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Vier weitere
Spiele in der 2. Liga sind vorbei, und man
findet Fortuna derzeit dort, wo sie nur wenige
Optimisten erwartet hätten: auf Platz 5. Sieben
Punkte aus den letzten vier Spielen sind eine
prima Ausbeute, ein achter wurde der Mannschaft
durch eine der unglaublichsten Schiri-Leistungen
der letzten Jahre vorenthalten. Aber beschweren
wir uns nicht, hoffen wir, dass die Phrase
stimmt, nach der sich im Laufe der Saison alles
wieder ausgleicht. Dann haben wir schon jetzt
gute Karten. Nun aber gleich in die Vollen,
schließlich wartet am Ende noch ein Betzenberg
auf uns…
Fortuna –
Alemannia Aachen 0:0
Die Überschrift
soll als Bericht reichen. Ich konnte das Spiel
nicht sehen, ich befand mich am 28.09.2009 noch
in Urlaub. An jenem Montagabend weilte ich in
Marrakesch und wurde von einem guten Freund per
SMS auf dem Laufenden gehalten. Der
Schlangenbeschwörer, in dessen Nähe ich
verweilte, war deswegen leicht sauer,
schließlich sollte ich lieber fotografieren, wie
eine Kobra zu den etwas nervigen Klängen seiner
Flöte eine flotte Rumba auf den Marktplatz legte
und dafür ein paar Münzen springen lassen.
Leider hatte ich dazu keine Zeit. Und dass ich
ihm anschließend doch ganz zufrieden „Zu Null
gespielt“ zurief, hat ihn irgendwie auch nicht
besänftigt, seinem Wortschwall nach zu urteilen.
Fortan war ich bei ihm unten durch. Persona non
grata in Marrakesch – schafft auch nicht jeder…
Nach meiner
Rückkehr stellte ich fest, dass ich wohl nichts
verpasst hatte, es war ein typisches 0:0, oder
wie man im Schönrede-Fernsehen sagen würde:
„Beide Teams spielten taktisch diszipliniert.“
Das mögen ja Festspiele für Taktikfüchse sein,
ich gehöre allerdings nicht dazu und kann mir
daher eine weitere Berichterstattung aus zweiter
Hand schenken. Bemerkenswert nur zwei Dinge: bei
Aachen debütierte der neue Trainer Michael
Krüger, auch er konnte den ersten Auswärtssieg
der Alemannia nicht einfahren; Fortuna hielt
hinten die Null und blieb zuhause ungeschlagen.
Und natürlich die Zuschauerzahl: 29.385 Besucher
stellten einen neuen Rekord für Fortuna in einem
Zweitliga-Spiel auf. Eine schöne Kulisse, ein
nicht so schönes Spiel, aber immerhin mit einem
kleinen Happy End. Trotzdem werde ich mir
überlegen, ob ich in den nächsten Jahren während
der Saison nochmal in Urlaub fahre. Das Gezitter
war auch diesmal wieder groß genug, wenn auch
völlig unbegründet. Und in Marrakesch hab ich ja
eh jetzt Hausverbot.
Von alten Gemäuern
und jungen Maulwürfen
Am 03.10.2009
spielte Fortuna bei der SpVgg Greuther Fürth,
jener Truppe, die vor jeder Saison die halbe
Mannschaft aus der letzten Spielzeit abgeben
muss, trotzdem immer oben mitspielt und am Ende
immer Fünfter wird. Ich hatte ja schon mal
vorgeschlagen, dass sie sich diese Tradition in
den Vereinsnamen meißeln und in Greuther Fünf
umbenennen sollten, dann weiß man direkt, wen
man vor sich hat. Vielleicht ja eine kleine
Anregung für die nächste
Jahreshauptversammlung...
Es gibt einen,
zugegebenermaßen schon ziemlich alten Spruch,
von Dieter Nuhr, der dereinst sagte: „Für den
Nürnberger Hauptbahnhof gilt: wenn Sie in
Nürnberg aufs Klo müssen, fahren Sie nach
Fürth!“ Wenn es jedoch um einen schönen
Aufenthalt am Wochenende geht, sehe ich es eher
anders herum: wenn du in Fürth spielst,
quartiere dich in Nürnberg ein. Find ich
irgendwie interessanter. Und so fuhr ich bereits
am Tag vor dem Spiel mit dem Zug nach Nürnberg
und kann noch nicht einmal etwas Kurioses von
der Bahnfahrt berichten. Außer vielleicht der
bemerkenswerten Kuriosität, dass der Zug
pünktlich war.
Ich bezog ein
Hotel in unmittelbarer Nähe der Altstadt und
kann nur sagen: toll. Wer die Nürnberger
Altstadt nicht kennt, dem sei ein Besuch
ausdrücklich ans Herz gelegt, man hat ziemlich
viel von den alten Bauten erhalten können, und
ein Bummel durch die Straßen dort macht richtig
Laune. Straßennamen wie „Schlotfegergasse“,
„Färberstraße“ oder „Zwischen den Fleischbänken“
lassen erahnen, wie es das früher gerochen haben
mag. Und beim Gang über die Pegnitz an der
Henkersbrücke und dem Henkerhaus bemerkt man,
dass der damals ziemlich zentral gewohnt hat,
und somit schnell überall war, wo er, hm,
gebraucht wurde. Wer sich für Geschichte
interessiert, ist hier aber mal richtig richtig.
