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Herzlich
willkommen im Jahr 2009!
Transfer-Kapriolen
Als der Run auf
die Transferliste einsetzte, blieben unsere
Verantwortlichen natürlich ganz ruhig. So ruhig,
dass man schon der Meinung sein könnte, sie
seien darüber schlicht eingepennt. Denn während
der Rest der Liga sich in den Kaufrausch
stürzte, reichte es bei uns zu einer einzigen
Neuverpflichtung, und die stand schon vor
Weihnachten fest: Simon Terodde (20),
Perspektivstürmer vom MSV Duisburg II, immerhin
schon mit zwei Kurzeinsätzen in der 2. Liga,
normalerweise aber in der NRW-Liga und somit
fünftklassig zuhause, wurde geholt. Was heißt
geholt? Er wurde für den Rest der Saison
ausgeliehen, mit einer Kaufoption für die
nächste. Und nicht, dass jemand meint, wir
hätten zufällig kurz zuvor Geld geerbt: diese
Ausleihe eines Fünftliga-Spielers wurde von
externen Sponsoren übernommen. Noch Fragen?
Ziemlich nah dran
war man erstaunlicherweise an Sascha Rösler.
Nachdem der von Hans Meyer in Gladbach gefeuert
worden war, fragte man pro forma mal an, zumal
Rösler in seinem ersten Ärger erklärte, wenn
möglich, in NRW bleiben zu wollen. Natürlich
hätte man keine Chance gegen Erst- oder
Zweitligisten gehabt, als aber u.a. Arminia
Bielefeld nach kurzer Bedenkzeit doch abwinkte,
war Rösler zu einem Kompromiss bereit: Wenn sich
bis Weihnachten kein anderer Verein bei ihm
melden würde, würde er für ein Engagement in
Düsseldorf eventuell auch seine Gehaltsforderung
überdenken, die sich im Bereich von 400.00 Euro
für die Halbsaison bewegte (laut Vertrag bei
Mönchengladbach bekam er 800.000 Euro pro
Saison). Es ist natürlich die Frage, ob wir
genug externe Sponsoren gefunden hätten, die das
hätten stemmen können, oder ob der Vorstand die
gesamte Winterpause singend in der Unterführung
beim Carsch-Haus in der Altstadt hätte
verbringen müssen, um die Kohle zu sammeln. Aber
immerhin: die Möglichkeit einer Verpflichtung
von Rösler blieb somit realer als mancher
gedacht hätte. Erst kurz vor Terminschluss
meldete sich dann doch der TSV 1860 München. Der
dürfte dem Rösler erklärt haben, dass München
zwar nicht in NRW liegt, aber trotzdem eine
„sportliche Herausforderung“ ist, und damit war
das Thema durch. Schade eigentlich, so einen
Stinkstiefel im offensiven Mittelfeld hätten wir
natürlich sehr gut gebrauchen können.
Im Rahmen des
Trainingslagers in der Türkei und der weiteren
Vorbereitung gaben sich drei Testspieler die
Ehre, von denen ich den ersten blind genommen
hätte: Ian Joy, amerikanischer Blutgrätscher,
zuvor schon beim HSV II und beim FC St. Pauli
aktiv, bei einem Spiel mit Pauli in der
LTU-Arena auch schon vom Platz geflogen, von
daher mit unseren Örtlichkeiten bestens
vertraut, derzeit in der amerikanischen MLS
unter Vertrag. Er flog zum Trainingslager in die
Türkei und beeindruckte insbesondere beim
Testspiel gegen den russischen Erstligisten FK
Tomsk (2:0), bei dem einige Spieler dieses
Testspiel anscheinend mit dem CL-Finale
verwechselten und von der ersten Minute an
knüppelten, was das Zeug hielt. Joy hielt
dagegen und sorgte mit einer schönen
Spagateinlage in die Beine des Gegners für Ruhe.
Den hätte ich auch gerne haben wollen. Aber er
sagte dann aus privaten Gründen ab.
Zum „Wintercup“,
diesem Turnier mit Bundesliga-Beteiligung in der
LTU-Arena, erschien der Schwede Simon Chekroun
und beackerte im Spiel gegen den MSV Duisburg
die linke Abwehrseite. Ein echtes Rätsel, bei
fussballdaten.de wurde er als Stürmer geführt,
bei transfermarkt.de als Mittelfeldspieler, bei
uns wurde er als Verteidiger eingesetzt. Ja watt
denn nu? Anscheinend doch eher Mittelfeld, denn
hinten links machte er keinen so guten Eindruck
und wurde daher nicht verpflichtet. Ebenso wenig
wie der Japaner, dessen Namen ich verdrängt
habe, und der kurz nach Chekroun mittrainierte.
Und das war es dann in puncto Transferbemühungen
der Fortuna. Dem eh schon viel zu dünnen Kader
gab Trainer Meier dann sein uneingeschränktes
Vertrauen, indem er ihn noch ein wenig
verkleinerte, nach Kenan Sahin im Dezember flog
auch Ex-Kapitän Henri Heeren im Januar aus der
Mannschaft, er wird den Rest der Saison und
seines Vertrages bei der Zwoten verbringen. Und
zum langzeitverletzten Axel Lawaree kam dann
auch gleich der nächste Ausfall: bei einem
Hallenturnier in Hamburg Anfang Januar versuchte
sich Linksverteidiger Fabian Hergesell mal bei
einem kleinen Pressschlag – Teileinriss des
Innenbandes, auch ihn konnten wir erst einmal
abschreiben. Daraus entstand auch das Werben um
Joy, der exakt diese Position normalerweise
bekleidet, sowie der Versuch, Chekroun in nur
einer Halbzeit (die Spiele beim Wintercup
dauerten nur jeweils 45 Minuten) zum
Linksverteidiger umzufunktionieren. Da beides
nicht klappte und mit Heeren auch der einzige
Ersatzmann gefeuert wurde, der die Position
hätte spielen können, sollte es nun
vertretungsweise Oliver Hampel richten, nach
mehrmonatiger Verletzungspause. So sieht es dann
halt aus, wenn man nicht nur kein Geld, sondern
verletzungstechnisch in dieser Saison auch noch
die Scheiße am Schuh hat…
Da musste man
erstmal wegstecken was die Konkurrenz sich alles
so gönnte: der SV Sandhausen zum Beispiel holte
Stürmer Danko Boskovic, vormals Paderborn und RW
Essen, Erzgebirge Aue verpflichtete Sven
Schaffrath von RW Ahlen, der Paderborner
Präsident verkaufte noch ein paar Möbel mehr und
gönnte seinem Trainer auch zwei
Zweitliga-Spieler, nämlich Tom Bertram und
Daniel Brückner von Greuther Fürth. Richtig
zugeschlagen wurde in Offenbach, das Ex-Stürmer
Suat Türker aus Freiburg zurückholte und mit
Mounir Chaftar auch einen zweitliga-erfahrenen
Akteur aus Duisburg einsammelte, sowie bei den
Bobfahrern aus Unterhaching, die nicht nur
Manuel Konrad vom SC Freiburg holten, sondern
auch einen ganz besonderen Rückkehrer begrüßen
konnten: Francisco Copado von der TSG Hoffenheim.
