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Und weiter geht’s!
Aufgrund diverser englischer Wochen sind seit
der letzten Zusammenfassung bereits wieder vier
Meisterschafts- und ein Pokalspiel ins Land
gegangen, ohne dass ich etwas zur besten
Mannschaft der Welt, Fortuna Düsseldorf,
geschrieben hätte. Und gerade momentan, wo ein
Rekord nach dem anderen gebrochen wird, sollte
man nicht zu lange warten, wer weiß, wie schnell
man wieder solch erfreuliche Dinge berichten
kann? Und wenn der Verein schon etwas Besonderes
bietet, will ich mich auch nicht lumpen lassen:
zusätzlich zur Zusammenfassung biete ich erst
mal Einblick ins Allergeheimste: mein
persönliches Tagebuch, schonungslos offengelegt!
Mehr darüber am Schluss des Artikels. Aber nun
lasst uns loslegen!
Spieler auf
Fan-Spuren: Anreise aufregender als das Spiel
Am 25.08.07 ging
es nach Cottbus, um die Zweite Mannschaft des
einheimischen FC Energie zu begutachten, die
erstmalig in die Regionalliga Nord aufgestiegen
war. Aber halt, so ganz korrekt ist diese Angabe
nicht. Die Mannschaft trat die Reise nämlich
bereits einen Tag früher an – mit der Bahn. Wir
haben also anscheinend nicht nur ein Team von
gnadenlosen Abräumern, die einfach kein Gegentor
kassieren wollen, dafür aber vorne zumindest ab
und zu mal einen Treffer „zulassen“ –
Gefahrensucher sind das auch noch. Ich glaube,
soviel Mut hatte keine Fortuna-Truppe mehr, seit
man im Jahr 2000 mal mit dem Zug zum
Auswärtsspiel nach Leipzig reiste, sich ein 1:5
bei den Chemikern abholte und anschließend auf
der Rückfahrt noch einen lustigen Ringelpiez
inszenierte, in Gestalt von Abwehrrecke Guido
Jörres und Geschäftsführer Paul Jäger, die sich
im Speisewagen in die Haare gerieten. Dies war
anscheinend zumindest für Jörres damals dermaßen
bewusstseinserweiternd, dass er im
Saison-Eröffnungsheft der nachfolgenden
Spielzeit in einem obligatorischen
Spieler-Fragebogen auf die ebenso obligatorische
Frage: „Was war bisher deine außergewöhnlichste
Begegnung?“ nicht mit der Sichtung irgendwelcher
Promis zu vorgerückter Stunde in der
Düsseldorfer Altstadt antwortete, sondern „Paul
Jäger im ICE nach Düsseldorf“ nannte. Es muss
also wahrlich beeindruckend gewesen sein.
Nun wollte man
also die nicht so guten alten Zeiten aufleben
lassen. Dass die Deutsche Bahn AG alles dazu
beitrug, dass auch das richtige „event feeling“
einer normalen Zugfahrt aufkommen konnte,
versteht sich von selbst. Lassen wir hierzu
einfach einen Spieler zu Wort kommen.
Linksverteidiger Fabian Hergesell wusste von der
Hinfahrt Folgendes zu berichten:
„Das einzige
positive an dieser Fahrt war wohl das Ergebnis.
Ich habe mir diese Reise schon vorher sehr
anstrengend vorgestellt, dass sie aber
letztendlich so anstrengend wird hätte wohl
keiner gedacht. Es begann schon mit der
Hinfahrt. Eigentlich kann man sich eine 1.
Klasse Bahnfahrt mit dem ICE ganz entspannt
vorstellen.... wie gesagt... eigentlich, denn
was wir für eine Bahnfahrt erlebt haben
erinnerte eher an einen Aufenthalt in der
mongolischen Wüste Gobi... der Grund: Die
Klimaanlage streikte die ganze Fahrt über. Als
wir dann endlich in Berlin angekommen waren und
in den Express nach Cottbus einstiegen, gab es
wieder ein neues Problem. Der Zug war
unglaublich voll von Pendlern, so dass ich den
Großteil der 1 ½ Stunden im Stehen verbringen
musste... aber wenigstens ein Stehplatz in der
1. Klasse!
Wir waren froh als wir
endlich im Hotel angekommen waren und uns von
den Strapazen der Reise erholen konnten. An dem
Hotelaufenthalt war dann zum Glück nichts zu
bemängeln.
Doch die nächste
Strapaze wartete dann unmittelbar vor dem Spiel
auf uns. 12.35 Uhr sollten wir von dem
bestellten Reisebus abgeholt werden, der uns
dann zum Stadion bringen sollte. Daraus wurde
leider nichts und so warteten wir bis 13 Uhr auf
den Bus. Um die Wartezeit dann wenigstens ein
bisschen nutzen, begann unserer Physio Mauri
schon mal mit dem Tapen. Als Liege wurden dann
kurzzeitig die Gartenmöbel des Hotels genommen.
Der Bus kam also dann mit 25 Minuten Verspätung,
aber das Härteste war dann noch, dass das gar
kein normaler Reisebus war, sondern ein
Linienbus. Dass wir nicht noch Tickets ziehen
mussten war alles...
13.15 Uhr waren wir dann endlich am Stadion...
eine Spielvorbereitung, die nicht schlechter
hätte laufen können. ...“ (www.fabianhergesell.de)
Für die 1. Klasse
ICE bezahlen, dafür 35 Grad Reisetemperatur
bekommen, weil die Klimaanlage streikt,
anschließend im Regionalexpress weiterfahren,
bei dem der Kenner weiß, dass das Wort „express“
durchaus humorig aufzufassen ist, und der
natürlich (an einem Freitag!) knüppelvoll ist,
sodass man keinen Sitzplatz mehr erhält – alles
im grünen Bereich, bei der Bahn, so und nicht
anders kennt man sie. Dass der Fabian dies
überhaupt erwähnt, zeigt eindeutig die
Verweichlichung von Fußballspielern im täglichen
Leben! Da wird sich beklagt, anstatt froh zu
sein, dass die Bahn ihm etwas bietet, das er so
schnell nicht wieder erleben wird, nämlich
aufgrund seines Stehplatzes quasi zu Fuß von
Berlin nach Cottbus zu gelangen! Vielleicht
sollte man dankbarer sein. Und dass sich die
einheimische Organisation nathlos anschließt und
erst gar nicht, dann aber wenigstens noch mit
einem Linienbus anrückt, rundet diese aufregende
Tour nur standesgemäß ab! Und das hat nix mit
dem „Wilden Osten“ zu tun – solche Bahn- und
Busverbindungen kriegt man nun wirklich in jedem
Landesteil geboten. Ich finde es aber gut, auf
der Homepage eines Spielers mal solch einen
ausführlichen Bericht zum Spiel zu lesen. Eine
nette Abwechslung zu all den „Nicht richtig in
die Zweikämpfe gekommen“, “Gekämpft bis zum
Schluss“ und „Wir haben eine prima Truppe, die
charakterlich intakt ist“ (vorzugsweise nach
einem 0:6) oder ähnlich bedeutungsvolle Worte,
die man im Regelfall zu sehen bekommt.
