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Advent, Advent, ein
Lichtlein brennt…wird man bald auch bei uns
sagen. Bevor ich also auf den nächsten
Weihnachtsmarkt verschwinde, hier noch die
Zusammenfassung der letzten fünf Spiele der
Fortuna. Es sieht erstaunlich gut aus. Was die
Tabelle anbelangt, meine ich. Was das bunte
Treiben auf dem Rasen betrifft, so habe ich den
Eindruck, das war schon mal besser. Aber ich
will mich nicht beschweren, denn wenn man in der
Vergangenheit für so manch gutes Spiel nicht
belohnt wurde, so war es – bis auf eine Ausnahme
– in den Partien, die Bestandteil dieser
Zusammenfassung sind, meist umgekehrt. Und man
will ja nicht hartherzig sein in diesen Zeiten!
Es waren auch Spiele großer Traditionsvereine
gegeneinander in den letzten Wochen. Ich bitte
vorab um Nachsicht, dass ich hierzu keine
einzige Zeile geschrieben habe. Aber wenn ich
nur die interessanteren Spiele dieser Vereine
gegeneinander aus der Vergangenheit würdigen
würde, wär ich zu Nikolaus noch dran. Also, kein
großes Geschwafel – los geht`s
Nach 19 Jahren mal
wieder ein Sieg
Ja, die Überschrift klingt
mal wieder nach dem Ende einer schwarzen Serie.
Stimmt aber nicht. Sie wurden nur gewählt, weil
wir erstmalig nach 19 Jahren mal wieder gegen
die Offenbacher Kickers spielten. Da gab es
einige tolle Duelle in der Vergangenheit, sowohl
in der 1. wie auch in der 2. Liga. Nun also
erstmal im Premiumprodukt gegeneinander. Am
29.10.08 kamen die Offenbacher Kickers zum
Mittwochsspiel in die Arena, im Gepäck sechs
Spiele in Folge ohne Niederlage. Und so spielten
sie dann auch. Dennoch reichte es für Fortuna zu
einem knappen 1:0-Sieg vor 10.100 Zuschauern.
Ein letztlich verdienter Erfolg der Fortuna
gegen einen ebenbürtigen Gegner, der vor allem
im Mittelfeld viel Platz hatte, aber zum Glück
im Sechzehner nicht mehr allzu viel zustande
brachte.
Zunächst einmal gab es
wieder eine beschwerliche Anreise, wie immer,
wenn man das Pech hat, nachmittags über Köln
fahren zu müssen. Da ging natürlich wieder nix
mehr. Ich fuhr um 17 Uhr aus Bonn los und
erreichte die Arena exakt eine Minute vor
Spielbeginn. Es war aber auch wichtig, nicht zu
spät gekommen zu sein, denn die Fortuna legte
wieder los wie die Feuerwehr, in der ersten
Viertelstunde stand Jovanovic dreimal frei vor
Wulnikowski. Beim ersten Mal traf er den Ball
nicht voll, der zweite, nach einem
Zucker-Doppelpass mit Lawaree in der 11. Minute
war per Lupfer drin, beim dritten kurz darauf
scheiterte er am Keeper. Da hätte die Partie
schon entschieden sein können. Aber danach gab
Fortuna das Spiel unerklärlicherweise aus der
Hand, der OFC nutzte sein deutliches Übergewicht
im Mittelfeld und drängte die Fortunen bis zur
Pause hinten rein. Glücklicherweise vergaben sie
die wenigen Chancen, zweimal stand in der Mitte
niemand, um die Flachpässe von rechts
reinzumachen, einen Flachschuss von Zinnow
konnte Melka mit dem Fuß parieren. Die Führung
zur Pause doch etwas schmeichelhaft.
Direkt nach dem Wechsel
zunächst noch eine dicke Chance für Offenbach,
Haas wurde im Strafraum angespielt, schon am
kurzem Pfosten stehend zog er den Ball mittig an
Melka vorbei, und wieder stand niemand von den
Gästen in der Nähe, um ins leere Tor
abzustauben. Eigentlich hätte man sich an fünf
Fingern abzählen können, wie lange das noch gut
gehen würde. Dass es anders kam, war zu meiner
Überraschung einem grandiosen Fehlschlag zu
verdanken: Nach ziemlich genau einer Stunde ein
Traumtor von Cebe, nach Flanke von links durch
Caillas hatte er die Kugel am rechten
Strafraumeck volley genommen und links unten
versenkt. Der Schiri gab den Treffer jedoch
nicht, weil angeblich Lawaree im Abseits und
gleichzeitig im Weg gestanden und den Torwart (sicht-)behindert
haben soll. Von meiner Warte aus schwer zu
sagen, allerdings auch nicht auszuschließen. Und
als ich dachte, dass dies die doch leicht
schwächelnde Mannschaft noch mehr verunsichern
und die Offenbacher motivieren könnte, noch
einmal richtig loszulegen, gab diese umstrittene
Entscheidung im Gegenteil anscheinend den
Auftrieb, sich wieder richtig reinzuknien und
das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Zum Schluss
nervte der Herr Cebe allerdings noch gewaltig.
Hatte er bei diesem Hammer nach einer Stunde
wirklich einfach nur Pech gehabt, so scheiterte
er kurz vor Spielende gleich zweimal völlig frei
vor dem Torwart, bei der ersten Gelegenheit
schoss er am Tor vorbei, beim zweiten Anlauf
versuchte er eine etwas dümmliche Schwalbe. Wenn
der doch nicht immer so auf unseren Nerven
herumtrampeln würde! Heidinger hatte auch noch
eine gute Schusschance, traf den Ball allerdings
nicht voll. Aufgrund dieser ganzen Möglichkeiten
zum Schluss ging der Sieg insgesamt wohl auch in
Ordnung. Fortuna kletterte durch den Sieg auf
Platz 3.
An jenem Spieltag gab es
übrigens den ersten Spielabbruch der Saison, die
Partie Werder II gegen Dynamo Dresden wurde zur
Pause beim Stande von 1:1 abgebrochen, weil man
im Nebel völlig den Durchblick verloren hätte,
die Sichtweite betrug unter 30 Meter. Das
Wiederholungsspiel gewann Dynamo dann mit 1:0.
Aber was für ein profaner Grund für eine (im
weitesten Sinne) Spielabsage von denen auf
diesem Gebiet so versierten Bremern! Ich war
tatsächlich ein wenig enttäuscht. Naja, es kann
der beste Einfallsreichtum halt nicht gegen die
Natur anstinken. Da darf man gespannt sein, was
die Bremer sich demnächst ausdenken, um mal
wieder ein Spiel zu verlegen…aber meine
diesbezüglichen Ideen werde ich hier nicht
preisgeben, schließlich sollen wir am 14.12.2008
dort noch antreten…
Am folgenden Wochenende
hatten direkt das nächste Spitzenspiel, beim
Tabellen-2. Union Berlin. Dort würde man sich
allerdings erheblich steigern müssen, wollte man
eine Chance haben.
