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So, zum Ende des
Jahres gibt es noch einmal mächtig Stoff. Sechs
Spiele in der Meisterschaft gilt es
aufzubereiten. Das Ergebnis zu Beginn der
Winterpause ist recht zufriedenstellend. Fortuna
hält oben mit, schon geistert das Wort
„Aufstieg“ vermehrt durch die Fan-Gemeinde.
Allerdings gab es auch in den zurückliegenden
Wochen viele Baustellen, die nur teilweise
abgearbeitet werden konnten. Man darf gespannt
sein, ob dies in der Winterpause gelingt.
Wieder einen
abgebrochen
Fortuna holte am
04.11.06 nur ein 1.1 gegen Bayer Leverkusen II
und verpasste damit erneut die Tabellenführung
in der Regionalliga Nord. Das Führungstor durch
Marcel Podszus, der auf herausragende Vorarbeit
von Lambertz bereits in der 6. Minute endlich
mal wieder traf, reichte ebenso mal wieder nicht
zum Sieg, weil man sich in der 86. Minute den
Ausgleich durch Tiberkanine einfing. Dazwischen
lagen ein halbes Dutzend hochkarätiger Chancen,
die Fortuna leichtfertig versemmelte, sowie ein
eigenartiges Schiri-Gebaren: nachdem in der 1.
Halbzeit schlicht gar nichts Aufregendes im
Hinblick auf Hektik oder Spielunterbrechungen zu
verzeichnen war (dafür war Fortuna zu überlegen
und Leverkusen zu schlecht), zeigte der lustige
Pfeifenmann zu Beginn der 2. Halbzeit
Tiberkanine nach 30 Sekunden Gelb. Dies war aber
leider nur der Auftakt zu einem sportlichen
Amoklauf des Referees, der sein Ende erst nach 6
Gelben und einer Roten Karte, dem Übersehen
klarster Fouls sowie dem Abpfeifen von 16
(mitgezählt!) Vorteilssituationen fand, darunter
eine besonders bittere, als Podszus allein aufs
Tor zulief und fünf Sekunden später durch einen
Pfiff gestoppt wurde, der Freistoß für Fortuna
an der Mittellinie signalisierte. Seit jenem
Samstag, 15.45 Uhr, wird übrigens massiv eine
Untersuchung darüber gefordert, was
Schiedsrichtern in der LTU-Arena zur Pause an
Getränken gereicht wird. Es war wirklich
unfassbar. Höhepunkt sicherlich die Rote Karte
für Cebe in der 67. Minute, die an sich
berechtigt war, weil Cebe wie ein Idiot seinen
Gegenspieler in dessen Hälfte von der Seite
ummähte, andererseits aber ganz klar in der
Verantwortung des Schiedsrichters lag, der
Sekunden zuvor ein Foul an Lambertz nicht pfiff,
das bis unter das Tribünendach zu sehen war
(fast wäre Lambertz oben ohne rumgelaufen, so
sehr wurde am Trikot gezerrt); aus diesem
Ballverlust resultierte dann das dämliche
Frustfoul. Eine ganz große Leistung dieser
Pfeife, dessen Namen ich verdrängt habe.
Schiedsrichter sollen ein Spiel leiten, und
nicht entscheiden – diesem Herrn war dieser
Grundsatz eindeutig zu langweilig. Trotzdem
waren die drei Spiele Sperre, die Cebe
aufgebrummt bekam, für diese Blutgrätsche
natürlich völlig in Ordnung.
Im Endeffekt
vergab Fortuna den Sieg natürlich selbst,
Podszus, Cebe und Adewunmi hatten zum Teil
gleich mehrfach die Entscheidung auf dem
Schlappen, dazu sah Torwart Deuß beim Gegentor
mal wieder so richtig sicher aus, als er sich
aus spitzem Winkel tunneln ließ. Zwei verlorene
Punkte, die am Ende noch richtig weh tun können,
denn Bayer war wirklich harmlos. Und irgendwann
muss es doch auch mal jemand von den
Verantwortlichen, sprich: den Spielern, merken:
ihr könnt kein 1:0 über die Zeit spielen. Ihr
konntet es nie, und ihr werdet es nie! Versucht
es also erst gar nicht. Und an die Adresse der
Trainer wäre zu richten, dass man gerne
regelmäßig den gemeinen Konter trainieren lassen
kann. Da scheinen einige Spieler in der Jugend
nämlich öfter mal gefehlt zu haben. Was hier
erneut an guten Überzahl-Gelegenheiten
vertändelt, verschossen oder verpasst wurde, war
eigentlich schon nicht mehr besonders
überraschend, da es bereits mehrfach in dieser
und in der letzten Saison gesichtet werden
konnte. So brachte sich die Mannschaft selbst
leichtsinnig um ihren Lohn, hatte man in der
ersten Halbzeit doch den Gegner klar dominiert.
Aber wenn da nicht das 2:0 nachgelegt wird, darf
regelmäßig gezittert werden. Das muss doch nicht
sein.
Respekt übrigens
noch an die handgezählten 11 Leverkusener im
Gäste-Fanblock – und das, obwohl deren eigene
Erste nahezu zeitgleich in der BayArena spielte.
Da war es wenigstens geheizt.
Erst Glück,
dann Geschick
Am 08.11.06 fand
der 15. Spieltag der Regionalliga Nord statt.
Allerdings ohne Fortuna. Dieses Spiel hatte man
bereits am 13.09.06 gespielt und mit einer
echten Grottenleistung 0:1 bei Kickers Emden
verloren. Somit war dieser Spieltag für uns
schon verdorben. Aber siehe da, in dieser Saison
ist uns auch mal das Glück hold: obwohl wir beim
eng zusammenstehenden vorderen Tabellenfeld und
den Konstellationen der anderen Spiele mit ganz
viel Pech bis auf Rang 9 hätte durchgereicht
werden können, gab es kaum Verluste beim
Tabellenplatz, da die anderen Vereine mehr oder
weniger für uns spielten, vorzugsweise
unentschieden. Also konnte man sich mit einem
Sieg im Spiel gegen den FC St. Pauli am darauf
folgenden Spieltag in der Tabelle wieder nach
oben orientieren. Der Tag dazu war wie
geschaffen: der 11.11.06. Helau! Die fünfte
Jahreszeit begann! Bahn frei für Mummenschanz
und neue Promille-Rekorde! Wobei ich ehrlich
zugebe, dass ich mit Karneval genau gar nichts
anfangen kann. Ich habe aber Verständnis dafür,
dass an solchen Tagen viel Alkohol fließen muss.