Also, nach dieser
durchaus der Liga entsprechenden drittklassigen
Anreise (zu erstklassigem Preis natürlich, da
hat sich die Bahn noch nie lumpen lassen),
konnte man, frisch gartenmöbelgetaped, ans Werk
gehen. Übrigens weitestgehend unter Ausschluss
der Öffentlichkeit. Nur 716 Zuschauer wollten
das Spiel sehen. Und die Fortuna-Fans, für die
es die weiteste Anreise der Saison bedeutete,
waren sogar noch in der Überzahl, mehr als 400
tummelten sich im Stadion der Freundschaft. Das
Interesse der einheimischen Vereinsanhänger
tendierte also wieder mal gegen Null, auch wenn
hier sicherlich bedacht werden muss, dass die
Erste Mannschaft von Energie zur selben Zeit in
Dortmund antreten musste. Trotzdem immer wieder
traurig, wie wenig Interesse doch so eine Zweite
Mannschaft weckt. Aber sie müssen nun mal
mitspielen, weil sie es nun mal müssen. Sagen
sie jedenfalls immer.
Okay, an jenem
Nachmittag verpassten diejenigen, die keine Lust
auf den Kick ihrer Zwoten hatten, nicht wirklich
viel. Es war kein gutes Spiel, aber Fortuna
zeichnet aktuell halt aus, dass man solche
Spiele mit nur einem Geniestreich nach Hause
bringt. In diesem Fall wurde der Geniestreich
bereits in der 16. Minute zelebriert: ein
Freistoß ca. 20 Meter vor dem Gehäuse der
Lausitzer, und Markus Anfang ballert nicht
einfach drauf, sondern schiebt auf Marco Christ,
der direkt in den Strafraum auf Axel Lawaree
weiterleitet. Zack, mit zwei Flachpässen Mauer
und komplette Abwehr des Gegners ausgehebelt. So
etwas kenn ich auch noch nicht von Fortuna.
Lawaree scheiterte zwar noch mit seinem Schuss
am sehr guten reagierenden Cottbuser Keeper
Männel, aber Mannschaftskapitän Andreas Lambertz
(trug die Binde für den zur Abwechslung
verletzten Henri Heeren) machte den Abpraller
aus 10 Metern rein und erzielte damit das Tor
des Tages. Denn ansonsten tat sich nicht mehr
viel auf dem Rasen. Fortuna kontrollierte über
weite Strecken das Spiel, ohne zu glänzen, hatte
auch noch einige gute Gelegenheiten, die Führung
auszubauen, zwischendurch muckten die kleinen
Lausitzer mal durchaus gefährlich auf, aber
Melka konnte einen Kopfball hervorragend
parieren, ein anderes Mal hatte er Glück, als
Kozar Junior mit einem sehr schönen Schuss aus
16 Metern nur den Außenpfosten traf. Mehr gab es
eigentlich nicht. Am Auffälligsten vielleicht
noch Robert Palikuca. Nachdem im Essen-Spiel
bekanntlich Ahmet Cebe und Jens Langeneke die
Partie mit Turbanen beendet hatten, und Cebe in
Wuppertal ebenfalls mit Turban des Feldes
verwiesen worden war, überraschte der Pali mit
einer neuen Variante: er trug eine
Gesichtsmaske, da er sich in der Woche zuvor bei
einem unglücklichen Zusammenprall mit Torwart
Melka das Nasenbein gebrochen hatte. Dass er
kein Weichei ist, bewies er gleich in doppeltem
Sinne: er lief nicht nur auf und spielte durch,
er entledigte sich auch der Maske nach 10
Minuten auf dem Spielfeld und beendete damit
Fortunas Ausflug in die Haute Couture. Der
Gesichtsschutz hatte sein Sehfeld zu sehr
eingeengt.
Fortuna feierte
den dritten 1:0-Auswärtssieg am Stück und
erklomm mit diesem Spiel tatsächlich die
Tabellenführung, zum allerersten Mal in der
Regionalliga Nord überhaupt! Mit dem
Mörder-Torverhältnis von 5:0 dreizehn Punkte aus
fünf Spielen gemacht – auch das dürfte ein
Rekord sein. Wen juckt da noch die Deutsche
Bahn?
Maximaler
Aufwand für minimalen Erfolg
Weiter ging es
bereits am 29.08.07 mit der ersten Runde des
Verbandspokals beim Linner SV. Die kommen aus
Krefeld und sind Landesligist. Im Jahr 2003
hatte Fortuna dort mal ein Testspiel in der
Sommerpause ausgetragen, ein sehr idyllisch
gelegener Sportplatz in Sichtweite der Burg Linn
mit ordentlich „Kaffee-und-Kuchen-Potential“. Da
so was für einen gnadenlosen Pokalfight ja nicht
angehen kann, zogen die Linner in die Krefelder
Grotenburg um. Der Grotifant konnte leider nicht
gesichtet werden, dabei spielt
Grotifantenschlächter Carsten Nulle gar nicht
mehr bei uns, er hätte also gefahrlos auflaufen
können. Trainer Weidemann ließ größtenteils die
Spieler auflaufen, die noch nicht oder nicht
sehr oft in der Ersten Mannschaft zum Einsatz
gekommen waren. Das reichte dann auch zu einem
glanzlosen 2:0-Sieg durch Tore von Kastrati und
Costa. Wobei man sagen muss, dass die Linner
überraschend gut dagegen hielten und die
Fortuna-Null des diesmal von Michael Ratajczak
gehüteten Tores geriet doch kurzfristig in
Gefahr. Aber es ging alles gut, und so wartet
als nächster Pokalgegner der SV Viktoria Goch
vom Niederrhein auf unsere Nullinger.
Am 01.09.07 kam
der Hamburger SV II zum Gastspiel in die
LTU-Arena. Das konnte ja nur langweilig werden.
Fortuna mit fünf Toren in fünf Spielen und ohne
Gegentor, der HSV mit fünf Toren in fünf Spielen
und viermal ohne Gegentor. Das versprach einen
spätsommerlichen (in diesen Breiten somit: einen
frühherbstlichen) Gähner. Das letzte
Aufeinandertreffen beider Teams knapp drei
Monate zuvor war eh nicht zu toppen. Fünf Tore,
vier Platzverweise, Siegtreffer in der 90.
