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Vier weitere
Spiele sind vergangen, jetzt es geht es in die
Vollen. Auf einen Goldenen Herbst hatte ich am
Ende des letzten Artikels gehofft. Ich hoffte
vergebens. Obwohl, die nackten Ergebnisse waren
nicht überragend, aber auch nicht vernichtend.
Aber Fußball ist halt manchmal mehr als nur
Fußball. Besonders an Karneval...
Wie man
schlecht spielt und 1:0 gewinnt
Am 20.10.07 ging
es zum Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund II in
den Signal-Iduna-Park. Die letzte Partie dort im
März war eine, die in die Rubrik „Wäre ich doch
lieber im Bett geblieben“ gefallen war, sowohl
was die Anreise als auch den anschließenden Kick
betraf. Der interessierte Leser möge dies im
entsprechenden Artikel kurz nachhalten. Und auch
diesmal standen die Voraussetzungen nicht
besonders: die Anfahrt konnte sich nur Nerven
aufreibend gestalten, da, egal, welchen Weg man
wählte, zahlreiche Baustellen den eifrigen Fan
am Weiterkommen zu hindern versuchten. Und das
Spiel selbst stand auch unter keinem guten
Stern, schließlich traf eine Fortuna, die in den
letzten Wochen mehr schlecht als recht gespielt
hatte, auf die Truppe, die bis dato rein
statistisch gesehen im Kalenderjahr 2007 die
beste Mannschaft der Regionalliga Nord
darstellte. Bei denen ich mir übrigens zukünftig
lustige Sprüche über das unentdeckte Talent Lars
Ricken verkneifen muss, denn der gehört
mittlerweile fest zum Kader von Dortmund II, so
fest, dass er es bereits zum Kapitän gebracht
hat. Tja, ist auch eine Art von Karriere.
Außerdem fiel er in dem Spiel nun wirklich nicht
weiter auf.
Und wie das so
ist, wenn man von vorneherein das Schlimmste
befürchtet: es kam alles anders. Nicht „ganz
anders“, aber eben anders. Die Anfahrt wurde gut
gemeistert, zu einigen Umwegen aufgrund der
Staulage kam es erst auf dem Rückweg, der ein
wenig länger dauerte. Und „ein wenig“ beschreibt
auch recht gut das Spiel an jenem Nachmittag: es
war ein wenig besser als dieses furchtbare
Gebolze einst im März. Aber wirklich nur ein
wenig.
Fortuna siegte
übrigens 1:0. Natürlich.
3.507 Zuschauer
machten den Signal-Iduna-Park voll. Weil man in
Dortmund wohl mit gigantischen Zuschauermassen
gerechnet hatte, war diesmal sogar die legendäre
Südtribüne geöffnet, und in der Tat, wenn ich
richtig gezählt habe, verirrten sich dorthin
sogar 57 Fans und eine große Schwenkflagge. Der
Rest nahm auf der Haupttribüne Platz oder
tummelte sich im gut gefüllten Gästeblock. Ich
denke, es ist keine Übertreibung, wenn ich von
knapp 3.000 Fortuna-Fans unter den Anwesenden
ausgehe. Die Fans im Gästeblock hatten sogar den
Vorteil, dass dieser vollständig im Sonnenlicht
lag, und sie es schön warm hatten, was man von
anderen Teilen des Stadions leider nicht
behaupten konnte. Und während im Gästeblock der
ein oder andere noch präventiv zur Sonnencreme
gegriffen haben mag, hatte es unmittelbar vor
ihnen schon eingeschlagen: in der 4. Minute war
der Ball über links in den Dortmunder Strafraum
gebracht worden, wo Abwehrspieler Großkreutz zum
Befreiungsschlag ansetzte, der ihm dermaßen
daneben ging, dass die Kugel genau vor die Füße
von Oliver Hampel trudelte. Der ließ sich nicht
lange bitten und haute das Ding aus zehn Metern
zur Führung und seinem ersten Saisontor halbhoch
rechts in die Maschen. Ein schöner Auftakt.
Dabei blieb es
dann aber auch vorläufig. In der ersten
Viertelstunde tat sich nicht viel, beide Teams
beschlossen, dieses frühe Führungstor einfach
mal zu vergessen und damit weiterzumachen, womit
ein normales Fußballspiel eigentlich beginnen
sollte: mit dem „vorsichtigen Abtasten“. Nach
einer Viertelstunde etwa hatten sie genug
getastet, und es ging zum Nahkampf über.
Dortmund merkte, dass man ja eigentlich Herr im
Hause war, und spielte nach vorne. Zunächst war
meist am Sechzehner Feierabend, aber so
allmählich ging es dann auch weiter. Zum Glück
stand weiter hinten auch jemand, der sich einen
netten Nachmittag machen wollte: Fortuna-Keeper
Michael Melka war groß in Form und rettete
allein in der ersten Halbzeit dreimal mit
Glanzparaden gegen diverse, vor ihm auftauchende
Dortmunder. In der 2. Halbzeit musste er dies
nicht einmal mehr tun. Nicht, dass da keine
Dortmunder vor ihm aufgetaucht wären! Im
Gegenteil, es wurden immer mehr. Die rot-weiße
Abwehr, weiterhin mit den wenigsten Gegentoren
der Liga, hatte an jenem Tag nämlich mal ein
Päuschen eingelegt. Immer nur souverän Tore
verhindern kann ja auch ganz schön anstrengend
sein. Zeitweise sprang der Ball wie eine
Flipperkugel am eigenen Sechzehner hin und her,
Versuche nach vorne spielen, mutierten
regelmäßig in Befreiungsschläge. Es war wirklich
schlecht, was dort geboten wurde. Dass Melka
allerdings weniger zu tun bekam als in der
ersten Halbzeit, lag am Gegner. Dortmund war
nämlich fast noch schlechter. Dreimal tauchten
sie völlig frei vor dem Tor auf, dreimal musste
Melka sich nicht mal das Trikot schmutzig
machen, weil sie freiwillig überall hin
schossen, nur nicht aufs Tor. BVB-Coach Theo
Schneider hüpfte an der Seitenlinie auf und ab
wie das berühmte HB-Männchen und hätte sich wohl
am liebsten selbst eingewechselt. Vielleicht
hätte er auch mal einen Kompass an seine Spieler
ausgeben sollen, zur exakten Standort-Festlegung
des Tores. Was seine Schützlinge vor dem
Fortuna-Tor ablieferten, war nicht
regionalligatauglich.
Dieses Stichwort
gilt allerdings auch für die fortunistischen
Bemühungen, in der zweiten Halbzeit mal einen
Treffer zu markieren. Denn man kam zwar nur
höchst selten nach vorne, aber wenn, dann wurde
es brandgefährlich, weil Dortmund schon recht
früh hinten aufmachte und zum Kontern einlud.