Denn könnte ich etwas mit Karneval anfangen und
würde verkleidet durch die Straßen oder in die
Sitzungen ziehen – ich müsste mich auch
hemmungslos besaufen, um mein Aussehen und den
Anblick dessen zu ertragen, was hierzulande
unter „Brauchtum“ verstanden wird. Ich war und
bin schon gespannt, wie viele brauchtümliche
Elben, Darth Vaders oder Draculas mir in dieser
Session begegnen werden. Bei manchem närrischen
Trunkenbold war ich zuvor auch schon ins Grübeln
gekommen, ob derjenige sein entsprechendes
Kostüm von Halloween bis zum 11.11. überhaupt
gewechselt oder praktischerweise gleich
aufgetragen hatte und selbiges auch für die
Zeitspanne bis zum Rosenmontag plante. Einfach
mal am Wochenende abends oder nachts U-Bahn
fahren, dann wisst ihr, was ich meine...
Aber egal, wir
Düsseldorfer feiern natürlich nicht nur unter
uns, wir laden uns an solchen Tagen auch Gäste
ein. Vorzugsweise solche, die von dem bunten
Treiben nicht die geringste Ahnung haben, in der
Hoffnung, sie dadurch so zu verwirren, dass es
bereits vor dem Anpfiff zu derartigen
Konzentrationsstörungen kommt, dass die
Heimmannschaft anschließend leichtes Spiel hat.
Diesmal kam also der FC St. Pauli aus Hamburg.
Nun, die würden vielleicht nicht so überrascht
sein wie gewünscht, denn die kennen ja eine
solche Ansammlung leicht debil grinsender Leute,
die alle ordentlich einem im Tee haben und
schmutzige Lieder grölen, eigentlich als
ganzjährige Veranstaltung. Nennt sich dort nur
nicht „Karneval“, sondern „Reeperbahn“ und ist
bei denen direkt um die Ecke. Insoweit durften
sie ein wenig vorgewarnt sein. Und ich hoffte,
dass die fortunistische Gastfreundschaft nicht
so weit ging, anschließend 11 betrunkene
Statisten als Fußballer verkleidet aufs
Spielfeld zu schicken, die orientierungslos über
das Feld irrten und nur dann sportliche Aktionen
zeigten, wenn es darum ging, einen flotten
Can-Can auf den Rasen zu legen. Nein, drei
Punkte für Fortuna durften es schon sein!
Fortuna schlug den
FC St. Pauli mit 2:0 und blieb an den führenden
Teams der Regionalliga Nord dran. Das Spiel
begann mit einer halben Stunde Verspätung, weil
die Rheinbahn pünktlich zum Karnevalsbeginn auch
ein Schelmenstück beitragen wollte und mal kurz
ihre Oberleitungen zwischen Altstadt und
LTU-Arena lahmlegte. Tausende saßen in den
Bahnen und mussten mit Ersatzbussen oder Taxen
zum Stadion gebracht werden. Das schien aber
auch gelungen zu sein, es waren fast 25.000
Zuschauer im Stadion, natürlich Saisonrekord.
Und vielleicht haben ja tatsächlich alle das
Führungstor der Fortuna mitbekommen.
Ausgerechnet Ex-Pauli-Spieler Robert Palikuca
köpfte nämlich bereits nach 10 Minuten einen
Albertz-Freistoß zum 1:0 in die Maschen. Dem
Torschützen war das sichtlich peinlich, und er
unterließ überschwängliches Jubeln, weil er, wie
er in einem Interview offen zugab, noch sehr
viele Sympathien für St. Pauli hat. Meinetwegen,
solange er mithilft, sie abzuschießen, kann er
Sympathien haben, soviel er will. St. Pauli nach
dem frühen Gegentor druckvoller, mit einigen
guten Chancen, aber Fortuna konnte dagegen
halten und ihrerseits gute Gelegenheiten
herausspielen. Leider verwechselten die
Kiezkicker zeitweise Kampfspiel mit rüdem Spiel,
was Schiri Trautmann jedoch bis zur Pause
ungeahndet durchgehen ließ. Danach wurde es auch
ihm zu bunt, und er zog den ein oder anderen
Karton, bis hin zu Gelb/Rot für Ian Joy in der
64. Minute. Obwohl der Sünder sich im Zuge der
Rudelbildung nach seiner Blutgrätsche gegen
Lambertz an der Mittellinie listig ganz weit vom
Ort des Geschehens entfernt hatte, grub der
Schiri ihn nach einigem Suchen am eigenen
Strafraum aus und stellte ihn völlig zu Recht
vom Platz. Damit war die Partie entschieden,
denn St. Pauli hatte sich unmittelbar nach
Wiederanpfiff selbst das zweite Gegentor ins
Netz gelegt, als Lechner nach Lambertz-Flanke
vor dem frei stehenden Canale retten wollte und
die Kugel dabei ins eigene Netz lenkte. Nach dem
Platzverweis hatte St. Pauli nur noch eine
Chance durch Braun, die Deuß großartig parieren
konnte, während Fortuna in gewohnter Manier noch
ein halbes Dutzend Konterchancen vertändelte.
Dies war auch der einzige Kritikpunkt des
Trainers für ein ansonsten unterhaltsames Spiel,
welches in Fortuna einen verdienten Sieger fand.
Nun galt es zu hoffen, dass die Spieler nicht
nur in der Heimat vor 25.000 Zuschauern bestehen
konnten, sondern auch am nächsten Spieltag auf
dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz in Hamburg beim
Spiel gegen die HSV-Reserve.
Verspülte
Tabellenführung
Weil der DFB das
Spiel beim Hamburger SV II auf Sonntag, den
19.11.2006, verschoben hatte, lockte nicht nur
ein ganzes Wochenende in Hamburg, nein, auch der
Spielplan gab Entsprechendes her. Und so gab es
ein norddeutsches Fußball-Weekend der recht
unterhaltsamen Art.
