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Am 30.10.2009, zur
Abwechslung mal wieder freitags, empfing die
Fortuna den Erstliga-Absteiger Karlsruher SC.
Wieder so ein potenzieller Aufstiegsfavorit, der
aber im Gegensatz zu Kaiserslautern noch nicht
richtig in die Puschen gekommen war und vor dem
Spiel auf Platz 13 dümpelte. Trotzdem natürlich
ein Team mit jeder Menge Bundesliga-Erfahrung
auf dem Rasen und sogar an der Seitenlinie mit
Ex-Profi Markus Schupp als Trainer.
Dank des herausragenden
Anstoßtermins um 18 Uhr machte ich mich
natürlich wieder mal direkt von der Arbeit auf
den Weg nach Düsseldorf. Weit wäre ich
allerdings nicht gekommen, verhieß doch die
Radiomeldung, die ich kurz darauf empfing,
nichts Gutes: auf der A 3 von Köln nach
Leverkusen zehn Kilometer Stau, die üblich
Freitagsroutine rund um Köln, allerdings
zusätzlich angereichert durch einen Unfall
inklusive Sperrung von Fahrstreifen. Da ich die
Spielvorbereitung aber lieber in einem rollenden
statt einem stehenden Fahrzeug verbringen
wollte, wählte ich das in diesem Fall kleinere
Übel: von Bonn aus über die A 59, die genau
unter der Kölnarena endet (ja, ich weiß, die
heißt jetzt anders, aber es geht um den
Wiedererkennungswert für den Leser, da müssen
Sponsoren schon mal in die Röhre gucken), von
dort dann über die B 8 nach Leverkusen und dann
erst auf die A 3. Die Rechnung ging auf, dort
war der Stau Geschichte. Somit erreichte ich
Düsseldorf und wusste, es kann nur ein großer
Abend werden. Wer auf dem Hinweg schon durch
Köln und Leverkusen muss, den kann so leicht
nichts mehr schocken.
Die sinngemäße Auslegung
des letzten Satzes sollte allerdings ebenfalls
noch vor dem Anpfiff einer schweren Prüfung
unterzogen werden. Die Ausgangssituation war wie
folgt: den linken Verteidiger in unserer
Startelf gibt normalerweise Johannes van den
Bergh. Der war allerdings verletzt. Für ihn kann
auch Fabian Hergesell diese Position spielen.
Der war allerdings ebenfalls verletzt. Und so
sollte jemand sein Debüt geben, der sich zum
Schluss der letzten Saison überraschend einen
Stammplatz in der ersten Elf erobert hatte, im
Laufe der Vorbereitung und des Saisonbeginns
allerdings ebenfalls durch eine Verletzung
zurück geworfen worden war: der 21jährige Kai
Schwertfeger, zwar eher auf der rechten Seite
des Spielfeldes zuhause, aber auch schon auf
links zur vollen Zufriedenheit eingesetzt. Der
lief sich dann mit seinen Mitspielern warm. Und
auf einmal lag er am Boden. Niemand hatte
gesehen, wie es passiert war bzw. was überhaupt
passiert war. Es musste allerdings etwas Ernstes
sein, denn nachdem er einige Minuten behandelt
worden war, musste er auf einer Trage vom Platz
gebracht werden, das linke Bein dick bandagiert.
Und das beim Warmmachen! Anscheinend hatte er
sich unglücklich das Knie verdreht, man
befürchtete sogar einen Kreuzbandriss. Zum Glück
war es im Nachhinein nicht ganz so schlimm: die
Kniescheibe war herausgesprungen. Eine sehr
schmerzhafte Angelegenheit, allerdings „nur“ mit
ca. drei Wochen Pause verbunden. Trauriges Ende
seines ersten Zweitliga-Einsatzes, bevor er
überhaupt begonnen hatte.
Trainer Norbert Meier wurde
somit gezwungen, vor Beginn des Spiels über die
Viertbesetzung (!) der vakanten Position
nachzudenken. Ich glaube, so etwas gibt es noch
nicht einmal in großen Hollywoodschinken mit
5.000 Komparsen. Er löste das Problem, indem er
Innenverteidiger Hamza Cakir, seit der Genesung
von Jens Langeneke zumeist mit einem Platz auf
der Bank bedacht, auf die linke Seite beorderte.
Dies ist nicht seine Schokoladenseite, aber an
jenem Abend passte es, er schlug sich mit
Bravour.
Wie der Rest der Truppe
auch. Fortuna bezwang den Karlsruher SC vor
24.000 Zuschauern mit 1:0, landete den nächsten
Überraschungserfolg. Und was es langsam, aber
sicher unheimlich machte: auch dieser Sieg war,
wie schon in Kaiserslautern, völlig verdient und
hätte sogar noch höher ausfallen müssen.
Ich war dabei von Anfang an
relativ entspannt. Wenn man eine solche Anreise
hinter sich hat und dann noch mit anschauen
muss, wie der erste eigene Spieler schon vom
Feld getragen wird, ehe das Spiel überhaupt
begonnen hat, dann kann man nur müde lächeln,
wenn der Gegner bereits nach einer Minute im
eigenen Strafraum auftaucht. Wird schon gut
gehen. Tat es dann auch, Fortuna-Keeper
Ratajczak fasste rechtzeitig zu, um Stindl und
Tavarjärvi die Kugel von den einschussbereiten
Schlappen zu nehmen. Dies war dann auch gleich
für längere Zeit das Einzige, was an dem Spiel
aufregend war. Fortuna tastete sich nur langsam
in die Partie, der KSC, sehr ballsicher und
technisch versiert, wesentlich öfter in
Ballbesitz, aber am Strafraum war Feierabend,
unsere Abwehr stand bombensicher. Da dies bei
den Karlsruher zunächst auch der Fall war,
verlegten wir den Ereignishorizont ein wenig
nach hinten: in der 23. Minute zog
Rechtsverteidiger Christian Weber aus über 20
Metern vom rechten Strafraumeck ab. Eine echte
Granate, die auch schön gepasst hätte, doch
KSC-Keeper Miller konnte prima parieren. Kurz
danach war die Entfernung noch größer, dafür
brauchte Miller auch nicht eingreifen: Marco
Christ zwirbelte einen Freistoß aus 25 Metern
knapp übers Tor. Daraufhin stellten die
Karlsruher ihre Offensivbemühungen für die erste
Halbzeit ein, mit einer Ausnahme, die es
allerdings in sich hatte: nach einer Ecke von
links kam Abwehrspieler Sebastian Langkamp frei
zum Kopfball und drückte die Kugel rechts unten
ins Eck, Ratajczak konnte nur bewundernd
hinterher schauen. Und sich anschließend freuen,
denn da, wo der Ball die Torlinie überschritten
hätte, stand Olivier Caillas und konnte klären.
Lohnt sich für den Torwart also schon ab und zu,
bei solchen Standards einen Spieler an
irgendeinem Pfosten des Tores anzulehnen. Dies
war der erste und einzige Ball, den Karlsruhe in
der ersten Halbzeit auf das Fortuna-Tor brachte.
Die Führung wäre somit ein ziemlicher Witz
gewesen, aber doch bemerkenswert für den
Schützen. Als Abwehrspieler trifft Langkamp
naturgemäß eher seltener, und schon gar nicht so
präzise. Sein letzter Treffer gelang ihm in der
letzten Rückserie der Ersten Liga, als er
Deutschlands aktuelle Nr. 1 im Tor, René Adler,
mittels fulminanter 47-Meter-Grätsche überwinden
konnte. Der Spielort damals: dieselbe Arena, nur
mit anderem Namen...
Aber wie gesagt, dass war
es bis zur Pause von Karlsruhe, jetzt drehte die
Fortuna auf. Kurz vor der Pause wurden die
Karlsruher mal eben schwindlig gespielt, jede
Minute eine neue Torchance. Zunächst setzte sich
Caillas auf links durch und spielte einen
schönen Rückpass auf den völlig freistehenden
schönen Claus. Der war zwar – ich greife hier
kurz vor – bester Mann auf dem Platz an diesem
Abend, räumte vor der Abwehr wirklich alles weg,
aber zum Torjäger ist er bekanntermaßen nicht
geboren. Auch in dieser Situation traf er den
Ball nicht voll, das Leder flog neben das Tor.
Vor solch unglücklichen Abschlüssen ist
allerdings auch ein Stürmer nicht gefeit: nur
zwei Minuten später servierte Caillas wieder von
links, diesmal eine Flanke, und irgendwie hatten
sie Martin Harnik in der Mitte völlig übersehen.
Der stand sowas von frei, dass er dies direkt
zum Anlass nahm, das Tor des Monats erzielen zu
wollen, indem er den Ball per Direktabnahme
volley in die Kiste nageln wollte. Es blieb beim
guten Willen, auch er traf den Ball nicht voll,
sodass Miller keine Probleme hatte, die Kugel
aufzunehmen. Das war wirklich eine Riesenchance,
denn Harnik war dermaßen allein gelassen worden,
der hätte die Kugel sogar noch in Ruhe runter
pflücken und den Keeper dann fragen können,
wohin er ihn haben möchte. Hatte ihn wohl selbst
überrascht.