Also bei dem muss es echt Liebe sein, ist ja
wohl kaum vorstellbar, dass der aus finanziellen
Gründen gewechselt haben sollte. Der
schrottkompetente Präsident des VfR Aalen
stellte seinem Coach Petrik Sander gleich ein
halbes Dutzend neuer Spieler hin, darunter die
nicht ganz so unbekannten David Müller aus
Oberhausen und Petr Ruman aus Mainz. Ach ja, und
Union Berlin verpflichtete den von uns
gefeuerten Kenan Sahin, warum, wusste auch in
Berlin keiner so ganz genau. Immerhin, einen
Grund wüsste ich schon: als Kuschelbruder für
den ebenfalls völlig pflegeleichten Dustin Heun.
Privat werden die sich bestimmt prima verstehen,
da bin ich sicher. Ob den Berlinern diese
Verpflichtung anderweitig noch etwas bringt, bei
der Konkurrenz im dortigen Sturm (Patschinski,
Benyamina, Biran, Heun), bleibt abzuwarten.
Außer, dass er natürlich im Rückspiel bei uns
einnetzen wird…
Erfreulich
immerhin, dass sich unser Neuzugang gleich gut
einfügte, beim 8:0-Testspielsieg in Ratingen
lochte Terodde gleich viermal ein, im
„Wintercup“ traf er beim 3:1-Sieg gegen seinen
eigentlichen Arbeitgeber, den MSV Duisburg,
ebenfalls zweimal, was prompt ein Déjà vu seines
Vorgängers, Testspielkönig Christian Erwig,
verursachte. Aber man soll ja nicht von Anfang
an schwarzsehen. Irgendwann müssen ja auch wir
mal wieder Glück haben.
Winterpausen-Ärger
Dass es vor Beginn
des ersten Meisterschaftsspiels im neuen Jahr
gegen die Stuttgarter Kickers allerdings noch
richtig Ärger gab, lag nur zum Teil an Fortuna.
Dieser Teil war das FVN-Pokal-Viertelfinale am
31.01.09 bei RW Essen. Auf einem Acker, den
selbst die Essener als „eigentlich unbespielbar“
bezeichneten, die eine Hälfte gefroren, die
andere Hälfte Matsch, hatten die Unsrigen zwar
noch das Glück einer überraschenden Führung in
der 9. Minute durch Jovanovic, ließen sich dann
aber vom Viertligisten überrollen und lagen zur
Pause 1:2 zurück. Und zwar nur 1:2, Torwart
Melka verhinderte mehrfach, dass die Partie
schon zur Pause entschieden war. Nach dem
Wechsel und einer Kabinen-Ansprache, über deren
Lautstärke der Trainer nach dem Spiel auf
Anfrage meinte, er habe eigentlich erwartet,
dass die versammelte Journaille diese auch noch
auf der Tribüne habe hören können, kam Fortuna
etwas besser auf, aber es war schon kein Zufall,
dass ausgerechnet ein Spieler aus der 2.
Mannschaft, Marcel Gaus, den 2:2-Ausgleich in
der 75. Minute erzielte. Da war er grad sieben
Minuten auf dem Feld. Die Arrivierten kriegten
auch weiterhin nichts auf die Reihe, und an
solchen Tagen spielen dann natürlich auch die
Gesetzmäßigkeiten mit: wenn schon Scheiße, dann
bitte auch alles. Und so erzielte Stephan Sieger
zwei Minuten vor Schluss den etwas
schmeichelhaften Siegtreffer, mit dem man das
Spiel mit einem blauen Auge hätte abhaken
können. Denkste. Es war zwar ein einwandfreies
Tor, auch in den Fernsehaufnahmen gut zu
erkennen, aber der Schiri pfiff einfach mal
abseits. Selbst die Essener wissen bis heute
nicht, warum. So kam es, wie es kommen musste,
und nach der torlosen Verlängerung und dem
Elfmeterschießen unterlag die Fortuna insgesamt
mit 10:11 und schied aus dem Pokal aus. Zunächst
fragte ich mich entgeistert, wie Trainer Meier
auf die Idee gekommen war, ausgerechnet Palikuca
als vierten Schützen aufzustellen, den man bei
seiner bekannt guten „Technik“ eigentlich nur
bringen kann, wenn Innovations-Künstler Sepp
Blatter eines Tages das Elfmeterköpfen einführen
wird. Da der Trainer sich aber nach dem Spiel
relativ stark darüber echauffierte, dass es
nicht angehen könne, dass er praktisch schon den
fünften Schützen zur Ausführung prügeln müsse,
weil sich alle drücken wollten, erscheint mir
die Nominierung von Pali dann doch in einem
anderen Licht..
Also, Pokal adé,
selbst wenn wir 10 Tore in Essen schießen, gehen
wir halt als Verlierer vom Platz, muss man
leider so hinnehmen. Aber schon vorher hatte ein
anderer Verein hohe Wellen geschlagen, und
dieser Tsunami wird wohl noch eine Weile
andauern. Ich sag nur: Bayer Leverkusen.