Zunächst besuchten
wir am Freitag die Partie unseres letzten
Gegners. Der FC St. Pauli empfing am heimischen
Millerntor RW Erfurt. Da St. Pauli durch die
Niederlage gegen Fortuna in der Tabelle etwas
zurückgefallen war, Erfurt hingegen mit der
Empfehlung von neun ungeschlagenen Spielen in
Folge anreiste, war klar, dass es für uns nicht
ganz ungünstig wäre, wenn die Hamburger die
Konkurrenten aus Thüringen mal ein wenig in die
Schranken weisen würden. Wer hier sonst noch wen
in die Schranken weisen wollte, wurde uns sofort
klar, als wir mit dem Auto über die Reeperbahn
düsten, auf der Suche nach einem Parkplatz: das
erste Fahrzeug, das uns den Weg versperrte, war
ein Wasserwerfer. Auch sonst war der
Stadionvorplatz sowie das Heiligengeistfeld, auf
dem grad der Winterdom stattfand (quasi ein Art
Kirmes, für die Rheinländer unter den Lesern)
ziemlich gut in öffentlich-rechtlicher Hand.
Fantechnisch war RW Erfurt erstaunlich gut
vertreten und machte auch ordentlich Stimmung.
Und kaum hatten wir uns überlegt, dass ein
Unentschieden vielleicht auch nicht ganz so übel
wäre, da stands schon 1:0 für Erfurt. Torschütze
wie üblich: Björn Brunnemann. Jedesmal wenn der
gegen Fortuna spielt oder ein Fortune ihn
spielen sieht, trifft der, als ob er wüsste, wer
zuguckt. Ich hatte im Sommer schon geschrieben,
den würde ich mit der Schubkarre aus Erfurt
abholen, wenn wir ihn holen könnten. Wir konnten
es leider nicht. Wenn Fortuna ihr Angebot
erneuern könnte, wäre ich sogar bereit, den Flug
zu sponsern, der muss ja nicht wirklich in der
Schubkarre bei uns anreisen.
Der Rest des
Spiels ist schnell erzählt, St. Pauli schaffte
noch den Ausgleich, und die Partie endete
tatsächlich 1:1. Sie hatte zwei Tore, drei
Lattentreffer und einmaliges Retten auf der
Linie für den bereits geschlagenen Torwart zu
bieten und war trotzdem grottenschlecht, denn
diese Szenen waren auch wirklich die einzig
Erwähnenswerten über 90 Minuten, ansonsten gab
es nur planloses Gebolze von hinten raus,
Fehlpässe nach vorne und vor allem in der
zweiten Halbzeit unzähligen Unterbrechungen
wegen kleinerer Fouls. Die Besucher der
Haupttribüne vertrieben sich die Zeit damit,
sich pro oder contra Trainer Bergmann
einzustellen und dies auch lautstark kund zu
tun. Mein persönliches Highlight war hierbei
eine etwas ältere Dame hinter mir, die
eigentlich permanent mit beachtenswerter Akustik
und herrlich norddeutschem Dialekt gegen den
Trainer wetterte, höchstens mal mit kurzzeitigen
Unterbrechungen, wenn sie flüssigen Nachschub
organisieren musste. Schlussendlich wollte sie
ihren Begleiter auch in die Diskussion
einbeziehen und fragte ihn daher lautstark, was
er denn davon halte würde, woraufhin dieser
diplomatisch antwortete: „Versteh ich nix von.“
Sehr unterhaltsam, das Ganze.
Warum ich dies
alles so ausführlich erwähne? Nun, am Montag
danach las ich den entsprechenden Spielbericht
im kicker. Und dort wurde diesem
Graupenkick, insbesondere der unansehnlichen
zweiten Halbzeit, ausdrücklich das Prädikat
„hochklassig“ verliehen! Und während ich noch
rätselte, bei welchem Spiel entweder der
entsprechende Artikelschreiber oder aber ich
gewesen sei, lief online schon die Meldung ein,
dass St.Pauli-Trainer Bergmann beurlaubt worden
sei. Sicherlich auch aufgrund des
„hochklassigen“ Spiels, das seine Mannschaft
gegen Erfurt abgeliefert hatte. Also, liebe
kicker-Redaktion: weniger ist manchmal mehr.
Wenn von euch schon keiner Lust hat, sich das
Spiel anzusehen, dann schreibt das doch auch.
Kommt besser, als sich bei irgendjemandem zu
erkundigen, wie denn das Spiel gewesen sei, um
sich dann anscheinend komplett veräppeln zu
lassen. Seriöse Berichterstattung sieht
irgendwie anders aus...
Am Tag darauf zog
es uns in die schleswig-holsteinische
Landeshauptstadt, wo Holstein Kiel gegen den
Tabellenführer VfL Osnabrück spielte. Die
Kieler, Top-Aufstiegsfavorit und mit dem
höchsten Etat der Liga in die Saison gestartet,
dann aber grandios abgestürzt und schon seit
Wochen auf einem Abstiegsplatz, hatten sich kurz
zuvor einen neuen Trainer zugelegt, Stefan Böger
hatte den erfolglosen Frank Neubarth beerbt. Und
wieder griff das Prinzip der gut kehrenden neuen
Besen, der Liga-Primus aus Osnabrück hatte über
das gesamte Spiel nicht eine einzige
herausgespielte Torchance und war mit dem 0:2
noch gut bedient. Das fand auch deren Trainer
Pelé Wollitz, der ob der Nichtleistung seiner
Mannschaft viel zu verdutzt war, um vor Wut in
die Werbebande zu beißen, wie ich es mir
gewünscht hätte. Für Fortuna ein Warnschuss zur
rechten Zeit, denn der nächste Heimspiel-Gegner
würde Holstein Kiel heißen. Andererseits aber
auch ein schönes Ergebnis, denn dadurch war die
Chance gegeben, am nächsten Tag mit einem Sieg
die Tabellenführung zu übernehmen
Aber der
Dauerregen von Hamburg spülte die mögliche
Übernahme der Tabellenspitze den Bach runter -
1:1 und somit Tabellenplatz 3 hieß es nach 90
Minuten.
Das Spiel fand auf
einer Anlage statt, der ich höflich vollste
Verbandsligatauglichkeit attestieren kann, die
aber für die 3. Liga und die zweite Mannschaft
eines angeblichen Bundesligisten eher Richtung
Unverschämtheit tendierte. Schon die
Organisation war vom Feinsten. Die letzten
beiden Gastspiele der Fortuna beim HSV fanden in
der AOL-Arena statt, die Zuschauerresonanz war
jeweils dreistellig. Da dachte sich nun der HSV,
für die paar Männeken machen wir doch unser
großes Stadion nicht noch einmal auf! Um dies zu
untermauern, beorderte man bereits am Montag
zuvor, also volle sechs Tage vor dem Spiel, das
dem Gastverein überlassene Kartenkontingent von
der Fortuna-Geschäftsstelle zurück. Da bis dato
– wen wundert’s – nur 200 Karten verkauft waren,
hatte man nun ein schönes Argument, die Partie
auf dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz in Stellingen,
in unmittelbarer Nähe des Tierparks Hagenbeck,
stattfinden zu lassen. Aber um den Besucherstrom
noch mehr in Grenzen zu halten, erzählten sie
das nicht jedem. Bis zuletzt war auf der
offiziellen Homepage als Spielort „evt.