Keine Baustelle, keine
Punkte
Man hatte keine. Wobei die
Vorzeichen an jenem Sonntag, den 02.11.2008, gar
nicht schlecht standen. Union baut ja derzeit
ein neues Stadion. Schön für sie, möchte man
sagen. Allerdings bauen sie ihr altes nur um.
Dies erledigen übrigens zu einem gewissen Teil
die Fans, die unentgeltlich auf der Baustelle
arbeiten und sich dafür sogar Urlaub nehmen.
Einem Interview mit einem Beteiligten zufolge
hat ein anderes Mitglied dieser Arbeitsbrigade
dort sogar sein berufliches Seelenheil gefunden
und seinen eigentlichen Job gekündigt. Das ist
alles sehr löblich, und wenn sie fertig sind,
sollte man sie vielleicht mal an den Wuppertaler
SV Borussia ausleihen, damit die mit ihrem Umbau
in diesem Jahrtausend auch noch fertig werden.
Einerlei, zur Konsequenz
hat dies, dass Union seine Heimspiele bis zur
Fertigstellung eben nicht auf der Baustelle an
der Alten Försterei austrägt, sondern im
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Gut, das Ding
ist uns auch nicht neu. Dort traten wir in der
Vergangenheit bereits dreimal gegen Hertha BSC
II an, und dreimal gewann die Fortuna. Dies
schien uns also durchaus entgegen zu kommen.
Leider hatten die Spieler
das mit dem „Schonmalgesehen“ wohl irgendwie
missverstanden bzw. auf den falschen Verein
bezogen. Denn was sie dann vor 9.200 Zuschauer
in der 1. Halbzeit hinlegten, erinnerte doch
sehr an das Spiel in Emden. Man ließ sich, genau
wie einen Monat zuvor in Ostfriesland, vom
Gastgeber, der nun wirklich auch nicht zu den
spielerisch überragenden Highlights der Liga
gezählt werden muss, förmlich überrollen. Kleine
Auswahl gefällig? In der 11. Minute stürmte
Bemben über die rechte Seite und passte auf
Patschinski, dessen scharfer Schuss auf das
lange Eck sein Ziel nur knapp verfehlte. In der
15. Minute reagierte Melka bei einem Schuss aus
dem Rückraum mit einem tollen Reflex und den
Abpraller entschärfte Langeneke zur Ecke.
Wiederum zwei Minuten später prüfte Gebhardt
unseren Keeper, der den Ball allerdings sicher
zur Ecke lenkte.
Die größte Chance auf die
Führung hatten die Berliner in der 23. Minute:
Da flog Melka an einer scharf in den Strafraum
hineingeschlagenen Flanke vorbei, und der Ball
landete am 5-m-Raum bei Patschinski. Der drehte
sich um die eigene Achse und schaufelte die
Kugel aufs leere Tor. Und vorbei. Eigentlich
unglaublich, aber es ging. Eingedenk seines
Spruchs, den er einst bei Eintracht Trier sagte,
als er in einer Szene mit der Tatenlosigkeit
eines Schiri-Assistenten nicht einverstanden war
und dies nach dem Spiel mit den Worten „Der hat
wohl ne Curry gegessen während des Spiels“
kommentierte, hätte ich dem guten Patschinski
gerne eine Portion spendiert für diesen
unfassbaren Fehlschuss. Aber er regte sich
selbst auch gar nicht groß darüber auf, denn er
wusste wohl, dass Union noch mehr Chancen dieses
Kalibers bekommen würde. Fortuna bekam zunächst
kein Bein auf die Erde, hatte dann auch direkt
den nächsten Rückschlag zu verdauen: nur eine
Minute nach dieser Kunstschuss-Nummer von
Patschinski humpelte Kapitän Andreas Lambertz
verletzt vom Platz. Ohne Fremdeinwirkung
Muskelfaserriss zugezogen, bis heute (Stand:
nach dem 16. Spieltag) kein Einsatz mehr. Umso
tragischer als er zuvor nach dem 2. Spieltag
schon wochenlang verletzt ausgefallen war. Da
kann man jetzt schon sagen, dass es wohl nicht
seine Hinrunde war…
Und wenn schon nichts so
richtig läuft, dann klinkt sich auch der Schiri
gerne ein. Diesmal war es Herr Holger Henschel
aus Braunschweig, der, der Patschinski`schen
Logik folgend, während des Spiels durch
andauernde Nachbestellungen wohl irgendeinem
Berliner Imbiss zum Geschäft seines Lebens
verholfen haben muss. Anders ist wirklich nicht
zu erklären, was der sich an jenem Nachmittag
zusammenpfiff. Vielleicht war es ihm auch
lästig, dass die Fortunen gegen Ende der ersten
Halbzeit öfter mal in der Nähe des
Union-Strafraums auftauchten. War doch vorher so
ein gemütlicher Einbahnstraßen-Fußball! Und das
nahm er uns wohl persönlich übel. Zunächst in
der 36. Minute, als Jovanovic von Menz im
Strafraum aber so was von klar gefoult wurde.
Natürlich drehte unser Stürmer auch begeistert
direkt mal eine ordentliche Pirouette, sah
selbstverständlich auch nicht gut aus,
allerdings war relativ eindeutig zu sehen, dass
Menz ihm vorher in die Hacken getreten hatte.
Aber nicht für den Schiri. Allerdings hatte der
sich damit nur warm gemacht, wie nur noch sehen
werden.
In der 40. Minute dann die
vielleicht dickste Chance für Fortuna, als
Jovanovic sich bis zur Torlinie durchsetzte, den
Ball in die Mitte auf Heidinger legte.
Allerdings hatte ein Berliner noch ein Bein
dazwischen und beförderte die Kugel am langen
Eck vorbei, Heidinger grätschte ins Leere, kam
einen Schritt zu spät. Wäre nicht verdient
gewesen, aber egal. Zur Pause 0:0.
Und konnte die erste
Halbzeit noch sehr an Emden erinnern, verstärkte
sich dieser Eindruck in Durchgang Zwei ein wenig
mehr. Denn natürlich fingen wir das 0:1,
natürlich wieder durch einen Standard, und es
war auch so ziemlich dieselbe Minute wie in
Emden. Sah alles ziemlich ähnlich aus, nur
unglücklicher. In der 53. Minute Ecke für Berlin
von links, in Höhe des kurzen Pfostens springen
mehrere Leute hoch und irritieren Melka, der
sich den Ball selbst ins Tor haut. Man ist wohl
der Ansicht, dass der Unioner Göhlert zuvor noch
am Ball war, weshalb er als Torschütze angegeben
wurde. Dies war auch nach Intensivstudium aller
Zeitlupen nicht aufzuklären, wenn ja, hat er
wohl eher nur den Luftzug gespürt als dass er
selbst dran war. Für mich ein lupenreines
Eigentor, ausgerechnet vom besten Fortunen an
jenem Nachmittag! Schon ein bisschen
unglücklich, auch wenn der Rückstand verdient
war.
Und erst danach wachte
Fortuna auf, vornehmlich als Trainer Meier in
der 57. Minute den offensiveren Christ für den
defensiveren Sieger brachte. Plötzlich ging was
nach vorne, plötzlich gab es auch Chancen.