Und in einer Sache waren wir nun definitiv
besser als Dortmund: den gegnerischen Keeper
konnten wir in der zweiten Halbzeit schön warm
schießen. Sowohl Axel Lawaree als auch Christian
Erwig scheiterten völlig freistehend an Marcel
Höttecke und demonstrierten wieder einmal, dass
der Wurm im Sturm steckt. Daraufhin dachte
Trainer Weidemann wohl, er könne dann doch mal
die anderen ranlassen, und wechselte in der
Schlussphase Kastrati und Cebe für die beiden
Erfolglosen ein. Was dann folgte, kann aber auch
unter Berücksichtigung von Höflichkeit und
Diplomatie nur noch als „Slapstick“ bezeichnet
werden. Eine Minute vor Schluss tauchte Hille
völlig frei vor Torwart Melka auf und schoss den
Ball, wie es sich gehört, in die Wolken. Und
während Melka noch damit beschäftigt war, seine
Vorderleute zusammenzustauchen, eine Tätigkeit,
der er in der zweiten Halbzeit in höherem Maße
nachging als es Bälle zu halten gab, lief
bereits der Gegenangriff, tatsächlich mal
schnell vorgetragen, was besser unterblieben
wäre, denn dann hätte man sich nicht der
Peinlichkeit ausgesetzt, den Konter mit drei
Spielern gegen einen Abwehrspieler in den Sand
zu setzen. Nach unproduktivem Hin- und
Hergeschiebe war es schlussendlich Cebe, der aus
zehn Metern noch zum Abschluss kam, aber
Höttecke konnte parieren, er hatte ja auch lange
genug Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten.
Übertroffen wurde dieses Desaster nur von einer
Aktion eine Minute später: diesmal hieß es Cebe
und Kastrati allein gegen den Keeper. Wer an
diesem absurden Anblick Schuld war, kann man
gerne diskutieren, es spielt auch keine Rolle,
ob der Querpass von Cebe am Torwart vorbei zu
schlecht war, oder ob Kastrati, der dadurch
einen Schritt mehr machen musste, nicht trotzdem
das leere Tor hätte treffen dürfen, anstatt die
Kugel drüber zu semmeln. Einigen wir uns auf
Unentschieden. Der schlechteste Konter in der
vielfältigen Geschichte schlechter
Fortuna-Konter in den letzten Jahren, und davon
gab es wirklich eine Menge. Aber das machte
dermaßen sprachlos, dass man glatt das Jubeln
vergaß, als das Spiel kurz darauf abgepfiffen
wurde. Zum Glück für die beiden Helden, denn
wenn wir im Gegenzug noch den Ausgleich kassiert
hätten, dann hätte ich wahrlich für nichts mehr
garantiert. So blieb es bei einem wichtigen
1:0-Sieg, den Trainer Weidemann nach dem Spiel
als schlechtestes Spiel der Mannschaft unter
seinem Kommando einordnete. Und der Mann ist ja
nicht erst seit gestern Trainer bei Fortuna, da
waren so einige Graupenkicks dabei. Neu ist
lediglich, dass wir in dieser Saison bei solchen
Spielen auch schon mal punkten.
Somit ein ziemlich
merkwürdiges Spiel mit ebenso merkwürdigen
Umständen. Zum einen war es ein echter
Gruselkick, der aber aufgrund so mancher
Arbeitsverweigerung in beiden Abwehrreihen
(beide Torleute ausdrücklich ausgenommen)
eigentlich hätte 4:4 ausgehen müssen, also wenn
man nur die Großchancen nimmt. Zum anderen die
etwas merkwürdige Regelauslegung des
Schiedsrichters, der eine Kopfnuss von Öztekin
gegen Heeren kurz vor Schluss nur mit Gelb
ahndete. Oder war es doch keine Kopfnuss? Ich
selbst habe es nicht gesehen, aber wenn es keine
war, dann doch wohl eher Gelb für Heeren wegen
Schauspielerei, weil der sich noch behandeln
ließ? Aber wenn es auch nur der Versuch einer
Kopfnuss war, dann doch wohl eher Rot für
Öztekin, da auch der Versuch strafbar ist? All
das wären mögliche Optionen gewesen. Aber Gelb
für eine „Unsportlichkeit“? Und dabei pfeift
Schiri Willenborg noch nicht einmal
international, diese Ausrede blieb ihm also auch
nicht. Merkwürdige Entscheidung, gelinde gesagt.
Da diese Szene sich am Strafraum der Fortuna und
somit unmittelbar vor dem Gäste-Fan-Block
zutrug, wurde dies von einigen Anwesenden dort
genutzt, um einige überzählige Gegenstände, in
der Mehrzahl wohl Feuerzeuge, auf den Platz zu
werfen, obwohl sie damit auch Reservespieler der
Fortuna trafen, die sich neben dem Tor warm
liefen. Oder sollte das sogar Absicht gewesen
sein? Einigen Mutanten traue ich alles zu, um
mal ordentlich Spaß zu haben. Vielleicht war
denen auch die direkte Sonneneinstrahlung im
Block nicht bekommen, oder sie hatten
Schwierigkeiten, zwischen der eigenen und der
gegnerischen Mannschaft zu unterscheiden. Soll
ja schon mal vorkommen, wenn man sich im Stadion
eh weniger für Fußball interessiert. Peinlich
war das Ganze auf jeden Fall.
Aber peinlich
konnten an jenem Tag nicht nur die Mannschaft
und einige Zuschauer, da sprang auch der
Boulevard bereitwillig in die Bresche. Der
Express titelte am Morgen vor dem Spiel „Heute
Sieg, sonst wackelt Trainer Weidemann“. Die
hatten sich wohl aus lauter Langeweile zu lange
im Fortuna-Forum rumgetrieben. Und ihr Kumpel
von der BLÖD brachte gleich mal zufällig seinen
alten Kumpel Uwe Fuchs wieder mit ins Stadion.
Nach dem Sieg gab es für ihn allerdings nichts
mehr zu holen, deshalb unterschrieb er einige
Tage später direkt mal beim VfB Lübeck. Glück
gehabt. Also ich, nicht er.
Wie man
schlecht spielt und 0:2 verliert
Am 27.10.07 kam es
dann zum Spitzenspiel in der LTU-Arena.
Überraschungs-Tabellenführer Kickers Emden
reiste an und brachte einige alte Bekannte mit.
Zum Beispiel Thorsten Nehrbauer. Der Regisseur
der Kickers spielte in der Saison 1998/99 bei
uns. Er kam von Bayer Leverkusen, machte 25
Spiele, wir stiegen in die Regionalliga ab und
er wechselte zum FSV Mainz 05. Sein letztes
Spiel für Fortuna bestritt Nehrbauer am
17.06.1999, als wir am letzten Spieltag 3:1 bei
RW Oberhausen gewannen. Nehrbauer ist inzwischen
absolute Führungsfigur in Emden. Dennoch durfte
er beim Spitzenspiel nur zusehen. Er hatte
nämlich am Spieltag zuvor die Rote Karte
gesehen. Da hieß der Gegner – RW Oberhausen.
Dann hätten wir da
Rudi Zedi. Er war ein wenig länger bei Fortuna
und machte 113 Spiele für uns. Sein Drittletztes
ist mir auf ewig unvergessen, jenes 2:3 gegen
Eintracht Braunschweig nach einer 2:0-Führung,
als er, Zedi, kurz vor Schluss mit einem
sehenswerten, aber letztlich für Fortuna fatalen
Hackentrick das Siegtor des Gegners einleitete.
Es zeugte schon von einer gewissen Größe, nach
dem Spiel ohne rot zu werden zu behaupten, dass
ein Pünktchen den Rot-Weißen auch nichts genützt
hätte. Vor allem deshalb, weil zwei Wochen
später der Fortuna genau dieser eine Punkt zum
Klassenerhalt fehlte. Also wieder mal Abstieg,
diesmal in die Oberliga. Rudi Zedi absolvierte
sein letztes Spiel für Fortuna am 18.05.2002, um
dann über Chemnitz, Erfurt und Aalen nach Emden
zu ziehen, wo er nunmehr das Kapitänsamt
bekleidet und in der letzten Saison, im
Hinspiel, gegen uns selbstverständlich das
Goldene Tor erzielte. Es ist schon erstaunlich,
wo man überall Leute wiedertrifft, die mal mit
einem zusammen abgestiegen sind. Andererseits
gab es davon bei Fortuna ja wirklich reichlich.