AOL-Arena“ ausgewiesen, die Tickets, die man
erwerben konnte, lauteten auch unüberlesbar auf
„AOL-Arena“, und noch drei Tage vor dem Spiel
wurde eine telefonische Anfrage, wo das Spiel
denn nun stattfände, auf der Geschäftsstelle des
HSV wortwörtlich mit: „AOL-Arena – wo denn
sonst?“ beantwortet. Gastfreundschaft der etwas
anderen Art, allerdings nichts Neues bei den
Hanseaten, die beim Spiel in der vorletzten
Saison (aber im Jahr 2005, im April) noch den
umgekehrten Weg gegangen waren und Karten für
den Wolfgang-Meyer-Sportplatz verkauft hatten,
obwohl das Spiel dann in der Arena stattfand.
Und zwar aus gutem Grund, wie man nach Erreichen
der Spielstätte feststellen konnte. Ich habe
diesen Sportplatz (im Stadionheft wieder mal
pfiffig und durchaus korrekt mit „WM-Stadion“
abgekürzt) im Jahr 2004 schon einmal besichtigt
und beschrieben, kann daher auf die dort
gemachten Erfahrungen verweisen. Es hat sich
nichts geändert, es ist zwar ganz lustig, so
etwas mal zu sehen, aber in meinen Augen
trotzdem eine Frechheit, dass dort dritte Liga
gespielt wird, vor allem von einem
Bundesligisten. Sicherheitsstandards gelten für
wichtige Erstligisten anscheinend nicht. Und der
Verein selbst tat ja sein Möglichstes, um
irgendwelche Gästefans vom Besuch des Spiels
abzuhalten. Da fragt man sich schon, mit welcher
Begründung diese Herrschaften denn 3. Liga
spielen wollen, wenn sie so wenig an den Spielen
der eigenen Mannschaft interessiert sind.
Wenigstens erfüllte der HSV an jenem Nachmittag
alle Amateur-Standards. Wenn schon das Klo und
der Verpflegungsstand außerhalb der Anlage
liegen (ebenso wie die Gästetribüne, die hinter
dem Zaun steht, der den Sportplatz auf der
Gegengeraden eigentlich begrenzt), dann schickt
man auch ein paar Ordner vor, die der Meinung
sind, nicht jeder dürfe sich noch eine
Tribünenkarte kaufen und praktiziert
„Blocktrennung“ auf der kleinen Tribüne mittels
eines rot-weißen Trassierbandes. Ich bin sicher,
mit derlei Schutzmaßnahmen kann man nächstes
Jahr auch hierhin gegen Burghausen ausweichen,
allerdings mit der ersten Mannschaft, was die
aktuelle Bundesliga-Tabelle ja durchaus hergeben
würde. Auch hat so eine Amateur-Veranstaltung
meistens einen Depp vom Dienst, oft ist diese
Rolle für den nörgelnden Platzwart reserviert,
und auch da wollten die Hamburger nicht
zurückstehen: es erschien also kurz vor dem
Spiel der Herr Stadionsprecher an seiner Kabine,
ausgestattet mit einem monströsen
Diplomatenkoffer, in den so manch geheime
Abrüstungsunterlage gepasst hätte. Als er ihn
dann stolz aufschraubte, befanden sich darin
nichts weiter als ein paar Blatt Papier, bei
denen es sich um Mannschaftsaufstellungen
handelte. Das war schon aller Ehren wert, aber
es kam noch besser: er schloss den Koffer und
wollte sein telefonzellengroßes Reich entern,
leider war die Tür abgeschlossen, und er fand
den Schlüssel nicht. Nach minutenlangem Suchen,
Fragen und Sichaufregen kam ihm die Erleuchtung:
noch einmal wurde der „Ich war mal Referent bei
Genschman“-Gedächtnis-Koffer geöffnet, und siehe
da: unter den drei Blatt Papier fand sich auch
der Schlüssel, der also mit höchstmöglicher
Sicherheit transportiert worden war. Daumen hoch
für diese gelungene Slapstick-Einlage! Es passte
halt einfach alles. Im übrigen waren es
insgesamt 1.200 Zuschauer, da hatte der HSV mit
seiner „Ihr interessiert uns einen feuchten
Dreck“-Taktik also lediglich erreicht, dass noch
mehr Leute neugierig auf das Spiel geworden
waren, denn gut dreiviertel der Anwesenden
drückten Fortuna die Daumen. Obwohl es ja
eigentlich eher traurig ist, denen für diese
„Organisation“ noch Geld in den Rachen zu
werfen.
Immerhin, während
die zwei vor der „Begegnungsstätte“ des Spiels
gelegenen Aschenplätze schon zur Pause „Landunter“
meldeten (sie waren beide vollgelaufen und
verbanden sich zu einem einzigen großen See),
konnte auf dem Geläuf des
Wolfgang-Meyer-Sportplatzes noch zu Ende
gespielt werden Trotz des strömenden Dauerregens
zeigten die Fortunen gelungenes Passspiel und
teilweise schöne Angriffe. Nur vergaß man wieder
mal das Toreschießen, allen voran Marcel Podszus,
der aus 8 Metern völlig frei versuchte, die
Kugel in die angrenzende Eishockeyhalle zu
pöhlen, was ja bei ihm in dieser Saison leider
nichts Neues ist (bis auf die Eishockeyhalle
vielleicht). Aber auch Wolf, Canale, Lambertz
und Anfang vergaben aus aussichtsreichen
Positionen. Den einzigen Treffer für Fortuna
erzielte erneut Robert Palikuca, der einen
Anfang-Freistoß in der 58. Minute zum 1:1
einnickte. Kurz nach der Pause waren die
HSV-Bubis, die sich im wesentlichen auf Kampf
beschränkten, durch einen verwandelten
Foulelfmeter von Cannizzaro mit 1:0 in Führung
gegangen, zuvor hatten Anfang und Lambertz den
Ball 20 m vor dem eigenen Tor vertändelt, ein
schneller Pass in die Spitze, und Deuß konnte
den gegnerischen Stürmer nur noch fällen, klare
Sache. Im Anschluss an den Gegentreffer verlor
Fortuna kurz die Ordnung und hatte Glück, dass
der HSV nicht das zweite Tor nachlegte. Durch
den schnellen Ausgleich fing man sich jedoch
wieder und war bis Ende des Spiels tonangebend,
musste aber immer vor den schnellen Kontern der
Gastgeber auf der Hut sein. Ein Sieg war
durchaus möglich, aber auch eine Niederlage wäre
drin gewesen, sodass man auch hier zufrieden
sein musste.
