
Erfreulich war lediglich der zwischenzeitliche
Ausgleich in der 49. Minute durch Martin Harnik,
der nach einem Pass des eingewechselten
Youngsters Marcel Gaus von halbrechts mit einem
schönen Schuss ins lange Eck erfolgreich war.
Bereits sein achter Saisontreffer, und ich
hoffe, er kann diese Form über die kurze
Winterpause konservieren, denn sein etatmäßiger
Sturmpartner Jovanovic ist ja nach der
Winterpause noch zwei Spiele gesperrt.
Als Krönung des Tages
verletzten sich dann auch noch Anderson und
Zoundi, jedoch gab es am Tag nach dem Spiel
Entwarnung, nichts Ernstes. Anderson ist schon
auf dem Weg nach Brasilien, Heimaturlaub, mal
sehen, ob sich bei seiner Rückkehr eher die
Mannschaftskollegen freuen oder die
Mannschaftskasse um einen gewissen Betrag erhöht
werden kann, man kennt halt Brasilianer. Und
Zoundi steht ja eh aufgrund seiner Abstellung
für den Afrika-Cup zumindest gegen Paderborn und
wahrscheinlich auch gegen Union Berlin nicht zur
Verfügung. Hätte also schlimmer kommen können.
Und ich will auch nichts
mehr zum Thema Platzverhältnisse sagen, nachdem
ich tags darauf das Spiel RW Oberhausen gegen
Arminia Bielefeld sah. Wie diese Wahnsinnigen in
dichtestem Schneetreiben bei geschätzt fünf
Zentimeter Neuschnee während der Partie einfach
weiterspielten, als ob es kein Morgen mehr geben
würde, das war schon aller Ehren wert. Natürlich
fielen keine Tore, dieses Ergebnis hätte ich
auch für uns mit Kusshand genommen. Aber wie
gesagt, man kann nicht immer Glück haben. Der
Jahresabschluss ist auch so schon erfreulich
genug.
Jahresabschluss
Denn mit den erspielten 30
Punkten steht Fortuna zum Ende der Hinrunde auf
Platz 4, punktgleich mit dem Tabellendritten
Bielefeld und nur ein einziges Tor in der
Tordifferenz schlechter. Vor den gehandelten wie
selbst ernannten Aufstiegsfavoriten Augsburg,
Duisburg, Karlsruhe, Aachen, Cottbus, Fürth. Das
kann sich wohl sehen lassen. Okay, sollte eine
Abschlusstabelle so aussehen, dann würde man
sich natürlich fürchterlich ärgern, aber ein
bisschen Stolz wäre trotzdem dabei, nach solch
einer Leistung als Aufsteiger. Jetzt, da erst
mal nur die Hinrunde absolviert ist, kann man
den Ärger sogar ganz weglassen und sich einfach
nur freuen. Über eine Hinrunde, die wohl selbst
die kühnsten Optimisten nicht für möglich
gehalten hätten. Das Team hat bewiesen, dass es
an guten Tagen spielerisch mit jedem Gegner
mithalten kann, wir haben alle drei
Erstliga-Absteiger geschlagen, wir haben
Kaiserslautern geputzt, und es gab bis auf die
zweite Halbzeit in Duisburg, als man nach dem
frühen 0:2 chancenlos war, wirklich keine
Niederlage, bei der man sagen könnte, jawohl,
das war verdient, wir waren erkennbar schlechter
als der Gegner. Natürlich ist die Frage, ob man
in der Rückrunde ein solches Niveau halten kann
oder ob schon relativ früh ein Einbruch kommt,
sodass man froh ist, wenn man möglichst schnell
die magischen 40 Punkte hat. Aber ich sag`s mal
so: in den letzten zwei Jahren haben wir immer
oben mitgespielt – daran kann man sich gewöhnen.