Als sich nach dieser
Großchance jeder innerlich ein wenig damit
abgefunden hatte, dass zur Pause auf beiden
Seiten die Null stehen würde, konnte wiederum
nur kurz darauf, in der 43. Minute, plötzlich
Folgendes gesichtet werden: Einwurf Karlsruhe,
auf der linken Abwehrseite, weit in deren
Hälfte. Der Einwurf kommt zu einem
Abwehrspieler, der den Ball per Befreiungsschlag
nach vorne bringen will. Aber Marco Christ geht
mit dem Fuß dazwischen, der Ball springt zurück,
genau auf Jovanovic, der mit dem Rücken zum Tor
steht, was seinem Gegenspieler aber nichts
nutzt, denn ausgetanzt wird er trotzdem, und
zwar mit der Hacke. Jawohl, per Hackentrick legt
der Jova die Kugel an zwei Abwehrspielern vorbei
in den freien Raum, und dass ihm dies unfallfrei
gelingt, damit hat nur einer gerechnet, nämlich
Kapitän „Lumpi“ Lambertz. Der ist in Position
gelaufen, und plötzlich ist die rechte Seite
völlig offen. Er marschiert noch einige Meter
mit dem Ball in den Strafraum, und spielt dann
genau richtig den Querpass in die Mitte, wo
Harnik halbhoch ins linke Eck zum 1:0 abstaubt.
Das Ganze hatte nach dem Karlsruher Einwurf
keine zehn Sekunden gedauert. zwar glücklich in
Ballbesitz geraten, aber dann blitzschnell
umgeschaltet und den Angriff abgeschlossen. Man
konnte fast an den Treffer zum 2:0 in
Kaiserslautern denken, der war ähnlich
anzusehen.
Mit diesem hoch verdienten
1:0 ging es in die Pause. In der 2. Halbzeit
durfte man gewiss sein, dass der KSC kommen
würde. Und natürlich kamen sie, aber unsere
Abwehr inklusive des viertbesetzten linken
Verteidigers stand so gut, dass Torwart
Ratajczak am Pfosten lehnend eingepennt wäre,
hätte ihn nicht Lars Stindl aufgeschreckt, mit
zwei Distanzschüssen, einer ganz flach, einer
als fieser Aufsetzer. Ratajczak konnte beide
Bälle entschärfen, und dies waren die einzigen
zwei Bälle, die Karlsruhe in de zweiten Halbzeit
aufs Tor brachte. Trotz eines Ballbesitzes von
65% über das gesamte Spiel hatten die nur diese
drei Torchancen! Wie man so was im halben
Dutzend zu vergeben pflegt, zeigten die Fortunen
dann in der zweiten Halbzeit. Okay, war ein
bisschen Pech dabei, als Lambertz in der 57.
Minute nur den Pfosten traf, auch zeigte Miller
eine weitere Klassereaktion bei einem Fernschuss
von Christ unmittelbar nach Wiederanpfiff. Und
Harnik wurde einmal von Fink falsch angespielt
und konnte den Ball drei Meter vor dem Tor daher
nicht mehr abstauben, ein anderes Mal wurde er
schön frei gespielt und konnte aus 16 Metern
abziehen, wurde aber beim Abschluss gestört und
setzte den Ball neben das Tor. Wenn man alle
Großchancen des Spiels aufaddiert, hätte sich
Karlsruhe über drei, vier Gegentreffer nicht
beschweren können. Statt dessen mussten wir das
Spiel, welches eigentlich klar war, aufgrund des
knappen Spielstands nach Hause zittern, wobei
die Karlsruher nichts unversucht ließen: als der
schöne Claus im eigenen Strafraum verletzt am
Boden lag, warf Torwart Ratajczak den Ball ins
Seitenaus, in Höhe des eigenen Sechzehners. Da
man so etwas nicht ungestraft macht, warfen die
den Ball anschließend nicht zurück, sondern
versuchten sofort, wieder in den Strafraum zu
kommen. Ein wenig schöner Zug, mit dem aber in
der 89. Minute bei diesem Spielstand auch
gerechnet werden musste. Weshalb Trainer Meier
in der Pressekonferenz auch die ironische
Umschreibung dieser Szene wählte: „Unser Torwart
hat heute gelernt, dass er bei
Verletzungsunterbrechungen den Ball nicht am
eigenen Strafraum ins Seitenaus spielen sollte.
Bei solch einem Spielstand darf er sich nicht
wundern, wenn er ihn nicht wieder bekommt.“
Markus Schupp war diese Szene zu peinlich, um
dazu Stellung zu nehmen, aber wenn aus dieser
Szene der Ausgleich entstanden wäre, hätte er
den natürlich auch gerne mitgenommen.
Anschließend wuchtete Torwart Miller seinen
Astralkörper auch noch in den Fortuna-Strafraum,
bei der letzten Karlsruher Ecke, und wäre sogar
fast noch zum Kopfball gekommen, aber Ratajczak
konnte vor ihm fausten. Und kurz darauf war das
Spiel Geschichte, und Fortuna hatte einen
weiteren „großen Namen“ geputzt. Somit stand man
auf Platz 5 der Tabelle und hatte die imaginäre
„halbe Miete“ zum Klassenerhalt, 20 Punkte,
bereits am elften Spieltag eingefahren. Hätte
mir dies jemand im Sommer erzählt, den hätte ich
einweisen lassen.
So kann es manchmal doch
gut gehen, selbst wenn man durch Köln und
Leverkusen anreisen muss. Weil unsere Jungs
genauso unbekümmert an den großen KSC rangingen
wie ich an diese beiden Vororte: Augen zu und
durch!
Tolles Spiel – nicht
gesehen
Endlich wieder freitags, am
06.11.2009, spielte Fortuna beim FC St. Pauli.
Es war wohl ein prima Spiel mit besserem Ende
für den Gastgeber. Fortuna hätte durchaus
mindestens einen Punkt verdient gehabt, aber
Jovanovic und Lambertz vergaben zwei 100%ige,
außerdem versiebte Lambertz aus aussichtsreicher
Position, als er von schräg rechts den Ball aufs
Tor brachte anstatt in die Mitte abzuspielen, wo
drei Mitspieler freistanden. Das lag aber wohl
u.a. auch daran, dass der Ball in der
entscheidenden Sekunde des Abspiels auf dem
holprigen Boden versprang. Außerdem setzte sich
die Kette unglücklicher Schiri-Entscheidungen
gegen Fortuna in dieser Saison fort, es wurden
mal wieder zwei glasklare Elfmeter nicht gegeben
(an Jovanovic und an Harnik), einen gab es für
ein Foul an Lambertz, den musste man wiederum
nicht unbedingt geben, sah eher nach
Konzessionsentscheidung aus. Langeneke
verwandelte glücklich (Hain war dran) zum
zwischenzeitlichen 1:1. Die beiden Treffer von
St. Pauli, muss man neidlos anerkennen, waren
klasse herausgespielt und sind im Nachhinein
zähneknirschend schön anzusehen. Fortuna hielt
das Spiel bis zum Ende offen und verlor etwas
unglücklich.
Das war es leider von mir
zum Spiel. Quelle ist die zehnminütige
Zusammenfassung auf DSF, die ich irgendwann an
jenem Wochenende sah. Vom Spiel selbst habe ich
aufgrund einiger persönlicher, durchaus positiv
verlaufener Angelegenheiten leider nicht
mitbekommen. Ich hätte eh nicht hinfahren
können, irgendwann drückt auch der Dienstherr
mal kein Auge zu, und ohne arbeitsfreien Freitag
war das Spiel bei dieser genialen Anstoßzeit
nicht zu schaffen. So gibt es also ausgerechnet
von dieser Partie nur die Kurzzusammenfassung.
Aber dafür wird es jetzt auch wesentlich länger.
Weil der Fußballgott uns nach der
Länderspielpause gleich zwei der beliebtesten
Koryphäen auf des Gegners Trainerbänken gönnte.
Und die enttäuschten uns naturgemäß nicht. Also
schon mal anschnallen für Pelé Wollitz und Ewald
Lienen!
Zwischenspiel I
Nach dem St. Pauli-Spiel
stand ein spielfreies Wochenende auf dem Plan,
aufgrund der beiden Test-Länderspiele der
Nationalmannschaft gegen Chile und die
Elfenbeinküste. Das sollten einige entspannende
Tage werden. Leider kam es anders. Am 10.11.2009
nahm sich Robert Enke, Torwart der
Nationalmannschaft und Stammkeeper bei
Bundesligist Hannover 96, das Leben. Der
32jährige hatte seit Jahren an Depressionen
gelitten, dies aber gut vor der Öffentlichkeit
und vor allem vor seinem Verein verborgen. Man
steht bei einer solchen Tat immer fassungslos
vor den Scherben der „heilen Welt“, die man sich
um diejenige Person aufgebaut hat, wenn man der
Meinung ist, bei denjenigen liefe doch alles
„normal“. Man kann es einfach nicht glauben. Und
da spielt es keine Rolle, ob es der unbekannte
Nachbar nebenan oder eben der Nationaltorwart
ist – man kann nur erahnen, wie es in solchen
Leuten aussehen mag, die sich zu diesem Schritt
entschließen. Und hoffen, dass es einem selbst
nie so ergeht, dass man wirklich gar keinen
anderen Ausweg mehr sieht. Damit soll dieser
Angelegenheit hier Genüge getan sein, ich trete
solche Sachen nicht gerne breit. Er war ein
großartiger Torwart und, nach dem, was man als
Fernsehzuschauer und Interviewleser beurteilen
kann, ein sehr feiner Mensch. Ich hoffe, er hat
seinen Frieden gefunden, den es anscheinend für
ihn hier nicht mehr gab.
