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Einstand nach
Fortuna-Art...
Am 18.11.2007
stand die erste Bewährungsprobe der Fortuna ohne
Uwe Weidemann an, das Spiel beim – mit Verlaub –
Abstiegskandidaten SV Babelsberg 03. Eine
lösbare Aufgabe für Interimstrainer Wolf Werner,
der seit dem Rausschmiss von Uwe Weidemann auch
schon in gefühlt 100 Interviews erklärt hat,
dass er froh ist, wenn er die Aufgabe zur
Winterpause wieder abgeben kann. Sicherlich
verständlich, wenn man eigentlich Sportdirektor
ist. Eher unverständlich, warum er es dann
überhaupt macht, er hätte es ja auch Co-Trainer
Uwe Klein überlassen können oder dem Trainer der
Zweiten Mannschaft, Goran Vucic. Oder halt
irgendjemand anderem, wenn er selbst schon
keinen Bock drauf hat. Nur eins von mehreren
Mosaiksteinchen, die darauf hindeuten, dass die
Entscheidung vielleicht doch ein wenig
überstürzt getroffen wurde.
Und immerhin
verlor die Fortuna in Babelsberg nur mit 0:3.
Unter Weidemann hätte das bestimmt noch viel
schlimmer ausgesehen...
Überraschend war
eigentlich nicht nur die höchste Niederlage der
Saison, sondern auch die Art und Weise, wie sie
zustande kam. In der ersten Halbzeit war Fortuna
nämlich ganz klar die tonangebende Mannschaft,
Babelsberg hielt sich zurück. Aber man konnte
wieder einmal die durchaus vorhandenen
Einschussmöglichkeiten nicht nutzen, Kastrati
und Christ scheiterten mehrfach entweder am
Torwart oder an sich selbst. Auch abseits des
Spiels schien es für Fortuna zu laufen, der
Stadionsprecher pflaumte schon in den ersten 45
Minuten die Haupttribüne an, doch mal gefälligst
für mehr Stimmung zu sorgen: „Ihr wolltet doch
Regionalliga spielen, dann macht jetzt auch
gefälligst Stimmung wie in der Regionalliga!“
Selten so gelacht.
Nach der Pause
verging uns allerdings das Lachen, und zwar
gründlich. Die Babelsberger, mit neuem Coach
Dietmar Demuth, merkten, dass hier sehr wohl
etwas ging, wenn man nur einen Gang höher
schalten würde. Das tat man dann auch, wurde von
Minute zu Minute überlegener, und setzte die
Überlegenheit bereits in der 57. Minute in
Zählbares um: nachdem man wenige Minuten zuvor
noch an der Fahne des Schiri-Assistenten
gescheitert war, der einem Treffer aufgrund
einer Abseitsstellung die Anerkennung versagte,
war es nunmehr Stürmer Biran, der per
Flugkopfball einnetzte. Zwar reagierte Wolf
Werner noch mit der Einwechslung von Erwig und
Heidinger und der Umstellung auf drei Spitzen,
aber auch dies hatte nur noch eine einzige
Torchance zur Folge: in der 72. Minute
Distanzschuss von Erwig, SVB-Schlussmann Busch
kann parieren, und anschließend setzt Heidinger
einen Kopfball an die Latte. Wenn, ja, wenn der
gesessen hätte, hätte das Spiel eventuell noch
einmal kippen können. Aber erst hatten sie kein
Glück, und dann verdienten sie es auch nicht
mehr. Denn was die Fortuna in der zweiten
Halbzeit so auf den Potsdamer Rasen zauberte,
war wirklich nicht geeignet, auch nur einen
Punkt mitzunehmen. Folgerichtig kassierte man
noch das 2:0 durch Frahn, nachdem Ben-Hatira auf
rechts zum wiederholten Mal Hergesell
weggelaufen war und nach innen geflankt hatte.
Das 3:0 durch einen Strafstoß von Moritz (Foul
von Palikuca an Ahmetcik) hatte fast nur noch
statistische Bedeutung, die Partie war zu diesem
Zeitpunkt längst entschieden.
Sehr zum Erstaunen
der Einheimischen übrigens, die daraufhin den
Gesang „Außer Fortuna gewinnt hier jede Sau!“
anstimmten. Ein weiterer Beleg dafür, was hier
möglich gewesen wäre, hätte man nur konzentriert
weiter gespielt. Aber anscheinend ist es relativ
unmöglich in dieser Saison, mal eine Fortuna zu
erleben, die im gesamten Spiel konzentriert zu
Werke geht. Diesmal hatte man die zweite
Halbzeit einfach nur komplett verschlafen und
das Spiel, so schien es, spätestens nach dem
Lattentreffer von Heidinger abgehakt. Dann kann
es halt schon mal eine solche Klatsche geben.
Herbstmeister
– keiner weiß, warum
Am 25.11.2007 kam
zum letzten Spieltag der Hinrunde direkt mal der
Tabellenzweite in die LTU-Arena. RW Erfurt gab
sich die Ehre, mit den Stürmern Kumbela und
Bunjaku, die beide zusammen bereits mehr Treffer
erzielt haben als die komplette Mannschaft der
Fortuna. Stärkster Sturm gegen stärkste Abwehr,
hieß das Motto, und so begann es auch gleich:
nach nur drei Minuten ein weiterer Slapstick der
Fortuna-Abwehr aus der Kategorie „Wir versuchen
mal, auf Abseits zu spielen“, nicht das erste
Mal in dieser Saison, dass diese Absprache den
ein oder anderen nicht rechtzeitig erreichte,
und Kumbela stürmte völlig allein auf Keeper
Melka zu. Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir
zu diesem frühen Zeitpunkt schon in Rückstand
geraten wären, vielleicht hätte eine weitere
Demontage gedroht. Aber Melka parierte großartig
mit dem Fuß, sodass auch die Fortuna mal langsam
ins Spiel finden konnte. Es entwickelte sich ein
relativ flottes Regionalliga-Spiel, in dem vor
allem unsere Abwehr endlich mal wieder souverän
aufspielte. Erfurt besaß außer einem Schuss von
Bunjaku aus 16 Metern in der ersten Halbzeit
keine nennenswerte Torchance mehr.
