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Herzlich
willkommen zurück bei Fortuna Düsseldorf! Neues
Spiel, neue Liga, neues Glück – nur der Verein
ist noch immer derselbe, wie gleich sofort
festzustellen sein wird. Aber mal ehrlich –
wollen wir das überhaupt anders? Wollen wir so
drängende Probleme bearbeiten wie Schalke oder
Bremen, nämlich ob wir einen Spieler für Olympia
abstellen müssen, einen einzigen Spieler, dessen
Fehlen natürlich das gesamte Mannschaftsgefüge
in der Vorbereitung so dermaßen zusammenbrechen
lässt, dass man jetzt schon eine gute Erklärung
für einen eventuell folgenden Fehlstart in der
Liga hat? Oder wollen wir wirklich
Trikotpräsentationen wie von Bayern München, in
der irgendwelche Hupfdohlen zu bombastischer
Klassikmusik in einer ausgeklügelten Light-Show
präsentieren, mit welchen Leibchen die Herren
Ballbeweger demnächst ihre gefühlt 48. Deutsche
Meisterschaft einfahren werden, weil die
Konkurrenz ja schon anhand dieser lustigen
Veranstaltung resigniert sagt: „Die spielen in
einer anderen Liga!“? Oder wollen wir einen TED,
wie ihn SAT.1 nach dem Spiel des FC Telekom
gegen den HSV schaltete, und in dem man allen
Ernstes fragte, ob der Favorit nach einem 2:2
(!) am ersten (!!) Spieltag um den Titel bangen
müsste? Natürlich wollen wir das nicht, wir
wollen uns weiter ärgern, dass wir mit
irgendwelchen drittklassigen Krampen in einer zu
Dreivierteln leeren Arena spielen müssen, wir
wollen weiter ganz fest daran glauben, dass der
millionenschwere Deckel, den wir bei der
sportwelt/kinowelt-Connection stehen haben, sich
bei nur allzu intensivem Anstarren schon
irgendwann in Luft auflösen wird, und wir wollen
wieder mit dem Schicksal hadern, wo wir hätten
stehen können, wenn wir nur richtig eingekauft
hätten. Wobei Letzteres ein Thema ist, bei dem
wir uns diesmal gar nicht lange aufhalten
mussten. Also: los geht’s!
Sommerpause
Ja, in der
Sommerpause, da rotiert das Personalkarussell.
Es sei denn, man ist bei Fortuna, da kreist
höchstens der Blocker der Putzfrau auf der
Geschäftsstelle. Bis Saisonbeginn waren ganze
zwei Neuverpflichtungen drin, mit denen man das
Abenteuer 3. Liga angehen will. Und während mit
Stephan Sieger vom neuen Mitkonkurrenten
Offenbacher Kickers noch solide Qualität für das
defensive Mittelfeld eingeholt wurde, muss dies
bei Neu-Stürmer Deniz Kadah vom VfB Lübeck
zumindest hinterfragt werden, allzu viel hat der
nämlich auch noch nicht gerissen. Ausgerechnet
unsere Sorgen-Abteilung, der Sturm, wurde also
nicht zielgerecht verstärkt. Richtig zur Posse
wurde das Transfergeschäft, als es um Nils
Fischer ging. Der ist rechter Außenverteidiger
bei Arminia Bielefeld II, kam zum Probetraining,
überzeugte, und sollte ausgeliehen werden.
Jawohl, ausgeliehen, die Bielefelder wollten den
nämlich gar nicht abgeben, die wollten nur, dass
er Spielpraxis bekommt. Wäre auch alles kein
Problem – wenn in letzter Minute nicht der
Vorstand der Fortuna dazwischen gefunkt und
seine Zustimmung zu dieser Personalie verweigert
hätte. Nicht weil die Bielefeld oder den Fischer
nicht leiden können, nein, sondern weil
angeblich derzeit kein finanzieller Spielraum
für diese Verpflichtung gegeben sei! Also ich
weiß ja, dass wir pleite sind, aber dass es noch
nicht mal mehr zur Leihe eines Oberligaspielers
reicht, das gibt mir doch zu denken. Wobei es
dann natürlich von Seiten des Vorstandes ganz
flugs hieß, das habe nix mit den Finanzen zu
tun, sondern man sähe die „sportliche
Notwendigkeit“ einer solchen Leihe nicht. Aua,
ein Vorstand, der meint, sportliche Belange
besser einschätzen zu können als Trainer und
Manager, die beide Fischer haben wollten. Was
müssen wir sportliche Koryphäen im Vorstand
haben – oder halten die unseren Trainer und
Manager nur für eine etwas bessere
Laienspielschar auf diesem Gebiet? Man weiß es
nicht genau. Aber anscheinend tummeln sich in
unserem Kader noch zu viele „Altlasten“, die man
eigentlich abbauen wollte. Bei David Krecidlo
gelang dies, der wechselte zum SC Paderborn.
Christian Erwig, einer der Stürmer, die in der
letzten Saison nicht überzeugt hatten, war
immerhin mal zum Probetraining bei einem
österreichischen Erstligisten, habe verdrängt,
welcher es war, Sturm Graz, glaube ich. Was er
sich da zusammen spielte, gefiel den Ösis so
„gut“, dass sie bis heute nichts mehr von sich
hören ließen. Erwig kam zurück und tat das, was
er am besten kann, nämlich Tore am Fließband
gegen unterklassige Testgegner schießen. Mehr
kam dann wohl aber nicht, denn zumindest in den
ersten beiden Saisonspielen gegen Paderborn und
Stuttgart saß er noch nicht einmal auf der Bank.
Stattdessen schoss er dann in den Testspielen
der Zweiten Mannschaft, deren Saison erst am
17.08.08 begann, Tore am Fließband gegen
unterklassige Mannschaften. Ich möchte wirklich
mal wissen, was mit dem los ist...
Verzichtet hätte man
auch gerne auf die Dienste von Marek Klimczok
und Henri Heeren. Da beide jedoch einen Vertrag
bis 2009 haben, entschlossen sie sich, diesen
zunächst einmal auch auszusitzen. Eine Maßnahme,
die zumindest den sportlichen Manager Wolf
Werner keinesfalls erzürnen dürfte – selbiges
hatte er nämlich Olivier de Cock öffentlich
geraten als klar wurde, dass wir den nicht
würden halten können. Die Situation ist
verzwickt: de Cock war ja nur ausgeliehen, hat
noch ein Jahr Vertrag in Brügge. Die brauchen
ihn nicht mehr, legen aber Wert auf eine
Ablösesumme, die Fortuna nicht zahlen kann. Und
als die Tage vergingen und es immer noch kein
Geld vom Himmel regnete, da empfahl der gute
Herr Werner dem Cockie, sich halt zur Not diese
Saison in Brügge auf die Tribüne zu setzen und
im nächsten Jahr ablösefrei wieder zu uns zu
kommen. Leider tat er dies recht öffentlich,
nämlich im Rahmen eines Zeitungsinterviews. Da
werden sich Klimczok und Heeren wohl vor Freude
auf die Schenkel geklopft haben, als sie dies
lasen.
Markus Anfang
hingegen konnte man zwar vom Spielfeld
runterholen, bezahlen darf der Verein aber
weiter für ihn, er ist jetzt nämlich Co-Trainer
bei der Zweiten Mannschaft. So hat auch einst
Uwe Weidemann angefangen, wenn mich nicht alles
täuscht...
Und wenn man schon
keine Neuen verpflichten kann, muss man es eben
besonders hervorheben, wenn die Alten bleiben
wollen. Andreas Lambertz zum Beispiel hatte
konkrete Angebote des VfL Osnabrück und von
Alemannia Aachen. Man konnte ihn halten und
machte ihn auch gleich zum Mannschaftskapitän
(da hatte er in der letzten Saison als
Stellvertreter ja auch genug Zeit zum Üben, weil
Henri Heeren eher selten über eine gesamte
Spieldauer auf dem Platz zu sehen war), musste
sich aber finanziell bis zur Decke strecken. Und
sollte ganz oben unter der Decke noch ein
bisschen Luft geblieben sein, so wurde die
anschließend für Hamza Cakir verbraucht, der
krasse Angebot von Wuppitaler SV hatte. Auch ihn
konnte man überreden, seine sportliche
Herausforderung weiterhin bei Fortuna zu sehen,
aber weniger als vorher wird er wohl kaum
verdienen. Insgesamt natürlich erfreulich, zwei
echte Leistungsträger und Identifikationsfiguren
halten zu können, aber da soll es dann
tatsächlich Fans geben, die sich wundern, wenn
anschließend kein Geld mehr da ist...
Immerhin langte es
noch zur Verpflichtung einer echten Granate: vom
ETB SW Essen kam Torjäger Sascha Wolf, mit der
Empfehlung von fast 80 Toren in den letzten vier
Oberliga-Jahren. Der Ex-Essener und Ex-Schalker
weiß wirklich noch, wo das Tor steht. Leider ist
auch er schon 36 Jahre alt. Er wurde als
Leitwolf für die Zweite Mannschaft geholt, für
die kann er Gold wert sein. Aber wenn der in der
neuen NRW-Liga weiter wie blöde knipst, dann
kann man ihn ja zumindest mal bei der Ersten auf
die Bank setzen, um den eigentlichen Stürmern
Feuer unterm Hintern zu machen...