Auch für Dinge, die es vielleicht nicht ins
Geschichtsbuch der großen Ereignisse geschafft
haben: so stand ich am Unschlittplatz genau an
der Stelle, an der Kaspar Hauser im Jahr 1828
zum ersten Mal in Nürnberg auftauchte; nicht,
weil ich Hellseher bin, sondern weil die Stadt
ein entsprechendes Schild an der entsprechenden
Hausecke hat anbringen lassen. Das ist irgendwie
ein schönes Gefühl, wenn man schon so oft
darüber gelesen hat und dann plötzlich selbst
davor steht, auch wenn es dort außer dem
bewussten Schild nicht das Geringste zu sehen
gibt. Na und? Das Grab von Tut-ench-amun im Tal
der Könige ist schließlich auch leer, trotzdem
zahlen Touristen jedes Jahr Eintritt, um mal
hinein gehen zu dürfen. Wer das auch schon
interessant fand, wird verstehen, wie ich es
meine.
Eingedenk der
Tatsache, dass der bewusste Herr Hauser damals
in seinen ersten Aussagen mitgeteilt hatte,
während seiner Kindheit nur Wasser und Brot
bekommen zu haben, steuerte ich sodann einen Ort
der kulinarischen Verzückung an, um dieser
Bedrohung zu entgehen. In der
Zirkelschmiedsgasse befindet sich ein
Fachwerkhaus, welches als älteste
Bratwurst-Küche der Welt gilt, die urkundlichen
Erwähnungen über das Haus reichen zurück bis zum
Jahr 1419. Hier gibt es Nürnberger
Rostbratwürstchen, die über Buchenholzfeuer
gegart werden. Die Inhaber dieser cuisinalen
Einrichtung „Zum Guldenen Stern“ behaupten in
ihrem Werbeslogan frech: „Wer nicht hier war,
war nicht in Nürnberg“. Nach meinem Besuch dort
bin ich geneigt, ihnen Recht zu geben. Dafür
gibt es für den stadionwurst-erfahrenen
Bratwurst-Liebhaber nur ein Wort: Nachschlag!
Natürlich gibt es
in der Altstadt noch andere Sehenswürdigkeiten.
Besonders beeindruckend fand ich die
Frauenkirche mit dem Schönen Brunnen auf dem
Hauptmarkt, auch weil diese beeindruckenden
Bauten auf relativ engem Raum entstanden sind,
so etwas vermutet man bei so wenig Platz dort
gar nicht. Natürlich war der Tag bei diesen
Aktivitäten schnell rum, und es konnte zum
Spieltag geschritten werden.
An Selbigem wachte
ich relativ früh auf, weil mir eine Stimme
durchs Megaphon ins Ohr brüllte. Dies war aber
nicht eine besonders perfide Art des
Hotel-Weckdienstes, sondern kam von draußen. Wie
ich kurz darauf feststellte (und am Vortag auf
den Plakaten wohl übersehen hatte), fand just an
jenem Samstag der Nürnberger Stadtlauf statt,
der mit diversen Kinder- und
Kurzstreckenvorläufen an den Start ging und
deshalb ziemlich früh startete. Auch dies wäre
mir völlig egal gewesen – hätte sich nicht der
Start- und Zielbereich unmittelbar neben der
Querstraße meines Hotels befunden. Somit wurde
ich per Megafon mit allen Details versorgt und
musste Musik ertragen, die nicht zu meiner
Belustigung beitrug. Vor soviel Sportsgeist
ergriff ich dann zügig die Flucht zum
Hauptbahnhof.
Da Fürth direkt
neben Nürnberg liegt, braucht selbst eine
U-Bahn, die an jeder Milchkanne hält, nur eine
Viertelstunde bis zum Fürther Rathaus. Von dort
dann in eine der Buslinien, die Richtung Stadion
fahren, und eine weitere Viertelstunde später
ist man vor Ort. Ich muss zwar immer wieder über
den Namen Playmobil-Stadion schmunzeln, aber was
soll`s, Hauptsache, man kann drin Fußball
spielen. Schon eher überrascht war ich von der
Tatsache, dass selbst an der Haupttribüne
Toilettencontainer aufgestellt sind, weil die
eigentlichen Örtlichkeiten wohl etwas klein
geraten sind. Nicht dass mich persönlich das
sonderlich interessieren würde, aber es ist
schon merkwürdig, wie der DFB so mit seinen
Auflagen verfährt: da müssen Fünftligisten extra
Presse- und VIP-Bereich in ihren Stadien
einrichten, sonst gibt es keine Zulassung für
die Liga, hier spielt ein Zweitligist seit einem
Dutzend Jahren mit Containern im
Haupttribünenbereich. Aber ich muss das auch
nicht verstehen, wird schon alles seine
Richtigkeit haben, und eine Erklärung wird man
von diesen Krawattenständern ja eh nie bekommen.
Konzentrieren wir uns also lieber auf das Spiel.
Ein Satz übrigens, den ich liebend gern dem
Schiedsrichtergespann in der Kabine mit auf den
Weg gegeben hätte, hätte ich geahnt, was
passieren würde…aber ich bin mir sicher, dass
dies auch nix genutzt hätte – an jenem Tag war
halt die Maulwurf-Brigade an Pfeife und Fahne.
Und Maulwürfen kann man ja auch so gut zureden
wie man will – die sehen dadurch auch nicht
besser.
Fortuna verlor mit
1:2 bei Greuther Fürth vor 7.850 Zuschauern. Die
Niederlage war überflüssig wie ein Kropf, und
diesmal muss man auch sagen, dass Fortuna nur
zum Teil dafür verantwortlich war. Greuther
Fürth war in der 1. Halbzeit Grottenfürth, außer
einem einzigen Torschuss gelang ihnen überhaupt
nichts, und hinten waren sie vogelwild. Fortuna
beherrschte das Spiel und ging in der 24. Minute
verdient in Führung, auch wenn das Tor durch
Harnik reichlich kurios entstand und eigentlich
von so gut wie niemandem zunächst Ernst genommen
wurde, weil alles auf den Abseitspfiff wartete.