Dass Bayer
Leverkusen alle ihre Heimspiele in der Rückrunde
bei uns in der LTU-Arena austragen würde, war
schon längst bekannt. Der Verein hatte dies
bereits Anfang letzten Jahres angemeldet, als
man die weiteren Bauabschnitte des Umbaus der
BayArena festgelegt hatte. Toll fanden wir das
nicht, aber es hatte uns auch nicht großartig
interessiert. Die Pillen spielen ein paar Spiele
in der Arena, drücken für jede Dauerkarte
(angeblich 16.000) einmalig einen Euro an
Fortuna ab, sowie zusätzlich noch je einen Euro
für jede verkaufte Tageskarte bei ihren
Liga-Spielen, das alles übrigens zweckgebunden
für die Fortuna-Jugend, also nicht z.B. für
Spieler-Transfers oder zur Schuldentilgung
einsetzbar. Und dann verschwinden sie mit ihren
drei Fans wieder in ihre doch etwas merkwürdige
Stadt, dessen Verkehrsknotenpunkt, der Bahnhof
Leverkusen-Mitte, seit jeher für mich zu den
größtmöglichen Lachnummern im öffentlichen
Verkehrswesen zählt. Der Düsseldorfer
Eventgucker, der sich für Fortuna erst wieder in
der 1. Liga interessiert, bekommt ein paar
Bundesliga-Spiele geboten, und das war`s dann.
Tja, und so hätte
es auch kommen können, wenn man nicht seit
Januar diesen Jahres zu spüren bekommen hätte,
was es heißt, einen Bundesligisten in der Stadt
zu haben, dazu noch einen mit viel Einfluss beim
DFB und mit einer, sagen wir, sehr
übersichtlichen Anhängerschaft in der eigenen
Stadt. Zunächst einmal hatte man beim DFB damals
den Ausweichwunsch der Pillendreher akzeptiert
(wahrscheinlich mit einem strammen „Jawoll,
Rudi“) und sich dann wichtigeren Geschäften
zugewandt, von denen wir kleine Drittligisten
sowieso nichts verstehen. Nur so ist zu
verstehen, was dann im Januar geschah: unser
Auftakt in die Restrückrunde am Wochenende
06.-08.02.09 war das einzige Wochenende, an dem
wir beim Heimrecht mit Leverkusen kollidierten.
Wir hatten Heimspiel gegen die Stuttgarter
Kickers, Leverkusen gegen den VfB Stuttgart. Da
wir mit zwei Heimspielen hintereinander starten
würden, war somit ab der Woche danach keine
Terminüberschneidung mehr gegeben. Zusätzlich
fand in der Woche nach der Terminkollision in
Düsseldorf auch noch das unglaublich wichtige
Testspiel der Nationalmannschaft gegen den
Weltgegner aus Norwegen statt. Die Situation war
also folgende: am 06.02. Fortuna gegen die
StuKis, am 07.02. Leverkusen gegen den VfB, am
11.02. Deutschland gegen Norwegen, am 14.02.
Fortuna gegen Burghausen. Vier Spiele in acht
Tagen in der Arena. Die
Arenabetreiber-Gesellschaft wird sich gefühlt
haben wie an Weihnachten und Ostern zugleich,
endlich mal eine griffige Auslastung.
Und obwohl genau
diese Konstellation beim DFB spätestens
seit letzten Sommer mit Festlegung der
Rahmenspieltage und Terminierung des
Länderspiels bestens bekannt war, war dies in
Frankfurt natürlich keinerlei Überlegung wert.
Die erfolgte dann drei Wochen (nicht
Monate!) vor dem ersten Fortuna-Termin. Da
teilte der DFB nämlich kurz und bündig mit, dass
das Auftaktspiel der Fortuna verschoben werden
würde – auf Donnerstag, 05.02.09, 19.00 Uhr.
Ich gebe feierlich zu Protokoll, so etwas noch
nicht erlebt zu haben.
Beim DFB will man
ganz spontan bemerkt haben, dass diese Ballung
von Terminen dem Rasen nicht so gut tun könnte.
Dies war auch die offizielle Begründung für die
Verschiebung. Es passte zeitlich irgendwie
nicht. Vor jedem Kick der supideutschen
Nationalmannschaft, egal wie wichtig oder
unwichtig er auch sein mag, muss eh ein neuer
Rasen verlegt werden. Damit musste am Sonntag
vor dem Spiel begonnen werden, sonst hätte es
zeitlich nicht mehr gepasst. Eine Verlegung des
Leverkusen-Spiels auf Sonntag kam daher schon
mal gar nicht in Betracht. Nun sollte man
meinen, Fortuna freitags, Leverkusen samstags,
sonntags neuer Rasen – kein Problem. Damit hatte
allerdings doch jemand ein Problem, und zwar
jemand, der mit dem Spiel an sich nicht das
Geringste zu tun hat, der aber uns
Drittliga-Proleten deutlich zeigte, wer das
Sagen in der schönen neuen Bundesliga-Welt hat:
der Fernsehsender Premiere nämlich monierte,
dass es ihm leider unmöglich sei, in der
Zeitspanne nach dem Fortuna-Spiel am Freitag
Abend bis zum Samstag Mittag seinen ganzen
Schnickschnack in der Arena aufzubauen. Und da
sprang der DFB dann auch sofort, da eine
Verlegung des Leverkusen-Spiels nach hinten, wie
schon erwähnt, nicht möglich war (und auch da
hätte Premiere erst zustimmen müssen), wurde
halt das Düsseldorf-Spiel flugs nach vorn
verlegt. Dass ja z.B. Leverkusen auf den eher
fernsehtauglichen Fußball-Mittwoch ausweicht,
wir dann am Freitag klaglos auf diesem Acker
unser Spiel abgeliefert hätten, und der DFB
anschließend mehrere Tage Luft gehabt hätte, um
seinen Püppchen auch ja einen neuen Rasen
hinzustellen, das stand überhaupt nicht zur
Debatte. Diejenigen, die seit Jahren dort ihre
Heimspiele austragen, und in deren Stadt diese
Arena steht, wenn auch nicht unbedingt von allen
geliebt, die durften auf den Donnerstag
ausweichen. 3. Liga interessiert ja eh keinen,
wird man sich gedacht haben. Allerdings hatte
man sich dies erst im Januar gedacht, vorher
hatte sich monatelang niemand darum gekümmert.