Aber auch Fortuna
vermeldete in jener Woche einen Aufreger: Wir
waren die deutsche Profi-Mannschaft, die sich
mit dem doch eher zweifelhaften Ruf schmücken
darf, die erste zu sein, bei der eine Erkrankung
mit dem Schweinegrippe-Virus nachgewiesen werden
konnte. Es erwischte unseren brasilianischen
Abwehrspieler Anderson, der sich unmittelbar
nach dem Spiel auf St. Pauli fiebrig ins Bett
legte, und bei dem das Virus nachgewiesen wurde.
Nach einigen Tagen war er aber wieder wohlauf
und er scheint auch niemanden angesteckt zu
haben.
Dann wurde das Länderspiel
gegen Chile aufgrund der Trauer um Robert Enke
abgesagt, was ich sehr vernünftig fand. Das
Spiel gegen die Elfenbeinküste vier Tage später
wurde allerdings ausgetragen, was ich mir
zumindest mal überlegt hätte, aber die Spieler
sprachen sich wohl für eine Durchführung aus.
Hierbei gab es zumindest was zu kichern, nämlich
das zwischenzeitliche 1:1 der Elfenbeiner,
welches daraus resultierte, dass Torwart Neuer
beim Versuch eines Befreiungsschlages
versehentlich einen gegnerischen Stürmer
anschoss, woraufhin der Ball von dessen Gemächt
ins leere Tor holperte. Erinnerte mich natürlich
sofort an den März diesen Jahres, unseren
Torwart Michael Melka und das Gegentor in
Regensburg. Unseres sah aber eindeutig schöner
aus.
Anschließend gab es noch
einen europäischen Wettskandal, von dem auch 32
Partien aus der letzten Saison in Deutschland
betroffen sein sollen, der Name des VfL
Osnabrück und die von drei seiner Ex- und
aktuellen Spieler Reichenberger, Cichon und
Schuon standen relativ schnell im Raum.
Allerdings habe ich zum jetzigen Zeitpunkt keine
Ahnung, was die konkret getan haben sollen und
wie man so schnell auf die Namen kommt, noch
weiß ich etwas über irgendwelche der anderen
Spiele, die betroffen sein sollen. Ich kann
daher nur hoffen, dass Fortuna bei den drei
Spielen der 3. Liga, die angeblich derzeit als
„manipuliert“ gelten könnten, nicht mitgewirkt
hat, habe aber auch davon keine Ahnung, weil die
Informationen nur spärlich fließen. Also kann
ich das Thema hiermit abwürgen (nur
vorübergehend, fürchte ich), und mal wieder von
Fußball berichten. Diese zwei Wochen Pause
hatten es echt in sich.
Positive Energie
Überraschenderweise an
einem Freitag, den 20.11.2009, kam der nächste
Erstliga-Absteiger, dessen aktuelle Leistungen
in einem ziemlichen Gegensatz zu den Ansprüchen
stehen: Der FC Energie Cottbus, durchaus im
Umfeld des Vereins mit der ein oder anderen
Wiederaufstiegsvision behaftet, bislang jedoch
eher enttäuschend im unteren Mittelfeld der
Tabelle zu finden. Unzweifelhaft mit einem
starken Kader, aber die brauchten ja ihre Form
nicht ausgerechnet bei uns in der esprit-Arena
wiederzufinden. Taten sie auch nicht.
Fortuna siegte hochverdient
mit 2:1 vor 20.100 Zuschauern, in einem Spiel,
das 85 Minuten lang wie eines jener
Gurken-Unentschieden aussah, mit denen wir in
der letzten Saison fast den Aufstieg verspielt
hätten. Fortuna rennt an, macht und tut und
kämpft, spielt Chancen am Fließband raus,
nebenbei noch 13:1-Ecken, kassiert mit dem
zweiten Torschuss der Gäste das 0:1 und nimmt
schließlich gerade mal einen Punkt mit. Wie
gesagt, bis zur 85. Minute konnte man als
Zuschauer lässig abwinken und sagen: Kenn ich
doch alles schon. Bis es dann auf einmal noch
hochdramatisch wurde, mit Happy End für uns.
Muss man genießen, wenn es uns schon mal trifft.
Wie erwähnt, ging Cottbus
mit dem zweiten Torschuss in Führung. Dies
geschah in der 57. Minute. Der erste Torschuss
konnte ca. fünf Minuten zuvor gesichtet werden,
als der junge Kanadier Straith mit einem
Kopfball nach Brzenska-Freistoß nur ganz knapp
das Gehäuse verfehlte. „Fünf Minuten zuvor“
bedeutet natürlich unzweifelhaft zu Beginn der
zweiten Halbzeit, und die sich daraus ergebende
Konsequenz entspricht auch den Tatsachen:
Cottbus hatte in der ersten Hälfte nicht einen
Torschuss! Was auch nicht wirklich verwunderte,
wenn man sich die Mannschaftsaufstellung
beguckt. Erfolgstrainer Pelé Wollitz, von dem
noch die Rede sein wird, wie immer, wenn er mit
irgendeiner Mannschaft in Düsseldorf an der
Seitenlinie herum springt, setzte zum Beispiel
Kweuke, Shao und Petersen auf die Bank. Da es
sich bei diesen drei Spielern um drei Stürmer
handelt, lässt sich die Ausrichtung des
Energie-Spiels in der ersten Halbzeit wohl
unschwer erkennen. Die wollten gar nicht
mitspielen. 8:0-Ecken für Fortuna sowie die
ziemlich verblüffend anzusehende Tatsache, dass
sich vor der Pause wiederholt alle Cottbusser am
und im eigenen Strafraum versammelten, lassen
erahnen, dass es eine ziemlich einseitige erste
Hälfte war. Aber Fortuna versemmelte mal wieder
beste Gelegenheiten, angefangen von einer Ecke
auf den kurzen Pfosten, die Langeneke mit der
Hacke verlängerte, Gästekeeper Tremmel bekam
gerade noch eine Hand an den Ball, welcher dann
orientierungslos parallel zur Grundlinie durch
den Strafraum hoppelte, ohne dass jemand hätte
abstauben können, über eine schöne Balleroberung
durch den ebenso schönen Claus, der etwas
überraschend am gegnerischen Strafraum
aufgetaucht war, was die Cottbuser Abwehr
dermaßen verwirrte, dass sie den Ball gleich
freiwillig herschenkte, aber seine Flanke in die
Mitte hätte Jovanovic nur mit einer Körpergröße
von ca. 2,60 m erreichen können, bis zu Martin
Harnik, der 20 Meter vor dem Tor einen
Gegenspieler wunderbar per Hackentrick
austanzte, nur um den anschließenden Flachschuss
neben das Tor zu setzen – nichts klappte. Von
solchen „Kleinigkeiten“ abgesehen, dass auch
noch ein zweiter Eckstoß flach auf den kurzen
Pfosten getreten wurde und wieder durch die
Reihen eierte, ohne dass sich mal jemand zum
Abstauben bequemt hätte, oder dass nach
Lambertz-Flanke der Gästetorwart rechtzeitig
zufassen konnte, nachdem Harnik per Kopf für
Jovanovic aufgelegt hatte. Und als Krönung
vertändelte Harnik kurz vor der Pause noch
leichtfertig die Führung, als er nach einem
Traumpass aus dem Halbfeld allein auf Tremmel
zusteuerte, aber dafür dermaßen lange brauchte,
dass Gegenspieler Sascha Dum noch klären konnte.
Mir schien, er habe innerlich sowieso nur auf
den Abseitspfiff gewartet. Ich auch, aber es war
tatsächlich keins, eine gute Entscheidung des
Schiri-Gespanns. Und da pfiff ja nicht
irgendwer, sondern „meine“ Bibi, unsere
Aufstiegs-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus.
Nachdem wir jahrelang nie ein Spiel gewinnen
konnten, welches von ihr geleitet wurde (was
aber nie ihre Schuld war), scheint sie so
langsam zu unserem Glückskäfer zu avancieren,
wie noch zu zeigen sein wird.
Zur Pause also 0:0, mit der
Leistung konnte man sehr zufrieden sein, mit dem
Ergebnis weniger. Ein weiterer Wermutstropfen:
bereits nach 24 Minuten musste „Bamba“ Anderson
mit Muskelquetschung im Oberschenkel raus, für
ihn kam Stephan Sieger, der seinen Stammplatz im
defensiven Mittelfeld schon längst an Claus
Costa verloren hat. Aber da es in der Mannschaft
momentan halt passt, lieferte der Sieger auch
mal eben seine beste Saisonleistung auf der „Sechser“-Position
ab, während der schöne Claus demonstrierte, dass
ihm durchaus auch der Platz von Anderson in der
Viererkette nicht zuviel wird. Fast schon
unheimlich.
Es folgte die erste
Viertelstunde in der zweiten Halbzeit, die
Fortuna total verpennte. Cottbus traute sich
zweimal nach vorne, mit dem bekannten Ergebnis.
Wobei wir ihnen selbst das Führungstor noch
auflegen mussten, von alleine konnten die nix.
Eine weite Flanke ins Nirwana wollte
Rechtsverteidiger Christian Weber nämlich an der
Strafraumgrenze ganz entspannt zu Torwart
Michael Ratajczak zurück köpfen. Dabei übersah
er den neben ihm mitgelaufenen Cottbusser
Stürmer Emil Jula, was nicht weiter
verwunderlich war, hatte der bis dato doch
maximal drei Ballkontakte im gesamten Spiel.