Haas schießt auf halbrechts vor dem eigenen Tor
einen Fortunen an, den zurück springenden Ball
bekommt er nicht unter Kontrolle, plötzlich
kommt Harnik von hinten angeschlichen und klaut
ihm die Kugel. Der von den Fürthern wohl
erwartete Pfiff unterbleibt aber völlig zu
Recht, weil der einzige Fortune, der sich in
dieser Szene im Abseits befindet, Kapitän
Lambertz, einfach ungerührt aus Selbigem
herausspaziert und überhaupt nicht ins Spiel
eingreift. Harnik steuert aufs Tor zu und
stolpert den Ball Richtung Fünf-Meter-Raum,
anders ist dieser „Torschuss“ nicht zu
beschreiben. Er hat jedoch das Glück, dass
Keeper Loboué schon aus dem Tor heraus ist, sein
Abstand zu Harnik ist zu gering, deshalb kann er
auch diesen Kullerball nicht mehr festhalten.
Harnik bekommt den Abpraller, umkurvt Loboué
diesmal routiniert und schiebt zur Führung ins
leere Tor ein. Sein erster Treffer für die
Fortuna. Diese Führung war auch zur Pause
hochverdient, umso ärgerlicher, dass sie fast
direkt nach dem Wechsel durch den ersten
gelungenen Angriff der Gastgeber flöten ging,
als der gebürtige Düsseldorfer Allagui in der
48. Minute nach tollem Pass von Haas mit einem
Schlenzer in die lange Ecke den Ausgleich
erzielte. Danach wurde das Spiel bissiger, und
Schiri Fischer verlor den Überblick. Zunächst
zeigte er Biliskov nach Foul an Lambertz kein
Rot, obwohl es kaum eine klarere Notbremse geben
kann, es war wirklich kein Fürther mehr auch nur
in Sichtweite zum Tor, Lambertz wäre klar durch
gewesen. Die erste richtige beeindruckende
Fehlentscheidung. Fünf Minuten später
verabschiedete sich Biliskov mit einer
Blödsinnsaktion dann trotzdem mit Gelb/Rot. Was
einiges böses Blut brachte und das
Schiedsrichtergespann eingedenk der folgenden
Ereignisse vielleicht innerlich eher Richtung
Fürth tendieren ließ, war der Vorspann dieser
Szene, in dem Harnik die Kugel nämlich nicht ins
Aus spielte, obwohl Schröck verletzt am Boden
lag, woraufhin Biliskov dann Harnik am
Mittelkreis wegtrat und mindestens vier Fürther
den am Boden Liegenden noch beschimpften. Tja,
hätte ich auch gemacht, wenn sich nicht zuvor
Folgendes ereignet hätte: Schröck hatte sich auf
der rechten Fürther Angriffseite gegen Hergesell
durchgesetzt und war von diesem dabei gecheckt
worden. Klare Sache, klares Foul, aber: Schröck
blieb auf den Beinen, Hergesell blieb in
Erwartung eines Pfiffs stehen, und so stand
Schröck plötzlich die ganze rechte Seite offen.
Er spielte also weiter und versemmelte seine
Flanke. Als diese problemlos von Keeper
Ratajczak aufgenommen wurde und dieser mit
Abwurf auf Harnik den Gegenangriff einleitete –
genau in diesem Moment fiel Schröck ein, dass er
ja eigentlich verletzt sein sollte, und er fiel
wie vom Blitz getroffen um. Also wer dann den
Ball ins Aus schießt…ich hätte es auch nicht
gemacht. Das hat nämlich auch etwas mit Fair
Play zu tun. Und dass der Biliskov dann mit Wut
im Bauch zutritt und anschließend duschen gehen
darf, kann auch nicht unsere Schuld sein.
Dadurch zwang er seinen Trainer Benno Möhlmann
auch zum Abschluss einer recht kuriosen
Wechselarie: der hatte zur Pause Prib für den
enttäuschenden Mokhtari gebracht. In der 69.
Minute musste Prib, mit dem einiger frischer
Wind ins Fürther Spiel kam, aber schon wieder
verletzt raus. Für ihn kam Nachwuchsstürmer
Kakoko aufs Feld, der normalerweise in der 2.
Mannschaft spielt. Und der hatte sich noch nicht
so richtig warm gelaufen, da war er schon wieder
weg, denn nach dem Platzverweis wollte Möhlmann
lieber die Defensive stärken und brachte
Meichelbeck. Das Bauernopfer war in diesem Fall
Angreifer Kakoko, sodass Möhlmann auch seinen
zweiten Einwechselspieler vorzeitig wieder vom
Feld holen musste. Und auch der dritte wäre
nicht seine beste Wahl gewesen, denn fünf
Minuten später riss Meichelbeck bei einem hohen
Ball in den Fürther Strafraum seinen
Gegenspieler Harnik um. Glasklar, eindeutig, bis
unters Tribünendach zu sehen, ich würde sagen,
klassisch griechisch-römisch. Da scheint sich
des Schiris Mitleid dann doch geregt zu haben,
der überfällige Pfiff unterblieb. Und mit
derselben Maßnahme sorgte er dann auch für die
Entscheidung, wobei ich bei der Szene in der 85.
Minute lieber seinen Kollegen an der Linie ins
Visier nehmen würde. Der stand nämlich genau auf
Ballhöhe und mit freier Sicht auf Allagui (im
Fernsehen sehr schön zu sehen, dass er direkt
auf die Szene drauf guckt), als dieser kurz
hinter der Mittellinie mit einem schönen Pass
frei gespielt wurde. Und zwar mindestens, und
ich betone: mindestens, einen Meter im Abseits.