Fortuna durfte pro forma kurz dagegen
protestieren, erhielt eine kleine
Ausgleichszahlung, um den zu erwartenden
Einnahmeverlust auszugleichen, und durfte
ansonsten die Klappe halten. Die Stuttgarter
Kickers, die schon Wochen vor dem Spiel stolz
drei ausverkaufte Fan-Busse gemeldet hatten, man
wollte nach dem Spiel noch einen Altstadtbummel
einlegen und erst um Mitternacht nach Stuttgart
zurück reisen, brachten es nach der
Spielverlegung noch auf ganze 70 Männekes, die
mit nach Düsseldorf konnten, und denen dafür
mein Respekt gebührt. Aber das war natürlich
alles erträglicher, als wenn sich vielleicht ein
Rudi Völler öffentlich über eine
Terminverschiebung aufregen würde. Nun ja,
vielleicht haben sei auch beim DFB geglaubt, die
UEFA mit diesem Termin an einem Donnerstag
dermaßen zu verwirren, dass das Spiel für diese
alberne 5-Jahres-Wertung der deutschen
Mannschaften gewertet werden würde. Tät mich
auch nicht wundern.
Aber es wurde ja
noch besser. Leverkusen eröffnete seine
Heimspielsaison in der Arena Ende Januar mit dem
DFB-Pokal-Spiel gegen Cottbus (3:1). Offiziell
waren es 16.000 Zuschauer, sozusagen alle
Dauerkartenbesitzer. Die inoffizielle Zählung,
nämlich die Anzahl der elektronischen Pings an
den Drehkreuzen, soll sogar nur 14.000 Zuschauer
ausgewiesen haben, aber das ist natürlich nur so
ein Insider, den ich niemals offiziell schreiben
würde. Ein Anhänger der Leverkusener versuchte
dies im Fortuna-Forum dergestalt zu erklären,
dass der Gegner halt keinen interessieren würde,
und außerdem sei ja noch diese unfassbare
Anreise von 40 km zu einem Heimspiel zu
berücksichtigen, ein Argument, über das
zumindest ich persönlich herzlich lachen kann.
Rosinenpicker Bundesliga halt.
Aber irgendwie
scheint man in der Bayer-Führungsetage dieselben
Gedanken gehabt zu haben. Denn nach dem Spiel
gegen Cottbus lief die Werbemaschinerie der
Chemiker richtig zu Hochform auf. Meterhohe
Plakate in ganz Düsseldorf werben für die
Bayer-Heimspiele, es wurden und werden reichlich
Freikarten an Düsseldorfer Schulen verteilt, der
einheimische Boulevard titelte: „Eine lange
Durststrecke geht zu Ende – endlich wieder
Bundesliga in Düsseldorf“, der derzeit verletzte
Nationalspieler Bernd Schneider erschien in der
Düsseldorfer Altstadt in einem
Brauerei-Ausschank, um Autogramme zu schreiben,
und wahrscheinlich musste man noch dankbar sein,
dass während der Anwesenheit des Leverkusener
Trosses dort nicht eine Stunde lang Kölsch
ausgeschenkt werden musste. Als „Sahnehäubchen“
gab es noch das Interview mit dem
Bayer-Sportbeauftragten Meinolf Sprink, der mal
locker von sich gab, natürlich versuche man, in
Düsseldorf Fans abzuwerben und Sponsoren mit
besonderen Angeboten die Marke Bayer 04
schmackhaft zu machen. Alles übrigens Aktionen,
die dem bekennenden Ignoranten der Sportart, die
er von Zeit zu Zeit zu moderieren oder
kommentieren pflegt, Reinhold Beckmann nämlich,
zu der Wertung „Ein Riesen-Erfolg für Bayer“
veranlassten. Okay, dessen Kopf ist in Bezug auf
Fußball schon längst eine tote Telefonleitung:
da klingelt nix mehr. Insoweit nicht
überraschend.
Aber damit ist das
Maß dann doch voll. Zumal die Fortuna-Führung zu
alldem natürlich taktvoll schweigt, als guter
Gastgeber dastehen will und außerdem ja mit dem
„Fortuna-Euro“ auf die Eintrittskarten ruhig
gestellt wurde. Aber ein Verein, der das eigene
Stadion mit 22.000 Plätzen eh schon nur voll
bekommt, wenn er reichlich Freikarten verteilt,
ein Verein dieser so unglaublich tollen
Event-Bundesliga, ein Verein, der, hab ich mir
sagen lassen, sogar mal in einem Champions
League-Endspiel gestanden haben soll, dieser
Verein ist nicht nur nicht in der Lage, den
Umbau seines Stadions so zu organisieren, dass
man den Ligabetrieb aufrecht erhalten kann (wie
es z.B. in Hamburg, in Dresden, ja sogar in
Poldi-Land funktioniert hat bzw. funktioniert),
nein, dieser Verein zahlt dem Heimverein seines
Exils großzügig eine Prämie, um dies dann zum
Anlass zu nehmen, sich werbetechnisch wie die
Axt im Walde zu benehmen. Die versuchen gar
nicht erst, in der eigenen Heimatstadt neue
Zuschauer zu werben und denen ihr Event dermaßen
schmackhaft zu machen, dass diese neuen Fans in
den ersten sechs Monaten ihrer neuen Fanliebe
mal 40 km zu einem Heimspiel zurücklegen, nein,
die versuchen in der Stadt ihres Gastgebers dem
dortigen Drittliga-Club auch noch die letzten
Fans und Sponsoren wegzunehmen. Für den
Erstliga-gestählten Leser mag dies zum üblichen
Business gehören, für mich fällt dies unter den
Begriff „Heuschrecken“ – alles abgrasen und
kahle Erde zurücklassen, und zwar genau da, wo
sowieso kaum noch was wächst. Und das Ganze dann
mal lässig mit den „peanuts“ eines
„Fortuna-Euro“ abzahlen und wieder verschwinden.