Natürlich war man anfällig für Konter und hatte
Glück, als Benyamina in der 64. Minute allein
vor Melka auftauchte und in seinem Bemühen, mit
einem Heber gleich mal das Tor des Tages zu
erzielen, die Kugel schön hoch Richtung
Zuschauerränge feuerte. Auf der anderen Seite
war Fortuna jetzt wirklich am Drücker, und der
Herr Henschel musste Schwerstarbeit verrichten,
um die Berliner vor weiterem Ungemach zu
bewahren: klares Handspiel von Patschinski, das
der Schiri als unabsichtlich auslegte, klar
stand Patschinski sehr nahe bei Caillas, als
dieser den Ball spielte, ebenso klar war
allerdings auch die etwas unnatürliche
Armbewegung gewesen, die die Regel ja
bekanntlich fordert. Schwieriger wurde es dann
für den Schiri, als Fortuna zwei Tore durch
Langeneke und Cakir erzielte, wobei man
zumindest bei Letzterem wohl bis heute nicht
sagen kann, was daran regelwidrig gewesen sein
soll, aber der Herr Henschel pfiff flugs zweimal
Abseits. Zwischendurch warf er Fabian Hergesell
in der 79. Minute noch mit Gelb/Rot vom Platz,
durchaus gerechtfertigt; dummerweise hatte er
zuvor dem Berliner Younga-Mouhani, ebenfalls
schon mit Gelb verwarnt, bei exakt dem gleichen
Foul eine letzte Abmahnung erteilt, was Berlins
Trainer Neuhaus dazu nutzte, seinen Stürmer
flink auszuwechseln. Prima Augenmaß! Fortuna
blieb bis zum Schluss am Drücker, aber sie
brachten den Schiri nicht in Verlegenheit, sich
noch ein paar Ausreden ausdenken zu müssen.
Wirklich jede grenzwertige Situation für die
Heimmannschaft entscheiden – wie auch von Seiten
der Gastgeber nach dem Spiel mehr oder weniger
deutlich zugestimmt wurde -, das ist eine
anstrengende Tätigkeit, da ist man für jede
Erleichterung dankbar. Und so pfiff er auch
relativ pünktlich ab, denn es hatte ja in der 2.
Halbzeit kaum Spielunterbrechungen gegeben. Also
für ihn, meine ich, auch ein neutraler
Beobachter konnte dies durchaus anders sehen.
1:0 für Union.
Im Endeffekt war Fortuna
selbst Schuld, die Niederlage war verdient, weil
man mal wieder die erste Hälfte ziemlich
verpennt hatte. Aber als man zum Schluss doch
noch aufkam, hieß es plötzlich zwölf gegen zehn,
und das war nicht mehr zu stemmen. Ich
wiederhole mich jedes Jahr mindestens einmal:
ich habe großen Respekt vor denjenigen, die die
Tätigkeit eines Schiris ausüben, ich möchte es
auch nicht machen, und Fehler passieren nun mal,
aber es sollten nicht derart viele sein, dass
sie direkt spielentscheidend sind. Für so was
hat man immer noch Spieler auf dem Platz.
Lustigerweise sah das der
Schiri-Beobachter auf der Tribüne ähnlich. Was
allerdings der DFB auf die Meinung von Leuten
gibt, die sich in einem Stadion ein Fußballspiel
ansehen, ist ja bestens bekannt und wird gleich
in einem anderen Zusammenhang noch thematisiert
werden. So konnte es mich auch nicht
überraschen, als ich Herrn Henschel nur fünf
Tage nach seiner unterirdischen Leistung schon
wieder erblicken durfte – bei Zweitliga-Spiel
Nürnberg-FSV Frankfurt. Naja, vielleicht war
dieser Grottenkick dieser beiden Gurkentruppen
ja tatsächlich die „Bestrafung“, um die der
Schiri mit seiner Leistung bei unserem Spiel
gebettelt hatte. Die Wege des DFB sind
unergründlich.
Es heißt ja gerne, dass
sich solche Dinge im Laufe einer Saison stets
ausgleichen. Sollte dies der Fall sein, sind wir
mit dieser Niederlage aufgestiegen. Da kann
eigentlich nichts mehr schief gehen, nach dieser
Nummer.
Um es aber nochmals zu
sagen: die Niederlage war verdient, Union war
das bessere Team. Das berechtigt den Schiri zwar
noch lange nicht, fällige Elfer oder Treffer zu
verweigern, hatte aber durchaus symbolischen
Charakter: Wer, besonders in der ersten
Halbzeit, eine solche Leistung abliefert, hat
auch einen solchen Schiri verdient.
Advent, Advent, mehrere
Lichtlein brennen oder: Blöd, wenn sich die
Realität nicht ans Versmaß hält
Eine Partie, die man
getrost mit dem Namen „Schweinespiel“
beschreiben kann. Nach allen Seiten. Was vor dem
Spiel und auch danach außerhalb des Stadions vor
sich ging, darauf gehe ich nur kurz ein,
schließlich war ich nicht dabei. Ich kann mich
lediglich auf Zeitungsmeldungen beziehen. Und da
sticht insbesondere diejenige Meldung heraus,
dass aufgrund einer natürlich bis heute nicht
geklärten Panne ein U-Bahn-Zug mit ca. 150
Wuppertalern nicht zur Haltestelle am
Europaplatz abbog, wo sich die Gästeblöcke
befinden, sondern direkt vor dem Südeingang der
Arena abgeladen wurde, wo diese 150 Herrschaften
auf alles eindroschen, was nicht schnell genug
laufen konnte und unter anderem einen
Familienvater vor den Augen seiner Kinder
bewusstlos prügelten. Die Polizei konnte sich
hinterher immerhin rühmen, ganze vier Männeken
dieser Arschlöcher festgenommen zu haben, eine
Super-Bilanz. Die leider auch nicht
eindrucksvoller wird durch den Polizeibericht,
der recht eindeutig darstellt, dass sich dieser
Trupp schon bei seiner Ankunft auf dem
Düsseldorfer Hbf mit der Polizei angelegt hatte.
Und trotzdem komplett unbewacht zur Arena
durchgelassen wurde. Ganz groß. Aber wie gesagt,
dazu kann ich nicht viel sagen, auch nicht dazu,
dass es nach dem Spiel wohl die Wuppertaler
waren, die kräftig Dresche bezogen. Eins wie das
andere ist Scheiße, aber von wem das ausging,
hatten die Wuppertaler dankenswerterweise schon
vor Wochen kundgetan, als sie nämlich bei einem
Heimspiel ein Banner mit der schicken Aufschrift
„Düsseldorf zerstören“ aufhängten. Naja, und da
sie sich wohl nicht so ganz Ernst genommen
fühlten, weil das niemanden interessierte,
versuchten sie auch gleich, es in die Tat
umzusetzen. Und natürlich ist weder bei der
Polizei noch bei der Rheinbahn jemand Schuld an
den Vorkommnissen vor dem Spiel. Das wird die
Verletzten bestimmt mächtig beruhigen…
Aber ich wollte ja über das
berichten, was in der Arena los war, an jenem
08.11.2008, vor 16.600 Zuschauern. Wenn man
solch eine Partie halt wochenlang als „Derby“
hochschreibt, dann darf man sich nicht wundern,
wenn einige durchdrehen. Für mich ist das
bestenfalls ein kleines „Derby“, wenn überhaupt.