Okay, das war eine andere Liga (genau genommen
sogar zwei andere Ligen), aber wir haben
bewiesen, dass wir uns auch in der Zweiten Liga
vor niemandem verstecken müssen. Ich ärgere
gerne die Großen noch ein wenig. Und wenn wir am
30. Spieltag immer noch da oben stehen, dann
denke ich langsam mal daran, ob es in den
letzten vier Spieltagen nicht noch ein wenig
besser gehen könnte. Sollten wir zu diesem
Zeitpunkt allerdings irgendwo im Mittelfeld
stehen, mit genügend Abstand zu Relegation
(derzeit 17 Punkte) und Abstieg (derzeit 18),
dann wäre ich genauso zufrieden. Mal sehen, was
noch so geht. Zum Schluss nahmen die
Verletzungen ein wenig überhand, ich hoffe, dass
alle gesund aus der Winterpause wieder
rauskommen. In selbiger bezieht man übrigens ein
einwöchiges Trainingslager in Spanien, inklusive
zweier Testspiele gegen Schalke 04 und Mainz 05,
dann kommt zum vierten Mal dieser Wintercup in
der esprit-Arena, über den man besonders
diesmal, bei derart verkürzter Winterpause,
durchaus geteilter Meinung sein kann. Am
10.01.2010 besuchen also der VfL Wolfsburg,
Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach
mal kurz unsere Heimstatt, und die oberste
Devise bei diesem Blitzturnier kann nur lauten –
bloß keine neuen Verletzungen, egal, wie die
Spiele laufen!
Noch ein kurzes Streiflicht
auf unsere Neuzugänge, im Großen und Ganzen
haben Manager Wolf Werner und alle Beteiligten
gut eingeholt. Martin Harnik und Anderson
„Bamba“ Soares de Oliveira (ich hoffe, da fehlt
kein Buchstabe) sind beides absolute
Volltreffer, fortuna-typisch sind ausgerechnet
diese beiden Spieler nur ausgeliehen, aber was
soll man machen? Christian Weber ist ein
Granaten-Verteidiger, auch wenn er gegen Ende
der Hinrunde ein wenig schwächelte und bei dem
ein oder anderen Gegentreffer nicht gut aussah,
aber solche Zweikampfwerte wie der hatte bei uns
in der Vergangenheit nur Geschäftsstellenleiter
Paul Jäger, wenn der bei seinem berühmten
Flur-Geschäftsstellen-Kick mal wieder irgendein
bedauernswertes Opfer auf dem Bierdeckel
austanzte. Zudem kam Weber bislang auch noch
ohne Verletzung aus, als einer von Wenigen.
Johannes van den Bergh auf
der anderen Seite mit Licht und Schatten, aber
auch überwiegend positiv. Wenn der jetzt nur
noch flanken könnte...wohin der die Kugel schon
bei etlichen Versuchen geschossen hat, ist
selbst Mathematikern manchmal ein Rätsel. Und
ich such immer noch den Typ, der mir mal erzählt
hat, der van den Bergh könne sehr gut flanken,
weshalb ich genau dies in meinem Beitrag zur
Sommerpause geschrieben hatte. Eines Tages sehen
wir uns, Fremder!
Oliver Fink begann
bärenstark, ließ dann allerdings auch stark nach
und fing sich zum Schluss wieder einigermaßen.
Aber der kann eindeutig mehr als er zuletzt
gezeigt hat, hoffentlich erinnert er sich wieder
an die ersten Spiele, als man über ihn nur
staunen konnte. Patrick Zoundi sammelte erst
Vielfliegermeilen bis ans Ende seiner Tage durch
seine permanenten Abstellungen zur WM-Quali von
Burkina Faso, als seine Nationalelf dann aber
endlich ausgeschieden war, spielte er bei uns
durchaus groß auf. Die Abstellung für den
Afrika-Cup im Januar kommt eigentlich zu früh,
der war grad so schön in Form. Hoffen wir, dass
er die behalten kann. Und dass Burkina Faso
wiederum schnell ausscheidet, sorry, da ist mir
das Hemd näher als der Rock.
