|
Vorhang auf zur
vorletzten Vorstellung! Das Premiumprodukt des
DFB, die 3. Liga, biegt auf die Zielgerade ein.
Und eins kann man jetzt schon sagen, so beknackt
die ein oder andere Regelung ist, die die
Herrschaften sich da gebastelt haben, um die
Vereine aus der 1. und 2. Liga so gut es geht zu
schützen (Zweite Mannschaften in der 3. Liga,
Relegation), spannend ist es auf jeden Fall. Was
naturgemäß dazu führt, dass die Nerven bei dem
ein oder anderen blank liegen. Da dies in den
letzten Wochen leider nicht nur für die
Fußballer galt, komme ich bei dieser
Zusammenfassung leider nicht drum herum, quasi
ständig von kleinen, grünen Männchen zu
fabulieren. Leider über welche, die ich mir
nicht eingebildet habe. Obwohl es ja mit diesen
Gestalten eigentlich recht gut los ging in
Offenbach. Dann ließ es aber stark nach.
Ein schöner
Osterausflug
Am Ostersamstag,
11.04.2009, trat Fortuna auf dem Bieberer Berg
bei den Offenbacher Kickers an. Eines dieser
viel besungenen 6-Punkte-Spiele. Offenbach hatte
zuvor in der Rückrunde gut gepunktet und stand
fünf Zähler hinter uns. Würden sie gewinnen,
wären es plötzlich nur noch deren zwei. Würden
wir allerdings siegen, könnte man mit Offenbach
den nächsten Konkurrenten wohl endgültig
abhängen.
Es war ein Samstag
mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen
weit über zwanzig Grad. Schön, wenn dann auch
noch die Anreise dazu passte. Offenbach ist für
mich ja quasi ein Heimspiel, keine 200 km von
Bonn aus. Da ist es umso erfreulicher, wenn man
die gesamte Strecke staufrei zurücklegen kann
und schon relativ zeitig am Stadion ist. Einige
andere waren allerdings noch zeitiger. Der
Gästeparkplatz war zu diesem Zeitpunkt (zwei
Stunden vor dem Spiel) schon gut gefüllt und
ließ erahnen, was da noch so alles anrücken
würde. Fortuna rief, und alle kamen, möchte man
fast sagen. Sogar der Reisebus der DEG wurde von
Fortuna-Fans gechartert, ist doch egal, was
drauf steht, wichtig ist der Inhalt. Es waren
insgesamt über 3.000 Fortunen in Offenbach an
jenem Nachmittag.
Anderswo – zum
Beispiel in Düsseldorf, wie noch zu zeigen sein
wird – kommt die Polizei dann in
Schwierigkeiten, wenn sie einen An- und Abmarsch
von mehr als 500 Fans zu begleiten hat,
besonders, wenn diese samt und sonders vom DFB
schon seit Jahren den Stempel „Problemfans“
unsichtbar auf der Stirn tätowiert haben. Hier
war es nicht der Fall, und wenn das schon mal
vorkommt, sollte man dies auch entsprechend
würdigen. Die Truppe, die an jenem
Samstagnachmittag rund um den Bieberer Berg
aufgefahren war, gehörte mit zum Besten, was man
in diesem Bereich bislang gesehen hat.
Energisch, aber höflich, kompetent und
auskunftsfreudig, immer bemüht, möglichst nur
dabei zu sein anstatt mittendrin. Und wenn es
die Situation erlaubte, eben auch so locker
drauf wie man es sich wünscht. Als ich vom
Gästeparkplatz ging, war in der Nähe meines
Wagens gerade ein kleiner Van angekommen. Sechs,
sieben Leute stiegen aus und begannen,
angesichts der Mittagsstunde und des schönen
Wetters, die Grillutensilien auszupacken!
Anderswo – z.B. in Düsseldorf – hätten man die
gefährlichen Pyrotechniker sofort mal
eingekesselt und die Personalien festgestellt.
Hier ließ man sie gewähren. Man musste außerdem
feststellen, dass die hessische Polizei bei
ihren Einstellungskriterien für weibliche Kräfte
wohl auch ein gutes Händchen beim optischen
Eindruck hatte; mehrere Fortuna-Fans verliebten
sich unsterblich in diese hübschen Mädels. Einer
wagte sich sogar an die Dame seines Herzens
heran und fragte locker nach ihrer
Telefonnummer. Daraufhin erhielt er nicht – wie
z.B. in Düsseldorf – die Antwort: „Verpiss
dich“, sondern ein ebenso lockeres „Versuch doch
mal die 110.“ Gerüchteweise soll er es auch
probiert haben, aber es war nur ihr Freund dran…
Einige Damen der
Reiterstaffel ließen sich auch hoch zu Ross mit
einigen Fans ablichten. Dabei wurde sogar nett
in die Kamera gelächelt und der Fotograf nicht –
wie z.B. in Düsseldorf – abgeführt und die
Kamera konfisziert.
Einen anderen Fan
möchte ich hier aus dem Fortuna-Forum zitieren:
„So, bisher alles schon geschrieben worden, bis
auf ein Top: Nach Ankunft mit dem normalen Zug
(der S-Bahn) in Offenbach-Ost von nettem Team
Green/Blue zum Stadion geleitet worden. Der Chef
hatte ein Funkmikro und hat den DJ gemacht. Ruft
irgendjemand zum Spaß: Mach doch ma Mucke! -
Drei Minuten später liefen über die fetten
Tröten des Einsatzwagens die Toten Hosen mit dem
FC Bayern-Lied. Unglaublich.“ Ergänzung von mir:
Zum Glück gibt’s keine Fotos oder Videos von dem
Vorgang, nicht dass der Mann noch Ärger bekommt…
So einfach geht
das. Aber es scheint ja nicht gewollt zu sein.
Deshalb sollte man es ruhig mal erwähnen, wenn
es denn schon vorkommt. Wird auch in der
Folgezeit des Berichts weniger werden,
versprochen. Leider.
Nun, da die
Polizei und die Gästefans nicht weiter negativ
auffielen, mussten wohl die Gastgeber in die
Bresche springen. Sorry, liebe Offenbacher, ich
weiß…Bieberer Berg, Tradition und so – aber das
bedeutet nicht, dass man solch einen
Trümmerhaufen von Gästeblock anbieten muss.
Außerdem frage ich mich immer, worin der Sinn
besteht, wenn Gästekarten zwei Wochen vorher an
den Gastverein zum Verkauf abgegeben werden. Das
könnte dazu dienen, sich ein ungefähres Bild zu
machen, wie viele Gäste denn so anrücken werden.
Eins stand ziemlich schnell fest: mit 3.000
hatte niemand gerechnet. Der Gästeblock ist der
einzige Teil des Offenbacher Stadions, welcher
nicht überdacht ist. Da pferchte man einen
Großteil der Fans in der prallen Sonne ein und
stellte ihnen, weil man großzügig sein wollte,
einen Verpflegungsstand zur Verfügung. Einen! 15
Minuten nach Spielbeginn war bei dem sogar das
Wasser (!) ausgegangen, das muss man sich mal
vorstellen. Vorstellen darf man sich auch gerne,
wie die 5 (fünf) Dixie-Klos ausgesehen haben
mögen, die sich dort befanden. Aber am besten
nicht grad beim Essen. Das war schon kein Witz
mehr, das war unmöglich. In der Pause brauchten
einige Fans bis zu 30 Minuten, um sich am
nachbelieferten Stand etwas zu trinken zu
besorgen. Was sie dadurch verpassten, wird noch
zu berichten sein, aber selbst wenn auf dem
Rasen absolut nix passiert wäre, diese Zustände
waren wirklich unhaltbar und lassen einen
darüber nachdenken, was man beim DFB allgemein
so von Gästefans hält, wenn man solche
Bruchbuden ohne Auflage genehmigt. Natürlich
kommen sonst nicht so viele Gästefans dorthin,
wenn man gegen Sandhausen, Unterhaching oder
Emden spielt. Dann aber einfach zu ignorieren,
dass man Vereine wie Fortuna, Dynamo Dresden
oder Eintracht Braunschweig in der Liga hat, ist
schon eine sträfliche Nachlässigkeit. Die
konnten froh sein, dass es nicht den einen oder
anderen Hitzekollaps im Block gab.