Der Coach der
Emder heißt im Übrigen Stefan Emmerling,
ebenfalls bei uns bekannt als Spieler und
Trainer – sowohl bei der Zweiten Mannschaft,
kurzfristig sogar als Interimstrainer des
damaligen Regionalliga-Teams. Leider konnte auch
er den Abstieg nicht mehr verhindern. Und war
somit bei Zedis spielentscheidendem Hackentrick
sogar noch ein bisschen näher dran als ich. Dies
kam übrigens daher, weil er sich schon
frühzeitig in jener Saison so schwer am Knie
verletzte, dass er seine aktive Karriere beenden
musste. Stefan Emmerling machte das letzte Spiel
seiner Karriere am 02.09.2001, als unsere
Fortuna ein 1:1 bei RW Essen holte. Und da
schließt sich der Kreis: Wer erzielte beim
damaligen Spiel in der 89. Minute den Ausgleich
für Fortuna? Genau, es war Rudi Zedi. Ob es da
irgendeinen Zusammenhang gibt? Ich glaube, nein.
Aber man kann es ja mal erwähnen.
Erwähnen kann man
auch ruhig die besondere Art von Werbung, die
sich einige treue Anhänger ausgedacht hatten.
Just vor dem Spitzenspiel gegen den
Tabellenführer tauchten plötzlich in Düsseldorf
vereinzelte „Uwe raus!“-Aufkleber auf. Das nenn
ich mal Mannschaft und Verein unterstützen!
Andererseits endlich mal das klare Bekenntnis
einiger Sachverständiger, dass ihnen ihre
persönlichen Animositäten auf jeden Fall
wichtiger sind als der Verein, dessen Fans sie
angeblich sein wollen. Es wird halt nicht
genügend Zauberfußball im Moment geboten. Es
wird sowieso ziemlich wenig Fußball geboten im
Moment, da braucht man sich nichts vorzumachen.
Als großer Kenner des Fußballs wissen einige
natürlich ganz genau, wohin das führt:
spätestens zur Rückrunde stimmen dann auch die
Ergebnisse nicht mehr, wie in der letzten
Saison. Das steht so fest wie die Chinesische
Mauer. Und daher ist der Trainer zu entlassen,
als prophylaktische Maßnahme sozusagen. Darauf
kann man doch mal aufmerksam machen, besonders
vor einem solchen Spiel! Einer gewissen
Zustimmung im Umfeld durfte man sich gewiss
sein.
Aber okay,
schlechte Werbung ist auch Werbung, also waren
es 15.000 Zuschauer, die an jenem Nachmittag das
Spitzenspiel sehen wollten. Wobei man von
vorneherein ahnen konnte, worauf es hinaus
laufen würde: die beiden besten Abwehrreihen der
Liga, mit jeweils schwachen Sturmreihen (nur
dreizehn bzw. fünfzehn eigene Treffer bis zu
jenem Zeitpunkt) – da war relativ klar, dass das
erste Tor entscheiden würde. Leider schossen es
die Ostfriesen, und Fortuna verlor mit 0:2.
Paradox ist, dass
Fortuna besser spielte als gegen Dortmund. Aber
mittlerweile hat es sich wohl herumgesprochen,
dass die Mannschaft Schwierigkeiten hat, das
Spiel zu machen. Und dass das Umfeld, verwöhnt
durch den guten Saisonstart und geblendet von
der eigenen Überheblichkeit, in Düsseldorf nicht
mehr viel Geduld mit der Mannschaft hat. Je
länger du ein 0:0 in Düsseldorf hältst, desto
leichter wird es. Mit Pfeifkonzerten der
gastgebenden Fans für die eigene Truppe im
Rücken läuft es sich halt leichter. Also tat
Emden erst mal gar nichts, dann ein bisschen,
und als es in der zweiten Halbzeit munterer
wurde, schlug man eiskalt zu, als Fortuna den
Gegner gerade in den Griff zu bekommen schien,
und binnen weniger Minuten zwei, drei gute
Möglichkeiten herausarbeitete. In der 66. Minute
schlug es dann ein, auch wenn die Emder dafür
ein wenig die Hilfe von Bundesliga-Referee
Gagelmann in Anspruch nahmen.
Kopfballduell an
der Seitenlinie zwischen Cebe und einem Emder
Spieler, so ca. 30 Meter vor dem Fortuna-Tor.
Cebe bleibt am Boden liegen, der Schiri pfeift.
Alles denkt, es gibt nun Freistoß für Fortuna,
zumal Gagelmann sich auch zu dem verletzten
Spieler begibt und ihn begutachtet. Cebe steht
wieder auf und kassiert noch ein paar tröstende
Worte vom Schiri. Währenddessen haben die Emder
das Spiel allerdings mit einem Einwurf
fortgesetzt, was wohl vom Assi auch angezeigt
wurde. Warum Gagelmann zum Einwurf gepfiffen
haben soll, mag er selbst beantworten, keine
Ahnung. Jedenfalls, während er noch mit Cebe
spricht, läuft das Spiel weiter. Er blickt auf
und sieht, wie der Ball von links flach in die
Mitte an die Strafraumgrenze kommt, wie de Cock
ausrutscht, wie Neitzel die Kugel in aller Ruhe
mitnimmt und dann flach rechts unten ins Eck
setzt. Und weil ihm dieser Spielzug so gut
gefallen hat, gibt er auch gleich das Tor. Auf
die Entstehung muss er als Schiri ja auch nicht
achten. Mein Eindruck war eher, er hat sich
nicht getraut, das Tor jetzt noch
zurückzupfeifen. Denn gerade Gagelmann ist als
leicht pedantisch bekannt, der alles
zurückpfeift, wenn er nicht im Bilde ist. Dazu
fällt mir noch eine köstliche Anekdote ein: bei
unserem allerersten Spiel in der Arena, am
10.09.04, da erzielte unser damaliger Neuzugang
Mariano Pasini ein traumhaftes Freistoßtor zum
2:0-Endstand gegen Union Berlin. Und das gleich
doppelt, denn den ersten Freistoß-Versuch hatte
er auch schon im Netz untergebracht. Da der
Schiri aber der Meinung war, er habe den
Freistoß nicht freigegeben, pfiff er ab, ließ
das Ding wiederholen (mit demselben Ergebnis,
wie bekannt) und zeigte Pasini aufgrund der
vorschnellen Ausführung auch noch Gelb. Der
Schiri damals – Peter Gagelmann. Diesmal juckte
es ihn nicht so sehr, dass ohne sein Wissen
weiter gespielt wurde.
Allerdings wollen
wir hier die Abwehr der Fortuna nicht außen
vorlassen. Die beklagten sich nach dem Treffer
lautstark beim Schiri, selbstverständlich ohne
Erfolg. Aber selbst wenn der noch so viel Mist
baut, sie hat das nicht zu interessieren. Sie
hatten sich in dieser Szene viel zu sehr auf den
Schiri verlassen und erst gar nicht reagiert,
als das Spiel weiterlief. So geht’s auch nicht.
Ist wie dieses blöde Armhochheben und
Stehenbleiben, weil man meint, es wäre Abseits.
Somit auch ein klarer Abwehrfehler. Aber auch
wenn ein fader Beigeschmack bleibt, es war
clever gemacht und schnell abgeschlossen von den
Emdern.