Ich wüsste nicht, wieso man den Wuppis größere
Aufmerksamkeit schenken sollte, das tun selbst
die Leute in der eigenen Stadt nicht. Für die
mag das ein Derby sein, weil sie nichts anderes
haben, aber für uns? Also mir fiele einiges ein,
was für mich eher ein Derby wäre, neben Köln und
Gladbach sogar noch eher Duisburg als diese
Langweiler mit ihrer leeren Baustelle (nein,
nicht die Schwebebahn, sondern das Stadion).
Aber gut, die Presse hat ihre Schlagzeilen
bekommen, und andere dafür blaue Augen. Aber
wann hätte so was jemals einen Schreiberling
interessiert, der vor dem Spiel eine Partie
tagelang hochst(er)ilisiert?
Zum Spiel: Ziemlich
schwaches Niveau, viel Hektik, will heißen:
dutzendweise Fehlpässe auf beiden Seiten, dazu
nahezu jede halbe Minute eine Unterbrechung.
Kein spielerischer Leckerbissen also, aber den
hatte auch niemand erwartet. Die Wuppis mit dem
besseren Start. Dies galt sowohl für einige
Schlaumeier im Gästeblock, die es
rekordverdächtig schafften, nach 35 Sekunden die
erste Unterbrechung herbeizuführen, als sie es
erstmals ein wenig rauchen ließen. Aber auch auf
dem Spielfeld waren die Gäste zunächst besser,
und die Führung in der 27. Minute war auch nicht
unverdient. der Schiri wollte zwar nach der
Attacke von Cakir im Strafraum gegen Lejan
zunächst weiterlaufen lassen, doch als der Assi
das Fähnchen hob, entschied er sich um, und
Reichwein verwandelte den Elfer lässig. Völlig
verdiente Führung für die Wuppertaler, erzielt
auch noch durch ihren agilsten Spieler. Was bis
dahin von Fortuna kam, war nicht der Rede wert.
Dass dann doch alles anders
kam, verdankte der WSV unter anderem auch seinen
„Fans“. Einige Pfiffikusse im Gästeblock hatten
nämlich unmittelbar nach dem 0:1 genug gesehen
und führten die erste Drittelpause im bezahlten
deutschen Fußball ein, indem sie mehrere
Leuchtkörper aufs Spielfeld warfen. Was das
Ganze so unverwechselbar „Wuppertal“ machte:
nach dem eigenen Führungstreffer bewerfen
die den eigenen Torwart und sorgen damit
für eine 17minütige Spielunterbrechung. Soviel
Dummheit hab ich auch noch nicht gesehen – und
das will was heißen, schließlich komme ich aus
dieser Gegend! Man lernt halt jeden Tag dazu…
Nach dem Wiederanpfiff kam
Fortuna langsam besser nach vorne, aber die
Wuppertaler standen noch recht gut hinten drin.
Sekunden sind noch bis zum (regulären)
Pausenpfiff zu spielen, da fasst sich Marco
Christ ein Herz. Wahrscheinlich weiß er nur
nicht, wen er gerade anspielen soll, also
schießt er dann einfach ins Tor und erzielt mit
einem 25-m-Hammer den Ausgleich, allerdings
begünstigt dadurch, dass WSV-Keeper Maly
(Spitzname: „XXL-Schnitzel“, weil er mit den
Jahren doch ein wenig in die Breite geht, wie
mir scheint) zu weit vor dem Tor steht und den
Ball anscheinend unterschätzt. Vielleicht steht
er auch da, um weiteren Wurfgeschossen, der
eigenen „Fans“ möglichst weiträumig aus dem Weg
zu gehen. Man lässt sich ja nicht gerne
abfackeln, und schon gar nicht von den eigenen
Leuten. Killed by friendly fire sozusagen. Auf
jeden Fall fällt der Ball hinter ihm wie ein
Stein runter und passt deshalb noch unter die
Latte. 1:1 zur Pause, insgesamt ein eher
glückliches Unentschieden für Fortuna.
Nach der Pause nahm sich
der WSV selbst aus dem Spiel, als nach einer
guten Stunde ihr bester Spieler, Marcel
Reichwein, mit Gelb/Rot vom Platz flog. Musste
man nicht geben, konnte man aber, dämliches
Einsteigen von Reichwein. Noch dämlicher, dass
er seine Gelbe Karte in der ersten Halbzeit
wegen permanenter Meckerei kassiert hatte, also:
selbst Schuld. Unmittelbar danach hatten die
Gäste noch die beste Chance des Spiels, als
Lejan frei vor Melka auftauchte, dieser aber
parieren konnte. Danach sah man von Wuppertal
allerdings bis auf einen Angriff, den Cakir in
letzter Sekunde vereiteln konnte, genau gar nix
mehr, Fortuna drückte aufs Tempo, Trainer Meier
wechselte Stürmer für Stürmer, Kadah für den
ausgepumpten Jovanovic, um noch mal neuen
Schwung zu bringen. Und wie: in der 75. Minute
zieht Kadah über rechts in den Strafraum seinem
Gegenspieler davon, kurvt in den Strafraum ein
und spielt von der Grundlinie den tödlichen
Rückpass aus dem 5-m-Raum heraus. Zwar auch ein
bisschen in den Rücken von Marco Christ, aber
eben nur ein bisschen: Christ setzt den Ball aus
der Drehung und ca. 8 m Entfernung rechts oben
ins Tor – 2:1, mittlerweile auch verdient. Und
da von den Wuppis nichts mehr kommt, wird der
Sieg dann doch halbwegs souverän nach Hause
gebracht. Mit dem Schlusspfiff setzen gleich
zwei Joker noch eins drauf und krönen den Mann
der manchmal etwas merkwürdigen Auswechslungen,
Trainer Meier, endgültig zum Mann mit dem
goldenen Händchen, als sich der für Lawaree
eingewechselte Heidinger gegen seinen
Gegenspieler durchsetzen kann, alleine aufs Tor
zustrebt und dann noch den mitgelaufenen Kadah
bedient, der zum 3:1 ins leere Tor vollenden
kann. Dies verblüfft wohl auch den Schiri
dermaßen, dass er gar nicht wieder anpfeift.
Ein letztlich verdienter,
aber sehr mühsamer Sieg in einem Spiel von
ziemlich mittelmäßiger Qualität. Allein die
Tatsachen, dass man endlich mal so ein
„Schweinespiel“ gewinnen und vor allem endlich
mal wieder ein Spiel nach Rückstand drehen
konnte, ließen ein wenig Optimismus aufkommen.
Spielerisch war für Fortuna weiterhin genauso
viel Luft nach oben wie in puncto Niveau für
einige, die unter dem Deckmäntelchen des
WSV-Fans nach Düsseldorf reisten und vor dem
Spiel die Sau rausließen. Aber was soll`s? Wurde
ja beides nicht bestraft.