Nachtrag: am
gleichen Tag sollte in der Verbandsliga
Niederrhein (5. Liga) Fortuna II zum
Spitzenspiel bei RW Essen II antreten. Der
Fußball-Verband Niederrhein verschob aufgrund
von Sicherheitsbedenken die Partei von Sonntag
auf Dienstag und verdonnerte RWE dazu, das Spiel
in deren Stadion an der Hafenstraße stattfinden
zu lassen! Was bei ca. 400 Zuschauern auch
wirklich erforderlich war...Beim Spiel HSV II –
Fortuna war die dreifache Zuschaueranzahl
anwesend, ohne eine ernsthafte
Sicherheitsvorkehrung. Aber wie gesagt, wenn man
Bundesligist ist, hat man es natürlich auch beim
Verband erheblich leichter. Warum sollte sich
auch ein wichtiger DFB für den
Wolfgang-Meyer-Sportplatz interessieren? Die
hatten ganz andere Sorgen, schließlich musste
deren Präsident, der falsche Fünfziger, nahezu
gleichzeitig an jenem Sonntag in dieser
DSF-Korsakow-Syndrom-Runde (bitte im Pschyrembel
nachschlagen), mal flott verkünden, er sehe die
Rückkehr von Christoph Daum in die Bundesliga,
wenn auch vorerst nur in die Zweite, durchaus
kritisch, weil der Christoph, der olle Kokser,
sich erst noch „soziale und moralische
Glaubwürdigkeit“ wieder erarbeiten müsse, und
das sehe er, Zwanziger, jetzt noch nicht so
ganz. Da sag ich natürlich auch „Keine Macht den
Drogen!“, und dem DFB ein kräftiges „Prost!“ vom
langjährigen Hauptsponsor, der ja auch munter
sein Scherflein dazu beiträgt, dass in diesem
Land jährlich Zigtausende an Alkoholmissbrauch
verrecken und einige es vorher schaffen,
wenigstens noch ein paar Nüchterne plattzufahren.
Wie bigott darf Politik eigentlich sein? Aber
Rauchverbot im Stadion diskutieren, und bei
Trainern, die einem nicht passen, die Moralkeule
schwingen, jaja. Da wird’s vom Hauptsponsor
bestimmt ein ordentliches Weihnachtspräsent
geben...
Last Orders, please!
Am 25.11.06 stand
sodann das letzte Heimspiel des Kalenderjahres
2006 an. Wie erwähnt kam Holstein Kiel und wie
befürchtet waren sie auf dem aufsteigenden Ast.
In der ersten Halbzeit machten sie der Fortuna
das Leben schwer, standen sehr gut hinten drin
und spielten munter nach vorne. Stürmer Pavel
Dobry sorgte für ziemlichen Alarm in der
Fortuna-Hälfte und hatte auch zwei gute Chancen.
Zudem wurde der eh schon ziemlich gebeutelte
Fortuna-Kader nochmals kalt erwischt: in der 18.
Minute musste Robert Palikuca, zuletzt immerhin
zweifacher Torschütze, mit einer Zerrung vom
Platz humpeln. Für ihn kam Erdal Eraslan, der
nach dem ersten Sprint die Gangart von Palikuca
nachahmte und zur Pause ebenfalls mit Zerrung
draußen blieb. Auch Jörg Albertz kehrte nicht
wieder, der im Training lädierte Zeh, um
dessentwillen er vor dem Spiel eine
schmerzstillende Spritze erhalten hatte, muckte
wieder auf. Somit war das Wechselkontingent
schon zur Pause erschöpft, und alle drei Wechsel
erfolgten verletzungsbedingt. Muss man auch erst
einmal schaffen. Umso besser, dass diejenigen,
denen auf dem Platz jetzt wirklich nichts mehr
passieren durfte, auch gar nicht daran dachten,
sich zu verletzen, sondern noch mehr Druck nach
vorn entfachten, und in der 54. Minute auch
belohnt wurden, als Canale in einem seiner
wenigen lichten Momente einen schönen Pass von
links in die Mitte zu Markus Anfang spielte.
Dieser hatte 20 Meter vor dem Tor alle Zeit der
Welt, den Ball zu stoppen, zu gucken, und die
Kugel dann volley links oben in den Giebel zu
hauen. Ein Traumtor, welches völlig zurecht auch
in der „Sportschau“-Auswahl zum „Tor der Woche“
auftauchte. Kiel musste nun aufmachen, kam auch
noch einmal gefährlich vor das Fortuna-Tor,
wiederum Dobry zielte nur Zentimeter neben den
linken Pfosten, aber dann war das Spiel durch,
weil sich gleich zweifach Wundersames ereignete:
zum einen nutzte Fortuna endlich, endlich mal
eine Konterchance, zum anderen war es
ausgerechnet der Chancentod der letzten Wochen,
Marcel Podszus, der auf herausragende Vorarbeit
von Lambertz, der mal eben vier Kieler auf sich
zog und dann im richtigen Moment abspielte, das
entscheidende 2:0 erzielte. Tja, und wenn schon
„Podsche“ trifft, der bislang in dieser Saison
wirklich die Seuche am Fuß hat, dann kann ja
nix mehr passieren! Und so war es auch, das 2:0
wurde locker nach Hause gespielt. Somit hat
Fortuna im Kalenderjahr 2006 nur ein einziges
Heimspiel verloren, im August gegen RW Ahlen.
Das war übrigens das einzige Heimspiel in 2006,
bei dem ich nicht vor Ort war, ich persönlich
kann also wirklich nicht klagen.
Fortuna keucht
sich auf Platz 2
Mit dem letzten
Aufgebot und ein wenig Glück erreichte Fortuna
am 02.12.06 ein 1:1 bei Mönchengladbach II. Da
gleichzeitig der Wuppertaler SV in Emden mit 1:3
verlor, kletterte die Fortuna durch dieses
Unentschieden tatsächlich noch auf Platz 2 und
beendete die Hinrunde damit auf einem
Aufstiegsplatz.