Nach einer
Viertelstunde gab es Freistoß für die Fortuna,
ca. 20 Meter vom Erfurter Gehäuse entfernt. Und
in Ermangelung des wieder einmal verletzten
Markus Anfang machte es dann Marco Christ. Schön
über die Mauer gezirkelt, links ins Eck – 1:0.
Ein schönes Tor, die Führung zu diesem Zeitpunkt
vielleicht noch etwas glücklich, aber im Laufe
des Spiels immer verdienter, weil Fortuna
überlegen nach vorn spielte und hinten nichts
anbrennen ließ.
In der 2. Halbzeit
machte man dort weiter, wo man aufgehört hatte,
und zog den Thüringern den Zahn recht schnell:
in der 57. Minute wird Lambertz links am
Strafraum angespielt, setzt sich gegen zwei
Gegenspieler durch und passt von der Grundlinie
zurück auf Fabian Hergesell. Der holt aus ca.
acht Metern die linke Klebe raus und haut die
Kugel rechts unten ins lange Eck. 2:0, das war
die Entscheidung. Erfurt kam noch einige Male
nach vorn, aber selten gefährlich, der so
treffsichere Sturm sah kein Land, und selbst
Ex-Fortune Denis Wolf, immerhin sechsfacher
Torschütze in der laufenden Saison, konnte keine
Akzente setzen und wurde in der zweiten Halbzeit
ausgewechselt. Dazu war er noch nicht einmal der
Schönste auf dem Platz, denn bei Fortuna durfte
Claus Costa spielen. Warum, weiß eigentlich
niemand so recht bis heute, er scheint es dem
Interims-Trainer angetan zu haben, machte alle
vier Spiele vor der Winterpause mit, und somit
mehr als in seiner ganzen Zeit unter Weidemann.
Wenn er wenigstens gut spielen würde, würde man
ja nichts sagen, aber das tut er leider nicht.
Für mich eine völlig unverständliche Personalie
des Trainers.
Aber selbst der
schöne Claus konnte den 2:0-Sieg der Fortuna
gegen Erfurt nicht verhindern, zu souverän
spielte die Mannschaft die Führung nach Hause.
Endlich mal wieder ein überzeugender Heimsieg,
seit Ende September gab es keine drei Punkte
mehr in der LTU-Arena. Und als ob dies nicht
schon verwundernswert genug gewesen wäre, setzte
der Fußballgott noch eins drauf: Erfurt hatten
wir in der Tabelle durch den Sieg überholt, das
war klar. Dann kam die Kunde, dass auch der
Wuppertaler SV mit 0:2 in Magdeburg verloren
hatte. Und dann, unglaublich, aber wahr, verlor
Spitzenreiter Kickers Emden zuhause 1:2 gegen
den Tabellenletzten VfL Wolfsburg II. Somit
waren wir punktgleich mit Emden und ein Tor
besser. Und plötzlich waren wir
Herbstmeister...Wobei ich an Eides Statt
versichern möchte: das wollten wir nicht! Ich
kenne nun wirklich niemanden, der in der Woche
vor dem Spiel ernsthaft die Möglichkeit in
Betracht gezogen hätte, die Arena als
Herbstmeister zu verlassen. Das ist so über uns
gekommen! Aber ich sag ja immer: wenn keiner
will...Natürlich ist dieser „Titel“ ein Muster
ohne Wert, der genau gar nichts bringt. In
dieser Saison vielleicht sogar noch ein bisschen
mehr. Warum? Dafür genügte ein Blick auf die
Tabelle. Wo hätten wir gestanden, wenn wir das
Spiel verloren hätten? Auf Platz 9, hinter
Werder Bremen II. Ich hoffe, das reicht zur
Abschreckung. Drei Punkte Abstand zwischen dem
Tabellenführer und Platz 9...die Liga ist wieder
einmal so abschreckend ausgeglichen wie im
letzten Jahr. Somit wurde man Herbstmeister in
Abstiegsgefahr, denn bis zu Platz 11 waren es
nur fünf Punkte Vorsprung. Eine Farce also, mit
der man eine Woche lang angeben konnte, mehr
nicht.
Enttäuschend nur,
dass die Pleite in Babelsberg wohl auch Spuren
beim Publikum hinterlassen hatte. Obwohl es ein
echtes Spitzenspiel war, kamen noch nicht einmal
10.000 Zuschauer in die Arena. Die gingen
allerdings auch frohgemut wieder nach Hause. Und
vor allem in der Hoffnung, dass diese drei
Punkte nur eine Woche später ordentlich
vergoldet werden könnten. Denn nur eine Woche
später ging die Rückrunde wieder los, und das
hieß ja: wieder Heimspiel, diesmal gegen Union
Berlin. Da würde man ein bisschen Luft zwischen
sich und die Konkurrenz legen können. Würde,
hätte, könnte...
Der Witz des
Jahres
Denn am 01.12.2007
gab es gegen Union eine der unnötigsten
Niederlagen in der Reihe unnötiger
Fortuna-Niederlagen, die ich in meinem
bisherigen Leben begutachten durfte. Ein wenig
erinnerte es mich an ein Spiel Anfang 2001 gegen
den SC Verl, das man im alten Rheinstadion mit
0:4 verlor, im strömenden Regen, bei einem
Chancenverhältnis von 16:4. Für mich die
unfassbarste Niederlage aller Zeiten, in der der
Gegner an die Wand gespielt wurde und aus vier
Angriffen tatsächlich vier Tore machte. So etwas
erlebt man eigentlich selten. Damals gab es
übrigens nach Spielschluss Standing Ovations für
eine hervorragende Mannschaftsleistung, bei der
nur das Ergebnis irgendwie nicht stimmte. So
etwas erlebt man heutzutage überhaupt nicht
mehr.