Also: der beste
Abwehrspieler der letzten Saison wohl weg, drei
Leute, die man nicht mehr auf der Gehaltsliste
haben wollte, immer noch da, nur zwei Neue,
insgesamt nur 18 Mann im Kader – das ließ für
die neue Saison ja nicht viel Gutes erahnen.
In acht Testspielen
wurde vor Saisonbeginn geglänzt, mit sieben
Siegen und einem Unentschieden sowie einem
Torverhältnis von 63:1. Natürlich waren dies
unterklassige Gegner, die da vermöbelt wurden,
aber das ein oder andere Highlight gab es
trotzdem. Am 05.07.08 zum Beispiel spielte man
beim A-Kreisligisten SV Sötenich, im Rahmen des
einwöchigen Trainingslagers in Bitburg. Dort war
man im letzten Jahr bereits angetreten und hatte
10:0 gewonnen. Dies hatte den Eifelanern
anscheinend so viel Spaß gemacht, dass sie die
Fortuna nochmals einluden und mit Flyern und
Zeitungsanzeigen für das Spiel warben. In diesen
Anzeigen wurde vollmundig die „Revanche“ für
dieses 0:10 angekündigt. Es wurde eine. Und wie!
Ich sag nur: SV Sötenich - Fortuna 1:25! Das
genaue Ergebnis war nur anhand hartnäckiger
Recherche rauszufinden, da auch die
entsprechenden Printmedien so ab Tor Nr. 18 wohl
nicht mehr so richtig mitgezählt hatten. Da ging
es ihnen wie den Spielern, kleiner Dialog nach
Spielschluss beim Abgang: Christian Erwig zu
Stephan Sieger: „Wie ist es eigentlich
ausgegangen?“ - Sieger: „Keine Ahnung.“ Auf der
Fortuna-HP wurde dann auch zunächst recht
diplomatisch formuliert: „In einer eher
einseitig geführten Partie gewann Fortuna am
Nachmittag beim SV Sötenich mit ca. 23:1 bis
25:1.“ Aber nach Befragung des Schiedsrichters
hat man dann zum Glück doch noch alles
rausgekriegt. Ahmet Cebe machte nach 12 Sekunden
das 1:0, und für die Gastgeber wäre es besser
gewesen, das Spiel wäre sofort danach
abgepfiffen worden. So war es eine schöne
Unterhaltung für die knapp 500 Zuschauer. Ein
netter Verein, wir kommen gerne mal wieder.
Ansonsten ließen sich aus diesem Spiel natürlich
keine Erkenntnisse gewinnen, außer dass unser
Sturm mit Leichtigkeit trifft, sobald der Gegner
sechs oder sieben Klassen tiefer spielt. Aber
neu ist das nun wirklich nicht.
Man holte noch ein
sehr ordentliches 0:0 gegen den FC Messias,
formerly known as 1.FC Köln, die auch wirklich
mit dem auf dem Platz standen, was sie für eine
erfolgreiche Anfangsformation zum Ligastart
hielten; im Rahmen der Saisoneröffnung besiegte
man auch Zweitligist TuS Koblenz mit 1:0. Etwas
relativiert wurde dieser Erfolg dadurch, dass
die Koblenzer aufgrund von Verletzungen und
Erkrankungen gerade mal mit 13 Feldspielern
anreisten, was allerdings zu einem besonderen
Auftritt führte: in der 58. Minute wurde der
Koblenzer Co-Trainer Mario Basler eingewechselt
und mit frenetischem Applaus von allen Seiten
begrüßt. Da Super-Mario nach ca. 5 Minuten
konditionell schon ein wenig schwächelte,
beschränkte er sich überwiegend darauf, in der
Vierer-Abwehrkette auszuhelfen. Ein großer
Auftritt! Das Tor für Fortuna erzielte Cebe,
daneben gab es noch drei fortunistische Latten-
und Pfostentreffer zu bestaunen. Chancen
vergeben können wir also schon wieder wie die
Großen...
An jenem Wochenende,
um den 19.07.08 herum, gab es dann noch drei
lustige Schmankerln rund um das „Premiumprodukt“,
wie der DFB die 3. Liga auf seiner offiziellen
Website benennt, mittlerweile ein geflügeltes
Wort unter den Fans (auch ich muss sagen: ich
liebe es, deutlicher kann man nicht zeigen, wie
sehr man sich im Verband von der Sportart
entfernt hat). In der ARD-Sportschau gab es
einen Vorbericht zur 3. Liga, sozusagen einen
Anschmecker, denn die Liga würde ja am darauf
folgenden Wochenende den Spielbetrieb
aufnehmen. Als es um die Entfernungen zwischen
einzelnen Spielstätten ging, die sich ja für
einige Klubs (unter anderem uns) doch ziemlich
vergrößert haben, fiel u.a. der Satz:
„Finanzstarke Traditionsclubs wie Fortuna
Düsseldorf können sich dies problemlos leisten.“
Wurde anschließend in unserem Forum spontan zum
Satz des Jahres gekürt. 7,5 Mio. €
Verbindlichkeiten (höflich geschätzt und nach
unten abgerundet) heißen bei der ARD also
„finanzstark“. Aber okay, die berichten ja auch
normalerweise über Clubs wie Dortmund, bei denen
dann ganz andere Zahlen im Fokus stehen, muss
man verstehen.
Zum anderen gab der
Sicherheitschef des FC Bayern (keine Ahnung, wie
der Trulli heißt) auch mal was zum Besten. Zur
neuen Saison des FC Bayern II befragt, meinte
er: „Die Zeit der Ausflüge aufs Land sind
vorbei, jetzt bekommen wir Hochsicherheitsspiele
mit Gegnern wie Dynamo Dresden, Eintracht
Braunschweig und Fortuna Düsseldorf.“ Abgesehen
davon, dass die Aussage ziemlich unverschämt ist
- ein Glück, wenn so ein Sicherheitschef es sich
leisten kann, so richtig die Klappe aufzureißen.
Schließlich spielt Bayern II ja bekanntermaßen
in einer multifunktionalen Hochsicherheitsarena,
dem Stadion an der Grünwalder Straße. Wie man
selbst in einer Hütte spielen kann, in der man
durch einfaches Handling faustgroße Betonbrocken
aus den Stehstufen herausdrehen kann und sich
dann über anderer Leute Fans aufregen kann -
nun, dazu muss man schon Bundesligist sein, denn
bei deren Zweitmannschaften erscheint in der
Sommerpause auch keine Sicherheitskommission des
DFB. Wie es sich gehört natürlich.
Zu beiden Punkten
kann man sagen: wenn man keine Lust hat,
gründlich zu recherchieren, sollte man
eigentlich einfach nur das Maul halten. Aber das
gibt’s ja heutzutage nicht mehr.
Erheiternd wirkte
auch die Aussage von Hermann Gerland, dem
Trainer von Bayern II, der angesichts der neuen
Herausforderungen meinte, der Zuschauerschnitt
in der 3. Liga würde wenig zu wünschen übrig
lassen, denn: „Wenn wir Bayern kommen, rennen
die Leute den Vereinen die Bude ein, auch wenn
es nur die 2. Mannschaft ist.“ Wieder einer, der
die Bodenhaftung ein wenig verloren hat. Auch
ich halte Bayern II zwar spielerisch für eine
der besten Truppen in der Liga, aber ob das
diejenigen Leute in Düsseldorf, Emden oder
Paderborn hinter dem Ofen hervor lockt, die sich
normalerweise kein Spiel ansehen würden - nur
weil beim Gegner „Bayern München“ drauf steht?
Ich darf da mal zumindest leise Zweifel
anmelden...
Als letzten Punkt gab
es dann aber noch einen echten
Schildbürgerstreich: es stand zu befürchten,
dass Fortuna ihr erstes Auswärtsspiel bei den
Stuttgarter Kickers im Gottlieb-Daimler-Stadion
des VfB austragen musste (Moment, haben die
ihren Bunker nicht kürzlich erst wieder
umbenannt? Keine Ahnung, falls ja, möge man mir
dieses sponsoren-feindliche Verhalten
meinerseits verzeihen).. Die Stuttgarter Polizei
wollte nämlich Spiele im Kickers-Stadion Auf der
Waldau verbieten, weil dort keine mobilen
Arrestzellen vorhanden seien! Diese waren bei
einer österreichischen (!) Firma bestellt,
werden aber wohl erst Mitte August geliefert.
Bis dahin sollte dort kein Heimspiel ausgetragen
werden dürfen. Dies betraf das erste Heimspiel
des VfB II gegen Offenbach und eben das erste
Heimspiel der Kickers gegen uns. Und dazu fiel
mir eigentlich gar nix mehr ein...
Was noch skurriler
gewesen wäre: unser Auswärtsspiel beim VfB II
findet Ende Oktober statt. Da der VfB II seine
Heimspiele ebenfalls im Kickers-Stadion
austragen wird, und man davon ausgehen kann,
dass die Ösis bis dahin die mobilen Knäste
geliefert haben, hätte sich ein schönes Bild für
Fortuna ergeben: Auswärtsspiel bei den Kickers
im VfB-Stadion, Auswärtsspiel beim VfB im
Kickers-Stadion...
Ja, liebes
erstliga-verwöhnte Volk...so ist das halt, wenn
man im neuen Premiumprodukt des DFB mitspielen
darf. Wir sind premium!