Damit war das
Spiel entschieden, denn Fortuna hätte nur noch
ein einziges Mal die Gelegenheit gehabt, die
Partie zu drehen, als Erwig in der 78. Minute in
den Strafraum eindrang, aber lieber selbst den
Abschluss suchte, anstatt den besser postierten
Kastrati anzuspielen. Emdens Keeper Rickert
konnte den Ball halten, und das war’s dann.
Emden konterte Fortuna mustergültig aus, hatte
noch drei Riesenchancen, die allesamt Melka mit
Glanzparaden vereitelte. Der Torwart hielt die
Truppe im Spiel, aber die wusste damit nichts
anzufangen. Somit war es ein Muster ohne Wert.
Und in der 86. Minute war es dann ganz vorbei,
als nach einem Befreiungsschlag von Zedi auf der
rechten Seite Marcel Reichwein seinem
Gegenspieler Henri Heeren relativ leichtfüßig
davon lief, rechts in den Strafraum einbog und
auch für Melka etwas überraschend flach
abschloss. Er schoss dem Torwart den Ball durch
die Hosenträger, und die Entscheidung war
gefallen. Nix war es mit Emder Fischbrötchen, es
gab nur sauren Hering.
Wie man
schlecht spielt und 1:0 gewinnt II
Nunmehr folgten
drei Spiele am Stück, die jeweils sonntags
ausgetragen wurden. Keine Ahnung, warum,
vielleicht will der DFB uns ja langsam wieder an
die 4. Liga gewöhnen? Den Auftakt dieses
Dreierpacks bildete die Partie beim Schlusslicht
VfL Wolfsburg II am 04.11.07. Die gewannen wir
natürlich 1:0, wie immer. Das ist leider alles,
was ich darüber zu sagen vermag. Es war noch
schlechter als in Dortmund, ein Gewürge und
Gebolze, mit Stockfehlern und Fehlpässen, dass
sich jede Thekenmannschaft mit Recht verbeten
hätte, mit solch einem „Spiel“ auch nur entfernt
in Verbindung gebracht zu werden. Dass Fortuna
die Partie gewann, verdankte sie zum einen einer
halbwegs konzentrierten Anfangsphase, zum
anderen der Tatsache, dass der Gegner eben noch
schlechter war, und zum dritten dem Schiri. Bei
der Attacke gegen Kastrati in der 10. Minute
hätte man nämlich nicht zwingend Elfmeter geben
müssen. Der Schiri tat es trotzdem, Lawaree
machte den Ball rein, und Fortuna hatte
gewonnen. So einfach kann Fußball sein, und so
grausam. Ich kann jetzt hier auch noch mehrere
Tage sinnierend aus dem Fenster schauen und die
Rechtslage beobachten, mir würde trotzdem keine
echte Torchance mehr einfallen, die die
Mannschaft sich herausgespielt hätte. Haken wir
es also ab.
Damit dieses Spiel
aber nicht ganz wort- und grußlos an uns vorüber
geht, konzentrieren wir uns auf das Drumherum:
747 Zuschauer sahen diese Partie, darunter knapp
700, die auf Seiten der Fortuna waren, von
Wolfsburg waren fast nur Spielermuttis da. Hamza
Cakir sah als erster Fortune in dieser Saison
die fünfte Gelbe Karte und war für das nächste
Spiel gesperrt. Markus Anfang und Andy Lambertz
spielten erstmals nach ihren Verletzungen aus
dem Lübeck-Spiel wieder, ein kleiner
Hoffnungsschimmer, dass eventuell in näherer
Zeit so etwas wie spielerische Linie ins Team
zurück kehren könnte. Außerdem wurde mit diesem
Sieg Historisches geschaffen: erstmals besiegte
Fortuna alle in der Liga vorhandenen
Zweitvertretungen in der Hinrunde – und auch
noch alle zu Null! Das sah in der Vergangenheit
meist ganz anders aus, der geneigte Leser mag
sich erinnern. Trotzdem, mit solchen
„Leistungen“ sorgte die Mannschaft dafür, dass
man sich zwar über die drei Punkte freute, aber
ansonsten doch ziemlich erschüttert vom
Allgemeinzustand des Teams war.
Ach ja, und kurz
nach dem Spiel gab es noch eine Meldung, die,
wenn sie zuerst in Düsseldorf aufgekommen wäre,
einige Fans doch noch zu Jubelstürmen veranlasst
hätte: „Trainer nach Fortuna-Spiel entlassen“.
Aber es war nicht Uwe Weidemann, um den es ging,
sondern Willi Kronhardt, bis zum Abpfiff der
Partie gegen uns Coach von Wolfsburg II. Danach
nicht mehr. Viel hat er beim Aufsteiger nicht
bewegt. Zumindest nicht auf dem Spielfeld. In
ihrer Freizeit bewegten die Jungs im Auftrag des
Trainers so einiges mehr, denn es stand zu
lesen, der pfiffige Willi habe einige Spieler
aus seinem Team an einem trainingsfreien
Wochentag dazu abkommandiert, ihm bei seinem Um-
bzw. Einzug ins neue traute Heim zu helfen. Mal
sehen, wie viele Leute er jetzt zusammen
bekommt, wenn er wieder ausziehen darf...
Was mir grad noch
einfällt: vor diesem Riesenspiel in Wolfsburg
gab es ja unter der Woche noch die nächste
DFB-Pokal-Hauptrunde. RW Essen und der
Wuppertaler SV kamen eine Runde weiter, was mich
nicht zu Jubelstürmen veranlassen konnte,
schlicht aus finanziellen Gründen. Bei denen
rollt jetzt der Rubel ordentlich, was sie in der
Winterpause eventuell dazu veranlassen könnte,
personell nachzurüsten. Zumal sie ja für die 3.
Runde auch echte Hammerlose bekamen, RWE gegen
den HSV, der WSV gegen Bayern (das ist die
Truppe, die sich derzeit schon mal Treffer durch
das Gemächt eines Gegenspielers einfängt...) .
Da die Wuppis sofort das Dollarzeichen in den
Augen hatten, ist natürlich keine Rede davon,
gegen die Bayern in ihrer Bruchbude anzutreten.
Zumal das Spiel auch Ende Januar ausgetragen
wird, da ist es im Bergischen Land naturgemäß
Winter. Und man hätte schon gerne, dass das
Fernsehen live überträgt, gibt dann ja noch ein
bisschen mehr Geld. Also sucht man seit der
Auslosung nach einem Stadion, würdig, den
feststehenden Aufsteiger und DFB-Pokal-Sieger
und diese Rotationstruppe aus Süddeutschland zu
empfangen. Jetzt könnte man meinen, Düsseldorf
und die LTU-Arena sind sowohl nah genug an
Wuppertal als auch geräumig genug, dieses Spiel
ohne große Probleme über die Bühne zu bringen.
Aber nicht mit dem Aufstiegsmacher und kommenden
Nationaltrainer Wolfgang Jerat. Der sprach sich
für Schalke aus und hatte sympathischerweise
auch direkt eine Begründung am Start, die er
schön offiziell raushaute: „Ich gönne den
Düsseldorfern dieses Spiel nicht.“ Sauber,
Wolle! Wenn schon ein Arsch, dann auch mit Stil!