Natürlich war die
Partie gegen Union Berlin nicht ein solch
krasses Missverhältnis zwischen Leistung und
Ausbeute. Aber wie gesagt, ein bisschen fühlte
ich mich doch daran erinnert, besonders in der
zweiten Halbzeit. In der ersten bemühte sich
Union noch, mitzuspielen, hatte auch zwei gute
Chancen durch Benyamina, aber auch schon in
dieser Hälfte war Fortuna überlegen. Aber
Lawaree versiebte zweimal aus aussichtsreicher
Position, und auch Bekim Kastrati scheiterte aus
fünf Metern an Unions Keeper Glinker. Und kurz
vor der Pause wurde es dann richtig dramatisch:
erst nutzte Kastrati eine weitere Chance nicht,
dann schied mit Marco Christ wieder einmal einer
der „Kreativkräfte“ im Mittelfeld verletzt aus,
und anschließend sah der Berliner Michael Bemben
Rot für eine unfassbare Todesgrätsche gegen
Hergesell. Wer so reingeht, an der Mittellinie,
gegen Ende der ersten Halbzeit, beim Stande von
0:0, der muss sich wirklich fragen lassen, ob er
noch alle Latten am Zaun hat. Vielleicht war es
ja auch Frust darüber, dass ihm ein ähnlicher
Auftritt wie vor zwei Jahren nicht vergönnt war,
als er in der Arena mit Rot-Weiß Essen drei Tore
bei deren 4:2-Erfolg machte. Auf jeden Fall ein
Ding der Unmöglichkeit, und Berlin war nur noch
zu zehnt.
Dass aber auch mit
einem Mann weniger die Kreativität nicht leiden
muss, zeigte Union nach der Pause. Da erfanden
sie nämlich einfach eine bereits ausgestorbene
Sportart neu: Feldhandball. Alle Mann um den
eigenen Strafraum rum, während die Fortunen
versuchten, wahlweise durch die Mitte oder noch
weiter außenrum den Riegel am Berliner Kreis zu
knacken. Union nach vorne fand nur noch
sporadisch statt. Das Ganze mutierte zeitweise
zum Scheibenschießen, drei, vier Fortunen
versuchten sich mit Schüssen und Nachschüssen,
die stets in der vielbeinigen Berliner Abwehr
hängen blieben. Jedoch kommen bei solch
drückender Überlegenheit auch dann automatisch
Chancen, wenn man es noch so stümperhaft spielt.
Die größte in der zweiten Halbzeit hatte wieder
einmal Bekim Kastrati: von Axel Lawaree herrlich
freigespielt, tauchte er wieder fünf Meter vor
Glinker auf, aber diesmal – im Gegensatz zum
ersten Durchgang – von seinem Gegenspieler
völlig unbedrängt. Und wieder konnte der
Berliner Torwart mit einem Reflex glänzend
parieren, wobei er anschließend das Glück des
Tüchtigen hatte: der Abpraller landete
schließlich bei Oliver Hampel, der mit einem
Hammer aus 16 Metern den Keeper am Fünfmeterraum
überwand, aber auf der Linie stand mit Stuff
eines der langen Elende der Union-Abwehr und
köpfte den Ball weg. Und so ging es munter
weiter. Spätestens nach der Szene, als Lawaree
aus acht Metern erneut an Glinker scheiterte,
und Heidinger den abgelenkten Ball, der neben
das leere Tor hoppelte, trotz
Riesen-Blutgrätsche nicht ins selbigem
unterbringen konnte, weil ihm die berühmten zehn
Zentimeter fehlten – spätestens da dämmerte
einem Großteil der 10.500 Zuschauer, dass die
Fortuna an diesem Tag noch drei Stunden würde
weiterspielen können, ohne das Tor zu treffen.
In solchen Fällen nimmt man am besten den Spatz
in der Hand, sprich: auch ein 0:0 und ein Punkt
können am Ende noch etwas Wert sein. Und der
Punkt war ja eigentlich sicher, denn die
Feldhandballer aus der Bundeshauptstadt machten
in der letzten Viertelstunde überhaupt keinen
Versuch mehr, nach vorne zu kommen.
In der 87. Minute
dann ein Befreiungsschlag von Marco Gebhardt,
der weit in die Düsseldorfer Hälfte hineinfliegt.
Laufduell Nico Patschinski mit Hamza Cakir,
gleichzeitig eilt Torwart Melka aus dem Kasten,
um den Ball aufzunehmen. Dann erkennt er jedoch,
dass der Ball nicht in den Strafraum gelangen
wird, bevor Patschinski heran gekommen ist.
Melka kommt aus dem Strafraum und versucht, beim
Zusammenprall mit Patschinski den Ball noch
wegzuschlagen. Es wird ein Querschläger, und
Patschinski kann die Kugel am Sechzehnmeterraum
erreichen und mittels Volleyschuss Richtung
Fortuna-Tor bringen. Aber kein Problem, zum
einen ist es eher ein Schüsschen, Patschinski
sind in der zweiten Halbzeit wohl die Beine
eingeschlafen bei den gefühlt drei
Ballkontakten, die er als Stürmer bis dato
hatte; zum anderen rauscht am Fünfmeterraum
Hamza Cakir heran; zum dritten rauscht auf der
Torlinie der ebenfalls mitgelaufene Claus Costa
heran. Und dann kommt die Einlage des Tages:
Cakir kommt mit dem langen Bein nicht mehr ganz
an den Ball ran, die Kugel rutscht ihm über den
Außenrist und wird nach hinten verlängert.
Dadurch wird sie aber zu schnell für Costa, der
kommt mit dem langen Bein nicht mehr ganz an den
Ball ran, die Kugel rutscht auch ihm über den
Außenrist und wird nach hinten verlängert. Da
hinter ihm leider das Tor ist, steht es 1:0 für
Union. Niemand weiß, warum, auch Patschinski
guckt erst mal ein bisschen komisch, bevor er
sich feiern lässt.
Ein Tor, passend
zum Spiel – eine Slapstick-Nummer in einer
schlechten Comedy-Veranstaltung. Und während man
noch versucht, zu begreifen, was da geschehen
ist, ist das Spiel zu Ende.