Man könnte meinen, Nokia hätte noch eine
Zweigstelle in Leverkusen.
Übrigens, hier
zeigt sich auch wieder die große weite
Fußballwelt, von der wir Amateure keine Ahnung
haben: die Vereinbarung mit dem Zusatz-Euro gilt
natürlich nur für die Liga-Spiele, wie schon
gesagt. Und als dann das DFB-Pokal-Viertelfinale
ausgelost wurde, da haben sie sich in Leverkusen
bestimmt auf die Schenkel geschlagen vor Lachen.
Leverkusen gegen Bayern – und wir gucken mal
gepflegt in die Röhre. Und ich bin überzeugt
davon, dass gerade vor diesem Spiel die
Werbelawine der Pillendreher erst richtig in
Fahrt kommen wird.
Und so kommt es,
wie es kommen muss: Leverkusen hatte zum ersten
Liga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart 32.000
Zuschauer, davon 10.000 Freikarten. In der
Sportschau wurde dies dann als „Größter
Zuschauerzuspruch, den Bayer in der Bundesliga
je hatte“ verkauft. Dass in die Arena 51.000
Zuschauer reinpassen, wurde mal schnell
vergessen mitzuteilen. Nach der 2:4-Pleite der
Chemiker gab es übrigens aus dem Fortuna-Forum
den nett gemeinten Vorschlag, der Boulevard
könne doch jetzt mal titeln: „Eine lange
Durststrecke geht zu Ende – endlich wieder
Bundesligaheimniederlagen in Düsseldorf“. Die
gleiche Anzahl – 10.000 –
Anti-Leverkusen-Aufkleber eines
Fortuna-Fan-Clubs gingen beim Spiel der Fortuna
gegen die Stuttgarter Kickers über den Tisch,
waren schon vor Spielbeginn ausverkauft. Man ist
es ja gewohnt, als Fortuna-Fan wirklich alles zu
ertragen, aber wenn sich ein Verein aus einer
anderen Stadt dermaßen breit macht und man auch
im einheimischen Boulevard nachlesen muss, nach
12 Jahren Durststrecke käme endlich mal wieder
guter Fußball in die Landeshauptstadt – sorry,
aber was zuviel ist, ist zuviel. Und dass
diejenigen Fans, die (wie ich nicht) täglich in
Düsseldorf an den überdimensionalen Plakaten der
„Werkself“ vorbei kommen und in Düsseldorfer
Zeitungen lesen dürfen wie toll es doch ist, die
Erste Liga in der Stadt zu haben, und die sich
dann Werbung für Bayer 04-Spiele im Düsseldorfer
Lokalradio anhören oder sogar auf den Toiletten
Düsseldorfer Szene-Kneipen anglotzen dürfen –
also dass diejenigen, die schon seit Jahren mit
ihrer Drittliga-Graupentruppe mitfiebern, dann
irgendwann mal genug davon haben, dürfte sogar
dem ein oder anderen Eventzuschauer einleuchten.
Und büßen müssen es dann in erster Linie die
richtigen Bayer-Fans. Das sind vielleicht nicht
so viele, aber die hat auch keiner gefragt, ob
sie gerne in Düsseldorf spielen würden. Die
kriegen es dann allerdings auch ab, wenn es mal
richtig raucht.
Es hätte ein
friedliches Gastspiel sein können, nicht schön
für uns, aber ohne großes Aufheben, im Mai wäre
der Spuk vorbei gewesen. Aber die
Bayer-PR-Abteilung hatte wohl eindeutig etwas
dagegen. Weil so ein Event heutzutage wohl nur
noch läuft, wenn man es ordentlich krachen
lässt. Und wenn dann die Reaktion kommt, sind
die Verantwortlichen ja eh nicht betroffen.
Eine besonders
nette Deutung des Gastspiels schrieb mir
übrigens ein Leverkusen-Fan in einem Forum. Das
Problem bei Bayer (im Gegensatz zu den von mir
genannten Stadionumbauten in Hamburg oder Köln)
sei ja, dass durch die fehlende Größe im Rahmen
des Umbaus nur noch ca. 12.000 Zuschauer in die
BayArena gepasst hätten, deshalb sei der Umzug
nötig geworden. Ich gebe zu, dass dies für solch
einen Konzern wie Bayer nicht gerade rentabel
ist, Bundesliga vor 12.000 Männeken. Aber da
drängt sich mir natürlich sofort ein anderer
Gedanke auf: für ein Stadion, welches bei der
Hälfte aller Heimspiele nur noch 12.000
Zuschauer fasst, hätte es nach den Regularien
des DFB ja wohl kaum eine Spielerlaubnis für die
Erste Liga gegeben, da wäre es ja schon in der
Dritten Liga eng geworden. Haben wir Bayer 04
Leverkusen somit vor dem Zwangsabstieg bewahrt?
Wenn ja, wäre dies erst recht ein Grund für den
Konzern gewesen, als Gast in Düsseldorf mal
kleinere Brötchen zu backen. Nein, ich bin kein
Träumer, selbst wenn es so gekommen wäre, hätte
es für solch einen wichtigen Club
selbstverständlich eine Ausnahmegenehmigung
gegeben. Aber es ist doch ein reizvoller
Gedanke. Erste Liga, dankt uns! Ohne uns wäre
Bayer vielleicht nur noch ein Drittligist! Dann
müssten sie wenigstens keine Freikarten mehr
verschenken, das hätte dann auch keinen Zweck
mehr.