Baustelle – Punkte!
Am 15.11.2008 musste
Fortuna direkt zur nächsten Baustelle, nach
Dresden. Dort wird auch grad das Stadion
umgebaut, im Gegensatz zu Union Berlin spielt
Dynamo allerdings auch weiterhin in der
Baustelle. Und man kann sagen: wenn das Teil mal
fertig ist, dann aber hallo! Das wird eins der
vielzitierten Schmuckkästchen. Momentan ist es
allerdings nur eine riesige Baustelle, in der
die Zuschauerkapazität auf etwas über 10.000
Zuschauer beschränkt ist. Die waren aber auch
fast alle da, quasi „ausverkauft.“
Und wenn man schon in
besagter Baustelle spielt, dann sollte auch die
Vorbereitung entsprechend sein. Dachten
zumindest einige Dresdner und kredenzten der
Fortuna eine lustige Spielvorbereitung: Das
Abschlusstraining in Dresden am Abend zuvor war
für unsere Spieler nämlich nach 55 Minuten
beendet, weil es dunkel wurde und das Licht sich
nicht einschalten ließ. Kurz darauf, als die
Fortuna im Bus saß, lief eine Jugendmannschaft
zum Training auf, und das Flutlicht ging
an...Billiger, weil uralter Trick. Die können
noch nicht mal über Nacht einen Wasserschlauch
„versehentlich“ zum Platzen bringen, wie man es
in Emden so unvergleichlich beherrscht…
Wie gesagt, es waren so um
die 10.000 Zuschauer im Stadion. Wer auch immer
von denen diesen Bericht liest, denjenigen
möchte ich nicht zumuten, beim Studium dieser
Zeilen und dem dadurch bedingten Erinnerungen an
jenes Spiel vor dem Monitor direkt wieder
einzuschlafen. Deshalb möchte ich mich
ausnahmsweise kurz fassen: In einem ziemlichen
Gurkenkick setzte sich die abgeklärtere
Mannschaft mit 2:0 durch - kaum zu glauben, dass
man so etwas mal über Fortuna schreiben kann.
Dynamo war eigentlich mindestens 75 Minuten lang
die spielbeherrschende Mannschaft, aber es
sprang kaum etwas dabei heraus, Melka musste so
gut wie nie eingreifen. Das Chancenverhältnis
zur Pause hieß exakt 0:0. Fortuna tat auch
nicht besonders viel, wartete ab und verwertete
gegen Ende des Spiels clever zwei Standards -
auch ziemlich unglaublich, dass man so etwas mal
über Fortuna schreiben kann. Nach 75 Minuten
Ecke durch Caillas von rechts,
Kopfballverlängerung Langeneke, und am langen
Pfosten drückte Cakir ebenfalls per Kopf den
Ball über die Linie. Etwas noch nie Dagewesenes
dann in der 86. Minute: Freistoß Caillas von
links und Kopfballtor durch den schönen Claus!
Somit das erste Pflichtspieltor von Claus Costa
für Fortuna - nach knapp 2,5 Jahren! Na, und
wenn schon der schöne Claus trifft, dann kann nu
wirklich nichts mehr schief gehen. Ich stelle
mir grad vor, jetzt würde der Heidinger auch mal
ins Tor treffen. Dann wäre der Himmel die
Grenze!
Glanzloser, aber wichtiger
Sieg, der Fortuna Platz 3 bescherte, punktgleich
mit Union Berlin, aber mit dem besseren
Torverhältnis, was nicht verwunderte, da Fortuna
das beste Torverhältnis der Liga aufwies.
So, schneller ging`s nicht.
Und mehr hatte das Spiel auch nicht verdient.
Bis auf eine humorige Anekdote.
Völlig unerwartet schien
nämlich während des gesamten Spiels die Sonne,
es war ein strahlender Herbsttag. Und was daraus
folgte, das zitier ich einfach mal aus der
Zeitung:
„Ich habe meine Kappe
vergessen und auch nicht gedacht, dass ich
derart in die Sonne gucken muss“, erklärt Melka,
dass er kurz nach dem Anpfiff wild Richtung
Fortuna-Block gestikulierte. „Ich habe bei den
Fans eine Kappe angefordert.“ Ersatzspieler
Robert Palikuca eilte herbei, ließ sich eine
Mütze herabwerfen und reichte sie an Düsseldorfs
Nummer 1 weiter.
Allerdings war es keine mit
Fortuna-Logo, sondern eine von Liga-Konkurrent
Aue. „Dass es eine Kappe von Erzgebirge Aue war,
habe ich erst hinterher gehört. Eine witzige
Situation.“
Die Auflösung: Fortuna
verbindet eine langjährige Fanfreundschaft mit
Aue, weshalb auch Anhänger aus Sachsen die
Meier-Elf im benachbarten Dresden unterstützten.
Mit Anfeuerungsrufen – und einer Kappe für den
Keeper.“
Einen herzlichen Dank an
dieser Stelle an den edlen Spender für seine
Hilfsbereitschaft, die ihm daheim hoffentlich
nicht als Aufrüstung eines Liga-Konkurrenten
ausgelegt wird. Und das mit der langjährigen
Fan-Freundschaft gilt zwar wohl eher nur für
einige Fan-Gruppen, und schon gar nicht für das
Auer Haupttribünen-Volk, das bei unserem
Auftritt dort im September Gift und Galle
spuckte. Aber man freut sich ja schon, wenn so
etwas mal vorkommt.
Apropos besondere
Vorkommnisse: in der Woche nach dem
Dresden-Spiel fiel dem DFB auch noch etwas zu
den Vorkommnissen gegen Wuppertal ein. Zunächst
wurde der WSV bedacht. Hierzu ein Auszug von der
Fortuna-Homepage:
„Das Sportgericht des
Deutschen Fußball-Bundes hat den Wuppertaler SV
Borussia für die Vorkommnisse während der Partie
bei Fortuna Düsseldorf, die zu einer
Spielunterberechung geführt haben, drastisch
bestraft. Der WSV wird mit einer Geldstrafe
belegt und muss im kommenden Heimspiel gegen
Jahn Regensburg die Zuschauerkapazität
begrenzen. Die Meldung des DFB im Detail:
Der Wuppertaler SV muss sein nächstes Heimspiel
in der 3. Liga unter teilweisem Ausschluss der
Öffentlichkeit austragen und zusätzlich 5.000
Euro Geldstrafe zahlen. Mit dieser Strafe
ahndete das Sportgericht des Deutschen
Fußball-Bundes (DFB) im Einzelrichter-Verfahren
nach Anklageerhebung durch den
DFB-Kontrollausschuss die Vorkommnisse beim
Wuppertaler Drittliga-Spiel am 8. November
dieses Jahres bei Fortuna Düsseldorf.
Schiedsrichter Christian Leicher (Weihmichl)
hatte die Begegnung in der 27. Minute für eine
Viertelstunde unterbrechen müssen, weil aus dem
Wuppertaler Zuschauerbereich drei Bengalische
Feuer auf das Spielfeld geworfen worden waren.