Minute – nein, ich konnte mir nicht vorstellen,
dass es da noch mehr geben könnte. Zumal der
Schiri diesmal nicht Kuno Fischer aus
Ostfriesland war, sondern Babak Rafati aus der
Bundesliga. Da hatte sich der DFB wohl gedacht,
schicken wir mal einen Bundesliga-Schiri, das
kann bei der letzten Partie ja nur Mord und
Totschlag gewesen sein. Ein eindeutiges Zeichen
dafür, dass sich damals kein Schiri-Beobachter
ins Stadion verirrt hatte. Um es gleich vorweg
zu nehmen: es blieb so friedlich wie einst im
Mai, und zum Glück war es dem Schiri auch nicht
zu langweilig, sodass das Spiel diesmal
tatsächlich mit 22 Mann auf dem Feld beendet
wurde.
Fortuna gewann
schon wieder 1:0 und festigte damit ihre
Tabellenführung. Aber was heißt: schon wieder?
Schließlich war es das erste 1:0 der Saison vor
heimischem Publikum! Sage noch einer, wir würden
nichts Neues bieten! Wer angesichts von 16
Punkten mit 6:0 Toren jetzt aber zwangsläufig
von „Minimalisten der Liga“ spricht, der hat mal
eindeutig das Spiel nicht gesehen. Minimal war
daran nämlich nur das Ergebnis, welches ungefähr
zwei bis drei Tore zu niedrig ausfiel. Fortuna
schnürte den HSV über weite Strecken ein und
machte Druck. Der Gegner kam gar nicht auf die
Idee, überhaupt ein Tor erzielen zu wollen. Der
einzige (!) Torschuss, den der HSV seinen
mitgereisten 28 Fans bieten konnte, war ein
35-Meter-Freistoß in der ersten Halbzeit, als
der Schütze in Ermangelung von Mitspielern im
gegnerischen Strafraum direkt selbst aufs Tor
bzw. knapp vorbei drosch. Ansonsten war
Fortuna-Keeper Melka arbeitslos, und so stand
hinten weiterhin die Null.
Vorne leider auch,
obwohl man den Gegner zeitweise in dessen
eigener Hälfte einmauerte, 13:1-Ecken sprechen
eine deutliche Sprache. Aber es wurde so manch
gute Möglichkeit versiebt oder vom starken
HSV-Keeper Höcker vereitelt. Man konnte schon
langsam verzweifeln – bis zur 84. Minute. Da
drang der inzwischen eingewechselte Bekim
Kastrati links in den Strafraum ein, legte die
Kugel an die Strafraumgrenze zurück zu Andy
Lambertz, und der Kapitän (trug die Binde für
den zur Abwechslung verletzten Henri Heeren)
ließ vom linken Strafraumeck einen Hammer los,
der rechts genau in den Winkel passte. Ein
Traumtor, Philip Lahm und das erste WM-Tor gegen
Costa Rica lassen grüßen! Natürlich ein
Sonntagsschuss, natürlich ein bisschen Glück
dabei, aber so was von verdient gegen die
hanseatischen Betonmischer! Und wieder
ausgerechnet durch „Lumpi“ Lambertz. Nach dessen
doch eher durchwachsenem Saisonstart hatten
viele Fans vor dem Cottbus-Spiel schon
gefordert, dem doch mal eine Ruhepause auf der
Bank zu gönnen. Zum Glück liest Trainer Uwe
Weidemann im Forum wohl eher nicht mit, er hielt
an Lambertz fest, und Lumpi avancierte in den
beiden Spielen gegen Cottbus und Hamburg zum
Matchwinner. Kurz vor Schluss hätte ausgerechnet
der ebenfalls eingewechselte Ex-HSVer Oliver
Hampel noch das hoch verdiente 2:0 nachlegen
können, aber nachdem er prima von Axel Lawaree
frei gespielt worden war, scheiterte auch er aus
kurzer Distanz an Torwart Höcker. Zum Glück war
dies bedeutungslos, denn kurz darauf pfiff der
Schiri ab, und Fortuna hatte die Tabellenführung
verteidigt. Und wie verdient das war, zeigt das
Statement von HSV-Fußballgott Karsten Bäron nach
dem Spiel, der nicht nur aufgrund dieser Aussage
für mich eine der sympathischsten Figuren ist,
die in der Regionalliga an der Seitenlinie
herumlaufen. Als ehemaliger Stürmer hat er
natürlich etwas für ausgefallene Tore übrig, was
ihn beim Siegtreffer von Lambertz dann fast
schon ins Schwärmen geraten ließ. So bezeichnete
er es natürlich als „Glücksschuss“, aber auch
als „Tolles Tor“, um sich dann zu korrigieren: „Naja,
soooo toll fand ich das natürlich nicht, aber
für die Zuschauer war es schön anzusehen.“ Viel
wichtiger für uns war natürlich, dass er von
einem verdienten Sieg sprach und davon, dass
seine Mannschaft noch Glück gehabt hatte, nur
ein Gegentor zu kassieren. Auch so etwas hat man
in Düsseldorf lange nicht gehört.
Und dann gab es
noch etwas bei diesem Spiel, das hatte man lange
nicht gesehen, um genau zu sein: noch nie.
11.263 Zuschauer sorgten dafür, dass erstmals
bei einem Fortuna-Heimspiel gegen eine
Zweitvertretung eine fünfstellige Zuschauerzahl
anwesend war. Und die dürften sich auch bestens
unterhalten gefühlt haben, denn bis auf die
Torausbeute war es doch streckenweise ein recht
flottes Spiel. Und die Null stand immer noch...
Apropos „bestens
unterhalten“: das bin ich in letzter Zeit auch
immer, wenn ich die Berichterstattung zur
Regionalliga verfolge. Da wird nicht viel
Federlesens gemacht, schon gar nicht, was die
Recherche betrifft. Im kicker war von
11:1 Ecken die Rede, diese ungefähre Zahl stammt
aus einem Interview mit Uwe Weidemann nach dem
Spiel, als er sagte: „Ich glaube, wir haben so
um die 11:1 Ecken rausgeholt“. Das wurde mal
gleich übernommen, zum Selberzählen hatte man
beim kicker wohl keine Lust. Da fragt man
sich natürlich, warum sie es überhaupt erwähnen
mussten. Um zu verdeutlichen, dass es sie nicht
interessierte?
Noch besser die
Kollegen vom reviersport. Bei der
Benotung der einzelnen Spieler ließen sie gleich
mal Marco Christ unter den Tisch fallen, Fortuna
hatte somit die komplette Partie mit zehn Mann
bestritten und gewonnen. Dafür Respekt! Außerdem
wandelte die Zeitung das 1:1 von Erfurt in
Babelsberg in einen 1:0-Sieg der Thüringer um
(faktisch unmöglich, da Babelsberg 1:0 in
Führung gegangen war) und setze Erfurt an die
Tabellenspitze – was auch bei einem Sieg
aufgrund der Punktzahl gar nicht möglich gewesen
wäre. Wie gesagt, wenn’s einen nicht
interessiert, dann sollte man es auch tunlichst
ganz lassen.
Aber was soll’s?
Solange man sich derart ignoriert quasi heimlich
an der Tabellenspitze festsetzen kann – umso
besser. Also gerne mehr davon!