Fortuna verlor 0:1
in einem Spiel, das sie locker 3:0 nach Hause
hätten schaukeln müssen. Aber Berlin hatte einen
prima Keeper dabei und neun aufopferungsvoll
kämpfende Feldhandballer – das reichte. Selbst
das Tor haben wir ihnen in dreifacher
Co-Produktion noch geschenkt. So freundlich
werden Gäste bei uns nicht immer behandelt. Ich
hoffe, bei Union behält man dies im Gedächtnis,
man kann ja nie wissen, wann man selbst mal
einen Gefallen braucht. Unfassbarer Ausklang
einer klaren Angelegenheit. Das ist
Fußball – auch wenn es manchmal weh tut.
Ein Feuerwerk
zum Jahresabschluss
Und wenn’s mir weh
tut, ist RW Essen meist nicht weit. Am
08.12.2007 musste Fortuna an der Hafenstraße zum
letzten Spiel des Kalenderjahres 2007 antreten.
Die Voraussetzungen dafür waren mal wieder
schlecht: Essen zuletzt durchaus mit auf-,
Fortuna mit absteigender Tendenz. Hinzu kam,
dass wir uns zwar daran gewöhnt haben, in dieser
Saison faktisch ohne Sturm anzutreten, diesmal
ließen wir jedoch auch gleich das kreative
Mittelfeld zuhause: der erst seit zwei Wochen
wieder verletzungsfreie Andy Lambertz wurde von
einem Magen-Darm-Virus niedergestreckt, die
Verletzung von Marco Christ aus dem Union-Spiel
erwies sich als zu folgenschwer. Beide tauchten
noch nicht einmal im Kader auf. Blieb Markus
Anfang, zum ersten Mal wieder am Start seit
einer Verletzung aus dem Braunschweig-Spiel. Da
würde man also auch nicht allzu viel erwarten
können.
Dass es ein
turbulentes Spiel werden würde, hätte ich mir
bei der Anreise schon denken können. Ich kam
erstaunlich gut über die A 3 und die A 52 in
Essen-Rüttenscheid heraus. Hier galt es nun,
einfach mal quer durch die Stadt zu fahren, und
an einer bestimmten Stelle links abzubiegen.
Dies entpuppte sich dann leider als nicht so
einfach, denn der geplante Weg war nach knapp
der Hälfte beendet, gestoppt durch einen
Polizeiwagen, der eine Kreuzung sperrte. An
jenem Samstag gab es wohl die ein oder andere
Veranstaltung in der Innenstadt, die eine
Sperrung zur Folge hatte. Man durfte an einem
Kreisverkehr plötzlich nur noch links abbiegen
und dann sein Glück versuchen. Eher von Nachteil
ist es dann, wenn das Stadion von RW Essen in
der Innenstadt nicht ausgeschildert ist. Keine
Ahnung, wo ich überall rumgekurvt bin,
schlussendlich erinnerte ich mich daran, dass
der Weg zur Uni nicht ganz verkehrt sein konnte
und folgte der diesbezüglichen Beschilderung.
Nur die Uni suchte ich dann vergebens. Und die
sollte ich wohl kennen, ich habe schließlich mal
ein ganzes Semester dort studiert (okay, schon
etwas länger her). Daher wusste ich um den
markantesten Punkt der Uni, die vier hohen
Ecktürme des Uni-Geländes, die verschiedene
Fachschaften beherbergen, und die auch
verschieden farblich markiert sind (was auch auf
den Hinweisschilder kundgetan wird). Ich
verrenkte mir den Hals im immer dichter
werdenden Verkehr, aber ich konnte die
farbenfrohen Türme nicht erkennen.
Der Zufall führte
mich dann auf den rechten Weg: an einer Ampel
bogen vor mir zwei Linienbusse ein, beide mit
„S“ für Sonderfahrt gekennzeichnet und sichtbar
mit Fußball-Fans besetzt. Meine Ampel sprang auf
Grün, und ich hängte mich einfach dran. Kurz
darauf tauchte rechter Hand die Uni auf, und ich
erkannte, warum ich auch noch sechs Stunden im
Kreis hätte fahren können, ohne die Türme zu
erkennen: die waren nämlich eingerüstet und mit
irgendwelchen Bau-Netzen überzogen, sodass die
Farben gar nicht mehr zu erkennen waren. Sie
sahen aus wie ’zig andere Türme in der Umgebung.
Na danke schön! Ein perfider Anschlag auf meinen
Orientierungssinn! Wie gut, dass die
öffentlichen Verkehrsmittel mich nicht im Stich
gelassen hatten.
Von hier aus war
die Anfahrt doch eher ein Klacks, und so war ich
zeitig genug zugegen, um im Stadion
mitzubekommen, wie der Stadionsprecher uns
wieder mal eins reinwürgen wollte, und erneut –
wie beim letzten Spiel in Essen, Anfang Februar
2006 – „Viva Colonia“ anstimmte, was im Stadion
auch wieder begeistert mitgebrüllt wurde. Um es
mit einem Schreiber des Fortuna-Forums zu sagen:
Habt ihr keine Ehre? Habt ihr keine eigenen
Beleidigungen? Knapp zwei Jahre seit dem letzten
Spiel vergangen, und alles, was ihnen einfällt,
ist „Viva Colonia“. Echt peinlich.
Das war aber schon
alles, was an Essen peinlich war. Die Essener
Mannschaft nämlich ließ sich von den Langweilern
um sie herum keineswegs anstecken, sondern legte
los wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Fortuna
hielt vielleicht eine Viertelstunde dagegen und
beschränkte sich anschließend darauf, sich
irgendwie in die Halbzeitpause zu retten.
Nachdem Guie-Mien nach 19 Minuten völlig frei
zum Kopfball kam, aber den Ball aus der Rücklage
nicht mehr drücken konnte, gab es nach 22
Minuten zwei Szenen, die mich spontan zu den
Baldriantropfen hätte greifen lassen, hätte ich
denn welche mit mir geführt: zunächst ein
Essener Konter (!), als die Fortunen allesamt
mal wieder zu einem Zeitpunkt aufgerückt waren,
zu dem man es sich besser hätte verkneifen
sollen. Langer Ball auf Stoppelkamp, der im
Laufduell mit seinem Gegenspieler vor diesem und
vor Melka am Spielgerät ist und selbiges aus ca.