Aber der Assi freute sich wohl, dass den
dezimierten Fürthern überhaupt noch etwas
gelang, also unterließ er es, seine Fahne zu
heben, vom Schiri erwartete in diesem Spiel
sowieso niemand mehr einen korrekten Pfiff,
deshalb unterließ er es auch gleich ganz, das
Spiel lief daraufhin weiter, Allagui bediente im
Strafraum Müller, und der machte den
Siegtreffer. Dass eben jener Assistent auf der
Gegengeraden allerdings von Anfang an ein Fan
der Fürther war oder seine Kontaktlinsen zuhause
gelassen hatte, konnte man schon sehen, als er
nach noch nicht einmal einer Minute bei
Traumpass von Harnik auf Bulykin Abseits winkte,
obwohl der in diesem Fall wirklich erkennbar
mindestens einen halben Meter nicht im Abseits
stand. Und da kann der Gegner dann auch eine
Viertelstunde in Unterzahl spielen - ihm bleiben
ja immer noch 13 Mann. Das war dann wirklich
nicht mehr zu stemmen.
Natürlich darf man
sich in Überzahl fünf Minuten vor Schluss nicht
so auskontern lassen, insoweit muss man sich
auch an die eigene Nase fassen, zumal Lambertz
noch kurz vor Schluss die große Chance auf den
Ausgleich vergab. Allerdings habe ich selten ein
Spiel gesehen, welches dermaßen vom Schiri
entschieden worden ist. Sympathischerweise gab
der das bei einem Interview in der „Sportschau“
direkt nach dem Spiel auch zu. Toll. Aber das
nutzt Fortuna ja herzlich wenig, ebenso wenig,
dass der Montags-kicker zum ersten Mal
seit langer Zeit mal wieder die Note „6“ zückte,
um die Schiri-Leistung zu beschreiben.
Mindestens ein verschenkter Punkt, es wäre
vielleicht sogar mehr drin gewesen.
Vorteil Fortuna
Weiter ging es
nach der Länderspielpause, in der sich
Deutschland auf einem russischen Trainingsplatz
aus Kunstrasen für die WM 2010 qualifizierte, am
Sonntag, den 18.10.2009, mit dem Heimspiel gegen
den FSV Frankfurt, souveräner Tabellenvorletzter
mit ganzen zwei Punkten. Ein ganz wichtiges
Spiel, um den Vorsprung auf die Abstiegsplätze
zu vergrößern.
Die Frankfurter
hatten die zwei Wochen Spielpause übrigens dafür
genutzt, mal ein wenig für Ärger zu sorgen.
Deren Trainer Thomas Oral trat nach der besten
Saisonleistung seines Teams, mit der man dem
1.FC Kaiserslautern ein 1:1 abtrotzte, während
der Pressekonferenz von seinem Posten zurück,
wahrscheinlich in der schönen Annahme, wenn es
nicht mehr besser geht, sollte man aufhören. Was
ja eigentlich recht deutlich zeigen würde, was
er von seinem Team so hielt. Der FSV erschien
zum Spiel in Düsseldorf aber direkt mit seinem
neuem Trainer Hans Jürgen Boysen, der in
Offenbach spontan eine Ausstiegsklausel aus
seinem dort laufenden Vertrag genutzt hatte, um
in der Nachbarschaft anzuheuern, und mit Manager
Bernd Reisig, der seit diesem Blitztransfer des
Coachs von den Offenbacher Kickers beim Nachbarn
Stadionverbot hat. Naja, Stadionverbot wohl
nicht, aber die Offenbacher haben erklärt, dass
sie ihn am Bieberer Berg in Zukunft nicht mehr
sehen möchten. Persona non grata. Seitdem stelle
ich mir gerne vor, wie es aussehen mag, wenn der
FSV am Saisonende Platz 16 in der 2. Liga
belegt, und Offenbach wird Dritter im
Premiumprodukt des DFB, sodass die beiden zur
Relegation gegeneinander antreten müssen.
Vielleicht wird sich ja dann sogar auf der
jeweiligen Haupttribüne in Schlips und Kragen an
denselben gegangen. Wäre eine völlig neue Form
des Hooliganismus…
Mit dem FSV
Frankfurt kam somit nach Alemannia Aachen zum
zweiten Mal in Folge ein Team in die
esprit-Arena, das unmittelbar vor dem
Fortuna-Spiel den Trainer gewechselt hatte,
ebenfalls in einer Länderspielpause. Dass sowas
immer uns passieren muss…schauen wir doch mal,
was der Neue bei denen schon alles bewirken
konnte.
Fortuna putzte den
FSV Frankfurt mit 4:1, ein ganz wichtiger Sieg
der Fortuna vor 19.100 Zuschauern, aber schwer
erkämpft. Da Koblenz zeitgleich nur 1:1 gegen
Ahlen spielte, vergrößerte man durch diesen Sieg
den Abstand auf den Relegationsplatz auf acht,
auf die beiden direkten Abstiegsplätze auf zwölf
Punkte. Ein schönes Polster für die nun
anstehenden Wochen mit Spielen gegen
Kaiserslautern, Karlsruhe, St. Pauli, Cottbus,
1860 und Bielefeld...
Erste Halbzeit
mau, Frankfurt tat das, was sie am Besten
können, nämlich nix nach vorne, und ging nach 35
Minuten durch Cenci in Führung, der eine Ecke
ins Tor nickte, nachdem Langeneke und Torwart
Ratajczak sich augenscheinlich nicht einig
waren, wer den Ball denn nun nehmen sollte. Dies
war einer von zwei (!) Frankfurter Bällen, die
aufs Tor kamen, ein ganz großer Witz. Aber
nachdem ein glasklarer Elfer nach Foul an
Caillas nicht gegeben wurde, fiel Fortuna auch
nicht sonderlich viel ein, um die Gäste mal
ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Die erste
Halbzeit war somit richtig schlecht, und unsere
Befürchtungen schienen sich zu bestätigen, dass
wir mal wieder als Aufbaugegner für ein Team im
Tabellenkeller dienen würden, wäre ja nicht das
erste Mal in den letzten Jahren. Dies änderte
sich allerdings nach der Pause, unter anderem,
weil Schiri Schriever bewies, dass er zumindest
mal was von der Vorteilsregel gehört hat. Sein
Glück, die sollte er des Öfteren brauchen. Zum
Beispiel in der 57. Minute, als Caillas von
links flankte und ein Frankfurter den Ball klar
mit der Hand spielte. Caillas hüpfte herum wie
Rumpelstilzchen, die Frankfurter rechneten wohl
selbst mit dem Pfiff und blieben stehen, aber
der Schiri ließ das Spiel weiterlaufen, und
Harnik staubte in der Mitte zum 1:1 ab. Fortuna
zog nun ein Powerplay auf und drängte die
Frankfurter in die eigene Hälfte. In der 70.