Aber das zeichnet einen guten Stürmer natürlich
aus – 56 Minuten völlig unsichtbar, plötzlich
stand er vor Weber, wurde per Kopf bestens
bedient, machte noch drei, vier Schritte mit dem
Ball und versenkte die Kugel dann aus zehn
Metern trocken zum 0:1. Bereits sein fünfter
Saisontreffer, 0:1 in der 57. Minute – Spiel
ziemlich auf den Kopf gestellt.
Da war es gut, dass Fortuna
direkt zurückschlagen konnte. Trainer Meier
brachte nur vier Minuten später Rastamann
Patrick Zoundi für den diesmal etwas
schwächelnden (aber auch angeschlagenen) Marco
Christ. Und, wie schon gesagt, da derzeit alles
passt...oder um Andy „Scheiße am Fuß“ Brehme mal
kurz abzuwandeln: „Passt es, dann passt es“,
oder so ähnlich. Auf jeden Fall bringt der
wieder genesene van den Bergh in der 64. Minute
die zehnte Ecke für Fortuna von links in den
Strafraum, Zoundi begeht ein Sakrileg, das ihm
in seiner Bruderschaft hoffentlich nicht allzu
negativ ausgelegt wird: ohne Rücksicht auf seine
Rastalocken köpft der den Ball! Eigentlich
unfassbar. Die Cottbusser haben sich wohl auch
gedacht, dass der aus Angst um seine
künstlerische Frisur niemals seine Rübe gegen
den Ball halten würde, er steht nämlich so was
von völlig frei im Strafraum, und das nach einer
Standardsituation, das sieht man auch nicht alle
Tage. Und so kann er in aller Gemütsruhe per
Kopf Martin Harnik bedienen, der am
Fünfmeterraum lauert und den Ball per
Direktabnahme zum Ausgleich unter die Latte
hämmert. 1:1 in der 64. Minute, nur sieben
Minuten nach der Gäste-Führung – ganz wichtig!
Und nun kommen wir zur
jetzt schon legendären 85. Minute. Zwischendurch
hatte Fortuna noch einige Gelegenheiten, aber
etwas richtig Zwingendes war nicht dabei. Man
schien sich schon auf eine wieder einmal
unnötige Punkteteilung einstellen zu müssen, wie
wir sie bei Heimspielen in der vergangenen
Saison des Öfteren hinnehmen mussten. Aber jetzt
zu Minute 85, in aller gebotenen
Ausführlichkeit:
Cottbus greift an, der Ball
wird zwanzig Meter vor dem Fortuna-Tor zunächst
geklärt und kommt nach halblinks zu Bittroff,
etwa dreißig Meter vom Tor entfernt. Zehn Meter
vor ihm liegt Patrick Zoundi verletzt am Boden,
nicht erst seit einer halben Sekunde, sondern
durchaus länger, er hatte sich bei der Abwehr
des vorherigen Angriffs verletzt. Wirklich
unübersehbar, auch schön mittig im Spielfeld.
Der Fairplay-Gedanke würde es nun erfordern,
dass Bittroff den Ball ins Seitenaus spielt,
damit Zoundi behandelt werden kann. Da Wollitz
während seiner ja noch recht kurzen Tätigkeit
als Trainer in Cottbus bei der Taktikschulung
seiner Spieler anscheinend noch nicht beim
Buchstaben „F“ angekommen ist, weiß der Bittroff
davon aber wohl nichts. Wollitz selbst ruft von
draußen wohl mehrmals ins Feld, den Ball ins Aus
zu spielen. Das würde ich ihm auf den ersten
Blick eher nicht glauben, aber er hat den
vierten Schiri als Zeugen, und somit ist das
okay. Aber entweder hört Bittroff ihn nicht oder
er hört einfach nicht auf ihn, kann man sich
aussuchen. Jedenfalls spielt er den Ball nicht
ins Aus, sondern zieht mit ihm noch schön in die
Spielfeldmitte, praktisch genau auf Zoundi zu.
Da zieht nun wirklich keine Ausrede mehr, er
habe ihn nicht gesehen, das könnte in dieser
Situation noch nicht mal ein Maulwurf behaupten.
Dann spielt er die Kugel quer auf Kruska. Der
weiß offensichtlich nicht, was er damit anfangen
soll, verheddert sich mit seinen Beinen. Heran
rauscht Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz. Zuerst
glaube ich, der will den jetzt richtig rasieren,
aber nein, er trifft und spielt eindeutig den
Ball. Kruska geht zu Boden, Lambertz hat
plötzlich freies Feld vor sich. Tja, und wenn
Cottbus den Ball nicht ins Aus spielt, um eine
Überzahl auszunutzen, dann werden wir ja wohl in
Unterzahl den Konter wenigstens noch ausspielen
dürfen, die zehn Sekunden wird der Zoundi auch
noch warten können. Also treibt Lambertz die
Kugel über sechzig Meter nach vorne, drei
Fortunen gegen zwei Lausitzer, und endlich,
endlich, spielen sie so ein Ding auch mal
ordentlich zu Ende: Lambertz wartet bis zur
letzten Sekunde, schiebt dann am gegnerischen
Sechzehner die Kugel quer nach rechts auf Harnik,
der ist nicht im Abseits und schlenzt den Ball
wunderschön links in die Ecke. Guckt erst noch
ein bisschen sparsam, ob der Treffer überhaupt
zählt, aber was soll die Bibi machen, wenn
keiner den Ball ins Aus spielt, und der
verletzte Spieler auch nicht im Weg rumliegt?
Natürlich zählt das Tor, 2:1, Spiel gedreht.
Trainer Norbert Meier läuft
in seinem Jubel in Richtung Cottbusser
Trainerbank, nach dem Motto „Da könnt ihr mal
sehen, was ihr davon habt!“ Er wird später
erklären, dass man auf der Fortuna-Bank gehört
habe, wie Wollitz Bittroff zugerufen habe, den
Ball im Spiel zu halten. Dies ist aber widerlegt
durch den vierten Offiziellen. Also auch nicht
die feine Art von Meier. Die Antwort von Wollitz
lässt nicht lange auf sich warten, der stürmt
erst mal zur Fortuna-Bank und diskutiert das mit
Meier aus. Immerhin steht er so, wenn schon
nicht in der eigenen, zumindest in der
Coachingzone seines Gegners, wahrscheinlich wird
er nur deshalb nicht auf die Tribüne verbannt.
Schöner Kindergarten an der Seitenlinie, mehr
was zum Schmunzeln.
Das Schmunzeln wäre uns
dann fast noch vergangen. In der 93. Minute (!)
holt Energie Cottbus die erste Ecke (!!) des
Spiels heraus, sie kommt von rechts in den
Fünfmeterraum, und ausgerechnet der üble Bursche
Bittroff netzt per Kopf zum Ausgleich ein! Dabei
ist er aber gefährlich nah an Torwart Ratajczak
dran, und deshalb hat die Bibi schon
abgepfiffen, bevor der Ball überhaupt im Netz
liegt. Anschließend meistert sie noch souverän
die so beliebte Rudeldiskussion mit denjenigen,
die mit der Entscheidung nicht ganz
einverstanden sind, und kurz darauf beendet sie
auch das Spiel. Ich kann den Cottbusser Unmut
über diese Szene verstehen, das muss man beim
besten Willen nicht abpfeifen, das Ding kann
auch genauso gut als reguläres Tor durchgehen.
Es ist eine der gefühlt hundert Szenen pro
Spieltag, die schon im Entstehen von den Assis
abgewunken und den Schiris zurückgepfiffen
werden, wenn ein Torwart im Fünfmeterraum auch
nur berührt wird. Darüber kann auch ich oft nur
den Kopf schütteln, aber die entsprechende Regel
gibt es, und die Schiris setzen sie eben auch
entsprechend oft um, wenn sie den Torwart durch
einen Gegenspieler auch nur leicht behindert
sehen. Insoweit kann man das pfeifen, es gehört
aber auch ein wenig Glück dazu.
Fortuna siegt also durchaus
glücklich, aber ebenso durchaus verdient mit 2:1
gegen destruktive Cottbusser, die mit diesem
Spiel auch nicht mehr verdient hatten. Jetzt
schon 23 Punkte aus 13 Spielen...es wird langsam
unheimlich.
Und während die Gastgeber
feiern, gibt der Wollitz dem Bezahlsender sky
ein Interview, in dem man mal wieder gut sehen
kann, warum der Mann einen solchen Ruf hat. Beim
2:1 habe ein klares Foulspiel von Lambertz
vorgelegen, dass der Ausgleich nicht gegeben
wurde, sei der Witz des Tages, und wie der
Düsseldorfer Trainer bei Siegtreffer herum
hampele, könne ja nun nicht verwundern, man
kenne ihn ja, der habe ja auch schon mal Ärger
mit einem Kölner Spieler gehabt (gemeint ist die
„Kopfstoß-Affäre“ von Meier gegen Albert Streit
aus dem Jahre 2005...zweitausendfünf!).
Man kennt Wollitz ja...aber
(und das habe ich vor Jahren schon geschrieben)
man erschreckt dann doch, wenn sich einer als so
beratungsresistent und darum mies erweist, wie
man es in der Vergangenheit von ihm gewohnt ist.