Dmitri Bulykin ist
eigentlich bislang der Pechvogel. Erst gab es
ein Riesenhickhack um seine Ausleihe, es zog
sich über Wochen hin, und weil im Sommer halt
medientechnisch Saure-Gurken-Zeit ist, schrieb
jedes Käseblatt vom Dorf ihn in der Zwischenzeit
zum Heilsbringer hoch, der er von Anfang an
nicht sein konnte. Unter diesem immensen Druck
startete er eigentlich recht ordentlich, wurde
dann schwächer, schien sich gefangen zu haben,
als er in Ahlen nur von der Bank kommen durfte
und dort prompt seinen bislang einzigen Treffer
markierte und in der Folgezeit auch sein bestes
Spiel ablieferte. Just als der Trainer nach zwei
weiteren schwächeren Spielen diesen Kniff erneut
anwenden wollte, fiel Bulykin mit Fußverletzung
bis zum heutigen Tag aus. Schade, ich mag ihn
irgendwie, aber er passt einfach nicht ins
System, das Norbert Meier spielen lässt, der
Mann braucht Flanken und Vorlagen, ist der
klassische bullige Mittelstürmer à la Gerd
Müller (nicht von den Erfolgen, sondern von
seinem Spiel her, meine ich). Und vor allem
Erfolgserlebnisse, schließlich hatte er in
Anderlecht zuvor auch nur noch zwischen Bank und
Tribüne gewechselt. Aber solange die anderen
Stürmer treffen wie jetzt in der Hinrunde, was
bei uns bekanntermaßen in den letzten Jahren
eher selten vorkam, besteht natürlich auch kein
Grund, ihn wieder von Anfang an ins Rennen zu
werfen. Warten wir mal ab, bis er seine
Verletzung auskuriert hat und wieder auf der
Bank sitzt. Vielleicht kann er ja doch noch
etwas reißen. Ansonsten wäre er der einzige
große Irrtum, der der sportlichen Leitung in der
Sommerpause unterlaufen ist. Soll wohl schon mal
vorkommen.
Denn sogar unser Japaner
Yuki Kozo, der eigentlich eher die 2. Mannschaft
verstärkt und plötzlich in München und gegen
Bielefeld auflief, zeigte durchaus ansprechende
Leistungen in der Abwehr. Nur diese
Kerzenschießerei muss er sich noch abgewöhnen,
dann kann er durchaus mal nach Höherem schielen.
Fortuna ist als einziges
Team der 2. Liga zuhause noch ungeschlagen, nur
Aachen und Augsburg holten je einen Zähler, der
Rest wurde freundlich zur Stadtgrenze eskortiert
und ohne Punkte wieder nach Hause geschickt. Der
Klassenerhalt sollte doch eigentlich sicher
sein. Auf jeden Fall, wer möchte es uns
verdenken, macht es derzeit Spaß, Zweitligist zu
sein. Fortuna und Erfolgsfans – wer hätte nicht
vor noch nicht allzu langer Zeit lachend den
Kopf geschüttelt, wenn diese Begriffe
nebeneinander verwendet worden wären?
Weiter geht es im neuen
Jahr am 15.01.2010 (endlich wieder: freitags)
beim SC Paderborn in dessen großem Möbellager an
der A 33, gefolgt vom Spiel gegen Union Berlin
am 22.01.2010 (natürlich: freitags) und meinem
„Heimspiel“, das heißt der Partie mit der
kürzesten Anreisezeit von Bonn aus, bei der TuS
Koblenz, am 29.01.2010 (huch, wir hätten nie
damit gerechnet: freitags)
Das Heimspiel wird
natürlich ein ganz Besonderes. Seit dem
19.04.2009 haben wir zuhause nicht mehr
verloren. Damals gab es in der 3. Liga ein 0:1
gegen – Union Berlin. Der nächste Heimgegner der
Fortuna – Union Berlin. Eine andere, etwas
kleinere Serie haben die auch schon geknackt:
seit dem 19.04.2009 hatten wir nämlich überhaupt
kein Meisterschaftsspiel mehr verloren, weder
daheim noch auswärts. Bis zum 15.08.2009. Da gab
es ein 0:1 bei – Union Berlin. Wäre doch schön,
wenn man sich endlich mal revanchieren könnte.
Sollte es der Fußballgott
an jenem 22.01.2010 ausnahmsweise nicht gut mit
uns meinen, dann will ich eins hoffen – nämlich
dass irgendein Berliner uns wenigstens noch ein
zweites Gegentor einschenkt. Zum fünften Mal
hintereinander gegen die mit 0:1 zu verlieren,
das wäre wirklich etwas für „lonesome loser“ –
immer knapp dran, immer knapp daneben.
Aber wer wird denn aktuell
so schwarz sehen? Warum schießen die einfach mal
gar kein Tor gegen uns? Dann ist zumindest ein
Punkt im Sack, und ich brauch mir keine Gedanken
mehr über obskure Serien zu machen. Ich bin doch
nicht abergläubisch. Ich doch nicht, beim
Klabautermann!
Frohe Weihnachten, einen
guten Rutsch ins neue Jahr und dreimal auf Holz
geklopft: janus |