Zwei davon waren im Bereich des Wuppertaler
Torraums gelandet, eines davon in der Nähe des
Torhüters. Zudem waren eine Vielzahl anderer
kleinerer Gegenstände auf das Spielfeld geworfen
und bereits zu Spielbeginn Rauchbomben und
Leuchtraketen im Wuppertaler Block gezündet
worden.
Das DFB-Sportgericht hat sein Urteil mit
entsprechenden Auflagen versehen: So darf der
Wuppertaler SV für sein nächstes Heimspiel am
29. November, 14 Uhr, gegen den SSV Jahn
Regensburg nur 1500 Karten an einheimische
Anhänger und 500 Karten an Gästefans verkaufen.
Die Anhänger aus Wuppertal müssen aus
Sicherheitsgründen auf Sitzplatz-Tribünenplätze
platziert werden, die Anhänger des Gastvereins
in räumlich davon getrennte Sektoren. Gegen das
Urteil des Einzelrichters kann binnen 24 Stunden
mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht
beantragt werden.“
Was für eine unmenschliche
Strafe! 5.000 Euro zahlt deren Präsident noch
nicht mal aus seiner Portokasse, dafür zückt der
einfach sein Portemonnaie, oder er lässt mal die
Pfandflaschen hinter der Geschäftsstelle
wegbringen. Und dann diese harte Strafe
bezüglich des nächsten Spiels gegen Jahn
Regensburg! An dem Wochenende, an dem wir in
Dresden spielten, hatte der WSV Heimspiel gegen
Unterhaching. Man verlor mit 2:4, und dies sahen
genau 2.700 Zuschauer. Obwohl sich die WSV-Fans
(also die richtigen, meine ich) vor dem Spiel
mit einem Transparent für die Ausschreitungen in
Düsseldorf entschuldigten. Obwohl sich die
Mannschaft des WSV vor dem Spiel in einem
Offenen Brief ebenfalls von den Vorkommnissen
distanzierte und alle Wuppertaler bat, zum Spiel
gegen Haching ins Stadion zu kommen, um den
Chaoten keinen weiteren Raum zu geben.
Zweitausendsiebenhundert! Wie viele das wohl
gegen Regensburg noch gewesen wären, ganz ohne
Sanktionen? Ich glaube, der WSV hat außer dieser
Affäre außer eines gewaltigen Imageschadens
(aber wie gesagt, wen interessiert das schon? In
der eigenen Stadt anscheinend sowieso kaum
jemanden) keinen weiteren Schaden davon
getragen. Was sie nicht daran hinderte, in
Gestalt des Sportdirektors Carsten Pröpper
dieses Urteil mal gleich zu kritisieren. War
natürlich nur heiße Luft, denn
selbstverständlich akzeptierten sie das Urteil
im gleichen Moment, hinterließ aber wieder mal
einen faden Beigeschmack.
Einen Tag später war
Fortuna dran, 6.500 Euro Strafe für mangelnden
Ordnungsdienst. Das ist klar, die Heimmannschaft
ist immer dran. Und da ist es auch völlig
irrelevant, was ein so genannter
Sicherheitsbeauftragter des DFB dazu sagt. Ein
solches Exemplar befand sich während des Spiels
nämlich in der Arena und gab nach dem Spiel zu
Protokoll, dass der Sicherheitsdienst bei
Fortuna alles Menschenmögliche getan habe, um
die Vorfälle im Stadion zu unterbinden. Von
diesem Moment an wusste ich, dass es auch für
uns teuer wird. Dieselbe Aussage gab es nämlich
im letzten Dezember nach dem Spiel RW Essen
gegen Fortuna, als einige unserer Blitzbirnen
fast ein Spielabbruch provoziert hatten. Der
damalige Sicherheitsbeauftragte sagte Selbiges
damals nach dem Spiel, und der DFB lachte ein
bisschen und brummte RWE 40.000 Euro Strafe auf,
die nach Protest auf auch nicht allzu knappe
15.000 Euro reduziert wurden. Wie weiter oben
schon geschrieben, was Leute sagen, die in einem
Stadion sind und nicht zuhause vorm Fernseher
sitzen, interessiert beim DFB anscheinend
niemanden. Vielleicht war es auch damals wie
heute derselbe Sicherheitsbeauftragte, und der
wird nicht ganz Ernst genommen oder hat
irgendjemandem vom DFB-Sportgericht mal die
Freundin ausgespannt. Anders ist so etwas fast
nicht mehr zu erklären.
Es war also klar, dass die
Strafe kommen würde, allerdings stimmt da doch
das Verhältnis nicht mehr. 6.500 für uns, 5.000
für Wuppertal? Plus die Zuschauerbeschränkung
gegen Regensburg, die die Wuppertal vielleicht
1.000 Fans kosten wird, wenn überhaupt? Da ist
die Verhältnismäßigkeit so weit verschoben, dass
man meinen könnte, beim DFB vermute man, dass es
Düsseldorfer waren, die sich in den Wuppertaler
Fan-Block geschmuggelt hätten.
Interessant ist daran auch,
dass der DFB weiß und auch selbst zur Kenntnis
bringt, dass solche Vorfälle auch vom besten
Ordnungsdienst der Welt nicht ausgeschlossen
werden können, den Gastgeberverein aber selbst
dann abkassiert, wenn der eigene Sicherheitsmann
vor Ort sagt, dass man alles versucht hat. Somit
kann das wohl getrost unter die Rubrik „Abzocke“
verbuchen, indem etwas bestraft wird, von dem
der Bestrafer genau weiß, dass es nicht zu
verhindern ist. Würde mich daher nicht wundern,
wenn dies schon ein fester Posten im
Haushaltsplan des DFB wäre…
One-Night-Stand an die
Spitze
Am Freitag, den 22.11.2008
kam nicht nur Eintracht Braunschweig zum
Gastspiel in die LTU-Arena. Passend dazu kam
auch gleich der Winter mit. Ich befand mich am
Mittag vor dem Spiel im Bergischen Land, als
mich dort etwas erwischte, das ich eigentlich
nur noch als „Blizzard“ bezeichnen kann, Schnee,
Orkanböen, fliegende Äste, umkippende
Baustellenbegrenzungen. Sofort disponierte ich
alles um und verließ diese nicht grad
gastfreundliche Gegend in Richtung Düsseldorf,
bevor in meiner alten Heimat das Chaos
ausbrechen würde, was kurz darauf auch der Fall
war (über 300 Feuerwehr- und Polizeieinsätze
allein in diesem Gebiet). Dadurch war ich
natürlich schon am frühen Nachmittag an der
Arena und verkürzte mir die Zeit durch eine
Fahrt in die Altstadt. Dort bot sich mir leider
auch kein anderes Bild, Sturmböen, die die
Schilder und Stehtische der jeweiligen Kneipen
durcheinander wirbelten, Hagelschauer,
dazwischen ein kleines Gewitter, bei dem es so
heftig rummste, dass ein Einschlag in der Nähe
zu vermuten stand – Opa hätte in ganz anderen
Erinnerungen geschwärmt, weiter östlich, glaube
ich. Es war ein Wetterchen, bei dem man seinen
Hund nicht vor die Tür gejagt hätte.