Denn die Nummer geht noch weiter. Wollitz wird
bei diesem Interview, am Rande des Spielfelds
stehend, wohl von Fortuna-Fans beschimpft und
unter anderem mit einem Schal beworfen, den
brauchte wohl grad jemand nicht mehr. Natürlich
ist dies unmöglich, und ich gebe Wollitz sofort
Recht, dass so etwas ein Unding ist. Aber: dann
faselt der tatsächlich noch etwas darüber, dass
ihn so etwas traurig stimme und dass der Respekt
voreinander vollständig verloren gegangen sei.
Respekt! Und das von jemandem, der Sekunden
vorher dem gegnerischen Trainer noch mit einer
über drei Jahre alten Sache schnell mal einen
reinwürgen wollte, weil er selbst grad sickig
war! Wenn so einer von Respekt fabuliert,
darüber kann ich noch nicht mal mehr lachen. Ja,
Herr Wollitz, Respekt auf dem Platz ist wichtig,
und was das Verhalten der Fans betrifft, sehe
ich das eigentlich auch genauso – aber verdammt
noch mal, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht
mit Steinen werfen, sondern sich selbst mal
fragen, ob er nicht persönlich auch ständig dazu
beiträgt, dass es ein hübsches Glashaus und kein
schnöder Betonbau bleibt. Wenn er sich aufgrund
seiner Emotionen unmittelbar nach dem Spiel
nicht im Griff hat, soll er halt kein Interview
geben. Oder aber es unterlassen, in diesem
Interview Respekt einzufordern, nachdem er
Sekunden zuvor einen Kollegen beleidigt hat.
Beides zusammen geht nicht. Auch nicht, wenn man
Pelé heißt.
Da Wollitz anschließend
natürlich sehr viele Fragen zum Wettskandal und
zum VfL Osnabrück beantworten muss, seinem
Ex-Verein, der derzeit im Visier der Fahnder
steht, dauert es fast eine Stunde bis zur
Pressekonferenz. Wir müssen so lange warten,
dass wir schon annehmen, der lässt gleich
vorsichtshalber seinen Anwalt einfliegen. Aber
dann kommen sie doch noch, und siehe da – es
geht auch anders. Trainer Meier hat sich für
seinen übertriebenen Jubel bereits vor der
Kamera und bei Wollitz entschuldigt. Dieser
wiederum analysiert die Partie sehr sachlich und
fair, vor allem hat er in der Zwischenzeit wohl
mal Fernsehen geschaut, es fällt kein Wort mehr
zu dem angeblichen Foul von Lambertz an Kruska,
im Gegenteil, das Siegtor nimmt er jetzt voll
und ganz auf die Kappe seiner Mannschaft. Er
lobt sogar noch Düsseldorf, das Team, den
Trainer, den Manager, ich kann es kaum glauben.
Und beantwortet anschließend auch die Fragen der
schreibenden Zunft zum Thema Osnabrück ruhig,
aber doch innerlich aufgewühlt, wie man sehen
kann. Und wie man es ihm auch abnimmt. Zum
ersten Mal seit Menschengedenken sammelt er
damit bei mir Pluspunkte. Ein paar. Und
wahrscheinlich auch nur bis zu irgendeinem
Interview direkt nach irgendeinem Spiel in
irgendeinem Stadion. Er sollte dann halt nur
nicht glauben, dass er in diesem Leben noch eine
Respektperson wird. Wie man in den Wald hinein
ruft...
So gesehen war an jenem
Freitag mächtig was los, auf dem Rasen, am
Spielfeldrand, in den Interviews. Und alles ab
der 85. Minute, das nenn ich mal einen
Adrenalinschub zu später Stunde! Nach dem KSC
konnte Fortuna den zweiten Skalp eines
Erstliga-Absteigers verbuchen.
Zwischenspiel II
Vor dem nächsten Spiel kam
es dann knüppeldick für die Fortuna, gleich an
zwei Fronten. Die eine ist wohlbekannt, es ist
das gut gehütete Lazarett, in das sich in der
Woche vor dem Trip nach München auch Regisseur
Marco Christ mal wieder einliefern lassen
durfte. Innenbandeinriss im rechten Knie nach
einem Zusammenprall mit Johannes van den Bergh
im Training. Exakt dieselbe Verletzung, die er
zuvor bereits im linken Knie hatte! Das sind mal
wieder vier Wochen Pause, somit darf das
Sportjahr 2009 für Christ als beendet gelten.
Man hofft, dass er zum Rückrundenstart in
Paderborn (15.01.2010) wieder zur Verfügung
stehen wird.
Die andere Front ereilte
uns mit einer eher lapidaren Pressemitteilung
der Fortuna: Ben Abelski und Maximilian Schulze
Niehues, somit Mannschaftskapitän und Torwart
von Fortuna II, wurden von der Polizei abgeholt
und im Rahmen des Wettskandals verhört. Es gab
keinerlei konkrete Anschuldigungen, die
Staatsanwaltschaft gab noch nicht einmal
bekannt, ob es sich um eine Vernehmung als
Beschuldigter oder Verdächtiger oder aber als
Zeuge handelte. In der Zwischenzeit kam heraus,
dass die beiden Namen wohl in einem abgehörten
Telefongespräch eines mittlerweile
festgenommenen Betrugsverdächtigen gefallen
seien. So schnell geht das also. Konkret ging es
um zwei Partien der laufenden Saison in der
Regionalliga West, nämlich das 0:3 bei Schalke
II und das 1:3 gegen Kaiserslautern II, sowie
eine Partie aus der abgelaufenen Saison in der
NRW-Liga, das 1:4 beim Bonner SC, hier bei mir
um die Ecke. Das letztgenannte Spiel habe ich
auch gesehen und kann mir nicht vorstellen, dass
es dabei zu Manipulationen gekommen soll. Wie
übrigens der Bonner Co-Trainer Joachim Hopp, der
sich über diese Gerüchte „doch sehr wundern“
musste, von einem „Klassespiel damals“ sprach
und zusätzlich erwähnte, dass die Bonner die
komplette Partie auf Video aufgezeichnet hätten,
welches sie gerne zur Verfügung stellen würden.
Seitdem hat man von der Sache auch nichts mehr
gehört.
Der Verein reagierte,
kündigte eine Zusammenarbeit mit den
Ermittlungsbehörden bis ins letzte Detail an und
ließ die beiden Spieler zum Rapport antreten.
Anschließend unterzeichneten beide eine gleich
lautende Erklärung:
„Ich (...) erkläre hiermit
ausdrücklich, dass ich nie um Geld auf
Fußballspiele meiner eigenen Mannschaft gewettet
habe und ich niemals in dieser Hinsicht von
jemandem kontaktiert wurde.
Mir ist niemals Geld angeboten worden, um ein
Spiel meiner Mannschaft zu manipulieren. Ich
habe niemals ein Spiel manipuliert oder
versucht, ein Spiel zu manipulieren.
Ich habe auch niemals innerhalb meiner
Mannschaft von einer Manipulation gehört.“
Das war es bis heute. Ich glaube auch nicht,
dass da irgendwas dran ist, die
Staatsanwaltschaft wird wohl lediglich alle
Namen überprüfen, die bei der Auswertung von
abgehörten Telefonaten oder Hausdurchsuchungen
auftauchen, und das muss noch lange nichts
heißen. Die Spieler haben die Erklärungen
unterschrieben und solange niemand das Gegenteil
beweist, haben sie als unschuldig zu gelten und
nehmen weiter am Trainings- und Spielbetrieb
teil. Beziehungsweise eher nicht: Abelski ist
derzeit eh verletzt und um Schulze Niehues ein
wenig aus der Schusslinie zu nehmen, nahm
Norbert Meier den zweiten Keeper der Zwoten,
Patrick Nettekoven als Ersatzmann für den
weiterhin verletzten Melka mit nach München.
Kein schönes Thema. Und ich hoffe, dass ich
meinen Erfahrungsschatz diesbezüglich in Zukunft
nicht noch erweitern muss.
„Hast du uns auf deinem
Zettel, Ewald???“
Obiger Satz stand auf einem
Transparent, das am 29.11.2009 (Sonntag) im
Gästeblock der Allianz-Arena hing. Man sieht, so
langsam geht unser Selbstbewusstsein mit uns
Gassi. Aber so ganz unberechtigt war das nicht.
Wir reisten als Tabellen-Vierter zu unserem
allerersten Spiel in der Allianz-Arena an, der
Gastgeber TSV 1860 München, vor der Saison mal
wieder als potentieller Aufstiegskandidat
gehandelt, dümpelte auf Platz 15 herum, der
letzten sicheren Bastion vor Relegation und
direkten Abstiegsplätzen. Und das, obwohl die
Mannschaft eigentlich nicht schlecht sein und
mit Ewald Lienen gerüchteweise auch über einen
fähigen Trainer verfügen soll. Wozu der fähig
ist, werden wir allerdings noch sehen.
Aufgrund eines
unschlagbaren Kombinationsangebots einer
Fluggesellschaft, bei der mich Hin- und Rückflug
genau 50 Cent mehr kosteten als das billigste
Angebot der Deutschen Bahn, welches zum
Zeitpunkt der Buchung noch zur Verfügung stand,
reiste ich bereits am Samstag an und
verlustierte mich ein wenig in der Innenstadt.
Ausführlich habe ich dies schon im April getan,
vor und nach unserem Spiel gegen Bayern II, bei
Interesse kann der entsprechende Bericht gerne
nachgelesen werden. Somit kann ich mir eine
größere Bestandsaufnahme von An- und Abreise
sowie eine ausführlichere Beschreibung der
Münchner Innenstadt schenken, war ja alles schon
mal da. Aber eine Neuentdeckung machte ich doch.