Ich darf kurz vorweg
greifen, im Endeffekt stimmte die Polizei einer
Austragung des Spiels Kickers gegen Fortuna im
Waldau-Stadion zu. Keine Ahnung, wie sie das mit
ihren mobilen Knästen gelöst haben. Gebraucht
hätten sie eh keine, soviel vorweg.
Das letzte Testspiel
vor Saisonbeginn gewann Fortuna mit 13:0 bei
Agon 08 Düsseldorf. Keine große Sache, es
standen mit Erwig, Kadah, Caillas und Hampel
auch nur vier Spieler der ersten Mannschaft auf
dem Platz. Und das auch nur in Teilzeit, ab der
60. Minute spielte komplett die 2. Mannschaft.
Dies führte auch mal zu einer lustigen
Einwechslung unsererseits: da die Zwote schon
einen Tag danach wieder testete, wurde zur
Entlastung in den letzten 20 Minuten nicht nur
Co-Trainer Uwe Klein, sondern auch noch
Physiotherapeut Bernd Restle eingewechselt,
wobei Restle das abschließende 13:0 sogar noch
herausragend vorbereitete. Als wichtigstes Fazit
dieses Spiels konnte daher gelten, dass sich
kein Spieler der Ersten Mannschaft auf dem
stumpfen Kunstrasen verletzt hatte...wie auch,
wenn kaum einer spielt? Ich als Trainer hätte
genauso gehandelt.
Bei Fortuna war vor
der Premiere am 26.07.08 gegen den SC Paderborn
lediglich Robert Palikuca angeschlagen, der an
einer Prellung des rechten Fersenbeins
laborierte. Physio Bernd Restle war allerdings
zuversichtlich, dass er ihn bis zum Spiel noch
hinbekäme, und er behielt Recht. Wenn dies nicht
der Fall gewesen wäre, hätte er halt selbst
gespielt, am Dienstag zuvor hatte er ja
bewiesen, dass es noch für ein paar Minuten
reichte. Außerdem, solange Palikuca nur am Fuß
verletzt ist, macht das nix, ist schließlich ein
Körperteil, den er im Spiel eher selten
gebraucht. Kopfschmerzen wären bei ihm
wesentlich schlimmer...
Ach ja, und natürlich
ist Bekim Kastrati mal wieder verletzt, sechs
Wochen Pause. Der hat dermaßen die Seuche, dazu
fällt einem nix mehr ein. Insoweit war die
Nachricht auch wirklich keine große
Überraschung, schließlich war er schon den
gesamten April und Mai gesund! Ich glaube, das
ist sein derzeitiger Rekord bei uns...
Einen Tag vor dem
ersten Saisonspiel musste dann jemand in der
Presse doch noch richtig draufhauen. Früher war
das der Job des Oberbürgermeisters, kurz vor der
Saison noch einmal allen überdeutlich zu
erklären, dass ohne ihn ja eh nix laufen würde.
Diesmal war es der bekannte und beliebte Hermann
Tecklenburg, auch einer, auf den ein Schlachtruf
der Fans leicht abgewandelt prima passen würde:
„Vorstandsmitglied? – Keiner weiß, warum!“ Damit
man auch merkt, wie wichtig er ist, plaudert er
von Zeit zu Zeit in den ortsansässigen Gazetten
gerne mal Interna aus, ohne dafür belangt zu
werden. Diesmal war es mehr ein Rundumschlag
gegen alles, was ihn so bei Fortuna stört. Bevor
ich das alles aufzähle, mach ich es lieber
andersrum und schreibe über das, was ihm im
Gegensatz dazu bei Fortuna gefällt: nix. Auf
jeden Fall erwähnte er nichts Positives. Der
Mann hat sich wirklich bestens als „echter
Fortune“ „intrigiert“. Vielleicht war diese
Aktion ja wirklich in memoriam Erwin, der
letztes Jahr eine Woche vor dem Start (im
Kirmeszelt!) ordentlich abgeledert hatte, wozu
er jetzt verständlicherweise nicht mehr in der
Lage war...Aber einen Tag vor dem ersten
Saisonspiel via Klatschpresse dermaßen einen
rauszuhauen, zeugt schon von ganz besonderer
Ahnung...
Premium-Klatsche
Wenn die Premium-Liga
startet, dann darf es natürlich nicht ein
banaler Fortuna-Fehlstart sein - nein, auch das
1:4 gegen den SC Paderborn am 26.07.08 hatte
durchaus Premium-Qualität. Seit dem 0:4 gegen
Chemnitz 2001 (damals natürlich am 1.
Spieltag...) hat man sich zuhause nicht mehr so
vermöbeln lassen. Wobei Paderborns Trainer
Dotchev sicherlich Recht hatte, als er nach dem
Spiel meinte, der Sieg sei doch um ein Tor zu
hoch ausgefallen. Denn in der ersten Halbzeit
war Fortuna vor 15.000 Zuschauern die klar
tonangebende Mannschaft und netzte auch sofort
nach 3 Minuten durch Ahmet Cebe auf Flanke von
Hergesell ein. Der schnellste Treffer des
Premium-Produkts am 1. Spieltag, oder muss ich
dazu jetzt vielleicht „kick-in“ oder etwas
Ähnliches sagen? Würde mich auch nicht mehr
wundern. Auf jeden Fall, Fortuna nach noch nicht
einmal 180 Sekunden in Führung, das ließ sich
doch gut an. Dann aber konnte man bis zur Pause
schon erahnen, dass nix mehr gehen würde.
Verantwortlich dafür
waren zum großen Teil zwei Herren: Dominik
Kumbela, von Eintracht Braunschweig nach
Paderborn gewechselter Stürmer sowie Kaspar
Jensen, von Jena nach Paderborn gewechselter
Keeper. Kumbela erzielte mit zwei Fernschüssen
(6./22.) die Führung für Paderborn; es war die
beiden ersten Torschüsse der Gäste im Spiel. Der
erste wurde von Langeneke abgefälscht und
erwischte Melka auf dem falschen Fuß; der konnte
die Kugel nur noch ins Tor ablenken, und da es
immer etwas komisch aussieht, wenn das Ei dann
dermaßen provokant langsam über die Linie rollt,
kamen einige Leute auf die Idee, dies als
Torwartfehler auszulegen. Ich kann mir
allerdings nicht vorstellen, dass dieselben
Leute auch schon mal im Tor gestanden haben. Die
zweite Wuchtbrumme von Kumbela, wieder aus knapp
18 Metern abgefeuert, nur diesmal vom linken
statt vom rechten Strafraumeck, knallte links
gegen den Innenpfosten und rollte dann auf der
Torlinie nach rechts, wo er wieder mit letzter
Kraft selbige überquerte - zwei Sonntagsschüsse
also. Bis zur Pause schaffte Fortuna es, aus
dicksten Chancen kein weiteres Tor zu machen,
und das lag an Kaspar Jensen. Der parierte einen
Kopfball von Sieger aufs kurze Eck, eine
Kopfballverlängerung von Sieger aufs lange Eck,
einen Kopfballheber von Lawaree, einen
Distanzhammer von Christ und was weiß ich noch
alles, und als er dann mal nicht mehr parieren
konnte, hatte er das Glück des Tüchtigen, denn
bei einem Kopfball von Palikuca stand er schon
geschlagen auf der Torlinie, aber ein
Abwehrspieler konnte die Kugel von der Linie weg
befördern. Das ist der Jensen, der sich in der
letzten Saison im Kasten von Jena beim
Auswärtsspiel in Bahnhofskapellendorf drei Bälle
quasi selbst ins Tor geworfen hatte, woraufhin
die Kölner aus einem 1:3 noch ein 4:3 hatten
machen können. Aber gegen uns hält der plötzlich
wie ein Weltmeister. War aber auch klar. Nach
Jena war er nämlich aus Bremen gekommen, wo er
als Keeper von Werder II schon 2006 mal eben
einen Elfmeter von Albertz pariert hatte, als
wir uns dort unsere übliche Niederlage abholten.
Es war wie verhext, an dem Mann gab es kein
Vorbeikommen mehr in Halbzeit 1. Und bevor man
sich in der 2. Halbzeit an die weitere
Aufholjagd begeben konnte, war das Spiel schon
durch, weil Fischer (zum Glück nicht Nils
Fischer, der sportlich nicht notwendige rechte
Verteidiger von Bielefeld II) in der 48. Minute
das 3:1 erzielte. Damjanovic machte den Sack
dann in der 65. Minute zu. Fortuna erspielte in
der 2. Halbzeit keine echte Torchance mehr.
Fazit: auf der ersten
Halbzeit konnte man aufbauen, vorausgesetzt, man
würde auch mal öfter ins Tor treffen; da zeigte
die Fortuna starken Angriffsfußball und schnürte
den hohen Aufstiegsfavoriten zeitweise
regelrecht ein. die zweite konnte einen Angst
und Bange machen, weil klar wurde, dass die
Mannschaft auch in der neuen Saison anscheinend
noch keine Ahnung hat, wie man mit einem
Rückstand umgehen muss. Etwas ungünstig war
natürlich, dass man nunmehr zwei Auswärtsspiele
am Stück bei den Stuttgarter Kickers und in
Burghausen hatte. Da konnte man den Fehlstart
praktisch schon riechen...