Wahrscheinlich wieder mal frei nach dem Motto:
solange nix passiert, geht’s ja noch.
Nach so viel
Vorgeplänkel konnte nunmehr zum Spiel
geschritten werden, über dessen Wichtigkeit ja
schon gesprochen wurde. In der ersten Halbzeit
vor 13.000 Zuschauern war davon allerdings noch
nicht viel zu merken, oder anders: keine einzige
echte Torchance für Fortuna. Die eigentlichen
Highlights waren eher im hinteren Bereich zu
finden. Ex-Offenbacher Sieger entpuppte sich als
der große Pechvogel in der alten Heimat: nach 6
Minuten sah er Gelb, nach 10 Minuten war die
Partie mit Verletzung für ihn bereits beendet.
Und die Saison wahrscheinlich auch, denn mit
Innenbandeinriss hat er mindestens vier Wochen
Pause. Diese Rückkehr hatte sich Sieger, der
vier Jahre am Bieberer Berg kickte, sicher
anders vorgestellt, zumal er im Stadion von den
meistens Fans und auch vom Stadionsprecher
eigentlich recht herzlich begrüßt worden war.
Reichlich unaufgewärmt kam Claus Costa für ihn
ins Spiel, und der schöne Claus machte aus dem
Stand eines seiner besten Spiele für Fortuna.
Erstaunlich auch der junge Kai Schwertfeger aus
der Zwoten, der von Beginn an als linker
Verteidiger auflief, und zwar derart, dass man
den etatmäßigen Spieler auf dieser Position,
Fabian Hergesell, kein Stück vermisste, zumal
der zuletzt völlig außer Form spielte. Offenbach
hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel,
aber mehr als eine dicke Chance für Becker, der
einen schönen Pass in den Strafraum mit langem
Bein aufs Netz lupfte, sowie kurz vor der Pause
ein Fast-Eigentor vor Schwertfeger nach
Hereingabe von links sprang nicht heraus.
Fortunas Abwehr stand recht sicher, und auch
Melka griff nur einmal am Ball vorbei, aber da
stand niemand hinter ihm.
Anfang der zweiten
Halbzeit hielt Melka erst noch einen Flachschuss
von Haas, dann knipste Fortuna den OFC binnen 5
Minuten aus. In der 50. Minute wird Heidinger
von Jovanovic angespielt, setzt sich rechts im
Strafraum durch, und als alles auf den Pass in
die Mitte wartet, wuchtet er die Kugel ins lange
Eck. Guck an, der Heidi, wird langsam wirklich
noch zum Torjäger bei uns, schon sein zweites
Tor binnen noch nicht mal 14 Tagen! Fünf
Minuten später staubte Jovanovic zum
vorentscheidenden 2:0 ab, als die Offenbacher
nach einer Ecke den Ball nicht wegbekamen. Und
plötzlich lief das Bällchen. Wiederum vier
Minuten später hätte Caillas alles klar machen
müssen, aber er trampelte auf unseren Nerven
herum, indem er völlig frei an Wulnikowski
scheiterte. Jovanovic hatte rechts an der
Torauslinie mit einem einfachen Hackentrick
gleich zwei Offenbacher stehen lassen, war in
den Strafraum gelaufen, hatte den dritten
Abwehrspieler auf sich gezogen und dann Caillas
bedient, der am 5-m-Raum völlig frei stand, und
der brachte das Kunststück fertig, den Ball
nicht richtig zu treffen, sodass Offenbachs
Keeper Wulnikowski noch parieren konnte.
Unglaublich. Anschließend versuchten die
Offenbacher zwar Powerplay, aber es sprang dabei
nur noch ein gefährlicher Schuss heraus, den
Melka gut parieren konnte. Zum Schluss hätte es
für die Kickers noch richtig bitter werden
können, aber wieder scheiterte Caillas völlig
frei an Wulnikowski, nachdem er mit
beeindruckendem Solo über den halben Platz die
Offenbacher Abseitsfalle ausgehebelt hatte. Auch
Kastrati und der eingewechselte Lawaree hätten
noch einnetzen können. Das wäre in dieser Höhe
sicherlich nicht gerechtfertigt gewesen, aber es
zeigt, dass Fortuna eine richtig gute zweite
Halbzeit ablieferte.
Wermutstropfen:
alle drei Wechsel (Sieger, Jovanovic,
Schwertfeger) erfolgten verletzungsbedingt, hat
man ja auch nicht alle Tage. Zum Glück war es
bei Jovanovic und Schwertfeger nichts Ernstes.
Nach dem Spiel gab
es aufgrund einer etwas unverständlichen
Polizeitaktik noch einen kleinen Ausflug, aber
auch völlig ohne Stress: Man durfte nicht vom
Gästeparkplatz auf die Hauptstraße fahren, keine
Ahnung, warum, die Straße war in dieser Richtung
dicht gemacht. Man musste hintenrum, wurde über
Stock und über Stein und an ein paar
Schrebergärten vorbei gelotst, nur um
anschließend festzustellen, dass der Zubringer
zur Autobahn A 661 ebenfalls dicht gemacht war.
Also weiter zur nächsten Auffahrt. Das gab dann
einen netten Autokorso durch die Offenbacher
Innenstadt, inklusive Rathaus und Marktplatz.
Nach einer Niederlage hätte man sicherlich mehr
geflucht, natürlich, aber so war es fast schon
ein Spaß. Zumal man am Ende noch etwas geboten
bekam, der nächste Zubringer war nämlich ein
wahrhaft riesiger Kreisverkehr (Taunusring?),
den man an der letzten Ausfahrt zur Autobahn hin
verlassen musste, also quasi einmal komplett
durchfahren musste. So ein großes Teil hab ich
noch nie gesehen, als ich auf der „Außenbahn“
fuhr, dachte ich, ich werde gleich in die
Erdumlaufbahn geschossen. Im Endeffekt ein sehr
gelungener Osterausflug. Man lernt ja gerne
dazu. Genau wie die Mannschaft anscheinend. Die
hatten sich eine Halbzeit lang angeschaut, was
Offenbach machte und dann eiskalt zugeschlagen.
Warum nicht immer so?
Ein Kessel ist ein
Kessel ist ein Kessel oder
Was vom
Spitzenspiele übrig blieb…
Am Sonntag, den
19.04.2009, erschien der Tabellenführer und
sichere Aufsteiger Union Berlin zum Spitzenspiel
in der LTU-Arena. Was davon als erwähnenswert
übrig blieb, fasste der Verein Fortuna
Düsseldorf noch am selben Abend in eine
Pressemitteilung, die ich hier zitieren möchte:
„Pressemitteilung 046/2009 vom 19.04.2009
Fortuna Düsseldorf distanziert sich von
Polizeieinsatz
Bei Meisterschaftsspiel gegen Union Berlin am
Sonntagnachmittag
Fortuna Düsseldorf
distanziert sich vor dem Hintergrund der zurzeit
vorliegenden Fakten in deutlicher Form vom
massiven Einsatz von Polizeikräften gegenüber
Fußballfans von Union Berlin und Fortuna
Düsseldorf im Rahmen des Meisterschaftsspiels am
Sonntagnachmittag.