Okay, neu ist die bestimmt nicht, ich war wohl
nur im April achtlos daran vorbei gelaufen.
Mitten in der Innenstadt, auf der Neuhauser
Straße, befindet sich ein Beate Uhse-Shop. Dies
ist beileibe heutzutage nichts Ungewöhnliches
mehr, aber die Kombination überraschte. Nämlich
die Kombination der Fachberater, mit denen sich
Beate Uhse das Gebäude teilt, deutlich abzulesen
an einem Schild, welches direkt am Eingang
hängt. Wer nämlich durch den Besuch des Domizils
im Erdgeschoss in irgendeiner Weise animiert
wird und weitere Behandlung benötigt, der kann
im selben Hause die Dienste einer
Heilpraktikerin in Anspruch nehmen. Und es gibt
nur wenige Orte in der Welt, an denen der Name
der fachkundigen Handauflegerin – Frau Dr. Popp
– besser passen würde als hier, wo im
Hintergrund das Beate Uhse-Schild leuchtet. Und
wenn’s dann doch mal schief geht oder eben
nicht, je nach Einstellung, dann geht man
einfach noch ein Stockwerk höher, in die
Hebammenpraxis der Frau Dr. Sackerer. Dies alles
unter einem Dach, man möchte glatt von
Systemanbietern sprechen. Ein sehr schönes
Fundstück.
Am Sonntag ging es dann
raus nach Fröttmaning zur Allianz-Arena, welche
ich im vorgenannten Artikel ebenfalls
erschöpfend beschrieben habe. Einen Preis für
Ästhetik werden Stadion und Umgebung wohl
niemals bekommen, alles grau, trist, fast
ausschließlich Beton, und es kreuzen gefühlt
dreihundert Autobahnen rundherum. Die Außenhaut
des Stadions verdient zwar weiterhin Beachtung
und auch eine gewisse Bewunderung, hat ja nicht
jeder so ein überdimensionales Schlauchboot in
seiner Stadt stehen. Aber wenn man dann
reingeht, ist doch alles wieder nur grau in
grau, soll wohl alles einen gewissen
futuristischen „Touch“ darstellen. Naja, wem`s
gefällt...Und wer der Meinung ist, dass es mir
nicht zustünde, über die Arena des tollsten
Vereins aller Zeiten nur zu lästern, der kann
sich die entsprechende Mail sparen: ich weiß
auch, dass unsere Arena aus ästhetischen
Gesichtspunkten auch nicht so der Knaller ist,
von der Verpflegung mal ganz abgesehen. Aber
darum geht es ja nicht, sondern um dieses graue,
unfreundliche, zugige Monstrum weit draußen vor
den Toren Münchens. Wenn es wenigstens ein
Abendspiel gewesen wäre, diese Idee mit der
Beleuchtung der Außenhaut finde ich sehr hübsch.
Aber nicht einmal dies war mir vergönnt.
Nun ging es ja bekanntlich
nicht gegen den tollsten Verein der Welt,
sondern gegen dessen kleinen Lokalrivalen, der
ein Problem hat, welches wir aus der
Vergangenheit noch gut kennen: er muss in dieser
Schüssel spielen, ob es ihm passt oder nicht.
Und den Umzugsbestrebungen der Fans, die gerne
wieder in Grünwalder Stadion zurück möchten,
räume ich soviel Chancen ein wie uns selbst, als
wir uns nach den ersten Arena-Spielen wieder an
den Flinger Broich zurück wünschten – gar keine.
Im April gegen Bayern II
musste Fortuna noch in der Bruchbude an der
Grunwälder Straße antreten. Einmal kurz
aufgestiegen, gab`s zur Belohnung diesmal die
Allianz-Arena. Vielleicht würde dies ja die
Mannschaft beflügeln, denn trotz aller Kritik
meinerseits – wer als Gastmannschaft in dem Ding
spielen darf, der weiß auch, dass es sich lohnt,
bis zum letzten Schweißtropfen um den Aufstieg
zu kämpfen. 3.500 Fortunen reisten dann gleich
mal mit, um Düsseldorf auch stimmungstechnisch
zu vertreten. Here we go.
Zunächst einmal fragte ich
mich, ob ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort
war. Auf der Eintrittskarte prangte nämlich
unübersehbar, und das nicht nur bei mir, als
Spieldatum der 11.11.09. Vielleicht war man bei
diesem Datum von uns als Gegner und
Karnevals-Hochburg inspiriert worden? Aber das
konnte nicht sein, denn auf dem ersten Schwung
Mannschaftsstellungen, von denen ich eine in die
Hand bekam, standen zwar tatsächlich die
Mannschaftsaufstellungen des TSV München von
1860 und des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895,
wir firmierten aber unter der Überschrift „MSV
Duisburg“. Die haben glücklicherweise nicht das
Geringste mit unseren Jungs zu tun, mit dem
11.11.09 allerdings auch nicht, die spielten
bereits im Oktober in der Allianz-Arena und
verloren mit 1:3. Irgendwie alles ganz
merkwürdig.
So traute ich dann auch
zunächst einem Namen nicht, den ich auf dieser
Mannschaftsaufstellung fand: Yuki Kozo. Unser
japanischer Innenverteidiger mit der Erfahrung
ganzer sechs Regionalligaspiele bei Fortuna II
stand in der Anfangsformation. Das konnte nur
ein weiterer Fehldruck sein! War es aber nicht.
Den hatte Trainer Meier aufgrund der
Verletztenmisere in der Abwehr wie das Kaninchen
aus dem Hut gezaubert und ihm einfach mal ein
Zweitliga-Debüt verschafft. Um es vorweg zu
nehmen, er spielte doch sehr ordentlich,
sicherlich zur Überraschung vieler mitgereister
Fortuna-Fans, die ihn zum ersten Mal überhaupt
auf dem Rasen sahen. Nur an der Technik seiner
Befreiungsschläge sollte er noch ein wenig
feilen, das war mehrfach Kerzen-Style, 100 Meter
hoch, aber nur drei Meter weit.
Zum Spiel selbst kann man
gar nicht so viel sagen, es war nämlich nicht
besonders. Zumindest in der ersten Halbzeit. Wir
kamen einmal gefährlich vor das „Löwen“-Tor, als
Caillas nach herrlichem Direktspiel mit
Zuckerpass ausgerechnet Costa im Strafraum frei
spielte, aber der verhedderte sich mal wieder
auf dem Weg zum Tor, versuchte dann noch, auf
Harnik abzulegen, konnte allerdings in letzter
Sekunde von einem Abwehrbein geblockt werden.
Immer wieder schade, dass der schöne Claus nicht
wenigstens zu einem halbwegs passablen Torjäger
geboren wurde, der schleicht sich oft frei und
unerkannt in solch gute Situationen, aber der
Abschluss lässt dann leider meist zu wünschen
übrig.
Bei den „Löwen“ gab es eine
ähnliche Situation, die von Caillas entschärft
werden konnte, und das 1:0 in der 36. Minute.
Somit ein Chancenverhältnis in der ersten
Halbzeit von 1,5 zu einhalb. Dies bewertete
Großmeister Ewald nach dem Spiel mit dem Begriff
„klar überlegen“. Sowohl diese jämmerliche
Anzahl Torchancen auf beiden Seiten als auch die
statistischen Angaben über die Spielverteilung
bringen dies nun nicht unbedingt zum Ausdruck,
aber wir haben ja in den letzten Jahren schon
des Öfteren gelernt, dass man einem Ewald Lienen
nicht einfach widerspricht, auch wenn er seine
Meinung noch so exklusiv hat. Und immerhin war
das 1:0 ein Hingucker: nachdem Fortuna den Ball
in der eigenen Hälfte vertändelt, statt ihn aus
der Gefahrenzone zu schlagen, kommt ein flacher
Pass an den Sechzehnmeterraum, dort lässt
Alexander Ludwig die Kugel durchlaufen, was
gleich zwei Abwehrspieler aushebelt, Benny Lauth
legt Ludwig die Kugel anschließend in den Lauf,
und der hat keine Mühe, zur Führung einzunetzen,
auch Kozo, der ihn noch attackieren will, kommt
zu spät. War aber nicht sein Fehler, da konnte
er beim besten Willen nicht mehr rankommen. Ein
sehr schön herausgespieltes Tor der Gastgeber,
mit nur einem Haken: der Torschütze hätte zu
diesem Zeitpunkt eigentlich gerade unter der
Dusche stehen müssen, weil er kurz zuvor hätte
vom Platz fliegen müssen. Ludwig, eh nicht grad
als Filigran-Techniker sondern eher als Haudrauf
bekannt, schaffte es in den ersten dreißig
Minuten dreimal, Fortunen von hinten
umzugrätschen, wobei er jedes Mal nicht den
Ball, sondern nur den Gegner traf, und ich
behaupte mal, dass bei diesen Szenen auch ein
Ball im Spiel war, hatte ihn nur mäßig
interessiert. Der Schiri, Daniel Siebert, unser
alter „Elfmetergott“ aus dem legendären
Braunschweig-Spiel, legte das alles wohl
großzügig als internationale Härte aus, auch
wenn er wissen müsste, dass solch ein Typ wie
der Ludwig im Leben nicht international spielen
wird. Nach der dritten Grätsche von hinten, in
der 33. Minute, bequemte sich Siebert immerhin,
dem dazu auch noch permanent meckernden Wüterich
mal die Gelbe Karte zu zeigen. Bei normaler
Regelauslegung wäre jedes einzelne dieser Fouls
ein Platzverweis gewesen, aber das traute sich
Siebert offenkundig nicht. Nun gedenke ich
nicht, die Regeln bis ins Allerkleinste
auswalzen. Wer dafür ein Kandidat sein könnte,
werden wir gleich sehen.