Man darf somit
gespannt sein, wie sich diese Geschichte weiter
entwickelt. Spätestens zum letzten Auftritt der
Leverkusener, am vorletzten Spieltag
ausgerechnet gegen Mönchengladbach, befürchte
ich so einiges im Umfeld. Und der Bayer-Konzern
sollte sich mal eine Regel hinter die silbernen
Löffel schreiben: man kann auch auf Leuten, die
schon am Boden liegen, noch rumtrampeln. Die
meisten sind so (fried)fertig, dass sie das über
sich ergehen lassen, macht ja eh nix mehr. Aber
wenn einige dann doch mal zurück schnappen, darf
man sich auch nicht wundern. Es ist immer noch
Fußball. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Maßvoller
Auftakt
Nachdem uns die
große weite Welt des Fußballs somit eingeholt
hatte, starteten wir in das Jahr 2009 also am
Donnerstag, den 05.02.09, mit dem Spiel gegen
die Stuttgarter Kickers. Das Positivste an
diesem Spiel, außer dem Ergebnis, nehme ich mal
direkt vorweg: 9.125 Zuschauer. Beim Spiel
zweier Drittligisten, von denen der Eine sich am
Wochenende zuvor im Pokal bei einem
Viertligisten blamiert hatte, während es sich
bei dem Anderen um den aktuellen Tabellenletzten
der Liga handelte. An einem Donnerstag Abend.
Kleine Nachfrage nach Leverkusen: wie viele
Zuschauer wären denn zu euch in die BayArena
gekommen, bei dieser Konstellation? Und wenn ihr
dann noch bei der Anfahrt großflächige Werbung
eurer angrenzenden Großstadt, nämlich aus Köln,
gesehen hättet, dann wärt ihr auch mächtig froh
gewesen, oder?
Es wurde ein
glanzloser, verdienter 2:0-Sieg gegen die StuKis,
die sowas von schlecht waren, dass man sich
fragte, ob die ernsthaft um den Klassenerhalt
spielen oder nur noch Freundschaftsspiele
absolvieren wollen. Cebe versiebte bereits nach
27 Sekunden (!) freistehend vor Torwart Salz,
somit ein Auftakt wie gehabt. Die Vorarbeit kam
übrigens von Simon Terodde, der von Beginn an
spielte und somit direkt einen gelungenen
Einstand hatte. Aber es kam noch besser: In der
10. Minute eine schöne Einzelleistung von
Jovanovic, der sich gegen zwei Gegenspieler
durchsetzt, ein weiterer rutscht
freundlicherweise noch aus und macht den Weg
frei. Jovanovic strebt alleine dem Tor zu und
hat noch einen Blick für die mitgelaufenen
Nebenmänner: vor Torwart Salz spielt er quer,
und Terodde tut mir den Gefallen, vor Cebe am
Ball zu sein und den Querpass einzunetzen. Sein
erstes Pflichtspieltor im ersten
Meisterschaftsspiel.
In der ersten halben Stunde war Fortuna klar
überlegen, vergab mehrere gute Möglichkeiten,
stellte dann aber wieder mal das Fußball spielen
ein. Dadurch wurde es ziemlich langweilig, weil
von den Gästen auch nix kam, ein Schuss von
Rosen aus 16 m in der 1.Halbzeit, flach und
knapp links am Tor vorbei, war die einzig
gefährliche Kickers-Situation im gesamten Spiel.
Anschließend wurde nur noch Gefahr verbreitet,
wenn die Fortuna mal in Strafraumnähe zum
Freistoß antrat. In der 1. Halbzeit schlenzte
Jovanovic die Kugel aus 18 m an die Latte, in
der 2. Halbzeit machte es ihm Caillas aus
derselben Entfernung ein wenig strammer nach.
Völlig humorlos dann in der 77. Minute der
eingewechselte Marco Christ, der den Ball vom
rechten Strafraumeck halbhoch in die linke Ecke
semmelte. Ein Schuss wie ein Strich, toll
anzusehen.
Es war ein Pflichtsieg, der durchaus höher hätte
ausfallen müssen gegen einen total harmlosen
Gegner. Es war noch sehr viel Sand im Getriebe,
es lief noch nicht allzu viel zusammen, und eine
wirkliche Steigerung zur ersten Halbzeit in
Essen war nur selten zu erkennen. Man konnte nur
hoffen, dass sich dies in den kommenden Wochen
bessern würde, denn wäre der Gegner nicht so
entsetzlich schlecht gewesen, hätte das ganz
böse ins Auge gehen können.
Ach ja, einen zum
Schiri hätte ich noch: es war Kuno Fischer,
Schirigott aus Ostfriesland. Zuletzt pfiff er
uns im April 2007, bei jenem denkwürdigen Spiel
gegen den HSV II, welches wir in letzter Sekunde
3:2 gewannen (beide Gegentore damals übrigens
durch Olli Hampel, der jetzt bei uns spielt) -
aber erst, nachdem Kuno gleich vier Spieler des
Feldes verwiesen hatte. Auch diesmal hatte er
die Hand an der Tasche: Als in der einzig
unfairen Szene des Spiels der Stuttgarter Rosen
Clement Halet wegsenste und anschließend selbst
von Jovanovic weggeschubst wurde, sah ich Jova
schon mit Rot in die Kabine abwandern, eine
selten dämliche Aktion. Aber Kuno Fischer langte
nur zur Brust, nicht zum Gesäß, und zog Gelb für
beide – für exakt dieselbe Aktion hatte er
damals gegen den HSV Markus Anfang schon nach 20
Minuten runtergeworfen. Ein Glück, dass auch
Schiris lernfähig sind.