Minute dann die „spielentscheidende Szene“ laut
FSV-Trainer Boysen: links dringt Caillas in den
Strafraum ein, Mokhtari (Bruder des
Fürth-Mokhtari, nicht dass jemand meint, ich
würde mich wiederholen) grätscht nach Ball und
Gegner. Caillas kommt ins Stolpern, bleibt aber
auf den Beinen und versucht noch, die Flanke in
die Mitte zu bringen. Erst als diese dann
abgewehrt wird, pfeift Schriever Elfmeter. Von
Boysen auch noch in der Pressekonferenz als
„Schwalbe“ bezeichnet, was natürlich völliger
Unfug ist, denn Caillas hatte ja weiter
gespielt. In den Aussagen aller Beteiligten
offenbarte sich dann, dass anscheinend niemand
die Regeln so richtig kennt, nach denen diese
Herren ihren Beruf ausüben. Weder die
Vorteilsregel, die hier angewendet wurde, noch
die Tatsache, dass bereits der Foulversuch
im Strafraum mit einem Elfer zu ahnden ist.
Somit spielt es keine Rolle, ob Caillas seine
üblichen drei Pirouetten dreht oder
ausnahmsweise nur ins Stolpern kommt und noch
versucht, zum Abschluss zu kommen. Wenn der
Gegenspieler dem Team damit eine klare Torchance
nimmt, ist das ein Elfer, fertig, aus. Dies wäre
somit korrekt gewesen, wenn Caillas von seinem
Gegenspieler wirklich berührt worden wäre.
Lustigerweise ist dies auch nach Zeitlupen aus
vier verschiedenen Blickwinkeln nicht
aufzuklären. Da stecken sie vom Fernsehen soviel
Kohle in den deutschen Fußball, um die
Kundschaft am Bildschirm zufrieden zu stellen,
lassen im Gegenzug die Spiele beginnen, wann es
ihnen grad am besten passt (an jenem Sonntag um
13.30 Uhr…dümmer geht`s wirklich nicht mehr) –
und wenn sie dann einmal was leisten könnten für
ihr Geld, können sie eine der entscheidenden
Szenen des Spiels nicht aufschlüsseln mit all
ihrem High-Tech. Eher eine schwarze Stunde für`s
Pay-TV, würde ich mal sagen.
Caillas selbst
sagte, es sei kein Elfer gewesen, bezog sich
aber auch eher auf seine „Wiederauferstehung“
nach dem Stolperer. Ob Mokhtari ihn getroffen
oder er in den Boden getreten hat, konnte er
auch nicht mehr sagen. Einigen wir uns also
darauf, dass es ein kniffliger Fall war, der
zugunsten der Fortuna entschieden wurde, ein
Elfer, den man nicht geben muss und auch nur
äußerst selten sieht. Allerdings war es
ausgleichende Gerechtigkeit für den nicht
gegebenen Elfer in der ersten Halbzeit, der
sowas von eindeutig war, dass man sich schon
wieder an Fürth erinnert fühlte. Sei`s drum,
Langeneke machte den Ball zum 2:1 rein, und von
nun an gab`s kein Halten mehr, denn den
Vorwärtsgang hatte Boysen seiner neuen Truppe
noch nicht beigebracht. Im Gegenteil, die
brachen jetzt völlig ein und ermöglichten
Fortuna den deutlichen Sieg, mit dem zur Pause
wohl nur noch die Wenigsten gerechnet hätten.
In der 77. Minute machte die Mannschaft den
Sack zu, mit einem Traumtor: Christ lupft die
Kugel an die Strafraumgrenze zu Jovanovic, der
nimmt den Ball mit dem Rücken zum Tor an,
schnelle Drehung, sofort volley abgezogen, die
Kugel knallt halbhoch gegen den linken
Innenpfosten und ins Tor. Kaum zu glauben, auch
bei uns bricht manchmal die Champions League
durch. In der Folgezeit vergab Fortuna noch
einige Chancen, ehe kurz vor Schluss der Schiri
und die Vorteilsregel nochmal bemüht werden
mussten. Nach flacher Hereingabe von rechts in
den Strafraum wurde Jovanovic im Strafraum klar
von Klitzpera gehalten, Schriever ließ auch hier
zunächst weiterlaufen, bevor er dann auf
Strafstoß entschied, weil Harnik den Ball nicht
im Netz unterbringen konnte. Ein glasklarer
Elfer, bei dem selbst Sünder Klitzpera noch
nicht mal mehr mit dem Kopf schüttelte,
geschweige denn protestierte. Marco Christ haute
die Kugel zum 4:1 rein, sein erstes Tor nach
seiner langen Verletzungspause, und das war es
dann. Frankfurt war in der 2. Halbzeit dermaßen
schwach, da hätte auch ich noch mitspielen
können, wäre gar nicht aufgefallen. Ein
verdienter Sieg, auch in dieser Höhe, man hätte
den Frankfurtern sogar noch den ein oder anderen
mehr einschenken können, da sie in der 2.