Da dies jedoch am Tag zuvor
schon im Wetterbericht angekündigt worden war,
ließ man es in der Arena ordentlich rappeln,
sprich: man machte das Dach zu. Ich fand es zwar
nicht unbedingt wärmer dadurch, aber wenigstens
war der Rasen ordentlich zu bespielen. Und so
schafften wir an jenem Abend, völlig
unbeeindruckt vom Verkehrschaos direkt vor der
Haustür (Sperrung der Rheinuferstraße nach
schwerem Unfall), den erstmaligen Sprung an die
Tabellenspitze. Wenn auch nur für eine Nacht,
aber deshalb fühlt es sich ja nicht weniger gut
an. 2:1 gegen Eintracht Braunschweig vor knapp
14.000 Zuschauern.
Die Fortuna startete gut in
die Partie, versuchte durch schnelles Spiel nach
vorne die tief stehende Braunschweiger Abwehr zu
überwinden und das frühe Tor zu erzielen. Und es
gelingt bereits in der 7. Minute, als Cebe den
Verstolperer eines Braunschweigers im Mittelfeld
für eine schöne Steilvorlage per Kopf nutzte und
den Ball in den Lauf von Jovanovic spielen
konnte. Zwei Verteidiger waren nicht in der Lage
den Stürmer zu halten, und der schlenzte an
Gästekeeper Fejzic zum 1:0 ein. Man konnte sich
glatt an das Spiel gegen Offenbach erinnert
fühlen. In der Folgezeit übrigens auch, denn wie
schon gegen die Hessen, so gab die Fortuna auch
gegen die Eintracht die Partie relativ zügig aus
der Hand. Man überließ dem Gegner das
Mittelfeld, spielte nur noch lange Bälle nach
vorne und zeigte deutliche technische Schwächen
bei Ballannahme und Passspiel. Der Gegner merkte
dies und kam nach und nach besser auf. Nach 24
Minuten hatten sie die Riesen-Gelegenheit zum
Ausgleich, aber den abgefälschten Freistoß
konnte Schlussmann Melka, bereits in die falsche
Ecke unterwegs, mit einem sensationellen Reflex
noch klären. Auch in der 38.Minute war Melka zur
Stelle und konnte den Ausgleich verhindern, als
er einen Volleykracher von Kruppke abwehren
konnte. Zwei Minuten später aber dies: an der
Mittellinie nimmt Benjamin Fuchs den Ball an und
marschiert nach vorn. Niemand fühlt sich
bemüßigt, ihn anzugreifen, zumal er die Kugel
relativ freiwillig wieder hergibt: aus gut 30
Metern knallt der einfach mal drauf. Die Kugel
fliegt Richtung linkes Eck (vom Schützen aus),
Melka macht die entsprechenden Schritte dorthin
– und bleibt auf halbem Wege einfach stehen.
Dafür hat er dann aber auch den Platz in der
ersten Reihe der „Etwas-ungläubig-Gucker“, als
der Ball links oben im Eck einschlägt. Da hat
sich unser Keeper wohl etwas verschätzt, warum
sollte er sonst plötzlich stehen bleiben, wenn
nicht aus dem Grunde, dass er den Ball am Tor
vorbei fliegen sieht? Der Ball tat es leider
nicht und Fortuna-Trainer Norbert Meier nannte
den Ausgleich anschließend „folgerichtig“. Mit
dem 1:1 ging es auch in die Pause, obwohl direkt
nach dem Ausglich wieder einmal Ahmet Cebe, in
letzter Zeit ein wenig neben sich stehend, die
erneute Führung auf dem Fuß hatte: nach
herausragendem halbhohen Anspiel durch Jovanovic
schaffte er es jedoch, den Ball völlig
freistehend per Volleyschuss aus ca. 8 m
„meilenweit“ über das Tor zu setzen. In puncto
Großchancen vergeben dürfte er damit allmählich
alleiniger Spitzenreiter in der Mannschaft sein…
Die zweite Halbzeit begann
für die Fortuna optimal. Drei Minuten sind
gespielt, da lässt sich Olivier Caillas mal
wieder erweichen, ein bisschen was von dem
Genius auszupacken, den er ab und zu im Füßchen
hat. Ein traumhafter Pass, genau im richtigen
Moment, an den Sechzehner auf Axel Lawarée, der
steht nicht im Abseits, stoppt das Ding in aller
Ruhe und hebt über den heraus eilenden Torwart
zum 2:1 ins leere Tor. Ein schöner Auftakt.
Danach lebte das Spiel
eigentlich nur noch vom Kampf, und, um es
positiv auszudrücken, es verlagerte sich mehr in
die Mitte des Spielfeldes. Die Gäste aus
Niedersachsen blieben zwar stets gefährlich,
hatten allerdings eigentlich nur noch eine dicke
Chance, aber was für eine: in der 58. Minute
Flanke in die linke Strafraumhälfte, da steht
der Pfitzner völlig frei und nimmt die Kugel
direkt aus der Luft, scheitert aber erneut an
Keeper Melka, der mit einer sensationellen
Fußabwehr klären kann. Gegen Ende der Partie
schienen die Kräfte auf beiden Seiten
nachzulassen, Jovanovic und Caillas verpassten
es, ihre jeweiligen Sololäufe auch entsprechend
abzuschließen, Braunschweig versuchte zwar
alles, biss sich aber an unsere starken
Innenverteidigung die Zähne aus, und daher hielt
das Ergebnis bis zum Ende. Das hätte ich eine
halbe Stunde zuvor noch nicht geglaubt, zu viele
Fehler waren im Spiel, ich hatte fest damit
gerechnet, dass wir das Spiel nur würden nach
Hause schaukeln können, wenn wir einen dritten
Treffer nachlegen. So kann man sich täuschen. Am
Ende waren alle platt wie die Flundern, aber die
drei Punkte unter Dach und Fach. Und nebenbei
war man für eine Nacht Tabellenführer! Am
Samstag siegte Paderborn erwartungsgemäß 4:0
gegen den VfR Aalen und übernahm die Spitze
wieder, mit jetzt 35 Punkten. Fortuna ist
Zweiter mit 32 Punkten, punktgleich, aber in der
Tordifferenz einen Treffer besser als Union
Berlin auf Platz 3. Die hatten auch ein apartes
Erlebnis hinter sich, sie gewannen gleichzeitig
mit uns am Freitagabend mit 2:0 in Regensburg.
Dies ist an sich nichts Ungewöhnliches, schon
eher allerdings, dass in dieser Partie in der
ersten Hälfte drei Elfmeter verschossen wurden,
zwei für Regensburg, einer für Union. Warum so
einfach, wenn es auch kompliziert geht? Am
selben Abend wurden unsere 17 Minuten
Spielunterbrechung aus der Partie gegen
Wuppertal eingestellt, in Erfurt hatte man eine
Unterbrechung derselben Dauer im Spiel gegen den
VfB Stuttgart II, allerdings verlor man dort den
Überblick nicht aufgrund irgendwelcher
Rauchschwaden sondern weil es wie bekloppt
schneite. Als das Unwetter nachließ, spielte man
das Spiel zu Ende und Erfurt gewann 1:0. Um
einen Spielabbruch aufgrund der Witterung kam
man also erfolgreich herum.