Wie Rücksprachen
ergaben, ging nach Kenntnisstand des Vereins
weder von Fortuna- noch Union-Fans vor, während
oder nach dem Spiel vorsätzliche Gewalt aus.
Vor allem die über
Stunden dauernde Festsetzung von Anhängern, aber
auch unbeteiligten Personen in einem Restaurant
in der Nähe der LTU arena wird vom Verein
kritisiert. Es war nicht möglich, von den
verantwortlichen Einsatzkräften eine Begründung
hierfür zu erhalten.
Weiterhin
verurteilt Fortuna Düsseldorf unberechtigte,
körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter des
Vereins, obwohl diese lediglich von ihrem
verbrieften Hausrecht Gebrauch machten und
deeskalierend auf die Gesamtsituation einwirken
wollten.
Fortuna Düsseldorf
wird in den kommenden Tagen sachdienlichen
Hinweisen nachgehen und zur weiteren Aufklärung
aktiv das Gespräch mit den verantwortlichen
Polizeikräften suchen. Danach wird sich der
Verein zu dem Gesamtverhalt nochmals äußern.“
Die Hintergründe:
Überschattet wurde
das Spiel von einer Präventivmaßnahme der
Polizei wie zu ganz alten Zeiten. Im Vorfeld der
Partie wurden ca. 250 Fans an einer Kneipe in
Stadionnähe von der Polizei eingekesselt und
mehrere Stunden festgehalten, weil sie, so die
offizielle Angabe der Polizei, „einen
aggressiven Eindruck“ machten. Mehrere
Stammgäste der Kneipe in gesetzterem Alter
müssen wohl auch bedrohlich den Krückstock
geschwungen haben, die
wurden nämlich auch gleich da behalten und
gezwungen, den Rest des Nachmittages in der
Kneipe zu verbringen. Wohlgemerkt, es gab keinen
einzigen Vorfall vor dem Spiel, die sahen halt
nur so aggressiv aus. Die Kneipe wurde
anschließend vom Polizeisprecher öffentlich als
„Hooligan-Kneipe“ diffamiert, was die meisten
Leute, die dort regelmäßig verkehren, ziemlich
erstaunen dürfte, zumal sie mangels Kenntnis
wahrscheinlich Schwierigkeiten hätten, das Wort
beim ersten Aussprechen unfallfrei zu
buchstabieren. Somit auch noch eine
Rufschädigung erster Garnitur für den Pächter,
am nächsten Tag in jeder Düsseldorfer Zeitung
nachzulesen. Gestützt wurde diese Erkenntnis
natürlich auf „interne Quellen“, die den Vorteil
haben, dass man sie nicht offen legen muss.
Somit also auch keine Begründung. Angeblich
hatte man sich eine richterliche Anordnung zur
Durchführung dieser Maßnahme besorgt, die
allerdings auch noch kein Mensch gesehen hat. Es
sollte mich auch schwer wundern, wenn sich ein
Richter dazu bereit erklärt hätte, mehrere
Hundert Personen aufgrund eines negativen
Eindrucks stundenlang festzusetzen. Falls es
eine entsprechende Anordnung geben sollte, ist
diese vom Einsatzleiter sicherlich „etwas weiter
als beabsichtigt“ ausgelegt worden.
Diese Kneipe ist
der Polizei schlicht ein Dorn im Auge. Das hat
allerdings nix mit Hooligans zu tun, sondern mit
der Tatsache, dass es die letzte Kneipe vor der
Arena ist, nur eine U-Bahn-Station entfernt, was
dazu führt, dass sich dort vor einem Spiel eben
mehr Fans treffen als zum stilvollen
Gedankenaustausch am Rheinufer. Besonders
verdächtig ist die Tatsache, dass es vor dem
Ziehen dieses Kessels keinen einzigen
Zwischenfall an jenem Tag gegeben hatte. Es war
also von etwas längerer Hand geplant, an diesem
Tag mal richtig präventiv zuzuschlagen.
Übrigens war dies
erst die zweite Begründung. Die erste war
dermaßen lächerlich, dass man nicht glauben
kann, dass Beamte des höheren Dienstes sich
überhaupt trauen, so etwas rauszuhauen. Zunächst
hieß es nämlich, die Polizei habe ca. 150
Berliner Hools aus den Augen verloren, man
befürchte einen Aufmarsch an der Kneipe, um
Gewalttätigkeiten auszutauschen. Daher zog man
einen Kessel um die Lokalität. Man muss sich das
wirklich auf der Zunge zergehen lassen:
diejenigen, die als potentielle Straftäter,
„Berliner Hools“, bezeichnet wurden, und die man
„aus den Augen verloren hatte“ (150 Mann!), die
ließ man ungehindert zur Arena gelangen,
diejenigen, die man laut dieser Aussage
„schützen“ wollte, sperrte man ein und erklärte
den Spieltag für beendet. Bzw. nicht, denn um
die Deeskalation noch auf die Spitze zu treiben,
wurde den Leuten im Kessel versichert, sie
würden pünktlich zum Spielbeginn in der Arena
sein. Und ich wette, eine dieser Blitzbirnen hat
das auch noch um 14.30 Uhr gesagt…
Wer aus der Kneipe
vor 16.00 Uhr raus wollte, durfte dies auch. Und
zwar in Polizeigewahrsam, nebst Feststellung der
Personalien.
Dasselbe versuchte
man übrigens mit ca. 150 Union-Fans, denen man
den Einlass in die Arena verweigern wollte,
ebenfalls ohne Begründung. Ich weiß nicht, ob es
sich hierbei um den „verlorenen Haufen“
handelte, der, wenn er denn ach so gefährlich
war, schon längst hätte festgesetzt werden
müssen. Hier überließ man das Problem den
Ordnern, und die überließen es schleunigst den
Berliner Fans, die, als sich dies herumsprach,
zu Beginn des Spiels zahlreich den Gästeblock
verließen und dafür sorgten, dass diese Leute
noch ins Stadion „durften“.
In der Arena
selbst wurden noch während des Spiels ca. 80
Personen aus dem Fortuna-Fan-Block, die aus
Protest das Stadion verlassen wollten, von der
Polizei festgehalten. Die waren jetzt plötzlich
verdächtig, pyrotechnisches Material am Mann
bzw. an der Frau zu haben. Verdachtsmomente:
keine, es war im Umfeld des Spiels außer
Zigaretten nichts gezündet worden. Der
Fan-Beauftragte und der Sicherheits-Beauftragte
des Vereins, mit so etwas Demokratisch-Albernem
wie Hausrecht ausgestattet, die beide
deeskalierend eingreifen wollten, störten da
natürlich die Stimmung der Polizei, mal ein
Zeichen setzen zu wollen. Dementsprechend fiel
auch deren Behandlung aus. Im Falle des
Fan-Beauftragten sagte der Polizeisprecher
genüsslich: „Er wurde fünfmal des Platzes
verwiesen und anschließend entfernt.“ Nebenbei
stolperte er wohl noch unglücklich und zog sich
Prellungen und Schürfwunden zu. Niemals würde
ich sagen, dass er vorsätzlich den ein oder
anderen Was-auch-immer von der Staatsmacht
kassierte. Muss ich auch gar nicht, waren ja
genug Zeugen dabei. Der Sicherheitsbeauftragte
hingegen wurde geradezu sträflich
vernachlässigt, da er mit ein paar Ohrlaschen
davon kam und das Feld räumte, nachdem auch ihm
ein ordentlicher Schellenbaum angekündigt wurde.