In der 2. Halbzeit schien
zunächst relativ schnell die Entscheidung zu
fallen. Zunächst vergab Jovanovic den möglichen
Ausgleich, als ein abgefälschter Schuss von
Caillas auf seinem Schlappen landete. er musste
den halbhohen Ball jedoch erst stoppen, anders
war der nicht zu spielen, dadurch bekam sein
Gegenspieler die nötige Zeit, den anschließenden
Schuss noch über das Tor abzufälschen. Dann in
der 60. Minute Freistoß auf halbrechts in Höhe
des Strafraums für die „Löwen“. Durchaus
diskussionswürdig, aber was soll`s. Es tritt
wieder mal der Herr Ludwig an, der um diese
Uhrzeit eigentlich schon geduscht und gefönt im
VIP-Raum an seinem Feierabend-Snack knabbern
sollte, bringt den Ball nach innen, weit auf den
langen Pfosten, wo sich Torben Hoffmann gegen
unseren Außenverteidiger Christian Weber
durchsetzt und im zweiten Versuch aus Nahdistanz
das 2:0 erzielt. Weber sah dabei nicht gut aus,
erst ringelt sich Hoffmann hinter ihm hervor,
kommt dann eher an den Ball, lässt sich auch
durch Trikotzupfen nicht beirren und netzt ein.
2:0 nach einer Stunde – war`s das?
Vor nicht allzu langer
Zeit, ja. Da hätte man schon mal gemütlich den
Spielbericht schreiben können, wäre eh nur noch
um die Höhe der Niederlage gegangen. Aber in
dieser Hinrunde ist eben alles anders. Und der
Trainer, in seiner Wechselpolitik beständig
zwischen Genie und Wahnsinn pendelnd, hatte
diesmal das feine Händchen mitgebracht. Kurz vor
und kurz nach dem 2:0 brachte er mit Zoundi und
Heidinger für Caillas und Fink noch mehr
Offensive ins Spiel. Und ab diesem Moment, so
ca. ab der 65. Minute, wurde das Spiel eindeutig
zu schnell für die Heimmannschaft, die den Sieg
innerlich wohl schon abgehakt hatte. Zoundi auf
der rechten Seite, unser Mann aus Burkina Faso,
seit dem Sommer bei uns, jedoch mit
Zweitwohnsitz in allen möglichen Fliegern, die
ihn von Düsseldorf zu den
WM-Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft
von Burkina Faso und wieder zurück gebracht
hatten, seit zwei Wochen endlich fest beim Team
und schon gegen Cottbus als Vorlagengeber
erfolgreich, packte auf rechts ein paar Tricks
aus, die seine Gegenspieler eher nur vom
Hörensagen kannten, und verteilte die Bälle auch
ganz geschickt. Nur die Rückwärtsbewegung
scheint nicht so sein Ding zu sein, aber daran
kann man sicherlich noch arbeiten. Heidinger,
der Mann mit dem „Pfeil im Arsch“ (Kapitän
Lambertz), übersprintete in den ersten drei
Minuten nach seiner Einwechslung dreimal seine
Gegenspieler locker mit zwanzig Meter Anlauf,
und auch, wenn aus diesen Situationen keine
Gefahr entstand, die werden sich schon etwas
hilflos gefühlt haben, bei diesem Wirbelwind.
Die „Löwen“ fingen bedenklich an zu wackeln, und
stürzten kurz darauf dann auch endlich.
Zunächst zirkelte Jovanovic
einen Freistoß aus 17 Metern links um die Mauer
halbhoch zum 1:2 ins Eck. Und Kennern der Partie
sei gesagt: Ja doch, dieser Freistoß wird noch
eine Rolle spielen in der Berichterstattung.
Aber alles zu seiner Zeit. Dies war in der 70.
Minute. Und drei Minuten später hatte man den
Rückstand egalisiert: Ecke von links, in der
Mitte Harnik im Duell mit „Löwen“-Keeper Kiraly,
kommt nicht zum Kopfball, begeht aber auch kein
Foul, der Ball kommt kurz hinter dem
Fünfmeterraum wieder runter und wird von Zoundi
aus dem Gewühl heraus artistisch mit einer Art
Seitfallzieher unter die Latte gesetzt.
Ausgleich! Und gar nicht mal unverdient, denn
die „Löwen“ rannten in der eigenen Hälfte
größtenteils nur noch herum wie aufgescheuchte
Hühner. Kurz darauf hätte Fortuna sogar noch das
3:2 machen können, aber Lambertz versuchte es
nach Traumpass Zoundi lieber alleine, statt die
mitgelaufenen Harnik oder Jovanovic einzusetzen.
Immerhin, nachdem er an seinem Gegenspieler
gescheitert war, schaffte er noch den Rückpass
auf Zoundi, der dann aus 16 Metern übers Tor
schoss. Es wäre auch des Guten zuviel gewesen,
so toll war die Fortuna an jenem Sonntag auch
nicht, aber der Gegner war ja auch nicht besser.
Bis auf einen, wie wir gleich sehen werden.
Bezeichnenderweise bestand die größte Chance der
Gastgeber in ihrer anschließenden
„Schlussoffensive“ darin, dass
Abwehr-Organisator Jens Langeneke per Kopf nach
Flanke von rechts beinahe noch ein Eigentor
unterlaufen wäre, aber der Ball ging über das
Tor und kurz darauf war das Spiel aus.
Fortuna machte also binnen
drei Minuten aus einem 0:2 in der Allianz-Arena
noch ein 2:2 und holte verdient einen Punkt vor
22.400 Zuschauern. Kein großes Gekicke von
beiden Mannschaften, möchte man sagen. Dafür war
es dann am Rande ungleich interessanter. Denn es
folgte wieder einmal ein großer Auftritt von
Ewald Lienen, frei nach dem Motto „Warum ich
auch bei meinen nächsten 36 Vereinen nach einem
Jahr untragbar sein werde“. Stein des Anstoßes
war der Freistoß, der zum 1:2 durch Jovanovic
führte. Folgendes war geschehen: Lambertz führte
den Ball an der Strafraumgrenze, Holebas
grätschte mit gestrecktem Bein und Fußsohle nach
oben. Er traf den Ball, Lambertz ging zu Boden,
es gab den Freistoß mit den erwähnten Folgen. Es
war also somit kein Foul an Lambertz, was der
Ewald nicht nur „ohne Zeitlupe aus 60 Metern
Entfernung“ gesehen hatte, sondern er nahm dies
auch zum Anlass, zu behaupten, diese eine
Situation habe „das komplette Spiel gekippt“,
welches seine Löwen „hochüberlegen“ geführt und
ansonsten „locker gewonnen hätten“. Das hatte
außer ihm nun so gut wie keiner mehr gesehen,
aber das wäre ja noch normal. Nun fragte der
Bezahlsender sky direkt nach Spielschluss bei
Andreas Lambertz nach, der zugab, dass es sich
wohl eher nicht um ein Foul gehandelt habe.
Obwohl man die Art und Weise des Einsteigens von
Holebas natürlich als gefährliches Spiel werten
kann, und dann ist es völlig unerheblich, ob ein
Foul vorliegt oder nicht. Bei Ewald, der noch
nie in besonderer Regelkunde aufgefallen ist,
natürlich nicht. Der redete sich auf der
Pressekonferenz mit jeder Minute mehr um Kopf
und Kragen und bescheinigte abschließend auch
ausgerechnet dem Journalisten vom Bayerischen
Rundfunk, ihm „selten dämliche Fragen“ zu
stellen, weil der es gewagt hatte, ihn zu
fragen, ob seine Mannschaft nach dem
Anschlusstreffer nicht kurzfristig die Ordnung
verloren habe. Nein, nein, seine Mannschaft doch
nicht! Anschließend attestierte er
Fortuna-Kapitän Lambertz noch, ihn „zum Kotzen“
zu finden, weil dieser in dem Interview nach dem
Spiel zugegeben hatte, dass es kein Freistoß
gewesen sei. „Da soll der lieber nach Hause
gehen und gar nichts sagen.“ Natürlich, wenn ein
Reporter den Lambertz fragt, ob das ein Foul
war, und der sagt „Kein Kommentar“, das hätte
dem Ewald sicherlich besser gefallen, ist schon
klar. Nein, er hätte es gerne gehabt, wenn der
Spieler dies auf dem Spielfeld noch gesagt
hätte, vor der Ausführung des Freistoßes. „Aber
damit braucht man heutzutage wohl nicht mehr zu
rechnen, von meinen eigenen Spielern
wahrscheinlich auch nicht.“ Tja, warum sagt er
dann überhaupt etwas? In einem Nachklapp
versuchte er dann noch verzweifelt, den Schiri
aus der Sache herauszunehmen, indem er ihm eine
„hervorragende Leistung“ attestierte, nur in
dieser einen Situation halt nicht, in der „der
Schiri einen Freistoß erfindet.“ Auch nett. Und
weil er grad so gut in Schwung war, bekamen
aufgrund des Alters von Daniel Siebert, welches
ihm sehr jugendlich erschien, auch gleich noch
„die Knaller von der FIFA“ einen mit, die die
Altersgrenzen immer weiter runterschrauben
würden. Mittlerweile grinste die ganze
Pressekonferenz, sehr gute Unterhaltung.