Denn da der altbekannte Stumpen-Rudi Assauer
sowieso seit geraumer Zeit den WSV-Präsidenten
Runge berät (oder wie man seine Tätigkeit sonst
nennen soll), war eigentlich jedem klar, dass
als erste Option die Trinker-Arena auf Schalke
begutachtet werden würde. Der Herr Jerat wollte
das wohl nur noch mal auch offiziell
nachschieben, damit wir uns keine Illusionen
machen. Ein weiterer Höhepunkt im Schattendasein
dieses Mannes, der sie einfach alle permanent
vor den Kopf stoßen muss. Anschließend wollte er
aber in Richtung der eigenen Fans noch ein paar
Bonuspunkte machen. Vier Tage nach dem
glorreichen 2:0 im Pokalspiel gegen Hertha BSC
hatte der WSV wieder ein Heimspiel, gegen den
HSV II. Mit dieser Pokal-Euphorie im Rücken, und
weil der WSV ja auch bekanntermaßen in der
gesamten Region überaus beliebt ist, verirrten
sich dann doch 3.800 Zuschauer in die Baustelle
des damaligen Tabellen-Zweiten. Passend zur
Kulisse verlor der WSV auch gleich mit 0:2. Über
den mangelnden Zuschauerzuspruch war Jerat
wiederum so angefressen, dass er nach dem Spiel
vorschlug, bei der Verteilung der Karten für das
Pokalspiel (wo immer es denn stattfinden könnte)
sollten diejenigen Fans bevorzugt werden, die
immer, also auch an jenem Samstag, da seien.
Eine schöne Geste, selbstverständlich, und auch
absolut nachvollziehbar. Aber im Hintergrund
regt sich bei mir doch ein leises Kichern. Da es
eh meist seit Jahren dieselben Fans sind, die
bei jedem Spiel dabei sind, egal ob Pokal-Hit
oder Graupenkick, erinnere ich mich daran, wie
WSV-Präsident Runge so vor drei Jahren diesem
Teil der Fans, die massiv gegen den damaligen
Trainer protestierte, öffentlich empfahl, sich
doch eine andere Sportart zuzulegen – und das,
nachdem diese Fans gerade 600 km zu einem
Auswärtsspiel in Berlin zurückgelegt hatten. Ich
schätze mal, von denen dürften auch noch so
einige im Block stehen. Vom Präsidenten
verwünscht, vom Trainer hofiert – da fahren die
Gefühlswelten Achterbahn. Und ich bin doch
irgendwie froh, dass ich sie aufgrund der
Intervention ihres selbsternannten Mini-Messias
wohl nur zum Meisterschafts-Rückspiel in der
LTU-Arena sehen muss...
Karneval in
Düsseldorf
Apropos
Meisterschaft, machen wir doch einfach weiter.
Am 11.11.07 kam Eintracht Braunschweig vorbei,
um mal „Helau!“ zu sagen. Besonders schade fand
ich dies, weil schon seit Monaten feststand,
dass Fortuna II an jenem Tage beim Bonner SC
antreten würde, sozusagen ein kleines Heimspiel
für mich. Das fiel nun leider aus, da die Bonner
das Spiel nicht auf den Samstag vorverlegen
wollten. Da stand der Tag schon unter einem
schlechten Omen.
Vor der Saison
hätte jeder gesagt, das wird ein Spitzenspiel.
Von der Tabelle her war es das nicht, Eintracht
Braunschweig rangiert auf Platz 14. Allerdings
eher deshalb, weil sie den Saisonstart gemeinsam
mit Rot-Weiß Essen völlig verschlafen hatten.
Dafür waren sie jetzt acht Spiele in Folge
unbesiegt. Gemessen an der Kaderstärke ist die
aktuelle Platzierung ein Witz. Es liegt nun aber
an ihnen, frühzeitig zu beweisen, dass sie mehr
können, bevor sie zu einem noch größeren Witz
werden, wie beispielsweise Holstein Kiel in der
letzten Saison. Und da scheinen sie derzeit auf
einem guten Weg. Man konnte also getrost den
derzeitigen Tabellenplatz der Blau-Gelben
vergessen und eine richtig starke Truppe
erwarten.
Und die kam dann
auch. Oder waren unsere wieder so schlecht?
Keine Ahnung, auf jeden Fall sahen sie in der
ersten Viertelstunde kein Land, Braunschweig war
vor 11.300 Zuschauern, darunter eine wirklich
beeindruckende Gäste-Schar, klar besser. Schon
nach zwei Minuten hätte es 0:1 stehen müssen,
aber die scharfe Hereingabe von links verpassten
Freund und Feind, darunter auch ein
Braunschweiger, der am 5-m-Raum völlig frei
stand und sich darüber anscheinend genau so
wunderte wie seine abseits staunenden
Gegenspieler. Es war nur eine Frage der Zeit,
wann es im Kasten von Michael Melka klingeln
würde. Nach 17 Minuten war es soweit: von der
rechten Seite wurde ein Flanke hinter den langen
Pfosten gezogen, und dann trat das
Braunschweiger Sturm-Duo in Aktion: Oehrl legte
den Ball per Kopf in die Mitte ab, wo Schembri
aus kurzer Distanz einnickte. Torwart Melka sah
bei der Flanke nicht gut aus, meines Erachtens
hatte er sich verspekuliert und damit gerechnet,
dass der Ball ins Aus gehen würde. Deshalb war
er sichtlich erstaunt, als hinter ihm Oehrl
auftauchte und den Ball über ihn hinweg wieder
Richtung Strafraummitte nickte. Aber auch der
Herr Schembri stand dort keinesfalls alleine im
Weg herum, drei Fortunen waren auch vor Ort. Der
nicht gerade als Riese bekannte de Cock wurde
von der Kopfball-Vorlage überflügelt und
Langeneke und Spier sprangen zwar mit Schembri
hoch, waren aber nur dabei, statt mittendrin.
Und schon stand’s 0:1. Ein schöner Spielzug,
aber natürlich darf das Tor so niemals fallen.
Braunschweig war
weiter klar überlegen, unsere bekamen so gut wie
nichts auf die Reihe. Auch die einzige richtige
Chance in der ersten Halbzeit resultierte eher
aus einem Getümmel nach einer Ecke, als die
Braunschweiger den Ball nicht aus dem Strafraum
hauen konnten. Andy Lambertz rauschte heran und
drosch die Kugel aus ca. zwölf Metern irgendwo
dahin, wo niemals die Sonne scheint, so ungefähr
sechs mal sechs Meter daneben und drüber. Mein
Gott!
Nachdem die
Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in
die Pause verabschiedet worden waren, müssen die
Braunschweiger in der Kabine etwas getan haben,
das noch keinem Fußballer bekommen ist:
nachdenken. Und dabei muss ihnen aufgefallen
sein, dass wir bei unseren drei Niederlagen in
dieser Saison jeweils kein Tor erzielen konnten.
Oder andersrum ausgedrückt: wenn man gegen uns
ein Tor schießt, dann reicht das. Anders ist es
für mich nicht zu erklären, dass sie in der
zweiten Halbzeit den Vorsprung nur noch
verwalteten, anstatt uns den Rest zu geben. Bis
zur turbulenten Schlussphase, die gleich aufs
Tapet kommt, hatten sie nur noch eine einzige
echte Torchance, einen Kopfball des
eingewechselten Sreto Ristic, der die Kugel aber
in Rücklage über das Tor setzte. Ansonsten nix.