Ein Riesengag des
Trainers war auch die Einwechslung von Henri
„Rennschnecke“ Heeren zur Pause für den
zugegebenermaßen gelb/rot-gefährdeten Cakir. Als
ich noch überlegte, wie viele Minuten der Henri
mittlerweile für die 100-m-Strecke braucht,
wurde er schon von Kumbela überlaufen, der
passte nach innen auf den völlig freien Fischer,
1:3, aus die Maus. Und weil Heeren so gut drauf
war, verschuldete er das 1:4 auch gleich noch
mit. Mit Johannes Walbaum saß ein gelernter
Rechtsverteidiger auf der Bank, allerdings aus
der 2. Mannschaft. Aber der hätte auch nicht
mehr verkehrt gemacht. Mir unbegreiflich, wie
man einen Spieler, dem man kurz zuvor noch
mitgeteilt hat, dass man nicht mehr mit ihm
plant, bei dieser Konstellation zur Pause
bringen kann. Denn der Schnellste war der gute
Henri ja noch nie, auch nicht, wenn er topfit
war. Das 1:3 war somit ein Kontertor mit
Ansagen.
Immerhin: aufgrund
des erzielten Treffers war man nach dem ersten
Spieltag nicht Tabellenletzter...diesen Platz
belegte Werder II mit einem 0:3 in Unterhaching.
War jetzt aber irgendwie auch nicht tröstlich.
Einen lustigen
Nachklapp gab es auch noch: Manager Wolf Werner
beklagte sich nach dem Spiel in der Presse, er
sei enttäuscht gewesen, dass „nur“ 15.000
Zuschauer zum Start des Premium-Produkts in der
Arena gewesen seien. Das ließ mich darüber
nachdenken, ob man dem netten älteren Herrn vor
dem Interview vielleicht das Galama weggenommen
hatten oder womit er sich sonst fit hält.
Hallo??? 15.000 Zuschauer gegen einen Gegner wie
Paderborn (Top-Favorit okay, aber ich meine vom
Namen her), bei dem Sommertheater mit kaum
Neuverpflichtungen, Schwierigkeiten mit
„Altlasten“ und krakeelenden Funktionären – und
vor allem bei einer Preiserhöhung für
Eintrittskarten, die sich im Durchschnitt bei
ca. 40 % einpendelte – also ich wäre hoch
zufrieden gewesen. Zumal die Zuschauer auch noch
eine Mörder-Choreo der Fortuna-Fans geboten
bekamen, bei der wirklich jeder Fan auf der
Südtribüne eingespannt wurde und bei der
symbolisch an die erste und letzte Meisterschaft
der Fortuna vor 75 Jahren erinnert wurde
(derjenige Klugscheißer, der mir jetzt mit der
Amateur-Meisterschaft der Zweiten Mannschaft von
1977 kommt, wird von mir ausgelacht). Und diese
Zahl 15.000 muss man nach solch einem
Heim-Auftakt beim nächsten Heimspiel erst einmal
erreichen, ich habe da meine Zweifel. Herr
Werner ist anscheinend wie der DFB der Meinung,
allein der Reiz einer ganz neuen Liga treibe die
Menschen in Scharen in die Stadien, egal, wer da
gegen wen spielt oder was es kostet. Nun ja,
beim DFB ist es schlichte Nichtahnung, bei
Werner wohl das Greifen nach dem Strohhalm: die
3. Liga hat dieselben Lizenzbedingungen mit
denselben Auflagen wie die 2. Liga, man hat
mittlerweile auch dieselben Reisen wie ein
Zweitligist – aber ein Zweitligist bekommt in
dieser Saison 7,3 Mio. Euro Fernsehgelder, ein
Drittligist ganze 580.000. Das kann gerade bei
finanziell angeschlagenen Vereinen auf Dauer
nicht gut gehen, da bettelt man um jeden
Zuschauer. Zumal wenn man für’s Heimspiel noch
Miete abdrücken oder sich zumindest einen
schönen Deckel machen lassen muss. Aber man
sollte es dann nicht mit ganz so weltfremden
Äußerungen tun.
Ab in den
Süden
Am 02.08.08 war es
wieder so weit: nach langen Jahren der Abstinenz
(eigentlich seit der Regionalliga West/Südwest,
also Saison 1999/2000) fuhr der Fortuna-Tross
mal wieder in den Süden. Und zwar nach
Baden-Württemberg zu den Stuttgarter Kickers.
Erstes Auswärtsspiel in der 3. Liga, also auch
gleich die erste Partie gegen ein Team aus der
ehemaligen Regionalliga Süd, einer Liga, die in
hiesigen Breiten immer gerne mit der griffigen
Formel „Kühe – Schweine – Südvereine!“ zusammen
gefasst wurde. Natürlich ist dies nicht ganz
fair, zumindest von der sportlichen Seite, da
gab und gibt es wirklich keinen Grund, einen
Club aus dem Süden zu unterschätzen. Aber die
Namen einiger Vereine animieren wirklich zu
gedanklichen Assoziationen von ländlicher
Bevölkerung und glücklichen Kühen. Damit hört es
dann aber auch schon auf. Der VfR Aalen zum
Beispiel, mit Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt als
Trainer, verfügt über einen Etat, der um zwei
Millionen Euro höher ist als unserer. Wer von
leicht dörflich klingenden Vereinsnamen wie
Wacker Burghausen, SpVgg Unterhaching oder SV
Sandhausen auf die Stärke der dort beheimateten
Fußballvereine schließt (und das werden
zumindest in Düsseldorf genug Leute tun...), der
wird sich noch schwer umschauen, das habe ich ja
bereits zum Ende der letzten Saison geschrieben.
Da war es gut, dass mit den Stuttgarter Kickers
zumindest ein alter Bekannter den Anfang machte.
Gegen die StuKis haben wir im Laufe der Jahre
schon überall gespielt, in der 1. Liga, in der
2. Liga, im DFB-Pokal (schlechte Erinnerung ans
Halbfinale 1987, als wir dort mit einem 0:3
ausschieden und das Finale gegen den HSV
verpassten) – nur in der Drittklassigkeit noch
nicht. Höchste Zeit, dies nachzuholen! Die
StuKis hatten sich auf den letzten Drücker für
die 3. Liga qualifiziert, erst am letzten
Spieltag kletterte man durch ein 2:0 gegen
Elversberg auf den rettenden zehnten
Tabellenplatz, und das auch nur weil der SSV
Reutlingen in Siegen verlor. Sie brillieren
eigentlich seit Jahren (hier und da mal eine
Ausnahme bestätigt die Regel) mit spektakulären
Fehlstarts, die sie in der Rückrunde mit
deutlicher Leistungssteigerung bis zum Happy End
wieder wett zu machen pflegen. Dahingehend
pflichtgemäß hatten die StuKis auch ihr erstes
Saisonspiel 0:2 in Burghausen verloren. Es
trafen also zwei Verlierer des ersten Spieltags
aufeinander.
Für mich war es die
erste Anfahrt mit dem eigenen Auto zum „GAZi-Stadion
auf der Waldau“, wie das schöne kleine Teil
sponsoren-gerecht heißt. Und da kam ich direkt
in den Genuss, mit meinen 60 PS ab Karlsruhe mal
die A 8 zu befahren. Ich fuhr also von der A 5
auf, bog um eine Kurve und dachte, ich wär im
falschen Film – das „ist ab und zu ein bisschen
hügelig“ einer Bürokollegin als
Zustandsbeschreibung fand ich plötzlich ziemlich
untertrieben, als es direkt mal eine gefühlt
20%ige Steigung hinauf ging. Als ich mit
durchgetretenem Gaspedal gerade noch volle 80
Sachen machte, fand ich es doch an der Zeit, mal
einen kleineren Gang einzulegen und den Rest des
Mount Everest eher hinauf zu keuchen. Sehr
erstaunliches Erlebnis für jemanden, der
ansonsten eher Flachland fährt. Und damit das
Ganze für den A 8-Neuling auch noch unvergessen
bleibt, dafür gibt es Pforzheim. Die Stadt kann
irgend jemand nicht leiden. Klar, die A 8 ist
stellenweise in atemberaubendem Zustand,
besonders was die Fahrbahndecke angeht. Aber
muss man deshalb gleich drei Großbaustellen
quasi hintereinander aufmachen, 22 km Baustelle
auf einer Strecke von 30 km? Und alles rund um
Pforzheim. Auch die dickste Steigung liegt in
einer Baustelle mit Verkehrsumleitung und
Spurverengung, sodass ich mich plötzlich hinter
einem Lkw wiederfand, mit flotten 30 km/h den
Anstieg wagend, immer in der Befürchtung, der
Anhänger meines Vordermanns würde sich gleich
selbständig machen und mich den gesamten Berg
wieder runter kegeln. Ein echtes Erlebnis. Und
das bei eigentlich recht freier Straße. Wie das
Ganze im Berufsverkehr aussieht, mag ich mir gar
nicht vorstellen. Und ja, denjenigen, der sich
so etwas ausdenkt, den hätte ich an jenem
Samstag gerne mal getroffen,. Am besten voll
zwischen die Augen. Ich denke, wenn sie direkt
hinter der dritten Baustelle noch eine vierte
aufmachen, können sie das Ganze als
touristisches Highlight vermarkten. Unglaublich.
Der Rest des Weges
war im Vergleich dazu ein Kinderspiel, sodass
ich bereits um halb 12 am Stadion vorfuhr. Die
verbliebene Zeit nutzte ich dazu, mir Stuttgart
und Umgebung vom Fernsehturm aus anzusehen, denn
das Stadion befindet sich quasi direkt unter
Selbigem. Wie praktisch. Und auch wenn ich kein
Fan großer Höhen bin, muss ich zugeben, dass die
Aussicht etwas hatte. Zumal das Wetter ja auch
mitspielte, es gab herrlichen Sonnenschein,
vielleicht sogar schon etwas zu warm für
Fußball.