10 Metern über den Torwart lupft. Der Ball
prallt an den linken Pfosten, dann rauscht
Lorenz heran und will aus fünf Metern mit dem
Kopf einnetzen, aber Langeneke bekommt noch
irgendein Körperteil dazwischen und lenkt den
Ball an die Latte. Kaum hatte man sich von
diesem Doppeltreffer erholt, folgte nach der
anschließenden Ecke ein lustiges Tohuwabohu im
Strafraum, bei dem schlussendlich ein Herr mit
dem klangvollen Namen Czyszczon aus drei Metern
(!) an Melka scheiterte. Der Stadionsprecher
wird unserem Keeper dankbar gewesen sein, wer
verknotet sich schon gern die Zunge? (Ich
darf solch schlechte Witze machen, bei meinem
Namen) Und weiter ging es im Minutentakt, auch
wenn längst nicht alles das Fortuna-Tor
erreichte. In der 34. Minute jedoch schepperte
es erneut: wieder hat sich Ex-Fortune
Stoppelkamp durchgesetzt, diesmal links im
Strafraum, sein Flachschuss ins kurze Ecke
knallte erneut gegen den Pfosten, anschließend
konnte Melka gegen Lorenz aus kurzer Distanz
retten. Zur Pause nahm ich mir vor, mal bei der
Geschäftsführung anzufragen, seit wann der Papst
Fortuna-Mitglied ist. Das 0:0 war ein schlechter
Witz, wir hätten längst zurückliegen müssen.
Dies änderte sich
grundlegend nach der Pause. Nicht, dass Fortuna
plötzlich angefangen hätte zu spielen, um Gottes
Willen. Aber nun hielt man dagegen, stand
sicherer in der Abwehr, die Essener kamen nicht
mehr so häufig durch. Und ab und zu pirschte man
sich auch nach vorne. Spielerische Höhepunkte
waren eh nicht mehr zu erwarten, denn natürlich
war Markus Anfang in der 60. Minute verletzt
ausgewechselt worden. Somit spielten wir das
Ding also ohne komplettes etatmäßiges Mittelfeld
zu Ende. Kurz zuvor hatte er noch die beste
Chance für Fortuna, quasi aus Zufall: ein
Freistoß von ihm aus knapp 20 Metern wurde von
der Mauer abgefälscht, Torwart Masuch war schon
in der falschen Ecke und hätte den Ball niemals
bekommen, aber der holperte neben das Tor.
So ging es weiter,
Fortuna fand langsam ins Spiel, Essen tat sich
immer schwerer, die Einheimischen griffen zum
allseits beliebten Muntermacher für die eigene
Truppe, nämlich zum Pfeifkonzert nach jedem
Fehlpass, die sich jetzt häuften – und dann kam
die 75. Minute. Zeit, mal wieder für ein
bisschen organisierten Spaß zu sorgen. Dass es
in beiden Fan-Blöcken zuvor schon geraucht
hatte, war ja fast zu erwarten gewesen, es gibt
halt Leute, deren größtes Vergnügen im Leben
scheint es zu sein, nach dem Wochenende in der
Schule und bei den Kumpels prahlen zu können,
wie richtig toll man doch wieder im Block
gezündelt hat. Mindestens einer wollte sich aber
wohl noch zum König der Spaßmacher aufschwingen
und warf eine brennende Bengale aus dem
Fortuna-Block auf den Rasen. Vielleicht war es
auch eine Leuchtkugel, ich gebe gerne zu, mich
nicht damit auszukennen, was vorpubertäre
Gestalten (wenn nicht vom Alter, dann doch vom
Geisteszustand her) so alles auf den Rasen
werfen, weil es sie glücklich macht. Brannte auf
jeden Fall rot, qualmte, und sah Scheiße aus.
Der Schiedsrichter, Herr Lupp aus Zossen (den
Lesern meines Artikels „Arena-Wochenende“ noch
von seinem unvergessenen Auftritt Ende September
beim Spiel TSV 1860 München – TuS Koblenz in
Erinnerung), unterbrach die Partie und ließ über
Stadionlautsprecher verkünden, beim nächsten
Zwischenfall würde er abbrechen. Und was dann
folgte, ist ja wohl jedem klar: zwar mögen
Fußball-Fans keine Verbrecher sein, aber wer
schon solche Aktionen nötig hat, um sich toll zu
fühlen, wird es sich selbstverständlich nicht
nehmen lassen, einen Spielabbruch in seine Liste
großer Erfolge aufzunehmen. Kaum war die Warnung
verklungen, flog eine zweite brennende Bengale
auf das Spielfeld (oder was auch immer), und der
Schiri brach das Spiel ab. Die Folge war ein
einziges Gejohle auf beiden Seiten. Ein Teil des
Fortuna-Blocks feierte wohl mit dem
Kunstschützen, der für die gute Stimmung gesorgt
hatte, die Essener im Fan-Block und um mich
herum freuten sich und skandierten „Sieg!“ und
„Ihr könnt nach Hause fahrn!“ Denen war wohl
auch aufgefallen, dass ihre Truppe in der
zweiten Halbzeit das Tor auch nicht mehr treffen
würde, und wenn es dann drei Punkte für Nichts
gibt – so what? Umso enttäuschter waren die
Essener, als Schiri Lupp – der nicht nur in
dieser Situation sehr umsichtig agierte und das
Spiel jederzeit voll im Griff hatte – die Partie
nach 10 Minuten Unterbrechung ein letztes Mal
wieder anpfiff. Da wurde in meinem Umfeld auf
der Tribüne in bester Kindergartenmanier
gejammert: „Wenn er sagt, dass er abbricht, dann
darf er doch nicht wieder anpfeifen!“ Fehlte nur
noch, dass sie angefangen hätten zu heulen.