Halbzeit in der Abwehr völlig die Orientierung
verloren und sich nur noch mit Halten und
Klammern zu wehren wussten. Eine ziemliche
Trümmertruppe an jenem Tag…aber das sollte uns
natürlich nur Recht sein
Sturm auf den
Betze
Am Freitag, den
23.10.2009, dann wieder ein Highlight, dass uns
alte Säcke im Vorfeld von längst vergangenen
Zeiten schwärmen ließ. Auswärtsspiel beim 1.FC
Kaiserslautern im Fritz-Walter-Stadion! Dass ich
das noch erleben darf, dass wir den Betze
rocken! Ausrechnen konnte man sich dort nicht
viel, zum einen war Kaiserslautern
Tabellen-Zweiter, noch ohne Niederlage in der
laufenden Saison, zuhause sowieso schon seit
Monaten wieder eine Macht. Zum anderen datierte
unser einziger Sieg auf dem Betze aus der Saison
1976/77 – am Grünen Tisch nach Spielabbruch. Wie
das ist, die „Roten Teufel“ mal als Sieger zu
verlassen, dieses Gefühl kannte also kein
einziger Fortuna-Fan. Aber Bange machen gilt
nicht: in Duisburg und in Fürth hatte unser Team
trotz der Niederlagen auch gut ausgesehen, sie
können es also auswärts auch gegen die
„Größeren“. Außerdem hatte der FCK in seinen
beiden letzten (Auswärts-)Spielen zwar vier
Punkte geholt, aber spielerisch keine Bäume
ausgerissen und auch ein bisschen Glück gehabt.
Also, wenn die uns im Geiste vielleicht so
unterschätzen würden wie in deren Fan-Forum, in
dem schon Tage vor dem Spiel nur noch über die
Höhe des Sieges diskutiert wurde, vielleicht
würde dann ja was gehen.
Kaiserslautern hat
ja rund ums Stadion eine ziemlich einzigartige
Infrastruktur, nämlich gar keine. Rund um den
Betzenberg gibt es nur eine Handvoll Parkplätze,
die Masse muss über außerhalb liegende
Park-and-Ride-Parkplätze mittels Shuttle-Bus dem
Stadion zugeführt werden und vom Bus aus auch
noch ein wenig den Berg hinauf laufen. Hinzu
kam, dass der nächstgelegene Parkplatz in der
Stadt, der Messeplatz, auch noch durch die
jährliche Kaiserslauterer Kirmes, die so
genannte „Kerwe“ belegt war. Dies sowie die
Tatsache, dass bereits im Vorverkauf 37.500
Tickets weggegangen waren, bemüßigte die
Lauterer, um eine frühzeitige Anreise zu bitten.
Damit war ich eigentlich auch sehr
einverstanden, schließlich musste ich über die A
61 bis Alzey, und die ist freitags nachmittags
ja wirklich kein Quell reiner Freude, zumal sie
derzeit noch mit einigen Großbaustellen in den
Bereichen Boppard, Gau-Bickelsheim und,
natürlich, im Kreuz Alzey glänzt.
Somit startete ich
bereits um 12 Uhr von Bonn aus, nachdem ich
meinen Arbeitgeber davon überzeugt hatte, mir
den halben Tag freizugeben. Und das Wunder
geschah, ich kam ohne ernsthaften Stau durch, es
lief alles wie am Schnürchen, in Alzey dann auf
die A 63, dort nach ca. 40 Kilometern an der
Ausfahrt Sembach runter und dann noch ca. sieben
Kilometer über Land zum bereits dort
ausgeschilderten P&R-Parkplatz „KL-Ost“, und
dann – stand ich vor verschlossener Türe! Die
Herrschaften hatten die Schranken noch nicht
aufgemacht! Und das, obwohl der eigene Verein
ausdrücklich zu früher Anreise geraten hatte…vor
so viel Organisationstalent ergriff ich die
Flucht, fuhr einfach die Straße weiter
geradeaus, dann kommt man irgendwann in
Kaiserslautern City an. Die ist nicht weiter
bemerkenswert, deshalb steuerte ich kurz darauf
wieder den Parkplatz an. Dort hatte man sich
mittlerweile erbarmt und um kurz nach 15 Uhr die
Schlagbäume gehoben. Kann aber auch erst kurz
zuvor passiert sein, denn ich wurde mit einem
Parkplatz in der ersten Reihe belohnt, was bei
der Abfahrt natürlich von Vorteil war.
Was nicht von
Vorteil war, war die Tatsache, dass der erste
Shuttle-Bus erst um 15.50 Uhr zum Stadion
losfahren sollte. Auch hier wieder Daumen hoch
für die Organisation, Leute zur frühen Anfahrt
zu drängen, aber dann selbst den Fahrplan eisern
einhalten zu wollen. Zum Glück hatten die Ordner
auf dem Parkplatz alles im griff und orderten
den ersten Bus schon früher, sodass wir nicht
ganz so lange warten mussten. Ja geht doch.
Vertreiben konnte
man sich die Wartezeit übrigens ganz prima an
dem einzigen Imbissstand, der auf dem riesigen
Parkplatz Essen und Trinken unters Volk warf.
Nicht nur, dass er Würste und Frikadellen fast
jeder Machart im Angebot führte, welche
geschmacklich einwandfrei waren, nein, mein
geschultes Auge entdeckte plötzlich auch ein
Schild, das ich bei solchen Einrichtungen noch
nie, nie, nie zu Gesicht bekommen habe: für zwei
Euro konnte man sich an „Mozzarella-Blumenkohl-Nuggets“
versuchen! Ein Parkplatz am Arsch der Welt,
wirklich mitten im Nirgendwo, trübes nasskaltes
Wetter, eine ganz normale fahrbare Pommesbude –
und da gibt es plötzlich
Mozzarella-Blumenkohl-Nuggets. Die müssen
wirklich von einem anderen Stern sein! Ich gebe
zu, ich hab mich nicht getraut, sie zu
probieren, so baff war ich. Vielleicht beim
nächsten Mal.