Als die Stadiontore
öffneten, zog ich mir erst mal eine
Stadionwurst, von der ich leider abraten muss,
die war nix. Was diese „Roten“ angeht, die gönn
ich mir seit Mannheim und Pfullendorf immer
gerne, wenn ich mal im Süden bin, aber dieses
Stuttgarter Exemplar entging nur knapp einer
Meldung bei amnesty international. Auch die Cola
war nicht so ganz meine, weil von Pepsi. Aber
das restliche Umfeld stimmte: nette, freundliche
Ordner, Polizei, Würstchenverkäufer, Heimfans,
die alle irgendwie völlig tiefenentspannt und
deeskalierend auftraten. Ich verstand zwar die
Hälfte von dem, was sie sagten, nicht, es
scheint so, dass dort auch nur Leute mit 100%
Schwäbisch-Kenntnissen ein- bzw. abgestellt
werden, aber insgesamt war alles ruhig und
friedlich. Eigentlich kaum zu glauben, dass
dieses Spiel fast wegen fehlender mobiler Knäste
hätte verlegt werden müssen...Mütter rollten
ihre Kinderwagen zur Haupttribüne herein (denn
da gibt es eine Stehplatzreihe direkt am Zaun,
ohne Stufen), packten Butterbrotdosen mit
Schnittchen aus, für den DFB alles potentielle
Wurf-Terroristen, schätze ich mal, und auf der
Eintrittskarte steht, dass die Mitnahme von
TetraPaks ab 0,5 Liter nicht gestattet ist, was
im Umkehrschluss heißt, dass weniger als 0,5
kein Problem sind. So locker kann es sein, beim
Premiumprodukt! Aus Düsseldorf waren 1.500 Fans
mitgereist, die erst zwei Hintertortribünen
okkupierten und anschließend die Kuh fliegen
ließen, ein beeindruckender Support im ersten
Auswärtsspiel. Klar, diejenigen, die bei der
Heimpremiere bereits nach 75 Minuten fluchend
die Arena verlassen und vom feststehenden
Abstieg orakelt hatten, nur um zu ergänzen, dass
man es ja eh schon vorher gewusst hatte, die
trifft man auswärts normalerweise auch nicht.
6.900 Zuschauer sahen
insgesamt eine durchschnittliche Partie, in der
die Kickers in der ersten Viertelstunde zeigten,
dass sie die Herren im Haus waren. Aber auch
schon in dieser ihrer besten Phase des Spiels
zeigten sie, woran es ihnen in dieser Saison
wohl mangeln wird: sie spielen zu wenig gute
Chancen heraus. Da wurde bis zum Strafraum flott
kombiniert, das war’s dann aber auch. Wo sie
anschließend die Bälle hinschossen, war schon
spektakulär, zweimal gab es sogar Einwurf für
Fortuna...das müssen sie dringend abstellen,
wenn es etwas werden soll mit dem Klassenerhalt,
den ich ihnen gönnen würde, denn ich finde sie
wirklich sympathisch. Fortuna-Keeper Melka bekam
nur einen wirklich gefährlichen Ball aufs Tor,
eine schöne Direktabnahme von Rosen aus sechzehn
Metern, die er aber abfangen konnte. Einmal
hatte er noch Glück, als ihm ein harmloser
Kopfball aus spitzem Winkel am kurzen Pfosten
durch die Beine rutschte, und das Leder gegen
das Aluminium kullerte. Sah blöd aus, machte
aber nichts, weil der Schiri zuvor schon Abseits
gepfiffen hatte. Was im Nachhinein übrigens
diejenigen, die die Leistung des Torwarts gegen
Paderborn schon kritisiert hatten, nicht davon
abhielt, ihm diese Szene ebenfalls
anzukreiden...na ja, wer’s braucht.
Und Fortuna? Da gab
es erst einmal eine Überraschung in der
Aufstellung, Trainer Meier hatte die
Konsequenzen aus dem erschreckenden Auftritt von
Henri Heeren gegen Paderborn gezogen. Der
tauchte noch nicht mal mehr im Kader auf, dafür
spielte Johannes Walbaum aus der 2. Mannschaft
sein Drittliga-Debüt als rechter Verteidiger von
Anfang an. Eine mutige Entscheidung des
Trainers, die zunächst mit einigen Stock- und
Stellungsfehlern des Auserwählten belohnt
wurden, klar war der nervös. Als aber in der
ersten Viertelstunde vom Gegner daraus kein
Kapital geschlagen wurde und Fortuna langsam ins
Spiel kam, wurde auch er immer mutiger,
souveräner und abgeklärter und lieferte
insgesamt einen recht überzeugenden Einstand.
Das machte Hoffnung! Von der übrigen Fortuna sah
man am Anfang nicht viel, außer einer Szene, in
der ich mich ein wenig über Herrn Caillas
echauffierte, um es mal diplomatisch zu
formulieren. Nach 6 Minuten ein schöner Angriff
der Fortuna über rechts, der Ball wird in die
Mitte gespielt, kommt am Sechzehner zu Sahin.
Der versucht mal wieder, die gesamte Abwehr der
Kickers auszuspielen und kommt dabei zu Fall.
Sah von der Tribüne ein wenig grenzwertig aus,
ich bin aber derselben Meinung wie
Bundesliga-Schiri Dr. Fleischer, dass man das
nicht pfeifen muss. Und auch wenn es ein
glasklares Foul gewesen wäre, hätte kein Grund
bestanden, das Spiel zu unterbrechen. Denn der
Ball, von einem Abwehrbein weggespitzelt, rollt
nach links in den Strafraum, und da ist nur
einer mitgelaufen, nämlich Caillas, vor sich nur
noch den Torwart. Der denkt aber gar nicht
daran, zum Ball zu gehen, er ist nämlich in
diesem Moment damit beschäftigt, auf fünf Meter
Entfernung den Schiri anzumotzen und Elfmeter zu
fordern. Also läuft das Spiel weiter, ohne
Elfmeter und auch ohne Torchance. Bei so was
platzt mir regelmäßig der Kragen. Vielleicht hat
der Herr Caillas einfach nur eine andere
Auffassung von der Sportart als ich. Im Meckern
ist der sowieso König. Es soll natürlich nicht
verschwiegen werden, dass Caillas im Laufe des
Spiels bester Fortune war, aber in dieser 6.
Minute hätte ich ihn am liebsten mal übers Knie
gelegt. Lässt eine freie Einschussgelegenheit
sausen, nur um den Schiri anzumachen, der sich
darauf ja auch gaaaanz bestimmt spontan anders
entschieden und doch Elfmeter gepfiffen hätte!
Im Laufe der ersten
Halbzeit entwickelte Fortuna eine gewisse
Überlegenheit, ohne großartig Chancen
rauszuspielen. Ein Kopfball von Sahin, am Tor
vorbei, ein Flachschuss von Cebe nach schöner
Einzelleistung, souverän gehalten von Keeper
Salz, viel mehr gab es in der ersten Hälfte
nicht. Auch nach der Pause kamen die Kickers in
den ersten fünf Minuten besser in die Gänge,
aber dann übernahm Fortuna endgültig, und
Stuttgarts Keeper rückte in den Mittelpunkt des
Interesses. Dies geschah aber auch aufgrund der
Wechsel, die Trainer Norbert Meier in der Pause
zwangsweise vornehmen musste. Denn ausgerechnet
jetzt, wo wir sowieso nur einen sehr schmalen
Kader zur Verfügung haben, schlug direkt zu
Saisonbeginn das Verletzungspech zu. Andreas
Lambertz musste nach einem Pressschlag zur Pause
ebenso verletzt raus wie Robert Palikuca, für
den neuen Kapitän der Fortuna vier Wochen, für
den langen Schlacks in der Abwehr zwei Wochen
Pause. Für Palikuca kam Hamza Cakir, zum Teil
immer noch erstaunlich unsouverän, aber für
Lambertz erschien Marco Christ auf dem
Spielfeld, und der sorgte doch für mächtig
Dampf, sei es als Passgeber, als Freistoß- und
Eckenschütze oder gleich selbst als
Abschließender, bei seinem Schuss aus zwanzig
Metern musste sich Salz ganz lang machen und
eine glänzende Parade hinlegen, um den Rückstand
zu verhindern. Auch gegen Cebe war er auf dem
Posten, als dieser bei einem schnellen Angriff
schon am Keeper vorbei gekurvt war, aber zu weit
abgedrängt wurde. Aus spitzem Winkel lief er
dann aufs Tor zu, aber Salz war schon wieder
anwesend und konnte anschließend zur Ecke
klären. Die Kickers fanden nach vorne so gut wie
gar nicht mehr statt, sie konnten sich bei ihrem
Torwart bedanken, dass hinten noch die Null
stand. Falls sie diesen Dank ernsthaft in
Erwägung gezogen haben, hoffe ich, dass sie sich
beeilt haben, denn nach 65 Minuten war es auch
damit vorbei. Vorausgegangen war eine klasse
Aktion von Caillas, der sich auf der linken
Seite wieder mal durchgesetzt und den Ball dann
an einem weiteren Gegenspieler vorbei in den
Strafraum gespielt hatte. Da stand eigentlich
Sahin, aber der brauchte etwas lange, um zu
kapieren, dass er sich jetzt mal in Bewegung
setzen könnte. Zum Glück, denn Caillas überlief
den Gegenspieler, ließ auch Sahin stehen und
servierte von der Torauslinie eine butterweiche
Flanke, die Lawaree gegen die Laufrichtung des
etwas zu weit vor seinem Kasten stehenden
Keepers zur verdienten Führung einnickte. Ja,
Axel Lawaree spielt auch immer noch bei uns,
auch wenn ich ihn auf den bisherigen neun Seiten
nicht ein einziges Mal erwähnt habe! Aber der
hatte schließlich noch einen Vertrag, um ihn
musste nicht gefeilscht werden, und in den
ersten drei Halbzeiten der Saison hinterließ er
nichts Erwähnenswertes für die Nachwelt. In der
65. Minute war er dann im richtigen Moment an
der richtigen Stelle. So muss es sein.