Dieses tätliche Vorgehen gegen Angestellte des
Vereins war auch der Grund, warum Fortuna so
kurz nach dem Spiel die oben zitierte
Presseerklärung veröffentlichte. Normalerweise
macht man so etwas nicht, und normalerweise,
muss man ja auch sagen, geht einer solchen
Eskalation meist auch eine Provokation seitens
der Fans voraus (über die dann eingesetzte
Verhältnismäßigkeit der Mittel ließe sich auch
in diesen Fällen natürlich trefflich streiten).
Aber diesmal war absolut nichts vorgefallen.
Vielleicht wollte man ja auch präventiv die
Besucher der DTM-Saisoneröffnung vor möglichen
Besuchen des „Packs“ schützen? Die fand
zeitgleich auf der Kö statt und zog immerhin
200.000 Leute an. Ich könnte mir das
vorstellen.
Und wenn es bis
hierher schon unglaublich war, dann wird es
jetzt noch besser. Und deshalb sollten auch
diejenigen, die sich nicht für Fortuna und nicht
für Fußball interessieren (trifft beides zu,
dann herzlichen Dank, dass ihr trotzdem hier
lest), das nachfolgende Zitat ganz langsam
lesen, meinetwegen auch mehrfach. Denn neben den
Fußball-Fans, die sich an jenem Tag nicht das
Geringste zu Schulden hatten kommen lassen,
waren ja auch gänzlich am Fußball Unbeteiligte
dabei, die in der Kneipe oder draußen im
Biergarten saßen, und die sich dann auch einen
„schönen“ langen Sonntag machen durften,
entweder in der Kneipe „unter Verschluss“ oder
in Polizeigewahrsam. Wenigstens zu denen wurde
der Herr Polizeisprecher befragt, und ich hoffe
mal für ihn, dass er bei der Antwort nicht breit
grinsen musste. Wie es Leute halt tun, die
wissen, dass sie sich alles erlauben können,
weil man sie sowieso nicht dran kriegen kann.
Hier die Antwort des Polizeisprechers Rodax
(okay, der konnte sicherlich nix dafür, der ist
ja nur der Lakai, der es übermitteln muss), die
ich besonders all jenen ans Herz legen möchte,
die immer noch glauben, wir lebten in einem
Rechtsstaat und nicht in den USA:
„Aber wer sich an
einem solchen Tag in so ein Lokal begibt, muss
im schlimmsten Fall davon ausgehen, dass er
Opfer von Maßnahmen wird, die ihm nicht passen.”
Und ich bitte,
diese Lektion nicht zu vergessen, die die
Polizei uns hier am 19.04.2009 erteilte:
Fußball-Fans = asozial. Mehr als, sagen wir, 50
Fußball-Fans in und vor einer Kneipe =
aggressiver Eindruck. Kneipe, die mehr als 50
solcher aggressiven Eindrückler beherbergt =
Hooligan-Treff. Maßnahme: Kessel,
Freiheitsentzug für mehrere Stunden ohne
Begründung. Und wenn Du zufällig an einem so
strahlend schönen Tag wie jenem Sonntag
spazieren gehst und bekommst Hunger oder Durst,
und Du stehst zufällig grad vor solch einem
„Hooligan-Treff“, wo die Leute Dich auch mit
einem solch „aggressiven Eindruck“ anscheinend
nicht davon abhalten können, das Lokal zu
betreten – dann hast Du halt Pech gehabt.
Kessel, Polizeigewahrsam und Aufnahme der
Personalien als Maßnahme, die Dir nicht passt.
Dazu mit ziemlicher Sicherheit die Aufnahme in
die Datei „Gewalttäter Sport“. Und das alles
nur, weil Du bei dem schönen Wetter mal eben
raus wolltest…
Schlusswort: die
Polizei bezeichnete die Aktion am Abend als
„gelungen“. Ich glaube, das sollten wir auch.
Hätten ja auch alles Terrorverdächtige sein
können, dann wäre es noch ganz anders
abgegangen…aber geben wir der Düsseldorfer
Polizei doch noch drei, vier Spiele…
Ach ja, Fußball gespielt wurde
auch.
Fortuna verlor 0:1 durch ein Tor
von Benyamina in der 75. Minute - es war der
zweite Torschuss des Aufsteigers im Spiel. Der
Rest war wie in jedem der letzten Heimspiele,
die alle unentschieden ausgingen. Fortuna hat
einfach nicht die Qualität, sich gegen Teams
durchzusetzen, die nur hinten drin stehen.
Selbst Union-Trainer Neuhaus war nach dem Spiel
unzufrieden mit seiner Mannschaft, die überhaupt
nicht versucht hatte, nach vorn zu spielen. Die
legten eine richtige Null-Bock-Stimmung an den
Tag, als sei ihnen eh alles egal. Aber was
Unsere in dieser Saison dann aus dieser
Feldüberlegenheit machen, ist ja nicht erst seit
diesem Spiel bekannt. Ich könnte noch nicht
einmal große Torchancen schildern, die man sich
aufgrund der permanenten Überlegenheit heraus
spielen konnte, es gab keine. Zu nennen wäre ein
Schuss von Heidinger vom linken Strafraumeck,
nachdem er einen Freistoß schwach in die Mauer
gebolzt hatte, erwischte er den Abpraller,
setzte sich gegen seinen Gegenspieler durch und
schlenzte die Kugel von links Richtung rechter
oberer Winkel. Durchaus „Tor des
Monats“-verdächtig, ein tolles Ding, aber mit
einer ebensolchen Parade kratzte Union-Keeper
Jan Glinker den Ball noch über das Tor. Dann
vielleicht noch, dass Lambertz am 5-m-Raum von
rechts schön bedient wurde und wahrscheinlich
selbst überrascht war, so frei zu stehen. Prompt
traf er den Ball nicht richtig, somit keine
Gefahr für Glinker. Aber sonst? Mir fällt nix
mehr ein, zu ideenlos war das Anrennen gegen
einen Gegner, der sich lediglich in der Abwehr
zweitligareif präsentierte. Nach vorne kam von
denen so gut wie gar nix, aber das musste ja
auch nicht. Sie wussten, sie würden die eine
Möglichkeit noch bekommen, wenn bei uns die
Konzentration nachlassen würde. Sie bekamen sie,
machten sie rein und gewannen das Spiel. Der
größte Aufreger des Spiels kam eigentlich
danach, als der Ex-Fortune Macchambes
Younga-Mouhani behauptete, er sei vom
Noch-Fortunen Olivier Caillas während des Spiels
in einer Szene rassistisch beleidigt worden.
Jedoch hatte es niemand außer ihm gehört, auch
nicht FIFA-Schiedsrichter Stark (mittwochs noch
Arsenal gepfiffen, sonntags zu Fortuna gegen
Union, ich hoffe, er hat das nicht als Strafe
empfunden), der in unmittelbarer Nähe stand und
Caillas nicht des Feldes verwies. Das juckte in
Berlin allerdings niemanden, die Aussage von
Younga-Mouhani wurde einfach als Tatsache
akzeptiert und genau so veröffentlicht. Dies
veranlasste Caillas, seine Anwälte
einzuschalten, die in der „B.Z.“ (Berliner
Zeitung) eine Gegendarstellung schalten ließen:
„22.
April 2009 12.11 Uhr
Gegendarstellung
von Olivier Caillas.