Dies war
allerdings auch so ziemlich das einzig
Erfreuliche an diesem Spiel. Fortuna fehlten
Lambertz, Albertz, Feinbier, Cakir, Eraslan und
Costa, allesamt verletzt, immerhin saß Oliver
Barth nach mehrwöchiger Verletzungspause wieder
auf der Bank und wurde in der zweiten Halbzeit
auch eingewechselt. Neben ihm wärmten sich
übrigens neben Ersatztorwart Kronholm sowie Wolf
und Adewunmi drei Spieler aus dem
Verbandsliga-Kader die Hintern an, mehr Personal
hatte Trainer Weidemann nicht mehr zu bieten.
Außerdem war man am Dienstag zuvor im FVN-Pokal
zum dritten Mal hintereinander in der dritten
Runde beim Wuppertaler SV ausgeschieden (jaja,
das wird ja immer „ausgelost“), das war
allerdings nichts Neues, leider jedoch gab es
die spielerische „Höchststrafe“, sprich 120
Minuten ohne Tore und anschließendes
Elfmeterschießen, das der WSV mit 4:2 gewann
(Heeren und Kruse verschossen). Entsprechend
„fit“ war man am Spieltag (und Wuppertal ja
auch, wie das Ergebnis in Emden zeigt). Fortuna
bekam die Partie vor 4.500 Zuschauern im
Borussia-Park zu keiner Zeit in den Griff, in
der zweiten Halbzeit hatte der Tabellenletzte,
der schon seit Wochen Komplimente bekommt, dass
er da eigentlich gar nicht hingehört, mehrere
hochkarätige Chancen, die aber allesamt derart
kläglich vergeben wurden, dass Torwart Deuß
nicht einmal eingreifen musste, die schossen von
ganz allein drüber oder vorbei. Da konnte man
sehen, warum diese Mannschaft, die spielerisch
eine Menge drauf hat, so abgeschlagen am
Tabellenende steht. Beeindruckend immerhin der
Auftritt des erst 17jährigen Marko Marin im
Gladbacher Mittelfeld. Er war es auch, der, als
niemand mehr damit rechnete, in der 90. Minute
das 1:0 erzielte, wobei er allerdings gleich
doppelt Glück hatte: zum einen war der Freistoß
vom Schiri geschenkt, zum anderen hätte der „Fohlen“-Nachwuchs,
wie schon beschrieben, auch noch zwei Stunden
weiterspielen können, ohne das Tor zu treffen,
deshalb wurde der harmlose Freistoß von einem
Kopf in der Mauer abgefälscht und landete
unerreichbar für Torwart Deuß in der langen
Ecke. 1:0 in der 90. Minute gegen eine „II“-Mannschaft
ist aber im Jahr 2006 bei Fortuna kein Grund,
das Stadion wutentbrannt zu verlassen. Am
Karnevalssamstag diesen Jahres spielte Fortuna
zuhause gegen den HSV II, 0:1 in der 91. Minute,
1:1 in der 92. Ende September war Bremen II zu
Gast und freute sich, 1:2 in der 89. Minute,
dennoch gab es lange Gesichter bei den Bubis,
2:2 in der 90. Minute. Und so auch hier: da sich
die Gladbacher mental wohl schon auf der
Ehrenrunde befanden, konnte Palikuca im Gegenzug
noch den glücklichen Ausgleich erzielen und ein
komplettes Desaster vermeiden, wobei er ein
grobes Missverständnis in der Gladbacher Abwehr
zum Abstauber nutzte: nach einem langen Pass in
den Gladbacher Strafraum waren sich zwei
Abwehrspieler und der herausstürzende Torwart
Richter nicht einig, wer den Ball nehmen sollte,
nach dem Motto: „Nimm du ihn, ich hab ihn
sicher!“ ließen sie ihn alle drei durch, und als
netten Nebeneffekt grätschte Richter beim
Verfehlen des Balles auch noch seinen eigenen
Mann um. Die Kugel hoppelte weiter Richtung
leeres Tor und wurde vom mitgelaufenen Palikuca
verwertet, der sich erst sehr über den Treffer
wunderte, er dachte wohl, der Schiri habe
Abseits gepfiffen, und die drei Jungs vor ihm
wollten mit ihrer Hampelei nur Zeit schinden.
Aber das Tor zählte natürlich, und Fortuna
rettete einen Punkt, denn der Schiri ließ gar
nicht mehr anpfeifen. Und wenn wir den
Gladbachern schon ein Tor schenken, ist es nur
gerecht, wenn die sich im Gegenzug revanchieren.
Fair play vom Tabellenletzten (oder vielleicht
auch nur eine Entschädigung für unglaubliche
fünf Euro Parkgebühr – die wissen wirklich, wo
beim Fan das Geld sitzt...), und nur ein blaues
Auge für den neuen Tabellenzweiten.
Da die kläglichen
Überreste der Mannschaft wirklich nur noch auf
dem Zahnfleisch gingen bzw. humpelten, war es
fast schon erfreulich, dass vor der Winterpause
nur noch ein Spiel anstand, am 09.12.06 bei
Zweitliga-Absteiger RW Ahlen.
Ausgeknockt
Tja, wer müde ist,
der schläft gerne lang. Und das auch zu den
unpassendsten Zeitpunkten. Die Elf, die Trainer
Uwe Weidemann, an jenem schönen, sonnigen
Dezember-Samstag aufs Feld schickte, suchte sich
dafür leider die ersten zwanzig Minuten des
Spiels aus. Und deshalb gab es auch eine derbe
1:4-Klatsche. Die erste Niederlage seit dem
13.09.06. Es musste irgendwann passieren, hätte
allerdings nicht unbedingt so deutlich sein
müssen.
Schon nach 78
Sekunden durfte Torwart Deuß die Kugel zum
ersten Mal aus dem Netz holen: langer Pass auf
die rechte Seite zu Toborg, wenn ich höflich
bin, sag ich mal, die Abwehr wollte auf Abseits
spielen, und das ging schief, aber eigentlich
haben sie nur gepennt, Toborg brachte den Ball
in die Mitte und Glöden staubte ab. Eigentlich
kein Grund zur Beunruhigung, noch 88 Minuten
Zeit, dies zu korrigieren. Da kam aber nix. Und
nach 20 Minuten hätte man abpfeifen können.