Und da eine Reaktion
der Kickers weitgehend ausblieb, machte man
knapp zehn Minuten später auch gleich den Sack
zu, auf besonders originelle Weise: Debütant
Walbaum wird auf rechts gefoult, weit in der
Fortuna-Hälfte, Freistoß für uns. Es gibt noch
eine kleine Diskussion seines Gegenspielers mit
dem Schiri, der Ball liegt da irgendwo rum,
alles ganz entspannt – und plötzlich nimmt
Walbaum drei Schritte Anlauf und fabriziert
etwas, das später in der „Sportschau“ durchaus
zutreffend mit „Lothar-Matthäus-Gedächtnis-Pass“
umschrieben wird. Die Kugel fliegt über knapp
sechzig Meter, über Freund und Feind hinweg,
freundlicherweise auch über die beiden
Kickers-Spieler in deren Strafraum, nur einer
hat aufgepasst und steht goldrichtig: Kenan
Sahin, der die Kugel gar nicht mehr pflücken
muss, so genau kommt sie in seinen Lauf. Er
lässt sie einfach auftitschen und macht dann aus
zehn Metern das 0:2. Natürlich darf einer
Mannschaft so etwas nicht passieren, aber wie
gesagt, die Gegenwehr der Kickers war zu jenem
Zeitpunkt schon ziemlich eingeschlafen. Und ein
schöner Geistesblitz unseres Drittliga-Neulings
Walbaum, der damit seine starke zweite Halbzeit
krönte.
Mit dem Treffer war
das Spiel durch, alleine Sahin hätte die Kickers
noch richtig abschießen können, nur eine Minute
nach dem Treffer stand er an fast derselben
Position schon wieder völlig frei vor dem Tor,
aber diesmal konnte Manuel Salz parieren.
Anschließend flog Sahin bei einer Hereingabe von
rechts noch um Zentimeter an Ball und leerem Tor
vorbei, also es hätte wirklich noch dicke kommen
können für die Gastgeber, wobei das sicherlich
nicht ganz gerecht gewesen wäre. Zum Schluss
mühten sie sich noch mal ein wenig, aber
Fortuna-Handschuhträger Melka musste nur noch
einmal eingreifen, als der Ball nach einer Ecke
am Fünf-Meter-Raum herunter kam. Melka stürzte
sich ins Getümmel und hatte den Ball im
Nachfassen, dann war das Spiel beendet, und
Fortuna hatte den kompletten Fehlstart im
Gegensatz zu den Gastgebern vermieden. Der
historische erste Fortuna-Sieg in der 3. Liga
ist unter Dach und Fach, und zwar völlig
verdient, wenn auch mit einigen
Anlaufschwierigkeiten. Und inwieweit er teuer
erkauft wurde wegen der ganzen Verletzungen
(auch Caillas meldete sich nach dem Spiel für
zwei Wochen ab), wird man dann sehen. Auf jeden
Fall war er sehr wichtig!
Nach den verletzten
Spielern befragt, meinte auch Trainer Norbert
Meier nach dem Spiel: „Vielleicht muss ich
demnächst selbst auflaufen. Wär doch mal was
Neues, ein 49jähriger auf dem Feld. Aber ich
habe ja keinen Spielerpass mehr.“ Was man
durchaus schnell ändern könnte. Vom „Sportschau“-Moderator
wurde diese Aussage kommentiert: „Wenn sogar ein
Norbert Meier lacht, dann muss es Fortuna gut
gehen.“ Vielleicht etwas übertrieben, aber doch
tatsächlich ein kleiner Beleg dafür, dass uns
bestimmt so einige Steine vom Herzen gefallen
sind.
Übrigens, was das für
eine Saison werden könnte, wurde eigentlich
schon nach dem 2. Spieltag klar. Es blieb
nämlich genau eine Mannschaft übrig, die ihre
beiden Spiele gewonnen hat, Kickers Emden. Kein
anderes Team hatte zwei Siege auf dem Konto.
Natürlich kann man nicht von zwei Spieltagen auf
eine Saison hochrechnen, aber es war doch
bemerkenswert. Könnte wieder eine ganz enge
Saison werden.
Ah, Thema
Spielverlegungen! Da hätte ich noch einen. Meine
persönlichen Lieblinge in dieser Disziplin, die
Jungs von Werder Bremen II, sind ja auch wieder
am Start und wollen von Anfang keine Zweifel
aufkommen lassen, wer König in der Sparte
„Spielverlegung aus unglaublichen Gründen“ war,
ist und wohl auf ewig sein wird. Und nachdem sie
vorletzte Saison (aber im letzten Kalenderjahr,
also Anfang 2007) schon das Spiel gegen St.
Pauli verlegt hatten, weil der Rasen im großen
Weserstadion nicht beschädigt werden durfte, in
der letzten Saison gegen Magdeburg nicht
antraten, weil angeblich zu wenig Parkplätze zur
Verfügung standen (bei den bestimmt 800
Zuschauern, die man erwartete) und anschließend
auch gegen Emden nicht zum ursprünglich
vereinbarten Termin spielten, weil ihnen 2
(zwei) Spieler ihres selbstverständlich nur elf
Spieler umfassenden Kaders aufgrund einer
Abstellung fehlten, da hauten sie jetzt wieder
ordentlich einen raus: die Partie gegen den SV
Sandhausen vom 02.08.08 musste leider verlegt
werden, weil – am 03.08.08 am Weserstadion „Tag
der Fans“ war. Da hätte ein Drittliga-Spiel auf
dem Nebenplatz 11 selbstverständlich nur
gestört. Macht ja nix, spielten sie halt erst am
09.08.08. Ich gebe ja ehrlich zu, dass ich sie
für diese Unverschämtheiten langsam bewundere.
Ich bin schon sehr gespannt, wie der Grund für
die nächste Absage lautet, die sie völlig
selbstverständlich auch beim DFB durchbekommen
werden. Der Auftakt hat zumindest gezeigt, dass
bei den Fischköppen die Kreativität nicht
gelitten hat. Bitte mehr davon!
In der Woche nach dem
Spiel gab es dann noch eine eher erfreuliche
Personalie zu vermelden: der Verein löst endlich
den Vertrag mit Ex-Trainer Uwe Weidemann auf und
zahlte ihm eine Abfindung. Nicht, dass ich was
gegen den Uwe gehabt hätte, aber so als
Leerposten auf der Gehaltsabrechnung des Vereins
macht sich niemand auf Dauer gut. Uwe bekam eine
ordentliche Abfindung, der Verein sparte auch
ein wenig Geld aus seinem noch bis Juni 2009
laufenden Vertrag, und so trennte man sich im
Frieden. Alles Gute, wohin auch immer es dich
verschlagen möge.
Und einen Tag später
gab es sogar eine Pressekonferenz zu den
neuesten Entwicklungen im Fall Kölmel/Sportwelt.
Da ich bei dieser Angelegenheit als
Außenstehender schon lange nicht mehr
durchblicke, zitiere ich einfach die
Pressemitteilung anstatt mich auf juristisch
ganz dünnes Eis zu begeben:
„Fortuna
Düsseldorf hat am Donnerstagabend in einer
notariellen Vereinbarung die Zusammenarbeit mit
verschiedenen Gesellschaften der
„Sportwelt-Gruppe“ auf eine neue Grundlage
gestellt.
Als Ergebnis der
Vereinbarung erhält Fortuna Düsseldorf nunmehr
wieder die uneingeschränkten Rechte an der Marke
„Fortuna Düsseldorf“ und alle damit verbundenen
Rechte.
Die
Verbindlichkeiten des Vereins gegenüber der
Sportwelt wurden reduziert. Auch im Bereich der
audiovisuellen Vermarktung hat der Verein eine
Verbesserung erzielt. Ferner hat Fortuna
Düsseldorf ein Erwerbsrecht bezüglich der noch
ausstehenden audiovisuellen Rechte.
„Das ist ein
wichtiger und zukunftsorientierter Tag für die
Fortuna. Die über lange Zeit laufenden
Gespräche, um zu einer gemeinsamen Vereinbarung
zu kommen, wurden nun erfolgreich abgeschlossen.
Herr Dr. Kölmel hat erneut deutlich werden
lassen, dass er mit dazu beitragen möchte, dass
Fortuna sich erfolgreich entwickelt“, äußerte
sich Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth zu der
Vereinbarung.
Der Vorsitzende
des Aufsichtsrats von Fortuna Düsseldorf, Dr.