Echt Valentin
Am 14.02.09 traten
wir zum nächsten Heimspiel gegen Wacker
Burghausen an Wieder so ein unbequemer Gegner,
der sich hinten rein stellen, aber trotzdem
unbedingt zu beachten sein würde. Die hatten
zwar nur 20 Punkte nach 19 Spielen, aber von
diesen zwanzig Zählern mal locker sechs mit
Siegen gegen Paderborn und Emden geholt, hatten
zudem die letzte sechs Spiele vor der
Winterpause nicht verloren. Schongang würde man
sich diesmal also abschminken können. Und wie
man sich so richtig lächerlich macht, wenn man
Schongang spielt, konnten die Fortuna-Spieler ja
drei Tage zuvor in der eigenen Arena bestaunen,
als sich die deutsche Nationalmannschaft mit dem
0:1 gegen die Fußball-Weltmacht Norwegen bis auf
die Knochen blamierte. Ich sah nur die zweite
Halbzeit im Fernsehen, wenn die erste auch nur
halb so schlecht war, hätte ich als zahlender
Zuschauer mein Geld zurück verlangt. Lustig war
immerhin, dass das Siegtor der Norweger just in
dem Moment fiel, als man gut hörbar trotzige
„Fortuna Düsseldorf“-Fan-Gesänge vernehmen
konnte. Ja, das funktioniert! Wenn die paar
Fortuna-Fans, die im Stadion sind, schon ihre
Heimmannschaft anfeuern, deren Vereinsfarben
rot-weiß sind, und dann schießt die Mannschaft
in rot-weiß ein Tor - eigentlich ganz logisch.
Dass nicht die Deutschen, sondern die Norweger
in rot-weiß aufgelaufen waren, ist dann halt
Pech.
Aber wichtiger war
eh, was sich in der Arena am so genannten
„Valentinstag“ zutrug, dem offiziellen kleinen
Konjunkturprogramm für die deutsche
Blumenindustrie, witzigerweise genau der Tag, an
dem sich ja alle lieb haben sollen, weswegen es
streng logisch betrachtet eigentlich Unfug ist,
an diesem Tag sportliche Wettkämpfe, vielleicht
sogar direkte Duelle auszutragen. Aber soweit
sind wir zum Glück noch nicht. Jedoch musste man
am Ende des Spiels feststellen, dass vielleicht
doch etwas dran ist an diesem merkwürdigen
„Feiertag“. Denn wenigstens zu uns Fortunen
waren alle recht lieb.
Es wurde ein
verdienter 3:1-Sieg der Fortuna gegen biedere
Oberbayern, die jedoch mit einigem Aufwand
niedergekämpft werden mussten. 9.200 Zuschauer
sahen bei Arschkälte, wie die Gäste wie alles,
was aus dem Süden zu uns zu Besuch kommt, sich
erstmal hinten rein stellten. Egal ob
Burghausen, Regensburg, Unterhaching, Stuttgart
oder Aalen – immer wird zunächst mal das eigene
Tor zugemauert. Da hilft natürlich ein frühes
Tor. Zu diesem Zweck hatte man den eigentlich
verletzten Jovanovic fit gespritzt, um
wenigstens eine Halbzeit lang eine Hälfte
unseres ersten Sturms aus dem Feld zu haben.
Geradezu sensationell war das Comeback von
Fabian Hergesell, der erheblich früher als
erwartet wieder auflief, ich hielt es erst für
einen Druckfehler auf der
Mannschaftsaufstellung. Das war aber auch bitter
nötig, denn kaum war der Linksverteidiger wieder
da, war der Rechtsverteidiger wieder weg:
Clement Halet hatte sich im Spiel gegen
Stuttgart eine Verletzung zugezogen und war noch
nicht mal im Kader. Da Selbiger über die
bekannte „Größe“ verfügt, musste Trainer Meier
mal wieder ein wenig umdisponieren und wurde
diesmal richtig tricky: Offensivspieler Ahmet
Cebe wurde abgestellt, um die rechte Außenbahn
hinten dicht zu machen. Vielleicht hatte ja
irgendjemand dem Trainer geflüstert, dass Cebe
unter Weidemann bis auf Torwart schon so
ziemlich jede Position mindestens einmal
bekleidet hatte. Der Tipp war gut, Cebe machte
eines seiner besten Saisonspiele. Überraschend
auch noch, dass der Trainer in der
Innenverteidigung Robert Palikuca den Vorzug vor
Hamza Cakir gegeben hatte. Die Aufstellung somit
wieder mal eine Wundertüte.
Fortuna von Beginn
an im Vorwärtsgang, und natürlich war es
Jovanovic, der nach 9 Minuten knapp rechts neben
das Tor zielte. Anschließend hätte Caillas bei
einer Direktabnahme links vor dem Tor liebend
gerne den Burghauser Keeper mit durchs Netz
geschossen, wurde aber von seinem Gegenspieler
noch entscheidend gestört und verzog. In der 19.
Minute dann jedoch ein Ding, bei dem allen der
Mund offen blieb: nach einem Katastrophen-Quer-/Rückpass
vor dem Burghauser Tor setzte sich Jovanovic
prima gegen seinen Gegenspieler und gegen
Torwart Riemann durch - nur um dann aus ca. 10 m
das leere Tor zu verfehlen! Ich glaube, so etwas
nennt man schon Kunstschuss,
unglaublich...Jovanovic selbst konnte es gar
nicht fassen, kein Wunder, er ist normalerweise
unser treffsicherster Spieler, und zwar
bevorzugt mit solchen Abstaubern, und das auch,
wenn ihm sogar noch ein Torwart vor der Nase
steht. Eine Szene, die hoffentlich ihren
Seltenheitswert behalten wird. Zum Glück musste
man darüber nur fünf Minuten ungläubig den Kopf
schütteln, dann tat dies ein anderer – und zwar
Robert Palikuca. Christ zog eine Ecke von links
bis weit hinter den langen Pfosten, was
Wacker-Keeper Riemann dermaßen verwirrte, dass
er unter den Ball tauchte, und Palikuca nickte
die Kugel aus spitzem Winkel zur verdienten
Führung ein. Es war sein erstes Saisontor.
Verdient war die Führung auch zur Pause, es gab
nicht einen Torschuss von Burghausen bis dahin!