Wieder eine
Doppelnull in Dresden
Und direkt die
nächste englische Woche. Am 05.09.07 ging es mal
wieder in den Osten der Republik. Dynamo Dresden
wartete. Allerdings wurde zuvor noch einmal
personell nachgerüstet. Just zum Ende der
Transferperiode, am 31.08.07, konnte man Olivier
de Cock vom FC Brügge ausleihen. Der ist 32
Jahre alt, hat die letzten 27 Jahre in Brügge
gespielt, und das nicht nur in der F-Jugend,
sondern auch in der Champions League. Natürlich
ist de Cock ein Verteidiger, in diesem
Mannschaftsteil brennt es bekanntlich seit
Beginn der Saison lichterloh. Leider traf die
Spielgenehmigung nicht rechtzeitig ein, so einen
gestandenen Glatzkopf mit ordentlichen
Blutgrätsche-Qualitäten kann man in Dresden ja
immer gebrauchen, egal ob auf dem Feld oder
daneben.
Dynamo ist
sicherlich nicht gerade ein sportliches
Leichtgewicht, aktuell allerdings etwas holprig
in die Saison gestartet, bis dato auch mit einem
lustigen Torverhältnis, nämlich 3:3 nach fünf
Spielen. Was bei so einem Spiel rauskommt, war
ebenso klar wie am Wochenende zuvor – ein 0:0,
genau wie im Vorjahr.
Ein ebenso
gerechtes wie verdientes Unentschieden vor
10.000 Zuschauern. Chancen gab es auf beiden
Seiten, aber beide Torhüter hatten einen guten
Tag erwischt und zeigte einige Glanzparaden. Der
Herr im Dresdner Tor, Oliver Herber, war uns ja
noch bestens aus diesem unglaublichen Spiel im
März bekannt, als er bis zur 93. Minute wirklich
alles hielt, was auf sein Tor kam. Nun, diesmal
gab es nicht ganz so viel zu tun, dafür hielt er
auch seinen Kasten sauber, und als er einmal
chancenlos gewesen wäre, bei einem Kopfball von
Palikuca, da rettete Penksa auf der Linie. Und
als er noch einmal geschlagen war, nach einem
Kopfball von Lawaree kurz nach Beginn der 2.
Halbzeit, da rettete die Latte, und damit stand
das Unentschieden, da auch Melka einige Male
gegen Penksa und Jungnickel prächtig reagierte.
Fortuna spielte die letzten 10 Minuten zwar noch
in Überzahl, nachdem Dresdens Kapitän Stocklasa
ein Witz-Rot kassiert hatte, aber wirklich
Zwingendes kam nicht mehr dabei rum.
Es war ein
torloses Unentschieden der besseren Art, es war
viel Bewegung drin. In der Kapitänsbinde der
Fortunen übrigens auch. Zunächst trug sie Henri
Heeren, der mal wieder mitspielen konnte. Als
dieser in der 74. Minute gegen Kastrati
ausgewechselt wurde (ja, Uwe Weidemann brachte
einen Stürmer für einen Defensivspieler, obwohl
wir nicht zurücklagen – in dieser Saison scheint
wirklich alles zu gehen, was zuvor unvorstellbar
erschien), wanderte sie zu Andy Lambertz, wie
gehabt. Als dieser dann zehn Minuten vor
Spielende vorsichtshalber ebenfalls ausgetauscht
wurde, weil er nach dem Platzverweis gegen
Stocklasa als nächster Gelb/Rot-gefährdet war,
übernahm Markus Anfang den Stofflappen. Ja, eine
Kapitänsbinde kann schon mal viel erzählen, wenn
alles vorbei ist! Was kurz darauf der Fall war
- Ende, aus, 0:0 – Fortuna weiter ungeschlagen
und ohne Gegentor, weiterhin Tabellenführer.
Verfolger Wuppertaler SV putzte zur selben Zeit
den VfL Wolfsburg II mit 7:2 und erzielte somit
in einem Spiel mehr Tore, als wir bis dato in
der gesamten Saison, aber wen juckt das schon –
einen Punkt mehr hatten weiterhin wir.
Keiner schießt
ein Tor in Düsseldorf!
Zum Abschluss der
beiden englischen Wochen kam am Samstag,
08.09.07, der Aufsteiger SC Verl. Die waren auch
mit Vorsicht zu genießen. Zwar hatten sie bis
dato nur 6 Punkte auf dem Konto – aber die
hatten sie allesamt auswärts geholt. Nach dem
Spiel fragte man sich erstaunt, wie sie das denn
fertig gebracht hatten. Die waren mit Abstand
das Harmloseste, was bislang in dieser Saison
gesichtet werden konnte.
Fortuna-Trainer
Weidemann überraschte mit der
Dresden-Aufstellung, das heißt, nur eine Spitze
(Lawaree), dahinter ein „Hänger“ (Cebe), mit
Heidinger, Kastrati und Erwig saßen drei
gelernte Stürmer auf der Bank. Eine etwas
vorsichtige Variante beim Heimspiel gegen einen
Aufsteiger, dachte ich noch – da klingelte es
auch schon im Verler Kasten. Fortuna hatte die
Ostwestfalen schnell unter Druck gesetzt, zwei
kleinere Chancen versiebt, und dann mit etwas
Glück in der 16. Minute ein frühes Führungstor
erzielt: nach tollem Direktspiel auf der linken
Seite von Heeren über Lawaree auf Lambertz,
hatte dieser den Ball flach in den Strafraum
gespielt, wo Marco Christ heran rauschte. Er
versuchte sich aus ca. 10 Metern mit einem
Schlenzer, der Ball wurde noch etwas
abgefälscht, knallte unter die Latte – und dann
glücklicherweise eindeutig hinter die Torlinie,
bevor er wieder ins Feld flog. Der
Schiedsrichter entschied sofort auf Tor und lag
damit, wie die Fernsehbilder belegten, eindeutig
richtig. Es gab auch keine Proteste der Verler.
Endlich mal ein
frühes Tor! Aber anstatt jetzt ein wenig befreit
Ball und Gegner laufen zu lassen, schaltete die
Mannschaft einen Gang zurück, und lieferte für
den Rest der ersten Halbzeit größtenteils eine
Gurkenleistung ab. Fehlpässe, Standfußball,
Zeitlupenangriffe – alles schon mal gesehen, ist
noch gar nicht so lange her. Aber im Gegensatz
zur letzten Rückrunde konnte man sich dies zum
Glück auch leisten, denn Verl war so harmlos,
die bekamen überhaupt nichts auf die Reihe und
wussten mit den Freiheiten, die sie besonders im
Mittelfeld zu verzeichnen hatten, absolut nichts
anzufangen.