Mit dem ersten
Shuttle-Bus fuhr ich dann zum Stadion, wurde
natürlich an der falschen Seite ausgeladen und
musste einen Viertelschwenk ums Stadion machen,
um zur Haupttribüne zu gelangen. Dabei kam ich
an dem Nebenplatz 4 vorbei, auf dem
Kaiserslautern II seine Heimspiele in der
viertklassigen Regionalliga West austrägt. Auch
wenn es wenig mehr als ein normaler Sportplatz
ist, den haben sie ganz schmuck aufgepeppt. Wenn
ich daran denke, wie das Ding bei unserem
Gastspiel in der drittklassigen Regionalliga
West/Südwest 1999/2000 aussah…damals konnte man
noch die Reifenspuren auf dem Platz erkennen,
nachdem kurz vor dem Spiel wohl ein Traktor über
den Rasen gebrettert war…
Ein ganz großer
Spaß erwartete mich dann auf der Suche nach
meinem Block. Hierbei handelt es sich um eine
Art Zusatzblöckchen unter dem Dach neben der
Pressetribüne, mit Namen „15.2“. Das musste ich
allerdings von meiner Eintrittskarte ablesen,
will heißen: der Block ist nirgendwo auf der
Tribüne ausgeschildert (…und das in einem
WM-Stadion). Was nun auch dazu führte, dass drei
(!) Ordner mir auf die Frage nach dem Block
nicht weiter helfen konnten, erst der vierte
hatte eine marginale Ahnung, welche Richtung die
entscheidende sein könnte. Sie war es dann auch,
und nach einer schier endlosen Reise durch
gefühlt sämtliche Treppenhäuser der Haupttribüne
kam ich endlich in meinem Block an. Nur um ihn
sofort wieder zu verlassen, denn da oben gab es
nichts zu essen oder zu trinken. Hierzu musste
man wiederum eine Etage tiefer wechseln – und
sich dann eine dieser Bezahlkarten kaufen, die
es mittlerweile auch in Kaiserslautern gibt. Ich
hasse die Dinger langsam wirklich. Da ich aber
noch viel Zeit sowie Hunger und Durst hatte,
kaufte ich eine zum Mindestbestellwert von 10
Euro. Soviel vorab, nach dem Spiel vergaß ich,
sie zurück zu geben. Wenn also jemand demnächst
mal zum Betze fährt, kann er mich gerne vorher
kontaktieren. Sind auch noch zwei Euro Pfand
drauf…
Das Spiel sahen
41.500 Zuschauer, eine Riesen-Kulisse,
Saisonrekord für ein Zweitliga-Spiel. Darunter
waren ca. 3.500 Fortunen, die wenigstens den
Betze rocken wollten, wenn es schon sportlich
nix zu holen gäbe. Fortuna stand in den ersten
Minuten auch folgerichtig hinten drin, aber den
Gastgebern fiel noch nicht viel ein. Da begann
man, einfach auch mal rotzfrech nach vorne zu
spielen. Zunächst spielte Marco Christ einen
Traumpass über 30 Meter, hoch in den Strafraum,
genau auf den Fuß von Jovanovic, dessen
Gegenspieler Amedick den Ball sträflich
unterschätzt hatte. Jovanovic versuchte eine
Direktabnahme, ich glaube, FCK-Keeper Sippel
musste sich noch nicht mal bücken, um den Ball
aufnehmen zu können. Einen ähnlichen Roller, wie
auch schon im Fürth-Spiel, produzierte Martin
Harnik wenige Minuten später, als er wiederum
von Christ, der einen Freistoß schnell
ausführte, im Strafraum glänzend frei gespielt
wurde. Und da harte Schüsse an diesem Abend
anscheinend nicht die Sache unserer Stürmer
waren, musste man ihnen halt die Bälle zum
Abstauben servieren.
18. Minute,
Freistoß Fortuna von halbrechts, ungefähr 25
Meter vor dem Tor. Marco Christ läuft an,
hämmert den Ball aber nicht auf die berüchtigte
Lauterer Westkurve, sondern spielt ihn als hohe
Flanke weit hinter den langen Pfosten. Dort
kommt Claus Costa angerauscht, und während ich
mich noch verwundert frage, woher der denn
bitteschön grad kommt, nickt er den Ball in die
Mitte, an Sippel vorbei, wo Jovanovic im Verbund
mit Gegenspieler Amedick aus drei Metern nur
noch abstauben muss – 0:1. Ein ziemlicher
Hammer.
Wie nach dem Spiel
bekannt wurde, handelte es sich hierbei wohl um
eine Freistoßvariante, die die Mannschaft
erstmals vor dem Frankfurt-Spiel einstudiert
hatte. Und in dieser Situation? Marco Christ:
„Da habe ich dem Claus vor dem Freistoß einfach
Bescheid gesagt.“ Der schöne Claus, seit Wochen
bärenstark in Form, nickte, trollte sich und
spazierte im Strafraum am dicksten Getümmel
einfach vorbei nach ganz hinten, wo ihn wirklich
niemand beachtete. Das ist natürlich der Vorteil
bei diesen „Staubsaugern“ vor der eigenen
Abwehr, die sind unauffällig halt einfach immer
da. Auch mal im gegnerischen Strafraum. Somit
eine tolle Vorarbeit und eine perfekte Variante.
Da wurde es schon
etwas stiller auf Gastgeberseite. Völlig offen
blieb ihnen der Mund dann in der 24. Minute.
Florian Dick fängt vor dem eigenen Strafraum
einen Ball ab, läuft ein paar Meter nach vorne
und spielt dann einen Fehlpass auf Mandjeck.
Bzw. ein Fehlpass ist es eigentlich nicht, der
Ball hätte den Mitspieler auch erreicht, aber
Christ sprintet dazwischen, bekommt den Fuß an
die Kugel, spielt einen direkten Doppelpass mit
Harnik, gibt dann im Strafraum von links flach
nach innen, wo wieder Jovanovic zum 0:2
abstaubt. Von Balleroberung bis Abschluss keine
fünf Sekunden. Wahnsinn.