Auf
www.bz-berlin.de haben Sie unter der Überschrift
„Union-Skandal - Younga als Neger bechimpft“
unter anderem behauptet, ich habe Macchambes
Younga-Mouhani einen „Neger“ genannt.
Diese Behauptung
trifft nicht zu. Ich habe mich weder wörtlich
noch sinngemäß so geäußert.
Olivier Caillas
Düsseldorf, im
April 2009“
Und was antwortet
eine Redaktion, von der man eigentlich meinen
sollte, sie sei bei der Berichterstattung der
journalistischen Sorgfaltspflicht zugetan?
Genau, Folgendes:
„Herr Caillas hat
Recht, die Redaktion“.
Jaja, Rufmord ist
halt im Verein am schönsten. Und wenn die „B.Z.“
dahin gehend noch Nachholbedarf haben sollte,
kann sie ja noch mal beim Düsseldorfer
Polizeisprecher anfragen. Der hat bestimmt noch
ein paar Tipps übrig.
Union steigt also
auf, wir seit jenem Spieltag erstmals nach
Wochen noch nicht mal mehr über die Relegation,
denn die SpVgg Unterhaching, die derzeit einen
Lauf hat und alles wegknallt, gewann auch in
Stuttgart und zog an uns vorbei. Außerdem verlor
Paderborn sein Heimspiel gegen Dresden. Fortuna
somit nur noch Vierter, drei Punkte Rückstand
auf Paderborn (und wieder mal eine Chance
verpasst, gleichzuziehen) und zwei auf die
Bobfahrer aus dem Münchner Süden.
In den Ereignissen
rund um das Spiel ging völlig unter, dass
Fortuna einen neuen Zuschauerrekord für die noch
junge 3. Liga aufstellte. Und vor allem, dass
dies ein Verdienst der Fans war, die quasi
eigenmächtig die Aktion „25.000 +“ auf die Beine
gestellt und durchgezogen hatten. Hierüber habe
ich schon im letzten Bericht geschrieben. Als
Krönung des Einsatzes ungezählter Fans, die
wirklich überall in der Stadt Flyer verteilten
und Plakate aufhängten (wo es ihnen erlaubt
wurde), setzte der neue Pächter des Vereinsheim,
das seit der Pachtübernahme nunmehr „BAR95“
heißt, noch einen drauf: er ließ die Bar in den
letzten Tagen vor dem Spiel 24 Stunden am Tag
geöffnet und verkaufte zu jeder Tages- und
Nachtzeit Eintrittskarten. Eigentlich
unglaublich, genau wie der weitere Einsatz der
Fans, die die Botschaft unters Volk brachten.
Das Ergebnis waren 27.300 Zuschauer. In der 3.
Liga. Obwohl das Spiel auf Sonntag verlegt
wurde. Und obwohl Fortuna in den Wochen zuvor
grausam gespielt hatte (Ausnahme nur die zweite
Hälfte in Offenbach). Und obwohl zeitgleich auf
der Kö die DTM ihre Saisoneröffnung feierte. Ein
Ergebnis, das zeigt, was hier alles gehen
könnte. Vor allem aber ein Ergebnis, auf das die
Initiatoren und die Beteiligten der Fan-Aktion
verdammt stolz sein können. Ich hoffe, sie sind
es auch. Denn die ihnen eigentlich zustehende
Anerkennung ging nach dem Spiel völlig unter in
einem Polizeieinsatz, den bis heute niemand
nachvollziehen kann. War halt auch so eine
Maßnahme, die einem nicht passte. Daher auch an
dieser Stelle von mir noch mal herzlichen Dank
an alle, die an der Initiative beteiligt waren.
Offenbarungseide
Dass ich in diesem
Bericht leider weiterhin nicht um den
Themenkreis Polizei, Ordner, Organisation von
Fußballspielen, insbesondere Risikospielen herum
komme, liegt an der auf das Union-Spiel
folgenden Paarung. Nur 5 Tage später fand
nämlich das statt, was man in der Stadt mit der
Schwebebahn für ein Derby hält: das Spiel der
Fortuna beim Wuppertaler SV. Und eingedenk der
Vorkommnisse im Hinspiel (siehe dort) und des
Einsatzes der Polizei nur fünf Tage zuvor (siehe
oben), musste man eigentlich schon mit dem
Schlimmsten rechnen. Und das gab es auch.
Allerdings eher nicht neben dem Rasen, obwohl es
dort auch nicht schön war.
Am 24.04.2009
musste Fortuna also beim Wuppertaler SV
antreten. An einem Freitag. Das war schon selten
intelligent. Zusätzlich wurde der Anstoß sogar
noch eine Stunde vorverlegt, auf 18.30 Uhr. Wer
sich das ausgedacht hat, den hätte ich gern mal
am Ausgang der Schwebebahnhaltestelle Zoo
festgebunden. Damit er mal so einen Eindruck
bekommt, wie es sich anfühlt, wenn er ein
Hochsicherheitsspiel nicht nur auf einen
Wochentag verlegt, sondern auch ohne Not dafür
sorgt, dass der Berufsverkehr auch noch was
davon hat. Der WSV wollte das Spiel samstags
austragen, konnte sich aber nicht durchsetzen.
Natürlich.
Und so gab es
wieder mal das übliche Bild: Polizei, wohin man
schaute, Hunde, mobile Arrestzellen, alles am
Start. Eintrittskarten für Gäste gab es nur im
Vorverkauf, nur bei der Fortuna-Geschäftsstelle,
nur für Mitglieder und Dauerkartenbesitzer. Man
könnte glatt meinen, dass man sich daraus vor
dem Spiel ein Bild hätte machen können, wie
viele Gästefans anreisen würden, um dies bei der
Organisation ein wenig zu beachten. Aber das
hatte ich ja schon zum Offenbach-Spiel
geschrieben. Selbstverständlich war dies auch in
Wuppertal nicht der Fall. 6.000 Fortunen in
Wuppertal, schon brach so einiges zusammen.
Insbesondere die Einlasskontrolle im Gästeblock,
die so langsam von statten ging, dass die Leute
zum Teil eine Stunde vor dem Eingang standen und
keinen Schritt vorwärts kamen. War ja auch soooo
schlecht vorhersehbar, wenn die Passagiere eines
kompletten Sonderzugs zu Fuß zum Stadion
geleitet werden, dazu noch die Fortunen aus den
regulären Bahnen, die man ebenfalls am Bahnhof
Sonnborn aus dem Zug holte (das hat Tradition)
und zu Fuß anmarschieren ließ, um zu verhindern,
dass sie alle die Schwebebahn enterten, denn die
Schwebebahnhaltestelle Zoo liegt nun mal direkt
am Heimeingang. Hätte man sich also denken
können, dass mit diesen Maßnahmen einige Tausend
Gästefans gleichzeitig am Gästeeingang
aufschlagen würden. Aber zum Denken hatte man
offensichtlich keine Lust.