In der Pause
weckte der Trainer die müde Truppe dann mal kurz
auf und siehe da, es ging doch! Binnen drei
Minuten knipsten sie den Aufsteiger aus,
benötigten allerdings zunächst die Mithilfe des
Schiris: in der 58. Minute kapitaler Bock von
zwei Verler Abwehrspielern am eigenen
Sechzehner, der eine spielt zu kurz zum anderen,
der andere geht nicht entschlossen genug zum
Ball. Cebe grätscht dazwischen, rappelt sich
auf, wird von seinem Gegenspieler am Trikot
gezogen, aber ein Cebe hechtet sich bei solchen
Situationen schon automatisch bis in den
Strafraum. Der Schiri pfeift und läuft zum Ort
des Geschehens, zeigt Freistoß von der
Strafraumgrenze an. Ein anderer läuft allerdings
auch, und zwar der Schiri-Assistent von der
Seiten- zur Torauslinie. Wie man es als
Assistent halt macht, wenn es Elfmeter gibt.
Kurzer Blickkontakt zwischen den Unparteiischen,
und der Schiri schwenkt in den Strafraum ein und
erweitert seine Entscheidung auf Strafstoß.
Nicht nur
umstritten, sondern auch falsch, denn ein Foul
konnte man nur mit gutem Willen erahnen. Aber
wenn man das Trikotzupfen dann doch pfeift,
hätte es Freistoß geben müssen, denn die Aktion
erfolgte vor dem Strafraum. Der Schiri hatte
also richtig gesehen, sich aber von seinem
Assistenten überzeugen lassen. Glück für uns.
Lawaree machte den Ball rein – 2:0.
Zwei Minuten
später tauchte Cebe nach einem langen Pass von
Christ völlig alleine vor dem Verler Torwart
auf, war aber anscheinend so verblüfft darüber,
nicht im Abseits zu stehen, dass er sich im
Abschluss verhedderte und einen Kullerball aufs
Tor losließ. Aber nur eine Minute später zeigte
er, dass er im Gegensatz zur Abwehr des
Aufsteigers durchaus lernfähig ist: wieder ein
langer Ball auf ihn im Strafraum, wieder kein
Abseits, vier Verler Abwehrrecken schauen
gleichzeitig zum Assi, der zeigt deutlich
„Weiterspielen“ an, alle vier bleiben trotzdem
stehen. Ich nehme an, in solchen Situationen
platzt dir als Trainer innerlich der Kragen. Und
Cebe erinnert sich daran, was er erst kurz zuvor
aus identischer Situation gemacht und schiebt
den Ball lieber quer am Keeper vorbei auf Axel
Lawaree, der im Gegensatz zu den Abwehrspielern
nicht stehen geblieben ist. Dieser vollstreckt
seinen zweiten Treffer an diesem Tag ins leere
Tor – 3:0, die Entscheidung. Ein Kantersieg!
Anschließend
spielte man die Partie im Schongang zu Ende,
hätte noch eins nachlegen können, beschränkte
sich aber darauf, Keeper Melka einen neuen
Rekord zu kredenzen: die alte Bestmarke eines
Torwarts bei Fortuna stand bei 708 Minuten ohne
Gegentor, aufgestellt in der Saison 1992/93 von
Jörg Schmadtke in der 2. Liga (übrigens: Fortuna
stieg trotzdem ab, wie eigentlich immer damals).
In der 79. Minute des Verl-Spiels stand Michael
Melka dann auch endlich in den Fortuna-Annalen.
Und das, nachdem er sieben Jahre in Gladbach
gespielt bzw. nicht gespielt hatte! Nach dem
Spiel steht er nun bei 720 Minuten ohne
Gegentreffer. Im Spiel selbst bekam er
eigentlich nur einen einzigen Ball gefährlich
aufs Tor, einen Freistoß von Dayangan in der 88.
(!) Minute. Er hielt auch diesen und damit
erneut die Null. Es gab schon schwierigere
Partien für ihn – im gesamten Spiel hatte er
genau sieben (!) Ballkontakte. Und natürlich ist
diese Serie auch ein Verdienst der
hervorragenden Abwehr, die mit dem Belgier de
Cock, der auch am Samstag noch nicht spielte,
hoffentlich noch verstärkt werden kann.
Herzlichen Glückwunsch zum neuen Fortuna-Rekord,
Herr Melka! So schnell kann’s halt gehen, dass
man vom ungeliebten Bankdrücker in Ostholland
zum Helden im Fortuna-Dress werden kann. Wann
wird ein Fortuna-Torwart je wieder eine solche
Serie hinlegen? Ich kann sagen: ich war dabei!
Und bin dabei, denn noch lässt ja das erste
Gegentor weiter auf sich warten. Hoffentlich
noch möglichst lange.
Schlussworte
oder auch nicht
Fortuna somit nach
acht Spieltagen weiter Tabellenführer mit 20
Punkten (sechs Siege, zwei Remis) und einem
Torverhältnis von 9:0. Auch hierfür kann man
sich am Ende der Saison genau gar nix kaufen,
deshalb hier auch die Zahl, die zunächst mal
wirklich wichtig ist: 10 Punkte Vorsprung auf
Abstiegsplatz 11. Und das nach acht Spieltagen,
phänomenal. Da darf man gespannt sein, wie es
weitergeht. Zumal es derzeit doch recht kurios
zugeht in der Regionalliga. Da hat Fortuna mit
neun Toren 20 Punkte gemacht, Kickers Emden mit
acht Treffern 15 Zähler. Der Wuppertaler SV hat
bereits 24mal eingenetzt, deutlich mehr als
beide Teams zusammen. Trotzdem gibt es dafür
auch nur 19 Punkte, im Gegensatz zu den 35, die
Fortuna und Emden mit ihrer Torausbeute erreicht
haben. Solange die Abwehrreihen gut stehen,
zahlt sich also Effizienz im Sturm derzeit noch
aus. Auch kurios Dynamo Dresden mit ihrem
Torverhältnis von 5:4. Kurios deshalb, weil
Pavel Dobry alle fünf Treffer für die
Elbflorenzer erzielt hat. Nicht auszudenken,
wenn der tschechische Torjäger mal ein
Hüsterchen bekommt! Ich glaube, das ist auch ein
Rekord.
Fortuna hat mit
ihren neun Treffern übrigens genau so viele
Buden gemacht wie Zweitliga-Absteiger Eintracht
Braunschweig. Kleiner Schönheitsfehler für die
Norddeutschen: Fortuna ist Erster, Braunschweig
Letzter. Ein kolossaler Fehlstart der
Blau-Gelben mit nur zwei Unentschieden und fünf
Niederlagen sorgt dafür, dass Braunschweig
bereits jetzt acht Punkte Rückstand auf Platz 10
hat. Und während sich RW Essen nach seinem
Fehlstart gefangen und immerhin schon neun
Zähler auf dem Konto hat, wurde der Verein in
Braunschweig während einer Demo von den eigenen
Anhängern schon mal symbolisch beerdigt.
Anschließend ließ man sich zuhause vom WSV 1:4
vermöbeln und hatte noch Glück, dass es nur vier
Stück waren. Da sind schwere Zeiten angesagt.