Fast hätte es
sogar noch ein Tor gegeben in diesem Spiel,
obwohl der Spielfluss nach dieser langen
Unterbrechung komplett raus war. Aber Melka
parierte einen Distanzschuss von Guie-Mien
großartig, und auch bei der letzten Essener
Chance war man auf dem Posten: einen Freistoß
von Guie-Mien köpfte der zurückgeeilte Heidinger
von der Torlinie, aber Melka hätte ihn wohl auch
so gehabt. Auf der anderen Seite konnte sich
Heidinger ein einziges Mal auf rechts
durchsetzen und eine wirklich gute Flanke in die
Mitte bringen, knapp über der Grasnarbe, an den
Abwehrspielern vorbei auf den 5-m-Raum gezogen,
aber in der Mitte war niemand mitgelaufen, um
abzustauben. Das wäre dann auch eine perfekte
Kopie des Spiels der Vorwoche gewesen, sogar die
Minute 87 hätte gepasst. Aber ich möchte nicht
wissen, wann dann im Stadion los gewesen wäre...
Somit endeten
beide Spiele der Fortuna gegen RW Essen in
dieser Saison torlos. In beiden Spielen hätte
die Heimmannschaft siegen müssen, weil die Gäste
nur hinten drin standen. Im Hinspiel hatten die
Fortunen zuviel Angst vor der eigenen Courage,
im Rückspiel hatten die Essener erst kein Glück,
dann fiel ihnen nichts mehr ein. Mit dem
Unentschieden kann man leben.
Es folgte nur noch
das Nachspiel. Selbstverständlich ist der mutige
Werfer von der Tribüne bis heute nicht
ermittelt, selbstverständlich verkriecht er sich
im Schutz seiner „Gemeinschaft“ von
Möchtegern-Revoluzzern, die ihre Definition der
Erlebniswelt Fußball umsetzen ohne auch nur
einmal zu den Konsequenzen stehen zu müssen,
denn dafür hat man ja „seinen“ Verein, der
anschließend die Zeche zahlen muss. Man kennt es
ja, die armen Jungs sind ja ständig auf der
Flucht vor der ungerechtfertigten Repression.
Selbstverständlich wurde die Schuld in den
schlampigen Kontrollen der Essener
Ordnungskräfte gesucht, von denselben Leuten,
die am lautesten schreien und sich wie
Verbrecher behandelt fühlen, wenn bei
Auswärtsspielen mal „richtig“ kontrolliert wird.
Spaß muss halt sein, wer Kollateralschäden
befürchtet, sollte zuhause bleiben. Auch selten
schlau die Aussage des Trainers, der sich in
mysteriösen Anspielungen erging, dies könne gar
nicht das Werk „unserer“ Fans gewesen sein.
Vielleicht könnte ihn mal einer der wahren Fans
in der langen Tradition erfolgreicher
Düsseldorfer Bengalenwürfe unterrichten, dann
würde er so etwas nicht von sich geben,
schließlich ist er ja relativ neu bei uns. Der
„Exzess“ wiederum stellte sofort die Frage, ob
es nicht Dresdner gewesen sein könnten, die sich
in den Fan-Block gemischt hätten, man habe so
etwas munkeln hören, außerdem hatten die an
jenem Wochenende ja auch spielfrei. Ich wette,
in gewissen Düsseldorfer Fan-Kreisen hält man
sich immer noch den Bauch vor Lachen während man
zwischendurch ein “Klar waren das Dresdner!“
durch die Backen prustet. Aber selbst wenn es,
entgegen aller Ausreden und Vorurteile,
vielleicht eventuell doch Düsseldorfer gewesen
sein könnten, dann macht das ja auch nix: immer,
wenn man glaubt, dümmer geht’s nicht mehr, kommt
die Aussage, der Verein solle sich gefälligst
nicht so anstellen wegen der paar Euro,
schließlich müsse man bedenken, was diverse
Vorstände in den letzten Jahrzehnten an Kohle
verpulvert hätten, da würde so etwas doch gar
nicht ins Gewicht fallen. Und da diese
Vorkommnisse eine neue Qualität besaßen,
schließlich wurde mit voller Absicht versucht,
nach der entsprechenden Durchsage einen
Spielabbruch und eine Wertung des Spiels gegen
die eigene Mannschaft herbeizuführen, darf man
sich auf weitere „gelungene“ Aktionen in der
Rückrunde „freuen“, besonders wenn den
Herrschaften mal wieder irgendwas an Spielweise
oder Ergebnis „ihres“ Vereins nicht passt. Weil
es einfach mehr Spaß macht.
Ach ja, das
nächste Spiel. Das findet am 16.02.2008 statt,
und es erscheint ausgerechnet – der Wuppertaler
SV in der LTU-Arena. Da werden sich schon die
richtigen Leute treffen, denke ich mal.
Natürlich gab es
ordentliche Strafen. Fortuna bekommt ein
„Mini-Geisterspiel“ aufgedrückt, zum Spiel gegen
Wuppertal dürfen nur maximal 15.000 Karten
verkauft werden, davon 4.800 an den Gastverein.
Glück gehabt, sag ich mal, bei den Leistungen,
die die Truppe zuletzt bot und beim bekannt
kritischen Düsseldorfer Publikum (selbst
„echten“ Fans reicht ja schon ein Unentschieden,
um einfach mal das Spiel abbrechen zu wollen)
hätte ich eh nicht mit mehr Zuschauern
gerechnet.
RW Essen erhielt
40.000 Euro Geldstrafe aufgebrummt, hat aber zum
Zeitpunkt dieses Artikels Einspruch gegen die
Strafe eingelegt, Ergebnis offen. Ich glaube ja,
dass die Essener selbst Schuld an der Strafe
sind. Wer eine große Klappe hat, sollte sich
sicher sein, dass er sie auch ungefährdet
aufreißen kann. RWE-Präsident Heppelmann war so
einer, der sich völlig sicher war, und so
posaunte er fünf Minuten nach Spielschluss schon
in die Notizblöcke der Reporter, dass sein
Sicherheitsdienst hervorragende Arbeit geleistet
habe, das habe ihm auch der DFB bestätigt. Tja,
dumm gelaufen. Denn vielleicht ist auch dem DFB
aufgefallen, dass die Essener darauf beharrten,
bei dem Spiel seien 13.000 Zuschauer anwesend
gewesen. So blöd muss man erst mal lügen. Im
gesamten Stadion war lediglich im
Essener-Fan-Block noch eine kleine Ecke frei,
der Rest war voll. Auch die Berichterstatter der
Medien gaben unisono um die 20.000 Zuschauer an.