Freistoß von rechts, Bäumer zieht die Kugel mit
links flach in den Fünfer, und dann kommt das
bekannte Bild: ungefähr zwanzig Mann rutschten
am Ball vorbei, der Torwart kann nix sehen, und
die Kugel hoppelt ins lange Eck. Klar, sieht ein
Torwart da blöd aus, aber wenn ein Dutzend
Spieler vor ihm rumhampeln und keiner den Ball
berührt, kann er meiner Meinung nach nichts
dafür. 2:0 und Feierabend. Denn es erfolgte kaum
ein Aufbäumen. Viel zu langsam, viel zu schwach
in den Zweikämpfen und vor allem viel zu
lauffaul zeigten sich die Akteuren in schwarz.
Cebe hatte noch Pech mit einem Pfostenschuss,
als wirklich einmal schnell kombiniert wurde,
dann war auch schon Pause. Was ganz besonders
auffiel: beide Abwehrreihen waren gedanklich
wohl schon beim Glühwein auf dem
Weihnachtsmarkt. Auch wenn die Fortuna mal zwei
Minuten Druck machte, bekamen die Ahlener den
Ball nicht weg, schlugen Fehlpässe vor dem
eigenen Strafraum, und selbst deren Torwart
Völzow – in der Pause noch als bester Ahlener
Spieler der Vorrunde ausgezeichnet – griff
lustig an Flanken vorbei. Aber es nutzte niemand
aus, deshalb konnten sie sich das erlauben.
Die zweite
Halbzeit ist schnell erzählt, aber ich hoffe,
dass sie Trainer und Spieler analytisch noch ein
bisschen beschäftigen wird, Ahlen zeigte nämlich
perfektes Konterspiel, was zu zwei weiteren
Toren durch Stahlberg und Großkreutz führte.
Besonders das 3:0 war wirklich erstklassig
herausgespielt, in zehn Sekunden vom eigenen zum
gegnerischen Tor, Überzahl ausgenutzt, Pass im
genau richtigen Moment, überlegter Abschluss.
Das Ding als Lehrvideo zum Üben in der
Winterpause!
Es war auch
gleichzeitig die Entscheidung, zuvor hatte
ausgerechnet der Ex-Ahlener Langeneke den so
wichtigen Anschlusstreffer vergeben, er
scheiterte aus fünf Metern an Völzow. Im
Gegenzug fiel das 3:0, und das Spiel war durch.
Der vierte Ahlener Treffer sowie das Ehrentor,
ein schöner direkt verwandelter Freistoß von
Markus Anfang, waren nur noch Zugaben. So
richtig interessierte das eh niemanden mehr,
hatte sich doch anderweitig etwas zugetragen.
Mitte der 2.
Halbzeit wurde in einem Teil des
Fortuna-Fan-Blocks Rauch gezündet (der gut
gefüllte Fan-Block, ca. 2.000 Leute, war durch
Zäune in drei Abschnitte geteilt). Über den
Unsinn dieser „Fan-Kultur“ brauche ich kein
weiteres Wort zu verlieren, meine diesbezügliche
Einstellung ist bekannt. Auf jeden Fall
marschierte die anwesende Hundertschaft neben
dem Block auf und legte in aller Ruhe und vor
aller Augen Kampfmontur an. Anschließend wurde,
unmittelbar, nachdem das 0:3 gefallen war, der
Block geentert, um entweder die
Rauchbombenzünder oder die zwei Jungs, die sich
auf dem Zaun aufgehalten hatten, herauszuholen.
Die Begründung ist noch widersprüchlich, eins
ist jedoch sonnenklar, sowohl die
Rauchverbreiter als auch – natürlich – die
Zaun-Jongleure waren bereits auf dem
Polizeivideo erfasst, man hatte die ganze Zeit
mitgefilmt. Warum man dann nicht in aller Ruhe
bis nach Spielschluss wartete, um sich die Leute
zu greifen, wird das Geheimnis des
Einsatzleiters bleiben. Wahrscheinlich war ihm
kalt. Die Polizei betrat somit den Block mit
zehnminütigem Ansagen und der Einschüchterung,
direkt in vollem Einsatzanzug einzurücken. Als
man auf das stieß, was man für „Widerstand“
hielt, wie man es ja anscheinend auch erwartet
hatte, wurde mal eben wahllos eine Schneise in
den Block geknüppelt, auch Tränengas kam zum
Einsatz. Die Reaktion fiel allerdings anders aus
als erwartet, die Menge der Fans drückte die
Polizei wieder aus dem Block heraus. Man kann
auch sagen, sie wurden ordentlich verdroschen,
weil sie hoffnungslos in der Unterzahl waren.
Was dem Einsatzleiter auch schon vorher klar
gewesen sein musste. Es gab hüben wie drüben
Verletzte, erst als die Polizei den Block
zwangsweise wieder räumte, herrschte Ruhe.
Wer meine Artikel
regelmäßig liest, der weiß, dass ich weit
entfernt davon bin, jede Aktion von Fortuna-Fans
gutzuheißen. Es ist eher das Gegenteil der Fall,
ich kann Leute, die sich zu wichtig nehmen und
die ihre Art von „Kultur“ ausleben, ohne
Rücksicht auf die anderen zu nehmen (vom Verein
wollen wir hier gar nicht sprechen, ist in
solchen Aktionen sicherlich zu abstrakt), nicht
besonders leiden. Und die waren natürlich auch
hier wieder anwesend, es waren diejenigen, die
erst provozierten, was das Zeug hielt, und die
sich dann, als es eskalierte, auf die höheren
Treppenstufen zurückzogen, die unteren Reihen
gegen die Polizei schubsten und anschließend
beide Gruppen mit vollen Bierbechern
bombardierten. Die sich wahrscheinlich danach
die Hände schüttelten und von einem „gelungenen
Nachmittag“ sprachen. Klar, ausbaden mussten es
die Leute in den unteren Reihen. Die wollten
sich allerdings diesmal nichts gefallen lassen
und reagierten.
Ich habe in dieser
Saison schon das Verhalten einzelner angeblicher
Fortuna-Fans genauer beschrieben, besonders, was
dieses unsägliche Spiel in Wuppertal angeht. Und
ich bin jemand, der das Wort „Polizeiwillkür“
niemals leichtfertig in den Mund nehmen bzw. in
die Tastatur hämmern würde. Was jedoch an diesem
Samstag in Ahlen abging, war dermaßen erkennbar
eine solche, dass man eben auch nicht daran
vorbei kommt, dies entsprechend zu würdigen.