Einen Bestpreis
gibt es natürlich auch noch, der glückliche
Gewinner ist Werder Bremen II. Die verlegten
nämlich mal wieder eine Partie, diesmal die vom
05.09. gegen Kickers Emden. Begründung: sie
mussten drei Spieler für das U20-Länderspiel
gegen Österreich abstellen. Was für eine
unmenschliche Belastung, denn wie jeder weiß,
verfügt Bremen II nur über einen Kader von 11
Spielern, sodass eine Absage mit dieser
Begründung zwingend erforderlich war. Zumal
einer der drei Spieler auch noch Kevin Schindler
war. Über den habe ich vor einigen Wochen mal
gelesen, dass er vermehrt ins Training der
Profis einbezogen werden und dort auch spielen
soll. Aber wenn es für eine Spielverlegung gut
ist, wird er eben fix wieder zur Zwoten dazu
gezählt. Das ist ja einfach! würde Boris Becker
enthusiastisch ausrufen. Den Bestpreis kassieren
die Bremer nunmehr allein schon deswegen, weil
sie jetzt schon die ungekrönten Könige der
kuriosen bis lächerlichen Spielverlegungen 2007
sind. Man erinnere sich: im Februar konnte man
nicht gegen den FC St. Pauli spielen, weil der
Nebenplatz 11 zu klein für die Gästefans war und
im großen Weserstadion nicht gespielt werden
durfte, weil der Rasen geschont werden musste.
Da verlegte man die Partie kurzerhand um zwei
Monate. Am ersten Spieltag dieser Saison hatte
man auch keine Lust und verlegte das Spiel gegen
den 1.FC Magdeburg kurzerhand um einen Monat,
weil aufgrund von Umbaumaßnahmen am Platz 11
nicht genügend Parkplätze zur Verfügung
gestanden hätten. Bei den sicherlich zu
erwartenden Besucherströmen bei dieser Partie ja
auch durchaus nachvollziehbar. Und nun musste
man also zwei, wahlweise drei Spieler ersetzen
und argumentierte wahrscheinlich damit, dass der
Zwoten nur Recht sein kann, was der Ersten
billig ist – schließlich spielen Erste und
Zweite Liga ja während der Länderspielpause auch
nicht. Drei Knüller binnen sieben Monaten – aber
da sie stets mit allem beim DFB durchkommen, der
wohl wirklich nur noch diensteifrig abnickt,
wenn ein Bundesligist mal was von ihm will, kann
man eigentlich nur sagen: Respekt! Ob vor soviel
Umsicht oder Unsportlichkeit, möge jeder für
sich selbst entscheiden.
Ach ja, ein
Nachholtermin für das Spiel gegen Emden steht
selbstverständlich noch nicht fest. Eilt ja auch
nicht. Und ich bin schon gespannt auf die
nächste Ausrede, wenn sie an der Weser mal
wieder grad keine Lust haben.
Zum Abschluss
dieser Analyse muss ich allerdings noch Abbitte
leisten. Habe ich doch einige Seiten zuvor
sinngemäß geschrieben, die Regionalliga würde in
der Berichterstattung nur wenig beachtet werden.
Das war natürlich ein Trugschluss, wie ich noch
am Abend des Verl-Spiels herausfand. Da gab es
das EM-Qualifikationsspiel Wales gegen
Deutschland im Fernsehen, und Bundestrainer Jogi
Löw, selbstverständlich bekannt dafür, nur nach
Leistung aufzustellen, wechselte mal eben einen
gewissen Lukas Podolski ein, den er in der Woche
zuvor ins Aufgebot berufen hatte. Dessen
Arbeitsnachweis in dieser Saison zur
Rechtfertigung seiner Nominierung: zwei Einsätze
in der Regionalliga Süd bei Bayern II. Das finde
ich prima, dass auch so junge Talente mal eine
Chance bekommen, da wird ja wohl ein Späher des
DFB-Trainerstabs den aufstrebenden Spieler in
der Dritten Liga beobachtet haben. Von wegen
keine Beachtung! Zwar spielte Bayern II mit
Herrn Podolski 0:0 in Unterhaching und 0:1 gegen
die Stuttgarter Kickers, aber er muss schon
ordentlich Akzente gesetzt haben. Ansonsten
hätte man ihn doch wohl kaum nominiert und
andere dafür zuhause gelassen, oder? Und am
Mittwoch beim Freundschaftsspiel gegen Rumänien
in Köln – in seinem Köln, wie der
Reporter des Wales-Spiels schon mal
unmissverständlich klar stellte –, da wird er
hundertprozentig auch auflaufen, da er dort ja
über die zusätzliche sportliche Qualifikation
„Publikumsliebling“ verfügt. Sauber. Vielleicht
ergibt sich ja beim nächsten Spiel in Düsseldorf
dann auch mal die Gelegenheit, einen Fortunen
ins Team einzubauen. Leider keine Chance wird
Claus Costa bekommen, der ist nämlich definitiv
schöner als Olli Bierhoff, und so etwas geht gar
nicht im Nationalteam. Obwohl er in puncto
Spielpraxis in der Regionalliga fast an Herrn
Podolski heranreichen würde.
Aber was reg ich
mich darüber auf, dass everybody’s darlings in
diesem Land noch nicht mal spielen müssen, um
sich (symbolisch gesehen) den Adler überstreifen
zu dürfen, er ist schließlich nicht der Erste
dieser Sorte. Und außerdem ist das Regionalliga
Süd, die ist in dieser Saison für uns noch
völlig uninteressant. Und wenn wir fleißig so
weiterpunkten können wie bisher, werden die
Vereine aus jener Liga uns nächste Saison auch
nicht interessieren. Der Weg ist lang, aber wir
sind derzeit gut dabei. Hoffen wir, dass es auch
so bleibt. Entscheidend wird dabei sein, wie
sich die Mannschaft präsentiert, wenn wirklich
mal ein Gegentor kommt. Bzw. wenn wir mal in
Rückstand geraten. Wie die Truppe damit umgehen
wird (und natürlich auch mit einer Niederlage),
wird wohl von entscheidender Bedeutung sein. Ich
hoffe, sie sind mittlerweile gefestigt und
eingespielt genug, um auch auf diese bislang
unbekannten Zustände angemessen reagieren zu
können. Dann sind wir dabei.
Apropos: wir haben
seit dem 01.07.07 überhaupt nur in einem
einzigen Spiel zurückgelegen. Das war im
Testspiel bei TuRU Düsseldorf. Und genau dies
war auch unsere einzige Niederlage bisher. Aber
wir wollen ja nicht gleich unken...