Um kurz nach 18
Uhr wurde bekannt gegeben, dass das Spiel erst
um 18.40 Uhr angepfiffen werden würde, wegen des
großen Gästeandrangs. Ach nee. Um 18.40 Uhr
wurde bekannt gegeben, dass das Spiel erst um
19.00 Uhr angepfiffen werden würde, wegen des
großen Gästeandrangs. Ach nee. Kurz nach
Spielbeginn musste ein kleiner Zusatzblock
direkt neben dem Gästeblock geöffnet werden, um
noch Fans unterzubringen, wegen des großen
Gästeandrangs. Ach nee. Das kam alles ja so
richtig überraschend…
Da fand ich es
schon eher überraschend, dass es verhältnismäßig
ruhig blieb. Dabei hatten beide Seiten durchaus
wieder Personal am Start, welches man ansonsten
wohl eher selten beim Spiel sieht. Auf
Wuppertaler Seite schossen einige dieser Honks
mit Leuchtspurmunition auf Düsseldorfer, die
gerade aus Versehen an der
Schwebebahnhaltestelle gestrandet waren. Dies
hatte wohl auch die Polizei so sehr verwirrt,
dass sie es vergaßen, die Täter einzukassieren,
obwohl es genug Zeugen gab. Auf unserer Seite
enterten einige Blitzbirnen den Würstchenstand
im Gästeblock und bewarfen anschließend die
Wuppertaler Ultras auf der Haupttribüne mit
Brötchen. Das konnte man ja noch unter dem Motto
„Brot statt Böller“ sehen, allerdings waren die
entsprechenden Böller schon vorher auf dem
Marsch vom Bahnhof zum Gästeblock gezündet
worden. Ist ja auch unterhaltsam, das in einer
großen Menschenmenge zu machen. Der
Wuppi-Stadionsprecher ermahnte die Gästefans
noch, nicht mit Lebensmitteln zu werfen, da
warfen die Heimfans die Teile auch schon zurück,
sodass ihm die Argumente ausgingen. Kindergarten
halt. Umso erstaunlicher, dass dies die einzigen
Zwischenfälle im Stadion waren.
Nach dem Spiel
fuhren zwei Bahnen vom Bahnhof
Wuppertal-Sonnborn Richtung Düsseldorf. Eine um
21.03 Uhr und eine um 21.06 Uhr. Beides kaum zu
schaffen, man siehe oben, denn das Spiel war ja
mit 30 Minuten Verspätung angepfiffen worden,
was wiederum die Deutsche Bahn nicht im
Geringsten kümmerte. Die stellte dann den
Bahnverkehr gleich mal völlig ein, Grund: Am
Bahnhof in Hagen sei ein verdächtiger Gegenstand
auf den Gleisen gefunden worden, der nun erst
begutachtet werden musste. Ca. 2.000 Leute
warteten zu diesem Zeitpunkt noch auf den
Abtransport am Bahnhof Sonnborn, der leider nur
für 800 Menschen ausgelegt ist. Die Polizei tat
das, was sie in solchen Momenten tun muss, sie
sperrte den Bahnhof. Da man aber anscheinend
auch nicht wollte, dass 2.000 Leute in Sonnborn
herumliefen, bis die Bahn sich geruhte, den
Zugbetrieb wieder aufzunehmen, griff man zum nun
schon erprobten Mittel und kesselte die Fans vor
dem Bahnhof eine Stunde ein. Hier und da kam es
dann natürlich zu Zwischenfällen, die mal von
der einen, aber auch von der anderen Seite
ausgingen, denn wie gesagt, auch bei uns war
wieder einiges an asozialem Personal am Start,
das man bei Auswärtsspielen über 30 km
Entfernung nie sieht. In diesen Fällen müssen
wir uns somit durchaus auch an die eigene Nase
packen. Dass es allerdings sogar Anwohner gab,
die den wieder mal eingekesselten Fans, die sich
nicht vom Fleck rühren durften, Wasserflaschen
reichten, sollte auch nicht unerwähnt bleiben.
Schließlich nahm die Bahn den Zugverkehr wieder
auf (der verdächtige Gegenstand in Hagen war
wohl ein Autoersatzteil, das von einer nahe
gelegenen Brücke auf die Gleise geworfen worden
war), und es kamen auch noch Busse, die die
Wartenden zum Düsseldorfer Hauptbahnhof
brachten. Eins wurde dabei wieder mal mehr als
klar: einen Plan B hatte es nicht gegeben. Dann
lieber wieder ein paar Leute einkesseln und sich
in Ruhe eine Lösung überlegen. Ganz schwach.
Organisatorisch sowie vom Verhalten einiger
weniger Bekloppter auf allen drei Seiten (Wuppis,
Fortunen, Polizei) war das mal wieder ein
Offenbarungseid.
Ich persönlich
hatte, weil ich so früh angereist war, einen
klasse Parkplatz, ziemlich direkt am
Stadioneingang. Von dort kommt man direkt auf
die Hauptstraße, die auch nach kurzer Zeit auf
die Autobahn führt (A 46). Problem: diese
Hauptstraße war von der Polizei komplett
gesperrt, weil sich dort noch einige Wuppertaler
Freunde der dritten Halbzeit versammelt hatten.
Da ist dann guter Rat teuer, das kann Stunden
dauern. Aber es muss ja auch mal einen Vorteil
haben, wenn man in dieser Gegend aufgewachsen
ist. Ich fuhr also mit dem Auto hintenrum, will
sagen, hinter dem Stadion den Berg hoch, und das
ist ein Hügelchen, an dem man schön sehen kann,
warum die Gegend „Bergisches Land“ heißt,
wirklich steil bergauf, mit Serpentinen, mieser
Straße und schummriger Beleuchtung. Als habe man
sich verfahren und sei im Hochschwarzwald
gelandet. Der Berg heißt übrigens "Todtenberg",
und ich glaube, seit jenem Freitag weiß ich,
warum, wenn man da oben früher die Leute gehenkt
hat, konnte man die wirklich noch meilenweit zur
Abschreckung sehen. Auf der anderen Seite des
Stadions ging es wieder genauso steil runter et
voilà - richtig kalkuliert, genau vor der
Sperrung raus gekommen, die begann auf der
Hauptstraße rechts von mir, ich bog lässig nach
links ab und war in zwei Minuten auf der
Autobahn. Ein Hoch auf noch rudimentär
vorhandene Ortskenntnisse!
Zwischendurch gab
es natürlich auch Fußball. 0:0. Und das war der
eigentliche Offenbarungseid.
Der WSV war das
mit Abstand schlechteste Team, das ich in dieser
Rückrunde gesehen habe. Die schafften es, in
neunzig Minuten nicht eine einzige Torchance
herauszuspielen, gegen uns in der aktuellen Form
sicherlich schon eine Leistung. Die waren so
schwach und harmlos…in der Pause konnte ich mir
Wuppertaler Verbalinjurien gegen die eigene
Mannschaft auf der Haupttribüne anhören, die ich
hier gar nicht wiedergeben kann, ohne das Niveau
noch weiter runter zu ziehen. Ca. zehn Minuten
vor Spielende verließ ein Strom Heim-Besucher
vorzeitig die Tribüne und wanderte ab – beim
Stande von 0:0, nicht 0:4! So schlecht waren
die! Tja, und wer gegen solch eine Truppe noch
nicht einmal irgendwie einen Ball ins Netz
mogelt, der hat`s dann auch nicht verdient. Und
der steigt auch nicht auf.
Die 1.
Halbzeit war von beiden Teams dermaßen schlecht
– die könnte den insgesamt 13.000 Zuschauern
eigentlich nur damit entschuldigt werden, dass
beide Seiten noch erklären, es wäre Teil einer
besonderen Deeskalationsstrategie gewesen, um
die gereizten Fangruppen nicht weiter zu
provozieren. Falls es das war – Glückwunsch,
gelungen, alle waren sprachlos. Falls es das
nicht war – ebenfalls Glückwunsch, zur
schlechtesten Halbzeit, die ich in dieser Saison
gesehen habe. Der größte Aufreger in diesen 45
Minuten war die Auswechslung von Olivier Caillas
in der 21. Minute – Bruch des
Wadenbeinköpfchens, mindestens vier Wochen
Pause, Saison wohl auch für ihn vorbei. Na klar,
was sonst? Hätte mich auch gewundert,
wenn wir in der Rückrunde von weiteren
langwierigen Verletzungen verschont geblieben
wären. Ansonsten gibt es nichts, über das man
berichten könnte, keine zwingende Torchance,
keine knifflige Situation – nichts!