Und wenn man das mit der Aussage Heppelmanns
kombiniert, kommt unweigerlich dabei heraus,
dass sein Sicherheitsdienst hervorragende Arbeit
bei 13.000 Zuschauern geleistet hat. Leider
fehlen dann mindestens 7.000 im Arbeitsnachweis.
Bestätigt wurde dies noch durch Dutzende
Fortuna-Fans, die sich in den Tagen nach dem
Spiel auf der Geschäftsstelle meldeten und
unversehrte Eintrittskarten für den Gästeblock
vorweisen konnten. Nach übereinstimmenden
Erklärungen war ein Grossteil der Gäste nämlich
gar nicht kontrolliert worden, noch nicht mal
die Karte wurde ihnen abgerissen. Und auch wenn
dies keine Entschuldigung dafür sein darf, dass
irgendwelche Pappnasen brennende Sprengmittel
auf den Rasen werfen, so sollte man sich doch
vielleicht vorher erkundigen, bevor man den
Schwarzen Peter so gänzlich in die andere
Richtung schiebt. Hinzu kamen noch ebenfalls
bezeugte Berichte, wonach z.B. einer der
Busfahrer vom Hauptbahnhof zum Stadion seine
Busladung Fortunen mit den Worten „Viel Spaß!“
direkt vor der Tankstelle am Stadion abgesetzt
hatte, die traditionell der Treffpunkt des
Essener Mobs ist. Und noch so ein paar
Kleinigkeiten mehr. Ja, es ist halt immer etwas
los, wenn diese beiden Mannschaften
gegeneinander spielen, und dann sollen ja auch
beide Vereine etwas davon haben.
Somit endete das
Kalenderjahr 2007 am 08.12.2007 mit einem echten
Paukenschlag – obwohl unten auf dem Rasen kaum
etwas passierte.
Ausklang
Fortuna beendet
das Kalenderjahr auf Platz 6 der Tabelle, mit 33
Punkten und dem Mörder-Torverhältnis von 17:12
(nach 20 Spielen). Das ist natürlich die beste
Abwehr der Liga, aber der viertschlechteste
Sturm, nur Cottbus II, Wolfsburg II und Verl
trafen weniger. Natürlich ist noch nichts
verloren, denn da die Liga wieder so
ausgeglichen ist wie in der letzten Saison, sind
es nur zwei Punkte auf den Aufstiegsplatz 2, den
RW Erfurt einnimmt. Allerdings sind es auch
weiterhin nur 5 Punkte auf den Abstiegsplatz 11,
den RW Ahlen belegt. Es ist also noch alles
möglich, nach oben wie nach unten. Spannung ist
somit garantiert.
„Wintermeister“
wurde natürlich der Wuppertaler SV, wie bereits
vor der Saison feststand. Die Mannschaft hat
zwar auch noch einige Durchhänger, fängt sich
aber derzeit schneller wieder als die Konkurrenz
und führt die Tabelle mit 37 Punkten an. Dabei
lässt man sich auch von den Kapriolen des
natürlich besten Trainers der Liga, formerly
known as Wolfgang Jerat, nicht beirren, der mal
wieder frei drehte. Beim Spiel gegen Verl (1:0)
ging er in den Clinch mit Gäste-Trainer Ermisch,
der sich über ein nicht gegebenes Abseitstor
seiner Mannschaft aufregte (es war auch kein
Abseits). Und wer daheim für soviel Abwechslung
an der Seitenlinie gut ist, der ist auch
auswärts gerne gesehen: in der Woche danach beim
Spiel in Magdeburg (0:2) beendete Jerat einen
Disput mit dem Haupttribünen-Publikum vor
laufenden Fernsehkameras durch Zeigen des
Mittelfingers, um anschließend die
Pressekonferenz nach dem Spiel mit den Worten zu
beginnen: „Ein solches Stadion und ein solches
Publikum wünsche ich mir auch...“, was nun
wieder die eigenen Anhänger „ein wenig“
verstimmte. Wer weiß, wo die schon stehen
könnten, wenn diese Type nicht ständig Unruhe
reinbringen würde. Aber bislang ist seine
Rechnung aufgegangen, der WSV ist Tabellenführer
und macht jetzt mal den großen Geldkoffer auf:
die Millionen aus dem Pokalspiel gegen Bayern
vor Augen (welches nunmehr endgültig auf Schalke
ausgetragen, aber wohl nicht live übertragen
wird), geht man auf die Suche nach
Verstärkungen, dass es einem von den Namen schon
schwindlig werden kann: Ex-Fortune Victor Hugo
Lorenzón, bei Carl Zeiss Jena ausgemustert, ist
ebenso im Gespräch, wie Erfurts Stürmer Dominik
Kumbela. Den wollen die Thüringer wohl
loswerden, weil er in einer Disco seine Freundin
geschlagen haben soll, ein echter Sonnenschein,
der gut zu Jerat passen würde. Außerdem
beteiligt man sich, wie Fortuna, derzeit am
zumindest diskutierten Leichenfleddern beim VfB
Lübeck und hat ein Auge auf Ex-Fortune Daniel
Cartus sowie die beiden Ex-Uerdinger Baltes und
Heun geworfen. Noch mehr Sonnenscheine. Wie
gesagt, Fortuna soll da auch mitmischen, wird
aber finanziell gegen den WSV nicht anstinken
können, wenn es hart auf hart geht.
Ja, das mit dem
VfB Lübeck ist schon fast eine kleine Tragödie.
Die Mannschaft mochte ich in den letzten Jahren
eigentlich nie, das waren fast immer furchtbare
Klopperspiele zwischen denen und uns, besonders
Baltes und Heun taten sich da oft hervor,
zuletzt im Hinspiel, als Andy Lambertz nach
Baltes’ „Einsatz“ wochenlang verletzt ausfiel.