Eine gewollte Eskalation der Ordnungsacht,
nichts anderes. Da kann die Presse schreiben,
was sie will, da kann sich der Einsatzleiter
rechtfertigen, wie er will, jeder, der Augen im
Kopf hatte, musste das sehen. Wenn man schon so
scharf darauf war, die einzelnen Leute
mitzunehmen, dann hätte dies auf ganz andere Art
und Weise gelöst werden können. Man war aber
eindeutig auf Krawall gebürstet und lebte dies
dann auch aus. Und genau, wie es nicht sein
kann, dass irgendwelche Spinner
Leuchtspurmunition in den gegnerischen Block
ballern (um noch mal auf Wuppertal zu kommen),
genauso wenig kann es sein, dass sich die
Ordnungsmacht so verhält wie in Ahlen. Denn bei
denen scheint es zum Programm zu gehören. In der
vorletzten Saison, als mit Eintracht Frankfurt
ein ähnlich großer Anhängertross anrückte, gab
es haargenau dieselben Probleme. Komischer
Zufall. Wollte ich dann auch nur noch einmal
drauf hinweisen. Fortuna-Fans genießen durchaus
auch aufgrund einiger Spinner in ihren Reihen
auswärts keinen besonders guten Ruf. Dies heißt
allerdings auch nicht, dass man sie dazu
benutzen kann, einfach mal „aufzuräumen“ oder
„durchzugreifen“, wenn die Maßnahme in keinerlei
Verhältnis zur „Straftat“ steht. Mit Knüppeln
und Tränengas gegen Leute vorzugehen, die auf
dem Zaun sitzen (wie übrigens im Mai schon in
Jena von einer bayrischen Hundertschaft
vorexerziert), ist in etwa vergleichbar mit
lebenslänglich für den Diebstahl eines
Kaugummis. Ich hoffe nur, dass dies für diese
Saison ein Einzelfall bleibt.
Apropos Saison:
die ist ja nun in der Winterpause. Fortuna steht
mit 31 Punkten so ungefähr da, wie der Trainer
es vor Saisonbeginn vermutet hatte. Womit er
sicherlich nicht gerechnet hatte, ist, dass es
damit für Platz 4 in der Tabelle und nur einen
Punkt Rückstand zum Aufstiegsplatz reicht.
Letztes Saison wäre man mit dieser Punktausbeute
um diese Uhrzeit nur Achter gewesen. Natürlich
waren einige schlechte Spiele dabei. Natürlich
reicht dies einigen Leuten, den Kopf des
Trainers und mindestens vier neue Spieler in der
Winterpause zu fordern. Diese Herrschaften
machen somit Trainer und Spieler für die
schlechte Platzierung verantwortlich. Ihrer
Meinung nach müsste man also mit einem solchen
Kader bereits mit sechs Punkten Vorsprung die
Tabelle anführen. Mit Leuten wie Feinbier, der
bislang genau siebeneinhalb Spiele in dieser
Saison gemacht hat, oder wie Albertz, Anfang und
Palikuca, die auf eine Einsatzzeit von knapp der
Hälfte aller Spiele kommen, ansonsten stets
verletzt waren. Der Trainer setzt ja auch
regelmäßig Spieler aus der
Verbandsliga-Mannschaft auf die Ersatzbank, weil
es ihm Spaß macht und er den Jungs mal die große
weite Regionalliga-Welt zeigen möchte, nicht,
weil er muss. Solche Nörgler finde immer
recht erheiternd, zeigen sie doch sehr deutlich,
wie weit sie sich von der Realität entfernt
haben. Zumal sie anscheinend der Meinung sind,
beim Gegner spielen eh nur Krampen. Und die,
wenn solche Arroganz dann bestraft wird, die
Schuld sofort bei den Verantwortlichen suchen.
Da wir das Kalenderjahr mit einem äußerst
ungünstigen Ergebnis abgeschlossen haben, werden
diese Leute in der Winterpause natürlich
reichlich Auftrieb bekommen und ihre Weisheiten
zuhauf absondern. Denn sie wollen doch nur das
Beste, da muss man schon mal mit dem „eisernen
Besen“ kehren. Oder anders formuliert:
durchgreifen und aufräumen. Insgeheim hoffen sie
natürlich, dass es nicht so kommen wird, da sie
dann nächstes Frühjahr bei verpasstem Aufstieg
ihre Schuldigen schon haben. Die haben sie ja
immer. Manchmal schon merkwürdig, wie sich
manche Leute für „ihren“ (angeblich) Verein
interessieren...
Ich persönlich
glaube immer noch nicht, dass die Truppe für
einen Aufstieg gut genug ist, die Konkurrenz ist
mir einfach zu groß. Dies ist allerdings nur
meine persönliche Meinung. Aber wenn die anderen
Vereine so dämlich sind, und ihre Chancen nicht
nutzen, wenn wir patzen (so wie wir umgekehrt
schon mehrfach zu blöd waren, unsere Chance zu
nutzen, wenn die anderen patzten), wenn also
alles so eng beieinander bleibt – warum sollten
wir dann keine Chance auf den Aufstieg haben?
Selbst mit diesem Trainer, der anscheinend keine
Ahnung hat, selbst mit dieser Trümmertruppe, die
Woche für Woche von denselben Leuten
niedergemacht wird? Doch, ich glaube, wir haben
eine Chance, zumal wir ja für eine gute
Rückrunde bekannt sind. Ich glaube, im März 2007
wird man es wissen. Die ersten drei
Heimspielgegner in der Rückrunde lauten: VfL
Osnabrück (derzeit Tabellenführer), Dynamo
Dresden (5.), Wuppertaler SV (2.), der erste
Auswärtsgegner RW Erfurt (3.). Sollte man nach
diesen Spielen noch oben mit dabei sein, wird
noch etwas gehen. Der Grundstein dafür wurde in
der Hinrunde gelegt, egal, wie schwach mancher
Akteur auf dem Rasen herumdilettierte. Deshalb
gibt es von mir auch keine Einzelkritik zum
bisherigen Saisonverlauf, alle hatten sie Licht
und Schatten, der eine mehr, der andere weniger.
Ich hoffe, dass sie in der Rückrunde alle
erleuchtet sein werden. Wenn dabei der Aufstieg
rausspringt, sehr schön. Wenn nicht? Ich bin
relativ sicher, dass auch am Morgen danach die
Sonne wieder aufgehen wird. Und dass bei Fortuna
dann auch immer noch Fußball gespielt werden
wird. Oder was mancher dafür hält.
Frohe Weihnachten
und einen guten Rutsch: janus
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