Dies änderte sich
mal flugs nach der Pause, in der Jovanovic
seinen Arbeitstag beendete und mit Deniz Kadah
ein neuer Stürmer kam. Nachdem Christ zunächst
eine gute Möglichkeit vergeben und Palikuca bei
einer weiteren Ecke wieder demonstriert hatte,
dass der Fuß nicht sein natürlicher Freund ist
(seinen Nachschuss hätte man mit einem Fernglas
noch lange verfolgen können, wäre er nicht hoch
oben vom Fangnetz aufgehalten worden), brachte
derselbe Palikuca mit einem Fehlpass auf der
linken Abwehrseite seinen Gegenspieler Cappek
in Position. Der ließ ihn anschließend stehen
und flankte, in der Mitte stand Torjäger
Calamita völlig frei, leider ganz knapp nicht im
Abseits, und nickte Ball und Torwart Melka zu
seinem 10. Saisontor ein. Melka hatte das Pech,
sich die Kugel quasi selbst reinzuboxen, weil
Calamita ihn aus kurzer Distanz anköpfte, und er
gerade mitten in der Bewegung war. Ausgleich in
der 58. Minute mit dem ersten Ball, den
Burghausen auch tatsächlich gefährlich aufs Tor
brachte.
Erstaunlicherweise
war Fortuna wieder nur kurz geschockt, denn
erneut nur 5 Minuten später stand der
Ein-Tore-Abstand wieder. Marco Christ, an jenem
Tag mit seinen Fernschüssen ähnlich erfolgreich
wie Palikuca zuvor bei seinem einzigen Versuch,
hatte diesmal allerdings ein feines Füßchen bei
den Standards ausgepackt. Freistoß von rechts,
Kopfball Kadah, wieder mal Latte, aber diesmal
köpfte Stephan Sieger den Abpraller aus kurzer
Distanz zu seinem ebenfalls ersten Saisontor
ein. Kurz darauf rettete Hergesell noch einmal
für seinen geschlagenen Keeper vor dem
einschussbereiten Calamita, aber das war es von
Gästeseite dann auch, man war wieder lieb.
Endgültig durch war die Partie in der 78.
Minute: Traumpass von Christ auf die rechte
Seite, wo sich Cebe in seinen eigentlich
angestammten Bereich nach vorne geschlichen hat,
der bringt den Ball direkt hart und flach in die
Mitte, dort grätscht Kadah um Fußspitzenbreite
am Ball vorbei, aber Caillas ist am langen
Pfosten mitgelaufen und pöhlt die Kugel wie ein
Flipper zurück in den Winkel der anderen Ecke.
Sein zweiter Saisontreffer, seinen ersten hatte
er – im Hinspiel in Burghausen erzielt. Ein toll
heraus gespieltes Tor, welches das Spiel
entschied, ein verdienter Sieg gegen einen
insgesamt zu schwachen Gegner. Und nach dem
Spiel wurde es dann so richtig kuschelig: nicht
nur, dass Emden die 1:0-Pausenführung in
Braunschweig noch hergegeben und 1:2 verloren
hatte, nein, auch Paderborn riss nicht wirklich
Bäume aus, sondern erlebte beim Heimspiel gegen
Sandhausen ein Phänomen, das wir auch gut
kennen: 19:4 Torschüsse, aber 1:2 verloren.
Danach hatten sich bei uns erst recht alle lieb.
Dank dieser zeitgleichen Niederlagen von
Paderborn und Emden überholte Fortuna die
Ostfriesen in der Tabelle und kletterte auf
Platz 3 der Tabelle, mit nur noch zwei Punkten
Rückstand auf den Tabellenzweiten Paderborn. Auf
die hat man in den beiden Spielen nach der
Winterpause sechs Punkte gut gemacht. Endlich
war es mal so, dass wir unsere Pflichtsiege
einfahren und von Patzern der Konkurrenz
profitieren konnten, das war bislang ja eher
umgekehrt. Und damit kann man natürlich von
seinem sehr gelungenen Auftakt ins Jahr 2009
sprechen. Zudem waren wir in diesem ganzen
Kuddelmuddel um den Spielplan zwar natürlich die
Mannschaft, die am meisten benachteiligt wurde,
aber auch die Mannschaft, die als einzige ihre
„Heimspiele“ in der LTU-Arena gewinnen konnte,
nicht wahr, Leverkusen, nicht wahr,
Nationalmannschaft? Allerdings hatten wir auch
dankbare Gegner, die bis auf Burghausen eine
Viertelstunde lang in beiden Spielen eigentlich
keinerlei Gefahr verbreiteten. Dies wird sich
jetzt wohl grundlegend ändern, denn am nächsten
Sonntag (22.02.09) geht es nach Unterhaching, zu
einem direkten Verfolger. Dort wird man sich
allerdings doch steigern müssen, will man aus
München etwas Zählbares mitbringen. Und wer den
Gegner des nächsten Heimspiels am 28.02.09, den
SV Sandhausen unterschätzt, nach
Hinspielniederlage und dessen aktuellem Coup in
Paderborn, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Das
werden also ganz andere Gradmesser.
Das Spiel in
Unterhaching findet übrigens tatsächlich am
nächsten Sonntag statt, nicht am Samstag.
Begründung: man wolle nicht, dass die
Fortuna-Fans auf ihrer Fahrt nach München
eventuell den Fans von Podolski begegnen, die
von Bahnhofskapellendorf ebenfalls nach München
fahren, um ihrem großen Idol dabei zuzusehen,
wie er bei Bayern während des Spiels gegen ihren
Verein seinen Hintern auf der Ersatzbank
anwärmt. Gerüchteweise werden Großpackungen
Kleenex mit auf den Weg gehen, damit sich die
Kölner Fans die Tränen der Ergriffenheit aus dem
Gesicht wischen können, wenn sie ihren Superstar
dort so verkannt und gedemütigt sitzen sehen
werden. Und nebenbei wollen sie vielleicht auch
gucken, wie ihre aktuelle Mannschaft sich bei
den Bayern schlägt, aber wie gesagt, das dürfte
nur Nebensache sein, wie immer in den letzten
Monaten. Und damit diese Weichflöten in Ruhe
fahren können, dafür wurde unser Spiel dann auf
Sonntag verlegt. Wir sind halt nur ein
unwürdiger Drittligist. Naja, man hilft ja
gerne. Und auch bei dieser Spielansetzung dürfte
man es noch pünktlich zum Rosenmontag wieder
nach Düsseldorf zurück schaffen.
Hofft, dass sich
die Mannschaft nächsten Sonntag nicht auch die
Pappnase aufsetzt: janus |