Auf diese Schiene gebracht
wurde er allerdings auch durch die unglaublich
einseitige Berichterstattung von sky, die ihm
direkt nach Spielschluss die richtigen
Stichworte lieferte. Das Interview wurde vor der
Pressekonferenz eingeblendet, und man konnte
sehr schön sehen, wie der Reporter sich bemühte,
Lienen sofort auf diese Szene zu stoßen und ihm
die Initialzündung zu liefern. Nun, es weiß ja
jeder, in welcher Stadt dieser
premiere-Nachfolger seinen Hauptsitz hat, aber
so offensichtlich muss man es dann doch nicht
machen. Denn es wurde noch einen Tacken besser:
nach diesem Interview, in dem Lienen schon Gift
und Galle spuckte, wurde die
sky-Kurzzusammenfassung des Spiels gezeigt. Und,
o Wunder, natürlich wurde die Aktion von Holebas
und Lambertz vor dem Freistoß zum 1:2 in allen
Einzelheiten gezeigt, was aber tatsächlich
fehlte, war die Situation, die zum Freistoß für
die Löwen vor dem 2:0 führte! Die fiel der
Schere zum Opfer, der Umschnitt von einer Szene
zuvor geht sofort mit der Ausführung des
Freistoßes von Ludwig weiter! So ein Pech.
Apropos Ludwig, dessen drei Blutgrätschen aus
der ersten Halbzeit gibt es natürlich auch nicht
in bewegten Bilder. So ein Pech II. Dazu hätte
ich gerne mal eine Aussage vom Gottvater des
Fairplay an jenem Nachmittag gehört. Aber mit so
etwas wollte man den Erzürnten nicht auch noch
belasten. In bester „Torsten-es-war-nur-Notwehr-Frings“-Tradition
selektierte der Sender mal eben so, dass es in
sein Weltbild passte und gute Unterhaltung
garantieren würde. Oder um einmal mit einer
schicken Alliteration zu protzen: ein
Musterbeispiel an medialer Meinungsmache. Wobei
ich persönlich es ja eigentlich noch
unterhaltsamer finden würde, wenn der Ewald
jetzt nachträglich seinem eigenen Spieler auch
noch bescheinigen müsste, ihn ebenfalls „zum
Kotzen“ zu finden, wollte er halbwegs seriös
bleiben, was bei ihm aber nun wirklich niemand
erwartet. Der ließ sich schön die Vorlage vom
Haus-und-Hof-Sender liefern und verwertete sie
gekonnt, um von den Schwächen der eigenen
Mannschaft abzulenken. Ganz großer Auftritt des
kleinen Mannes mit hohem Unterhaltungswert,
eigentlich mehr als das Spiel.
Leider wird das Ganze
natürlich noch ein unpassendes Nachspiel für uns
haben, dank des investigativen Journalismus des
Senders, dessen Männeken tatsächlich im Anzug
und Krawatte am Spielfeldrand stehen und
Interviews führen, wobei ich mich immer frage,
was die mit meinem Sport zu tun haben, dank der
knallharten Nachfragen dieser Medienprofis hat
Lambertz ja zugegeben, dass es sich um eine
Fehlentscheidung und eventuell auch um einen
Täuschungsversuch seinerseits gehandelt hat. Und
so werden die pflichtbewussten Herren des DFB
jetzt schnell einschreiten und ihn wohl noch
nachträglich wegen Unsportlichkeit sperren. Denn
natürlich hat der Kontrollausschuss am Tag nach
dem Spiel ein Ermittlungsverfahren gegen
Lambertz eingeleitet, wegen krasser
Sportwidrigkeit in Form unsportlichen
Verhaltens, und Lambertz zu zeitnaher
Stellungnahme aufgefordert. War halt eine blöde
Aussage von ihm. Hätte er doch nur gelogen, das
würde Ewald dann bestimmt auch nicht zum Kotzen
finden! Für so etwas haben sie bei sky bestimmt
eine Strichliste – wieder einen zur Strecke
gebracht. Und der Zettel-Ewald darf weiter
wüten, dass alle Anderen Schuld waren, nur er
und seine Mannschaft nicht, die das Spiel nach
einer Stunde innerlich abgehakt hatte.
Ach ja, und unser Trainer?
Auf den wird man ja bei jeder Auswärtstour
angesprochen, ob der immer noch so leicht
ausflippen würde wie damals, als er Albert
Streit ausknockte, was in der Phantasie einiger
Leute, die natürlich niemals dabei waren (im
Gegensatz zu mir) mittlerweile zu einer Art
Gemetzel mutiert zu sein scheint. Umso
erstaunlicher finden es dieselben Leute dann,
dass der immer so ruhig bleibt. Zum Beispiel in
Fürth, als wir dermaßen klar benachteiligt
wurden, dass es der Schiri unmittelbar nach dem
Schlusspfiff sofort zugab. Oder in St. Pauli, wo
man uns zwei klare Elfer verwehrte. In beiden
Fällen hat er den Grund der Niederlagen
öffentlich nicht beim Schiri, sondern bei der
Mannschaft gesucht. Da bleibt der Mann locker.
Und während ein Wollitz davon redet, dass ihm
das Fairplay am Herzen liege, während er im
nächsten Halbsatz diese Uralt-Geschichte unseres
Trainers wieder aufwärmt und in den Ring wirft,
während ein Lienen es tatsächlich Ernst meint,
dass das komplette Spiel nur aufgrund dieses
einen Pfiffs gekippt sei und dies direkt
ausnutzt, um gegnerischen Spielern, dem Schiri
und der FIFA einen mitzugeben, währenddessen
sitzt unser Trainer da, grinst sich eins und
wird innerlich wahrscheinlich ständig den Kopf
schütteln, wie man soviel Dünnpfiff verbreiten
kann, und das auch noch permanent. Er meinte
dann auch abschließend, er wolle sich nicht
streiten, es gäbe genug Situationen in jedem
Spiel, in denen solch umstrittene Entscheidungen
zu besichtigen wären, und man könne sich doch
eigentlich darauf einigen, dass der Freistoß
sehr gut geschossen worden sei. Womit er den
Zettelmeister natürlich wieder auf die Palme
brachte. Aber so entlarvt man halt die
Choleriker, die vor keiner Abstrusität halt
machen, nur um nicht zugeben zu müssen, dass
eine Niederlage oder ein Unentschieden verdient
ist, weil es die eigene Mannschaft verpennt hat.
Bei einer Sache bin ich mir
allerdings ziemlich sicher: dass wir jetzt bei
Ewald auf dem Zettel stehen. Zumindest Lambertz
ganz groß und mit einem Kringel drum. Aber da
gönne ich mir ein einziges Mal diejenige
Arroganz, die Lienen in seinem Interview nur
mühsam zurückhalten konnte, was ihm auch nicht
permanent gelang, und sage: was interessiert
mich das Gejammer eines baldigen Ex-Trainers des
aktuellen Tabellen-15. der Liga? Wenn die so
weiter würgen, wird ihn auch sky bald nicht mehr
halten können. Soviel können die gar nicht
schneiden.
Nach dem 14. Spieltag
finden wir die Fortuna weiterhin auf Rang 4, mit
24 Punkten. Das ist schon sensationell. Da ist
zwar auch schon einige Luft nach oben, aber das
sollte eher weniger interessieren. Da sollten
sich lieber andere selbsternannte
Aufstiegsfavoriten fragen, warum sie noch weiter
als wir von Kaiserslautern, Bielefeld und St.
Pauli entfernt stehen. Nun gilt es, die letzte
drei Spiele der Hinrunde noch gut über die Bühne
zu bekommen, um dann in der kurze Winterpause
hoffentlich unser mittlerweile doch
beträchtliches Lazarett lichten zu können. Gegen
München saßen immerhin Schwertfeger und Lawaree
zumindest wieder auf der Bank. Hergesell, Cakir,
Bulykin, Kadah, Anderson, Melka und Christ
dürfen gerne bald folgen. Ohne ihrerseits
Nachfolger in der Krankenstation begrüßen zu
müssen. Allmählich wird es nämlich wirklich eng,
zumal man jetzt auch mit einer Sperre für
Lambertz rechnen darf. Aber wenn, wie derzeit,
sogar der „dritte Anzug“, hier in Gestalt
unseres Japaners Yuki Kozo, gut passt, dann ist
das schon ein wenig unheimlich. Unheimlich schön
nämlich.
Abgeschlossen wird die
Hinrunde zunächste mit zwei Heimspielen in
Folge, am kommenden Freitag (04.12.09) gegen
Arminia Bielefeld, eine dankbare Nummer, da
erwartet nun wirklich niemand etwas, besonders,
wenn sich im Lazarett noch etwas zum Negativen
verändern sollte. Am Sonntag darauf kommt RW
Oberhausen, und zum Kehraus 2009 geht es am
19.12.09 (Samstag) an die Ostseeküste zu Hansa
Rostock Dann wird man eine Bilanz der Hinrunde
ziehen können, die eigentlich jetzt schon
positiv ausfallen muss, da man bereits weiter
ist, als man sich in den kühnsten Träumen
erhofft hätte. Aber gegen bis zu neun
zusätzliche Punkte vor der Winterpause hätte ich
natürlich nichts. Da bin ich jetzt ganz im
Weihnachtsfieber – ich lass mir gerne was
schenken!
Eine schöne Adventszeit
wünscht: janus |