In der 2. Halbzeit
spielte Fortuna offensiver, und schon ergaben
sich die Chancen. Ja guck, hätte man das doch
mal früher gemacht! Aber so richtig zwingend war
das auch nicht. Zwei ganz dicke Dinger gab es.
Zum einen steckte Lawaree einen brillanten Ball
am Sechzehner durch an einen Mitspieler, der
dadurch plötzlich völlig frei zum Schuss kam.
Leider war es der schöne Claus, wie immer vom
Torjäger weiter entfernt als eine Kuh vom
Eierlegen, und deshalb schaufelte er den Ball
auch souverän direkt in die Arme von Keeper Maly.
Zum anderen war es Lambertz, der sich kurz vor
Schluss mit dem Mute der Verzweiflung gegen drei
Gegenspieler durchsetzte und ebenfalls den
Siegtreffer auf dem Schlappen hatte.
Anschließend rutschte ihm der Ball beim
Abschluss aus 10 Metern allerdings über
denselben, anstatt Richtung lange Ecke flog der
Ball auf die kurze, und da Maly gerade dort in
der Nähe stand, konnte er parieren und war damit
der Matchwinner für die Gastgeber, zumindest,
was den einen Punkt betraf.
Fast wären es
sogar noch drei geworden. Denn in der letzten
Aktion des Spiels kam der WSV mit Hammes
tatsächlich erstmals in der 2. Halbzeit in den
Fortuna-Strafraum. Anschließend stolperte er
über Langeneke, und nicht nur ich dachte, dass
jetzt noch der entscheidende Pfiff kommen würde.
Aber der Schiri ließ weiter spielen, was
einigermaßen unverständlich war. Allerdings
konnte man hinterher im Fernsehen sehen, dass
Langeneke noch versucht hatte, zurück zu ziehen,
Hammes aber den Kontakt gesucht und gefunden
hatte, vielleicht lag es ja daran. Oder am
schlechten Gewissen, denn der Ball kam nur zu
Hammes, weil sich Mahrt zuvor am Sechzehner mit
gestrecktem Bein, Sohle nach vorn, gegen zwei
Düsseldorfer durchgesetzt hatte. Dermaßen
eindeutig, dass niemand weiß, warum der Schiri
das nicht abpfiff. Die Elfmeter-Szene hätte also
gar nicht erst entstehen dürfen. Vielleicht ist
das dem Schiri ja zwei Sekunden später spontan
eingefallen. Glück für uns, obwohl ein Sieg für
den WSV wirklich die letzte große
Unverschämtheit an jenem Abend gewesen wäre.
Somit war das ganze Spiel eigentlich viel Lärm
um Nichts. Wie so oft bei Fortuna.
Offenbarungseide,
so weit das Auge reichte. Ein Abend für
Gerichtsvollzieher, nicht für Fußball-Fans.
Schön, dass es vorbei ist.
An jenem Spieltag
siegte die SpVgg Unterhaching übrigens 1:0 bei
Union Berlin, natürlich. Sie baute ihren
Vorsprung damit auf vier Punkte gegenüber
Fortuna aus. Paderborn hingegen verlor 0:2 in
Braunschweig, sodass wir mit diesem Gruselkick
sogar noch einen Punkt gut machten und zwei
Zähler hinter Paderborn lagen. In Paderborn
erzürnte das den Präsidenten Wilfried Finke so
sehr, dass er gleich mal zurücktrat. Aber das
heißt natürlich noch lange nicht, dass er auch
als großsponsernder Alleinunterhalter abtreten
wird. Außerdem wurde Stürmer Güvenisik
suspendiert, der sich bei seiner Auswechslung in
Braunschweig etwas zu sehr aufgeregt und sein
Trikot auf den Boden geworfen hatte. Dicke Luft
also derzeit beim Top-Aufstiegsfavoriten, der
sogar eine noch schlechtere Rückrunde spielt als
wir.
Vor das Spiel
gegen Dynamo Dresden am 02.05.2009 hatte der
Fußballgott noch die Jahreshauptversammlung
gestellt. Und da ging es mehr rund als am
Freitag zuvor auf dem Platz. Der allseits
beliebte und als kompetent anerkannte
Vorstandsvorsitzende Dr. Ernst erklärte mal
flugs seinen Rücktritt, weil er sich von den
maßgeblichen Leuten im Verein nicht genügend
unterstützt fand. Und das zu recht, wer bei
Fortuna kompetent auftritt, hat nichts zu lachen
bei den ganzen kritikresistenten
Pöstchenklebern, die im Verein durchaus an
entscheidenden Stellen sitzen. Georg Koch, der
sich mit viel Mediengetöse um einen Sitz im
Aufsichtsrat hatte bewerben wollen, zog diese
Kandidatur angesichts des Rücktritts des
Vorsitzenden, mit dem er zusammen arbeiten
wollte, gleich mal zurück, ebenso wie die
meisten der anderen Kandidaten, sodass gar nicht
erst gewählt wurde. Der aktuelle Vorstand wurde
bei der Einzelentlastung schön abgewatscht, drei
der vier Herren, darunter Thomas Allofs wurden
zwar entlastet, aber die Nein-Stimmen und
Enthaltungen zusammen waren jeweils höher als
die Ja-Stimmen, drei schallende Ohrfeigen für
die Herren, deren Echo sie allerdings noch nicht
vernommen haben, denn zum Zeitpunkt, da ich dies
hier schreibe, hat von denen immer noch keiner
was vom Rücktritt erklärt. Der Vierte im Bunde,
Hermann Tecklenburg, früher Chef beim KFC
Uerdingen und amtlich anerkannter Grund für
dessen Regionalliga-Lizenzentzug 2005 (bei
Interesse bitte dort nachlesen, ich schmeiß ja
nix weg), kam nicht so billig davon, er wurde
nicht entlastet, was ihm wenigstens mal das
debile Grinsen aus dem Gesicht zauberte, mit dem
er an diesem Abend bis zu diesem Zeitpunkt
geglänzt hatte. Insgesamt also ein
formvollendetes Misstrauensvotum. Und während
der zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende mit
null Gegenstimmen entlastet und mit standing
ovations und der Bitte, es sich noch mal zu
überlegen, entlassen wurde, stellte sein
Stellvertreter Dr. Heinrich Pröpper, einstmals
anerkannter Vasall des besten Oberbürgermeisters
aller Zeiten, wohl einen neuen Vereinsrekord
auf: null Stimmen für eine Entlastung! Der
konnte sich selbst noch nicht mal eine
Trostsimme geben, der Herr war nämlich gar nicht
anwesend. Und wurde mit diesem beeindruckenden
Votum sogar noch kommissarisch
Aufsichtsratvorsitzender, denn der eigentliche
Vorsitzende war ja zuvor zurückgetreten. Sieg
mit null Stimmen. Sensationell. Wir sind
Fortuna, wir können alles. Sogar binnen der
nächsten drei Monate zu einer außerordentlichen
Versammlung antreten. Da darf man wirklich
gespannt sein, was bis dahin und natürlich dann
geschehen mag…
Mitbekommen habe
ich immerhin noch ein negatives Vereinsvermögen
von 3,14 Mio. Euro sowie eine festgeschrieben
Schuld von 7 Mio. Euro bei der sportwelt, die
aber jetzt geregelt abgezahlt werden kann, wie
ich in einem der früheren Berichte ja schon
geschrieben hatte. Ausgehandelt hatte dies der
bereits genannte (Ex-)Aufsichtsratsvorsitzende
Dr. Ernst. Das war dann wohl ein Stück zu
kompetent für diesen Verein…
Letztes
Aufbegehren?