Vierter in der Tabelle ist
Kickers Emden mit 31 Punkten, die können
allerdings noch vorbei ziehen, denn sie haben
ein Spiel weniger. Ihre Partie gegen Bayern
München II wurde wegen Unbespielbarkeit des
Platzes abgesagt. Das erstaunt natürlich Laien
wie mich ein wenig, ich hielt den Platz der
Emder in bisher allen Gelegenheiten, zu denen
ich dort sein durfte, für unbespielbar, egal
welche Jahreszeit. Und auch die Erklärung der
Emder Geschäftsstelle, es befänden sich große
Wasserpfützen auf dem Platz, die eine Austragung
des Spiels unmöglich machen würden, lässt mich
fragend zurück, denn zu anderen Gelegenheiten
lässt man dort ja durchaus mal „zufällig“ einen
Schlauch platzen, um in Spielen bei 28 Grad im
Schatten genau diese Wasserpfützen zu zaubern.
Schon manchmal merkwürdig, dieses Premiumprodukt
3. Liga …
Ach was soll`s, heute
wollen wir fröhlich gestimmt sein. Die
Vorweihnachtszeit beginnt, und wir stehen sehr
ordentlich da. Was eigentlich ziemlich
verwundert, denn die Leistungen ließen in den
letzten Wochen doch ziemlich nach, was
allerdings auch nicht verwundern sollte, die
Truppe marschiert langsam auf dem Zahnfleisch.
Der Kader ist ja eh schon ziemlich klein in
dieser Saison, hinzu kommt eine wirklich
unglaubliche Verletztenliste, wie ich es in den
letzten Jahren selten gesehen habe. Aktuell ist
unser Kapitän Andreas Lambertz, wie bereits
geschrieben, erneut außer Gefecht gesetzt, hat
kaum die Hälfte aller Spiele mitmachen können.
Stürmer Kenan Sahin fehlt seit Wochen ebenso
verletzt wie Mittelfeldspieler Oliver Hampel,
von Stürmer Bekim Kastrati wollen wir mal gar
nicht reden. Immerhin saß der beim
Braunschweig-Spiel zum ersten Mal in dieser
Saison wieder auf der Bank. Ich hoffe, er hat
sich beim Abgang aus dem Innenraum nicht wieder
irgendwas gezerrt. Auch Bruno Custos und Henri
Heeren sind nicht einsatzbereit, gegen
Braunschweig spielte Jovanovic stark
grippegeschwächt, als er ausgewechselt wurde,
war er stehend k.o. Wir haben in diesem Jahr
wirklich nix zu lachen. Wollen wir hoffen, dass
die Truppe bis Weihnachten durchhält.
In der Vorweihnachtszeit
kommen ja auch immer die erste Wechselgerüchte
auf, schließlich naht die Winterpause und mit
ihr die Öffnung des Transferfensters, um noch
ein bisschen frischen Wind in die Ligen zu
blasen. Und so liest man in letzter Zeit ja auch
die erstaunlichsten Sachen: Sascha Rösler zur
Fortuna, Lukas Podolski heim zu Mutti, Diego zu
Sarah Connor und so weiter. Ich persönlich hätte
nichts gegen Rösler, vorausgesetzt, er ließe mit
seinem ganzen Ärger auch gleich seine
Gehaltsvorstellungen in Mönchengladbach zurück.
Oder aber es käme, ganz weihnachtlich, noch der
eine oder andere Gönner plötzlich aus dem
Mittelfeld der Anhängerschaft gestürmt und würde
uns den Spieler quasi passend zu den festlichen
Tagen einnetzen. Auf eine hübsche Verpackung
darf dann auch gerne verzichtet werden.
Aber bis sich noch etwas in
Sachen Neuverpflichtungen tun kann oder unsere
Spieler mal in Ruhe ihre Wehwehchen auskurieren
können, haben wir noch ein schweres Programm.
Nächste Woche geht es zu Carl Zeiss Jena, wo wir
unserem Ex-Torwart Carsten Nulle gerne die Bude
vollhauen würden, wenn der nicht grad top in
Form und Jena allgemein auf dem aufsteigenden
Ast wäre. Aber wird werden es versuchen. Danach
kommt zum letzten Heimspiel des Jahres der VfR
Aalen in die LTU-Arena, dann schon mit Jürgen
Kohler als Sportdirektor (vom Trainerjob ist er
letzte Woche auf ärztliches Anraten
zurückgetreten) und Petrik Sander als neuem
Coach, zwei Betonmischer vor dem Herrn, eine
ziemlich unangenehme Aufgabe. Und zum
Jahresabschluss gibt es noch zwei
Auswärtsspiele: zunächst geht es zum letzten
Vorrundenspiel auf den verfluchten Nebenplatz 11
nach Bremen. Die sind derzeit Tabellenletzter,
man könnte also meinen, die Chance, dort
endlich, endlich, endlich mal zu gewinnen,
könnte größer nicht sein. Ich bin da skeptisch,
sechs Fahrten dorthin haben es mir tief ins Hirn
eingepflanzt, dass die stehen können, wo sie
wollen, wir lassen trotzdem immer die Punkte
dort. Sollte diesmal ein Sieg für die Fortuna
heraus springen, wäre ich versucht, vor Freude
gleich alle Trainingsplätze zu umrunden, die ihr
Dasein im Schatten des Weserstadions neben Platz
11 fristen. Aber hey, seh ich aus wie der
Goldmedaillengewinner im Marathon? Das sind
nämlich so ca. 20 Stück. Und ich will ja auch
irgendwann mal wieder nach Hause…
Als letztes Spiel vor der
Winterpause dann noch ein echtes Highlight,
Beginn der Rückrunde mit dem Spiel beim
aktuellen Tabellenführer SC Paderborn, erstmals
in deren neuer Spielstätte, der paranoid-arena,
oder so ähnlich. Da wäre noch eine Rechnung vom
Hinspiel offen, welches wir 1:4 vergeigt haben.
Aber so etwas sollte man sich nicht explizit
vornehmen, das geht dann meist in die Hose.
Außerdem ist Weihnachten das Fest der
Nächstenliebe, da muss es Kompromisse geben. Und
deshalb hätte ich ganz nächstenlieb gar nichts
dagegen, wenn wir dort nur 1:0 gewinnen würden.
Ja, so bin ich!
Ob`s geklappt hat oder
nicht, davon lest ihr beim nächsten Mal. Bis
dahin erst einmal viel Spaß mit gepanschtem
Glühwein, giftstoffbelasteten Bratwürstchen und
gemieteten Weihnachtsmänner von der
Studenten-Zeitarbeit. Oder was man sonst so
hierzulande „Vorweihnachtszeit“ nennt…
Advent, Advent, ein
Lichtlein brennt…und ausnahmsweise (noch?) nicht
der Baum, säuselt: janus |