Reinhold Ernst, der für den Verein die
Verhandlungen mit der Sportwelt geführt hat,
zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden. „Ich bin
sehr froh, dass wir in diesem für Fortuna so
bedeutenden Komplex eine Einigung erzielt haben.
Herrn Dr. Kölmel möchte ich für die fairen
Verhandlungen und das Entgegenkommen danken, das
Fortuna wieder die notwendige Handlungsfreiheit
gibt“.
Das klang ja auch
halbwegs positiv. Somit konnte man sich zur
Abwechslung mal wieder auf Fußball
konzentrieren, und das hieß: 1. Runde FVN-Pokal
am 10.08.08 gegen die TGD Essen. Heimspiel im
Paul-Janes-Stadion, weil die Essener diese
Partie auf ihrem Sportplatz nicht ausrichten
konnten, wofür die Spieler sicherlich dankbar
waren, weil es ihnen den Essener Ascheplatz
ersparte. Wir wollen es kurz machen, Fortuna
siegte 4:0, nachdem man in der torlosen ersten
Halbzeiten mal wieder Großchancen im halben
Dutzend versemmelt hatte. Die tapfer
mithaltenden Essener um ihren überragenden
Torwart hielten eine Stunde lang die Null und
brachen dann ein. Am Ende also ein Pflichtsieg
mit holprigem Anlauf. Gegner in Runde 2 im
Oktober wird Galatasaray sein – allerdings
Mülheim, nicht Istanbul. Ist doch auch mal was.
Anschließend, die
Wunder nahmen überhaupt kein Ende mehr,
verpflichtete man sogar einen dritten neuen
Spieler, Clement Halet. Wer das ist? Das ist ein
Spieler des 1.FC Saarbrücken, der im Juni schon
mal zum Testen dabei war, allerdings nicht
besonders positiv auffiel, und der nach einem
Rippenbruch auch vorzeitig aus dem
Trainingslager abreisen musste. Hinzu kam, dass
der 21fache Zweit- und 26fache
Regionalligaspieler (alles mit Saarbrücken, die
haben es in den letzten drei Jahren ja von der
Zweiten bis in die Fünfte Liga geschafft,
Glückwunsch dazu, ist selbst uns zu unseren
Glanzzeiten nicht gelungen) eh noch an den
langwierigen Folgen eines Kreuzbandrisses
laboriert. Er wurde daher zunächst auch nur als
Ergänzungsspieler für die Erste Mannschaft
geholt, wenn er völlig fit ist, wird man
weitersehen. Positiv: Halet wird extern über
einen Sponsor finanziert. Von denen stellte man
im Laufe der Woche übrigens noch zwei neue vor,
an der Sponsoren-Front tut sich also ein
bisschen was, auch wenn beide eher mit
fünfstelligen Beträgen an den Start gehen
werden. Aber damit es auch was zu schmunzeln
gibt: Clement Halet ist rechter Verteidiger,
spielt also genau auf der Position, auf der
Testspieler Nils Fischer überzeugt hatte, der
aber nicht verpflichtet wurde, weil der Vorstand
keine sportliche Notwendigkeit sah, aber der
daraufhin drei Wochen später bei einem Spieler
zugriff, der auf dieser Position in der
Vorbereitung erheblich weniger überzeugt hatte
als Fischer...Fortuna halt. Der ausschlaggebende
Faktor dürfte also sehr wohl gewesen sein, dass
Halet extern finanziert wird. Wer immer das auch
tun mag, dem möchte ich zurufen: Was hast du
gegen Fischer? Warum konntest du den nicht
extern finanzieren? Naja, auf Logik wird ja auch
in unserem Umfeld bekanntermaßen kein
gesteigerter Wert gelegt, das sehe ich ja quasi
täglich an mir selbst. Aber ein bisschen
merkwürdig war das schon...
Aber genug des
offiziellen Krimskrams. Am 16.08.08 ging es
endlich in der Liga weiter. Und zwar direkt mit
einer Premiere. Und die war so was von gelungen,
dass es selbst im Verein zu Verwirrung führte.
Wacker
geschlagen bei Wacker Burghausen
Fortuna spielte zum
ersten Mal in der Vereinsgeschichte gegen Wacker
Burghausen. Dies war auch gleich die weiteste
Anreise, die man als Auswärtsfan zu bewältigen
hatte – ca. 678 km von Düsseldorf aus. Wobei die
neue Liga für mich ja auch einen Vorteil bringt
– so ungern ich auch in den Süden fahre, ich hab
in dieser Richtung bei jedem Auswärtsspiel ca.
100 km weniger abzureißen. Etwa 500 Unentwegte
ließen sich von der Entfernung nicht
abschrecken, fuhren teilweise zu abenteuerlichen
Zeiten los, die Fan-Busse starteten zwischen
00.00 Uhr und 2.00 Uhr in der Früh. Irgendein
Wahnsinniger hatte auch mal die Routen mit dem
Wochenend-Ticket der Bahn abgesteckt, er kam auf
knappe zwei Tage. Es gab sogar ein oder zwei
Leute, die das ausprobieren wollten. Falls sie
es getan haben und tatsächlich heil wieder nach
Hause gelangt sind – mein höchster Respekt, das
ist die Art von (positivem) Wahnsinn, von der
selbst ich mich nicht mehr anstecken lassen
möchte. Zwei Tage Bahn...das ist für mich wie
eine Woche Musikantenstadl, nur schlimmer. Wie
gesagt: Respekt!
Die Mannschaft der
Fortuna bezog Quartier in Österreich, da das
Hotel in Ach durch die natürliche Grenze des
Flusses Salzach vom direkt gegenüber liegenden
Burghausen nicht nur räumlich, sondern gleich
auch staatlich getrennt ist. Am Samstag setzte
man dann mal kurz über diesen Rubikon nach
Deutschland über, kam, sah, siegte und fuhr
wieder Hause. Julius Caesar wäre stolz gewesen.
Mit 4:0 bügelte man Wacker ab.
Dies lag daran, dass
man in diesem Spiel plötzlich ungeahnte
Qualitäten zeigte, nämlich die Chancen
frühzeitig zu nutzen. Okay, zunächst blieb alles
beim Alten: erst in der Mannschaftsaufstellung,
aufgrund der Verletzungen von Lambertz und
Palikuca spielten wieder Christ und Cakir,
Johannes Walbaum erneut als Rechtsverteidiger
auf dem Platz, mit Andreas Altenbeck und Marcel
Gaus zwei weitere Spieler der Zweiten Mannschaft
auf der Bank, da die Personaldecke weiterhin
reichlich dünn ist. Und auch auf dem Platz sah
man zunächst Bekanntes: keine zwei Minuten
gespielt, Cebe setzt sich auf rechts durch,
bringt den Ball auf den langen Pfosten, dort
steht Caillas mutterseelenallein, leider
schließt er nicht direkt ab, bei der Ballannahme
verspringt ihm die Kugel, er kommt zwar noch zum
Abschluss, aber Burghausens Keeper Kern kann
parieren. Schon wieder eine 100%ige versiebt,
die Anfangsphase scheint generell nicht das Ding
von Caillas zu sein. Im Mai, am letzten Spieltag
in Erfurt, hatte er ein ähnlich klares Ding auch
schon nach ein paar Minuten verschleudert, vor
zwei Wochen in Stuttgart, wie geschildert,
bereits in der 6. Minute freistehend verweigert
wie ein schlaues Pferd beim Springreiten (ja,
auch ich schau ab und zu Olympia). Für ihn wäre
es vielleicht besser, wenn das Spiel erst ab der
10. Minute beginnen würde, dann ist er stets
voll da.
Nun, in Burghausen
hätte er dann schon die Vorentscheidung
verpasst, nach 9 Minuten führte Fortuna nämlich
2:0, eigentlich unglaublich, aber wahr. Gründe
dafür war eine unglaubliche Abwehrleistung der
Burghauser und ein Sahnetag von Axel Lawaree.
In der Burghauser
Abwehr fehlte Kapitän Björn Hertl, und gemäß des
Mottos: „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die
Mäuse auf dem Tisch“ machten die übrigen
Burghauser Defensivstrategen, was sie wollten,
nur nix Gutes. Was mich dazu bringt, bereits
jetzt für das Rückspiel zu fordern, dass der
Hertl möglichst in der Woche zuvor die fünfte
Gelbe sehen möge. Es war unglaublich, wie man
die Fortunen zum Tore schießen einlud, es war
allerdings auch unglaublich, dass wir die
Einladungen endlich mal konsequent annahmen.
6. Minute, Foul an
Marco Christ in etwa am Mittelkreis. Der hat
sofort die Erleuchtung, wie Walbaum in Stuttgart
das 2:0 vorbereitet hat, führt den Freistoß
blitzschnell aus, hoher Pass an den Strafraum.
Dort lässt Abwehrspieler Wolf den Ball
freundlich passieren, weil er denkt, sein
Torwart wird ihn greifen, der kommt aber zu spät
raus, weil er denkt, Wolf wird klären – und
bevor beide zu Ende gedacht haben, ist der Ball
im Netz, denn Lawaree hat aufgepasst und hebt
die Kugel aus 16 m über den heraus stürzenden
Keeper ins leere Tor. 0:1.