Von der Fortuna
kam auch nicht viel mehr, aber man gewann jetzt
den ein oder anderen Zweikampf und hatte
aufgrund akuter Braunschweiger Unlust plötzlich
auch mehr Platz im Mittelfeld. Hinzu kam, dass
besonders Kapitän Andy Lambertz (Henri Heeren
zur Abwechslung verletzt...), in der ersten
Halbzeit eigentlich nur gedanklich auf dem
Platz, in Durchgang Zwei mächtig loslegte und
das Spiel an sich riss. Und dann gab es auch ab
und zu Gefahr vor dem Tor, aber nichts
Zwingendes. Die beste Chance hatte noch Kastrati,
der, ansonsten völlig indisponiert, um es mal
höflich auszudrücken, einen Kopfball knapp am
Tor vorbei setzte. Trainer Weidemann reagierte
diesmal ungewohnt früh für seine Verhältnisse
und bracht schon nach 59 Minuten Cebe für
Christ, anschließend Erwig für Kastrati. Wie
gesagt, der Albaner war einer der schlechtesten
Spieler auf dem Platz. Das kann man natürlich
schon mal dahin gehend honorieren, ihn bei der
Auswechslung ordentlich auszupfeifen. Das wird
ihn bestimmt derart motivieren, dass er bei
seinem nächsten Einsatz, wann auch immer, direkt
drei Buden machen wird. Prima.
Etwas verwirrend
auch der Support der Fans, der in der
grottenschlechten ersten Halbzeit gut war, im
Laufe des Spiels aber immer mehr nachließ,
obwohl Fortuna dann klar überlegen war. Und
natürlich gab es Mitte der zweiten Halbzeit auch
schon die ersten „Uwe raus!“-Rufe von der
Südtribüne. Unterstützung mal anders.
Schließlich ist der ja sowieso alles Schuld.
Kommen wir also
zur Schlussphase, in der zunächst der Schiri
ordentlich abräumte. Und zwar zu Recht. Herr
Zwayer war zwar bis dato eher dadurch
aufgefallen, dass er behutsam auf den
ausgeprägten Redefluss der Braunschweiger
eingegangen war, die besonders in der zweiten
Halbzeit an jedem Pfiff etwas zu diskutieren
fanden. Aber irgendwann bringt so ein Talent zum
Zuhören ja auch mal was.
80. Minute:
halbrechts, ca. 30 Meter vom Braunschweiger Tor
entfernt, Foul von Dogan an einem Fortunen. Gelb
für den Braunschweiger. Der entfernt sich von
der Szene, Fortuna will den Freistoß ausführen,
auf einmal winkt der Schiri-Assi mit seinem
Fähnchen und will seinem Meister mal eben etwas
mitteilen. Und da der ja im Laufe des Spiels
schon bewiesen hat, dass er ein
verständnisvoller Zuhörer ist, widmet er sich
dann auch mal wieder einige Zeit seinem
Kollegen. Er hört genau hin, und anschließend
geht er aufs Spielfeld zurück und zeigt Cebe die
Rote Karte sowie Dogan Gelb/Rot. Warum, war mir
erst völlig schleierhaft, ich hatte nichts
gesehen, und musste mir erst vom Fernsehen die
Aufklärung geben lassen: anscheinend hatte Dogan
nach seiner Verwarnung beim Abgang Cebe noch
provoziert und ihm auf den Fuß getreten, was
dieser mit einer Ohrfeige beantwortete.
Woraufhin Dogan dann natürlich auch die Rote für
seinen Gegenspieler sehen wollte. Schlussendlich
für diese Meckerei warf der Schiri ihn dann
gleich mit runter. Für beide eine ordentliche
Leistung: Cebe brauchte nur 21 Minuten von
seiner Einwechslung bis zu einer dreiwöchigen
Pause, Dogan kassierte in ein und derselben
Szene erst Gelb, dann Gelb/Rot. Schafft auch
nicht jeder.
Die Karten waren
absolut berechtigt, außer dem Assi hätte es aber
niemand gesehen. Respekt!
Der anschließende
Freistoß brachte natürlich nichts ein. Weiter
0:1
83. Minute:
Endlich mal ein Angriff der Braunschweiger,
Anspiel an den 16-m-Raum, Oehrl ringelt sich um
Adrian Spier, dieser hält ihn am Trikot. Leider
war er letzter Mann, Schiri Zwayer zog sofort
Rot, wiederum zurecht. Schade für den erst
19jährigen Spier, der bis dahin eine sehr
souveräne Partie abgeliefert hatte. Aber im
Nachhinein muss man sagen, dass die Aktion (und
die tags darauf verkündete zweiwöchige Sperre)
nicht völlig unsinnig war, denn: der
anschließende Freistoß brachte nichts ein.
Weiter 0:1.
88. Minute: Konter
der Braunschweiger, zwei gegen einen. Wären das
unsere gewesen, hätte man sich entspannt
zurücklehnen können, denn wie die so etwas zu
lösen pflegen, hat man in Dortmund wieder
gesehen. Aber leider sind es zwei
Braunschweiger, die es daher klug zu Ende
spielen, mit dem Ergebnis, dass Ristic alleine
auf Melka zuläuft, diesen überläuft, und von ihm
zu Fall gebracht wird. Elfmeter für
Braunschweig. Das soll dann wohl die
Entscheidung sein. Horacek läuft an – und
fabriziert eine Uli-Hoeneß-Gedächtnis-Granate,
die wie ein Komet in den tristen Düsseldorfer
Nachmittags-Himmel schießt. Ich glaub, es war
sogar noch ein Schweif dran. Ein schöner
Anblick. Und eigentlich nicht verwunderlich,
denn es war von fünf Strafstößen, die
Braunschweig in dieser Saison zugesprochen
bekommen hat, bereits der vierte, den sie
verschossen. Solch ein Problem kenne ich noch
aus Oberligazeiten und bin daher froh, dass es
andere Vereine auch mal haben. Oder mit anderen
Worten: der anschließende Strafstoß brachte
nichts ein. Weiter 0:1.
90. Minute:
irgendwie gelangt der Ball hoch ca. 20 Meter vor
das Braunschweiger Tor. Dort gewinnt Palikuca,
kurz zuvor für Hergesell eingewechselt und eben
aufgrund seiner Kopfballstärke vom Trainer
sofort nach vorne beordert, das Kopfballduell
und legt den Ball auf Lawaree, der am Sechzehner
mit dem Rücken zum Tor steht. Und was dann
passiert, sehen wir so selten, dass es durchaus
mal ausführlich beschrieben werden kann: Lawaree
leitet die Kugel mit dem linken Außenrist
mittels „No-Look-Pass“ über seinen Gegenspieler
in den Strafraum weiter, genau in den Lauf von
Erwig, der nimmt das Ding mit der Brust mit und
haut es dann volley aus vollem Lauf und ca. 8
Metern unter Latte. 1:1, Ausgleich, ein
Wahnsinns-Tor. Wahnsinnig glücklich natürlich
auch, aber bitte, wenn der Gegner nicht will...
93. Minute: Solo
von Andy Lambertz über rechts, dann kurvt er am
Strafraum in die Mitte und bedient in letzter
Amtshandlung noch Markus Anfang. Der schlenzt
die Kugel jedoch am Tor vorbei, und kurz darauf
ist Spiel aus. Das wäre auch des Guten ein
bisschen zuviel gewesen. Obwohl, ich hätte es
natürlich gerne genommen...