Dann kam der
erwähnte 02.05.2009. Mit einem glücklichen, aber
letztlich nicht unverdienten 1:0-Sieg über
Dynamo Dresden blieb Fortuna tatsächlich an den
Aufstiegsplätzen dran. Vor 15.000 Zuschauern –
darunter über 3.000 aus Dresden – erzielte
Kapitän Lambertz in der 40. Minute das Tor des
Tages, nach Traumpass von Christ und schöner
Vorarbeit von Jovanovic. Gegen zehn Dresdner
(Rot für Hübener wegen groben Foulspiels in der
75. Minute) musste man bis zum Schluss zittern
(Freistoß für Dynamo aus 17 m in der 93.
Minute), weil man sich in der zweiten Halbzeit
weigerte, auch klarste Chancen auszunutzen.
Fortuna ohne
Sieger, Caillas und Cebe (alle verletzt) hatte
zwar über weite Strecken der ersten Halbzeit
mehr Spielanteile, aber Dynamo kam
zwischenzeitlich gut auf und nutzte vor allem
die Räume im Mittelfeld. Sie hatten auch die
ersten 100%ige Chance im Spiel, die es aber
eigentlich nicht geben durfte, denn als Savran
frei gespielt wurde, stand er nu wirklich einen
Meter weit im Abseits, und der Assi hatte besten
Blick auf das Geschehen, wirklich rätselhaft,
warum da die Fahne nicht hoch ging. In diesem
Fall hatte der Fußballgott allerdings ein
Einsehen, Savran lupfte an Melka vorbei, der
Ball sprang jedoch an den Innenpfosten und dann
wieder ins Feld zurück. Bezeichnend für eine
gewisse Ideenlosigkeit der Fortuna war die
Tatsache, dass man mit der ersten richtigen
eigenen Torchance kurz vor der Pause direkt
einnetzte: nach tollem 30 m-Pass von Christ
setzt sich Jovanovic links durch, gibt flach
nach innen, und das hat ihm wohl nur Lambertz
zugetraut, der als Einziger mitgelaufen ist und
völlig frei und unbedrängt am kurzen Pfosten aus
5 m ins kurze Eck einschießen kann. Sollte wohl
eine Dresdner Abseitsfalle sein, deshalb lief
keiner der Schwarz-Gelben übermäßig motiviert
hinterher, somit kein Problem für Lambertz.
Nach der Pause
wurde Dresden noch offensiver, Fortuna hielt
dagegen, sodass sich Riesenchancen ergaben. Auf
der einen Seite kratzte Kai Schwertfeger einen
Ball vor einem einschussbereiten Dresdner von
der Linie, als Melka schon geschlagen war, auf
der anderen Seite vergab Lawaree zwei Bälle
freistehend, Jovanovic animierte Dresdens Keeper
Benjamin Kirsten, Sohn von Stürmerlegende Ulf
Kirsten in seinem ersten Pflichtspieleinsatz für
Dynamo, mit zwei Schüssen aus 16 Metern zu
tollen Flugeinlagen; als der Stürmer allerdings
eine Viertelstunde vor Schluss das Kunststück
fertig brachte, auf Vorarbeit von Lawaree aus
fünf Metern das leere Tor nicht mal ansatzweise
zu treffen, war jedem klar, dass der seiner Form
weiterhin meilenweit hinterher läuft.
Folgerichtig wurde er gegen Kastrati
ausgewechselt, folgerichtig vergab der kurz vor
Schluss den nächsten Hochkaräter, als er frei
vor Kirsten diesen überlupfte, der Ball aber nur
auf dem Tornetz landete. Dank der
„Treffsicherheit“ unserer Stürmer blieb es somit
spannend bis zum Schluss, aber Fortuna schaffte
es endlich mal wieder, den Vorsprung über die
Zeit zu retten und erstmals in einer Saison
beide Spiele gegen Dynamo zu gewinnen, sogar
beide zu null..
Und da
Unterhaching am Tag danach tatsächlich nur 1:1
gegen den Wuppertaler SV spielte, was mich sehr
erstaunte, da ich nach der Vorstellung des WSV
gegen uns hätte wetten mögen, dass bei denen
niemand in der Lage sein würde, überhaupt mal in
die Nähe des Hachinger Tores zu kommen, sind wir
tatsächlich wieder oben dran. Vier Spiele
verbleiben noch, eine englische Woche ist dabei.
Derzeit sieht es wie folgt aus:
1 Union Berlin 71
Punkte
2 Paderborn 61 Punkte
3 Unterhaching 61 Punkte
4 Fortuna 59 Punkte
Union ist durch,
der Rest wird ein Nervenspiel. Hinzu kommt, dass
alle drei Vereine nur noch Gegner aus der
unteren Tabellenhälfte haben, wobei wir nächsten
Sonntag in Braunschweig direkt mal einen dicken
Brocken vorgesetzt bekommen. Oben sind also alle
Messen gesungen, wer die besseren Nerven gegen
die nun wohl zahlreich auftretenden Maurerbrüder
aus der unteren Tabellenhälfte hat, der macht
das Rennen. Dafür sind wir ja bekanntermaßen so
richtig gut geeignet. Außerdem sind wir auf die
Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen, die wir
in der Vergangenheit eigentlich stets elegant
nicht ausnutzen konnten, wenn sie denn
vorkamen. Und somit bin ich weiter skeptisch,
denn wir sind nicht weiter als zu Beginn des
Jahres: auf dem undankbaren Platz 4. Immerhin,
Emden haben wir überholt und abgehängt, dafür
hatte aber niemand mit Unterhaching gerechnet.
Und so endet die
vorletzte Zusammenfassung der Saison. Zwei Tage
vor dem Spiel gegen Dresden sah ich übrigens den
Kinofilm „The Knowing“ mit Nicholas Cage. Ich
mag ja solche Mystery-Thriller. Der war auch so
ca. 75 Minuten lang einer, bis man der Meinung
war, jetzt könne man mal ein paar Außerirdische
ins Spiel bringen, um den Film irgendwie beenden
zu können. Unglaublich, ich bin immer noch
sprachlos über diesen Mist. Warum ich das
erwähne? Nun, wie man an dieser Zusammenfassung
sehen kann, besteht anscheinend ein gewisser
Zusammenhang zwischen überforderten
Organisatoren von Fußballspielen und
Drehbuchschreibern mit Schreibblockade nach
Seite 300: wenn ihnen nix mehr einfällt, holen
sie die kleinen grünen Männchen. Und heutzutage
ist es dann reine Glückssache, ob die zu einem
Happy End verhelfen oder noch mehr Unfug
anrichten.
Eigentlich hatte
ich aufgrund der wirklich schlechten Leistungen,
die die Mannschaft in den letzten Wochen
teilweise abgeliefert hat, den Aufstieg
abgeschrieben. Aber auch wenn die Aufgabe in den
letzten vier Spielen nicht leichter wird, zumal
bei unserer aktuellen Verletztenliste, so muss
ich nach dem Ergebnis des Dresden-Spiels sagen:
solang die dicke Frau noch singt, ist die Oper
nicht zu Ende…
Holt jetzt schon
Luft für die finale Arie: janus |