Und es war nicht
einmal unverdient, Fortuna bis dahin klar die
bessere Mannschaft. Nachdem Kaiserslautern sich
ein wenig von dem Schock erholt hatte, drängten
sie mit Macht auf den Anschlusstreffer, aber es
dauerte bis zur 34. Minute, als Schulz den
ersten Schuss aufs Fortuna-Tor brachte, aber
Ratajczak hielt seinen Volleykracher von der
Strafraumgrenze. Bis zur Pause gab es noch zwei
kleinere Kopfballchancen für die Gastgeber, das
war`s dann. Zur Pause blickte man in reichlich
ungläubige Gesichter, da waren bestimmt auch ein
paar „3:0 bis 5:0-Tipper“ am Start. Ich hingegen
bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
Dass es nun etwas haarig werden würde, war klar.
Und die „Roten Teufel“ zogen nach der Pause auch
mal sofort das Tempo an und hatten mindestens
zwei dicke Chancen, durch Ilicevic, der aus
zwölf Metern über das Tor schoss, und durch
Mandjeck, der den Ball aus ca. 2 Metern neben
das leere Tor köpfte, sichtlich überrascht, dass
Ratajczak zuvor bei einer Flanke am Spielgerät
vorbei gegriffen hatte. Als dieser Ball nicht
drin war, begann ich zu glauben, dass die
Sensation möglich sein würde. Dass sie
tatsächlich eintrat, lag dann aber nicht an
weiterem Lauterer Unvermögen, sondern daran,
dass die Fortuna so ab der 65. Minute auch
wieder ins Geschehen eingriff und nach vorne
spielte, getreu dem Motto, dass Angriff immer
die beste Verteidigung ist. So vergab man noch
aussichtsreiche Konterchancen, Harnik scheiterte
aus 16 Metern an Sippel, Lambertz später aus
ähnlicher Situation an sich selbst, weil er den
Ball nicht voll traf. Aber so schaukelte man das
Spiel erstaunlich locker und cool nach Hause und
gewann daher auch völlig verdient mit 2:0 auf
dem großen Betzenberg. Der Gästeblock, der
während des Spiels schon die gesangliche
Vorherrschaft übernommen hatte und von den
Gastgebern als bester Support seit Jahren gelobt
wurde, tobte, und die Heroen mussten einige
Diver zum Besten geben und ihre Trikots in die
Menge werfen, bevor man sie vom Rasen entließ.
Ein ganz großer Abend!
Dies gilt auch
durchaus für das Nachspiel, wobei es erst nicht
danach aussah. An dem Sammelpunkt für die
Shuttle-Busse standen buchstäblich Tausende von
Leuten, und die Organisatoren bequemten sich
zunächst, alle fünf Minuten mal einen Bus
erscheinen zu lassen. Welche Szenen sich da beim
Besteigen der Busse abspielten, kann sich wohl
jeder vorstellen. Und dass die Busse dort auf
der Straße dann über einen Linksabbieger erst
einmal einen an dieser Stelle eigentlich
verbotenen U-Turn durchführen müssen, um dann in
Richtung Parkplätze abzudüsen, ist eigentlich
schon oldschool. Aber so nach und nach trafen
dann auch weitere Busse ein, sodass der
Abtransport doch noch relativ zügig von statten
ging. Auf dem Parkplatz kam ich dank der Pole
Position sehr gut weg und war schon um 22.30 Uhr
wieder in heimischen Gefilden. Ein großer Tag,
zu dem auch die Gastgeber entsprechend
beitrugen. Sowohl bei An- und Abfahrt, sowohl in
den Bussen als auch auf dem Parkplatz, standen
und fuhren Heim- und Gästefans gemeinsam. Es gab
auf der Osttribüne, auf der sich auch der
Gästeblock befindet, keine sichtbare
Fan-Trennung. Dennoch gab es keine
Zwischenfälle, und nach dem Spiel verteilten die
Heimfans viel Lob für unseren Auftritt. Damit
war nicht unbedingt zu rechnen, deshalb kann man
es ruhig mal erwähnen, wen es vorkommt. Ein paar
Spinner waren zwar auch hier wieder am Start,
aber im Großen und Ganzen konnte man sich dort
recht wohl fühlen. Bei dem Spiel dann natürlich
auch besonders.
Fortuna steht
jetzt mit 17 Punkten aus 10 Spielen auf Platz
fünf, eigentlich unglaublich. Aber wie schon
geschrieben, die dicken Brocken kommen jetzt
erst. Das nächste Spiel zum Beispiel, am
kommenden Freitag, 30.10.2009, um 18 Uhr, in der
esprit-Arena gegen den Karlsruher SC. Da ist es
beruhigend zu wissen, dass man derzeit ein
schönes Polster zwischen sich und die
Abstiegsränge gelegt hat. Mal sehen, wohin die
Reise in den nächsten Wochen führt.
Natürlich, wenn
man derart souverän in Kaiserslautern gewinnt
und als Aufsteiger eine solche Bilanz hat, dann
kommt der Ein oder Andere schon mal auf schlaue
Ideen. Bei Union Berlin wurde im Umfeld ja auch
schon vom Durchmarsch fabuliert. Extra für diese
Leute hier noch eine kleine Statistik: nach zehn
Spielen hat Fortuna 17 Punkte und ein
Torverhältnis von 17:9. In der letzten Saison
hatte Fortuna nach zehn Spielen 17 Punkte und
ein Torverhältnis von 16:9, also nahezu
identisch. Und wie die letzte Saison dann
ausgegangen ist, dürfte ja bekannt sein…Viel
Spaß beim Träumen!
Bleibt Realist und
freut sich trotzdem: janus
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