Nachklapp
Tjaaaaa, und wer
jetzt gedacht hat, er hätte es geschafft, und
dieser Artikel wäre zu Ende – falsch! Denn
natürlich bin ich mit Absicht eher am Rande auf
die vielen Spiele ohne Gegentor eingegangen, ich
wollte ja nicht alles zweimal erzählen. Als
hätte ich es geahnt, habe ich nämlich von Beginn
der Saison an ein Gegentor-Tagebuch geführt. Und
jetzt, wo Melka den Rekord hat, und auch aller
Wahrscheinlichkeit nach ja demnächst mal mit
einem Gegentreffer gerechnet werden muss, möchte
ich euch zum Abschluss dieser Zusammenfassung
dieses Kleinod aus der Kategorie „Deutschen
Literatur, die mit Hilfe einer Taschenlampe
unter einer Bettdecke geschrieben wurde“ nicht
vorenthalten. Hier also in einem Stück die
ungekürzte Version meines Gegentor-Tagebuchs,
mit herzlichen Grüßen aus dem Hause janus. Bis
zum nächsten Mal! Man liest sich.
Samstag,
28.07.2007: Union Berlin – Fortuna Düsseldorf
0:1
Liebes Tagebuch,
Mann, bin ich
glücklich: Fortuna hat das Auftaktspiel
gewonnen! Das alleine ist natürlich schon eine
Sensation, aber sie haben noch nicht mal ein
Gegentor kassiert! Ansonsten gab es doch am
ersten Spieltag seit Jahrzehnten zumeist zwei
oder drei Stück, außer beim 0:0 gegen Union
Solingen im Jahr 2003. Aber damals war es so
heiß, da konnten gar keine Tore fallen, weil
beide Teams förmlich am Boden festgeklebt waren.
Zählt also nicht. Aber jetzt! Kein Gegentor, und
das gegen einen Mitfavoriten am 1. Spieltag!
Dass ich das noch erleben darf. Ich will ganz
lange ohne Gegentor bleiben!
Letzte Nacht
geträumt, dass ich meinem Bekannten aus Berlin
den Zutritt zu meiner Wohnung verwehrt habe, mit
den Worten: „Du kommst hier nit rein!“ Ob der
Traum wohl was mit Fußball zu tun hatte?
Bestimmt nicht. Ich glaube, ich gucke zu oft
schlechte Comedy.
Dienstag,
07.08.2007: Fortuna Düsseldorf – RW Essen 0:0
Liebes Tagebuch,
heute
Unentschieden gegen Essen gespielt. Okay, das
Spiel war nicht der Hit, aber stell Dir vor –
wieder kein Gegentor! Und sooo viele Leute im
Stadion, nur um zu gucken, wie kein Tor gefallen
ist! Ich persönlich musste sogar aufgrund
einiger kleiner Baustellen und damit verbundener
Umwege 130 km fahren (einfacher Weg), nur um
kein Tor zu sehen! Ich bin begeistert! Da wehte
ein Hauch Huub Stevens durchs weite Rund der
Arena. Ich glaube, wir haben auch dem Gegner
Respekt eingeflößt. Die wollten gar kein Tor
schießen! Wenn wir uns jetzt noch daran erinnern
könnten, wie wir beim Auftaktspiel einen
reingemacht haben, würde ich sagen: so kann es
weitergehen!
Letzte Nacht von
einer verschlossenen Tür geträumt, die sich nur
öffnet, wenn jemand das richtige „Sesam öffne
Dich!“ sagt. Während meines gesamten Traums
gelang dies aber niemandem. Ob das was mit
Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht. Ich
glaube, ich gucke zu oft Bollywood-Filme.
Samstag,
11.08.2007: Wuppertaler SV – Fortuna Düsseldorf
0:1
Liebes Tagebuch,
so langsam wird
mir die Sache unheimlich. Es kam genauso, wie
ich es mir letzte Woche erhofft hatte. Schon
wieder kein Gegentor! Und schon wieder einen
Elfmeter gehalten. Ist das noch Fußball? Ich
zweifle stark, denn ich kenne so etwas nicht.
Zumindest nicht bei Fortuna. Eine Verschwörung?
Vorsichtshalber im Internet mal bei den „Illuminaten“
recherchiert. Nee, ich kann mir nicht
vorstellen, dass einer unserer Spieler da
mitmischt. Aber wer weiß das schon so genau bei
einem Geheimbund? Eventuell weiße Magie?
Vielleicht steigt unser Keeper des Nachts vor
jedem Spiel in eine obskure Katakombe ab und
opfert dem Fußballgott im Kerzenschein einen
Torwarthandschuh? Brr, will ich gar nicht
wissen! Aber mysteriös ist es schon.
Letzte Nacht von
einer Betonmauer geträumt, die riesenhaft in den
Himmel wuchs und sich unendlich zur Seite
ausdehnte. Davor Heerscharen von kleinen
Männchen, die mit Spitzhacken und Meißeln
lächerlich kleine Löcher in die Mauer stanzten.
Nach gefühlt 100 Tagen – in einem Traum ist das
ja problemlos möglich! – hatten sie ein winziges
Loch ins Bollwerk gebohrt; eins der Männlein
beugte sich vor und lugte mit einem Auge
hindurch, nur um entsetzt zurückzufahren: hinter
der Mauer lauerte ein riesiger Krake mit tausend
Fangarmen und bewachte eine Schatzkiste, die im
Vergleich zu seinen Ausmaßen lächerlich klein
wirkte. Der Traum endete mit der heillosen
Flucht aller Beteiligten, während der Krake das
Loch in der Mauer von innen wieder dicht machte.
Ob der Traum wohl
was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht.
Ich glaube, ich gucke zu oft Piratenfilme. Oder
Herr der Ringe.
Samstag,
18.08.2007: Fortuna Düsseldorf – SV Werder
Bremen II 2:0
Liebes Tagebuch,
schon wieder kein
Gegentor *gähn*. Selbst die Werder-Bubis, die
bislang immer gegen uns getroffen haben,
wirklich in jedem Spiel, auch die kommen nicht
mehr durch. Normal ist das nicht mehr. Ich habe
mittlerweile konkrete Vorstellungen von unserem
Gegentor. Eine schöne Hütte soll es sein. Ein
unhaltbarer Volleyschuss aus 20 Metern, unser
Torwart fliegt und fliegt, hat die Fingerspitzen
noch dran, aber der Ball knallt genau unter die
Latte und landet im Netz. Drin! Dann sind auch
endlich die Spekulationen vorbei. Es glaubt uns
doch kein Mensch mehr, dass das noch mit rechten
Dingen zugeht! Ein Segen, der zum Fluch wird,
ist schließlich auch nicht das Wahre. Wann wird
die Kirche zum Boykott von Fortuna-Spielen
aufrufen, da wir unzweifelhaft mit höheren
Mächten im Bunde stehen müssen? Man sollte es
nicht darauf ankommen lassen. Ich weiß übrigens
auch schon, wer unser Gegentor erzielen sollte
und wann und wie. Als Gegentor-Schützen hätte
ich gern „unseren“ Denis Wolf von RW Erfurt. Der
darf gegen uns das 1:3-Ehrentor erzielen. Beim
Rückspiel in Erfurt. Das kann man doch wohl bis
dahin schaffen, oder?