Was blieb nach
diesem Spiel, nach diesen Wochen? Optisch sieht
es ganz gut aus; Fortuna steht auf Platz 3 mit
29 Punkten, zwei Punkte hinter einem
Aufstiegsplatz, und acht Punkte vor dem bösem
Platz 11. Andererseits spielten sie schon seit
Wochen in jedem Spiel mindestens eine Halbzeit
wie von einem anderen Stern, und zwar
vorzugsweise wie ein Schwarzes Loch (für
Klugscheißer: Definition Schwarzes Loch
nachschauen, das sind Sterne!). Das wirkt
manchmal saft-, kraft- und lustlos, Fehlpässe en
masse werden produziert, außerdem wird ständig
versucht, Sitzriese Lawaree hoch anzuspielen,
worauf man sich dann wundert, dass die Kugel
beim Gegner landet. Zudem ist bei der Mannschaft
eine massive Unsicherheit zu beobachten,
besonders bei Heimspielen, und besonders, wenn
man mal zurück liegt. Die immer mehr um sich
greifende Abneigung des Publikums gegen den
Trainer schien auch die Mannschaft zu
verunsichern, zumal man sich im Publikum nicht
sehr geduldig zeigte. Und wer bei Platzverweisen
die dezimierte Truppe mit „Uwe raus!“-Rufen
aufmuntert (wie gesagt: bei Platzverweisen!),
der zeigt auch der Mannschaft recht deutlich,
dass sie ihm am Arsch vorbei geht.
All dies hatte die
Führung des Vereins anscheinend aufmerksam
registriert. Denn nach dem Spiel zog man sich in
eine Ecke zurück, diskutierte ein bisschen, und
warf einige Stunden später, am Montag Morgen,
12.11., den Trainer raus. Und nun sage noch
einer, uns Düsseldorfern fiele zum Karneval nix
Neues mehr ein! Ist doch mal was anderes als
ständig nur Schunkeln und Bützen.
Man kann so eine
Trainer-Entlassung natürlich von zwei Seiten
sehen, diese ganz besonders. Und den Service
gönne ich mir, ich biete euch beide an:
Die Mannschaft
steht auf Platz 3 der Tabelle. Es sind zwei
Punkte bis zum Tabellen-2. Erfurt, drei Punkte
bis zu Tabellenführer Emden, der sogar noch ein
Spiel mehr hat. Die Truppe ist voll im Soll, hat
die mit Abstand beste Abwehr der Liga. Deshalb
fällt es auch meistens nicht so auf, dass der
Sturm nicht besonders treffsicher ist. Sechs
1:0-Siege zeigen deutlich die Stärken und
Schwächen der Mannschaft auf. Das Ziel des
Vereins in dieser Saison ist vorrangig die
Qualifikation zur eingleisigen Dritten Liga.
Derzeit beträgt der Vorsprung auf Platz 11 satte
acht Punkte. Die letzten Spiele waren zwar nicht
gut, aber wenn man sich die Ergebnisse anschaut,
auch nicht völlig erfolglos, so wie in der
letzten Rückrunde.
Unter diesem
Blickwinkel ist die Entlassung ein Witz. Fortuna
entlässt einen Trainer, der auf Platz 3 der
Tabelle steht, noch dazu fällt die Entscheidung
an Karneval. Würden wir Erste Liga spielen,
wären wir in der Berichterstattung die
Lachnummer der Fußball-Nation, es sei denn, wir
würden zufällig Bayern München heißen, was wir
zum Glück nicht tun. Hinzu kommt, dass ihn
dieselben Leute feuerten, die ihm im März den
Vertrag um zwei Jahre bis 30.06.2009 verlängert
hatten. Wird also auch noch ein teurer Spaß
nebenbei. Der Mann machte seinen Job im Rahmen
seiner Möglichkeiten und wird zum Dank dafür
gefeuert. Der Vorstand geht jetzt also voll auf
Risiko. Wenn ich jemanden entlasse, der die
Mannschaft auf Platz 3 geführt hat, weil ich mir
erhoffe, dass es mit einem neuen Trainer besser
wird – dann kann das Ziel jetzt nur Aufstieg
heißen, alles andere macht keinen Sinn. Passend
dazu erschien am nächsten Tag in einer
Düsseldorfer Zeitung sofort mal der Hinweis, wie
aus seriösen, selbstverständlich unbekannten
Quellen bekannt geworden sei, habe der Verein
sein Budget für diese Saison bereits jetzt um 50
% überzogen. Wie auch immer das gehen soll. Die
nachverpflichteten Spieler Lawaree und de Cock
sollen ja von Sponsoren finanziert werden. Wenn
sie denn zahlen würde, da soll es wohl auch die
ein oder andere Unregelmäßigkeit geben. Da fällt
einem sofort das Beispiel Berthold wieder ein,
der zunächst von der Baufirma für die Arena
bezahlt werden sollte, anschließend wurde in
letzter Minute der Vertrag geändert, sodass
Berthold sein Geld von Fortuna erhielt und die
wiederum ihr Geld für Berthold von der Baufirma
– bis die gar nicht viel später pleite ging, und
Fortuna die gesamten Kosten an der Backe hatte.
Droht dies hier auch? Ich kann dazu nichts
sagen, dafür bin ich zu weit ab vom Schuss.
Überraschen würde es mich indes nicht. Die
Entlassung ist lächerlich, der Trainer ein
reines Bauernopfer, weil man halt nicht ein
Dutzend Spieler feuern kann, die angeblich seit
Monaten unter ihren Möglichkeiten spielen. Wobei
sich kein Mensch fragt, ob die vielleicht
tatsächlich nicht besser können.
Und hier die
andere Seite: Fortuna steht zwar auf Platz 3,
hat aber von den letzten 8 Partien nur zwei
gewonnen. Wenn man die letzten vier Spiele vor
der Winterpause auch noch vergeigt, kann der
Kontakt nach oben verloren gehen. Und wie
schnell es dann runter gehen kann, hat man in
der letzten Rückrunde gesehen, als die Truppe
völlig einbrach und, wenn man die Qualifikation
auf die letzte Saison beziehen mag, den
Klassenerhalt, nämlich Platz 10, erst am letzten
Spieltag klar machte. Und da die Truppe in den
letzten Wochen wirklich nur
unterdurchschnittliche Leistungen brachte, kann
man sich an fünf Fingern abzählen, wie es in der
Rückrunde abgeht. Zumal der erhoffte
Befreiungsschlag von Woche zu Woche ausbleibt.
Insbesondere die Unsicherheit, die das Team
befällt, sollte man unvorhergesehenerweise
einmal in Rückstand geraten, gibt sehr zu
denken. Auch weiß man nicht, wie es intern
aussieht. Schon in der letzten Rückrunde hatte
es augenscheinlich nicht mehr gestimmt. Die
erfahrenen Spieler Albertz und Feinbier sollen
ihren Führungsanspruch jüngeren Mitstreitern und
auch dem Trainer gegenüber zum Teil sehr
deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Denis Wolf
soll mehr auf abendlichen Disco-Besuche
gestanden haben als auf morgendliches Training.
Aktuell macht er in Erfurt eine Bude nach der
anderen. Soll, soll, soll, wer weiß es schon
genau? Auch Spielern, die sich ausheulen, sollte
man nicht alles abnehmen. Aber souverän wirkte
der Trainer damals wie heute nicht.
Und ich glaube
auch, dass ihm nicht unbedingt die aktuelle
Spielweise der Mannschaft das Genick gebrochen
hat, sondern die letzte Rückrunde. Und somit die
pure Angst vor einer Wiederholung. Ja, es wird
eine Zittersaison, es steht sehr viel auf dem
Spiel. Also zog man die Notbremse – und legte
damit die Messlatte gleich noch ein wenig höher.
Ein neuer Trainer wird nicht zu beneiden sein.
Der könnte jetzt zum gefeierten Helden oder aber
zum Totengräber werden.
Ein neuer Trainer?