Aber den Verein mochte ich eigentlich ganz
gerne, ich bin auch immer gerne hingefahren, ich
mag Norddeutschland. Nun hat sich in der letzten
Saison schon Holstein Kiel total verzockt und
ist mit einer Zweitliga-Truppe in die Oberliga
abgestiegen, jetzt nimmt man mir, so wie es
aussieht, auch noch meinen zweiten
Ostsee-Ausflug: Lübeck hat nach der
Verpflichtung von Trainer Uwe Fuchs genau jedes
Spiel verloren, ist mit 17 Punkten
Tabellenvorletzter und weist bereits 13 Punkte
Rückstand auf den rettenden Platz 10 auf (RW
Essen/30). Hinzu kam vor einigen Wochen die
alarmierende Meldung, dass der VfB eigentlich
pleite sei. Mittlerweile stellte man dort
offiziell die Weichen auf die neue Vierte Liga,
nicht mehr die Dritte, und löst derzeit die
Verträge mit den teuren Spielern auf. Deshalb
ist derzeit der halbe Lübecker Kader auf dem
Markt. Auch mit dieser Maßnahme wissen die
Lübecker Verantwortlichen momentan noch nicht,
ob es nächste Saison überhaupt für die Vierte
Liga reichen wird, oder ob es gleich noch tiefer
geht. Verspekuliert, verzockt, verspielt – und
ein hämisches Grinsen verbietet sich, angesichts
der Kenntnisse um die Finanzen der Fortuna. Es
kam schon vor der Saison des Öfteren die
Vermutung auf, dass sich gerade in der
Regionalliga Nord einige Vereine übernommen
hätten, um den Sprung in die neue Dritte Liga zu
schaffen. Der VfB Lübeck scheint der erste Club
zu sein, bei dem dies offensichtlich wird.
Hoffen wir, dass keine weiteren folgen, denn
Entscheidungen über Auf- und Abstieg am Grünen
Tisch will, so glaube ich, kaum jemand sehen.
Außer vielleicht den Insolvenzverwaltern anderer
Clubs, die drei Euro mehr aus der Konkursmasse
herauskratzen und plötzlich drin bleiben.
Was passiert in
der fortunistischen Winterpause? Nun, zunächst
wäre es mal ganz nett, einen neuen Trainer zu
bekommen, da ist nämlich immer noch keiner in
Sicht. Und keiner weiß so genau, wann es soweit
sein wird, vielleicht morgen, vielleicht erst
zum Trainingsauftakt im Januar. Als letzter
heißer Kandidat wurde Wolfgang Wolf genannt, der
in Essen auch im Stadion war, außerdem ist auch
Ex-Fortune Petr Rada wieder im Rennen, der sich
erneut selbst angeboten hat und zufällig
demnächst sowieso zum Weihnachtsbummel auf der
Kö vorbeischauen wird, wie zu vernehmen war. Was
ich davon halten soll, weiß ich noch nicht, ich
habe so meine Skepsis bei Hääätzblut-Trainern,
die sich selbst anbieten. Andererseits, wenn er
zu Anfang alle mitreißt – es muss ja erst mal
nur ein halbes Jahr gut gehen, keine ganze
Saison. Dann wird man sehen, was man sich in der
nächsten Spielzeit leisten kann.
Ein Stürmer muss
auch noch dringend her, man ist fieberhaft auf
der Suche. Und da man im Gegensatz zum WSV
(gegen Bayern) und RW Essen (gegen den HSV)
keine lukrativen Pokalspiele im Januar anstehen
hat, versucht man jetzt anderweitig, ein wenig
Geld in die Kassen zu spülen: am 19.01.2008 (ab
14.00 Uhr) findet in der Arena wieder der
sogenannte „Winter-Cup“ statt, ein Blitzturnier
mit Fortuna, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen
und – in Änderung des letzten Cups, als
Mönchengladbach auflief – dem SV Werder Bremen
mit Fortuna-Urgestein Klaus Allofs am
Spielfeldrand oder auf der Tribüne. Und nur drei
Tage später, am 22.01.2008 (19.30 Uhr) kommt der
FC Bayern München zum Testspiel vorbei und hat
versprochen, alle Stars mitzubringen. Ob die
dann auch alle spielen, steht auf einem anderem
Blatt, aber das ist natürlich eine gute Chance
für alle großen und kleinen Autogrammjäger. Für
dieses Spiel sind jetzt schon, fünf Wochen vor
dem Termin, über 10.000 Karten verkauft worden,
das lässt sich also ganz ordentlich an. Zum
Abschluss der Winterpause soll eventuell Ende
Januar noch gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt werden, dann wohl eher im kleinen
Flinger Broich, aber dies steht zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht fest.
Sportlich machen
diese Spiele soviel Sinn wie jedes andere
Testspiel, aber ich hoffe, dass tatsächlich ein
wenig Geld in die Kassen kommt, damit man mit
neuem Trainer, neuem Stürmer und wer weiß, was
noch alles neu sein wird, im Februar noch einmal
angreifen kann. Mir wäre es leichter ums Herz,
wenn wir erst einmal den Abstand auf Platz 11
vergrößern könnten, denn ein erneuter Abstieg in
die Vierte Liga (nunmehr Regionalliga
West/Südwest) hätte wohl fatale Folgen für den
Verein. Wer Herbstmeister mit nur fünf Punkten
Vorsprung auf einen Abstiegsplatz geworden ist,
sollte den Ernst der Stunde eigentlich erkannt
haben. Und wenn dann noch was geht, greife ich
auch gerne oben an.
In diesem Sinne
wünsche ich noch eine schöne restliche
Vorweihnachtszeit, schöne Feiertage und einen
guten Rutsch ins neue Jahr. Man sieht sich am
16.02.2008 zum Mini-Geisterspiel gegen den
Wuppertaler SV. Oder man liest sich im März
wieder. Oder beides.
Setzt sich jetzt
die Weihnachtsmütze auf: janus |