9. Minute, langer
Ball von Torwart Melka, knapp außerhalb des
eigenen Strafraums bis an den gegnerischen, und
wieder dasselbe Bild: Wolf ist sich mit sich
selbst nicht einig, ob er die Kugel per Kopf zu
seinem neben ihm postierten Mitspieler oder zu
seinem heraus eilenden Torwart zurück nicken
soll, entscheidet sich ganz konfuzianisch für
die goldene Mitte und legt den Ball in die Gasse
zwischen beiden, dort ist aber wieder Axel
Lawaree mitgelaufen und lupft das Leder zum 2:0
ein. Was für ein Auftakt!
Und damit war das
Spiel eigentlich auch durch, weil Burghausen an
diesem Tag einfach zu schwach war. Fortuna
spielte nicht mal besonders stark, hatte aber
alles im Griff, dazu noch das Quäntchen Glück,
denn bei der einzigen ernsthaften Chance der
Oberbayern in Halbzeit 1 pfiff der Schiri
Calamita zurück (und zeigte ihm anschließend
Gelb, weil er sicherheitshalber doch mal ins Tor
geschossen hatte), obwohl es wohl eher kein
Abseits war. Besonders bemerkenswert: als man
wirklich mal ein wenig wackelte, nach knapp
einer Stunde, da zog man kurz das Tempo an und
entschied das Spiel endgültig. Zuvor musste
Melka einen Schuss von Calamita parieren, hatte
Glück, als er einen schon sicher geglaubten Ball
unfreiwillig wieder ins Spiel brachte, was die
Burghauser allerdings nicht nutzen konnten, und
auch bei einem Freistoß von Bonimeier war es
knapp, aber eben vorbei. Gerade als man das
Gefühl hatte, wenn die Gastgeber irgendwie einen
rein wursteln, dann geht für sie vielleicht noch
was, machte Fortuna den Sack zu: langer Ball auf
die linke Seite, in Höhe des Strafraums,
Bonimeier hat den Ball eigentlich sicher, aber
Lawaree setzt nach und kriegt beim
Befreiungsschlag noch einen Fuß dazwischen, die
Pille kommt zu Sahin, der tanzt seinen
Gegenspieler auf dem Bierdeckel aus und schließt
trocken und hart ab, aus ca. zehn Metern,
halblinke Position, in die lange Ecke. Drin, das
Ding, durch, das Spiel!
Aber der Lawaree war
noch so fit, der hatte noch Bock aufs Spiel.
Sollte mich nicht wundern, wenn der ein oder
andere Burghauser Abwehrspieler nach dem Spiel
schlecht von unserem Belgier geträumt hat. In
der 72. Minute taucht er zur Abwechslung mal
rechts an der Seitenlinie auf und nimmt wieder
dem völlig überforderten Bonimeier die Kugel ab,
treibt sie in den Strafraum und serviert dann
eine wunderschöne Flanke hinter den langen
Pfosten. Dort kommt Caillas völlig losgelöst
angerauscht, und da die ersten zehn Minuten des
Spiels ja definitiv um sind, trifft er mit einem
ebenso schönen Flugkopfball zum 4:0. Lawaree
somit mit zwei Toren und zwei Assists, was
müssen sie in Reihen der Oberbayern innerlich
Kreuze geschlagen haben, als der Mann in der 79.
Minute endlich ausgewechselt wurde! Der war an
diesem Tag wirklich ein zu großes Mysterium für
sie. Folgerichtig blieb es auch beim 4:0, obwohl
Fortuna durchaus noch hätte nachlegen können, zu
überlegen war man zum Schluss, zu schwach
zeigten sich die Gastgeber.
Eine erstaunliche
Leistung, besonders wenn man die aktuelle
Personaldecke der Fortuna bedenkt. Trainer Meier
gab sich nach dem Spiel dann auch generös und
meinte, es gäbe natürlich bei solch einem Spiel
wenig zu meckern, aber wenn er sich die Partie
in der Nacht noch einmal auf Video ansehen
würde, würde er sicherlich noch etwas finden.
Und in der Tat sollte man den Sieg nicht
überbewerten, denn die Gastgeber luden mit
unglaublichen Abwehrfehlern ja förmlich zum Tore
schießen ein. Aber ganz wichtig, dass man es
diesmal auch ausnutzen konnte. Es lässt hoffen.
Also freuen, aber nicht überbewerten, dafür war
der Gegner an diesem Tag nicht gut genug. Die
können sicherlich auch anders.
Dieser klare Sieg
verwirrte dann auch noch die Vereinsoffiziellen
völlig. Auf der Fortuna-Website wird nämlich im
Rahmen des Spielberichtes stolz verkündet, dies
sei der höchste Auswärtssieg seit dem
12.11.2005, als mit gleichem Ergebnis beim
Chemnitzer FC gewann. Dies ist unzweifelhaft
richtig – also dass wir damals 4:0 in Chemnitz
gewannen, meine ich. Leider fehlt da ein Spiel
in der Statistik, und das ist noch gar nicht so
lange her. Vor knapp zweieinhalb Monaten, am
letzten Spieltag der letzten Saison, 31.05.2008,
gewann man ebenfalls mit 4:0 bei RW Erfurt.
Schon verdrängt? Andererseits durchaus
nachvollziehbar. Wir schießen eben selten so
viele Tore, das kann einen schon mal verwirren,
wenn es plötzlich zweimal in einem fortunistisch
gesehen so kurzen Zeitabstand vorkommt...
Damit konnte Fortuna
den kompletten Fehlstart nach der
Auftaktniederlage gegen Paderborn vermeiden und
steht nach drei Spieltagen mit zwei
Auswärtssiegen und sechs Punkten doch sehr
ordentlich da. Im Gegensatz zum Nachbarn
Wuppertaler SV, der den Start völlig versemmelte
und mit einem Punkt aus drei Spielen einen
Abstiegsplatz besetzt. Aber was heißt das schon?
Irgendwelche Spielereien mit Tabellenpositionen
kann man sich eh noch schenken – kleiner
Nachweis gefällig? Top-Favorit Paderborn putzte
am ersten Spieltag Fortuna mit 4:1, kassierte am
zweiten gegen die ebenfalls stark eingeschätzten
Unterhachinger erst in letzter Sekunde
unglücklich den Ausgleich und fuhr als haushoher
Favorit mal eben nach Sandhausen, die nach zwei
Spieltagen überhaupt noch keinen Punkt hatten.
Es wurde kurz und schmerzlos – Sandhausen siegte
4:0, und Paderborn kam dabei noch gut weg, denn
die Gastgeber trafen noch Latte und
Innenpfosten. Der Top-Favorit kam im gesamten
Spiel zu genau einer einzigen klaren Torchance.
Also geht mir weg mit irgendwelche
Tabellenständen, es scheint derzeit wieder eine
Liga zu werden, in der jeden jeden schlagen
kann, was auch nicht verwundert, wenn man sich
die Zusammensetzung anschaut. Da spielen nun mal
die 16 stärksten Drittligisten der letzten
Saison und vier Zweitliga-Absteiger. Da ist das
Niveau eng zusammen. Und das ist allemal
spannender als eine Erste Liga, in der es
normalerweise eine Übermannschaft gibt, dazu
fünf, sechs Vereine, die ab und zu auch mal ganz
brauchbare internationale Klasse beweisen, und
der Rest spielt um die Goldene Ananas bzw. gegen
den Abstieg. Klar ist dort das Niveau höher
(bzw. sollte es sein), aber dass so viele
Mannschaften in etwa gleich stark sind, das hat
man dort nicht. Also gibt es in der 1. Liga
vielleicht besseren Fußball, aber bei uns wird
es wohl wieder mal spannender werden. Irgendwie
möchte ich nicht tauschen.
Die Südwochen gehen
für Fortuna weiter, der nächste Gegner ist
Unterhaching, eine saustarke Truppe, in der mit
Tyce, Frühbeis, Bucher, Fink oder Schweinsteiger
(der große Bruder von „Schweini“, falls sich
irgendwelche WM- oder EM-Touristen hierher
verirren sollten) reichlich Erst- und
Zweitliga-Erfahrung auf dem Platz rumläuft, dann
geht es Ende August nach Sandhausen, und wer die
nach ihrem Spiel gegen Paderborn unterschätzt,
dem ist wirklich nicht zu helfen. Schauen wir
doch mal, wie es dann aussieht. Auf jeden Fall
nach dem verkorksten Start derzeit eine positive
Entwicklung. Aber Luft nach oben gibt es ja
immer.
Übrigens: ein Wort
noch zu Olympia. Wie schon gesagt, ab und zu
guck ich mal rein. Am Sonntag nach dem
Burghausen-Spiel gab es Amüsantes: in der
Segelklasse der 49ers (und frag mich bitte
niemand, was das ist, ich hab keine Ahnung)
gewannen zwei Dänen Gold. Das wäre jetzt nichts
Außergewöhnliches, allerdings gewannen die
beiden Dänen nicht mit ihrem eigenen Boot,
sondern mit einem, dass sie sich von ihren
kroatischen Mitstreitern ausgeliehen hatten. Und
das ist doch wohl mal eine Leistung! Angesichts
unseres letzten Auftritts in Burghausen fordere
ich daher, dass alle Fortuna-Stürmer in den
nächsten Wochen die abgelegten Schuhe von Axel
Lawaree auftragen müssen. Und wenn die dann
genauso treffen und auflegen wie er, dann sehe
ich dem weiteren Verlauf der Saison gelassen
entgegen. Der Auftakt lässt zumindest ein wenig
hoffen.
Wackere olympische
Premium-Grüße: janus |