Kein Name? Genauso ist es, man hat noch keinen,
und wird auch so schnell keinen bekommen. In den
letzten vier Spielen bis zur Winterpause wird
der Manager Wolf Werner zusammen mit Co-Trainer
Uwe Klein das Team betreuen. Ein neuer Trainer
soll erst zur Winterpause kommen, oder auch
nicht. Denn wie formulierte es Vorstandsmitglied
Thomas Allofs auf der Pressekonferenz zur
Entlassung so schön, nachdem schon gesagt wurde,
dass Fortuna einem neuen Trainer keine Unsummen
in den Rachen werfen würde (oder könnte?): „Am
liebsten wäre uns ja, wenn Wolf Werner
einschlägt. Das wäre wahrlich die billigste
Lösung.“ Und das wiederum klingt sehr
verräterisch nach Kurzschlusshandlung. Und eben
doch nach Bauernopfer, nachdem man zuletzt
besonders in den Heimspielen gemerkt hatte, dass
der Trainer beim Volk, das immer alles besser
weiß, kein Standing mehr hatte.
Natürlich kommt
bei solchen Fällen sofort die Frage auf, ob die
Mannschaft zuletzt gegen den Trainer gespielt
haben könnte. Ich glaube das ja nicht, aber wenn
doch, dann gratuliere ich jetzt schon recht
herzlich zum Aufstieg. Denn wenn man in den
letzten vier Grottenkicks gegen den Trainer
gespielt – und dabei noch 7 Punkte gemacht hat,
wer soll sie dann jetzt noch aufhalten, wenn sie
es wieder Ernst nehmen? Und damit ist dieser
Aspekt für mich durch.
Aber vielleicht
war es auch die richtige Entscheidung? Da ich
gerne ab und zu auch über den rot-weißen
Tellerrand schaue, fällt mir zu dieser
Entlassung natürlich sofort das Beispiel
Borussia Mönchengladbach ein. Da feuerte man
„Trainer“ Horst Köppel (an dessen Qualifikation
ich bis heute zweifle, nach dem, was der bei uns
1992/93 zum Glück nur über einen begrenzten
Zeitraum durfte) nach Ende der Saison 05/06, die
man als Zehnter abschloss. Voller Empörung
beschwerte sich Horschtl wochenlang über die
Entlassung, weil das Team unter seiner Leitung
mit diesem Tabellenplatz deutlich besser gewesen
sei als in der Saison zuvor, als mit ihm als
Interimstrainer erst kurz vor Saisonende der
Klassenerhalt gelang. Es gab nicht wenige, die
ihm damals Recht gaben. Was sie übersahen, und
Horschtl ihnen natürlich nicht mitteilte: der
Platz 10 war nur auf die gute Platzierung und
Punktausbeute nach der Hinrunde zurückzuführen,
da war man nämlich Siebter. In der Rückrunde
stellte man die zweitschlechteste
Bundesliga-Mannschaft, sprich: schlimmer ging es
kaum noch. Und da zog der Verein die Notbremse
zu spät, zwar holte man den Heynckes-Jupp, aber
der bekam die Truppe nicht mehr in den Griff.
Die Parallelen zum Fall Weidemann sind
unverkennbar.
Ich will unserem
Vorstand nicht unterstellen, er habe in der
Trainerfrage ausgerechnet an Mönchengladbach
gedacht. Aber ich denke schon, dass Weidemann am
Horschtl-Syndrom gescheitert ist. Und an der
Angst vor dem, was nächstes Jahr eventuell
kommen könnte.
Uwe Weidemann war
fast auf den Tag genau drei Jahre Trainer bei
Fortuna (24.11.2004). Das erlebt man hier nicht
oft, deshalb denke ich, dass ich mir ein
Dankeschön nicht verkneifen kann. Seine
herausragendste Leistung war sicherlich der
Klassenerhalt in der Aufstiegssaison, als er die
vollkommend deprimierte Truppe auf einem
Abstiegsplatz übernahm, und in der Rückrunde
überhaupt nur ein Spiel verlor. Aber auch schon
damals waren zu viele Unentschieden dabei,
sodass man noch lange zittern musste. Seine
Spielweise war immer von Vorsicht geprägt. Das
lässt sich hier halt nicht gut verkaufen.
Marktschreier gibt es in jedem Verein im Dutzend
billiger, klar, die müssen ihre Ware ja auch
nicht verkaufen, um leben zu können. Wollen mal
sehen, wo die alle hin sind, wenn das nächstes
Jahr schief gehen sollte...
Aber natürlich
erhoffe ich mir eine Besserung des Spiels, in
den letzten Wochen war es wirklich nicht mehr
feierlich. Ein kleines Bisschen davon zeigte die
Mannschaft nur einen Tag später, als man in
einem Testspiel den 1.FC Köln vor knapp 3.000
Zuschauern überraschend mit 3:2 besiegte.
Überraschend deshalb, weil man zur Pause mit 3:0
führte, obwohl Kölns Trainer Messias, formerly
known as Christoph Daum, durchaus eine Truppe
auf dem Platz hatte, die in dieser
Zusammenstellung auch in der Zweiten Liga
auflaufen könnte. Entsprechend verschnupft (ja,
um diesen Kalauer kam ich jetzt nicht herum) war
der Kölner Trainer auch. Erst als er in der
zweiten Hälfte auch Spieler aus der Oberliga
einsetzte (und Fortuna natürlich auch), kamen
die Kölner noch einmal heran, aber nicht mehr
zum Ausgleich. Zweimal Lawaree und Asaeda
bescherten dem neuen Trainer-Duo einen
gelungenen Einstand, auch wenn es natürlich ein
Muster ohne Wert war, denn wen interessiert
schon ein Testspiel? Aber die Mannschaft konnte
ein wenig Selbstvertrauen tanken, besonders in
der ersten Halbzeit, als man die Jungs von der
Bahnhofskapelle teilweise schwindlig spielte.
Entscheidend ist jedoch die Meisterschaft. Und
da geht es am Sonntag, 18.11.07, zum Aufsteiger
nach Babelsberg. Und dann kommt es knüppeldick
bis Weihnachten: erst das Top-Spiel gegen RW
Erfurt, aktuell spielerisch wohl die stärkste
Mannschaft der Liga, anschließend
Rückrundenstart gegen Union Berlin und bei RW
Essen. Und dann wird man sehen, wohin die Reise
geht. Hoffen wir also, dass „Opa“ Wolf Werner
genauso einschlägt wie Hans Meyer, den sie vom
Rosenzüchten wegholten. Und dass er nicht auch
am Horschtl-Syndrom leiden wird.
Tja, und wer dann
Nachfolger wird? Ein bisschen Angst habe ich ja
schon, drei Spezies von mir sind derzeit in
Reichweite: Aleksandar Ristic arbeitet wieder,
sogar schön in der Nachbarschaft, beim KFC
Uerdingen, der könnte ein Ristic IV reizvoll
finden; Holgi „Ich bin doch immer Fortuna-Fan
geblieben“ Fach sitzt in Paderborn zwar noch im
Sattel, aber wenn er bis zur Winterpause immer
noch kein Spiel gewonnen hat, dürfte das Pferd
auch langsam scheuen; und Mini-Messias Wolfgang
Jerat stand beim WSV ja schon kurz vor dem
Rauswurf und spielt derzeit mit seiner Truppe
auch nicht zwingend überragend (zuletzt 0:3 in
Dresden). Wenn der noch ein paar Mal vor dem
Spiel mit seinem Hund spazieren geht, könnte er
auch bald frei sein...
Das sind meine
Albträume. Träume hab ich derzeit keine. Der
Verein hat es erfolgreich geschafft, mich mit
seiner Angst anzustecken. Jetzt soll er sich
verdammt noch mal auch den Arsch aufreißen, um
sie mir wieder zu nehmen.
Tschö, bis
Weihnachten: janus |