Letzte Nacht
geträumt, dass ich Recht hätte. Ob der Traum
wohl was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt
nicht. Ich glaube, ich habe zu oft Föhn-Frisuren
mit F95-Trikots auf dem Platz gesehen..
Samstag,
25.08.2007: Energie Cottbus II – Fortuna
Düsseldorf 0:1
Liebes Tagebuch,
wer zum Teufel ist
dieser Gegentor?
Ich habe einen
Entschluss gefasst: ich trage seit dem Sieg in
Cottbus Fortuna-Socken! Das mag nichts
Außergewöhnliches sein, aber – ich besitze nur
ein einziges Paar! Das trag ich jetzt solange,
bis wir das erste Gegentor kassieren. Danach
bekommt sie der gegnerische Torschütze. Das hat
er dann davon!
29.08.2007:
Linner SV – Fortuna 0:2 (1. Runde
Verbandspokal)
Liebes Tagebuch,
die Wunder nehmen
kein Ende mehr! Auch das ungeschriebene Gesetz
der Fortuna „Wenn man gegen die Großen gut
spielt, blamiert man sich wenigstens gegen die
Kleinen!“ zieht nicht mehr. Kein Gegentor gegen
den Landesligisten. Früher, ja früher, da
kassierte man sogar als Zweitligist in der 1.
DFB-Pokal-Runde mal eben locker vier Stück beim
SV Straelen am Niederrhein, die spielten damals
(1998) gefühlt irgendwo in der
Tulpenzwiebel-Liga. Da war Fortuna noch eine
verlässliche Größe! Jetzt gibt es so etwas nicht
mal mehr im Verbandspokal! Die aktuelle
Mannschaft hebt auch die Naturgesetze aus den
Angeln. Wann erhebt sich Andy Lambertz von
selbst in die Lüfte und schwebt zu seinem
nächsten Saisontreffer im Strafraum ein?
Letzte Nacht
geträumt, dass ich eine Karte in der Post hatte,
mit diesem Spruch, mit dem glückliche Eltern die
Geburt ihres ersten Kindes anzeigen: „Dieser Tag
ist das Ende der Welt, so wie wir sie kannten!“
Aber es war keine Geburtsanzeige, sondern eine
Eintrittskarte vom ersten Saisonspiel bei Union
Berlin. Hätt’ ich das doch bloß früher geträumt!
Dann würde mich jetzt auch nix mehr wundern.
Ob der Traum wohl
was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht.
Ich glaube, in meiner Bekanntschaft gab es nur
einen Baby-Boom in den letzten Monaten.
01.09.2007: Fortuna – Hamburger
SV II 1:0
Liebes Tagebuch,
ich bin fast ein
wenig enttäuscht. Ja gut, gewonnen, weiter
Tabellenführer, kein Gegentor, Andy Lambertz
macht die Hütte usw. Aber eingeschwebt zum
Torschuss ist er nicht, das habe ich deutlich
gesehen! Andererseits: noch genügen irdische
Mittel, um die blütenreine Weste zu behalten.
Warum also sollte man dem Gegner frühzeitig
offenbaren, dass unsere Mannschaft in dieser
Saison anscheinend von einem anderen Planeten
kommt? Clever gemacht! Meine Begeisterung kehrt
zurück.
Heute Nacht
geträumt, dass die ersten Glückwunsch-Telegramme
zu unserer vielbeachteten Serie eintreffen.
„Gratulation! Ich wusste immer, dass eine Null
auch positiv für dieses Land sein kann!“ (Angela
Merkel, Physikerin und aktuelle Teamleaderin )
- „Weiter so! Wichtig ist, was hinten
rauskommt, selbst wenn nix dabei rauskommt!“
(Helmut Kohl, altausgesessener Rekordspieler) -
„Respekt für diese Leistung! Ich weiß
schließlich, dass man Erfolg haben kann, wenn
man sich mit Nullen umgibt!“ (Gerhard Schröder,
Lückenbüßer).
Ob der Traum wohl
was mit Fußball zu tun hatte? Bestimmt nicht.
Schon eher mit dem FC Bayern. Die bekommen ja
schon Bewertungen verpasst wie „Weltklasse“
(DSF), „Überirdisch!“ (noch mal: DSF),
„Unschlagbar!“ (schon wieder: DSF) und
„Super-Bayern!“ (zur allgemeinen Überraschung:
DSF, alles in einer einzigen Sendung am
02.09.07), nachdem sie mal fast vier Spiele ohne
Gegentor geblieben waren. Da hatte ich wohl zu
spät umgeschaltet. Dass so etwas aufs
Unterbewusstsein durchschlägt, dürfte klar sein.
05.09.2007:
Dynamo Dresden – Fortuna 0:0
Liebes Tagebuch,
pssst! Nach dem
Spiel wurde mir am Bahnhof ein Gegentor
angeboten! Älterer Typ, Brille mit
Kassengestell, Trenchcoat. Sagte, er wäre der
Zwanziger und hätte da was für mich. Quatsch, er
sagte, für nen Zwanziger hätte er da was für
mich. Egal, wusste sowieso nicht so genau, was
er meinte und habe natürlich abgelehnt. Nach
meiner Rückkehr habe ich eine Mail an wikipedia
geschrieben und um Auskunft gebeten, was dieses
„Gegentor“ überhaupt sein soll. Wird doch wohl
nicht eine dieser neumodischen Drogen gewesen
sein? Da liegt kein Segen drauf!
Heute Nacht nicht
geträumt. Eher bewusstlos gewesen. Es hatte
sogar mit Fußball zu tun. Mit meinen
Fortuna-Socken sollte ich so langsam nicht mehr
in geschlossenen Räumen schlafen...
08.09.2007: Fortuna – SC Verl
3:0
Liebes Tagebuch,
der Michi hat den
Rekord vom Schmadtke! 720 Minuten ohne! Der
Schmaddi kann jetzt nicht mehr auf der Aachener
Geschäftsstelle damit angeben, bei uns noch eine
große Nummer zu sein! Da nutzt auch die geile
gelbgetönte Brille nix mehr!
Heute Nacht wieder
nicht geträumt. Was daran liegen könnte, dass
ich gar nicht erst geschlafen habe. Ist ja doch
schon reichlich kühl unter freiem Himmel um
diese Jahreszeit. Aber wenn man im eigenen
Schlafzimmer ausgepfiffen wird, nur weil man es
mit Fortuna-Socken betritt, ist es Zeit, das
Nachtlager auf dem Balkon aufzuschlagen.
Vielleicht wäre ein Gegentor langsam mal...?
Papperlapapp! Das bisschen Schlaflosigkeit! Das
bisschen Grippe! Ich bin Fortuna-Fan – ich
brauche es härter! Schluss und aus!
Schlaflos in Bonn:
janus |